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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-10 · Heft 2561 (10.4.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2561 (10.4.1926)
Date
1926-04-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2561 Men, Samstag Wiener MorgenreKung 16. April M6 MM Sin Theaterskandal im Akademietheater. Störung der Feftvörftetlung durch eine vorbereitete Lemxnftratiou. DaS 160jährige Jubiläum des Burgtheaters wurde gestern im Akademietheater festlich begangen. Den Abend leitete eine von Raoul A u e r n h e i m e r verfaßte Gelegenheitsszene „An der Wiege des Burgtheaters" ein. Sodann folgte Georg Büchners Lustspiel „Leonee und Len a" in der Inszenierung Hans. Brahms, mit Begleitmusik von V. Mer z. Nach dem ersten Teil des mit großem Beifall anfgenoinmeuen Stückes wurde der Applaus in auffallender Weise von' Besuchern der Galerie und der rückwärtigen P a r t e r r c s i tz e niedergezisch doch hielt man diese Kundgebung des Mißfallens für eine Kritik jener Theaterbesucher, denen die Inszenierung nicht genehm war. In einer späteren Szene, beim Aufzug des Königs Peter und seines Hofstaates, der im Sinne der Dichtung p a r o d i st i s ch vor -sich ging/ — in der Begleitmusik wird an dieser Stelle die Melodie des „Heil dir im Siegerkranz" verwendet —7, brach ein richtiger Theaterskandal los und nun erkannte man, daß es sich nicht um eine spontane Kundgebung des Unwillens, sondern um eine gut v o r b e re i t e t e D e m o n st r a t i du handelte. i e n, 10. April. * Das Wetter. Die ange,kündigte Abkühlung hat sich nach . 0cm Regen eingestellt. Die Voraussage lautet: Wechselnd bewölkt, langsame Besserung. * Die Kindesleiche int Gebüsch. Gestern früh um halb 7 Uhr fand ein Wachebeamter in einem Gebüsch der Sportklubstraße nächst der Reithalle in der Laufbergergasse ein Paket, das dre Leiche einest neugeborenen Knaben mit braunem Kopnhaar enthielt. Die Leiche war in ein weißes zerrissenes' Damenhcmd verpackt: Verletzungen waren nicht wahrzunchmen. * Die Selbstmörder. Der 63jährige . Private Charles Telle, ein gebürtiger Wiener und amerikanischer Staatsbürger, wurde in seinem Zimmer im Hause Marokkanergasse Nr. 19, wo er in Untermiete wchyte, erhängt aufgcifuyden. Die Ursache dürften finanzielle Schwierigkeiten sein.'— Am 6. d. früh hat sich ein Fahrgast des BudqpeW: Schnellzuges im Qstbahnhof eine 20 Zentimeter lange Schnittwunde am Bauche beigebracht/durch die die Eingeweide hervorquollen. Er starb im Spital. Der Mann ist der 3.2jährige, .sn Bilany. in.Ungarn 'ansässiggewesene Landarbeiter 'LaszLo^o'N'^v li-^'E^HMte“ nach . Amerika, wurde aber von der.' amerikanischen Cinwauderungsbehöride zurückgewiesen. Radioprogrmmrm Heute Samstag den 10. April. 16 Uhr 15. Mim: Nachmittagskonzert OSlar Straus; Die lusttgen Nibelungen, Manch. Supper Ein Morgen, ein Mittag., ein Abend.in Wien, Ouvertüre Griegr „Peer GintV Suite 1. Beethoven: Menuett in O-Vur. Leukauf: Eros: Valse lente. Drescher: Spielt's m'r Weana Tanz. Potpourk. Lehar: Endlich allein. Walzer. St. Weiß: Schatz, was macht man, wenn es regnet? Tanzlied. — 17 Uhr 30 Min. > Stunde der Landwirtschaft Neuzeitliche Kunstdüngerwirtschaft. Hofrat Ing. Dr. Viktor Zailer. — 18 Uhr: Aus der Werkstatt des Architekten: Hochschulprofessor Baurat Siegfried Theiß. — 18 Uhr 80 