Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2566 (15.4.1926)
- Date
- 1926-04-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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4h. 8888 Men, DonnerMg Wiener Morsenzeikuns 15. Apr'l 1926 es nicht verknüpft wird mit der strengen und hohe» Forderung der HedrSifiernng. Nichts menschliches fei dem Zionismus fremd, oder vor allem nichts jüdisches! Wolle« wir den Geist unseres Bottes wieder erwecken und zu großer menschheitlicher Leistung weite«, so müssen wir wissen, daß der Geist nicht wiedergeboren Wird, eS fei denn in der Sprache. Diese Wiederbelebung aber ist ebenso Werk und Ausgabe der Gesamtheit wie jedes einzelnen. Zionisten! Der Monat Jjar ist ein zeitgebundenes Symbol einer immerwährenden Pflicht. Cr ist ein Lehrmonat und ein Lernmouat! Er ist ein Monat der Prüfung und der Zahlung! Er ist der Monat der zionistischen DewLhrnng! Jerusalem, London, im Nissan 5686. Die Exekutive der Zionistischen Organisation. Regierungswechsel in der Tschechoslowakei. Cenrrh denrissiorriert, Schießl übernimmt die Leitung der Regierung. Prag, 14. April. Wie die morgige „Deutsche Landpost" von sehr gut informierter Quelle erfährt, werde Ministerpräsident Czerny wegen der Erfolglosigkeit seiner Verhandlungen mit den tschechischen sozialistischen Parteien als Chef der Regierung zurücktreten, jedoch das Innenministerium beibehalten. Die Leitung des Kabinetts werde der Minister für soziale Fürsorge und Gesundheitsminister S ch i e ß l, der bekanntlich vor seiner Berufung Sektionschef in der KabrnettManM des Präsidenten Masaryk war, übernehmen. Seine Funktionen als Ressortchef der beiden Ministerien werde er ebenfalls beibehalten. Eine weitere Veränderung im Beamtenkabinett werde nicht erfolgen. Tschechische Faszisten. Prag, 14. April. Die tschechischen Faszisten hielten gestern aus der Sofien-Jnsel eine sehr stark besuchte Versammlung ab, in der v i e r R e d n e r Ansprachen hielten und für den Faszismus Stimmung machten. Sie empfahlen die Enteignung der Deutschen und Juden. Die Polizei hielt mit starkem Aufgebot die Wiese besetzt, hatte aber keinen Anlaß einzuschreiten. Um 11 Uhr nachts erschienen dreißig bis vierzig Faszisten im Deutschen Haus aus dem Graben, wo sie in dem zahlreich besuchten Lokal an mehreren Tischen Platz nahmen und nach einer halben Stunde t s ch e chische Lieder zu singen begannen. Es wurde Wache in den Saal gerufen, die die Faszisten aufforderte, das Singe» einzustellen. Als die Polizei den Saal verließ, begannen sie von neuem zu singen. Als sie zurechtgewiesen wurden, begannen sie zu lärmen. Sie riefen: „Hier wird nicht deutsch gesprochen, hier sind wir in Prag und nicht in Berlin." Die Faszisten versuchten nun, den Senator Brnu a r, der sich neben mehreren anderen deutschen Parlamentariern im Saale befand, zu attakieren. Inzwischen war zum zweiten Male Polizei herbeigerusen worden, um die Demonstranten aus dem Saale zu entfernen. Mehrere Personen wurden zum Polizei- Bel dieser Witterung 0(E(flfd|fr Winter, weil fetter und zarter im Fleisch pro Kilo vavei omnriny uno vltltg a a Üabkiau (S«fq«y au s ra«A Stuft», LelstM», »nt SiWiiik pttiiiwrt Lnckshertnge perStück SV e, gebackener Seetchtll 10 Deka 20 g (Solid) frisch! Deutsche Domvflt'cherei kommisiariat gebracht, wo sie angaben, sie seien von den Gasten des Deutsche« Hauses provoziert worden. Der größte Teil der Gäste hatte während der Vorfälle das Deutsche Haus verlasien. Prag, 14. April. Don der gestern von den Prager Faszisten abgehaltenen Versammlung, nach welcher die Faszisten in das Deutsche Haus «ündrangerr, berichtet der sozialdemokratische „Pravo Lidu", es sei dort unter anderem die Aeußevrmg getan worden, Dr. Benesch täte am besten, wenn er sich selbst niederlege, da