Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2556 (4.4.1926)
- Date
- 1926-04-04
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 2556 Wien, Zomitag Wiener Morsen-eitung 4. April 192^ Seile 11 U/fiPin Sie «n^ern geh n, rasch e rmilden — ww «SIBU wenn Ihr Fuss am Abend anschwllltwenn die Sohlen brennen und lästige Schwielen entstehen — wen Schmerz n im Mlttdfflss, an Knöchel und Ferse und in der Mute des Vorderfusses jeden Scnritt zur Q ial machen — benützen Sie die wunderbare e Erfindung gegen ■vQllll Pusschmerzen, die „P n eti m e 11 c" Es g.bt kein besseres Miitel für leinende Fiisse als nie „Pnenmette1* mit ihrem unvergleichlichen schmcrzbefreienden Luftkissen. Fast eine Million Menschen tragen die Sie müssen es selbst probieren 1 Sie erhalten die „Pneumeüe* 8 Tage zur Probe *»•« nur bei der Firma Camillo Barber, [., Teinfaltstr. 3 Achtung wogen IrrefOhruno auf die Hausnummer 8 Prospekte kostenlos 563 Webruch ttttH Arauenrechl in Paris. Aus Paris wird uns geschrieben: Die Praxis der französischen Schwurgerichte bei der Beirteilung der unzähligen Eifersnchts- und Ehebruchsaffären, >nt denen sie sich jahraus, jahrein zu befassen haben, ist außer- 'rdentlich milde. Selten wird die vom Gesetz vorgeschriebene Naximalstrafe ausgesprochen. Die Verteidiger, die auf F r c ip r u ch plädieren, haben fast stets Erfolg, besonders wenn sie inen betrogenen Ehemann vertreten, der seine Ehre nit dem Revolver gerächt hat. Tatsächlich sieht das französische Strafgesetzbuch für diesen beinahe alltäglich gewordenen rall eine Entschuldigung vor. Artikel 324 lautet: „Im Falle an Ehebruch ist der Mord, den der Ehegatte an seiner Gattin 'der an ihrem Komplicen in dem Augenblick verübt, wo er sie n der ehelichen Wohnung überrascht, entschuldbar." Damit tat der Gesetzgeber dem betrogenen Ehemann zwar kein Recht mf Ermordung seines Rivalen oder seiner ungetreuen Gattin merkannt, sondern nur die Möglichkeit geschaffen, statt der Todesstrafe oder der lebenslänglichen Zwangsarbeit eine e i n- 'ache Gefängnis st rase von ein bis fünf Jahren zu verjüngen: in der Praxis aber kann der Mörder unter den ervähnten Umständen fast sicher auf einen Freispruch -echnen. Anders verhält es sich jedoch, wenn die Ehefrau ihren Nanu beim Ehebruch ertappt und dabei zur Mordwaffe greift.!)er erwähnte 'Artikel entschuldigt wohl das Verbrechen des Nannes, nicht aber dasjenige der Frau. Aber auch onst wird die Frau nach französischem Recht im Ehebruchsfall veit u n g ü n st i g e r behandelt als der Mann. Der Ehebruch incr Frau wird bestraft, an welchem Orte er auch immer tattfindet, und zwar ist stets eine Gefängnisstrafe Vorgehen. Der Mann dagegen ist nur strafbar, wenn er den Ehewuch in der ehelichen Wohnung selbst verübt. Er rhält in diesem Falle aber keine Gefängisstrafe, sorrdern es vird ihm nur eine Buße von 100 bis 2000 Franken anferlegt. Wenn auch praktisch bei der Urteilsfällung der Frau fast immer niildernde Umstände zugebilligt werden und es kaum;u einer Gefängnisstrafe kommt, so besieht doch rechtlich dieser ausfallende Unterschied. Eine juristische Pariser Zeitschrift veröffentlichte kürzlich folgenden interessanten Fall aus der Praxis: Ein Mann zag keine Frau wegen Ehebruchs vor Gericht. Die Frau machte zellend, daß sie seit 15 Jahren nicht mehr mit ihrem Gatten insammenlebe. Dieser sei übrigens selbst in dieser Zeit wegen res gleichen Deliktes verurteilt worden und habe demnach kein Recht, Klage gegen sie zu erheben für einen Fehler, den er felbst zuvor begangen habe. „Ist die Klage gegen Ihren Mann damals von Ihnen selbst eingereicht worden?" fragte der Präsident. „Nein", erwiderte die Frau, „mein Mann lebte mit nner verheirateten Frau. Er lourde von dem Gatten dieser Frau vor Gericht verklagt." „Dann wurde Ihr Mann als Komplice einer ehebrüchigen Frau verurteilt nnd nicht wegen Zusanniienlebens mit einer Freundin in Ihrer ehelichen Wohnung", gab der Präsident zur Antwort, „er