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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-07 · Heft 2558 (7.4.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2558 (7.4.1926)
Date
1926-04-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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(Um aejBB sXu SxwO Mm. MMvKY munit Mov-enzEutt- ' t. AM lWS Sei BSlkerbund und die intet* nationale Stndrntenbewesung. dut Genfer Gtu-enteirkonfevenz. Die Kommission für intellektuelle iZuifammenavbeit des GALerVu-n-eS hat sich in ihrer Sitzung im Juli 1925 mit der Frage der Zusammenfassung der großen studentischen mtermtionaken Organisationen zum Zwecke der Koordinierung ihrer Tätigkeit auf den ihnen gemeinsamen Gerieten befaßt. Der Diskussion über diese Frage lag ein Vorschlag des Generalsekretärs des internationalen Stndentemveckes in .Genf, Konrad Hoffman«, Mmnde, daß viel Arbeit und große Geldmittel von den unterschiMichen internationalen Studentenorgamsationen Mzjweckmäßig verwendet werden, da es an einer übergeordneten Organisation fehlt. Der leitende Gedanke des Vorschlages war auch, durch die gemeinsame Verwaltung der gemeinsamen Angelegenheiten eine Annäherung -er Studentenschaft der ganzen Welt herbeizuführen, ihre Zusammenarbeit auf dem wirtschaftlichen und kulturellen Gebiete anzubahnen und immer mehr auszubauen. Die Kommission des Völkerbundes hat sich diesen Vorschlag mit einigen Abänderungen zu eigen gemacht und bei Len in Betracht kommenden Studentenorgänisationen angeregt. an einer gemeinsamen Konferenz teilzunehmen. Diese Rundfrage wurde gerichtet an die internationale Studentenkonfedevation, an den Weltbund christlicher Studenten, an die internationale Univevsitätfederation für den Völkerbund, an den Weltverband der jüdischen Studentenschaft, an Pax Romana, an das internationale StudentenwerF und an die internationale MademÄeriunenfederation. Die aufgezählten Organisationen, vertreten durch je drei Delogierte, treten am 8. April zusammen, um in einer dreitägigen Konferenz zu prüfen, ob die -Möglichkeit einer Kooperation überhaupt und in welchem Ausmaße vorhanden ist. Die Tagung findet im Generalsekretariat des Völkerbundes statt. Die provisorische Tagesordnung sieht nebst -den Berichten der einzelnen Organisationen fönende Punkte vor: Förderung der internationalen Beziehungen, Organisierung der gegenseitigen wirtschaftlichen Studentenhilfe, internationale Studsntenkouferenzen, Schaffung eines gemeinsacken internationalen Zentrums, Anfälliges. Die Vertreter des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft werden Gelegenheit haben, in 8er Konferenz auf solch brennende Probleme, wie die W a nderbewegung der jüdischen Studentenschaft Und deren Ursachen, die Not der jüdischen Stuöentenemigranten und die Hindernisse in der Anbahnung internattonaler Beziehungen (Numerus clausus), hinzuwersen. Die dreigliedrige Delegation des Weltverban'tzes ^besteht aus je einem Vertreter des englischen und des Schweizer Landesverbandes und ldem Generalsekretär >des WÄtverbaudes, Herrn L. Steinig. 0m Sprachenrecht tu der Tschechoslowakei. Das „Prager Tagblatt" meldet: In einem Durchführungserlaß zur Sprachenverordnung weist das Justizministerium die Gerichte und Justizbehörden an, darauf zu achten, daß im Sinne des Sprachengesetzes nur dann eine Partei in einer Minderheitssprache ihre Eingaben machen und verhandeln darf, wen« sie tatsächlich dieser Sprache angehört. So darf ein Angehöriger der ungarischen oder einer anderen * Sprache als der deutschen Sprache seine Eingaben bei dem Gerichte, welches verpflichtet ist, Eingaben in deutscher Sprache anzunehmen, nicht in der deutschen, sondern immer nur in der Staatssprache machen. Hiebei wird auf eine Entscheidung des Berwalttmgsgerichtes (Zahl Wieder eröffnet! Hotel National Wien, IL Taborstrasse 18 Telephon Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit Messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentral» heizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hause 1 Massige Preise! -.