ihn sonst die Faszisten niederlegen wiirden. Als ein anwesender Sozialdemokrat gegen diesen Ausspruch protestierte, wurden er und seine Gattin von den Faszisten m i ßhandelt, wobei der Frau eine Geldbörse gestohlen wurde. Skrzynsli in Prag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 14. April. Heute würben zwischen dem Minister des Aeußern Dr. B e n e s ch und dem polnischen Außenminister Grafen Skrzynski die RatiMatnmsuÄnnden des Arbitragsvertr^ges zwischen Polen und der Tschechoslowakei sowie dre Ratrfikationsuckunden des sogenannten Liqurdierungsver träges ausgetaulscht, der alle Rechts- und sinanzielle Fragen regelt, die aus der Teilung des Teschener Gebietes (Mieder-Schlesien) sowie der Gebiete von Arra und Zips (in der Slowakei) entstanden sind. Mittags empfing der Präsident der RapuMk den Grafen Skrzynski in Audienz. Abends gab Minister Dr. Benesch und Gemahlin M (Ihren der Gaste ein Diner, an dem die Mitglieder der Regierung, des diplomatischen Korps und zahlreiche Parlamentarier teilnahmen. Am Schluffe des Diners wurden Tvinksprüche gewechselt. Um halb 1 Uhr nachts trat Skryynski die Weiterreise nach Wien an. . Direttor Kolba« in Polen. Genf, 14. April. (I. T. A.) Der Direktor der Abteilung für Minderheitsvölker im Sekretariat des Völkerbundes, C o l b a n, ist nach Polen abgereist. Me es heißt, wird Herr Colban in Polen einige Zeit verbleiben, um die Verhältniffe der nationalen Minderheiten, auch der jüdischen Minderheit, in diesem Lande zu studieren. Klar Mische Abordnung beim Minister fit Petzarabien. Kischinew, 14. April. (I. T. A.) Der neue Minister für Beßarabien N i c a erklärte einer Abordnung der jüdischen Bevölkerung, die Regierung Averescu werde die jüdischen Angelegenheiten mit Wohlwollen behandeln. Beendig»«« desSiudentenftreiksin Rnmiinien. Bukarest, 14. April. (I. T. A.) Ein Aufruf der Studentenschaft proklamierte die Beendigung des Hochschulstreiks und forderte die Stildenten aus, zu den Vorlesungen zu erscheinen. In dem Ausruf heißt es, die Studentenschaft habe zu der neuen Regierung, insbesondere zur Person des Innenministers Oktavian Go ga volles Vertrauen und werde auch weiterhin über die Verwirklichung ihrer Forderungen wachen. Innenminister Goga selbst erklärte mehreren Journalisten, er habe in der Studentenfrage eine Lösung gefunden, die sämtliche Teile zufrieden stellen werde. Bekanntlich traten die judenfeindlichen Studenten der Universitäten Bukarest und Jassy vor einigen Wochen in den Streik, um eine Reihe Forderungen durchzusetzen, in erster Reihe die Forderung nach einem Numerus clausus für jüdisch eHochschulhörer. Reaktivierung des Antisemiten Cuza. Jaffy, 14. April. (I. T. A.) Eine Mitteilung der offiziösen Agentur „Rador" besagt: In Kreisen, die dem Unterrichtsministerium nahestehen, wird erklärt, der seinerzeit wegen öffentlicher Aufreizung zur Gewalt seines Lehramtes verlustig gegangene Antisemit Cuza werde an der Jaffyer Universität mit der Professur für politische Oekonomie betraut. Die „Lupta" bestätigt diese Meldung, meint jedoch, Cuza habe bereits das 70. Lebensjahr erreicht und hätte nach den Bestimmungen des Gesetzes in den Ruhestand versetzt werden sollen. Paris, 14. April. Aus Herrins im Staate Illinois wird gemeldet: Im Verlaufe von Ortswahlen kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Ku-Klux-Klan. Es wurden über hundert Schüsse gewechselt. Polizei und Militär mußten eingreifen, um die Ruhe wiederherzustellen. Drei Mitglieder des Ku-Klux-Klan, darunter ein früherer Polizeichef, wurden erdolcht. Die Mörder konnten in einem Auto, in dem sie gekommen waren, fliehen. Ein Gegner des Ku-Klux-Klan wurde ebenfalls getötet, zahlreiche andere Personen erlitten Verletzungen. Pangalo« begnadigt dke Führer der Salonitier Meuterei. Achen, 