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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-31 · Heft 2552 (31.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2552 (31.3.1926)
Date
1926-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite-4 Mn. Vlenek MoenenzettuW fe*8 SchnLvofen den admnlLstrvtiven Behörden zu unterstellen. In weiteren Resolutionen erhobt der Verband den schärfsten Protest gegen die versassungswidvige Schikcmierung des Schukw^ens der nationalen Minderheiten. Gang besonders nnrd Verwahrung eingelegt gegen die völlige Ignorierung de« Schulwesens der nationalen Minderheiten bei der Bestmiumng des Budgets des Bildungsministerium. Die Konferenz fordert, daß diesem Schulwesen, ittS unter den schwierigsten wirtschaftlichen Bedingungen aus ebenen Kräften cmfgebaut tvurde, seitens der Regierung wvhDvollen.de Beachtung geschenkt werde sowie daß diesen das Oeffentlichkoitsrecht und die entsprechende finanzielle Unterstützung gewährt werde. Die Konferenz verwahrt sich ferner gegen die A n «w e nd«ng des Numerus clausus an den höheren Lehranstalten und öffentlichen Aemtern rn bezug auf die jüdischen Bürger. Schließlich wendet sich di« Konferenz gegen di« Reduktion des Bildungsdudgets und dve HevabmindermH der Gehälter für düe Lehrer. Se>. Farbftein — PrSfident der Warschauer Wischen Gemeinde. Warschau, 30. März. In der letzten Sitzung des Kultusvorstandes wurden von verschiedenen Seiten Berhandlugen eingeleitet, um im Kompromißwege in einer all« im Vorstand vertretenen Parteien, insbesondere aber die Z i o n i st e n und A g u d i st e n befriedigenden Weife die Wahl des Präsidiums durchzuführen. Die Verhandlungen, die bis nach Mitternacht dauerten, bleiben erfolg- I08. Die Agudisten beriefen sich darauf, daß in der vor acht Tagen stattgehabten und ergebnislos verlaufenen Sitzung der Kandidat der Agudah die gleiche Stimmenanzahl erhalten hatte wie der Kandidat der Zionisten. Sie verlangten, daß diesmal die Wahl des Präsidenten durch das Los zwischen den beiden Kandidat« bestimmt werden möge. Die Zionisten hingegen forderten eine neue Wahl. Die Anhänger der Agudah, die sich um diese Zeit in der Minderehit befanden, verließen den Sitzungssaal und sandten einen schriftlichen Protest gegen die Vornahme der Wahl, die sie von Vorneherein für ugültig erklären. Bei der hierauf trotzdem vorgenommenen .Wahl wurde Sejmdeputierter F a r b st e i n zum Präsidenten «rd Moses Feldstein zum Vizepräsidenten der Warschauer jüdischen Gemeinde gewählt. Präsident F a r b st e i n übernahm sofort den Vorsitz und die anwesenden Kultusvorsteher traten. in die Beratung mehrerer schon in der nächsten Zeit in Angriff nehmender Verwaltungsmaßnahmen ein. Am krez Fsrael. Der Jahresumsatz des „Mafchblr". Laut dem Rechenschaftsbeicht'der -Konsumgenossenschast Maschbir betrug der Umsatz für das Jahr 5685 179.243 Pfund gegenüber 131.434 Pfund im Jahre 5664. Bevgrötzerung der Zemontwevkstatt Nnrnlith. Die Leitung des Solvl Boneh hat beschlossen, ihre Werkstätten für Herstellung von Zementsteinen, Ncunlith, zu der-" großem. Zwecks Erwerbs neuer Maschinen hat sich dieser Tage Herr Jefchochua Satoloavskh ins Ausland begeben. entzifferbar. (Dieser Name sollte nach Grimme auch aus der.Hockerstatue, jetzt in Kairo, rechts seitwärts stehen. Rabb. Dr. I. Zoller, Triest, dessen Schrift über die Bedeutung des Sinaialphabets bahnbrechend ist, teilt mir mit, baß er mit Förderung der italienischen Regierung die Skulptur im Museum zu Kairo überprüft hat. Zollers Lesung ist wesentlich anders. Die Resultatebefinden sich bereits im Druck. Daß damals gerade - die Pharaonin Hjatschepsut herrschte, ist in der Moses-Geschichte nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Denn die Kindheit des Moses, seine Verfolgung, seine Aussetzung im Nil im Schilfkästchen, ist eben das jüdische Pessachwunder, das