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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-09 · Heft 2560 (9.4.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2560 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wte 4 _ Men, Freirag Meines Allerlei. Rach den neuesten Untersuchungen auf Grund wissenlschast- Ncher einwandfreier Verfahren hat die Lonne eine Temperatur von “15960 Grad Celsius. Als der heißeste Stern aber ist der Ster^ Gaimna im Sternbild des Pegasus festgestellt worden, dessen Temperatur <mf 400.000 Grad berechnet wurde. * Zwölf Prozent der Londoner Aerzte sind — Aerztinnen. * Auf den Falllandsinseln ist seit vielen Jahren kein Berkrechen vorgekommen. * Das deutsche Wort ,Katzenjammer" hat sich vollständig in den skandinavischen Sprachen und im Amerikanischen eingebürgert. -ft Der Präsident der Vereinigten Staaten bezieht ein JcchreSgchalt von annähernd 800.000 Schilling. * Bereits 1777 wurde in England eine Avbeitnshmeristieuer «in. geführt, die von dem Arbeitgeber bezahlt werden mutzte. * Jährlich -werden Tausende von Briefen zur Post gegeben, di« überhaupt keine Adresse auf dem Umschläge tragen. * In Kanada hat jeder achte Einwohner einen Telephonan« schloß. * König Nmavd?er Siebente stiftete für seine Nachfolger Fonds, aus dem — Spazierstöcke für die Freunde des Königs von England als Geschenke gemacht werden. * Im Jahre 1914 war bas amerikanische Iiationalvermögen bas größte der Welt, an zweiter Stelle kam vor England Deutschland. Heute ist Deutschland von England und Frankreich weit überholt. * Vom Welrgoldbestande hatte die amerikanische Union im Jahre 1914 nur 4,1 Prozent, heute aber 40 Prozent. * Ditz Insel Island könnte für über eine Million Menschen tlle Nahrungsmittel und sonstigen Bedürfnisse liefern, sie ist aber nur von rund 80.000 Menschen bewohnt. * Der salzrsichste Strom in Europa ist die <Abe. Arbeitslosenkrawalle in LMi«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschlw, 7. April. Am 6. d. vormittags versammelten sich in Lublin die zahlreichen Arbeitslosen der Stadt. Di« Versammelten nahmen eine Reche von Resolutionen, in denen Arbeit, Unterstützungen usw. gefordert wurden, an. Nach der Versammlung begaben sich zirka 400 Arbeitslose zum Magistratsgebäude und demonstrierten auf dem Wege dahin. Beim Magistrat war die Menge schon auf zirka 6000 Menschen angewachsen. Obwohl der Eingang in das Gebäude streng bewacht wurde, gelang es zirka 300 Arbeitslosen, emzudrmgen und die Inneneinrichtung zu demolieren. Erst der herbeigerufenen Polizei gelang «s, die Menge zu zerstreuen. Sechs Polizisten und zehn Zivilperson trugen Verletzungen davon. Zur Ausrechterhaltung der Rühe wurde ein militärischer Patrouillendienst eingerichtet. Zeit nichts wesentlich Neues zu zeigen haben kann. Immerhin ist auch im landwirtschaftlichen Pavillon manches interessante Neue zu sehen, so die Arbeiten der Haifaer Arbeiterkooperative Amal, die die von den verschiedenen Siedlungen gebauten Stalleinrichtungen zeigt, ferner der erste in Palästina hergestellte künstliche Dünger. Das Hauptinteresse aber konzentriert sich auf den großen Jndustriepavillon, der ausschließlich „Tozereth Haarez" (Produkte jüdischer Palästinaindustrie) zeigt. Cs ist der bemerkenswerteste und erfreulichste Teil der Ausstellung; denn er zeigt, daß auch in der Krisenzeit weiter gearbeitet wurde und die Zahl und die Qualität der heute in Palästina hergestellten Waren überrascht sogar denjenigen, der gewöhnt ist, bei jedem Einkauf im Lande Tozereth Haarez zu verlangen. Wir wollen auf einiges hier Hinweisen: Bis vor wenigen Jahren war es ein unumstößliches Dogma, daß alles in Palästina gebrauchte Holz vom