Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2556 (4.4.1926)
- Date
- 1926-04-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981643--26088-3013806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. Löse Dien, Sonntag Wiener WVfdtettself**"* 4. Avv7 1026 Sette v Tagesbericht. M Htzsiene-Weltbewerb der „Wiener Morgenzeitnns". Kür den 2.» 9. uwd 2V. Bezirk. Der nahende Sommer mit feinen sanitären Gefahren veranlaßt die „Wiener Morgenzeitung" im Juteresse des Publikums die Inhaber der Lebensmittelgeschäfte lGemischtwareu, Delikatessen, Obst und Gemüse, Zuckerwaren, Gebäck, Fleisch- und Selcherwaren), zu erhöhter Sorgfalt bei Beobachtung der erforderlichen hygienischen Maßnahmen anzufpornen. Wir haben uns daher entschlossen, die uns von einer Jury vorgefchlagene« würdigsten Geschäfte zu Prämiieren. Durch die Entdeckungen auf medizinischem Gebiete ist das allgemeine Interesse an hygienischen Fragen in die weitesten Kreise gedrungen und es ist heute schon eine anerkannte Tatsache, daß die kulturellen und sozialen Errungenschaften von denen der Hygiene nicht mehr zu trennen sind. Den besten Beweis für die Bedeutung der Hygiene bieten die in den verschiedenen Kulturzentren veranstalteten hygienischen Ausstellungen, die zu einem wichtigen internationalen Kultursaktor geworden sind. Hiebei darf nicht vergesien werden, daß das Problem der Hygiene gleichzeitig auch ein ökonomisches Problem bedeutet. Wenn auch durch die behördlichen Vorschriften und deren Ueberwachung ein hohes Matz an hygienischen Vorkehrungen verbürgt ist, so soll der zur Durchführung gelangende Wettbewerb darüber hinaus für das Publikum und für die Geschäftsinhaber neue Anregungen und Verbesserungen auf dem Gebiete der Hygiene schaffen und zur Diskussion bringen. Das Publikum wird daher demnächst aufgesordert werden, jene Lebensmittelgeschäfte zu nennen, die es einer Prämie für würdig befuudenhat. Die aus ersten Fachleuten bestehende Jury wird baldigst veröffentlicht werden, ebenso wie die Liste der Firmen, die sich an dieser Aktion mit Prämien beteiligen. Die „Wiener Morgenzeitung". Ae Ueberführuag der sterblichen lleberrefte Mar Rordaas nach PalSftiaa. Aus Paris meldet I. LA.:-Am 27. d. wird der von Marseille nach Palästina angehende Dampfer ,^Sraga" die sterbstchen'UeberrHe 2Dr. Max Nord aus an Bord nehmen, mn sie nach Palästina: zu bringen, wo'sie in einem von der S:M Tel- Awiw gewidmeten Ehrengrab beigosrtzt werden würden. Die Tochter Max Nordrus, die Bildhauerin Maxa Nord au, wird die Urne begleiten. Die Gesellschaft der Freunde Max Nordaus und Mexander Marmoreks bereitet aus Anlaß der Ueberführung der Gebeine Nordaus nach Palästina eine besondere Feier, vor. Sie Woche. Das erste Jahr der hebräischen Universität am Skopusberge. Ein Jahr des Beginnes. Langsam und organisch wachsen die einzelnen Forschungsinstitute, neue Lehrkanzeln »verdeu «begründet. Den Bedürfnissen des Landes entsprechend, werden Biochemie und überhast Naturwissenschaften vorerst betrieben und gefördert. Aus den Bedürfnissen des Volkes ist die Abteilung für Judaistik -entstanden. Die Entwicklung tat jungen Universität soll also nicht forciert werden. Um eine Stätte wahrer Forschung und Lehre zu tverden, muß die Entwicklung der Universität im Gegenteil nur allmählich und als Erfüllung strengster und höchster Anforderungen vor sich gehen. Ganz anders war es bei der Gründung der Universität. Die Gründer hatten mit Recht Eile. Denn gang abgesehen von der ungeheuren Propagandawirkung der damaligen Univevsitätsgründung, die atar doch nie als deren entscheidende Ursache betrachtet werden darf, lhaben die Gegner die Ideologie des Zionismus in diesem Falle vollkommen verkannt. Die