Min.: Dichtung der Moderne. IU. Novelle der Moderne... Gebart. Hauptmann: Bahnwärter Thiel. Gesprochen von Paul AskonaS. Einleitende Worte : Dr. Hans Nüchtern. — 20 Uhr: Zum lü jährigen Burgtheater-Jubiläum: „Fenster" von GalSworthy. Abendmustk. Vorträge. Vereine, Bersammlunge«. > o jt i st t s ch e B e z i r k S s e k t t o n Alsergrund. Montag, 8 Uhr abends, tm Cafä Metropol, Wien, 9. Bez, Berggaffe 38, Vortrag des Hem: Dr. W. H e r z b e r g über das Thema ..S t r ö m u n g e n i m Z t o n i s m u 8". Gäste verglichst willkommen. — JugendgruppederZionst i s ch e n Sektion Z w i s ch e n b r ü ck e n. 20. Bez., Leystraße 81. Heute. 6 Uhr abends.. Vortrag Dr. Heinrich Glanz. „Der Auszug der Juden aus Aegypten". Gäste willlommen — V e r e i n ö st e r r e i ch i s ch e r C h e m t k e r. 6 Uhr abends im Hörsaal für Chemie an der Technischen Hochschule, 6. Bez., Drethufeiiengasse 4, Vollversammlung. Vortrag Dozent Dr. M. Dolch: „Kohlenveredlung. Koblenverflttssigung und die derzeitige Krisis auf dem Steinkohlenmarkt". — Httachd u t h, 2. Bez., Glockengüsse 80. Die :ür heute abends anberanmte Plenarversammlung wurde ans Mittwoch den 14. d., l/a7 Uhr abends, verschoben. — Wiener Betb-Hamtdrasch, 3. Bez., Ferdtnandstraße 23. Beginn des Sommersemesters. 3 Uhr: Lektor Dr. S. Rub-n: „Die Spellegesetze der ^7, T -3 tontsttsche Zngendgrup p-e L e opoldst stad 1. Heute. 7*8 abends, im Kaffrelalon des Hotel Zentral. 2. Bez., Taborst aße 8, Mezzanin, Abfchiedsfeter umerer Chaluz-Kwuzah. — Zu dem neueröffneten hebräischen Kurs werden täglich von 7 b>8 9 Uhr abends, tm Heime, 3. Bez., Zirkusyasse 89, noch einige Anmeldungen en gegeugenommen. — Kt on i st: s ch e Kulturgruppe XX, Karl-Meißl- Straße b/1. Heute, 7 tlhr abends, Vortrag des Herrn Dollar n a „über Jugendbewegung lm allgemeinen". Biorgen, » Ubr Büchsenle.rung. 7,2 Uhr Ausflug. Führer: Professor: Botknecht. Etngefüdrte Gäste herzlichst willkommen. — M a-i* ui o li i b e 8 S n ft 11 u t, Hetzgasse 40 Heute Eröffnung des Sommersemesters. 4 bis 5 nachmittags: Dr. A. siaminka: „Die Beziehungen zw schen Palästina und der Diaspora im Altertum". . "^rpoldstädtex Bolksheim. 7 Uhr: Reaierungsrat. Pws. Dr. Ludwig Singer: „Auf Sizilien, der Insel des Sonnengottes". Eintritt frei. ■ -i- Hebräisches Pädagogium. Die Vorlegungen des Sommer- «emeiterü vegmnen am Sonntag den 11. y. um 8 Uhr srüih. Auf der Galerie erschöllen Rufe wie ^Niederträchtig, so das Burgtheaterjubiläum zu feiern", „Schluß mit diesem skandalösen A b e n d", „Vorhang h i n u n t c r", „E i lt e S ch a nde für Wien." Sofort setzte in dem überraschten Publikum eine Gegendemonstration ein. Einen Augenblick war' dick S i t u a t i o n bedrohlich. Nur der bewundernswerten Geistesgegenwart der nt i t w i r k e u d e n Künstler ist es zu danken, daß die Vorstellung ohne die kleinste Pause weiterging. Insbesondere die Darsteller des Königs, Herr H ä u s f e r m a n n, und des Staatsminifters, Herr. A r n 'd h waren überaus geistesgegenwärtig, ignorierten den von Drahtziehern entfachten Lärm und bewirkten, daß. die.Vorstellung ohne Panse zu Ende geführt wurde. Sie bewahrten aber auch Wien vor der Schmach, daß am Abend des 160jährigen Burgtheaterjubiläums eines der größten Genies des deutschen Volkes, Georg Büchner, der Dichter von „Dantons Tod", von „Wozzek" und' von. „Leonce