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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-14 · Heft 2565 (14.4.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2565 (14.4.1926)
Date
1926-04-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2565 Dien, Mstvoch Wkeirer Msrü-nzesiMq n. flSrlt 1926 Mt 7 gu» Aeich der Lirichenblüte Wen Sie sich beim Betreten des bekannten Warenhauses der Brüder Schiffmann in der Taborstraße 48 versetzt. Die mit auserlesenem, künstlerischem Geschmack arrangierte japanische Innendekoration, die von bunten Lämpchen durchwivkten, yangenden Blütendolden in weiß und rosa sind wirklich sehens« toctt. Sehenswert und preiswert ist auch die soüben «Ungelangie, reichhaltige Kollektion in allerneuesten Stoff- und ^ibenwaren fürs FriUahr. Crepe de Chine, Marocain, Tastsieuvr, Faille de Claire. Achottenseibe, sowie alle Wollstoffe in herrlichen DesstnS und Modefarben werben in der kommenden Woche bei garantiert «Massiger Qualität zu staunend, billigen Boriaison-Okkasionspreisen verdaust. Gleichzrlttg wetrden die bekannt billigen Preise für Herren» und Damenwäsche. Leineckvaren, Vorhänge, Teppiche icho. ustv. wesentlich reduziert, um dem täglich wachsenden Kundenkreis dieses führenden Leopoldstädter Warenhauses wieder eitnmal die.außerordentliche Leistungsfähigkeit der Brüder Dchiffmann zu beweisen und jedem Käufer trotz des herrschenden Geldmangels Kaufmöglichkeit zu bieten. Eine Besichtigung des Warenlagers ohne Kaufzwang wird jedermann im eigcitsten Jntertffe empföhlen. _ Wien, 14. April. . * Das Wetter. Das Schönwetter hat auch gestern angehakten. Der Voraussage zufolge ist mit einer längeren Dauer zu' rechnen. * Ein Uebersall in der Novaraaaffe. In der Novaragasse wurde gestern nachtS der LVjährige Monteur Leopold Löwy, Franz-Hochedltnger-Gasst 36 wohnhaft von einem unbekannten Mann« plötzlich angsfauen und durch Stiche mit einem Taschennresstr am linken Oberschenkel und an der Stirne verletzt. Die Verletzungen sind leichter Natur. Der Täter würde noch in der Nacht verhaftet. * Me Lebensmüden. Gestern nachmittags wurde der 66jährige Hilfsarbeiter Rudolf Tenkrotz in seiner Wohnung erhängt aufgefunden. Cr hat aus Kränkung über den vor einigen Wochen erfolgten Tod seiner Gattin Selbstmord begangen. — Der 40jährige Angestellte der . städtischen Gaswerke Franz Lukas hat sich tn seiner Wohnung durch Einatmen.von Leüchtgas vergiftet und wurde tot aufgefunden. Kränkung Wer den Tod seiner Frau ist das Motiv der Tat. — Die 22sähr!ge Näherin Marie Kernreiter hat sich gestern mittags in ihrer Wohnung wegen häuslicher Zeotmirfniss« aus einem Fenster auf die Straße gestürzt und blieb tot liegen.! * Mn LiebeSdrama im Hotel. Vorgestern wurde im Zimmer eines Döblinger Hotels der 20jährige böschäftigungslche Kellner Karl Sehn er und feine Braut, die Lckährige Hilfsarbeiterin Anna Skrepek, mit Leuchtgasvergmnng betäubt aufgefunden. Beide hatten beschlossen, wegen unMcklichcr. Liebe gemeinsam zu sterben. Die Eltern des Kellners waren nämlich, gvgen seine Verbindung mit der