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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-10 · Heft 2561 (10.4.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2561 (10.4.1926)
Date
1926-04-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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> -j mi,, i^ji« „ w_ P_fptWy WW^ _ ^-eterrmv gdbauntA &tf «ine Frage des AngeLqgteu WeiSz er« . «kt Dr. Aderer, daß die freundschaftlichen vegishungeu zwischen ihnen derart waren, daß Wei-z ohne weiterer von ihm hohe Beträge erhalten hätte könne», wenn er! sie gefordert hätte. Doch hoöe er dies niematt getan. Die Derhcwdlung wurde hierauf um 8 Uhr unterbrochen und «n ä Uhr nachmittags wieder ausgenommen. \ I» der hmrde att erster Zeuge der Präsident der Depositenbank, Bau! Gold st ei«, vernommen. Er führte auS, daß Ende IM und anfangs 1LLS im »Abend" verschiedene Artikel erschienen sind, die daL Ansehen der Depositenbank schwer schädigen. Er yabe damals gemeinsam mit dem Präsidien Drucker den Entschluß gefaßt, an den »Abend" heravzutreten, um -ie Angelegenheit eventuell auch durch DeKyuwendungeri zu regrin. Cr habe Lechalb ein« Annäherung au de» »Abend" versucht und ist durch den Mittelsmann Dirütor Leßner mit Juchs in Verbindung getreten. Leßner überbrachte ihm von Fuchs die Botschaft, daß dieser für 20.000 Franken bereit sc', am die Haltung deS »Abend" Einfluß zu nehmen. Dieser Betrag sei chm Viel zu hoch erschienen und er habe Leßner um nochmalige Intervention gebeten. Er sei dann in der Wohnung des Seßner mit Fuchs zufammengekommen und dort habe man sich geeinigt, daß der Betrag mrr 10.000 Franken festgesetzt werde. Die weitere Unterredung habe sich auf die Anknüpfung von russischen Handelsbeziehungen bezogen. Tags darauf hat die Depositenbank dem Herrn Fuchs einen Scheck auf ungefähr 100 Millionen Kronen, das war der damalige Ußrrechnungskurs der 10.000 Franken, geschickt. Der Name Weisz iß bei diesen Unterredungen nicht gefallen. > Dr. Steiner: Es wird behauptet, daß Weisz regelmäßig Zuwendungen von der Depositenbank bis zu ihrem Zusammenbruch echalten hat? — Zeuge: Das ist ganz ausgeschlossen. — Weisz: Ich bitte den Herrn Zeugen, zu erklären, ofc im „Abend" jemals Angriffe gegen ihn persönlich erhoben wurden. — Zeuge: Nein. Ich wurde von allen Funktionären der Depositenbank am glimpflichsten bchcurdelr. —- Weisz: Das ist darauf zuvüchuiführen, daß Herr Goldstern anläßlich des Bankbeamtenstreiks im DirÄwrenvevband imrner die Kartei der Beamten ergriffen hat. — Dr. Preminger: Hat jemand auf Sie irgend einen Druck ausgeübt, daß Sie das Geld hergeben sollen? — Zeuge: Nem, der ganze Vorschlag ist ja von mir ausgegangen. Es wird hierauf der Zeuge Leßner nochmals zur Ergänzung seiner Aussagen vorgerufen. Er sagt konform mit dem . vorhergehenden Zeugen aus. — Der Präsident der Ländermnk, Markus Roller, erklärt, weder Weisz noch Fuchs zu kennen und will niemals mit ihnen in Berührung gekommen sein. Mit der Presse habe Direktor Krausz vukchrt und dieser habe ihm einmal erzählt, daß für den „Abeud" ein Betrag von 3 btt 6 Millionen ausgegeben wurde. Er glaube, daß damals der Name Fuchs genannt wurde. Eine Ilenderung in der Haltung des „Abend" ist nicht eingetreten. Die Angriffgegen die Französrsierung der Län-derbank waren wohl nicht geeignet, eine günstige Stimmung zr schaffen, doch konnten sie die Gesetzwerdung der Vorlage nicht - verhindern. Bon einer Erpressung an der Länderüank kann also■ nid# die