Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2561 (10.4.1926)
- Date
- 1926-04-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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QSft 1 ©Int, SamSÄg ©Mette* MorqenzettunA w. q»tr iM <fer. S.M Riefige PettoleumbrSnde in Amerika. Sllhschlag oder Brandstiftung? New-Aork, 8. April. Amerika ist im AugenAick das Opfer der größten Petroleumfeuer, die feit Nestehen der Petroleumindustrie zn verzeichnen find. Nachdem die Zensurbestimmungen >der Lokalbehörden aufgeptt sind, erfährt man folgende Einzelheiten über den Brand: Am Mittwoch ist durch Blitzschlag der große unterirdische Tank der Union-Petroleumgesellschrft in San LouiS in .Kalifornien explodiert und dabei ein großer Nachbarland in Brand geraten. Bei der Explosion wurden zwei Personen ge tötet und eine Frau schwer verletzt. Viele Häuser wurden beschädigt und sämtliche Fensterscheiben der Stadt zerstört. Der Brand des zweiten Tanks konnte trotz deS heldenmütigen Kampfes der Arbeiter nicht isoliert werden. Evdwälle, die zum Teil mit Dampfpflügen aufgeworfen wurden, «blieben wirkungslos und das brennende Petroleum ergoß' sich über alle künstlichen Hindernifle hinweg in 19 offene Schwerölreservoirs, die in der Nähe der Tanks lagen. Diese brennen vollkommen aus und bilden eine Flamme mit einer Oberfläche voneinerQuadratmeile. Die 30 Meter hohen Flammen sind 60 Meilen tot Umkreis sichtbar und die Hitze ist so groß, daß man nicht näher als 1600 Meter an den Brandherd herankommen kann. Die in Brand -befindlichen explodierten Oclbehälter in San Louis umfassen rund drei Viertelmillionen Fässer. Der Schaden beträgt über 20 Millionen Dollar. Gestern abends sind gleichfalls, wie behauptet wird, durch Blitzschlag, zwei große Tanks derselben Unio n-P e tr oleumgesellschaft in Annaheim in Kalifornien in Brand geraten und brennen unter riesiger Flammenentwicklung aus. Im Hafen von New-Orleans erfolgte gestern eine Explosion an Bord eines Tankschiffes der Standard Oil Company, bei der 47 Mann der Besatzung schwer verwundet und 51 verletzt wurden. Merkwürdig ist die Gleichzeitigkeit dieser großen Katastrophen. Die offenbar unter Einwirkung der örtlichen Polizeibehörde erfolgte Zensur der ersten Meldungen läßt darauf schließen, daß man in amtlichen amerikanischen Kreisen nicht geneigt ist, die Blitzschlagtheorie ohne weiteres als zutreffend anzunchmen, sondern Brandstiftung für möglich hält. kill nenet Relokdwahnfinu. 180 Stunden Tanz. Aus Berlin wird gemeldet: Heut« nachmittaghat der Danzmerster Alsredo Fernando einen Dcmertanz von 180 Stunden begonnen. Fernando hat bereits einmal m der Schweiz anläßlich einer Weite 64 Stunden ununterbrochen getanzt. Nunmchr will er den Versuch unternehmen, den Pariser Tanzrekord von 120 Stunden zu brechen. Fernando hat, um sich für seinen Dauertanz zu trainieren, kürzlich vier Tage mb vier Nächte ohne Schlaf verbracht. Si« entlarvter „Hullgerlünftlrr". Naürunaszufuhr von außen her. Aus Leipzig wird gemeldet: Der Hmrgerkünstler Harrv Nelson, der seit dem 9. März im Leipziger K r i st a l l p a l a st hungert, ist heute nachmittags mit seinemJmpresfario wegen fortgesetzten Betruges verhaftet worden. ES hat sich herausgestellt, daß Nelson von außen durch einen Gummischlauch mit Fleischbrühe ernährt worden ist. Nelson wurde inS Krankenhaus überführt. kifenbahnerstreik i« der Lschechoflowakei t Prag, 9. April. (Tel^Komp.) Die tschechischen Eisen, b a h n e r drohen mit einem a l l g e m e i ne n S t r e i k. Das Fachorgan der tschechischen Eisenbahner erklärt heute, daß die Eisenbahner, wenn die Regierung ihre Forderungen-bei der Neuregelung der Staatsangestelltenbezüge nicht erMe, während derZeildesSokol-Kongresses der Regierung die Gefolgschaft verweigern werden. Bas Dresdner Schachturnier. Dresden, 9. April. In der fünften