Skrepek. Am 10. d. hatten sie sich in dem Hotel in der Absicht ein gemietet, sich mit Leuchtgas, zu vergiften. Sehner hat einaestanden, die Dürritzen des Hotelzimmers mit Papier und Stoffetzen verstopft. und dann den Gashahn geöffnet zu haben. Er wurde daher gestern wogen Mordversuches dem Landesgerichte einge-liefert. * Ablenkung der Bahnhosrundltnie. Wegen Geleistorbeiten wird der Bahtchofrundverkchr heute und morgen zwischen I n v a l i d e n st r a ß e Und Pra.terstern Wer die Landstvaßer Brücke, Stubsnbvücke.'Stube'itrlttg, Zlspernplatz und Praterstvaße geführt. Die Ablenkung gilt für beide Fahrtrichtungen. * Der Fremdenverkehr in Men im März 1928. Infolge der Wiener'Messe hat der Fremdenverkehr in Wien eine groß« Steigerung erfahren. Im März find insgesamt 44.036 (gegen 33.069 im Februar) Fremde in Wien eingetroffen. Bon den Fremden waren 16.478 Oesterreicher, 88 Afrikaner, 960 Amerikaner, 101 Waten, 31 Australier, 261' Bulgaren, 4364 Deutsche, 226 Franzosen, 70 Griechen, 493 Großbritannien 658 Italiener, 4043 Jugoslaewn, 24 Palästinenser, 1627 Polen, 1861 Rumänen, 209' Russen. 236 Schweizer. 7786 Dschechoslowaken und 5711 Ungarn. . * Vierzehnte österreichische Klaffenlotterie. Bei der gestern abgebaUenen Ziehung des z.veiten Tages der V. Klaffe gewannen: 9000 S. daS Los Nr. 37.934; je 50<>0 S. die Lose Nr 10 680 und 51416; 4000 S. daS Los Nr. 72.165; je 8000 S. die Lose Nr. 28.958 55.553 63 680, 65 416.69060 und 74.814; je 2000 S. die Lote Nr. 40.637. 68.637, 86.416, 93.558 und 96.165; je 1000 S. die Lote Nr. 10 893, 13.354, 15.766. 18.060. 24.106, 3b 150, 40.958. 46 836, 48.395. 54.616, 83.063. 84 850 und 99 993. Außerdem wurden 6972 Gewinne zwischen 500 S. uitb 160 S. ausgelost. Radioprogrmttm. Heute Mittwoch den 14. April. 16 Uhr 16 Min.: NachmittagSkowert. Mtiwtrkend i Opermängertrr G ete Bauer-L'llburg. „Aus italient'chen Opern." Verdi „Rabucodonosor," Ouvertüre. Camlantr „Loreley." Undinentanz. Boitor „MevbstopheleS." Phantasie. Pucetnir G'annt Schlecht Rosftni-Phantafie von Urbach. Verdi: „Rtgoletto." Pdantaste. - 17 Ubr 50 Mtn. r „Quer durch Oesterreich." Die Schulen Oesterreichs II. Vizekanzler a. D. Dr Bretscy. — 20 Uhr: Wiener Lieder. Komponistenabend „Wienerleut' von gestern und heut." Mttw'rkend: Tont Schreiber. Viktor Flemming. Wiener Konzertorchester Silvester Schieber. Alexander Girardi im Gramme» tzbon. Am Flüa-l: Gustav HegedüS. Orchesterr L. ütoicijc:. Abend-(Tanz-)Musik der Kapelle I- Geiger. BortrSge. Vereine, Wiener Beth-Hamtdraich. S. Bez, Ferdinandstraße 38. 6 Uhr, Lektor Dr. S. Gelbhaus „Liturgie". 7 Uhrr Lektorr Dr. S Rubin> „Die Ph lo'ophie des MaimonideS" (Sinn und Bedeutung der btbl'schen Gebote). — Zionistische Iugendaruppe Leovoldstadt. Heute Ubr abend-, im Heime, 3. Bez, ZirkuSgaffe 68. Plenarversammlung mtt einleitendem Reierat. — I ü d < i ch e T i s ch- § e j«l l r ch a f 1 Landstraße. 8. Pez. CafS Lovrana. V,S Uhr abends r Litera: scher Abend. — M a im o n i d e S- ^N fftt u t. Hetzgaffe 40. Mttlwoü den 14 d. 7 bis 8 Uhr, Dr. N. Goldstein, Stellvertretung im taimudikchen Recht. — Jugendoerein Grez Israel. 