hat somit alle seine Rechte Ihnen gegenüber bewahrt, wenn er auch alle eine Pflichten verletzt hat." Wohl anerkannte das Gericht die ungewöhnliche Situation der Frau, verurteilte sie aber nichtsdestoweniger zu einer Buße nnd zu der üblichen symbolischen Schadenersatzleistung von einem Franken. Einige aufsehenerregende Skandalaffären in den ersten Pariser Gesellschaftskreisen, wie das Ehebrnchsdrama des Fabrikanten L a n c e l, der seine Frau mit ihrem Liebhaber überraschte und den Verführer mit dem Revolver niederschoß, haben in letzter Zeit wieder eine lebhafte Diskussion über diese Probleme hervorgerufen. Ein Dcbattierklub setzte die Frage kürzlich auf seine Tagesordnung. Selten war. eine seiner Versammlungen so gut besucht nnd die Diskussionen pro und contra so lebendig wie an jenem Tage. Vor allem die französische Liga für Franenrechte, an deren Spitze eine entschlossene Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht, Maria V e r o n e, steht, benützte die Gelegenheit zu einem energischen Feldzug gegen die ungleiche rechtliche Stellung der beiden Ehegatten im Ehebrnchsfall. Unermüdlich und manchmal mit recht spitziger Feder tritt Maria Verone gegen die Gesetzgeber ans, die sich nach ihrer Ansicht mehr mit politischen Intrigen befasien als mit der Abänderung der ungerechten und barbarischen Bestimmungen, durch welche die Frau dem Manne gegenüber in eine untergeordnete Stellung gedrängt wird. Ein Eifersuchtsdrama in Prag. Der Direktor der Smichowex Staatsgewerbeschule von einem Rechnungsbeamten erlchossen. Aus P r a g, 3. d., wind gemeldet: Der Direktor der tschechischen Staatsgewerbeschule in. Smichov, Honlak, wurde heute von dem Rechnmigsbeamten Stanislaus Pospischil erschossen, worauf der Rechmmgsbcamte S e l -b st m o r d verübte. Vor der Tat fand zwischen den beiden Männern im Direkt ionszimmer de: Anstalt eine erregte Diskussion statt. Das Motiv der Tai ist E i f e r s u ch t. Direktor Houisak beaibsichtiyte, seine Haushälterin demnächst zu heiraten. Pofpischis, der glaubte/ bei ihr Gegenliebe gesundem zu haben, hatte versucht, den Direktor von seiner Absich: abzubrmgen. Die Tatsache, daß es sich um eine Liebestragödie handelt, geht auch aus den aufgesundenen Briefen hervor. lleber Buftistung der Gattin und Schwiegermutter ermordet. Aus Neumarkt a. d. Raab GSurgenland) wird »ns gemeldet: Dieser Tage ist es der Gendarmerie gelungen, einem langgesuchten Mörder auszuforschen und ga verhaften. Am 27. September 1925 wunde der Gastwirt Johann Borovnyak aus Ober« zemimg mit sechs Schußwunden tot ausgeftmden. Kurz daraus wurden von der ungarischen Gendarmerie die Gattin 'des Ernwrdeten, deren Mutter und die Dienstmagd wegen Anstiftung zum Morde verhaftet und dem Gerichtshof in Sre'mmnonger eiingeliesert. Wie erhoben werden konnte, hat die Gattin einen gewissen S e r u g a als Mörder gedungen und ihm hiesür 20 Dinar, gegeben. Bon der Mutter hat dieser damals 10.000 ung. Kronen echatten. Gleich nach der Landnahme durch Oesterreich wuchert vom Posten Neumarkt^ in dessen Rayon der Mord verübt wurde, gemeinsam mit 'dem ungarisch-jugosiawischen Gendarmerieposten die Echebungen ausgenommen und die Ausforschung des Mörders Seruga Michael aus Jugoslawien, welcher sich auch Sevugs und Lovenjak nennt, und 'dessen damaligem Mithelfer, den Arbeiter Franz Bacie, e'mgeleitet. Dieser Tage ist es nun gelungen, der: Baeir in Obersimbach auszuforschen und zu verhaften. Nach Seruga wird noch gefahndet. Ansicht des Warenhauses Brüder Schiffmann, II., Taborstrasse 48 LLOYD TRIESTINO / TRIEST Idirekte Linie T riestlilllllllilllllllillllllllllllllllllllll Jaffa J iiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiii Rituelle Verpflegung / Reduzierte Preise Expresslinie nach Aegypten, Konstantinopel, Indien Postlinien nach den Schwarzen-Meer-Häfen, Syrien und dem fernen Osten GENERAL-AGENTUR 8 | WIEN, I-, KÄRNTNERRING NR. 6 | Sie Photographie aus dem Schirm. Die neueste Modetorheit. Die Amerikanerinnen überraschen immer wieder durch allerlei neue exzentrische Dtodetricks. Augenblicklich grassiert die Mode des Bema lens. Nicht nur der Lippen und der Augenbrauen wie wo anders auch. Man sucht sich dazu and. re Körperteile aus, Mit der Made fing es an. Eine ZeiÄang galt es bei den FiAnIdamen von H o l l y w o o d, die ja in solchen Dingen immer tonangebend sind, für äußerst schick, die Wade mit dem Bilde des Gatten oder des jeweiligen Geliebten bemalen zu lasten.