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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-14 · Heft 2565 (14.4.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2565 (14.4.1926)
Date
1926-04-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m.w$ Wiener Morsenzeitrms 14. AM 1926 Seile 8 Wett, Mittwoch Me Konferenz der internationalen Studentenorganisationen in Senf. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng/9 Genf, 8. AprÄ. Hatte. 10 Uhr vormittags, wurde hier im Sekretariat des Völkerbundes die von der Kom—W+n kür intellektuelle Zusammenarbeit einberusene Konferenz der Verteetet bet intern»«'---^- ^nten<»8ani(attonen et. gjfnet. Den führte Herr Pros, de Reynold, Mitglied de» Kommiffion für intellektuelle Zusammenarbeit' vertreten waren sieben internationale Studontenorgantsationen (Internationale Studentenföderation für fc* Völkerbund, Weltverband der jüdischen Studentenschaft, Internationale Akademikerinnenorganisation, Internationales Studentenwerk, Weltbund christlicher Studenten, Pax Romana, Internationale Studentenkonföderation) durch insgesamt 18 Delegierte und das Auslandsamt der deutschen Studentenschaft mit einer beratenden Stimme. 2to8 Institut für intellektuelle Kooperation des Völkerbundes in Paris hatte zur Konferenz die Herren Prof. Z i m m e r n und Prof, de H a l e c k i entsendet. Die Verhandlungssprachen der Konferenz waren englisch und fraryöstsch. Prof. Reynold begrüßte in einer kurzen Ansprache die Versammelten, indem er. auf die Schwierigkeiten einer Konferenz der Vertreter von Organisationen mit verschiedenen, manchmal entgegengesetzten Programmen hinweisend, die Pflicht, das Gemeinsame und Einigende in den Vordergrund zu stellen, betonte. Sodann erteilte er ÄS erstem Redner zum ersten Punkt der Tagesordnung, „Berichte der einzelne »Organisationen", dem Vertreter der Internationalen Studentenföderation für den Völkerbund, Herrn Sohlmann, das Wort, der mitteilte, daß die von ihm vertretene, im April 1924 in Prag begründete Organisation, die Propagierung der Ideen des Völkerbundes, seines Werkes und seiner Arbeiten bezweckt. Mitglied der Organisation kann jede nationale Studentenorganisation eines Staates werden, der Völkerbundsmitglied ist. Gegenwärtig gehören der Organisation 16 ordentliche und 5 korrespondierende Mtglieder an. Herr Steinig, der als zweiter Redner im Namen des Weltverbandesder jüdischen Studentenschaft das Wort erhielt, führte aus, daß die jüdische Studentenschaft vom Bewußtsein durchdrungen, daß das jüdische Volk in allen seinen Teilen eine Einheit bilde, und von dem Willen geleitet, die organisierte Kraft der Mischen akademischen Jugend in den Dienst der Renaissaneebewegung des jüdischen Volkes zu stellen, im Mai 1924, aus dem ersten Weltkongreß der jüdischen Studentenschaft in Antwerpen ihren Weltverband gegründet hat. Der Weltverband ist, indem er alle Länder umfaßt, in denen Juden wohnen, im Sinne der Einberufer dieser Konferenz ein internationaler Verband; seinem wahren Wesen aber nach ist er ein nationaler Verband sui generis, ein nationaler Verband auf internationaler Grundlage. Er hat sich die Organisierung der Mischen Studentenschaft in der ganzen Welt, zur Vertretung und zur Wahrung ihrer rechtlichen. wirts^^Sen Jnterjpn zur mrfMe gestellt. Der Weltverband mrnmt insbesondere denjenigen Teil der Mischen Studentenschaft in Schutz, welcher infolge der politischen Verhältnisse seines Landes oder des gesetzlichen Numerus clausus, in anderen Ländern Studiongelegenheiten sucht. Der Weltverband tritt im Einvernehmen mit den betteffenden Landesverbänden bei allen kompetenten Faktoren für