Runde des Dresdener internationalen Schachturniers siegte Niemzowitsch gegen Rubinstein, Aljechin gegen Tartakower, Sämisch gegen DateS, Johner gegen Holzhausen und Steiner gegen Blum ich. Stand nach der fünften Runder Niemzowitsch 41/*, Aljechin und Rubinstein 4, SÄmisch, Hvlzhauisen und Johner 3»/,, Steiner und Tartakower 2, AateS 1, Blumich 0. Rückgang der Arbettslostgkeit. Ende März wurden in Oesterreich 193.742 unterstützte Arbeitslose gezählt. Zu dieser Zahl kommen noch etwa 8600 ausgesteuerte Arbeitslose, die im Genuß einer Beihilfe stehen, ferner jene Arbeitslose, die in den Arbeitsnachweisstellen zur Arbeitsvermittlung vorgemerkt sind, aber keinen Anspruch auf Unterstützung besitzen; diese sind mit etwa 80.000 Personen zu veranschlagen. Die Verminderung der Zahl der unterstützten Arbeitslosen beträgt gegnüber Mitte März (207.959) rund 14.000 und gegenüber Mitte Februar ^etwa 83.000. Stürmische Versamm'ung der Kriegriuvalide» Zusammenstöße mit der Wache. Der Landesverband Wien der Kriegsinvaliden berief für gestern nachmittags 3 Uhr gemeinsam mit dem Komitee der arbeitslosen Kriegsopfer in der Volkshalle des Neuen Rathauses eine Versammlung ein, um zur Frage der Wiedereingliederung der arbeitslosen Kriegsopfer in dar Erwerbsleben Stellung zu nehmen. Die Versammlung verlief teilweise sehr bewegt. Zuerst lärmte ein kleines Häuflein HOTELS-RESTAURANT GUTH II., Hollandstrasse Nr. 14 VORNENNIIS RESTAURANT MIT ERSTKLASSIOKR KOOMt MENU ZU S 1.80 UND 8 &90 Uebernahme von Diners und 8oupera In und ausser Hau« Jeden Samstag and Sonntag Sonper dansant / Jeden Sonntag F&nf-Uhr-Tce mH Tana Zum Besuch ladet höfl. ein 0. GUTH, Besitzer von Besuchern, von denen eS hieß, daß sie Mitglieder des Reichsbnndes der christlichen Invaliden und Heimkehrer seien und dann wieder machten etliche Kommuni st en einen Höllenlärm. Trotzdem konnten die Referate gehalten werden. Die Kriegsopfer, von denen die Mehrzahl Schwerinvalide, Kopfschüßler, Epileptiker, schwere Neurastheniker waren, wollten nach der Versammlung durchaus zum Parlament ziehen; die Wache aber hatte nur einen Demonstrationszug über die Lastenstraße zum Verbandsheim Lerchenfelderstraße erlaubt. AIS die Invaliden den Wachekordon gegen die Reichsratsstraße zu durchbrechen versuchten, nahm die Wache mehrere Verhaftungen vor. Unter lauten Pfuirufen setzte dann der Zug seinen Weg, begleitet von Wache, über die Lastenstraße zum Verbandsheim fort. Dort sprach Präsident B r a n d e i ß noch einige beruhigende Worte, worauf sich die Invaliden dann ohne wetteren Zwischenfall zerstreuten. Hofrat Kramer plötzlich geftorbe«. Gestern um 11 Uhr vormittags ist der SenatSvorsitzerüie des Handelsgerichtes, Hofrat Dr. Karl Krammer, als er im Richtertalar in seine Kanzleiabteilung ging und dort eine Auskunft vom Kvnzleileiter verlangte, plötzlich von einem Unwohlsein befallen worden. Er begann zu wanken und stürzte lautlos zusammen. Der im Hause zufällig bei einer von Hofrat Langstein geführten Verhandlung anwesende Professor Erben wurde zu dem Ohnmächtigen berufen, konnte jedoch nur mehr den eben eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde in das Amtszimmer des Verschiedenen getragen und auf einen Diwan gebettet. Die Nachricht vom Ableben des überaus beliebten Richters verbreitete sich mit Windeseile im ganzen Hause. Sämtliche Verhandlungen wurden abgebrochen und vertagt. Besonders tragisch ist der Umstand, daß Hofrat Krammer unmittelbar vor seiner Ernennung zum Vizepräsidenten des Handelsgerichtes stand, die in den nächsten Tagen erfolgen sollte. 14. österreichische Klaffenlotterie. Bei der gestern abgebaltenen Ziehung des ersten Tage- 6. Klasse gewannen: 25.000 S. das Los Nr. 98.196; jo 15.000 Schilling die Lose Nr. 75.560 und 77 600; 10.000 S. das Los Nr. 75.221; 8000 S. das Los Nr. 79.271; je 6000 S. die Lose Nr 16 312 und 77.332; je 6000 S. die Lose Nr. 33.012 und 67.806; je 4000 S. die Lose 50.221, 72.760 und 82 532; je öOOO S. die Lose Nr. 6600. 