Ausland eingeführt werden muffe. Dann begannen Versuche mit der Verwendung des Eukalyptusholzes und auf der Tozereth-Haarez-Ausstellung vor einem Jahre in Tel-Awiw wurden zum ersten Male Möbel gezeigt, die in Palästina aus palästinensischem Eukalyptusholz hergestellt wurden. Bei dieser Ausstellung zeigt insbesondere die Tel-Awiwer Möbelfabrik Goralsky und Krinitza eine Reihe derartiger Eukalyptusmöbel, ein ganzes Schlafzimmer, einen Schreibtisch und ähnliches. Es muß natürlich dem Urteil von Fachleuten überlassen bleiben, zu entscheiden, wieweit eine Möbelindustrie wirklich mit diesem Holz arbeiten kann; der Laie muß jedenfalls konstatieren, daß diese Möbel nicht nur ausgezeichnet gearbeitet sind, sondern auch einen durchaus gediegenen und guten Eindruck machen. Es wäre natürlich für die Landesentwicklung von größter Bedeutung, wenn wirklich der Eukalyptusbaum eine solche industrielle Verwendung finden könnte. . . Heute stellt die Holzeinfuhr, speziell aus Rumänien und Galizien, einen sehr wesentlichen Posten in der Palästinaeinfuhr dar. , Neben diesen Eukalyptusmöbeln sieht man noch andere Ueberraschungen: Eisschränke, Klaviere, Spiegel, alles von jüdischen Fabriken Palästinas hergestellt. Aelter ist ja in Palästina bereits die Fabrikation von Seifen, Oelen und Parfüms, aber auch hier sieht man erfreuliche Fortschritte. In Benjamina besteht seit einiger Zeit eine Parfümfabrik oü-r __Wiener Morsenzettun« 2000 Palöftirmeirrwanderer im Mrz. Jerusalem, 8. April. (I. T. A.) Im Monat Mär; d. I. sind rund 2000 Einwanderer nach Palästina gekommen. Die Einwandererzahl im Februar betrug 2700, die im Jänner 2300. 75.000 Wische Farmer in Amerika. Nach dem letzten Bericht der „Jewifh Agricultural Association" in den Vereinigten Staaten leben dort jetzt 75.000 Wische Farmer. Ihr Besitz an Boden beträgt zirür eine Million Joch im Werte von über Ändert Millionen Dollar. Bemerkenswert ist, daß bei der Gründung dieser Gesellschaft in den Vereinigten Staaten im ganzen tausend indische Farmer gezählt wurden. sti« gesöhrlicher Braav in WarfHan. 29 Milltärautos eingeäschert. (Ekgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 8. April. In der Nacht vom 3. auf den 4. April entstand um 1 Uhr in der Militärgarage bei der Ul. Snwlna ein großer Brand. Es sind 29 Perfonemutos und zwei Motorräder verbrannt. Der Schaden beläuft sich aus zirka 150.000 Zloty. Die Ursache dieses Brandes ist die Unvorsichtigkeit eines Chauffeurs. Bei einem erhitzten Ofen fyatte der Mann Jaiiw Montur mit Be nzin geputzt. Der Anzug sing sofort Feuer -und bald begannen die Benzin/behälter der einzelnen Autos zu explodieren. Ans der Wischen Gemeinde von kzernowitz. Czernowltz, 8. April. (I. T. A.) Der bishevige Gerent der jüdischen Kultusgemeinde von Czernowitz, Abg. Dr. Straucher, wurde durch Dekret abberufen und die Führer der jüdischen Einheitspartei, Dr. Mayer Ebner und Direktor F l e m i n g er, wurden zu Gereuten bestellt. Man sieht in diesem Wechsel ein Entgegenkommen der neuen Regierung gegenüber den jüdischen Forderungen und eine vorbereitende Maßnahme für die Wiederherstellung der Autonomie der jüdischen Gemeinde.