und Lena" niedergebrüllt wurde. Nach Schluß der Vorstellung setzte demonstrativer Beifall ein, gegen den das Zischen der Demonstranten nichtaufkommen konnte. R. Lowit Verlag / Wien-Leipzig Neuerscheinung! OTTO ABELES Die ersten Blätterstimmen: ' „Wiener Allgemeine Zeitungu: „In seiner begeistert'sachlichen Rpteedlehtung gibt Otto Abeies zugleich Analyse und Vergleich, Werbeschrift und Bekenntnis. .. . Ab ei es ist als Theaterkritiker eine der wenigen geistigen Figuren Wiens,-die in kühler Kons.equenz.Ideen.folgen und For, erungen verfechten. In einer Sache, die 4tun: grbßer und vor altem prinzipieller düpkt,'- qffenbart sich dieser männliche Idealismus noch bezwingender.“ ’ „Prager Tagblatt“: < ' J ’bÄn neuefr Palästinab'ÖthVrh mangelt es nicht. Dieses ist deshalb: , bemerkenswert, weil es so deutlich als eine persönliche Auseinandersetzung erkennbar ist.. Einvorti eff lieber Schllderer und Er- •zählerund, obgleich durchaus ein Parteimann, ehrlich und aufrichtig.“ , „Ost jüdische Zeitung*, Cernaüti Aus einem längerem Referate Dr. Manfred Reis erst . Und nun soll er uns ein neuer Liebling werden. Sein Bych ist mit soviel Wärme, mit soviel seelischer Hingabe geschrieben, daß es den Künstler, den Genremaler auf jeder Seite verrät. Was er schildert ist Wirklichkeit und wie er schildert ist Dichtkunst.“ Große. Auktion, 5. Bez., Strobachaafse 8, von Dienstag. 8. d. bis Lnmstag den 17. d. ab halb 3 Uhr. Moderne »rfb, nobel, Antiquitäten. Teppiche,- darunter Prachtstücke von Per- bis ziM^LO Duadrawteter,^Kiiitstgixgenstäuve, Silberkassetten .. *” ' morgen Sonntag und den 18 Stilmöbel, st'M usw. uflv.' Besichtigung: Heute Samstag,' Montag den 1L. d. vog 9 bis ha ch 8 M. Kunst, Bühne, Buch. Dar FMMm des Burgtheaters. Die Festvorstellung. Man ehrte Lesfing, den Paten des Bnvgkheaters, und spielte JNltnna von Bärnhelm". Eine, sorglich getönte, stilvolle Aufführung (Regte Albert Heine) — die tm Wademietheater weit besser zur 'Geltung käme. Aber an Fest-, abenden muß man., schon ein Auge zi.dvücken und die-Ohren wist äüffperren, /dM.iit'..-.man'-- ja. nicht. das alte Klagelied von der.-Mvderffchen.'' Äkusl-kk," be'Sgroßen Hauses ans-mvmt« Das Publlküm bedachte fast jedenMitwirlenden Mit einer Applaussalve/und wollte nicht zur KeNiitnis nehmen, daß'viele Dialogstellen unverständlich bleiben. 'Sehr löblich und dankenAvert. i - Ursache zn herzlicher -Zi.stimmnng war gegeben, Raoul As l'a n - erspielte sich mit dem Riccant de la Marliniere die Meffterschaift: Mit so viel Humor und Menischenlkenntnis hat er dm Abente.urer ausgestattet. Ein kultivierter Spitzhnb, ein sympathischer Gauner, ein eleganter Falschspieler. Eigenbau der Stichins Tragische: „Mich hat die Lebensnot zernagt, bei mir dürft ihr nicht'Biederkeil suchen." .Die Franziska der Almq.. Seidl er ist gelegentlich mchr als das '.uriivüchsige, kluge, junge Frauenzimmer. Es muß das Herz dieser -heranreifenden' Kuu'st.lertn bewirkt haben, daß mtt- .unter Richrnng stärker ioirkte als Freude über ihren rassigen Witz. Als außerordentlich evschieu uns auch die schöne,' stolze, kr-aswoll-igütige Minna der Else Wohl gemuth. Paul ''Hortmann debütierte als Tellheim. Er gefiel. Mehr ist diesmal von'dem bedeutenden Schauspieler, der uns!apj sicheren Abenden bege-istepte/.nicht zu sagen. Gute.Haltung, -vornch'nieL: Spiel, echte Sprache — aber wo anders hörte man khjl besser. Und der gute Riajor ist keine dankbare Rolle. Nicht alles war auf gleicher Höhe. Äber dieser Abenid ist kein tauglicher Anlaß,' zu mäkeln..' . O. A, Aus den Matern. B u r g t h e a t e r. Morgen, '*/,& Uhr nachmittags, „Der iB a u e r. a l s. M i l l i o n ä r". Abends, l/ß ilhv, „M l n n a v om B ärn h.e-l m". (Abonnement V. Gruppe., A Hii.HiiPtrotn u. Morgen, 8 Uhr nachmittags,' .