— BHMHBBÜ Nene Leitung! 190/25) hingewiesen, nach welcher zwar Sprachenzugehörigkeit und Nationalität nicht dasselbe sind, sich jedoch die Sprachzugehörigkeit stets nach der Nationalität richtet. In diesem Sinne hat das Verwaltungsgericht bereits ausgesprochen, daß Angehörige d e r j ü d i s ch e n Nationalität sich niemals als Angehörige der deutschen Sprache bezeichnen können. Da nun kein Gericht im Sinne der Ergebnisse der letzten Volkszählung eine Minorität von 20 Prozent Staatsbürgern jüdischer Nationalität aufweist, körtnen Angehörige der jüdischen Nationalität bei keinem Gerichte Eingaben in einer anderen als der Staatssprache machen. Da die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sprache entscheidend ist, könnte sogar auf ihre Erklärung keine Rücksicht genommen werden, daß sie Angehörige zweier Sprachen sind. Die Gerichte sind angewiesen festzustellen, zu welcher Nationalität sich die Partei bekannt hat. Andererseits macht das Justizministerium aufmerksam, daß in der gleichen Weise, wie ein Angehöriger der Staatssprache nach dem Gesetze niemals einen Antrag in einer Minderheitssprache überreichen kann, auch wiederum ein Angehöriger einer Minderheitssprache, in welcher bei einem bestimmten Gerichte amtiert wird, nicht gezwungen werden kann, seinen Antrag in der Staatssprache zu stellen, außer wenn es sich um Grundbuchsangelegenheiten handeln würde. Dieser Erlaß ist eine Sammlung von Widersprüchen und kann nur Verwirrung anrichten. Wenn jemand eine Sprache nicht beherrscht, so kann er in ihr keine Eingabe machen. Der Sinn der Verordnung ist aber der gleiche wie das bei den letzten Wahlen beobachtete Bestreben, das Judentum als nicht existent anzunehmen. Die in der Verfassung vorgesehene Anerkennung der jüdischen Nationalität wird auf diese Weise zur leeren Geste. Maalmordlegende in Minsk. Am ersten Pessachtage lief in Minsk, der Hauptstadt Weißrußlands, eine aus mehreren Wunden blutende Frau durch die Straßen und rief, JMn hätten sie in. einen Keller verschleppt und ihr Blut zu, rituellem Gebrauch abgozapft und in Flaschen gefüllt. Es bildete sich eine große Menschenmenge um die schreiende Frau. Es stellte sich heraus, -daß sie eine Berufs Bettlerin namens Vital ist und vor drei Jahren eine Jrrenhauspatientin war. Sie gestand ein, daß sie sich die Wunden selbst bei gebracht habe. Sie. wollte, so sagte sie, sterben und 'habe gehofft, man werde sie wegen Verbreitung der Ritualmord-Legende töten. Die ärztliche Untersuchnu gergab, daß die Bital unheilbar irrs i n n i g sei. Sie wurde wieder in das Irrenhaus e'mgeliefert. Die Polizei setzte die Untersuchung nach der Richtung fort, ob nicht die schwachsinnige Frau ein Werkzeug dunkler Kräfte tvar, die durch Verbreitung der Blutlegende antijüdische Unruhen Hervorrufen wollten. SM-r Inland. Kn Interview mit Namek. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Kattowitz, 5. April. Der ,Liberschlesische Kurier" veröffentlicht ein Interview seines Korrespondenten nttt dem Bundeskanzler Dr. Ramek während seines Berliner Aufenthaltes. Der Korrespondent befragte «den Kanzler über seinen Standpunkt zur Politik Oesterreichs, Polens und der oberschlasischen Frage. Dr. Ramek sagte, daß Oesterreich sich um die Erweiterung des bestehenden Handelsvertrages mit Polen bemühen werde, doch müsse festgestellt werden, daß Polen zu sehr noch an Schutzzöllen hängt, was die wirtschaftliche Annäherung der beiden Staaterl erschwert. Die Häuplnvsache aber ist die Unbeständigkeit der polnischen Währung. In der Frage Oberschlesiens äußerte sich Doktor Ramek pessimistisch; er glaubt nicht an die Möglichkeit, -das Problem im Wege des Völkerbundes zu lösen. Der Bundeskanzler soll sich nach Informationen dieses Blattes auch» kritisch über 'die Locarnoverträge geäußert