Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2556 (4.4.1926)
- Date
- 1926-04-04
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981643--26091-3013809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MM WK TS Me«, TmOsg MkeEv MvvWnzetturtS Meininger und die Segenwattl -s^S^o-^* /£- JrctA^ mJ^O^ l* &JUA~U <d*r K*~r ** Z>*^kW^ &*■ V*f f^J/^' ***;Vc /*^- iVrMt **i &r- ... yu^je^ t+f &c p^*w«Vv ekffr&t V <^JL^L.. ^€444^ /£//, / , y ':1.i-iV“iii ji z« // _ _/ ■■* ♦ 'C4hx, *7 tlCy^ /y^. g,UM» . A, - . i'4£Ä* 0^2 3^*Ui'/e^s CijCrrffo^ ,_L» ^W,, ^4 ^r* /*y^<y&z. Z ^ki 'T^cAy A6t* <M^ <4/^ bjttu^ /V. Ac 4^L^.AW^JL>~<r^ AxU^l /Lr-fö'ckt/.. Auszug aus einem bisher nnveEstentlichten Der hier reproduzierte Brief Meiningers ist der soeben erscheinenden Volksausgabe feines Hauptwerkes „Ge- Mecht und Charakter" (Wilhelm-Braumüller-Verlag, Wien) entnommen. Der Brief ist sehr wertvoll, denn er enthält den ganzen Sinn und das z e n t r a l e Problem von Meiningers Philosophie. Man hat Meininger viel gelesen, noch mehr mi-ßberstanden, verspottet oder fanatisch verchrt — das alles wegen >'eines eigenartigen Versuchs, die Frauenfrage zu löstn. Es war die Zeit des Beginns erotisierender Lektür?, die auch in Meininger das S.'erverprickelnde sah. Diese Einstellung zu D ei ringer war aber ton vornherein falsch, obwohl er sie selbst zum Teil verschuldet hat. Im Borwort zu feinem Hauptwerk sagt Meininger deutlich, daß es ihm um die tieferen und allgemeinen Probleme viel mehr geht als um ihre Anwendung auf die Frauensrage. Ja, er entschuldigt sich schamhaft, daß ,hie Behandlung der höchsten und letzten Fragen hier gl'e'ichfcm in den Dienst eines Spezialprob'lems von nicht übergroßer Dignität gestellt scheint". Er meint aber, daß das Problem des Geschlechtsgegenisatzes hier mchr den Ausgangspunkt als das Ziel des tieferen Eindringens bildet. GS lag affo zumindest in der Absicht Meiningers — und deren Echtheit bezeugte seine gange Persönlichkeit und ein Werk: „Ueber die letzten Dinge", das nur rein philosophische Probleme behandelt —, die allgemeinen Konflikte der Menschen den speziellen der Ge'chlechter unterznordnen. Daß ihm dies in seinem Hauptwerk nicht ganz gelang und das Problem Mann—Weib so scheinbar zur Hauptsache wurde — ist mit eine der Ursachen, warum Meininger mißverstanden tWkße» Brief Otto Meiningers an Dr. Hermann Swoboda. Das Schicksalsproblem Meiningers — und für Meininger war Denken und Problem immer Schicksal, ei» Zeichen seiner seltenen Intensität und Größe — war das Problem der Seele. Um es vielleicht deutlicher, populärer auszudrücken: das Problem des besseren Ich. Das, was in die'em Brief transzendentales Ich genannt wird, ist das Um und Auf der Meiningerschen Philosophie. Sein ganzes Denken und Schaffen war darauf gerichtet, dieses Ich zu beweisen, zu begründen und es zur Richtschnur des logischen und ethi'chen Verhaltens zu erheben. Sein Leben war ein unentwegter, Lidenschastlicher Kampf gegen die Verneiner und gegen die radikalen Bejaher der Existenz einer Seele. Er kärnpftv gegen beide, denn er selbst war nie — nicht einmal in seinem Hauptwerk: „Geschlecht und Charakter" — ganz entschlossen, für die eine oder die andere Ansicht einznstehen. Hume und Mach, die radikalen Empiriker waren ebenso seine Gegner wie Fichte, der Metaphysiker. Er hat sich in der Hanptsache darum am meisten dem Kritizismus Kants genähert, der die SE als regulatives Prinzip, als unser Loben und Verhalten bestimmende Idee und nicht als Tatsache, als Realität Vorsicht. In der Hauptache: denn daneben hat er die Existenz eines höheren Ich sowohl dogmatisch bejaht (bs'onders eben in der Behandlung der Frauenfrage) ails auch kategorisch verneint (unmittelbar vor feinem Selbstmord in den Letzten Dingen"). Und in diesem Sinne ist sein Werl ein« ewige Pwmetheus-Dichtu-ng, die wie Faust, Manfred oder Hiob vom aussichtslosen Ringen des Menschen mit und um ein Höheres, vom Kampf um das Menschentum , erzählt. Dieser Kampf war hier von einer solchen Leiden'chaft deß Gedgukens, paß an Hm der Träger uch SKp^r _1 April 1926 _M. 2886 1,Die verbotene Felix Dörmann und Gerold Musik von