die Gleichberechtigung der jüdischen Studenten auf allen Hochschulen aller Länder ein. 30.000 jüdische Studenten sind im Weltverband organisiert; der Beitritt der großen Organisation der jüdischen Studenten in den Vereinigten Staaten steht bevor. Zwei Bureaus, eines in London und eines in Wien leiten die Arbeiten des Verbandes. Ein periodisches Bulletin bedient die regelmäßig in sechs Ländern in acht verschiedene« Sprachen gedruckten Zeitschriften der jüdischen Studentonorganisationen. Das Londoner Bureau sammelt sorgfältig das auf den Numerus clausus bezughabende Material und ist bestrebt, die Ungerechtigkeit der erwähnten Maßregel aufzuzeigen und die Oeffentlichkeit vom Stande der Angelegenheit zu informieren. Die. vor allem durch den Numerus clausus, ungeahnte Dimensionen annehmende Wanderbewegung der jüdischen Studentenschaft muß geregelt, für die mittellosen Emigranten muß materiell vorgesorgt werden. Durch gemeinsam durchgeführte Aktionen der jüdischen Studenten in den angeschlossenen Ländern — Geldsammlungen zum Büchereinkauf für die Universitätsbibliothek in Jerusalem, Bau des Studentenheimes in Jerusalem, Palästinaexkursionen — ist der Verband bestrebt, die Vereinheitlichung der jüdischen Studentenbewegung zu fördern. Demselben Zwecke dient die einheitliche Vertretung der jüdischen Studentenschaft auf internationalen Studentenkongreffen (September 1924 in Warschau, August 1925 in Gens-Gex) sowie die Reisen der Exekutivmilglieder zu den einzelnen Landesverbänden. Um die innige Verbindung der jüdischen akademischen Jugend mit der allgemeinen und jüdischen Wissenschaft, Kunst und Literatur zu dokumentieren, wurde ein Präsidium des Weltverbandes aus hervorragenden jüdischen Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern gebildet, an dessen Spitze Herr Prof. Albert Einstein steht. Nunmehr steht der Verband vor dem brennenden Problem der beruflichen Umschichtung der in der Emigration lebenden jüdischen Studenten, bei dessen Lösung er der wohlwollenden Förderung seitens des Völkerbundes sicher sein möchte. Frau Dr. Ellen G l e d i t s ch berichtet, daß die Internationale Akademikerinnenorganisation formell im Juli 1919 gegründet wurde. Der erste Kongreß wurde im Juli 1920 in London abgehalten. Der Zweck der Organisation ist die Herbeiführung der Verständigung und der freundschaftlichen Zusammenarbeit der Akademikerinnen klehuva Halewi in Amenla. Von Sigma. Gerade vor vierzig Jahren hätten wir den achthundertsten Geburtstag des berühmten Sängers der Zionide feiern können, nachdem, wie es heißt, seine Vaterstadt Toledo eine Straße Calle Jehuda Halewi genannt haben soll — eine ziemlich verspätete Ehrung. Bor ungefähr 80 Jahren wurde er „entdeckt". Seine in verstaubten Manuskripten vergraben und in verschollenen und wenig bekannten, in Druckwerken verstreuten Gedichte svurden gesammelt und herausgegeben, am meisten hat sich um die Wiedererweckung seines Namens ein naher Geistesverwandter von ihm, Samuel David Luzatto, verdient gemacht. Immer mehr wurde es klar, daß inan da einen sehr bedeutenden Dichter vor sich hatte, einen Dichter von Gottes Gnaden, der nach acht Jahrhunderten ganz so wirkte, als rede er zu Zeitgenoffen. Man sing an, ihn zu studieren, inan übersetzte ihn mehr oder weniger gut zunächst ins Deutsche, einige besonders charakteristische Gedichte, dann mehrere kleinere Sammlungen; auch Versuche von französischen Übersetzungen wurden gemacht. Nun liegt eine Auswahl seiner Gedichte samt danebenstehender englischer Uebersetzung in einem reizend ausgestatteten Bändchen vor uns. Die Uebersetzung hat Nina S a l a m a n besorgt. Das Bändchen ist von