Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2054 a = Kultuswahlnummer (6.11.1924)
- Date
- 1924-11-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, DM1MMH Wiener Morgenzeitung. m. 805* ft 6. November 1924 Seite 3 ' „Geschichte der Juden" in 3 eleganten Halbleinenbänden der .Wiener Morgenzeitung^, der die Bezugsgebühr sür l Jahr im voraus bezahlt, erhält Außer der IahreSgebühr s i n d für V e r s a n d s p e s e y d e s „G r a e tznoch ö. K. 25.000 zu 'entrichten Wahlliigen. Die „Wahlvereknigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde", dir von einem Teil der Kultusangestellten nach dem letzten frivolen Streik geschaffen wurde und heute unter Patronanz der Sozialdemokratie arbeitet. verbreitet Aufrufe und Denkschriften, welche von bewußt erlogenen Behauptungen strotzen. Wir wollen einige dieser Anwürfe hier wörtlich wiederholen und durch Gegenüberstellung der Tatsachen die Wählerschaft darüber belehren, welch freches Spiel hier getrieben wird. ES wird behauptet, daß in der Sitzung vom 14, April 1924 das „reaktionärste Gemeindewahlrecht Europas" eingeführt wurde. Zehntausende von Angestellten und mittleren Gewerbetreibenden sind ausgefchaltet. Tatsache: Das Wahlrecht in die Kultusgemeinde ist ian ein Steuermintmum von 6000 K. gebunden. Jeder Jude und jede Jüdin, welchesageundsch reibe sechstausend Kronen zahlen und das 21. L e b e n s j a h r ü b e r s ch r i t t e n haben, besitzen das Wahlrecht. Welcher Angestellte und welcher Gewerbetreibende ist so schlecht gestellt, daß er nicht im Jahre 6OO0 K. für seine Gemeinde entrichten könnte? Der schlechtest bezahlte Taglöhner muß den fünfzigfachen Betrag an die sozialdemokratische Partei entrichten. Das Parteiabzeichen fürs Knopfloch kostet doppelt so viel. Verdient derjenige, der seiner Gemeinde, welche Spitäler, Schulen und Greisenasyle erhalten muß, die jährliche Zahlung lumpiger 6000 K. verweigert, das Wahlrecht? Es wird behauptet, daß die Angestellten wie die Parias behandelt und für ihre Leistungen schlecht entlohnt werden. Tatsache: Die Angestellten sind der bestbesoldeten Kategorie öffentlicher Beamter, nämlich den Beamtender unter sozialdemokratischerVerwaltung stehenden Stadtgemeinde Wien, in Besoldung, Einreihung, Bot* xückungundAlters-undKrankhertsverforgung vollkommen gleichgestellt. Dazukommt,daßeingrotzerTeilderBeüm ten, F unktion är e und Diener Neben einkünfte bezieh-t, welche das Haupt einkommen oft übersteigen. Auch sind die Anforderungen, welche bezüglich der Vorbildung und der Arbeitszeit gestellt werden, gerade bei dem Teil der Beamtenschaft, der am -stärksten krawallifiert, ungemein .niedriger als bei der Stadtgemeinde. Zum Beispiel der Wireier im Kampfe, der Religionslehrer Pick, seiner Vorbildung nach bei der Stadtgemeinde Überhaupt nicht angestellt werden könnte, ist Bürger schullehrer der Kultusgemeinde und bezieht bei zwanzig Arbeitsstunden in der Woche und zweieinhalb Monaten Ferien im Jahre, also für 800 Arbeitsstunden im Jahre, ein Jahresgehalt von über 52 Mill-ione n Kronen und erhält im Falle der Pensionierung 90 Prozent dieser Bezüge. Der zweite Hauptschreter, der Friedhofsbeamte Kaiser, ein Mensch, der schon eimnal gelaust war, und welcher in Unkenntnis dieses Umstandes vor Jahren angestellt wurde, den aber die revoltierenden Kultusbeamten in Kenntnis dieses Umstandes zu ihrem Hauptvertrauensmann gewählt haben, dieser Kaiser war noch im Jahre 1911 D.iener. Er steht heute im Range eines M a g i ft r a t s o b e r k o mmissärs mrt denentsprechendenBezü- 0c tt Ist so. etwas bei der Stadtgemeinde Wien möglich? Was die moralische Behandlung anbelangt, so muß dem Kultusvorstand eher zum Vorwurfe gemacht werden, daß er zü milde vorgeht. Beamte der Stadtgemeinde Wien, welche sich nur einen