Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2556 (4.4.1926)
- Date
- 1926-04-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m s Dien» Tönning Wiener Mokzeitzelhma 4. April IW Ar. 3888 Rüben Brainin über krez Israel. Die Leser der „Wiener Morgenzeitung" sind darül>cr unterrichtet, daß der berühmte hebräische Schriftsteller Rüben Brainin zu Studienzwecken in Palästina weilte. Wir haben über den Aufenthalt Brainins in Erez Israel, über seine große Anteilnahme an den brennenden kulturellen und wirtschaftlichen Fragen des Aufbaus, über die Beziehungen, welche er zum neuen Jischnw anknüpstc, über die „Brainin-Woche" in den Schulen, über die Konferenzen nno Beratungen, die unter seinem Vorsitze stattfanden, fortlaufend berichtet. Auch jenen bedeutsamen, von Begeisterung und Verantwortungsgefühl getragenen Aussatz des geistigen Führers, den er schrieb, als er Erez Israel verließ, haben wir unseren Lesern vermittelt. Rüben Brainin weilt gegenwärtig in Wien. Er hat *i§ sich zur Aufgabe gemacht, die intellektuellen Kräfte d e s I u d e n t u m s i n E u r o p a und Aincrika zu weckenundin der Aufklärungsunü Werbearbeit für die rasche st e Erweiterung des jüdischen Nationalbesitzes an palästinensischer Erde zu verbinden. Einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenheit mit Rüben Brainin, der zuletzt in den Städten K i s ch i n e w, Bukarest und Jassy Vorträge hielt, über seine Palästinaeindrücke zu befragen. Int nachfolgenden sind seine Aeußerungen über Las neue Menschentum Erez Israels im wesentlichen wiedergegeben: „Ich weiß, daß Sie durch Originalberichte die Leser der „Wiener Morgenzeitung" über den Stand der Aufbauarbeit jeweilig informiert Hallen. Wichtig nyd fruchtbar sind Aeußerungen eines Palästinareisenden nur dann, wenn er möglichst scharf das wiedergibt, was auf ihn den stärksten Eindruck machte. Ich habe in den letzten Jahren alles, was Erez Israel betrifft, mit Leidenschaft verfolgt» die palästinensischen Blatter bis auf die Inserate durchgehechelt, habe alles gewußt, bevor ich hinfuhr und war. dennoch von der Größe.des Werkes überrascht als ich das Land und seine Menschen tatsächlich sah. Vor allem: Ich fand nicht bloß Anlaß, die Menschen des neuen Jischnw zu bewundern. Auch die eingeborene jüdische Bevölkerung, die Jemeniten, Bucharen, ja selbst die Chalukajuden fand ich herrlich. Ich habe Juden aller Länder studiert und fand sonst überall auch -stumpfe, geistiguninteressierte, träge dahinlebende Juden in größerer oder geringerer Anzahl. In Palästina hingegen nimmt zeder einzelne lebendigen Anteil an allem. Ich möchte es einfach so ausdrücken: Es gibt unter den palästinensischen Juden keine dummen M e n s ch e n. Nach achtzehn Wochen hingebenden Studiums bin ich zu dieser Ueberzeugung gekommen: Erez Israel fiebert, keucht, schwitzt aus allen Poren, aber es schafft ununterbrochen. Das nationale und kulturelle Eigentum vermehrt sich von Stunde zu Stunde. Ein kleines Beispiel aus dem Alltag: Ich sah in Geschäftsauslagen Kinderspielzeug aufgestellt. Man erkennt an diesen, mit primitivsten Mitteln geschaffenen kleinen Dingen den Geschmack, die Kunst, die Originalität der einfachen jüdischen Menschen, welche sie erzeugten. Alles ist in seiner Art neu und jüdisch und alles zusammen ergibt das Bild dessen, was Felix Salten sehr glücklich im Titel seines Buches in das Wort zusammengesaßt hat: „Neue Menschen auf alter Erde." Alles Neugeschaffene ist hier hoffnungsvoller Anfang und Ausgangspunkt. Ein gepflanzter Baum bedeutet hier so viel, wie anderswo ein ganzer Wald. Ein neugefundenes, geglücktes hebräisches Vokabel hat hier die Bedeutung eines Lexikons, denn dieses Wort ist Samen für die Befruchtung der neuen Sprache des Volkes. In einigen Kolonien arbeiten so viele und so differenzierte Intelligenzler, daß ihre Zahl für zehn kleine Völker hinreichen würde. Ich fragte mich beklommen, ob es einen Sinn hat, daß ein bedeutender Philosoph seine Körperkraft opfert, um ein paar Kühe aufzuziehen, ein Stück Acker zu bestellen, Steine zu