zur Befreiung des Volkes führt. Die-Mutter des MoseS Jochobed, „die Ehre Gottes", hat die Befreiung ausgeführt. Sie vertraut das Kind dem Nil an, die Schwester Mirjam, die jüdische Frau, nimmt das Kind wieder an sich und bringt es der Mutter zurück. Der Beginn des Pessachwunders ist ins Wert gesetzt. Ein Volk, das sich befreit, auch wenn ein königlicher Mwptivsohn unter ihm wäre. Das Pesfachwunder findet m folgender Wesse statt. Der Gott „Ewigseiend" entscheidet zwischen dem Herrenvolle und dem Sklavenvolke. Er hat das Schicksal der Menschheit vom Uransange so eingerichtet» denn alles Leben ist nur Erprobung. Er hat die Götter Aegyptens schalten und walten lassen, aber nun wird er mit denselben Gericht abhalten, auch mit Pharao und dem Lande Mizraim. Er nimmt sich gerade der Geknechteten, Bedrückten und Armen an. Er ist der Gott der Wüstensöhne. Die Bedeutung der zehn Plagen kann nur aus dem Gedanken der Weltzerstörung, die das Land Mizraim treffen würde, falls sie das Bott Jisrael nicht leben lassen wolle, erklärt werden. Die erste, neunte und zehnte Plage strafen daher mit der Entziehung de- Lebensnotwendigen. Die Verwandlung des Nilwaflers in Blut; Entziehung der Sonne und des Lichtes, Entziehung der Fortpflanzung. Die anderen Plagen sind Landplagen von ähnlicher, nur nicht so weittragender Bedeutung, aber jede einzelne auf bestimmte Lebenslagen hinweisend./Als besonderes Wunder erschien die Austrocknung des Meeresstrandezur Zeit des Auszuges. Jisrael weiht von nun ab seine Erstgeborenen, übt die BelckueiüuW. opfert das Tagesbericht. Sie Prager Wische« Studenten im Kampfe. Den Besuch rumänischer Hnkenkreuzler km Gludentenhaus. — Eine antisemitische Provokation und ihre Folgen. — Der Direktor des Gtudeirtenhauses für den Numerus claukus im Studentenhause. (Ligendienst der „Mener Modenzeitung") Prag, 29. März. In den Prager jüdischen Studentenkvessen herrscht jetzt tiefe Erregung. Ihre Ursache sind die Vorfälle, die sich am 26. März im hiesigen Studentenhaus abgespielt haben. Dieses Studenterchaus ist von der American Murg Mens Christians Association errichtet, die trotz ihres exklusiven Namens von amerikanisch-jüdischen Philanthropen sehr stark unterstützt wird und die auch, was rühmerd hervorgchoben werden soll, ihre Institutionen allen Nationen und Konfessionen in gleichem Maße zuteil werden läßt. Das Haus stellt einen Studentcnkiub mit Mensa, Lesehalle, Studiersaal nßv. dar und ist der Sammelpunkt der Hörerschaft. Die Mitgliedschaft rekmckert sich auch aus einer größeren Zahl von Juden aus der Tschechoslowakei sowie aus aller Herren Länder; ganz besonders stark sind natürlich die Staaten mit offenem und verdecktem Numerus clausus, wie Ungarn, Rumänien, Polen, vertreten. Diese jüdischen Studenten haben bisher in voller EimnirtiKeit mit allen anderen Nationen (Tschechen, Russen, Ukrainern, Deutschen) gelebt. Aber es bedurfte nur eines geringen Anlasses, um zu zeigen, wie die Feindschaft gegen den jüdischen Studenten auch in solchen Staaten zu finden ist, deren Bchördm, wie zum Beispiel in der Tschechoslowakei, mit seltener Gastsreundschast dom jüdischen Studenten entgegenkcmmen. Anlaß zu den Ereignissen bot der Besuch des Studentenhauses durch etwa dreißig rumänische Studenten, Mitglieder des rumänischen Medizinerverems in Klausenburg, die zur Besichtigung der tschechoslowakischen medizinischen.Institute hier wellten. Einige Vertreter dieses durch seine pogromi stische Tätigkeit berüchtigten Vereines hatten es hiebei für notwendig befunden, auch in Prag Wahrzeichen ihrer Gesinnung zu tragen und erschienen im Studentenhaus mit antisemitischen und saszistischen Abzeichen geschmückt. Es darf nicht wundernehmen, daß der Besuch dieser Leute vielen liberal gesinnten Studenten als eine Provokation erschien und daß ganz spontan einige hundert Mitglieder des Studentenhauses sich schnell