der I ewish Publikation Society in Philadelphia herausgegeben; es gehört einer ganzen Reihe von Publikationen an, die unter dem Gesamttitel Jewish ClassieL von der genannten Gesellschaft herausgegeben wird; der vor sechs Jahren in New-Aork verstorbene Jakob H. Schiff hat der Gesellschaft das nette Sümmchen von 50.000 Dollar gestiftet, zum Zweck der Herausgabe dieser Sammlung von 25 ausgewählten Bänden aus den verschiedenen Epochen der nachbiblischen hebräischen Literatur, in sorgfältig durchgesehenem kritischen Text, mit danebenstehender englischer Uebersetzung, nebst Erläuterungen sprachlicher und sachlicher Natur. Vordem hatte Jakob H. Schiff durch die Hergabe einer gleichen Summe die großartige jiidijch - ameri- Mördern. An seine Stelle trat Prof. Dr. Israel Davidkanische Bibelübersetzung ermöglicht, ein bewundernswürdiges Meisterwerk, das nur den einen Fehler hat: daß der hebräische Text nicht dabei ist. Das' Bibelwerk wurde seinerzeit an dieser Stelle eingehend gewürdigt. Schreiber dieser Zeilen tadelte damals diesen Mangel in nachdrücklichen Worten. Jetzt entschuldigt, sich die Gesellschaft deswegen: das sei nicht etwa in der Absicht geschehen, den hebräischen Urtext durch die englische Uebertragung zu ersetzen, sondern aus folgendem Grunde: das BedLirfnis von seilen der englisch sprechenden Juden nach einer Bibelübersetzung war so dringend und die Möglichkeit, hebräische Bücher in den Vereinigten Staaten zu drucken, war so beschränkt, daß die Gesellschaft den Druck des seit mehr als 20 Jahren sehnlichst erwarteten Buches nicht länger hinausschieben konnte. Nun ist die Gesellschaft im Begriffe, eine eigene, den neuesten Anforderungen entsprechende hebräische Druckerei zu errichten, und hofft, in Bälde die Uebersetzung mit dem danebenstehenden Urtext herauszugeben. Die hebräischen Texte der Jewish Classics, von denen wir einen vor uns haben, werden von den Herausgebern aufs neue einer kritischen Durchsicht unterzogen; auf diese Weise bietet die Sammlung nicht nur der englischen Leserwelt die Möglichkeit, sich mit einigen der wichtigsten Werke der hebräischen Literatur bekannt zu machen, sondern sie wird auch der Wissenschaft des Judentums sorgfältig edierte kritische Texte darbieten, von denen sie hofft, daß sie als die grundlegenden Texte der jüdischen Klassiker gelten werden. Für die Herausgabe dieser Klaffikerreihe wurde eine besondere Kommission eingesetzt, von der jedoch einige Mitglieder inzwischen durch den Tod abgegangen sind: der Vorsitzende Prof. Salomon Sch echt er, an dessen Stelle der frühere zweite Vorsitzende Dr. Chrus Adler getreten ist, sodann verstarb Prof. Heinrich Malter und Richter Sulzberger. Der für die Herausgabe des Jehuda Halewi bestellte Prof. Israel Friedländer M im Hochsommer 1920 auf einer Reise im ukrainischen Notgebiet, wo er im Aufträge eines amerikanischen Komitees den Juden Hilfe bringen sollte« unter dem Beil von Raub- MALOWAN vorm. MALOWAN & FRANZ, I., OPERNRINQ 23 bringt für das Frühjahr Übergangsrocke iiiiiiiiii in herrlichsten Dessins sowie neuesten Farben auf Seidegeaibeltetzum PREISE VON 5 150 ■ aller Nationen. Sie zählt 23 Nationalverbände mit ins. gesamt 29.000 Mitgliedern. Herr Konrad H o f f m a n n betont, daß das von ihm vertretene Internationale Stndentenwerk „keine Orga. nisation, sondern eine Bewegung", hervorgegangen aus dem Weltbund christlicher Studenten, sei. Das Ziel der Bewegung ist die durch den Weltkrieg entstandene materielle Not unter den Studenten zu lindern. Dies tat das I. S. W. in großzügiger Weise, indem eS seit seiner Gründung im Februar 1920 bis 1926 12,000.000 Schweizer Franken für Hilfszwecke