Rede sein. — Weisz: Habe ich nicht damals kon- statiert, daß der Status der Länverbank eigentlich günstiger war als es in dem Gesetze angenommen war? —.Zeuge: Ja, aber es hat nicht den Tatsachen en-tsprochen. Ms nächster Zeuge wird der Geschäftsführer des „Abend". Herr Ernst Colbert, vorgerufen. Er schWer: zuerst seine und des Weisz Stellung im „Abend". Im Jänner 1926 habe ich von Fuchs erfahren, daß Weisz Börsengeschäfte macht. Bors.: Hat Fuchs erzählt, daß Weisz für seine Haltung im, Blatte «Geld genommen hat? — Zeuge: Nein. Ec hat von seinen Verbindungen mit Bosel erzählt. Es wurde mir evychl-t, daß er 2 Milliarden von chm echalten haben und daß er von der Lättderbank 500 Trifaileraktien bÄomMN haben soll. — Vors.: Hat Weisz die Haltung des- „Abend" allein bestimmt? — Zeuge: Anfangs wurden die wichtigsten Entscheidungen nur im Verein mit meinem Barer > gefällt. Später aber hat es Weisz verstanden, den Einfluß meiner Vaters zurückzudrängen und die Führung des „Aden d" ganz an sich zu reißen. Wir hecken den Eindruck gchabf, daß Weisz es darauf abgesehen habe, meinen Barer und^ mich ganz aus dem „Abend" hinauszudrängen. Der Zeuge erzählt sodann den Vorgang über die Suspenü.erunz des Weisz und über die Angelegenheit des Anorekla-VerirageS. Weisz wollte unbedingt den Vertrag mit der Firma §d}ile! lösen und einen neuen Vertrag mit der siyialdemokratijchen Annoneenfirma Anorekla eingehen. Dieses junge Unt-.rnchwen, das zu dem Zwecke gegründet wurde, um die Inserate der großen sozialdemokratischen Unternehmungen billig zu placieren, hat uns einen derart günstigen BerttagSentwurf vovge-legt, daß Nur daran SweifÄn mußten, daß er den Vertrag auch wirklich werde, einhallen Vnen. Wir waren mit der Firma Schals! durchaus zufrieden und wollten, daß der Vertrag mit ihr erneuert werde. Dagegen hat sich Herr Weisz mit aller Kraft gestemmt und hat auch versucht, den Herrn Fuchs, der bei der Firma Schale! beteiligt war, durch unfreundliches Benehmen hinauszuekeln. Der Auge erklärt schließlich, daß' er erfahren habe, daß We^Sz von Bosel einmal 2 Milliarden echalten habe, die eine Anzahlung für die Erwerbung einer eigenen Druckerei sein sollten. Außerdem habe er von Basel ein anderesmal einen größeren Geldbetrag für "Informationen erhalten, auf Grund deren Bosel größere Börsengeschäfte gemacht habe. Ueber diese Angelegenheit könne Chefredakteur Schreier Auskunft gcken. Der Zeuge Colbert stellte zun, Schluffe seiner Aussage fest, daß er niemals, wie verschiedentlich behauptet wurde, über Fuchs von Castiglioni 2 Millionen erhalten habe. , Der nächste Zeuge ist per Herausgeber des „Äbend", Herr Btew Wwgtmrifwg " Karl Colbert. Er führte aus: Ich habe aus . dm Mitteilungen des Herrn Fuchs «fahren, daß Herr Weisz Geschäfte macht, die sich mit der Tendenz mftres Mattes nicht vertrugen. Ich habe erfahren, daß er von Bosel einrn Betrag von ungefähr SSO Millionen für Informationen erhalten hat, die aus der polnischen Gesandtschaft stammten. Weis; hat sie, statt sie für den „We'ck" zu verwenden, dem Herrn Basel verkauft, der dimit Geschäft« machte. Dann habe ich erfahren, daß er von der Länidevbank 600 Trifailer Aktien bekommen hat. Ich habe darauchin sofort dem Herrn Weis; einen Br:ef geschrieben, in dem ich ihn von seinem Amte suspendierte. Vorher ist mir e»n emzt^esmal durch einen Brief eines Herrn Dr. Otto E i b u s ch i tz, in dem er mich ausforderte, mich bei Bosel über die G'scyäftmeines L'nfr.'dafteurs zu erkundigen, über die