Grundlage der zionistischen Ideologie ist zunächst ideeller Natur und bedeutet eine Willensäußerung, begründet auf historischer Tatsache. Würde der Zionismus n u r auf Notwendigkeiten der nächsten Realität dcsieren, so könnte er sich nie zu einer ganzen Tat aufvaljifen. Dre Kolonisation in Palästina wäre heute nicht so weit, der Heroismus der Bilu oder der Ghrluzim wäre unverständlich, ja, Palästina wäre Überhaupt nicht das Land, sondern höchstens e i n e s der Länder, wenn z. B. nur die augenblickliche wirtschaftliche oder politische Lage der Juden tan bestimmenden Einfluß auf die Handlungen des Zionismus ausüben würde. Dem ist aber gar nicht so. Der Zionismus baut Palästina aus dem Nichts eines kahlen Botam auf, nicht nur aus diesen Rücksichten auf eine unleidliche Gegenwart, sondern »veil er die Erneuerung des Judentums »v i l l und die Berechtigung und den Sinn dieses Willens aus ferner, geschichtlicher Vergangenheit schöpft. Der Wille ist in dieser Keologie entschieden das Primäre. Weil wir Palästina dringend und tzeitz wolle bauen »vir es Wj mk werden tzs guftoueg, noJervElYjeJZwi'sWg ,..„iS+ JetZfin pde' OoeFZeu<jen Sie äi^k delbtH >er enorme>ändelidn be^eB>eWe*s'L iBei^pTele brWiSff Compfet, ES Ät; aparte Ausführung 8 uUi Compftl, SÄ Chine gearbeitet, aus 70 M feinst frz. Material S 10. Pnmnlnt »us f»z. Moalinf mit bUdipiBl Crepe de tnn _ Chine komb. . . 8 l£U llänfitl »os guten englischen MofllKl Stoffen in _ S 44.-, 23 -, 17.- 8 lt. Hänleir.™r^! 8 10. Fasson 8 45.-, 27.— Mäntel Wp’ 8 120.—, 8 t>3 —, 55.' Seiden-Mänlel, 47.50 die grosse Frühjahrsmode^ jjjj . Sil5.—, 98.— 79 I Modell-Mäntel 95lteeläm»'^"""-' Trotteur, ganz gefüttert . . 8 28- , Kleidet sat5eMe'o?ii lachhaft billig . . , S 9.uU , 'z&mä&eR&t KkfdkKßn. $. ■ 3sgsfe 9- JcdeKün4e.erfi31t/ rä+isL V lofrfar *u* Crlpe de Chine. (116(001 Rohseide sowie guten Wollstoffen, na __ | 8 49.-. 39.— S Lv.! I IlimnfiP aU8 feraey-Sefde, JURiPol prachtvolle a an Dessinierung . . .8 •»•all In der Mabteiluog: (Mpe de Chine ... herrlichen Farben . S DiflU Mantel-Covercoat ... i40 cm breit . . .8 l.uU Moda-ManlelMn . .„ aparte Nouveautds . S OiuU flelnwell-Rlpä Frünjahrsfarben SU. | frnm.foulardselde ... aparte Dessins . . . 8 Uiaü , Seiden-BiokaUFau«. 85 cm breit . . .So. CrßpeMarocainD.vsiies reizende Musterung S 1.50 . a, rumän. n nn Streifen, doppelbr. S ciOll j ZWIEMCK UNO JOSEF Md WW MJEdMPmW/JMßRUDER MARIA sA'A'A ECKBDER HiLFERSmm MM WE&ÖÄSSE Das historische Recht ist die erste UN!) vornehmste Stütze dieses Willens, aus den es aber allein airkommt. Und so darf man die Taten des Zionismus. nicht immer aus der Perspektive des Augenblicks beurteilen. Das' jüdische Volk der ganzen Welt braucht ein jüdisches Palästina, das nicht nur ein leerer Begriff, sondern wirklich g e i st i g e s Zenirumim besten Sinne Achad-Haams ist. Ein Zentrum, das bemsen und geeignet ist, der ganzen losgelösten, hungernden Diaspora neue Anregungen und Impulse zu geben. Und solch ein Zentrum muß «tan eine Universität besitzen. Die Universität für das ganze große Vierzehmnillionenoolik ist eine Notwendigkeit. Das heißt, wir wollen, daß es dem Volke zur Notwendigkeit wird. Die Universität m u ß t e gegründet werden wie Tell-Awiw und seine Messen, wie die Kolonien und die Eisenbahnen. Es war nicht nur eine Geste, wie viele meinten, sondern ein Wille, daß etwas werde und d.aß es eine Berechtigung erlange. Die Entwicklung der Universität wird und soll, den Beweis liefern, daß eine geschaffene Tatsache das Bedürfnis und die Berechtigung auch nachher erzeugen kann. Hierzu l'edarf es wohl großer, umsichtiger Führer, die das Volk zur Universität und die Universität znm Volke zu führen verstehen. -r- Ein