Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2562 (11.4.1926)
- Date
- 1926-04-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitnng 11. April 1926 Seit« H IS illidsein allein {scheine <f£unst- Nur die Qualität ist entscheidend für die richtige Beurteilung unserer ungewöhnlich billigen Preise Met Met Met Met Met Kleid und Cape aus aparte Neuheit.... Rips, Meie, Kleid und Jacke, reich gestickt. . . Kleid und Man!ei aus Meie, Matlass6, Eplngle, Rips, sehr schick u. e egant, S 98.—, 89.—, S Kleid und Palelot mit schwerem Ciepe de Chine, handgestickt, Salonaroeit S 149.-, 128 —, 110.-, S Kleid und Mantel aus franz. 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April 1626 zu Highgate, int Schlosse des Grasen Arundel). Eine Würdigung dieses großen Philosophen, der eigentlich an der Pforte der neueren Philosophie steht, in einigen Sätzen zu geben, ist schwer. Gerade die ersten Keime dessen, was noch heute, in der Gegenwart fortwirkt, sind in der Bewertung so ungleich, daß es oft sehr schwierig ist, das Korn vom Spreu zu sondern. Die Aussichten gehen darüber zumindest auseinander. Während die einen die Erfindung der neuen wissenschaftlichen Methode, der Induktion Bacon zuschreiben, wollen die anderen in ihm nur den Anreger und Vorläufer schätzen. Zweifelsohne ist in der Philosophie und in dem wissenschaftlichen System Bacons -- wenn von einem solchen die Rede sein kann, denn Bacon propagierte in der Theorie die Systematik, um in.der Praxis die ungebundenste Arbeits¬ und Darstellungsform zu wählen — viel Geniales neben Unwichtigem und Falschem enthalten, ganz wie in seinem Charakter, der auch nicht ganz einheitlich und makellos war. Nach einer raschen Karriere bis zum Lordkanzler und Viscount von St. Albans wurde er im Jahre 1621 wegen Bestechung verurteilt und mußte sich von der politischen Laufbahn ganz zuruckziehen; auch das Verhältnis zu seinem Gönner, dem Grafen Essex, den er an-die Königin Elisabeth von England verraten hatte, wirft nicht das beste Licht auf seinen Charakter, worüber eine heftige Polemik und Diskussion von vielen Gelehrten geführt wurde. Aber nicht die Unklarheiten seiner Philosophie, nicht seine Überschätzung des Wissens und nicht sein angeblicher Utilitarismus sollen heute erwähnt weiten, wo es darauf ankommt, zu beurteilen, was Bacon noch der Gegenwart bedeuten kann. Zunächst ist Bacon für unS der Revolutionär. Ein Revolutionär des Geistes, so eigenartig, wie es nur wenige gegeben hat. Seine Revolution galt dem spintisierenden Mittelalter, der Philosophie als Welt- und Lebensfremdheit, dem verknöcherten Wort. Sie trug ihr Banner für die Sachlichkeit, Vorurteilslosigkeit, methodische Naturerkenntnis. Bezeichnend hiefür ist seine für uns scheinbar naive, in Wirklichkeit aber ganz außerordentliche Lehre von den Trugbildern, den Idolen. Um überhaupt mit wissenschastlicher Arbeit beginnen zu können, meint Bacon, mutz sich der Musch zunächst von den Idolen, ’ die ihn beengen, befreien. Deren kennt der Philosoph vier Arten: die Vorurteile der Autorität, der Ueberlieferung, der Schaubühne, das ist der Lehren der inaktuellen Vergangenheit; ihola theatri, ferner die Idole der Sprache, wo man'daS Wort mit der SaKe. verwechselt« dte gdole der persönlichen Bes fangenheit, der Neigungen und Gewohnheiten und schließlich die der menschlichen Gattungalso Sinnestäuschungen und Anthropomorphismen, das heißt die Eigenschaft, die Natur nach menschlicher Analogie zu betrachten. Vielleicht würde eine heutige Kritik finden, daß nicht alle Trugbilder Bacons wirklich existierende Vorurteile sind, die ersten drei Arten sind aber heute ebenso aktuell. Unsere Zeit krankt daran, obwohl Bacon vor mehr als 3OO Jahren den Trug erkannt hat. So ist es ja in mancher Hinsicht, vielleicht den entscheidenden, um den Fortschritt der Menschheit bestellt. In einer anderen Beziehung hat sich aber die Menschheit in den 3OO Jahren von Bacon fortentwickelt. Die mathematische Naturwissenschaft, von der Baoon nichts wissen wollte, hat in diesen drei Jahrhunderten Riesenfortschritte gemacht. Dieses Unverständnis fiir die Bedeutung der Mathematik wurde Bacon vielfach sehr übel genommen. Heute, wo die Erkenntnis überall zu reifen beginnt, daß sich doch nicht alles in Zahlen zwängen läßt, daß nicht alles in Zahlen Ausgedrückte