14. April. (Agence d'Aihenes) Präsident Pangalo s hat verfügt, daß die Tovesstrafe gegen die dre i Führer der Meuterei von Saloniki nicht vollzogen werde. In Begründung dieser Entscheidung jagt der Präsident, daß er die DHesstrase nicht vollstrecken lasse, weil er vor und nach der Meuterei die Stellung der Regierung für äußerst stack betrachtet, Reisesaison in PalMna. Von Dr. Fritz Löwenstetn, Jerusalem. Die Peffachtage boten m diesem Jahre in Jerusalem 'Nicht das aus den letzten Jahren gewohnte Bild. Im vorigen Jahre, in der Zeit bei Universitätseinweihung, waren Hotels und Pensionen bis zum letzten Platz überfüllt, eine unendliche Zahl privater Zimm-rr wurde angeboten und restlos vermietet und zahlreiche Touristen fanden überhaupt kein Quartier. Auch im Jahre davor, obwohl tetrwfg kein außergewöhnliches Ereignis lockte, war -die Zahl >dcr um die Peffachzoit in Jerusalem zusammengeströmten jüdischen Touristen gewaltig. In diesem Jahn ist -'in ausgesprochener Rü^ang zu verzeichnen, über dessen Gründe sich etwa folgendes sagen läßt: Entscheidend :st sichcrlrch die wirtschaftliche Krise in Europa. Die Zahl der in diesem Jahre von Polen nach Palästina gegangenen Touristen ist so klein, daß sie möglicherweise noch nicht einmal eine zweistellige Zahl ergibt. Im Vorjahre zählte sie nach vielen Tausenden, wenn nicht Zchntausenden, und mehr als einmal kam es vor, daß gruppenweise 50 oder 60 Juden aus irgend einem Städtchen kamen, besten Namen Wir nie gchört haben. Was von Polen gesagt ist, gilt fast ebenso von den meisten Landevn Ost- und Mitteleuropas, wenn auch mit Unterschieden, wie denn zum Beispiel aus Deutschland eine zwar kleinere, aber immerhin nicht ganz unbeträchtliche Zahl von Touristen erschienen ist. Ein weiteres Moment, das sich nunmchr in seinen Wirkungen gleichmäßig aus alle Lander der Diaspora erstreckte, ist der Druseuaufftand, der zwar, wie bekannt, Palästina auch nicht im mindesten -in Mitleidenschaft gezogen hat, trotzdem aber viele Reisende von einem Besuche albgchalten hat, insbesondere solche Reisenden, die nicht nur Palästina in ihrem Reiseprogramm hatten. Geographie ist leider eine in weiten Kreisen recht unbekannte Wissenschaft, und man würde staunen, wenn man die zahlreichen Briese lesen würde, die Palästinenser von ihren Verwandten im Ausland bekonrmen und worin sie besorgt angofragt werden, „wie es ihnen in Jerusalem unter der Drusenherrschaft geht". Das ist gewiß humoristisch, aber unter den Folgen hat Palästina zu leiden. Es erscheint nicht überflüssig, in etwas grundsätzlicher Art und Weise ans einige Fragen der Palüstinatollristik hier eiilZligeheil, zumal von einem wirklichen Verständnis kür diese -Fragen für die verschiedensten Gebiete zionistischer Arbeit viel abhängt. Denn die Touristik hat zwei Seiten: sie bedeutet eine wesentliche wirtschaftliche Einnahmequelle für Palästina und sie bringt in jedem Jahre Juden aller Länder der Galuth in unmittelbaren Kontakt mit Palästina, die nach ihrer Rückkehr freiwillige Propagandisten für den Palästinaaufbau werden können. Für diejenigen, die von Vorneherein mit der Absicht nach Palästina fahren, dort das jüdische Aufbauweck zu sehen, besteht heute kein schwieriges Problem mehr. Das von der Zionistischen Exekutive, dem Keren Hajessod und dem Keren Krjemeth geschaffene Jüdische JnformationSbureau für Touristen hat sich schnell eine Stellung zu verschaffen gewußt. Der Tourist wird auf seinem Wege von seiner Heimatstadt bis nach Jerusalem bei so vielfältigen Gelegenheiten und in so eindringlicher Weise auf die Existenz dieses Bureaus hingelenkt, das nicht verdienen will, sondern nur dem Touristen Helsen will, daß man schon in diesem Jahre konstatieren konnte, daß der eben gekennzeichnete Typus von Touristen zum weitaus größten