kleinen Teil der Beschimpfungen leisten würden, welche die Knltusbeamten gegen ihren Vorstand leisten,' würden unbedingt aufs Pflaster fliegen. Es wird behauptet, daß das Gemeindespital (Rothschild-Spital) gänzlich gesperrt würde. Tatsache: Das Gemeindespital am Wühringergürtel, ein alter Bau, welcher überdies fünf Jahre im Kriegsbetriebe stand, ist reparaturbedürftig geworden uitb sein Belag von 150 Betten hat sich als zu klein erwiesen. Um ihn den modernen hygienischen Ansprüchen entsprechend auszugestalten, mit neuer Heizung und Lüftung zu versehen und für 250 Belten zu erweitern,, hat der Kultusvorstand den Umbau beschlossen und viele Milliarden dafür bestimmt. Nach eingeholtem Gutachten von Primarärzten und Universitäts- Professoren erwies es sich als unmöglich, d i e Kranken während d e s U m b a n e s im Gebäude zu belassen. Alle Kranken wurden in anderen Spitälern untergebracht, die Angestellten mit vollen Bezügen beurlaubt, und Mitte Mai wurde das Spital geschlossen, um bereits i in N o v e m b e r in erneuerter und vergrößerter Form in den Dienst des öffentlichen Wohles gestellt zu werden. D a s n e n n t mangänzliche Sperre des Spitals! Es wird behauptet, daß der Kultusvorstand die soziale Fürsorge systematisch unterdrückt. Beweis: Auflassung des Stistungs- und Stipendienamtes. Tatsache: Die Kultusgemeinde hatte vor dem Kriege ein Stiftungskapital von zirka 5,000.000 K. zu verwalten. Der Betrag war für damalige Verhältnisse sehr groß. Aus dem Zinsenerträgnis wurden viele Studenten mit Stipendien von 100 bis 1000 K. jährlich beteilt. Die Verwaltung und Verteilung oblag dem Stiftungsamte. Das Stiftungsvermögen, aus Renten und Kriegsanleihen bestehend, ist heute total entwertet. Soll man Stipendien zu 1000 K. auch heute noch verleihen? Die Tramwahkarte kostet doch mehr. Oder jollmanzur Verwaltung dieser fünf Millionen Kronen ein Amt bestehen lassen? Das Ausreibweib bekommt im Quartal »mehr als das ganze Kapital ausmächt. Im Einvernehmen mit der sozialdemokratischen Landesregierung wurde das seiner Bestimmung nicht mehr entsprechende Stiftungskapital dem allgemeinen Fürsorgefonds der Gemeinde einverleibt. Selbstverständlich mußtedas überflüssige Amt aufgelassenwerden. Seine Aufrechterhaltung wäre doch reinster Betrug an den Steuerzahlern gewesen. Aber die Herren'von der „Wahlvereinigung für soziale Wirtschaft" schreien Zeter und Mordio wegen des „Stiftungsamtes". Man kann sich über diese Falschheit aber nicht wundern, wenn inan eines Vorfalles gedenkt, der sich vor drei Jahren zugetragen hat. Unter Führung der Herrerl Pick und Kaiser forderten damals die Angestellten. Lohnerhöhung. Der Vorstand, welcher vor Großer im Watenha u s IVorhänge und Teppiche f Madrasvorhänge, 2 Teile, eine Draperie . . K 125.000 Halbstores.. 98.000, 75.000 K 40.000 Laufteppiche .......... 30.000 E 27.800 Bettgarnituren. 348.000 E 275.000 Doppeldecken, Diill und Batist ...... L 108.000 Steppdecken, geblümt . .. . . E 12S.01J© Diwanüberwurf, Satin, Gobelinmuster . . E 398.000 | Barchente und Waschwarenj Wäscheflanelle . ..per Meter K 12.800 Velourbarchente .... . per Meter 18.900 K 13.000 Wäschebarchente.per Meter E 10.500 Französische Waschveloure, 80 cm, p. Meter E 27.800 Etamine, welss und färbig .... per Meter K 14.900 Seidencloth, alle Farben .... . per Meter K 35.900 Blaudruck . t ... per Meter K 12.800 Jackenfutter, neueste Muster. . ., per Meter L 24.500. |Damenwäsche und Wirkwaren! Garnituren, Hemd'und Hose . . . ... . L 49.800 Damenhemden ....... 28.000, 25.000 E 19.00‘P Miederleibchen.. . ... . . . 