warnendes Beispiel könnte uns Oesterreich und die Wiener Universität sein. Die bekannte Erklärung der Wiener Universität gegen die Mittelschulreform zeigt, wie fremd dem Leben und tar Gegenwart die Hochschulen heute im allg.meinen sind, und die Wiener Universität, die in letzter Zeit sehr oft verschiedentlich von sich reden machte, ganz besonders. Die Universität, deren Professoren, wie man aus den Ausführungen des Präsidenten des Wiener Stadtschulrates, Abgeordneten Glückel, erfahren konnte, nie die sogenannte ,/Deutsche Mittelchule", d. i. die reformierte und nach modernen pädagogischen Gesichtspunkten geleitete Mittelschule besucht haben, erklärt die Vorbereitung für die Universitätsstudien in diesen Schultypen für ungenügend, .zieht gegen deren angeblichen Mangel an humanistischer Erziehung zu Felde, verwahrt sich und droht . . . Die arme, blamierte Universität . . .! Zunächst die sachlichen Ungenauigkeiten: Bisher hat noch kein Abiturient die neue Mittelschule verlassen. Zweitens hat nach verläßlichen statistischen Daten die neue Lehrniethota der antiken Sprachen, die auf Lebendigkeit und Anschauung und nicht auf grammatikalischem Drill beruht, cher «M mm Brüte der humanistischen Studien als deren _A___ Verfall Hertaigeführt, und schlieWch haben die Universität^ Professoren über die geringen Kenntnisse der Maturantenfrüher' immer viel geklagt. Das.. kümmert. aber die. autotratischerr, lebensfremden,, in ihrem Spezialfach vielleicht <ms-> gezeichneten Herren Professoren von der Universität gar wenig) Sie wollen die neue Schule aus irgend welchen Gründen, zum großen Teil wahrscheinlich aus politischen^ nicht und damit — genug. Abwarten, versuchen, mitarbeiiten, Helsen, das Alte, Schlechte zu stürzen, mn ein Neues, BeffereA aufzuba-uen — das kommt ihnen nicht in tan Sinn. Oder gar aus tan einzigen vernünftigen Gedanken fallen: einer neuen, reformierten, modernen, lebeMgen Mittelschule eine ebens0 neue, ref0rmierte, moderne, lebendige Universität als Studienfortsetzung entgegenzustellen — das wäre zu viel verlangt von den alteingesessenen . Professorenbeamten. Und doch wäre dies das einzig Richtige. Wie viel gibt es an der heutigen Hochschule, zu verbessern, zu reformieren, zu erneuern . . .?! Den alten, verschnövkslten» eingeengten Geist, die schülerfremde Lehr- und Vortragsmethode mit ihren trockenen Prüfungen, die sogenannte ,Minheit" der Wissenschaft, iüe in Wirklichkeit. eine furcht- 'bare Lebensfremdheit ist. Oder Le'bensfein-dschaft. Weil ihnen dazu der Mut seGt, hassen sie es. Weil sie dem neuen Menschen aus einer neuen Schule vielleicht nicht gewachsen sind, verneinen und ^bekämpfen sie die Schule! Darum sollte die Parole aller Denkenden und Freien lauten: Nicht gegen eine neue Mittelschule, sondern für eine neue Hochschule! * In diesen ersten AprMagen muß aber betont werden, daß der erwähnte Vorschlag kein Apvilschevz. ist. Denn hie ganze Stadt — wchrscheinlich die ganze Welt — steht noch unter dem Eindruck: Wie schön wär' es, wenn es tmhr war' . . .! Wie schön war' es zum Beispiel, wenn unter zchn Inden — Minjan — eine Anschauung herrschen könnte, oder wenn unter drei Juden kein Wischer, selbstkarikierender Witz auf der Tagesocknung wäre . . . Oder wenn die Häuslings taktvoll auHören würden, sich ausgerechnet um das moralische Seelenheil der Juden zu kümmern und die Antisemiten den BaTm im eigenen Auge eher bemerken wütan als den in unserem . .. Und femer, wie schön lvür' es, wenn die Unternchmer aus eigenem Antrieb auf Profit und Riesendermögen verzichten und mit tan fleißig und treu arbeitenden Angestellten den Gewinn redlich teilen Hürden ... Wenn bei den Gerichten nur Gerechtigkeit und 'bei tau