Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2556 (4.4.1926)
- Date
- 1926-04-04
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Mm, Sonntag_ Wiener Morgen-etLuna _4. April M6_ Sen? 17 Fnfionsgesetz und Halbsüß»« Cm Xi. Heinrich chchrecher. ®t. 2856 .n«'«»" ■ Ver Liebesroman der SÜMrlgen gurlsdoktorr. Die gescheitert« Ehe mit ein« 19j8hrigen. Der 66jährige Doktor der Rechte, Josef R. hatte 'gegen seine 16jährige Gattin Kaie, von der er gegenwärtig getrennt lobt, eine Diebstahlsanzeige echattet, derenvvvgen sie sich dieser Tage vor bem Bezirksgericht Margareten zu verantworten hatte. Der Klagevertreter Dr. Hugo Wolf schilderte dm Hergang und die Folgen einer Vermählung „des Frühlings mit dem Winter" in ausführlicher Weise. Dr. R. war vor dem Kriege ein wohlhabender Mann, verarmte jedoch in der Inflation 8- Frit. Vor zwei Jahren lernte er durch einen Zufall seine gegenwärtige Frau kennen, die in einem herrschaftlichen Hause be« dienstet war. Nach kurzer Bekanntschaft nahm er die damals 17jährige zur Frau. DaS Mädchen scheint die Ehe mit dem alten Herrn nur eingegangen zu sein, weil sie ihn für wohlhabend hielt. Als sie in seine wirklichen Dermögensverhältniss- Einblick bekam, begann sie ihm das Leben zu r Hö ll e zu machen. Die Wohnung war bei der Eheschließung auf den Namen der Frau um geschrieben worden und diesem Umstand benützte sie, um zunächst die Einrichtungsgegenstände zu verschleppen und zu verkaufen. Schließlich verkaufte sie auch dre Wohnung und ließ sich eine Ablöse zahlen. Beim Umzug in eine kleinere Wohnung, die das Ehepaar nunmchr beziehen sollte, verkaufte sie den größten Teil der noch vochandenen Einrichtung. Als sich die Frau eines Tages für kur^ Zeit aus der neuen Wohnung entfernte, benützte Dr. R. die Gelegenheit, um dir Reste seiner Habe an einen sicheren Ort zu schassen. Dann erstattete er die Diobstalhlsanzeige und reichte die Scheidungsklage ein. Ganz anders sieht die Schilderung des Vertreters der jungen Frau, Dr. Koppelmann, aus. Jhrzufogle so! die Ehe ein Martyrium für die Gattin gewesen. Die Eltern der 17jährigrn hätten erst nach langen Bemühungen des Klägers, der sich für einen reichen Faibrikanten ausgab, die Zustimmung zur Heirat erteilt. Das Mädchen ließ sich teils durch Eitelkeit, sich Mn Frau Doktor nennen zn dürfen, m erster Linie aber durch oie Aussicht ans ein geordnetes, sorgenfreies Leben, in diese Ehe ein. Die sch sich aber gründlich getauscht. Ihr Mann entpuppte sich nicht nur als armer Schlucker, sondern auch als Geizhals, der der Frau nicht einmal das Wirtschaftsgeld in die Hand gab, sondern selbst e r n! a u s e n ging. Doktor Wolf: Wußten Sie nicht, baß sie einen Diebstähl begchen, wenn Sie die Möbel ihres Mannes hinter seinem Rücken verkaufen? — Frau R.: Wenn ich es nicht getan hätte, hätte ich verhungern müssen. Mein Mann hat mir zu Beginn unserer Che erklärt, alles, was er besitzt, gehöre mir. Auch habe ich die Einrichtungsgegenstände nicht verkauft, sondern an Bekannte für Lebensmittel vechandelt. — Dr. Wolf: Warum haben Sie nicht einmal offen mit ihrem Manne gesprochen? — Frau R.: DaS habe ich ja mehr als einmal getan. Ich habe Wirtschaftsgeld' Von ihm verlangt. Darauf sagte er mir: ,MS kannst du dir selber verdienen. Geh 'auf die Straße, wie du e8 von früher gewöhnt bist!" Die DerhaMung mußte schließlich znr Durchführung der Beweise vactagt werden. Regulierung der Wnrenumsatzsteuer. 