2. Bez.. Zirkus- M« 66. Heute um */,8 Ul>r im Vereinslokal Vortrag Professor Dr. Wilhelm G t e i n über ^Jüdisches im Christentum". Gaste herzltchst willkommen. - Beretn TikwathJebuda. 8. VÄ>.- Bennopiatz 1. Heute Vortrag des Herrn ProkelorS Dr. Wilhelm Stet« über „Soziales und tvirtlchaiillches Leben tot bthltichen Altertum." Tanzvhantasien, yorgefütirt von den Künstle, mnen Fräulein Grete Groß und Fräulein Jlka Zezulak. Vereinigung zionistischer Bankbeamter. Morgen um V-8 Ubr abenos, Bortraa des .ven » Dr Ja wo Werner. „Bewegung und Politik" '>!r'aderige. So>'^e rn! > 1 tc\ Nniversilätsstraße 3. Gäi.e wiiilounneu. Aulch.'eßei.o vre für das Jahr 1S36. Nur für Mitglieder, Kunst, Bühne, Buch. »Ser Landmam." 8«I« Iwtschi v-limi-n«. Der Verein Freie Mische VoÜkSbühn« hat «ine sehr ruhmreiche Bergangenhsit. ES ist nicht seine Schukd, daß sein« Gegenwart es weniger ist. Der für Mische Kunst spröde Wiener Boden trägt sie. Um so anerkennenswerter dt« nicht erlahmenden Bemühungen des Vereines, dann und warm di« Aufführung eines besseren. Stückes zu..ermöglichen, mit der Jnteniron der HeraitAichung eines Publikums für «in besseres Wiener jüdisches Theater. Gerade dechalb aber ist eine sorgfältige Auswahl der Süttck« und eine noch sorgfältigere Vorbereitung der Aufführungen, tm Hinblick aus die Regie und eine Auswahl der in Wien lebenden Mischen Schauspieler vonnöten. CS ist nicht M, daß der Verein sich vorläufig damit begnügt, eine der Mi in Wien darauf loS'spielenden Mischen Truppen für einen Abend zu engagieren, nur aus die Wahl des Stückes, sonst aber auf nicht- Einfluß nchmend. Der im Rahmen des Vereines Freie Misch« Volksbühne von den Kräften des Jüdischen KttnstlerkabarettS in Szene gesetzte „Landsmann" von Schalom Asch beweist da-. Die Ausführung wird von einem Ünglücksekigen Einfall der Regie für den Zuhörer nahezu unerträglich gemacht, Di« Komödie Asch' will (wenn sie das, auch mit sehr unzulänglichen MtttM der Gestaltung will) die in New-Ddrk vor sich gegangene eigenartige Klassendifsevenzievung der jüdischen BeMkerung veranschaulichen, deren Merkmal« in nicht geringem Maße von der Festhaltung oder Nichtfesthaltung der in der alten europäischen Heimat goübten Lo'benLweife bedingt ist, also vom Moment der Wahrung Mischer Formen. Hier die Klasse der zwar wirtschaftlich nicht einheitlichen, aber durch den steten Zuzug osteuropäisch-jüdischer Menschen vermehrt und gekräfti-gt, die ofteuropäisch-jüdische Lebensweise fortsetzenden Gruppe, dem osteuropäischen Judentum seelisch verhaftet, da die Gruppe, die alle Brücken abgebrochen hat und sich kräftig assimiliert. Versuchen die beiden Gruppen einander näher zu treten, entsteht der Konflikt, im „LaudSmann" ein Kvnrödienkonfttkt. Kavikierte Vertreter beider werden in der Komödie gezeigt. Die der letzteren sprechen im Text so eine Art von Englisch-Jüdisch. Die Regie läßt sie „Daitsch" sprechen, einen nicht wieder zu erkennenden Katjargon. Das war ein Fchler, der die Aufführung erschlagen hat und beispielsweise den sonst sehr talentierten Benzion Sigall eine Schadchenrolle schlecht spielen ließ. Dieses Englisch-Jüdisch läßt sich nicht in daö .