- Sie konnten dann, wenn sie gymnastisch geschickt genug waren, das Bild'des gelebten Mannes jederzeit vor Augen haben. Aber die Mode hielt sich nicht lange. Vielleich: war sie doch zu unbegu'M. Außerdem muß man ja ab uns zu baden und jedes Bad derring-:rtL naturgemäß die Porträtähnlichkeit. Dann kamen Bildchen aus, die man sich aus der Schüller oder dem linken Oberarm anbringen ließ: eine Blume, em Schmetterling oder sonst etwas Unschuldvolles. - Aber weshalb soll man nur den Körper bemalen, w'shabb nicht auch beispielsweise den Schirm? So sagte sich Miß Mary Herr:man, em New-Aorker Operettenstar,, und sie verzierte ihr Parapluie mit ihrem Bilde. Das sei, meinte sie, keine Eitelkeit, sondern ,-furchtbar praktisch". Wie oft würden nicht in der Garderobe die Schirme verwechselt? Wie oft müßte man nicht minutenlang nach, einem Schirm hermnsuchen? Durch das Bild würde das Suchen vereinfacht und ftder Besitzstreit sei vermieden, denn man könne sich ja sofort als Eigentümerin ausweisen. Die Sache hat -etwas - für sich, kann aber auch zu recht peinlichen Situationen sichrer:. Es wird einem ein falscher Schirm gereicht. Man erblickt ein Porträt, das um zchn Jahre Ater ist. Voller Entrüstung gibt man dm Schirm zurück. „Nein, sooo fehe ich dmn doch nicht aus!" Nnd dann sicht zufällig hinter einem die Dame,'der der Schirm gehört und die „sooo" aussicht. . .! Andererseits können durch das Bild aus dem Schirm Pein-- lich,' Situationen vermieden werden. Man geht mit Don-Juan- Gefühlen aus der Straße und sicht vor sich eine entzückende Dame: eleganter Gang, zierliche Knöchel, wundervoll geformte Beine, tadellose Figur., Nur das Gesicht ist das große Fragezeichen. Es ist unter dem Schirm verborgen. Man geht drei Schritte nach vom, guckt von der Seite unter den Schirm und wandet sich schnell wieder ab. Das ist peinlich. Mr den Don Juan wie für die Dame. .Hat sie aber das Porträt auf dem Schirm, dann ist jede peinliche Situation ausgeschlossen, ein schneller Blick und man weiß Bescheid. Wobei nattirlich für eine gewiste Porträtähnlichkeit von der Schirmtrügerm die Garantie übernommen werden muß. Die Mode empfiehlt sich aber nur für Sonnenschirme. Bei Regenwetter hat die Sach.' schon ihre Bedenklichkeiten. Ganz wetterfest sind ja auch die besten Farben nicht. Und man kann das Porträt nicht joden Augenblick aufpinseln wie die Lippen. Es sind schließlich dieselben Kalamitäten wie bei den: Bild auf der' Wade, wenn man in die Badewanne steiget: will. Vi.'le Nachahmerinnen wird Miß Mary mi: ihrer Erfindung kaum haben. Zlber vorläufig bringen die Zeitungen ihr doppeltes Bild. LLOYD'TRIESTINO SOUILUYUIM/IONI.VAI'OPr Sechs Schulbuben. Die KIsenbahlijiise bombardieren. von der Berliner Polizei verhaftet. Ms Berlin, 3. d., wird gemeldet: Heute vormittags siuv sechs Lehrlinge und Schulknaben festgenommen worden, welche die Züge der Berliner Vororte- und Ringbahn wiederholt mit Steinen bombardiert hckben. Gegen die Eltern von drei Kindern unter zehn Jahren wird we!gen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Aussicht, über die Kinder ein Verstchren eingeleitrt werden. __ Selbstmord einet 79iäirigen Frau Aus Berlin wird gemeldet: Heute mittags stieg eine 79 Jahre alte verwitwete Fra« aus das Dach des Hauses und lief das Gesims entlang über drei Häuser hinweg, vis sie abst ürz te und aus dem Bürgersteig mit schweven Verletzungen liegen blich, denen sie aus dem Transport in baS KrawstMus erlag.