100prozenHge Ausftchrvergüttmg. — Reue Phase«- Pauschalierung. Im Auge der Expo rtförde rrkngsartion der Regierung werden schon in den nächsten Tagen zwei Bevvrdnungen im „Bundesgesetzblatt" publiziert werden, durch die entsprechend den Wünschen der Exportindnstrie und des Exporthandels mit Rückwirkung vom 1. März d. I. die Aussuchrvergülung ans volle 100 Prozent erhöht wird. Der Rückevsatz erfolgt entweder durch Kompensation mit der gleichzeitig ahzuführenden Warenumsatzsteuer oder in bar. Die hierzu notwendigen Summen werden durch eine gleichzeittg in Kraft tretende Erhöhung der P a u s ch a 'l s ä tz e der Warenumfatzsteuer von 0,5 bis 1 Prozent hereingöbracht. Insgesamt dürste die RückverMungssmnme 50 Millionen Schilling betragen. Erhöht werden unter anderem die Pauschalsätze für Mchl von 4 auf 4,8 Prozent, für Baumwollgewobe und KonfettronSwaren von 6,2 auf 6,6 Prozent, für Papier von 4,2 auf 5 und.für Leder von 7 auf 7,5 Prozent. FürJulandszucker bleibt die Umsatzsteuer unverändert» dagegen wird der Satz für Jmportzucker von 4 auf 4^ Prozent erhöht. Weitere wichtige neue Sätze für Einfuhrware sind: Mehl 7 statt 6,5 Prozent (dagegen wurde Rollgevste auf 5 Prozent ermäßigt), Lebendvreh 5,5 statt 5 Prozent, Butter und Fett 6,5 statt ü Prozent, ebenso Fleiisch und Fleifchwürste, Baumwollgewebe 8 statt 7,5 Prozent, Wollgewobe 7,2 statt 7 Prozent, Seidengewebe 6,5 statt 6 Prozent. Bedeutend sind die Veränderungen für Holz. Bei Brennholz bleiben die Sätze unverändert, dagegen werden sie bei Hart- und Schnittholz sowohl für Jnlandware als auch für importierte Ware von 3,5 auf 4 Prozent erhöht, bei weichem Schnittholz werden die Jnlanderzeugnifse mit 4 (statt mit bisher 3,6) Prozent, die importierten Waren mit 4,5 (statt bisher 4) Prozent belastet. Veränderungen treten auch bei Obstmost sowie bei Erbsen, Mahl, Bohnenmehl, Graupen, Maisgrieß ustv. ein. Die Pauschalierung im Inland wurde für Packpapier von 4L auf 5 Prozent erhöht, wahrend die Ausgleichsbelastung von 5 auf 6 Prozent gesteigert wurde. Die Paüschaüerung für Rotationspapier erhöht sich von 8,6 auf 3 Prozent. Bei Elektromaschmen. erfuhr der Jnländfatz eine Ermäßigung von 8L auf 8,8 Prozent, während der Auslandsatz mit 5,5 Prozent unverändert blieb, dagegen :st für Radioapparate ufw. der Jnlandsatz von 8,5 auf 4 Prozent und der Mmairtuhfuh von LL a-uj 6 Broeent erüüut »nnrb»» Zar selbigen Stunde, in der die Regierung die Novelle ziuu FusiopSbeaüNstigungsgesetz herausyobracht hat, sind zwei Diener GwßLanken, die einen Zusammenschluß vollzogen haben, der Fusion im Bogen ausgewichen. DaS Fusion Sbegünstigungsgesetz, obschon es einen obligatorischen Charakter erhält und sohin einen Rechtsanspruch auf Steuer- und Gebührensreiheit (von der Liquidationssteuer und den Emissionsgebühren) eröffnet, tut «S also nicht. Fuswniert iwrd eben doch nur bas, ivas hiefür reif ist, und wenn bei einer Interessengemeinschaft auf die volle Vereinigung verzichtet wird, odschon sie abgabenfrei vonstatten gchen kann» so ist dies Beweis genug, daß dem FusionSbegünstigungsgesetz nicht die ausschlaggebende Kraft innewchnt, die ihm gewöhnlich beigelegt wird. Deshalb braucht man Wer bas Fusionsgesetz nicht den Stab zu brechen und darüber gleichgültig hinweg- Zusehen. Es hat ja seine guten Seiten und seinen heilsamen Zweck, indem es wie Fusion befördern und erleichtern soll. Indessen, dies allein genügt nicht, es muß, wie eiben die gemachte auffällige Erfahrung lehrt, auch alles andere da sein, sonst wird die Lockspeise. nicht angebissen. Was, sich mithin zwischen den beiden Wiener Kreditinstituten abgespielt.hat, ist eine Hrlbfufion: nicht Fleisch und nicht Fisch» sondern ein Mittelding, das sich erst zu einer bestimmten. und sichtbaren Rechlsfigur entwickeln soll. Die Gemeinschaft, die unzweifelhaft erzielt wurde und ausdrücklich betont wird, gründet» oder richtiger, stützt sich auf das Zwischenglied eines