^Daitsch" des Kai (noch dazu in so erbärmlicher Fassung) transponieren, weil es einfach dar .Milieu des SÜtckeS''picht etlauibt. Davon abgefchen,' wären D Leistungen der Schauspieler, mit Ausnahme der Daitschsprechenden, di« nichts dafür können, zufriedenstellend. Die Herren S t r e n g, W i t t l e r, H o r owitz, vor allem aber MavkuS Herfchkow itz, der einen köstlichen, nach Amerika verschlagenen. jüdischen Stallknecht und Kutscher auf die Beine stellte, ebenso die Damen Weißberg und Dre.iblatt^ bemühten sich erfolgreich Bon den!„Daitschen" konnte sich nur Mara Zucker einigermaßen bchaupten. . Es ist zu hoffen, daß die Freie jüdische Volksbühne in den Rüstigen Äufführuugen «dem Hebel stand der Regie abhelfen wivd, um sine verhältnismäßig gute Ausfiihrung zu netten. _ 7 Haller. VMarmouischer stonrert. Nach langer Zeit ist Bruno Walter wieder einmal am Dirigentenpult. erschienen. Der ungewöhnlich lebhafte Beifall, der ihn schon bei seinem.ersten Erscheinen begrüßte, mag ihm gesagt haben, daß die große Oeffentlichkeit für den Künstler weit, mehr übrig hat als unsere staatliches KrMstamt, welches — aus naheliegenden Gründen! — die Berufung Walters an leitende StÄle der Wiener Staatsoper nicht ernstlich in Erwägung zieht. Walter stand diesmal an der Spitze der Philharmoniker und dirigierte Mahler, dessen Schaffen er' feit Jahrzchntvn von allen Dirigenten am nächsten sicht,. nbewies Mahlers „Vierte" deren Naturselkg« keir und himmlische Freuden ihm besonders liegen. Also waren alle Dooausfetzungen. für eineu Denfationserfolg von vornherein gegeben. Walters Zeichengebung ist in den letzten Jchrenauch darin ist er ein Jünger Gustav Mchlers — immer schlichter, eindringlicher und natürlicher goivochen. Doch bei aller Liebenswürdigkeit beherrsch! er das Orchester gleichsam mit eiserner Faust und erreich: in der Mahle,r-SymPhonie, besonders in den aus naivem Kindergemüt musizierten Variationen, eine Transparenz des Klanges, wie sie selbst beit Philharmonikern, dem besten Klangkörper der Welt, sortst nicht eigen ist. „Keine Musik P ja wicht auf Erden, die unsrer verglichen kann werden." Diese „Wunderhorn"«Worte des Finale, welches' Elisabeth Schumann mit sparsanier, vorsichtiger Tongebung sang, stimmen so recht nicht Mr auf Mahlers Schöpfung, sondern auch auf Walter als WegstvMr in dieses idyllische Paradies. Eine ganz andere Welt tut sich in Debussys Phantasie für Klavier uich Orchester auf, deren Klavierpart die hochbegabte, anmutige Pianistin Zdenka b. Ticharich feinfühlig spielte. Debussy '• selbst soll für das Misätzige Jugendwerk au8 dem Jchre 1890, in welchem er sich noch nicht gefundett hat, vielmchr mi! Saiut-SaettSschen Klängett tind LiSztschett chapsobisch-arabeSkenhasten ToufloSkeln sein Spiel treibt, in fpätcrelt Jahren wönig übrig gehabt haben. Jmmerhiir ist es heute interessant, als eine Art Skizze des tverdenden Meisters, der schort hier seine Vorliebe für zarte Dämmerfarben nnh zarte Blä'ertönnng verrät. IN der nicht gerade scharfen Themenprofilierung und in der geMngenen Fom macht er es sich nnd den Hörern nicht leicht, flb.' Al» den Theatern. ö w t o t n c a t e v. Morgen. 