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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-11 · Heft 2562 (11.4.1926) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2562 (11.4.1926)
Date
1926-04-11
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Gerte IS_ Wien, Sonntag_ Sanft, Bühne, Buch. Ueater in Rew.Hork. Aus dem bei MHelm Draumükler, Mm, soeben erscheinenden, bemerkenswerten Buche „Amerika und seine Einwanderer" veröffentlichen wir mit Erlaubnis des Verlages den nachstehenden, dem Kapitel ,^Lebvn und Kultur der amerikanischen Großstadt" entnommenen Mschnitt. Wie Mhende Gipfel eines mächtigen Gebirges ragen allnÄchklich die erleuchteten Türme der Wolkenkratzer über ’ die Stadt Ileitv-Dork. Gelb, rot, licht und dunkel, Kombinationen von Scheinwerfern und Jnnenkbeleuchtrmg geben den riesenhaisten Umrissen der nächtlichen City einen exotischen AnstrÄh. Licht- und FarLenprachj ergießen sich über die nüchternen GeschäftKstLtten, paganvsche Äbensfteude strahlt von den Dächern der utilitaristischen Burqaugobäude. Apropos, Utilitarismus. Als ich einmal einen der Geschäftskonige fvug, wicho es ihm eingefallen sei, seinen GeschäftSkolotz in impressionistischen Farben glichen zu lassen, eÄärt« er, dies sei eine ausgezeichnete Reklame, denn sein Name würde dadurch bester bekannt, als durch eine von taufend Glühbirnen erleuchtete Recklametafel, für welche er in der Timesquaregegend 60.000 Dollar oder mehr Jahresmiete zahlen müßte. Dies der triftige Beweggrund der Kunstfreundlichkeit und des Mazentmns des Reichen, Zn einfachen .Worten erklär. Die BÄvüWung der Türme rst eine neue Erscheinung. Das eigentliche' LWgebiet der Ntzw-Uopker Nacht war und -ist noch immer natürlicherweise das Dhoaterviertel, Timesquare und Umgebung, wo Millionen von Glühlampen in Form aller möglichen Reklame die Nacht in Hellen Tag umwondeln. Der Teil des Broadway, der die Hauptader dieser Gegend ist, heißt auch deshalb „the great wiche way" (der große weiße Weg). ' ‘ Er umfaßt die morsten Theater New-Zorks, von der großen Metropolitanoper bis zum dem intimen Garvick, d:e prachtvollen Riefenkwos, die Varietes, Tanzlokale, Mrsikhallen und eine Riesenmenge von Restaurants aller Sorten. Hier ist das Kulturzentrum des Durchschnitts-Naw- Zorkers und ergentlich auch des Durchschnittsamerikaners. Denn, obwohl auch andere Großstädte, vor allem Chikago, Philadelphia, Boston und Los Angeles, ein eigenes Kulturleben entfalten, bleibt New-Dork doch das Gravitationszentrum aller Kulturb estrebungen wie auch das anerkaMteste künstlerische Gichamt Amerikas. Der Moße weiße Weg" ist für den Durchschnittsamerikaner ein Begriff der Fröhlichkeit, der Unterhaltung und naturgemäß aus des Leichtsinns geworden. Er liebt ihn,'wenn er chn auch des Prestiges halber manchmal verurteilt; er bchucht ihn oft — fast immer, wenn er Gesellschaft hat. Nicht mt, weil er vermögender ist als der Europäer der entsprechenden Klaste, sondern weil er auch weniger Zeit und Gelegenheit hatte, sich kulturell zu entwickeln und .chm eine HemÄultur riechen fremd ist. Wie.wäre.dies auch hei, Menschen, die sich von ihrem alten Heim losgerissen haben, wenn sie überhaupt vor ihrer Auswanderung eines besaßen, anders möglich. Dergesten w:r nicht, daß die New- Aovker Bevölkerung noch heute zu zwo: Dritteln aus Eingewanderten oder aus Mstämmlingen öingewanderter Eltern besteht, welches Verhältnis auch auf andere amerkamjjche Großstädte zutrifft.) Der Durchschnittsamerikaner unterhält sich und bewirtet seine Gäste meistens auswärts, wo andere d:e Speisekarte für.körperliche und geist-.ge Kosten zusammenstellen. Dadurch entstand in New-Iork eine quantitativ größere Nachfrage nach sogenannten Küliturstätten als in den euro-. patschen Metropolen. Da Geld reichlich vorhanden ist, werden die erlesensten Kunstkräste aus Europa rmportiert, die hervorragendsten Künstler des Theaters, Films, des Konzert- und BortragAfaales, die der alle Weltteil hervorgebracht hat, werden hinübergelockt. 