Syndikats, das für die Mehrheit der Aktien gebildet tvurde und unter Führung jener Bank steht, die als aufnehmende Gesellschaft in Betracht gezogen ist. Da daS Syndikat eine GelegenheitsgLsellschaft bildet, die leichthin wieder auseinander gchen kann» wird ihr sine erhöhte Konsistenz und besserer Halt dadurch verliehen, baß der Aktienbesitz des Syndikatauf längere Zeit gesperrt wird, womit auch, wenn die bezüglichen Abmachungen hitULnglich befestigt und bekräftigt sind, dem Syndikat eine größer« Lebersdauer beschi'cden wird. Bon da zur Fusion ist freilichtmr ein Schritt, der einmal gemacht werden kann; die Halibsusion kann leichthin in die, wirkliche Vollfusion übergehen, nur muß man sich bei der derzeitigen Befristung, die für das Fusionsgesetz vorgesehen ist, damit beeilen, weil seine Wirksamkeit zunächst nur auf das laufende Jahr beschränkt wird. Ob es, wie die bisherigen Fusionsgesetze, für die freigewollten Fusionen dann erlischt oder wieder verlängert wird, steht füglich dahin; es hängt dies wohl von den Erfahrungen, die dabei gemacht werden, und von der Besserung der tristen wirtschaftlichen BechAtnisse ab. Der Verschmelzungsprozeß hat durch die neueste. Konstellation im Bankwesen jedenfalls einen kräftigen Anlauf genommen, ohne jedoch bis ans Ziel zu gelangen. Cs ist vorläufig nur ein embryonaler Ansatz und muß erst ausgetragen, das Ei ausgebrütet werden. Zunächst handelt es sich um eine formale Gemeinschaft, ohne daß es bis zur legitimen und körperlichen Bereinigung, wie sie die Fusion im Auge hat, gekommen wäre. Das Kennzeichen für die Fusion von Aktiengesellschaften, das in der Gewährung von Aktien der ausnehmenden Gesellschaft im Umtausch gegen die Aktien" der aufzunehmenden Gesellschaft besteht» liegt daher hier nur halbwegs vor; es wird nicht der gesamte Mtienbvstand der. aufgenommenen Gesellschaft in Bewegung gesetzt und auch nicht der Umtausch an ihre Aktionäre vollführt, sondern «S werden Aktien ihrer Provenienz m das Sammelbecken des gefälligen Syndikats überleert, das die Stücke für sich bchAt, versperrt und vorerst wicht wieder hevausgibt. Becheißi die volle Fusion den vollen Steuer- und Gebührennochlaß, so ist der Halbfusion in Gestalt des Syndikats Me solche Erleichterung nicht gegönnt; sie braucht sie nicht, im Gegenteil, eS muß sogar die Syndikatssteuer tragen. Zwar hat Mch die FusionsbegünstiMng an Tragkraft eingebüßt, seit durch die letzte Gebührennovelle die Emission s-gebühr sich erNecklich von 7 auf 3 Pwzent des Bezugspreises gesenkt hat; die Erleichterung ist aber immerhin noch belangreich genug, um nicht ohnewsiters in den Wind geschlagen zu werden. Wenn es doch geschieht, so müssen hiefür jedenfalls erhebliche Gründe vorliegen, die erkennen lasten, daß die Fusion, so appetitlich und anregend sie gewürzt wird, ein gewisses Wagnis bcden.tet, das erst reiflich erwogen werden muß, che man es unternimmt. Die Fusion ist in letzter Linie doch mit dem Untergange eines Partners verknüpft; sie geht mit der Auflösung der aufzunchmenben Gesellschaft einher, und einem solchen selbstgemachten Ende sucht man so lange als nur möglich Ms dem Wege zu gehen. Daß die Fusion von solcher Tendenz geleitet ist, zeigt das Go.'dbilanzengesetz, worin die Fusion als Zwangsmaßregel und Diktat behandelt wird, wenn die umgestellte Aktiengesellschaft im Rahmen der gesetzlichen Bedingungen sich nicht so lebenskräftig erweist, daß sie, ohne hinfällig werden zu müssen, doch ihre Selbständigkeit bewahren kann. Hierin offenbart sich aber auch der Unterschied, der zwischen der freiwilligen Fusion als Ausdruck der aktiven Konzentration und der FusionSbegünstigung als Ausfluß des passiven Verschmelzung-Zwanges