Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2552 (31.3.1926)
- Date
- 1926-03-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 2682 Wien, Mittwoch Ae Fölscher beginne« r« reden. Nwdosfy fo-gt gegen Teleki aus. (Ergendienst der „Wiener Morgenzcitung") Budapest, 30. März. In der Frankenfälschungsaffäre ist eine Wendung eingetreten, durch die der gewesene Ministerpräsident Graf Paul Teleki schwer kompromittiert erscheint. Auf Verlangen der französischen Emissäre wurde gestern abends Nadossy einem neuerlichen Verhör unterworfen. Nadossy beantwortete bereitwillig alle Fragen der Franzosen und erklärte, daß er von der Fälschungsaktion nur in großen Zügen gewußt habe, von den Einzelheiten der technischen Durchführung jedoch nicht infornüert war. Die Franzosen fragten Nadossy, wie er sich zu der Behauptung des Grafen Teleki verhalte, wonach Teleki sich bemüht hätte, Nadossy von der Teilnahme an der JÄlschungsaktion ahzubringen. Nadossy erwiderte, er erinnere sich absolut nicht, daß Gras Teleki ihn jemals beeinflußt hätte, die Fälschungsaktion zu verhindern. Auf Grund der gestrigen Aussage Nadossys beantragten die Franzosen eine neuerliche Einvernahme des Grasen Teleki. Der gewesene Ministerpräsident erschien heute auf der Oberstadthauptmannschaft, wo er im Beisein der Franzosen drei Stunden lang verhört tvurde. Teleki wurde aufgefordert, nochmals eine zusammenhängende Darstellung seiner Rolle in der Affäre zu geben. Teleki erzählte numehr, daß ihn Prinz Windischgratz im Jahre 1922 in Begleitung des Prof. Meszaros aufgesucht, und ihm mitgeteilt habe, daß er französische Banknoten zu fälschen beabsichtige und diesbezüglich in Verhandlungen mit dem Berliner Photo chenriker Artur Schultze getreten sei. Teleki erwiderte dem Prinzen, daß auch er geneigt sei, einen Sachverständigen aus dem Notendruckfach beizustellen. Teleki beauftragte seinen Untergebenen, den technischen Rat am kartographischen Institut, Major Gerö, ein Expose über die kommerzielle und technische Seite der geplanten Fälschungsaktion auszuarbeiten. Gero verfaßte ein solches Expose und legte es dem Grafen Teleki vor. Dieses Expose des Majors Gerö kam zum Schluß, daß Artur Schultze zur Durchführung der Banknotenfälschungen ungeeignet sei. Dieses Gutachten Gerös, gab Teleki an, hätte ihn beruhigt, weil er daraus ersah, daß die Frankensälschungen mit den dem Prinzen Windischgrätz bis dahin zu Gebote steherrden Mitteln nicht durchgeführt werden könnten. Major Gerö teilte ihm, Teleki, jedoch vertraulich mit, daß die Fälschungen mit Hilfe des Budapester kartographischen Instituts mit weit mehr Aussicht auf Erfolg durchfüh-vbar feien. Teleki forderte Gerö auf, mit Windischgrätz jeden Verkehr abzubrechen. Ueberdies setzte sich Teleki mit dem Landespolizeichef Nadossy ins Einvernehmen und bat ihn, die Plane des Prinzen Windischgratz zu vereiteln. Wiener Morgeirzettima 7* V Leichte Ermüdbarkeit der Kopfes, vorzeitige Erlahmung der Spannkraft u. dergl. deutet auf schwache Nerven (Neurasthenie). Wer seine Nerven mit Sanatogen kräftigt, wird nickt nur des Tages Mühe leichter überwinden, sondern nach beendeter Arbeit auch noch Kraft zu frohem Genuß haben. l Ißj ist Nervennahrung, kein Reizmittel! In mehr als 24.000 schriftlichen Gutachten namhafter Aerzte wird seine Zuverlässigkeit und nachhaltige Wirkung. bezeugt. So schreibt Herr Sanitätsrat Dr. med. Eckstein in Leipzig: „Seit Jahren habe ich Sanatogen in meiner Praxis verordnet und habe besonders in der Rekonvaleszenz , nach schweren Krankbeiten und in Fällen von Blutarmut und geistiger Ermüdung und Abspannung sehr gute Resultate gesehen. Es ist ein Nervenkräftigungsmittel allerersten Ranges, das durch kein anderes Präparat ersetzt wird." Jeder kann sofort einen Versuch mit Sanatogen machen, da es schon in Packungen von 8 2.65 an in allen Apotheken und Drogerien zu haben ist. 