'De weltberühmte Metwpolitanoper Wvt, da Amerika bisher noch keine eigenen. Opernkomponrsten hervorbrachte, ausschließlich europäische Opern auf. Und zwar in Origrnalisiprachen, außer englisch auch deutsch, französisch und iltalienisch. Hingegen finden sich auf der OPerettenbühne bereits auch amerikcmische Produktionen, womnter eme Art sogar schon eine spastisch amevAanstche Note an sich hat. Das ist die Iazzoperette, welche Musikart, leicht und lärmend, grotesk und doch eindrucksvoll, nach dem Tanzlokal unh Konzertsaal auch die Bühne zu erobern versucht. Auch auf der Sprechbuhne haben europäische Autoren einen hervorragenden Platz inne. Natürlich, je leichter die Komödie, desto sicherer der Erfolg. Doch haben große Namen auch Zugkraft, und so finden wir auf dem Now-Aorker Repertoire neben Shakespeare Tolstoi und Ibsen, Bernard Shaw, GerHart Kauptmann und alle von .Europa Anerkannten. Dom Charakter der Bevölkerung entsprechend gastieren auch häufig französische, deutsche, italienische, russische, jiddische, polnische, ungarische, griechische und anderssprachige Truppen, die aber meistens nur eine auf ihre Nationalrtät begrenzte Bedeutung haben. Es besteht auch eine ständige Negerbühne, auf welcher kindische Stücke in naiver Weise aufgeführt werden. Einige wirklich gute schwarze Künstler lasten jedoch folgern, daß dieselbe entwicklungsfähig ist. Die Theateraufführungen sind im allgemeinen gut, BW als die Stadt selbst. Die charakteristisch-eigenen Züge sind vor allem durch diese Bielsättigikeit gegeben. Es gibt gewiß auch eigene, das heißt amerikanische Dramen, aber diese sind entweder billige, nach fremdem Muster geformte Komödien, welche höchstens durch naive Problemstellung und durch die optimistische Lösung gekennzeichnet sind, oder K ßofe rrnAm Maltese dgvn Men jjt Mr Mitzeys Wiener Morgenzeltung 11. April 1926 Nr. 2662 durch. Tragödieit, die keinen Stempel der europäischen Anerkennung tragen, müssen sich in kleine und außer dem Dheaterviertel liegende Bühnen zurüchichen und sich von einem weniger zahlreichen und weniger zahlungsfähigen Publikum ernähren. Dieser Umstand hat selbstverständlich sowohl auf die Dheatevdirektoren wie attf die Autoren seine Rückwirkung. Es gibt bis heute eigentlich nur einen allgemein anerkannten, ernsten amerikanischen Dramatiker, OMeill. Er ist heute der „repräsentative man" Amerikas im Drama, ebenso wie Sinclair Lewis in der epischen Kunst. Die TheaterauWhrungen sind in: allgemeinen gut, m manchen Fällen sogar erstklassig. Die Amerikaner haben doch fähige Regisseure, gute Schauspieler und schöne Schauspielerinnen. Und sehr viel Geld. Dies beweisen vor allem die prachtvoll ausgestalteten Revuen, die schr wenig Gedanken, aber um so mehr Farben, Formen, Tanzmelodien und Wohlgerüche .bieten. Diese populärsten aller Büjhnendarbietungen sind erfüllt mit einer Erotik, die durch die Augen, die Ohren und durch das Geruchsorgan Sturm laust gegen die empfänglichen Sinne des tvockengelegten Amerikaners. Las Burglheaterlubiliium. Im B u r q t h e a t e r gelangt im Rahmen der JubtläumSveranstaltungen SamStag den 17. d. GerHart SauptmannS Drama ..Gabriel Schillings Flucht" zum e r st e n M a l e zur Aufführung. Die Besetzung der Rollen ist folgender Gabriel Schilling — Aslan, Eveline — Retty. Professor Mäurer — Marr, Lüste Heil —> PünkVsdy. Hanna Elias — Mayer, Fräulein Majakin — Dreger, Doktor RaSmuffen — Siebert, Klar OlfrrS — Karsten. Lehrjunge — VolterS. Schuckert — König, Matthias — Braun, Magd — Burg. Die Regie führt Raoul Aslan; Bühnenbilder von Remigius Geyling. Ferner gelangen aus dem gleichen Anlaß in dieser Woche Dienstag und Freitag Hebbels »HerodeS und Mariamne" und Mittwoch Schillers Milhelm T e l l" zur Aufführung. Donnerstag findet eine Wiederholung von »Minna von B a r n h e l m" statt. MW es KLnftlertabarett. »Bankrott..." Em Ausschnitt aus dem jüdisch-amerikanischen Leben mit einem allgemein menschlichen Problem — nichts fft mehr geeignet, das Publikum zu fesseln. Diese für den europäischen Menschen neue Art des Theaters schafft Möglichkeiten für den Darsteller und für .die Regie: es ist die Gestaltung eines Lebensbildes, das wie/ ein Film abläuft und Intermezzi (Einlagen von Bild und Musik) gestattet. Im Lebensbild .Bankrott" klingt die Melodie eines Assimilationsprozesses an, dem jede nach Amerika verschlagene jüdische Familie ausgesetzt ist und daneben das Schicksal einer Frau, die im äußeren Tand ihr Lebensglück sicht, in Not geraten, den Weg zum Abgrnnd gehen muß. In sketchartiger Weise wird dieser Weg gezeichnet. Episoden bringen Einblick in Milieudetails, während die Mtschlüffe sich zu großer dramatffcher Wucht verdichteten. Das Ensemble in der Praterstraße beginnt bereits den für solche Literaturprodukte passenden Ton zu finden. Die schwache, wankende Frau fand in Paula Drei b l a t t eine.Verständnis- und geschmackvolle Darstellerin. Die Figur.des Gatten, der sich im dritten Akt zu tragischer Größe erhebt, gestaltete der junge Bernhard Mittler äußerst prägnant, besonders in der tragischen Schlußszene wußte er das Publikum mitzureißen, wie denn überhaupt das Interesse ihm, dem Benefizianten, galt. Gelungene Chargen boten Rahel Wejßb e r g und Benzion S i g a l l als Elternpaar; es war eine Freude, die Charakterisierungskunst Vieser beiden zu genießen. Frau Zucker und Fräulein M ei je ls fügten sich geschickt ins Ensemble. Der kabarettartige Charakter des Theaters kam durch Solovorträge zum Ausvruck, die von Frau Dulitzkaja und den Herren Streng und Nachbar in gewohnt stimmungsvoller Weise absolviert wurde. Das neue Lebensbild „Bankrott" bildet eine wert- ’dÜSSSS HOTEL STEFANIE Wien, 2. Bezirk, Taborstrafle Nr. 12 / Telephon 49-250 Zentral gelegen, neben der Produktenbörse / 100 peinlich retne Zimmer mit messendem Warm- und Kaltwasscr / Massige Preise Jeder Komfort 6068 Ein neues wichtiges Werk! Amerika und seine Einwanderer Von Alfred Tymauer MH fünf Bildern und einer Ueberalehtakarie I. Teil Historische Einleitung / Wirtschaftliches / Kutturelles Politisches ✓ Die Zukunft Amerikas II. Teil Fflhrer and Ralgeber für den Einwanderer tn die Vereinigten Staaten Mark 3.80 Tyrnauer, der als Korrespondent grosser deutscher Blätter in den Staaten war, hat einen praktischen Führer für den Einwanderer geschrieben, den jeder zu Rate ziehen soll, der über den grossen Teich geht 11288 ln jeder Buchhandlung an haben Wilhelm BraumQller / Verlag / Wien und Leipzig | -IttO BLAIMSCHEINS SSSSTEDNA Margarine fl EHllV Unerreicht in Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwfirden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst 6hwddw Borns 'Ml n M!1 oruwn nnn) Ueberall erhältlichl 11286 KARL BLAIMSCHEINS vereinigteMargarine- und Butterfabriken, Wien, 14. Bezirk. 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Mt A/ Popoei>Liuikeo6, VoHaices kongenfefOer ’NKbfiotoer ina Kampfe mr die Rechte der Unterdrückten, 8t m kehl anderer geeignet, mit intuitivem Verständnis dm LieÄi»e n und W i r k e n V o 11 a ir e s z « e* f a s« e n vmd zm e^nera Kunstwerk zu ge«ta4ten. Der leuchtendste und bedeateufhte Geist seiner Epoche — Der Mensch, der Künstler, der Malturkämpfer Voltaire ersteht lebendig vor uns. — Endlich edcn Weeak ütoer Voltaire, das diesen metMmchMenmi. vielgeliebten und 'vielgehassten Kulturhelden in seiner ganzen Bedeutung für die menschliche Oelstesentwicklung würdigt. — Endlich ein Werk über Voltaire, das turmhoch über allen rein biographischen und HterarMstoriacbcn Büehem mR tiefstem kuchuhtzstmischeN V er s ttu dn'i s das Z ehtaiter Vo*ft‘«lr e*s scWhfcrt. B Uah|mm I N» l^nWA I*

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