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K 8.000 S leeren Kassen stand, ersuchte die Herren um Ermäßigung und Rückstellung der Forderungen, da Ine Sanier rung erst im Zuge sei und man doch auch gewisse Beträge für Spital und Versorgungshaus freihaltm müsse. Da schrien die Herren: Das geht uns gar nichts an! Sperren Sie das Spital! Sperren Sie das Versorgungshans und verkaufen Sie das Silberzeug ans dem Tempel! Aus unsere Kost gibt es keine Fürsorge. Wir wollen unser Geld! Und diese Leute wagen es heute, als „Wahlvereimgung für soziale Wirtschaft in der Gemeinde" vor die Wähler hinzntreten. Freche Irreführung ist wohl die gelindeste Bezeichnung für ein derartiges Vorgehen. Es wird behauptet, daß das Steuersystem plutokratisch ist und bei Schonung der Reichen die kleinen Leute — Angestellte, Gewerbetreibende, Kaufleute nsw. — in nnverhaltnismätziger Weise belastet. Tatsache: Die Gemeinde zählt 50.000 Steuerzahler. Hievon bringem3000 Steuerzahler, die Reichen, 70 Prozent aller Steuern auf. Die restlichen 47.000 tragen nur 30 Prozent bei. Ist das plutokratisch? Es wird behauptet, daß im Versorgungshause der Kultusgemeinde eine sprichwörtlich gewordene Mißwirtschaft besteht. Tatsache: Das Vevsorgungshaus in der Seegasse * gilt als Musteranstalt. Leider haben nicht alle versorgungsbedürftigen Juden darin Platz. 150 alte Juden sind int Lainzer Versorgungshans, welches von der sozialdemokratischen Gemeinde verwaltet wird, untergebracht. Sie haben keinen sehnlicheren. Wunsch als den, in die Seegaffe zu k o >mm e n! Also aus dem sozialdemokratischen Paradies in, die jüdische Hölle mit der „sprichwörtlich" gewordenen Mitzvirtschast. Es wird behauptet, daß der Kultusvorstand die jüdische Mensa academica, die Speiseanstalt fiir jüdische Hochschüler, gesperrt hat. Tatsache: Der Kultusvorstand hat niemals irgend etwas mit der Verwaltung der Mensa, welche unters Leitung des jüdischen Hochschulausschusses und eines Kuratoriums steht, zu tun gehabt. Er konnte eine An- " lt, die ihm gar nicht untersteht, nicht sperren. Wüsche mit Lust! Eme große Evlenchtermtg für den Haus-, HM Lckeutet der rieme WwschappEt „Reformator". Ein Hausen ichmutziqer WWe, zu formt eine Fvau -mindestens ome - gute Stunde gö^Sancht ihWie, um sie rem zu waschen, ist mx. BevwLÄdnng dieses Wwen, veddessWten WaschaWaraiies «tt imm acht Minuden Wendend weiß gevöiwWt worden. ©er. Wpavat dünste infolge seiner BilligM foalld Einga-ng in, fades Hans finden. Siche ihe>utr,ge Anzeige. WndgM'ich-i Del-Ka Serien-Verkauf. Näheries im JuseM. . Achtuos vir Wahlschivivdel! Knapp vor Mschluß des Wahlaktes wollen die Agitatoren'der SoziMemokraten FlnWttel und Plakate verbreiten, welche die Wähler irreführen sollen. Gerüchte über bereits errungenen Sieg, über Zurückziehung von Listen ustv. sollen die Wähler von der Stimmenabgabe albhalten oder die Stimmenabgabe aüs überflüssig hinstellen. Bereits bei den vorjährigen Nationalvatswahlen ist dieser steche Schwindel verübt worden. Ehrvergessene Angestellte der Kultusgemeinde haben damals im Dienste der sozialdemokratischen Agitation diese Niedertracht begangen. Sie bereiten für die Kultuswahl dasselbe betrügeris che Manöver vor. Jüdische Wähler! Lasset Euch nicht übertölpeln. Gehet unbeirrt von jedem Versuche, Euch lässig z« machen, zur Wahl! 8 0 amen- und werrenstoffre Raglanstoffe . . ...per Meter K 135.000 Schafwoll-Mode-Schosöbnstoff . per Meter E 49.000 Engl. Anzugstoff...per Meter E 125.000 Mantelveloure, 145 cm, per Meter 125.000 E 98.000 Kleidergabardin, 130 cm ... . per Meter E 09.000 Palmerston für Winterröcke , . . per Meter E 225.000 Wippcord für Anzüge ..... per Meter E 248.000 Schafwollrips für Kleider, 130 ein, per Meter E 135.000 1 Herrenwäsche und Mocf eartikeE 1 Modehemden 49.800 Kretonhemden ... . . . . E 39 800 Unterhosen. 39.000, 29.000 E 19.800 Flattellpyjamas 98.000 Krawatten, gestrickt. 9800 E 5.900 Wintersocken.:•.. . 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