versammelt hatten und diese „Gäste" mit Pfeifen urck» Johlen empfingen, ohne natürlich irgendwie handgreiflich zu werden. Die Bache nahm'jedoch ein schlimmes Erttw. Der Direktor des Studentenhauses, ein junger Ingenieur, ließ Polizei holen, die boiCb Hn starkem Aufgebot erschien, die Studenten, die in ihrem eigenen Klub weilten, cmseinandertrieb und hiebei zdvei Verhaftungen vornahm. Nun kommt das Interessanteste. Der Direktor, der hier endlich eine Gelegenheit fand, seinen antisemitischen Gefühlen freien Lauf zu lassen, war gleich darauf bedacht, einen Prügelknaben zu finden und schob den ganzen Vorfall den Juden in die Schuhe. Er ließ sich den jüdischen Studenten gegenüber öffentlich zu folgenden Aeußerungen hin- Pessachlamm, vermeidet die Gärung des Brotes, feiert das Fest stehenden Fußes, gegürtet, mit dem Stab in der Hand (in ältester Zeit), als Fest der Befreiung ans Knechtchaft und Bitternis, als Fest der Ueberlieferung — Hagadah — an Minder uttb Kindeskinder. „Du ollst's deinen Kindern Mitteilen" „Wenn dich dein Sohn fragen wird." Das Pessachwunder bezieht sich auf die ganze Menschheit. Israel ist nur der Betraute Gottes. Der Bund am Berge Sinai ist an Bedingungen geknüpft. Die Verleihung des Landes Kanaan ist an ganz bestimmte Gesetze zebunden. Der Kampf gegen Aegypten konnte nur glücken nrrch das große Ziel, das das Volk sich gesetzt, ebenso die Erwerbung der Heimat. Die ganze Menschheit ist Zeuge )er Begebenheit, denn Gott rettet sein Volk Israel mtt tarier Hand und mit ausgestrecktem Arme, in dauernder Rettung, bis dieselbe vollendet ist. Gott bezeugt die Führung der Menschheit und Israels mit dem Woltenhimmel des Tages, dessen Wolkensäule das Firmament trägt, und mit der Feuersäule des Nachthimmels. JHWH liebt alle Völker, und die Propheten lehren, daß er auch Mizraim liebt. Das Pessachwunder ist mit dem Schicksal des jüdischen Volkes innig verbunden, es ist die bedeutendste Tatsache seiner Bolkswerdung. Der Vater Moses, „Amram". „das große Volk", ist ein Nachfolger des ersten Stammvaters „Ab-ram", von dem es in der Bibel heißt, er sei „Vater des großen Volkes", „Vater von viel Bott". Die semitischen „Amu", tvas „Völker" bedeutet, waren viel verzweigt. Die Hebräer der Sinaihalbinsel haben dann nach Erringung der Selbständigkeit und Einwanderung in Kanaan durch Sprache, Ueberlieferung und Bundeslade wirklich ein großes Volk eigener Zielsetzung gestaltet, alle hebräischen Stämme Kangans und des Ostwrdanlandes zum Volke Israel vereinigt. Das Pessachwunder blieb die Bestimmung des jütischen Volkes. Noch in der Zeit der Römerherrschaft sst Israel das messianifche Lamm Gottes, das zur Erlösung Menschheit bereit ist. Die Kabbala verheißt auch die!>tückkehr der Glorie Gottes Nach Erez Jisrael, wenn Jisrael zu seiner Ausgabe zurückkehrt und ein wahres Volk Gottes wird. _A. Mv; IM Kr. SM - Swoboda~Sdiuhe fertig und nach Mag I., Singerstrafje 5 .L, Bauernmarkt reißen: »Ihr geht mir schon bis z«m Hals hinauf, ich habe euch ebenso gern wie diese (ffic rumänischen Studenten), wir werden euch alle hi nan swcrse n!" u. dgl. Den Motten ließ er iüe Tat folgen und schloß grundlos am selben Tage fünf Juden ans, die er alz ideelle Fichrer der Mischen StU'dentenschast kannte. Sein Borgeihen ermunterte die Judenhasser und eine heftige Pressekampagne gegen die Msschvumänischen Studenten setzte ein. Die Mische Studentenschaft ergriff sofort Gegenmaß r e g e l n. Am 27. März fand eine Versammlung der jüdischen Mitgliedschaft im Studentenhause statt, zu der die Juden vollzählig erschienen waren. Die etwa 350 Köpfe zählende Versammlung beschloß, die Leitung ultimativ — mit drei Tagen befristet —- anfzusordern, die ausgeschlosseneu Mitglieder wieder aufzunehmen und den Direktor sowie die übrigen Angestellten zu einer Zurücknahme ihrer antisemitischen Aeußerungen zu veranlassen. Um