„D-er S'chjyldn". 7,8 ttkj.r abends. „An der Wiege des Bnrgtheat e r s". Hierauf „Leonce » nd Lena". - Uhr Uhr a-ends, O p e r n : t> e a t e r. Morgen, „T r i st a n « n d I s o l d e". Redoutenlaal. Morgen, „Ballett-Komödien". Deutsches D o l k s t h e a t 11. Morgen. 7*8 Uhr abends, neu inszeniert von Mr. H. K. Ayltff von den Birmingham Repertorp Players: ^Hamlet", in modernem Kostüm, mit Alexander M o i s s i a. G. . . B ü r a e r t h e a t e r. Morgen, 8 Ubr nachmittags, Ein B ö h m t n A m e r i k a" bei volStümlichen Preisen. Theater an der Wien. Morgen. 7,8 Uhr, zum ersten Male als Nachmittagsvorßellung .DieZirknSp r i n z e l > i n". Raimnnd-Theater. Das Lustspiel von Zuckmayer. ,®et fröhliche Weinberg" wird nur mehr an sechs Abenden gegeben, da die Overettensvielteit bereits Freilag den 16. d m t der Oveiette „I ch h a b' d i ch l i e b .. von W^lli Stark, Musik von Leo Ascher eröffnet wird. Louise Kartou''ch und Ernst Tautenhayn singen die Hauptrollen. Theater i n d e r I o i e 1 st a d t. Als nächste Premiere gelanät das Lustspiel „Die guten Freunde" von Victorien Sardou Freitag den 16. d. zur Aufführuno. Lustspieltheater. Morgen, V*± Uhr nachmittags, „Rotkäppchen". Modernes Theater. Morgen, ya4 Uhr nachmittags, findet eine Tanzveranstaltung der Tänzerin Hilde H o lg e r unter Mitwirkung der Tänzerin Giw G e e r t statt. „Das Burgtheater und die Wiener." Unter diesem Titel wird Dr. Fnlian Sternberg Mittwoch den 14. >d. um halb 8 Uhr abends im kleinen Saal der Urania einen Bortrag halten. Hebräische Musik im Radio. Zum ersten Male sandte vor kurzem die Stockholmer Rundfunkstation hebräische Musik aus. Das Programm wurde eingeleitet durch einen kurzen Einleitungsvortrag des Oberkantors Saus, ver eine gemeinverständliche 'Charakteristik dieser Musik gab und dann $u Harmoniumbegleitung Birnbaums Haschkiwenu, Lewandowskis Ai taschlichenu und des letzteren Kol nid re (aus Kol r'mno) in eigener Harmonisierung sang. Vor der letzten Gesangsnummer spielte der Konzertmeister der' Hoffapelle W i l h e l m i „Eli Zion" von L. Z e i t l i n und „Märchen" von F. A ch r o n. Der nicht unbeträchtlichen Anzahl Juden, die weit entfernt von jüdischen Gemeinden in kleinen schwedischen Orten wohnen, bot die Veranstaltung sicherlich eine willkommene Gelegenheit, einmal die' alten, trauten Klänge zu vernehmen. Auch christliche Kreise gaben nach dem Abend ihrer Ergriffenheit Ausdruck. Die Gesellschaft für jüdische Familiensorschung verschickt soeben das Märzhrft ihrer Mitteilungen, das den Intereffenten der verschiodensten Landesteile reiches Material bringt. Otto N e nmann (Berlin) vergleicht eine Steuerliste der mecklenburgischen Juden aus den Jahren 1749 bis 1760 mit den Listen der Namensannahme 1812 und bietet so für die alten meckleriburglschen Judenfamilien und alle ihre Nachkommen authentische Angaben. _ Ter Studienrat Prof. Wölbe