Geschäfte des Here-i Weisz e.was bekannt geworden. Ich habe dem Bt'ef abssle: keine Bedeutung Leigcmesien und rhn dun Herrn Weisz übergeben. Dieser hat erklärt, daß L:« Angelegenheit mit fernem Rechtsanwalt schon geordnet sei. Die Zumutung ist lächerlich, daß ich mich bei Herrn Bosel über Herrn Weisz erkundigen soll. Ich verkehre mit Bankiers überhaupt nicht und schon gar nicht mit solchen vom Schlage des Heren Basel. Gegen das Projekt mit der Anorekla bin ich entschieden aufge- . treten, weil ich es für schädlich gchalten habe und Weisz hätte es niemals über meinen Kopf hinweg durchführen können. — Staatsanwalt: Wie hoch ist die Abfertigung deS Herrn Weisz? — Zeuge: Er hat 100.000 Schilling in zwölf Monatsraten;u bekommen. Davon wurden drei Raten seinem Anwalt bereits ausgezahlt und das übrige Geld rst von der Sie uerstrafüeHörde beschlagnahmt worden. — Dr. Rode: Hat W-'isz Artikel ohne Ihr Wissen in daL Blatt gegeben? — Zeuge: Ich weiß, mich an keinen einzigen Fall zu erinnern. Alle Artikel wurden vorher besprochene — Doktor Rode: Hat Weisz seine Schreibweise nach den angeblichen Erpressungen gemildert? — Zeuge: Niemals. Im Gegenteil, ich war es, der ihm oft Vorstellungen machte, daß seine Artikel zu scharf seien. Eine Tendenzäuderung des Blattes war völlig ausgeschlossen. — Dr. Steiner: Hatte Weisz die Möglichkeit, Artikel in das Blatt zu bringen, ohne daß jemand davon wußte? — Zeuge: Das ist nie vorgekommen. Der'nächste Zeuge, der Syndikus der.Depositenbank, Oberbaurat Sachsel, erklärte, daß er bei einer Bilanz den Betrag von 262 Millionen für den »Abend" gefunsen habe. Er war zuerst der Ansicht, daß dies für Soupers und gesellige Veranstaltungen ausgegeben wurde und habe darüber, den Präsidenten Drucker befragt. Dieser habe gesagt, daß er die Sache durchaus mißverstehe. Es sei dies ein« Zuwendung an dr? Zeitschrift ,Mr Abend". Namen von Redakteuren wurden damals nicht genannt. Im Oktober 1924 erschienen im „Abend" Angriffe gegen meine Person. Es wurde damals behauptet, daß ich ebenso wie Goldstern und Drucker beabsichtige, Wien zu verlassen. Da mir als einem im Wirtschaftsleben hervorragend tätigen Manne ein? solche unrichtige Behauptung großen Schaden zufügen konnte, habe ich mich an meinen Rechtsanwalt Dr. Dosider Friedmann gewandt und ihn gebeten, beim „Abend" zu intervenieren. Wir find damals übereingekommen, -daß e§ am besten sei, wenn ich persönlich mit dem Chefredakteur Weisz eine Aussprache haben könnte. Diese hat auch durch Vermittlung des Dr. Friedman« in dessen Kanzlei stattgefunden. Ich habe dem Herrn Weisz, der sich bei . dieser Unterredung durchaus korrekt -verhalten hat, die Unrichtigkeit der Behauptungen des „Abend" nachgewresen und habe auch erreicht, dqß ich von nun ab in Ruhe gelassen wurde. — Weisz: Haben Me, Herr Zeuge, den Eindruck daß es mir mn Geld zu tun war? — Zeuge: Rein. Ich habe durchaus den Eindruck eines unbefangenen Menschen gehabt. Und.wenn ich WsmEeaüüüä, PALACE-SANATORIUM Dr. Szontagh NOVY (MOKOVEC Hohe Tatra "ÄttÄS" . 