besteht. Im ersteren normalen Falle sollen die Steuer- und Gebührenerleichterungen den Prozeß des Anschlusses befördern, ihn in Schwung setzen und bewirken, daß kleinere Unternehmungen sich zu großen zusammentun uW eine kräftigere Konstitution erlangen. Im Falle der Goldbilonzfusion aber soll oie Strenge des Gesetzesbefchles durch fiskalische Nachlässe abgetönt und gemildert werden, sozusagen das „Zuckerlabgeben, das den schicksalsschweren En-tsch-uß, dos Eigenleben hrnzugeben. etwas versüßt; als Wegzehrung auf dem letzten Gang. Vereinigung der vorttiegSglSubiger. Vor kurzem konstituierte sich diese Bereinigung, deren Statuten bchöwlich genehmigt wurde»!. Zum Präsidenten dieser Brreinigut« tvurde per Akklamation Herr Kommerzialrat B. Buchwald gavahli. Derselbe legte den Zweck dieser Bereinigung dar, demzufolge dtesttbe die Vertretung und Durchsetzung der Ansprüche allvr irner sich mm Ziele setzt, welchen Forderungen argen Schuldner im ehemals feindlichen Ausland, oezichungSwene NeuauSland zustehen und für welche nach dem BorkriegSschulvengesetz das UbrechnunaSamI zuständig ist. ZXr Sitz dieser Bereinigung befindet sich in Wien, 7. Bez., Zreglergasse 68. woselbst die BeittitlSerklärungen entgesie Pos euer Messe im Lichte der österreichisch« polnische« Handelsbeziehungen. Von Dr. Fritz Leister, Bielitz. Starke österreichische Beteiligung. Die lang'ame Besserung in ver wirtjcststtlicheir Lage Polens läßr mi. Recht ertvarlen, daß die in der ietzien Zeit ein wern?; getrübten Wittichaftsbeziehningen zwischen Polen uns Oesterreuh sich reger gestalte,i werdöw Diesem Zwecke wird mich'die Heuer nun zum sechstel» Ma.e ms Leber» tretende Posener Messe, dre von» 2. bis 9. Mai!ld,t,>»det, de neu, die, wie bisher, der ösierreichischcu Kaufinannschaft irr hohen» Maße Gelegenheit bieten wird, große G^chäftsabschlüsje zu tätigen. Durch den Wegfall Deutschlands als Lieferant von Maschinen, eiektrotecluischen Artikeln und Werkzeugen ufw. hat die östcrreich.sche Industrie Mch schon in diesen Ezportzweigen in Polen festen F.'ß gefaßt. In anderen Waren, wie in gewissen Erzeugnissen der Textilindustrie, insbesondere Spezlalartikeln der Woll- und Baumwollbranche, nimmt Ocherreich weitaus die eche Stelle in der Einftlhchatistik Polens ein. Denn trotz der Jmportkontinge»»tierung durch Polen bestchi noch 'tttm:: eit» sehr reger Verkehr zwischen beiden Staaten, der für 1925 in emcin Export Oesterreichs nach Polen im Werte von 160 Millionen Franken uW m emem Einfuhrwert von 168 Millionen deutlich zum Ausdruck kornmt. Die Messeleitung haf ber-its bei der prinischen Regierung für die auf ber Meste ausstellenden Staaten ein E»nf»chrkont»»»gent von 10 Millionen durchgesetzt, wobei den österreichischen Firmen ein großer Anteil gesichert »st. Auch liegen bereits sehr namhafte Annreldungeü aus der Türkei, von Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Jugoslawien, Rußland und den baltischen Staaten vor. Schon die vorjährige Posener Messe hat eine schr starke Besucherzahl von. durchschnittlich 20.000 täglich aufgewiesen, so daß sie in den acht Messetagen.Wer 160.000 Interessenten versammelte. Ueber 2000 ausstellende Firmen zeugten für daS lebhafte Interesse, welches man dieser Veranstaltung entgegenbrachie. Fast alle Branchen aus Oesterreich waven gut vertreten. Eine Neuerung in diesem Jahre stellt die Veranstaltung von Zwei Dpezialmeffen dar: eine besondere Textilmesse, bei der die Lodzer und Bielitz- Dialaer Textilindustrie ihre Erzeugnisse ausstellen werden, »st gesichert, ebenso, der Bedeutung der Holzindustrie Polens entsprechend, eine spezielle Holzmesie. Die Posener Messe hat sich zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor entwickelt, mit dem die Wirtschaft des Ostens stark rechnet: an der Grenze zwischen westlicher industrieller Ueberproduktion nnd östlicher Agrikultur gelogen, ist die Posener Veranstaltung taju berufen, einen großen Unrschlagplatz für den westosteuropäischen Wavendevkchr zu bilden. güdische genttalbank für Galizicn. Aus Lemberg wird uns berichtet: Vorigen Sonntag fnad hier unter starker Beteiligung Angehöriger aller Schichten der jüdischen Bevölkerung die angekündigte Beratung zwecks Gründung einer jüdischen Zentralbank für Galizien statt. Sejn»deputierter Dr. Leon Reich wies in seiner Eröffnungsrede auf die Vorgeschichte der Gründung der Bank hin, die infolge der katastrophalen wirtschaftlichen Lage der Juden in Galizien eine unaufschiebbare Notwendigkeit geworden sei. Die Jnittattve zur Gründung eines jüdischen Zentralkreditinstitutes in Galizien ist von der Zionistischen Organisation äusgegangen, die zur lleberzeugirng gelangt sei, daß die Hauptursache der wirtschaftlichen Not der Mangel an billigen Krediten für jüdische erwerbende Klasse sei. In Amerika habe Redner von den dortigen maßgebenden jüdischen Kreisen die Zusicherung erhalten, daß in dem Falle, als die galizischen Juden ein solches Institut nach den Grundsätzen der kaufmännischen Selbsthilfe schaffen, auch auf ausgiebige Kredithilfe aus Amerika rechnen werden können. Wenngleich die Initiative zu dieser Finanzinstitution von der Zionistischen Orgarnsation ausgcgangen sei, so soll die Schaffung und Führung der Bank durch Zusammenschluß aller jüdischen Gruppen durchgeführt »verden. Die Bank soll und darf kein Parteiinstitllt, sondern eine allgemeine jüdische Kredithilfsquelle tverden, die nach rein kauftnännischen Grundsätzen geführt werden muß. Seitdem die Zionistische Organisation das Losungstvort der Gründurrg einer solchen Bank ausgegeben hat, sirw in Galizien verschiedene kle»»»e lokale Kreditinstttute entstanden, »vas von besonderer Wichtigkeit fei, da diese kleinen Banken dann auch auf den Kredit bei der Zentralbank werden rechnen können. Es sei die Ausgabe von Anteilscheinen im Nominalwert von fünfzig Zlot») in Gold pro Anteil, zahlbar in zwei Raten in A»»ssicht genommen, damit seien die Anteilscheinbesitzer vor Devolvierung ihrer Anteile gesichert. Der nächste Redner, Dr. Schmorak, gab bekarmt, daß für die Bank zunächst die kooperative Form gewühlt tvurde, »veil diese in Amerika populär sei und auch, »veil die Zentralbank die Aufgabe haben tvird, alle jüdischen Genossenschaftsbanken in Galizien zu vereinigen. In weiterer Ent»vickl»»ng soll dann die Bank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt »verden. Es müssen innerhalb dreier Monate Anteilscheine im Gesamttverte von einer halben Million Zloty in Gold gezeichnet u»rd eingezahlt sein, dann könne mit einer größeren Kredithilfe aus Amerika gerechnet »verden. Es sprachen noch die Herren Direktor Lilien, Deputierter Dr. R o » m a i t n. Dr. T h o n un) Dr. P a n e t l>, worauf ein Propaganda- und AkttonSkornitee geivälilt wurde den» die folgenden Herren angebörenr Samuel Arnold. Hermann A x e l r o d, Ignaz Bendel, Leon B r a u n st e i »t, Direktor Julius Eisler, Sejmdeplüierter 8 i s e n st e i n, Viktor C h a j e -» .Sejmdeputterter Dr. Leon Reich. Dr. Emil P a r n a S. Isaak Jäger. Dr. M a t b l u m lZöezow). Dr. Ludwig Mund, Dr. Emil Schmorak, Dr. Leser, Dr. Geyer, Dr. R o t f e l d, Dr. Alexander Hausmann Ingenieur F e » e r st e i n, Jzchak Friedman»». M. Roh a t y n, Sejmdeputierter Dr. R o S m a r i n, Senator R o t t e n st r e t ch. Sejindeputierter Dr. S o m m e r st e t n, Mauryct St app aport, Dr.P«r»vth, Rat Wel