Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2554 (2.4.1926)
- Date
- 1926-04-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mb, WW» 7cT» _ Wtoi, Metter MokgenzettuM ÖWMP Wien, 2. April. * Das Weiter. Das tvarme Frühlingswetter hat auch fiftexu angehalten. Die Voraussage lautet: Vorwiegend eiter und warm. * Die Lebensmüden. Der 37jährige Gymnasialprofessor 'Dr. Her,nann Gattringer wurde gestern in dem mit Leuchtgas erfüllten Zimmer seiner Wohnung, 7. Bez., Lerchenfelderstraße 17, leblos aufgefunden. Nach den Mitteilungen seiner Angehörigen sind häusliche Zerwürfnisse die Ursache des offenkundigen Selbstmordes. Profeffor Dr. Herma,m Gattringer war klassischer Philologe am Bundesgymnaftum 6 in der Amerlinggasse. — Gestern hat sich die 22iährige Hausgehilfin Mathilde Käferböck aus dem Dachbovenfenster ihres Wohnhauses in die Tiefe gestürzt und blieb mit schweren Klwchenbrüchen tot liegen. Krankheit dürfte die Ursache der Tat gewesen sein. — Gestern vormittags hat sich der arbeitslose 27jähnge Oswald P. in seiner Wohnung aus der Erdbeygerlände durch einen Revolverschuß in den Kopf schwer verletzt. Arbeitslosigkeit ist die Ursache der Tat gewesen. * Eine Entführung. Die 33jährige Ressel Kallend,e Anzeige erstattet, daß der 43jährige weisende Abraham Ta.rnopolski, zu Elisabethgrad geboren, 20. Bez., Karl- Meißl-Straße 3 wohnhaft, seine Frau entführt und sie veranlaßt habe, nach dem Orientvermutlich nach der Türkei, zu reisen, wohin er ihr dann nachzufolgen gedachte. Auf Grund der Anzeige wurde Tarnopolski am 30. Marz verhaftet und dem Landesgerichte eingeliefert. Die Ausforschung der Frau ist eingeleilet. CH«, vermißter Oberbuchhalter. Seit dem 29. Marz ist der 69jährige Oberbuchhalter Rudolf Büchler aus Leopoldsdorf her Wien abganglg. Er ließ dm« Abschiedsbrief Dorf Bet Wien abganglg. Er ließ einen Abschiedsbrief Zurücks und dürfte in seelischer Depression umherirren. Die Angehörigen vermuten, daß er sich ein Leid angetan habe. * Kntrr einen Stadtbahnzug geraten. Gestern ist am Margaretengurtel dre Pfrmrdnerin Therese Ruß beim Ueberaueren der Geleise von einem vorbeifahrenden Stadtbcchnzug der Linie „18-G" erfaßt worden und geriet unter die Sch «tz- X,0 * ung. Sie erlitt erhebliche Verletzungen. Fremdes Verschulden liegt nicht vor. .... * Langfinger auf der Straßenbahn. Am 29. März nachmittags wurde in einem Straßenbahmug der Linie „2" dem Bankvorstand Robert Dannerer, eine silberne Ankerrementolruhr im Werte von 100 Schilling entwendet. Als ^ater wurden der wegen Taschendiebfiahles vorbestrafte ^Oiahrrge postenlose Vertreter Franz Berger und der 28jahrige postenlose Krnooperateur Wilhelm Bernhausen verhaftet. Beide leugnen, den Diebstahl ausgeführt zu hüben, obwohl sie von dem Bestohlenen mit Bestimmtheit agnosziert tourteit. Auch der Pensionist Michael Schöppl, dem am ^o-,,Marz auf der Fahrt rn einem Straßenbahnzua der Linie goldene Uhr samt Kette im Wette von Schilling gestohlen worden ist, erkannte in