41.937 und 74 014; je 2000 S. die Lose Nr. 26.177. 30.163, 40.061, 72.753, 79.750 und 86 097; je 1000 S. die Los« Nr. 9207. 16.177, 29.532. 31.163, 35.533, 59.600, 75.014. 76.284 98.797, 89.833 und 97.581. Außerdem wurden 8968 Gewinne zwischen 500 S. und 160 S. auSgelost. * . E Gewonnen wurden bei Hcmschrld u. Paap, Wien, 3. Beiz., Marxergasse 1t. 150 Millionen Kronen (15.000 S) auf Nummer 75.560; 50 Millionen Kronen (5000 S.) auf Nr. 88.012; 20 Millionen Kronen (2000 S) am Nr. 30163, und viele Gewinne zu 500 S. 300 S. usw. Glückslose sind bei .dieser Geschäftsstelle noch zu haben. Die Physiologie bei Asaf basiert auf der Hauptchose, daß der menschliche Körper, entsprechend den vier Urelementen der Schöpfung: Feuer, Wasser, Lust umd Erde, aus warmem, kaltem, feuchtem und trockenem Element zusammengesetzt.. ist. Dem Feuer entspricht die rote Galle, dem Wasser das Phlegma, der Lust das Blut und der Erde die schwarze Galle. Von der harmonischen Mischung dteiser Elemente hängt die Gesundheit ab, jede Störung des Gleichgewichtes verursacht Krankheiten, die sich je nach der Art der Disharmonie verschieden äußern. Das Organ, der Sammelort dex roten Galle, ist die Gallenblase unterhalb des Herzens, das des Phlegmas ist in der Lange, der schwanen Galle die Milz und das des Blutes die Leiber. Um dis harmonische Zusammenwirken der vier Elemente zu sichern, hat die Natur dafür gesorgt, daß in den einzelnen Kövpergegenden je zwei Elemente von entgegengesetzter Wirkung einander im Gleichgewicht halten. Die für den Körper verderbliche trockene Wärme des Gehirns wird durch die Feuchtigkeit des aus dem Geh irrt in den Körper fließenden Phlegmas entsprechend reguliert. Die feuchte Wärme der Leber paralysiert die Kälte der an ihr hängenden Galle, die Wärme der Nieren wird durch die Kälte der unter ihnen befindlichen Harnblase unterdrückt. Im vierten Teil des Körpers, der vom Kreuzbein bis zur Fußsohle reicht, hallen sich die Wärme des Blutes und die Kälte des Phlegmas im Gleichgewicht. Wird der normale Bestand des Körpers durch die Harmonie der Grundelemente erhalten, so dienen die Atmungs- und Verdauungsorgane zur Erhaltung und Förderung des Körpers durch Zuführung frischen Materials an die Stelle der verbrauchten Elemententeile. Das Atmungsorgan ist die Lunge, die mit ihren beiden Flügeln links das Herz und rechts die Leber überdacht. Tie Lunge ist der Sitz des Lebensgeistes (des Pneuma), der durch die Luströhre auf- und niedevsteigt und von der Lunge ins Herz zicht, von wo aus er mit dem Blut in den ganzen Körper geführt wird. Aus dem Herzen wird durch die Adern auch die Lebensseele ins Gehirn, den Ditz der Vernunft, hinauf und von dort aus in die untersten Teile des Körpers geleitet. Das Verdauumgsorgan ist der Magen und das Darmnetz. Di« Speiseröhre führt die gekauten Speisen zum Magenmund (Stomachos), wo sie noch seiner gemahlen werden, mn im Magen mit Hilfe der angrenzenden Leberwärme gekocht zu werden. Die Aussonderung der in den Speisen enthaltenen Kräfte vollziehen die Därme. Gewisse Nahrungsmittel, deren Zuträglichkeit allerdings von der Qualität abhängt, fördern die Elemeuteuharmonie des Körpers, die aber auch den sphärischen Einflüssen ausgesetzt ist. Das verunreinigte Wasser ist schädlich, zu empfchlen das Regenwasser. Von wohltuender Wirkung sind alle Milcharten, insbesondere die Frauenmilch ist wie der Lebensbaum für den Körper und die Seele, sie kräftigt das Herz, heilt die Augen, ist auch als Gegengift wirksam. Die frischen Fische sind schwer für die Gedärme, die gesalzenen schädlich. Die Verdaulichkeit und der Nährwerte des Fleisches der verschiedenen Vierfüßler ist ungleich, das beste und augenehnrste