7 Ubr. „M i n n a v o n Barn b v cAbo nemeitt VI. Gruvve i ■ V* t,'.. \ .n. i. c i n f «i . «i. Morgen.. V,8 Uhr, «A n der Wt«a« h,» B u r g th «a t er %\ (Abonnement V. Grupps Deutsches VolkStheater. Freitag »Der lebende Leichnam" mtt ' Alexander M o i s s i als Fedja. Rainlnnd-Tyeater. Freitag Erstaufführung der Operette „Ich Hab' dich lieb...!" von Willi Sltrk und Leo Ascher. Theater in der Josefstadt. Die Grstauf- SNg von «Di» guten Freunde" von Btktorin ou findet am 16. d. um 7,8 Uhr statt. Dr. Emtl Geyer — Subdirektor bei Reinhardt. Max Reltchardt hat Herrn Dr. Emil Geyer für sein Wiener Theater in der Jofefstabt verpflichtet. Er wivd als admiitistrativer Direktor an ver Leitung dieser Bühne teilnchmen. Dr. Emil Gever ist in Wien in bester Erinnerung. Cr bit seinerzeil die Neue Wietter Bühne geleitet und unter schwierWen Verbaltnissen auf sehr bemerkenswertem Niveau erhalten. An dieser BHne wirkt« unfo entwickelte sich unter seiner Whrung manche wertvolle Bühnenkraft, u. a>. Eufabeth Bergner; die prominentesten Künstler absolvierten auf der von Dr. Geyer geleiteten Bühne ihre Gastspiele uitd Geyer beMhte sich, -wischen dom leichten, den Theaterkassen dienlichen Genre, «nd ernsten literarischen Premieren die Wage ztt lplten. ' Conrad vetdt wird SamStag den 17. April imt 10 Uhr abends eimn RezldationSabend im EaAtheater halten. Michael Orliez, der polnische Theatroloae, wird Sonntag u»> 11 Ubr vormittagim Modernen Theater einen Vortrqg Wer ,FdaS moderne Bübnenwefen" holten. Serichtssaal. ver Schwiegersohn als Untermieter. Der Bankier Bruno T. wohnt mi.t seiner Gattin bei feinM Schwiegervater, welcher dem jungen Ehepaar den gvößteit Teil feiner Wohnung eingeräumt hat. Nach längerer Dauer der Ehe .kam es zu Mißhelligkeiten zwischen Schwiegersohn und Dchvieger- Vater, welche dazu führten, daß der Schwiegervater schließlich die Räumungsklage gegen den Schwiegersohn einbrachte. In erster Instanz hatte sich das Bezirksgericht Josesstadt (OberlandeSgeoichtsrat Dr. Heindl) mit der Sache zu beschäftigen. Der Beklagtenvertreter bestritt die Zulässigkeit der Räumungsklage, da ein MietvechältniS vorliege. Der Klagevertreter, Dr. Fritz Spitzer, nahm dagegen den StandpMkt ein, daß es sich lediglich um die freiwillige Einräumung der Wolhnungsbenützung gehandelt habe und daß bei einem derartigen Bittlethe- Verhältnis jederzeit die Auflösung der Mitbenützung grfovdert werden könne. Ein Mietzins sei vom Schwiegersohn weder gefordert noch bezahlt worden. Schließlich vertvieS Dr. Spitzer noch darauf, daß der Beklagte von der Sechszinrnderwchnung seines Schwiegervaters fünf Räume benützt, während dichm nur ein einziger verblieb. UsbrigenS hatte daS LandeSgericht dcnt Beklagten bereits bet Einbringung der Klage im Wege einer eiust- ■ welligen Verfügung die Räumung der Wchnung aufgetragen und