Bernhausen mrt Bestimmtheit den Dieb. Beide wurden gestern dem Landesgerichte emgenefett. . * Die Kinderretiuugswoche. Das Wiener. Jugendhilfswett wird auch Heuer vom 8. bis 11. d. eine große Sammlung ff* ktcv erholungsbedürftigen Wiener Kinder durchführen, unter dem Vorsitze des Wohlfahrtsreferenten der Gemeinde Wren. des amtsfuhrenden Stadttates Prof. Dr. Tandler, faßt das Wsener Jugendhilfswett. ohne Unterschied der Partisi am Aestvsnnnnprr m r ' - — tliiaibcn Schilling erfordert. Diese ' gewaltige Summe Witt zum größten Teil von den Eltern, oer Gemeinde Wien, den Krankenkassen, den Ellernvereinen und den pttvaten Organisationen aufgebracht. An die Wiener Bevölkerung wird ^^6ende Appell gerichtet, für diesen wohltätigen Zweck reichlich zu spenden. ' * «WO der ZündhAzchenpreise. In den Letzten Tagen waren Gerüchte verbreitet, daß die ZündhShchenPrerse sich ab April um 100 Prozent erhöhen sollten. Die Schachtel sollte von Letzt tt. um sechs Groschen statt nm drei Groschen verkauft werdm. wir erfahren, finden taffächlich Mischen den drei Zünd- HAzchensabnken Oesterreichs Verhandlungen statt, um eine gemeinsame Erhöhung der Preise durchzufühven. Die gogenwartig m Geltung befindlichen Preise bewegen sich seit zwei Jahren um zirka 40 Prozent unter den Gestehungskosten, da die rMrcken aus Konkurrenzrücksichten an den bisherigen Preisen seithalteu mußten. Es soll mm durch eine gemeinsame Erhöhung eine Ang.e.chuna an dm Gestehungskosten herbeigeführt wetten^ dre aber nicht hoher sein Witt, als daß sie einen Verkaufspreis von vier statt drei Groschen rechtfertigen würde. *?ö! Preisausschreiben der Zionistischen Exekutive. Das Thema des Preisausschreibens der Zionistischen Exekutive lautet richtig: „Die Judenfrage und der Zronismu s. Ueber die näheren Bedingungen dieses Preisausschreibens für eine Propagandabroschüre haben.wir eingehend berichtet. Letzter Einsendungstermm ist der 15. Juni 1926. „ * Charles Chaplin ist wieder glücklicher Väter, durch die Geburt eines zweiten Sohnes aus einer zweiten Ehe mit Lila Gr eh. Sein erster Sohn Witt im Juni das erste Lebenslahr vollenden. * *?t so" Walter Fier hat das dmische KneySbuch „Der Wanderer zwischen zwei Wetten" geschrieben. Auch in nationalistischen Kreisen wurde er bisher verehrt. In Violen völkischen, fungdeutschen. m Stahchelmvevsammlungen hat m-rn seine Gedichte zitiert und rezitiert. Das ift nun wohl zu Ende. „Völkische Beobachter" bat eine furchtbare Entdeckung gemacht: „Leider ist es so. Die Mutter von Walt-'r Flex war eme geborene P ol lack, eine Jüdin." Wieder einmal ist also das Sie und innerlichste Deutschtum vassennläßig nicht reinen üts. __ vortrffge. Vereine, Versammlungen. Tempelverein E m e t h W'i ch a l o m Morgen. 4 vbr nachmittaaS, spricht Herr Dr. Chaim Tartakower im Tempelverein Emeth W'schalom. 