ist das Fleisch der .Hausvögel. Die verschiedenen Obst-, Geteide- und Gemüsearten werden iu heilende und schädliche eingeteilt. Wir wollen nunmehr die Embryologie bei Asaf kurz besprechen. Ter Embryo gelangt im Verläufe von 40 Tagen zur geschlechtlichen Entwicklung; bis zu 90 Tagen entwickeln sich die Knochen im/b die Adern; bis zu 107 Tagen krustet sich auch die Haut über dem Embryo und da beginnt auch schon das Haar zu wachsen. Die Schwangerschaftsdauer beträgt volle neun Monate, den Monat zu 30 Tagen, den Tag zu 24 Stunden gerechnet. Was die Pathologie iu Asafs Werk anlaugt, so wird jede Krankheit als Zustand der gestörten Harmonie der vier Grundelemente angesehen. Die Störung wird durch atmosphärische Einflüsse oder durch äußere Einwirkung, wie durch Epidemie, Schlangenbiß, Vergiftung, Jnfeiktion, durch Verwundung, durch Frost und Brand, verursacht. Auch die Ermüdung und die seelische Depression verschulden mitunter eine Erkrankung, doch ist die Hauptursache einer jeden Krankheit im Magen zu suchen. Dieser gleicht einem Topf, unter welchen: das Feuer brennt. Wird der Topf überfüllt, so muß sein Inhalt beim Sieden überlausen, wodurch das Feuer unter Rauchentwicklung ausgolöscht wird. Bekommt andererseits der Magen zu wenig Nährung, so ist das verhältnismäßig zu große Feuer der Eingeweide, welches zum Kochen der Spe-se überflüssig ist, der Krankheitserreger. Asaf bespricht auch die zwölf Monate des Jahres nach den speziellen Krankheiten der Monate und der Art ihrer Behandlung, ferner die Krankheiten nach den einzelnen Körperteilen. Von den übrigen Krankheiten werden u. a. genannt: Blutspucken, Husten, Schwindsucht, Asthma, akutes, Fieber, Epilepsie und verschiedene HauÄrankheiten. Cs würde zu wett führen, die Aetioilogie der einzelnen Krankheiten zu besprechen. Selbst die Geisteskrankheiten werden auif die gestörte Harmonie der Grundelemente zurückgeiführt; sie entstehen nämlich dann, wenn die Zugänge zum Gehirn durch das Phlegma, aber zumeist durch die schwarze Galle derart verschlossen werden, daß der aus dem Herzen aufsteigende Lebensgeist nicht hinein kann. Das Ziel der Therapie ist, nach Asass Ansicht, die Wiederherstellung der gestörten ElementeNharmonie. Die Heilmittel haben die Aufgabe, entweder das überwiegende Element niederzudrücken oder das geschwächte in die normale Lage zu bringen. Die Anwendung der Heilmittel geschieht durch FlüssiFeiten, Pillen, Inhalieruug, durch Eintropfen und äußerlich durch lokales Ausstreicheu. Von pflanzlichen Heilmitteln werden 123 Kräuter ansgezählt, die zum Teil dem Dioskurides entlehnt sind. Bei Fieberkrankheilen wird die Reduktion der Kost aus das Notwendigste empfohlen, denn viel Essen fördert noch die Hitze des Fiebers. Für die Prognose ist die Untersuchung des Pulsschlages und des Bauchfelles von Bedeutung. Wie wir daraus ersehen, ist die Therapie bei Asaf ebenso sachlich und frei von allen BeschwörnngAsormeln wie die Aeliologie und Pathologie. Von gleicher Geistesrichtung ist auch die Ermahnung, welche Asaf in der Schlußrede seines Buches an die Schüler richtet: „Leistet keine Mithilfe (gebraucht Beim Heilen keine) götzendienerischer Art und vertrauet auf die Götzen nicht, denn sie alle sind nichts und nützen nicht, vielmehr sind ihre Diener zu verachten, tote Geister sind ihre Götzen, die den leblosen Bildern nicht helfen können, wie könnten sie lebenden Menschen Heil bringen. Vertrauet auf den Ewigen, den Gott der Wahrheit, er tötet und belebt, er schlägt und heilt." Der ursprünglich von dämonischen Krankheitsvovstelluugen befangene jüdische Geist erkennt im Laufe der Zeit das trügerische Spiel der Irrlichter, die ihn in das Sumpfgebiet des Aberglaubens locken, und geläutert belschreitet er später den sicheren Weg der kritischen Forschung, denr wahren Licht göttlicher Allmacht vertrauend.