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Referenten: Op. ISRAIL WALDMANN OBKRBAUItAT ROBIRT STRICKBR Zutritt haben alfa dar Batorrolehlaeheit LandeeartMl« aalten aneahdrandan Zianlatan Rer grosse ßrfol MAX BROD Geheftet 8 9, gebunden S 11.70 ^cilxsaitcr^cnrelgt: .Wie lebhalt und lebendig das Heute im Buche von Max Brod sich spiegelt, braucht nicht erst gesagt oder gezeigt zu werden. Das funkelt und sprüht einem ja mit vielen Lichtreflexen in die Augen. Räubeni ist eigentlich auch kein Roman, so wenig wie etwa Gogols .Tarass Bulba* ein Roman genannt werden kann. Genau wie .Tarass Bulba" ist dieser Rgubeni ein Heldengedicht, ein Volksepos, darin die Wirklichkeit phantastisch erhöht, glühender gefärbt, intensiver bewegt, sich mehr und reicher vor uns aufschliesst, als sonst in vielen Wirklichkeitsschilderungen. Der Charakter des jüdischen Volkes ist in der Fülle vieler Gestatten, de; niedrigsten wie der erhabensten, mit ruhiger Wahrheit gezeichnet. . Und Im Rhythmus des Vortrages, in diesem gebändigten Rhythmus tobt eine hinreissende Kraft Es ist die Kraft des scheinbar Schmächtigen.“ „Brods Roman ist vielerlei. Ein glänzend geschriebener Gesc liebtsroman... Ferner ist Brods Roman Kritik am heutigen Judentum und in dieser Kritik Mahnung, neue Zielsetzung. Drittens ist er allgemein menschliche, freie, weitere ethischeWegweisung.. " I« MiMste »1 ipmiiiiite Kinn der letzten Zell Buchhandlung R. IM, Ulen, I. RolznlurmstraMe 23 Fldschmarkt 1 U,, Taborstr. 12 JÜDISCHE BÜHNE (Hotel Stephanie) Dienstag den 13. April 1926 am 8 Uhr abends fibrenokenD tan Stau Lau» (SlStinmmu in Operette in vier Akten mit Frau Glficksmann in der Titelrolle MT Karten an der Kassa eitt zrHammerifassendes Urteil abgeben soll, so kann ich sagen, daß' sich Weisz durch«« einwandfrei, korrekt und bchal benommen hat. Der letzte Zeuge' ist «der Redakteur des „Abend" Doktor Klausner. Auch er erzählt über die bekannten Vorgänge bei der Suspendierung des Weisz und erklärt, von den angeblichen Machenschaften des WeiSz nach Aufkommen des Skandals durch Fuchs unterrichtet worden zu sein. Er bezeichnet es als auSgefchlosien, daß We-isz die Tendenz des Blattes hätte ändem köm» nen, ohne daß ihm durch di« Redaktion dabei Widerstände gemacht worden wären, Er sÄbst wurde von WeiSz bei jedem Artikel um seine Meinung befragt. Insbesondere sei es ausgeschlossen, daß sich Weisz im Falle Castiglioni irgendwie zu einer milderen Schreibweise beguenrt habe. Dem di« meisten Nachrichten in dieser Affäre haben direkt von Weisz gestammt. Er hätte sie Mo, trenn er irgend eine Nebenabsicht damtt verbunden hätte, einfach unterdrücken können. Der Nutzbau des Mattes auf zwölf Seiten sei der Wunsch der ganzen Redaktion gewesen, und er für seine Person sei der Ansicht, daß es dem Blatte unter der Führung Weisz' gelungen wäre, eine solche AuAgchattung ohne finanzielle Belastung des Blattes dnrchzuführen. Nach Einvernahme dieses Zeugen brach ßer Borfitzende um 7 Uhr die Verhandlung ab. Die wird heute mn 9 Uhr früh sort- S-k^tzt.' __ VrrMguus d« Outbefrieaes. Friede zwischen der «emeinde «im und dem Nerschutzvercht. In der gestrigen Generalversammlung deS Wiener Tierschutzvereins teilte der Präsident B. M i l k u s mit, daß es gelungen sei, zwischen dem Perein und der Gemeinde das alte gute Einvernehmen wieder herzustellen. In der Frage der Haltung von Hunden in den Gemeindehäusern gelangten wir, sagte er, durch die Einsicht der Stadträle Ko kr da und Weber zu einer Berständigung. Es wird niemandem gekündigt, der in einem - Gemeindehaus wohnt und einen Hund hält und jene, die ihre Hunde aus Angst vertilge» haben lassen, haben sicher voreilig gehandelt. Was die Mitnahme von Hunden auf den städtischen Verkehrsmitteln anbelangt, so glaube ich, daß wir auch hier zu einer Berständigung gelangen, die den Wünschen der Hundebesitzer wenigstens teilweise Rechnung trägt.

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