2. Bez., Große Schiffgasie 24, über die Bedeutung des PaläfttnaaufbaneS. * Schweizer Hotelführer. Soeben erscheint in einer Auslage von 250.000 Exemplaren in fünf Sprachen die Ausgabe 1926. dieses praktischen kleinen Führers. Er enthält in übersichtlicher Atwrdnung die Preisangaben von zirka 1600 Hotels. Pensionen und Kuranstalten der Schweiz, ferner allerlei nützliche Winke, einen Hoteltelegraphenschlüssel für Zlmmerbestellungen, Bäder- und Sportlisten usw. Das hand- Me' Büchlein wird gegen Einsendung des Rückportos auf schriftliche Bestellung gratis versandt. Radioprogramm. . Heute Freitag den 2. April. Infolge des gesetzlichen NvvmatageS entfM W SeudUW. ' W*r HHi für Jttdlsch« BQchor inlcpMiltrt verlangt die kostenlose Zusendung des grossen Bücherkataloges Ein VlerteUahrhundert Jüdischer Literatur 1900—1925 herausgegebtn von dsr R. LOwlt Buchhandlimg I. Rotenturmstr. 22 WIIN se L Ffetoduiutrkt 1 Der Katalog umfasst alle Zweige der jüdischen Literatur in dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts. Dichtung und Wissenschaft, Bibel- und Talmudforschttng, Geschichte und Philosophie, Schriften zur jüdischen Bewegung und die umfangreiche Palästinaliteratur (Geschichte, Geographie, Kolonisationsprobleme und Reisebücher). Durch übersichtliche Gliederung des umfangreichen Materials wird es auch dem Laien ermöglicht, sich über die Literatur auf allen Gebieten jüdischen Schaffens zu orientieren. Ein ausführliches Vorwort beleuchtet die Zusammenhänge zwischen jüdischer Bewegung und jüdischer Literatur m Gratis / Bestellen Sie seffort Austritte aus dem gudeutum. Straus ky Erwin, geb. 8. Februar 1890, Wien, 8.Bez., Schönborngaffe 16. Blau Theodor, geb. 1b. Februar 1891, Verwa ter, 8. Bez., Bmmherztgengasse 8. Blau Adele geb. Mandelbaum, geb. 30. Oktober 189b, Wien, 3. Bez., Barmherzigengasie 3. S z a p i r a Jänfel, geb. 2. Jänner 1895, MIelniea, 3 Bez. Rennweg 94 K o st i a l Ottilie geb./. Winterberg, geb. 11. Mai 1909 Wien. 3. Bez. Löwen.mffe 27. Frankenbusch Gertruds, geb. 12. Dezember 1899, Neubydzow, Comptoiristin, 3. Bez., Rießgasie 3. S ch a p i r a Bella geb. Granierer, geb. 16. Juni 1894, Sadagora, 3. Bez. Rennweg 94-. W e t n d l i n g Benno geb. 20. November 1902, Krakau. Lagerist 3. Be,., Beatrixgaffe 4 a Tborsch Gabriele, geb. 2l. Mat 1906, Mödling, 3. Bez., Mettern'chgasse 4. Ausländer Helene Ilona. geb. 31. Jänner 1901, Budapest. 2. Bez.. .Taborstraße 87/ Weiß Hermann, geb. 17. Juni 1893, Karlstadt- 9. Bez. Berggaffe 17 ..Av ter Maximilian, geb. 13.Oktober 1899. Wien. 14. Bez., Reichsapfelgaffe 28. Werfel Roman, geb. 25. Mai 1906, Lemberg, 19. Bez., Grinzinger Allee 7. N e u m a n n Gertrud, geb. 18. Juli 1904, Mödling, 19. Bez., Langackergasse 7 ». Berger Sieamund, geb. 5. Februar 1690, Lhotka, 8. Bez., Florianigaffe 54. Sichelm an » Mattha. geb 1. November 1901, 2.Bez.. Castellezgaffe22. Ehrenzwetg Robett, geb 22. Mat 1905, Wien, Hochschüler. 9. Bez., Währingergürtel 162. Deutsch Ignaz, geb. 18. Mat 1884. Wien. 2. Bez., BSckltnstraße 80. Z e i S l e r Irma, geb. 29. Dezember 1892. Wien, 2. Bez., Hetnestraße 31. Sonnenschein Marie geb. Rtppel, Wien. BeamtenSgattin, 3. Bez. Hainbnrgerftraße 58. B o d o Tatjana, geb. 27. August 1902,Glamoe, Sarajewo. 