- Re »ndapester Sallkredltschwindelaffikre. Aus Budapest wird gemeldet: Die Polizei begann heute die Untersuchung in der Zollkreoitschtvindela f f ä r e, in welcher eine Reihe Budapester Advokaten ihre guten Beziehungen dazu benützt hatten, um verschiedenen Firmen, die später in Konkurs gerieten, schwindelhafter Weise im Finanzministerium Zollkreb t t e zu verschaffen, wodurch der ungarische Staat um etwa 180 Milliarden Kronen geschädigt wurde. Man erwartet im Zusammenhang mit der Aufdeckung des Schwindels für die nächsten Tage sensationelle B e r Haftungen. Sin FrankenMchervroreb in Wien. Vor dem Bezirksgericht Döbling findet morgen die Verhandlung Über die Klage der S ch a g e r und T e u f e l namens der konservativen Volkspartei gegen den Obersten Wolf statt. Wolf hatte in einem Gespräch mit einem Korrespondenten des „Pesti Hirlap" behaupte:, daß die Partei der Schager und Teufel vom Windischgrätz Geld bekommen hätten. auch die Produkte der Haifaer Fabrik Schemen und der Tel- Awiwer Fabrik Schemesch zeigen eine ausgezeichnete Qualität. Es gibt zum Beispiel in Palästina hergestelltes „Eau de. Cologne", das sich etwas eigenartig bezeichnet als „Eau de Cologne a la belle de France Paris", aber laut Ausweis des Etiketts auf der Rückseite weder aus Köln noch aus Parts, sondern aus Tel-Awiw stammt. Eine weitere Abteilung des Tozereth-Haarez-Pavillons zeigt Textilwaren und sonstige Produkte der Bekleidungsindustrie. Auch hier ist viel Erfreuliches zu sehen, Strümpfe und Anzüge, Wäsche und Hüte, Schuhe usw. Neu sind geschmackvolle Produkte der Lederindustrie, wo man elegante Handtaschen aller Art finden kann. Dann kommt ein Stand mir Streichhölzern: die vor kurzem gegründete ° Fabrik in Akkv liefert ausgezeichnete Streichhölzer, viel besser zum Beispiel als die im Lande sehr verbreiteten japanischen. Im Gegensatz zu vielen airdercn Produkten, die sich im Lande schwer durchsetzen, weil der Händler sehr wenig Verständnis für seine nationale Aufgabe der Verbreitung der Landesprodukte zeigt, sind diese Streichhölzer schon in weiten Kreisen des Landes verbreitet. Mit einiger Verblüffung sieht man daneben einen Stand der neuesten Produkte palästinensischer Industrie: Bleisoldaten, von denen jeder eine blau-weiße Fahne mit' Magen David in der Hand hält. Es handelt sich offenbar um eine Propaganda der Revisionisten. Von den sonstigen Pavillons sei hier besonders der Hygienepavillon erwähnt, der sich auf der ersten Ausstellung nicht befand und der um so mehr anzuerkennen ist, als er daö alleinige Werk von Flau Clay ist, der Witwe von Berl Clay, der aus dem JiSkorbuche bekannt ist. Die Pavillons der Stadt Tel-Awiw, des Solel Boneh, der Silikatfabrik, der Anglo-Palestine-Company und des Palestine Lloyd sollen zum Schluß noch erwähnt werden. Die letztere Gesellschaft zeigt auf großen Karten sehr übersichtlich und schön, wie der Tourist in jeder gewünschten Zeit, anfangend von drei Tagen bis zu mehreren Wochen, das Land durchreisen und sich eine Vorstellung des jüdischen Palästina bilden kann. Hoffentlich werden viele Touristen sich hier Anregungen für ihre Pa- 'Wnareise holen, _9. April 1926 _Rr. 2560 - Swoboda-Schuhe - fertig und nach Mag Sfngerstrage 5.■.. l., Bauernmarkt 1 Um Den Weltrekord im Hungern. Liner, bet 60 Tage hungern will. Aus Berlin wird gemeldet: Der Weltrekord deZ Hungerkünstlers I o l l y steht in Gefahr I« einem Restaurant am Alexanderplatz hungert nunmehr schon den 34. Tag des Hungerkünstlcr V e n t e g o. Im Beisein eines Notars und dreier Aerzte wurde der Glaskäfig, in dem sich Bentego befindet, geöffnet. Die ärztl che Untersuchung ergab, da»; der Hungerkünstlet, der nur 8 0 P f u n d wiegt, brsher an Gewicht kaum verloren bat. Ventego erklärte, fünfzig Tage hungern zu wollen und danrit den Weltrekord im Hungern für sich zu gewtnnert. Massenhnngerstrelk in einem Berliner Gefängnis. Aus Berlin wird berichtet: Im Kottbuser Ge» fängniS find 3.0 polttischeGefangene, in der Hauptsache Kommunisten, in den Hunger st reik getreten. Während sich die übrigen Gefangenen in der Anstaltskirche befanden, unternahmen die kommunistischen Gefangenen einen Spaziergang im Gefängntshof. Um diese Zeit fand vor den Gefängntsmauern eine kommunistische