brechen. Ich erhielt von allen diesen, welche jetzt nicht mehr dazukommen auch nur Bücher zu lesen, weil sie nach den Mühen des Tages erschöpft sind, diese Antwort: „Jetzt wird der Kampf um die Existenz des Volkes ausgetragen. Da muß jeder Hand anlegen, der die Notwendigkeit dieses Kampfes erkannt hat, auch wenn er Dichter, Gelehrter ist. Das Doitk hat das Recht von uns diese Opfer zu verlangen, bis sich der Apparat vergrößert hat und. wir entbehrlich sind." Eine der Hauptfragen ist es', wie sich die dort geborene neue Generation entwickelt. Ich habe alle Schulen des Landes besucht, habe mit den Kindern über alle Dinge Gespräche geführt. Jene, welche aus den Ländern der Zerstreuung kamen, insbesondere die Pogromkinder, sind schlagfertiger, kasuistischer, die im Lande geborenen hingegen kindlicher, ruhiger. Ihr Geist ist gesünder, harmonischer, er blitzt nicht hysterisch auf. And wie schön ist das jüdische Kind in Erez Israel. Unter der Wirkung der Sonnenstrahlen aus dieser Scholle, ist der schöne jüdische Typus wieder zum Vorschein gekommen. Von dem Sanitätsinstitut Hadassah wurde ziffernmäßig festgestellt, daß nirgends aus der Welt die jüdischen Kinder so gesund sind, wie in Erez Jsrael, selbst nicht in dem gepriesenen Amerika. <Af Monate des Jahres halten sich unsere jüdischen Kinder Palästinas im Freien auf. Jedes Kind hat seinen Baum, sein Beet und gibt wöchentlich seinen Lehrern und Kameraden „Bericht." Im kleinsten Dorf findet nran ein von den Kindern selbst am gelegtes und ständig erweitertes Museum. Beglückt«? für den Besucher das große Verständnis dieser Kinder für die Schönheit des Landes und ihre Liebe zu Erez Israeli Für diese Kinder ist die Bibel ein offene- Buch, hier muß nicht spintisiert und theoretisiert werden« Diesen Kindern ist die Bibel tatsächlich das Buch des Lebens. Ueber die Gerüchte, die in Europa bezüglich der angeblichen, gefährlich angewachsenen Arbeitslosigkeit in Palästina verbreitet war, hat man, als diese Blätter zu uns nach Palästina kamen, gelacht. Sie haben ganz richtig in der „Wiener Morgenzeitung" nachgewiesen, daß die Arbeitslosigkeit, die ja nur in Tol-Awiw bestand, auch in den schwersten Zeiten, an der Arbeitslosigkeit in allen anderen Ländern gemessen, unwesentlich war. Aber ich habe selbst gesehen, wie sie von Tag zu Tag a b g e b a u t wurde, wie jene, welche in Arbeit standen, einen Arbeitstag der Woche öeit Arbeitslosen widmeten und ich sah den Heroismus der Arbeitenden wirken, die auch in schwierigen Zeilen, da nicht jeder aus Arbeit hoffen kann, neue schaffende Kräfte ins Land rufen. Jetzt ist ja, wie Sie wisien, durch die neuen städtebaulichen Arbeiten und Straßenbauten in .Haifa, auf dcu Höhen um Jerusalem und in Tel-Awiw die Arbeitslosigkeit so gut wie behoben. Slmt aber gilt es den Jüdischen Nationalfonds zu stärken, denn es besteht die Möglichkeit, eine halbe Million Dunam Boden als nationalen Besitz neu zu erwerben. Sie werden es begreifen, daß mich nach diesem großen Erlebnis meines Besuches in Erez Israel der brennende Wunsch beseelt, alles, was in meinen Kräften steht, beizutragen, daß das jüdische Volk zur Auslösung des Bodens ausgerufen wird." Radiotelegravhlsche BildSbertragmrgeu Berlin—Wie». Professor Dr. August Karolns Ms Leipzig ist imk mehreren Vertretern der TelofuukeugoselWaft für drahtlose Tele--. graphie m Berlin in Wien emgetroffen, trat hier die Vorarbeiten für r adiot el e;raph isch e Bildübertragungeu «ackdem System T".lefunken,Karolus einzulviten. Die von Tolefunken' in Zusammenarbeit mit dem Erfinder Professor Dr. Karolus a^chaifenen Apparate wurden )uf der Empfangsstation der Radio-Austria-A.-G. auf dem ^aarrbrrg provisorisch eing:- bcm: und eine Reihe von Uebertragungen zwischen dem Sender Königswusterhausen bei Berlin unb der Radiostation Laaerbevg durchgoführt. Die Uebertragungen können, was die Klarheit der Bilder sowie die geradezu v e r h I ü if f e n b e Kürze der Uebertragungszeit betrW als vorzüglich gelangen Mgefchen werden. 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