19. Bez., Sievringerstraße 186. G o l dg r « b e r Samuel, geb. 27. Dezember 1902, 20. Bez., Klnckygaffe 6. Dr. Sckwarzwald Hermann, geb. Februar 1671, Czernowitz, 8. Bez.. Josesstädterstraße 68. G r o S z m a « n Franz, geb. 20. Jänner 1912 Wien, 10. Bez., Erlachgaffe 181. Goldberger Ilona, geb. 2, Sevtember 1907, RakoS-Szentmibaly, 16. Bez., Salmgaffe 21. F ä r.b e r Abraham geb. 15. Mai 1904, Jaworow. 2. Bez., AuSftellungSsttaße 37. Fritz Gettrnde, geb. 20. März 1920, Wien, 10. Bez..Alxingergaffe 10. F r i tz Aladar. 14. Avril 1894, Raab, 10. Bez., Alxingergassv 10. Kosak Arnold, geb 7. Mai 1876, Wien. 8. Bez.. Pfeilgasse 44. L t s s a u e r Leopoldine gtt. Wölfinger, geb. 4. November 1880. Wien S Bez. Karmelitergaffe 1. Langer Leopold, geb. 26. August 1898. Wien, 16. Bez., Grundsteingaffe 1/3. Mautner Gustav, geb. 21. Dezember 1883. Prag, 3. Bez, Hießstraße 12. Schwarz Nelly geb. Pollak, geb. 1. Februar 1883, Prag, 4. Bez., Wiedener Hauptstraße 15. Schwarz Johanna Magdalena. geb. 2b. Februar 1911, Wien. Mittelschülerin, 4. Bez., Wiedener Hauptstraße 16. T a r j a n Margarete geb. Popper, geb. 4. Mat 1901, ArztenSgatttn, 9. Bez., FreiheitSvlatz 16. Prags n Otto, geb 3. Mär r 1904, Wien, Student. 9. Bez., Sechsschimmelgaffe 16. Engel Richard, geb. 20. Mal, Beamter, 9. Bez.. Thurngaffe 15 A. Dr. Schwarz Heinrich, geb. 19. Juli 1899, Mährtich-Ostrau, 9. Bez. Grünetorgäffe 83. W u r m f e l d Erich, geb. 17. Februar 1905, Tepl tz-Schöna«, Angestellter, 1. Bez., Rotenturmstraße 5. Dr. S ch n e p p Friedttch, geb 19» Februar 1879. Wien. Beer Dtargarete geb Saphir, geb. 8. März 1904. 13. Bez.. Lainzerstraße 74. Ern st Adolf Bernhard, geb. 2. November 1911, Lemberg 12. Bez, Wtttmatiergaffe 10 Dr. G r a n e r Salomo, geb. 17. Dezember 1886, Ltsto. Privatlehrer, 11. Bez., FuchSröhrengaffe 2b. G r a n e r Angyalka Hajnalka, geb. 4.April 1923. Budapest, 11.Bez., Fuchsröbrengaffe25. Graner Erira Ludowika geb. Herrmann, geb. 12. November 1898, Budapest. 11. Bez.. FuchSröhrengaffe 25. P e h r Auguste, geo. 1b. Mai 1890, JattSlau. Privatbeamtin, 6. Bez, Eggerthgoffe 8. Stern Julie verehel. Denes, geb. 28. Juli 1898. Wien, Bad Ischl. K o h n Eduatt, geb. 3. Blärz 1899, Wien, 10. Bez., Quellenstraße 106. I e l l t n e k Hans. geb. 17 Juni 1911 Wien. 20. Bez.. Nordwesthahnstraße 2. H a n d l Rosa geb. Kock. geb. 8. Dezember 1878. Wien, 2. Bez., Taborstraße 27. Weil Alice, geb. 36. September 1906, Wien, 13 Bez.. Feldmüliläaffe 13. Feuerstein Max. g^b. 18. August 1908, Wien, 8. Bez, LÜtvenburggasse % Hüller Ernst, geb. 13. Mai 191t, W en. 18. Bez., Ama ienstraße 14. Raab Franz Josef, geh. 2. November 1874, Pottenstein. 4. Bez, Wiedener Hauvtsttaße 132. Jellinek Moritz geb. 20 September 1^89, Brün». 3V. Bez.. Nordwestbahnho^ Jellinek Rudolftne ged. Grünwald, geb 27. April 1887. Neu ohl. 20. Bez., Nordwestbahnhyf. Gottlieb Maximilian, geb. 19. November 1905/ Storoezynetz. 