Max Walitter 2fialbe Preise zahl«n Sie an den Kassen des Carltheaters gegen Abgabe eines beliebigen Doto&> Buchstaben 3.D0CUS . Die Quaiitäts - Schuhcr&ne mit den populären Dolus- 11884 buchstaben, die nach wie vor in allen Dosen eingelegt sind AlWMMtte des Carltheaters von Auch die im Andre - Hofer - Feigenkaff ee und Hofer-Korn eingelegten Buchstaben sind gültig verbrannt und zugrundegegangen ist. Heute mehr als jemals besitzt das Merk Meiningers t n d i esem S i u n e die größte Bedeutung. Ter Zeit, die sich verloren hat, deren Leiben nur eine Peer-Gynische-Hochstapelei ist, kann es Rufer zur Um-, kchr, Quelle der Besinnung werden. -i- Meiuinger selbst hat, wie erwähnt, bei der Erörterung dos Weibproblems einen folgenschweren Irrtum begangen, Die Grundvoraussetzung der Weininger'chen Lösung dieses. Problems ist die Annahme einer existierenden, genau zu definieverden Seele. Er verleiht dieser Seele verschiedene Inhalte, um sie dann beim Weib nicht zu finden und ihr so die Seele abzusjprechen. Aus der ethischen regulativen Idee Kants fft durch einen lcVv'chen Spmng eine empirische Tatsache geworren. Dieser logische und erkenntniÄrittsche Fehler hat zu. der ganzen eigenartigen, vigoroen Beziehung Meiningers zum weiblichen Geschlecht geführt. Abgesehen davon, enchält aber das Buch Meiningers eine ganze Fülle wertvollen und interessanten Materiales zum GeischlechterprMem. So wird 'das G e s e tz d e r s e x u e l l e n A n z t e h u n g, das aus der Theorie der sexuellen Zwi'chenstufen entwickelt wurde und die Grundlage von Meiningers naturwistenschastlichen und psychologischen Ausführungen bildet, noch für lange Zeit seinen epochalen Wert behalten oder zumindest der Ausgangspunkt für weitere wissenschaftliche Unteruchungen fom. — Seine Psychologie des Gedächtnisses, des Unsterblichkeitsbcdürfnistes j. rd manches aus der Psychologie der Geschlechter gchör« zweifellos zum Gemeingut der W is se n^'chaft. Und anderes ist, nach Abstreifung der Floskeln und Mystifikationen, die aus dem erwähnten grundsätzlichen Fehler entstanden sind, der eingehenden Beachtung der Zeitgenosten würdig. Denn es kam aus dem glühenden Wollen zur Klacheit, von der es. manchen Kern hat . , , * Bom Judentum wußte Meininger, nach eigenem Bekenntnis — blutwenig. Was er trotzdem darüber sagte, ist willkürliche Projektion von Werten oder Unwerten auf ein Volk, in das man zufällig hineingeboren wurde. We-ininger war innerlich im starken Maße Jude; sein Pathos und feine Leidenschaft des Denkens sind echt jüdisch. Das Volk des Buches heißt im tiefften Sinn das Volk der geistigen Leiden-, schast. Bewußt stand er aber dem Judentum fern, er kannte es kaum und zwängte diese seine Unkenntnis in ein Prin-- zipienschema ein. Das Schema hatte hier die Einsicht bestimmt. Um'seiner sonst schr interessanten Pj'ychologie. der Religionsstifter Vollgültigkeit zu verschaffen, mußte das Judentum die ihm von Meininger angedichteten Mängel besitzen. Beziehungsweise nur das Judentum mußte sie besitzen. Die beste Widerlegung Meiningers in dieser Hinsicht bildet der Zionismus, den er für wertvoll, aber unauHührbav hiblt. Palästina hätte ifju über manches aufgeklärt und belchrt. Das von ihm gmceinte Judentum war das Golius, und fein Eplö'er — der Zionismus, der aus dem Judentum und nur innerhalb des Judenmms verwirklicht werden kann. .— Aber auch in dieser Beziehung ist Meininger für die Gegenwart bedeutungsvoll, indem seine Judentumtheorie die große Gefahr des Judenülms vor dem Zionismus zeigt, die Gefahr, mi§ Haß gegen die Sklaverei und Unkenntnis des oigenen Wertes den anderen ganz zum Opfer zu fallen. Der Kontrast lchrt, den Sinn des Zionismus als Erneuerer des Menschen zu erfassen. Dr. Leopold T h a l e r. zum rwrite« Male der Sauvttreffer in diesem Jahre durch den »MüÄSb««t" gewonnen: E Diesmal (1. d ) gewann BauloS Gerte 1337 Nr. 43 den Haupttreffer von 700 Millionen! Ferner wurde« gezogen Serie 848 Nr. 44 mit 60 Millionen, Serie 899 Nr. 68 mit 30 Millionen und viele andere Treffer. Alle dieie Lose wurde» vom Bankhaus Albert Bauer, Wien, 4. Bez., Favorttenstraße 4 (.ElüdSbauer"), a « f N a t e n verkauft.