haben. z«m Ableben $ratM Klein?. In dem gestern früh verstorbenen ehemaligen Justiz«, minister Franz Klei n verliert die österreichische Republik einen der wenigen Männer, die ihren: grauen Dasein nach Glanz verleihen konnten. In Franz Klein geht ein Gelehrter von feinster Kultur und innerer Vornehmheit ins Grab, eine Persönlichkeit, an die sich auch nach dem Umsturz reiche Hoffnungen geknüpft hatten, die leider nicht zur Reise kommen konnten. Es war nicht die Schuld Kleins. Die Republik schickte diesen glänzenden Juxisten in Pension. Sie wußte für ihn keine Verwendung. Er tvar auch als Beamter Mensch. Er haßte den Haß. Er war Weltmensch. Er war stolz und beugte sich keiner Koterie. Das konnten diearmseligen Dutzendmenschen ihm nicht verzeihen, die nach der Revolution sich der Bestimmung über den Neuaufbau des Staates bemächtigt hatten. Die Demagogen und Seelenfanierer, bar jeder Kenntnis der Welt und ihrer Zusammenhänge, denen das Partei bonzentum Richtschnur und Lebensinhalt bedeutet, konnten kein Verhältnis zu dem Mann des Geistes finden, der die Phrase verachtete und Mut vor dem Thron und vor der Sraße gezeigt hatte. Er gehörte nicht zu ihnen. Trotzdem stellte er sich in der blutenden Zeit, da der Staat in St. Germatn erscheinen mußte, zur Berstigung. Dann mußt" er ins Ausgedinge . . . * Dr. Franz Klein wurde am 24. April 1854 in Wien geboren. Er besuchte hier das Akademische Gymnasium und die Universität, an der er im Jahre 1876 zum Doktor promoviert wurde. Dr. Klein war zuerst als Wvokaturskonzipient tätig, habilitierte sich aber gleichzeitig an der Wiener Universität als Dozent für Zivrlprozeß. Später las er auch über römisches Recht und wurde zum-außerordentlichen Professor für diese Disziplin ernannt. 1891 erfolgte seine Berufung in das Justizministerium als Mintsterialsekvetär und Zwei Jahre später wurde der von ihm ausgearbeitete Zivilprozeßentwurf eingebracht. Nach der Sanktionierung der Zivilprogeßordmrng erhielt er den Titel und Charakter eines Sektionschefs. Im Jänner 1906 wurde er. im Ministerium Gautsch mit der Leitung des Justizministeriums betraut. 1906 bis 1906 war er wirklicher Jttsttznttnister im Kabinett Beck. Dieselbe Würde bÄleidete er in dem kurzen KveiteG Ministerium Ko erb er, welches Ende Oktober 1916 ins trat. Anläßlich seines siebzigsten Geburtstages echielt Dr. das Ehrenbürgerrecht der Stadt Wien. „lin Spiel von Tod und Liebe." Deutsches Volkstheater. „Eine der Tafeln meines Polyp thchons von der Revolution," nennt Romain Rolland seine Bühnendichtung. Auf dieser Tafel ist die Not der Menschen emgegraiben, als die Guillotine rasend arbeitete. Verzivoiselt rennen si; durcheinander, um nicht daranznkommen — bis man sie an das Brett schnallt mrd unter das Messer schiebt. Uitter Flötenklang und Trommelwivbel rasselt der Karren mit den jüngsten Opfern über das Pflaster. Wer wird der nächste sein? Die Jungen, von Hunger und Kälte zermürbt, flüchten zu Eros. Ein Alter, der von der Liebe der Geschlechter längst ausgeschlossen ist, flüchtet zum niedrigsten, gemeinsten Verrat, um sich einen schäbigen Lebensrest zu sichern. ' Während Rolland auf seiner Tafel die Folterqualen der Totgeweihten im Paris des Jahres 1794 verzeichnet«: — als inan Danton zun: Blutgerüst führte, als die Mitglieder des Konvents einander zum Tode verurteilten, um ihr Loben zu verlängern —, währeich der Dichter recht kraß, aber dramatisch recht matt den Tang von Tod und Liebe um die Guillotine malte, wuchsen ihn: unter der Harw zwei Gestalten, deren Schicksal und Sieg über das Leben an das Ereignis „Französische Revolution" nicht geknüpft Für den alternden Jerome v. Courvoisier und seine junge Gattin Sophie wird das Spiel von Tod mw Liebe unwesentlich und gefahrlos, weil sie — hier ist das Wort in seiner reinsten Bedeutung zu nehmen, hier ist eine menschliche Beziehung gcmeiitt, die gegen jede Gefahr des Lebens feit —, iveil sie Gefährten