18. Bez. Hütteldorfersttaße 114. Druck» er G se a geb. Grauer, geb. 27. Dezember 1879. Kozh. 12 Pez., Gaudenzdorfergürtel 41. Pollak Karl Friedrlck), geb. 8. Oktober. IM W ^n. Juvgltbe, 17. Bez., Taubergasse 17. Kunst, Bühne, Buch. KunstuaterriÄt. *ÜOfl WHwlW V^lNV. Im der vottrefflich aeleicheten Berliner Wochen* schttst „Die literarrsche Welt" erscheint in der Ausgabe vom 8. April unter diesem Titel ein Aussatz ^awS (in der Übersetzung von Dievfritt Trebitsch), dem wir die nachstehende Betrachtung entnehmen. . . . Anstatt Sultivierwr MSnmr und Frauen, die von taufend Verfeinerungen gezügelt wetten» die das Häßliche cttstößt, die vor der Gemeinheit erschauern» sich vor der Roheit entsetzen, die der.Liebreiz, den die Knust ihnen enthüllt, in der Kunst sie groß zieht, tief und süß empfmden, sehen wir wahllose Raubgier dem Vergnügen nvchjagen, scheu das Staatmachen mit den tthesten Reizmitteln zu ihrer Besvittiiguing. Wir schreien unablässig nach Reinheit, Schönheit» Tugend und Heiligkeit und sind unfähig, sie zu ettennen Md zu lieben, wenn sie uns erscheinen, daß es gefahrvoller ist, ein großer Prophet ober Dichter zu sein, als zwanzig Gesellschaften zu gründen, die de« Armen ihre Erspomiffe herausschwindeln. Man glaubt »Men Augenblick, daß «nknltiviette Menschen bloß gleichgültig gegen hohe und edle Eigenschaften find. Sie hassen sie mit böswilligem Hasse. Im besten Falle sind solche Eigenschaften wie Mene und herrliche Vögel; wenn ste sich, blicken lassen, nimmt das ganze Land die Mnte von der Wand, doch witt den Vögeln die stanübAdhafte Ehre des Ausgestopftwerdens zuteil. EigenMch rühtt das alles von mcherer Gewohnheit her. den Kindern zu dettieten, uns zu belästigen. Ihr seid so ängstlich um die Moralität eures Sohnes besorgt — denn ihr wißt» wie beschwerlich sie werden Hann — baß ihr ihn der Venus von MÄo ferne haitet und ihn schließlich in den Armen der Schanddirne oder in noch schlechteren Armen antrefft. Ihr beschließt, daß der Hermes des Praxiteles md Wagners Tristan für junge Mädchen unpassend seien. Um eurem etterkichen Schutz Kl entttnmn, hoivatet eure Tochter einen Mann, der Hermes md Tristan erschreckend unähnlich ist. Ihr habt Leine einzige Leidenschaft erstickt, keine einzige Gefahr abgewendet: Ihr habt die Leidenschaften verderbt, indem ihr sie hungern ließet, und alle die Schutzwehren niedergerissen» die ein in der Freiheit abgezogenes Kind so wirffom beschützen. Ihr habt Männer, die Diener der Religion zu sein glauben und offen eingestehen, daß sie sich auf der Straße auf dem Fahttlamm halten müssen, um den Verfluchungen des Bürgersteiges zu entgchen. Sie organisieren 'Jagden auf die Frauen, die ihnen Versuchung find — arme Wesen, die kein KimsÄer ohne Schaudern berühren würde. Sie erheben ein wildes Geschrei nach mehr Kleidung, di« de» Leib vermummen und verbergen soll, wach Abschaffung der Bilder, der Statuen, der Theater «und der hülbschen Farben. Und, so unglaMich dies Ringen