verausgabt hat. Dem Berichte des Vertreters des Weltbundes christlicher Studenten, Herrn Dr. Tiffington Tatlow, ist zu entnehmen, daß die von ihm repräsentierte Organisation im Jahre 1895 in Wadstena, Schweden, gegründet wurde. Sie strebt die Vereinigung aller christlichen Studentenorganisationen der ganzen Welt an. Zu ihren Mitgliedern zählen Katholiken, Protestanten und Orchodoxe, insgesamt 300.000, verteilt auf 3313 lokale Organisationen in 29 Ländern. Herr Dr. N. Palmieri charakterisiert die am 21. Juli 1921 in Freiburg (Schweiz) begründete Pax Romana als eine Organisation zur Verbreitung der Ideen des Katholizismus in der Studentenschaft der ganzen Welt. Mtglieder der Pax Romana können nur katholische Studentenverbände der einzelnen Staaten sein. Gegenwärtig gehören der Organisation 20 Verbände in ebensoviel Ländern an. Herr I. Baugniet spricht als letzter im Namen der Internationalen Studentenkonsödevation (C. I. E.). Diese internationale, apolitische Organisation, die aus nationalen Gesamtverbänden staatlich organisierter Nationen besteht, wurde im November 1919 in Straßburg gegründet. Es gehören ihr gegenwärtig 30 nationale Studentenorganisationen mit insgesamt 350.000 Mitgliedern an. Der erste Punkt der Tagesordnung ist erschöpft; Prof. Rehnold vertagt die Sitzung auf 3 Uhr nachmittags. «i- Die nachmittägige Sitzung brachte eine stellenweise sehr lebhafte Diskussion über die Förderung internationaler Beziehungen sohn aus New-Iork, dessen sorgfältiger Arbeit wir den hebräischen Text der 80 in dem vorliegenden Bande vereinigten Gedichte verdanken. Der Text stützt sich im wesentlichen aus die große Ausgabe von Jehuda Halewis Divan, welche Dr. Heinrich Brody, der OLerrabbiner von Prag, besorgt hat, einem Wxrk staunenswerten Fleißes, allseitiger Kenntnis der ganzen mittelalterlichen hebräischen Poesie und scharfsinnigen kritischen Arbeit. Mrs. Salaman ist eine rühmlich bekannte Dichterin und Uebersetzerin aus dem Hebräischen. Besonders durch ihre „Songs of Exils" hat sie sich einen Namen gemacht. Es ist nun ein eigen Ding mit der Uebersetzung lyrischer Gedichte in eine srenrde Sprache, zumal aus dem Hebräischen, und noch dazu aus dem Hebräischen unserer mittelalterlichen Dichter. Wir sehen, wie wenig adäquat die Uebersetzungen von Bialiks Gedichten in die europäischen Sprachen sind, obgleich seine GeMls- und An« schauungSwelt eine völlig moderne ist. Die ganze Struktur der hebräischen Sprache, ihre Knappheit und ihre Lautsülle, ihre eigenartige Wort- und Satzstellung, bedingen einen inneren Rhythmus, der von jenem der arischen Sprachen sehr verschieden ist. Darum ist es nur sehr wenigen, man muß schon sagen „gottbegnadeten" Uobersetzern gelungen, im Leser denselben Eindruck hervorzurusen, den er vom Original erhält. Solche Uebersetzer waren Michael Sachs und David Heller. Für die Uebersetzung der biblischen Schriften haben die christlichen Völker, zumal die Deutschen, einen eigenen Stil konstruiert, der für die Uebertragung anderer Schriften nur selten brauchbar ist. Uebrigens ist es bekannt, daß die Uebersetzung romanischer urch flämischer Lyrik ins Deutsche und umgekehrt ebenfalls in den seltensten Fällen voll gelingt. Ludwig Fuldas Uebertragungen starizösischer Dichter gelten als vielgerühmte Ausnahmen und von den sehr zahlreichen Uebersetzungen polnischer Poesie ins Deutsche können nur die Mizkiewicz»Uebersetzungen des galizffchen Judgn Siegfried L i p i n e r, nach dem übereinstimmenden Urteil deutscher und polnischer Kritiker, sich den Originalen würdig zur Seite stellen. ^237078398^7951224381732

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