berichtet weiteres riber seine christlichen, später zum Judentum übergetretenen Vorfahren in Schlesien und Marieniwerder. Dr. Flesch (Dolni^ Kouniee) gilbt ^seht interessante Deutungen der aus Vornamen entstandenen jüdischen Familiennamen,'wobei die Doppelführüna von bürgerlichen Rufnamen und ,-Dynagoaennamen" beleuchtet wird. Jakob M. B a l l i n (Franlkfnrt a. M.) bchandelt die aus Südfrankreich stammende Familie ,Mttin", die uns den Schöpfer der größten deutschen Handelsflotte' gegeben hat. Dr. Max Schatz (Preßbura) in musterhafter Vollständigkeit die Familie The'benMaM aus Pveßburg. Aufsätze von..Mose8 (Wien) ''und'Klibänski (Breslau) setzen,ihre früheren fort. Das 'familiengeschichtliche Suchblatt mit zahlreichen Anfragen und Antworten Mndet den Inhalt ab. . Aus dem Hakeuttmzsumpf. Das Urteil im Dresdener Bolksopferprozeß. Am 7. d. wurde in Dresden das Urteil in dem aussehenerregenden V o lk 8 o P f e r p r o z e ß verkündet. Das Gericht hat den völkischen Führer Syndikus Dr. Meißner wegen fortgesetzter Untreue und Unterschlagung zu vier Jahrep Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust, den Völkischen Löffler wegen derselben Straftaten zu zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust, den Buchhalter Gründel wegen Beihilfe zur Unterschlagung und Urkundenfälschung zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten hatten als Angestellte des „Volksopfers", dessen Ertrag zur Linderung der Not von Greisen, Witwen und Waisen bestimmt war, riesige Geldsummen unterschlagen, sie in Festgelagen und in Bordells verschleudert, zum Teil verschiedenen völkischen und nationalsozialistischen Gruppen zugewendet. Dr. Meißner hoffte, wie er zugab, mit Unterstützung der reaktionären Verbände einen Minister- Posten zu erlangen. In der Begründung des Urteils heißt es unter anderem: Meißner und Löffler haben fortgesetzt in der unerhörtesten Weise das Geld, das zur Stillung der Not der Aermsten der Armen gespendet war, für eigene Zwecke verwendet, Meißner namentlich wußte, daß das von ihm für nationale Verbände gespendete Geld nicht für derartige Zwecke bestimmt war. Meißner erwarb zwei- Automobile, gab für seine Geliebte viel Geld aus, unter airderem für einen Tee in Bellevue über 1600 Mark. . . Die Tat sei so schändlich und gemein, daß nur eine außerordentlich schwere Strafe in Frage kommen konnte. Freispruch bet Organisatoren des Barinat- Nummels. Das Berliner Schöffengericht hat, wie schon kurz gemeldet, den Asseffor K u ß m a n n und den Redakteur K n o l l von der Anklage der Beiseiteschafsung und des Mißbrauchs von amtlichen Dokumenten wegen Mangel an Beiveisen freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte Kußmann der Aktenbeseitigung für schuldig erachtet und Knoll ebenfalls der Aktenbeseitigung und des Hausfriedensbruches angeklagt. .Kußmann und Knoll gelten als diejenigen, die im Interesse antisemitischer Propaganda die Affäre Barm a t beinflußt haben. Laut der Anklageschrift hatte Kußmann als Untersuchungsführer gegen Barmat vertrauliche Akten des Gerichts Knoll übergeben, der ein deutschnationales Pressebureau leitete. Ebenso hat er sich von Knoll „informieren" lassen. Aus dem Bureau Knoll erhielt die rechtsgerichtete. .Presse ihr Material." 7131366642407431516

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