dessen Gattin den abgesonderten Wohnort bewilligt. Der Bollagte st' dieser einstwMgen Verfügung jedoch nicht nachgekoMtten. s Der Beklagtonvertreter Dr. Z 8 r n l a i b bestritt, daß Herr T. ohne Entfchadiguüg die Wohnnng benützt; er hatte in Form von Adaptierungen in den fünf Räumen Beträge auSgelögt, welche einem angemeffenen Mietzins entsprechen. Detzüglich der Bchcmptung, es liege lediglich die freiwillige und unentgeltliche Einräumung der Wohnnng vor, vevwies der Beklagtenvertreter darauf, daß ein solches präkaristisches Verhältnis doch nur für eine kurze Zeit emgegangen werde. Bei einer Ehe, wie sie ja die Grundlage dieser WohnungSgemeinschaft ist, werde jedoch mit der Dauer gerechnet und dies schließe ein präikaristisches DechältniS und somii die Zu'lMgkeit der Räumungsklage aus. Zwischen dem Beklagten, und. seiner Gattin, der Tochter He8 Klägers, ist übrigens daS Scheidungsv-rrfahren im'Gange. Das Gericht hat der Räumungsklage stattgegeben, indem es det Anschauung beipflichtete, daß zwischen Schwiegerschn nnd Schwiegervater kein Mietverhältnis vorliege und letzterer jederzeit die Rückgabe der' Räume verlangen könne. Das Berufungsgericht hat die vom Beklagten eingebrachte Berufung gurückgewiefew und das erstrichterliche Urteil bestätigt, indem e8 sich der UrteilSbogründung des Erstgerichtes anfchloß. St« Atteatatsproziß in Lemberg. Lemberg, 12. April. Bor dem hiesigen Bezirksgericht begann heute die Verhandlung gegen zwölf Komntun-isten, die hier eine kommunistische Jugendorganisation gegrüitdet hatten. Die Angeklagten stehen unter dem Verpacht«, den stinevzeit lvegen der Ermordung deS Polizskkonfidenten Cechnowski zum Tod« verurtetlten Kommunisten B o t w i n zu diesem Morde veranlaßt zu haben. Set Proretz gram Hubert Linde. Warschau, IS. April. In der heutigen Bechandlung gegen den ehemaligen FinanMinister und Präsidenten des PostsparbassenamteS Hubert Linde wurde die Zeugeneinvernahme fortgesetzt. Der als Zeuge einvernoanmene gewesene Mintsterprös ident LadiSlauS Gr ab Ski sagte aus, er hckbe den Angeklagten vor der Erteilung von Garantien des PosttjparkassenamteS an g«»wisst Klienten gewarnt, doch habe Linde erklärt, alle Forderungen seien hypothekavisch sichergcstellt. Ms daS Postsparkassenamt aber seinerzeit infolge der Ausstellung eines Garantiebriefes den Betrag von 300.000 Zloty auSzahlen mußt», habe er (Zeuge) «ine Kontrolle in dem Amt« anovdnen lassen, auf Grund welcher er dann die An>gelegenheit Linde der Staatsanwaltschaft übergeben habe Ler Prorrtz der 84. Wilna, 18. April. Heute begann hier der von uns beveits augeküttdvgte große politische Prozeß gvgen die 94 Kommunisten. von denen einige noch am 1. Mai 1924 verhaftet wurden. Dieser Prozeß hätte bereit« am 1. Februar statdfind« sollen, er mußt« aber wegen Nichtevschvinens d«S HauptzeuM der Anklage, des Konfidenten Alexander Hertz, auf Antrag de, Verteidigung verschoben werden. Der größte Teil her Avg» klagte^ befindet sich schon fast M Ach« UntePfuchungHast. j ^4068806

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