mag, diese Narren gehen frei herum. Sie wetten nicht getadelt, sondern sogar verwundert und gechrt, während Künstler um Duldung kämpfen müffen, Jenen ist der nnbeÄeidete menschliche Leib der ungeheuerlichste, gisthauchverbreiterttq, der obszönste und unerträglichste AnMck des Weltalls. Dem KLchLer ist er, im besten Falle, das bewMderu-ngswerteste Schauspiel der Natur, im Durchschnrttsisalle ein Gegenstand der GleichgültWeit. Fiele durch ein Wunder (etwa als Vorspiel zum Letzten Gericht) morgen jedem Bewohner Londons jeder Fetzen Mvidung vom Leibe, ,so würde dies die künstlerischen Menschen wicht ansechterr; mMnstlerische Menschen würden wahnsinnig werten und die Berge anslehen, aus sie herabzufflllen, um sie zu verstecke». Ich vertrete die Ansicht, daß dies eine vollkommen gesunde Geistesverfassung von Seiten der Künstler, eine vvMomme» krankhafte von Seiten der Nichtkünstler bezeugt. Die gesunde Geistesverfassung ist iw einem kalten Lande wie dem nnsrigen — wo durch Bilder und Statuen und cheuträlische Aufführungen die Illusion der natürlichen Hüllenlosigkeit heworgelbvacht und poetisiert Witt — mir durch die Vertrautheit mit dem nackten Körper zu erlangen. Kurz, wir wachsen in eben dem Griade dumm und töricht heran, in dem wir nicht künstlerisch erzogen wetten, und die Tatsache, daß dieser Erömakel der Dummheit und der Narrheit geduldet werden muß, weil er allgemein ist rmd sogar als englisches Chomkteristikum gerühmt Witt, verschlechtert nur noch die Loge. Sie ist gegenwärtig außerordentlich ernst, weil der letzte Sonnenstrahl der Kunst durch das Aushörm d« «Lgiösen Erziehung aus unseren Schulen verbannt wir Paulsenr Abschied vom Mrgchmter. Der ehemalige Direktor des' Burgcheaters und langjährige hervorragende Darsteller dieser Bühne, Max Panlsen, ist nach einer peinlichen Affäre mit dem herttigen Tage in den dauernden Ruhestand getreten. Aus diesem Anlasse übermittelt uns Herr Pmrlsen ein Schreiben, m welchem er für die kritische Förderung seines Wirkens den Dank sagt. Den Jnhokt des Schretbens wiederzugvben, gestattet uns der Schlußsatz nicht. Lr lautet ,Jch bitte zu glauben, daß mein Bttürsms, Ihnen diese Dankworte zu sagen» so stark war, wie es meine Hossuung ist, diese Zeilen »ich: veröffentlicht zu sehend Aber aus dem gar nicht erfreulichen Anlaß der Hoffnnltg Ausdruck zu geben, daß dieser geschätzte Künstler, der Darstellungskunst mit Orgamsationstalent und grüttlicher Bildung vereinig:, recht bald Witter in den Verband des Burgcheaters tritt, kann uns nicht versagt sein. Er steht in der Vollkraft des Schaffens und darf Wien nicht vevloven gehen. Die Abschaffung der Araterrensnr. Im Bundeskanzleramt wurde gestern eme Konfererlz über die Folgen der bekannten Entscheidung des Bersassungsgerichtshofes betrOe-nd die Anshebung de, Theaterzeivsur abgehalten, an der Vertreter des Bundeskanzleramtes, des Ministeriums des Innern und der beteiligten Aemter teilnahmen. BeMllch d« Th>eater-enj«r war hge .AnGwuuyg all-