Teile seinen Weg in das Jnsormationsbureau fand und, was wesentlich ist, ihn am Anfang der Reise fand. Das Jnfovmationsbureau pflegt solchen Touristen nicht nur einen genauen Reiseplan auszuarbeiten, wobei nicht nur Namen angegeben werden, sondern der Tourist darauf hingewiesen wird, worauf er an «jedem Ort und bei jeder Unternehmung zu achten hat; er erhält einen von der Zionistischen Exekutive ausgebildeten und geprüften jüdischen Führer, aber vor allem kann das Jnsormationsbureau außerordentlich propagandistisch wirken. Der lang gehegte Wunsch nach einem Propaganbazentrum ist durch das Jnformationsburearr in seiner jetzigen Arbeitsweise noch nicht verwirklicht, wohl aber der Verwirklichung um ein «bedeutendes Stuck naher gebracht. In manchmal mehrstündigen Unterhandlungen werden mit interessierten Touristen alle Probleine des Zionismus und des Palästi-naufbaues besprochen, sie erhalten Literatur in allen Sprachen, und zwar ebenso über -die Fonds wie gründlichere theoretische Bücher und man könnte heute eine ganze Reihe von Namen von Personen veröffentlichen, die durch ' das Jnsormationsbureau erst auf die Existenz eines modernen jüdischen Palästina aufmerksam gemacht wurden, und die unter dem Eindruck dessen, was sie sahen, was sie hörten und! was sie lasen, als überzeugte Zionisten das Land verließen. In dieser Richtung muß im kommenden Jahre nur eines gefordert werden, daß nämlich die mit Touristen beschäftigten Stellen ür der GaiuH, vor allem die Palästinaämter und die Bureaus des Palestine Lloyd, jeden Touristen aus die Notwendigkeit Hinweisen, mit dem Juformotionsblureau in Verbindung zu treten. Aber die Zahl dieser Touristen, die nämlich kommen, um sich eine Vorstellung vom jüdischen Palästina zu b'lden, ist relativ gering. Das wirkliche Pröblem der Palästinatouristil sind diejenigen Touristen, die mit den sogenannten Cruises fahren. Es handelt sich «m größtenteils von Amerika aus» geherwe Kreuzfahrten im -Mttelmeer, gelegentlich auch Weltreisen, bei denen auch ein palästinensischer Hasen, fast immer Halft, angelaufen wird «nd die Touristen nach einem bis in die letzten Einzelheit« vorher festgelegten Plan binn>-.n zwei bis drei Tagen Palästina durchrasen, um dann mit der Bahn nach Kairo zu fahren. Um einen Begriff von der überragenden Wichtigkeit dieser Art von Touristik §u geben, wird es genügen, wenn wir betonen, daß im Lauft der Saison eitixi 20 derartige Schiffe Palästina anlaufen, daß jedes dieser Schiffe etwa 500 Touristen an Bord hat, von denen im Durchschnitt 10 Prozent Juden sein mögen. Ter Verlauf einer solchen „Palästinareffe" ist folgender: Das Schiff kommt früh in Haifa an, Met die Touristen, soweit sie interessiert sind, aus, am Quai stehen lange Rechen von Automobilen sowie ein Spezialzug. Ein Teil der Touristen fährt im Spezialzug direkt nach Jerusalem, der andere mit den Autos nach Nazareth, wo die Kirchen besichtigt werben, und von dort aus mit dem Auto weiter nach Jerusalem. Die Durchführung der Reise liegt in dm Händen einer der großen Reiftgeftll'chaften, die so aut wie ausnahmslos arabische Führer benützen, die Feinde des jüdischeu Aufbauwerkes sind oder bestenfalls ihm indifferent oder kenntnkSloö gegenüberstehen. Auf diese Weift wird es erreicht, daß jährlich Tau'sen«de von Touristen die Strecke .Haisa-Nazareth- Wle fahren, wo fast jeder Fußbreit Boden jüdischer Besitz ist, wo man dre chastdischen Siedlungen und Nahalal, Tel-Ädaß, Balfouria, Merchawiah, Asule liegen sicht, ohne auch nur von der Existenz einer einzigen jüdischen Siedlung in Palästina etwas zu vernehmen. Es sind Fälle bekannt, »vo mail Touristen, die die modernen, sauberen Dörfer und schönen Pflanzungen sahen und fragten, wem sie gehörten, antwortete, es I feien italienische und französische Dörfer.