sind. Kein Liebestrank, kein Liebeswahn kettet sie, wie Tristan und Isolde. Weit stärkere Bindung einigt die beiden, die in aller Nüchternheit einander ihre Not alwertrauen dürfen, arwerirauen müssen. * Ein Mensch geriet an einen Menschen. Die Freundschaft rettet das an Jahren ungleiche Ehepaar ans einer unwirschen Welt in den gemeinsamen Tod. Die Melodie, die m: Dialog Jeromes und seiner, Gattin Sophie anklingt, ist so stark und edel, daß man manche peinliche Ungereimtheiten der Fabel (insbesondere die verunglückte Figur des Girondisten Ballee) und auch die kitschigen Klaviereinlagen in den Kauf nimntt. Erika Wagner umrandet die Gestalt der Sophie v. Courvoisier sehr sein, sehr ergreifend mit dem Glanz der Mütterlichkeit, Alexander M o i s s i, ihr Gegenspieler, ist in Maske und Haltung weit wesentlicher, glaubwürdiger als in der gezwungenen emphatischen Sprache und Herr Feldhammer übertrifft ihn im Aufwand von Brusttönen des Schmerzes und der Leidenschaft leider noch um ein beträchtliches. Um wie viel weniger sichtbar wären die Schwächen des Stückes geblieben, wenn sich diese beiden klarer Einfmhheit befleißigt, wenn sie sich au de» Ton gehalten hätten, den Frau Wagner an schlug! B ortresst ich in Episoden die Herren H o n: m a und Lessen. Der Abend >var eine nachträgliche Feier zu Romain Rollands 60. Geburtstag. Spielleiter .Karlheinz Martin trat vor die Rampe und hielt eine Ansprache, jn welcher er die Bemühungen des geliebten großen Dichters um die Versöhnung der Böller pries. Er werde Rolland den Gruß des Wiener Publikums entbieten. O. A. Sine Jantdrpesche Romain Rollands. Als Antwort des Telegramms, nttt welchent Romain Rolland von den: Erfolg seiu.s Dramas „Spiel von Tod und Licke" im Deutschen Bolkstheater verständigt wurde, traf folgende, an Alexander Moissi als Träger der Hauptrolle gerichtete Dankdepesche ein: „Durch deu Erfolg beglückt, den Sie mir bereitet haben, sprech: ich Ihnen und Ihren Werkgenossen meinen innigen Imst aus." „Re blane Perle." Modernes Theater. In der Fisch Avenue, im Hanfe drs Milliardärs Masou, unterhält man sich über Spiritismus. Für und gegen. Da wird es buitM, ein schriller Schrei. Nach einem Augenblick wieder Licht: Die kostbare blaue Perle und der Halsschmuck einer der geladenen Damm sind gestohlen worden. In di>e große Aufregung komntt Mck Hill, der bekannte Detektiv und Pottzeikomnttssär des Reviers, herein. Am Anfang ist er stark mw will den Dick rücksichtslos suchen. Doch auch seine schwache Stunde schlägt: Er hak schon bei allen die Leibesuntersuchung Vovgenommen und als letzte soll die Hausfrau, die Nick heiß lickt, an hie Reihe kommen. Bald tont) bite Amlsszene zur Lickesszene; in der Umarmung entdeckt aber der Detektiv den verborgenen Schmuck — o. diese modernen Kleider, >vie man da alles fiihlt — und die Diebin ist entlarv:. Der dämoittschen Frau aber, die nur aus schicksalshaster Sucht nach kostbarem Schmuck gestohlen hat, gelipgr es bald, aus dem pflichteifrigen Kommissär wieder den Liebhaber und Kavalier zu machen. Das ganze wird als Spiritismus erklärt; dunkel wird's, der Schmuck hängt am Hals de: rechtmäßigen Besitzerin. Eilde gm, alles weniger gut. Diese harmlose, keineswegs unentbehrliche Angelege:cheir Paul Franks wird unter der Spielleitung Direktor Körners, der das Stück, wahrscheinlich wegen der chm zusagenden Rolle des Detektios auigeführt hat. flott und unauffällig gespielt. Das schöne Främein Ambach versteht ihre Besessenheit gut vorzutragen; mehr Kätzchen als Dämon. Ga:^ ausgezeichnet in Episodenrolle» Herr T ä übler Äs alter, schlästiger Dheatettvitiker — eine prächtige Figur! — und Frau Weber Äs kleines, vorlautes Backfischchen. Herr Friedrich als neurotischer Milliardär und die Herren S m y t t rmd Le y als Wortführer für und gegen den Spiritisinus fügeil sich gut m den Rahmen der ain wenig ^uchigen Drtektiokomödie l, tb

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