diesen Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen, wurde beschlossen, diejenigen Institutionen, deren Benützung -dem Studentenhaufe Getvinn bringt, wie Mensa, Spielsalon rchv., nicht zu benützen. Dieser Boykott ist bis nun mit seltener EinmütigDert durchgeführt worden. Der Direktor beantwortete dies jedoch damit, daß er die Ueb erbringet: der Resolutionen wiederum ausschloß. Dieses Vorgehen hat nun den Unwillen der jüdischen Studentenschaft bis zur Erbitterung gesteigert. Soweit wäre die Sache noch eine interne Angelegenheit des .Studentenhauses gewesen. Dadurch aber, daß der Direktor gestern erklärt hat, er werde einen Numerus clausus für die Aufnahme jüdischer Mitglieder einführen und bereits Listen der jüdischen Mitglieder besonders anfertigen ließ, hat die Sache ein öffentliches Interesse gewonnen. Denn es kann der- Oeffentlichkeit nicht gleichgültig sein, wie in einer Institution, die aus allgemeinen Mitteln für das Gemeinwohl geschaffen wurde, gewirtschaftet wird. Die jüdische Studentenschaft will sich nun noch an das Kuratorium, das aus Mitgliedern der Prager Gesellschaft besteht, und in dessen Hände die Gründerin des Studentenhauj.'s die Verwaltung gelegt hat, wenden. Sollte ihr hier nicht Gerechtigkeit widerfahren, so würde sie allerdings gcgwungen sein, die-Angelege nheit vor die amerikanische Oe fse n tl i chk ei t, der das Studentenhaus seine Gründung verdankt, za bringen. Die ganze Angelegenheit hat m allen Prager jüdischen Kreisen gwßes Aussehen hervorgevufen. Es wird dem Ansgang dieser Affäre mit teilnehmendem Interesse mchgegengesehen. ___ zwanzig Jahre „Selbstwehr". Die „Selb st wehr", das tapfere Organ der Zionisten in der Ts chechoslowakei ist zwanzig Jahre alt geworden und begeht diesen Geburtstag, dem noch recht viele folgen mögen, mit der Herausgabe einer imposanten Festnummer. Ihr Inhalt ist, wie sich dies von selbst versteht, zunächst retrospektiv und läßt die Tage, in denen dieses Blatt geschaffen wurde, anschaulich vor dem Leser erstehen. Der weitere Teil ist den im Judentum uttb feiner aktiven Kraftzentrale, dem Zionismus, wirkenden Problemen gewidmet. Alle Beiträge erweisen, Wie viel große Arbeit geleistet wurde und noch zu leisten sst, um das Werk der Austlärung des Judentums, die ErMuny der jüdsschen Menschen mit dem kämpfenden und schaffensfrohen zionistischen Geist weilerzuführen. Wir grüßen unser Prager Bruderblatt an fernem festlichen Tage und danken ihrn für das, was es schon getan, hat. Der Name „Selbstwchr", den ein langst vergessener, schlichter, jüdischer Reisender — Ludwig P r o p p e r hat!ber Brave geheißen und er ist im Krieg in Wien verstorben — als erster vorgeschlagen hat, war vor zwanzig Jahren ein Programm, die kiirzeste Fassung einer Idee. Das Blatt sst in diesem Programm mit uns allen voygeschritten und es sst im Judentum heimisch geworden. Rellgionsftalikik am Rußland. Ans Riga wird uns gemeldet: Die Sowjetpvesse veröffentlicht enre interessante StaLiistik über die religiösen Organisationen in Rußland, die zvfoilye des Dekrets über die Teilung der Kirche vom Staat gebildet wurden. Nach dieser Statistik bestehen gegenwättig in Rußland 88.696 religiöse Organisationen. Hievon entfallen aus die Orthodoxen 80 Prozenit, Katholiken 6 Prozent, Juden 3 Prozent, DtohLmmntxmer 6 Prozent, Mgläubiye 5 Prozent. Kunftgewerbemeffe in Fnmtsurt am Main. Anläßlich der diesjährigen Frühjahrsmesse in Frankfurt an* Main (11. bis 14. April) findet eine groß angelegte Kunstgewerbei'djau statt, für die im In- und Ausland lebhaftes Interesse oor- 1 ließt. Die teilnehmenden Finnen werden iu LandeSgvchPen zuammengefaßt fein, wodurch auch für die einzelnen sine wesentliche Verbilligung der Standmiete erzielt wird. Anmeldungen zu dieser Kunstgewerbemesse nimmt das Handelsmuep» in Wien, 9. Bez., Kerggasse 16, entgegen. 1

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