auch schon erklärt ist, tritt Bacon wieder in seine Rechte. Wahre Natur nähe ist wahre Gei sie snähe. Zahlen entfremden uns die Dinge, und Geist ist identisch mit Sachlichkeit und Wesentlichkeit. Und in diesem Sinne der Bemühungen der Gegenwart, den Geist wieder zu erobern, hat Bacon den Charakter unserer Zeit geahnt und vorweggenommen. * Dem jubilierenden Burgtheater muß man auch zurufen: Verscheucht die Trugbilder! Die Trugbilder der Tradition, die es nicht mehr gibt, der Schwärmerei, die sich an euren Namen knüpft und euch zwingt, alten, verblaßten Idolen nachzujagen, statt neue, lebendige Inhalte zu schassen. Es gibt nur eine Tradition im Künstlerischen: die der ernsten Bemühung, die des Strebens und der Hingabe. Was darüber hinaus als Tradition benannt oder gefordert wird, ist Stimmungs-duselei oder verhängnisvolle Verkennung der einfachsten Gesetze der Kunst. Für Talent gibt es keine Tradition; Talent ist nur in den seltenstem Fällen vererbbar, um so weniger durch Pietät und Ueberlieferung zu erwerben. Versucht man das —- entstehen unzulängliche Epigonen. In der Kunst muß immer aufs neue Neues erobert werden. Nachahmungssucht des Alten ist hier Abschließung gegen das Neue, Hemmung der Entwicklung. Das Burgtheater hat dies lvahrlich nicht nötig. Es besitzt noch heute eine ganze, Reihe hervorragender Künstler und auch jungen Talenten läßt es freie Bahn. Was ihm dringend nottut, ist, den Raunzern des „Gestern" und „Dazumal" endgültig den Rücken zu kehren, die Toten mhen zu lassen und sich voll und ganz der lebendigen Gegenwart zvAuwenden. Der Name BurgHeater U heute ein leerer Schall, denn der Sinn des Heute heißt: Volkstheater. Wie es früher dem regierenden Hof entsprach, muß es jetzt dem regierenden Volk dienen. Als Staatsbühne hat das Burgtheater nur diese eine, aber wichtige Pflicht. Sonst sollte sein Leitstern sein: modernstes, bestes Theater zu spielen. Beste und neueste Stucke, gute Schauspieler, zeitgemäße Regie. Aus rein künstlerischen Zielen wird in ernster Arbeit auch der richtige Geist entstehen. Nur mit der Gebärde der Zeit erringt der Mime den Ruhm. # Das Problem des Parlamentarismus ist wieder aktuell. Die Unzufriedenheit mit den Parlamenten ist fast allgemein; der Schrei nach der Diktatur ist in manchen Kreisen deutlich vernehmbar und wurde in einigen Ländern sogar schon durch Verwirklichung gestillt. Ob der Tausch, der nicht in allen betreffenden Ländern mit gleichmäßiger Vollständigkeit vor sich ging, auch günstiger war, ist mehr als problematisch. Die Praxis in Ungarn, Italien, Rußland und Griechenland kann alles eher denn überzeugen. Rot oder schwarz — mit Volkswohl oder Menschheitsglück haben diese Systeme mur sehr wenig gemein. Die Peitsche hat am Volkskörper nur blutige Striemen gezeichnet; oder, wenn es gelang, dem Hiob irgendwie zu entweichen, blieb in der Luft nur ein lauter Peitschenknall hängen und machte das ganze System lächerlich . . . Man denke nur, um das letztere bewiesen zu sehen, an das zurückgezogene Gesetz gegen kurze Frauenröcke in Griechenland oder an das Prohibitionsgesetz in den Vereinigten Staaten, mit seinen grotesken Folgen, wie Alkoholbehälter in Spazierstöcken, Blumentöpfen, eigens hergerichteten Büchern usw. In beiden Fällen, wenn auch iu Amerika - durch die gesetzgebende Körperschaft, ist der Versuch unternommen worden, menschliche Triebe diktatorisch zu korrigieren, einer Majorität etwas ihr'Fremdes auszuzwingen. Der Versuch mußte fehlschlagen, denn der Weg der Verwirklichung war falsch; vielleicht hätte eine geduldige Erziehung da etwas erreicht. Aerger und gefährlicher ist aber jene ersterwähnte Seite des diktatorischen Regierungssystems: sie führt die Völker zum stumpfsinnigsten Imperialismus, zur Kriegshetze, sie knebelt freie Forschung und Meinung, und — das Schrecklichste — sie lebt und stützt sich nicht selten auf überfüllte Gefängnisse und vergossenes Blut. So die Praxis der Parlamentsüberwindung, der Diktatur. In der letzten Zeit hat aber auch eine große theoretische Diskussion über die Fragen des Parlamentarismus begonnen. Politiker und Soziologen behandeln dieses Problem in zahlreichen Büchern, Broschüren und Zeitungsaussätzen, darunter Alfred Weber. Hellmuch v. Gerl ach, Lothar Bücher, Julius Bunzel, Max Adler« Delannoh und viele andere. Sehr bemerkend-