Demonstration statt. Offenbar durch diele Demonstration angeregt, forderten die kommunistischen Gefangenen von der GefängntSleitung einige Erleichterungen, die ihnen aber nicht gewährt wurden. Darauf traten die Gefangenen in den Hungerstreik. Re Iuwelendiebe vom Semmering. D« Brüder Ruckenstein. Die beiden R u ck e n stei n, die als Täter des sonn«, tägigen großen Schmu ckvi ebstahls am Semmering hier verhaftet wurden, wurden, wie berichtet, durch die daktyloskopische Untersuchung als gefährliches und internationales Hoteldiebsbrüdevpaar erkannt. Jeder von ihnen hat schon mit den Polizeibehörden zu tun gehabt. In Alexandrien waren beide Brüder gemeinsam am 6. Dezember 1923 verhaftet worden und standen auch damals unter Diebstahlsbeschuldigung. Im Februar 1922 war David allein i n R o m und am 9. Jänner v. I. Benno Ruckenstein tu Rom in Haft gewesen. Benno Ruckenstein hat sich übrigens schon im Jahre 1922 hier in Wien aufgchalten. Fostgestellt wuvde auch^ daß David Ruckenstein am 3. d. auf der rumänischen Gesandtschaft erschienen ist, um sich seinen abgelaufeuen Reisepaß erneuern zu lasstu. Noch am gleichen Tage wurde dies auch durchgeführt und dw neue Paß ihm ausgefolgt. Dabei sind aus der Gesandtschaft Kvei österreichische Reisepässe, auf die Namen Edmund- Ruhe l und Michael Rosenauer, Architekt, lautend, du sich dort zur Vidierung befanden, auf rätselhafte Weise abhanden gekommen, und es besteht der dringende Verdacht, das; Ruckenstein diese Pässe entwendet hat. Gestern kam auch tage, daß die Diebe am Sonntag auch noch einen d r i t r c u D i ebstahl vovhatten, ihn auch ausführten, jedoch kein besonderes Glück gehabt haben. Einer der beiden hatte am Tage vorher beobachtet, daß die Frau des Fabrikanten Kola r mm Neupest beim Tanzabend ihren Schmuck angelegt hatte. Er war ihr gefolgt und hatte gesehen, daß sie nach dem Feste in einem Zimmer, nach seiner Ansicht in den; ihrigen, verschwand. Am nächsten Tage nun schlich sich der Mann mit Nachschlüssel in dieses Zimmer ein, suchte nach dem Schmuck, fand jedoch nur einen Armreifen, den er stahl. Im Laufe des gestrigen Nachmittags wurde erhoben, daß Benno Ruckenftein unter dem fälschen Namen M a l k u s vom 19. bis 23. März in einem Hotel im 7. Bezirk gewohnt hat. Am 20. März war fein Bruder David, der gleichfalls den gleichen Namen Malkus sich beilegte, eingetrofsen und hatte bis zum 23. März dort gewohnt. Dann tvaren beide in Privatwohnung in der Zirküsgasfe übersiedelt. Sisenbahnnnglll« auf der Mittenwaldbahn. Vorgestern stürzte zwischen den Haltestellen Schanz und Schober der Strecke R e u t t e—G a rmisch—Parten kirchen, in welcher der Lokomotiv- und Zugsdienst durch die deutsche Reichsbahng e s e l l s ch a f t besorgt wird, beim Zuge 1716 der bayrische Lokomotivführer Müller bei Beobachtung des Stromabnehmers von der Lokomotive ab. Der hiedurch führerlos gewordene Zug erreichte infolge pes starken Gefälles eine zu hohe Geschwindigkeit, die zur Entgleisung des Zuges führte, wobei auch die drei Personenwagen um stürzten. Von den Fahrgästen wurde der Steuerverwalter Hechenberger aus R e u 11 e schwer verletzt; leichtere Verletzungen exXttten fünf andere Passagiere. Der Lokomotivführer wurde schwer, der Zügsführer Rodler leicht verletzt. Br. Heinrich d'klvert gestorben. Mittwoch ist hier im 73. Lebensjahre der frühere deutschliberale Abgeordnete des alten österreichischen Reichsrates Dr. Heinrich d'Elvert gestorben. Er war in Brünn als der Sohn des dortigen Landesgerichtspräsideilten geboren und war auch selbst im Justizdienst tätig. Bon 1897 bis 1918 gehörte er dem alten österreichisch'"! Abgeordnetenhaus an. .

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