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Der Auszug aus Aegypten zählt zu den wichtigsten Ereignissen der Urzeit des hebräischen Volkes. Die Klärung seiner historischen und religiösen Bedeutung ist vielumstritten. Ein Teil der Kritik bestritt sogar den Aufenthalt der Hebräer in Aegypten überhaupt, weil bisher die Nachweise fehlten, und weil das Wunder eine so große Rolle spielt. Noch vor einigen Jahrzehnten beschränkte sich die These der Wissenschaft darauf, eine semitische Siedlung im Nildelta nachzulveiseu, und daraus den Auszug der Hebräer aus Aegypten abzuleiten. (Ebers.) Die Entdeckung der althebräischen Sinaiinschriften einerseits, religionsgeschichtliche Forschung andererseits wird unser Wissen heute auf ungeahnte Weise vervollkommnen. Die erste Entzifferung der Sinaiinschristen, die von Prof. Grimme, Münster, stammt, konnte noch nicht an den Originalen vorgenommen werden, da die Skulpturen in Kairo, London und Brüssel vom Forscher nicht besichtigt wurden, die größeren Tafelinschristen von den. ersten Entdeckern an der Fundstätte wieder vergraben wurden, offenbar aus Furcht vor Störung des Abtransportes. Jedenfalls ist Grimme die Entzifferung des ältesten Alphabets der Welt, das noch Bildzeichen enthält, in einer Weise gelungen, die zur Lesung einzelner Worte führt, und in die Gesamtheit der vorliegenden Inschriften einen vernünftigen Sinn bringt. Schon vorher war den: Engländer Gordiner 1915-16 die Feststellung von 15 Buchstaben, denk Juden Eisler die Entzifferung einiger wichtiger Worte und Bedeutungen gelungen. Aus den Inschriften geht unzweifelhaft hervor, daß eine hebräische Völkerschaft zwischen 2000 bis 1500 vor d. g. Zr. die Sinaihälbinsel bewohnte. Dieses Völkchen muß lange Zeit unabhängig gewesen sein und Aegypten wiederholt bedroht haben. Es ist auch zweifellos, daß die ältesten semitischen Wanderschichten einst die Sinai-Halbinsel passiert und in Aegypten selbst seßhaft wurden, wobei sie im Laufe der Jahrtausende ihre semitische Herkmjt vergaßen. Mer die Ortsnamen des alten Aegypten, ein senlitischer Einschlag in der altägyptrschen Sprache, insbesondere die Mythologie der Aeghpter geben noch von den Verhältnissen der ältesten Zeit Kunde. Es ist kern Zweifel, daß die ägyptischen Götter Set, Isis, Osiris, Horns und viele andere allesamt Semiten sind. Set, nach der Bibel Ersatzsohn Adam und Evas nach Tötung des Abel und Vertreibung des Kain, ist schon im fünften Jahrtausenden Aegypten zur Gottheit geworden. Noch in frühere Zeit reicht also die Einwanderung der sechitischen (nomadischen) Völkerschichte zurück, da die Gottwerdung Seths erst eine Zentralisierung der Ahnenverehrung bedeutet. Die Mythologie berichtet nun noch ganz deutlich, wie Osiris, der mit dem hebräischen Stamme Aßer, mit dem mesopotamischen Aßur, mit dem indischen Asura identisch ist, aus dem nördlichen Kanaan nach Aegypten kommt und mit Set in Kampf gerät. Das Leid des Kampfes trägt der entmannte Osiris (Ascher) und seine Frau, „die Frau", Isis, die mit Jschah-Eva, der Frau des Adam-Mannes identisch ist. Schließlich gelingt es, Horus, das Kind, zu retten. Damit ist schon im vierten Jahrtausend v. d. g. Zr. der Zustand in Aegypten als Vergottungszustand des Horitervolkes erreicht, der im Lande Kanaan und in den Nachbarländern durch das U rvolk der Horiter gegeben ist. Somit löst sich die ägyptische Mythologie als das Schicksal des ägyptischen Volkes in der Urzeit. Hier wurde nur der unmittelbare Zusammenhang mit den Semiten behandelt. Schon ein südäghptisches Brüdermärchen gibt die ganze Situation treffend wieder. Es ist das Märchen vom großen und vom kleinen Bruder. Der große Bruder ist Herr des Hauses, Besitzer der Frau, der kleine Bruder leistet ihm Arbeit. Die Frau des großen Bruders WM den kleinen Bruder verführen, der standhält. Das gleiche wird von Potiphar und Joses berichtet. Im ägyptischen Brüdermärchen muß der kleine Bruder fliehen. Er flieht weit nach Norden, jenseits der Asiatenmauer des Nildeltas, jenseits der Krokodilseen. Er ist eben der später emgewanderte Semite. Gerade der südäghptische Ursprung der Geschichte, an der Grenze des semitischen Aechiopien, und die weite Rückwanderung des kleinen Bruders bis in den Osten des Nildeltas, bewahrt alte Erinnerung des Problems. Auch von Moses berichtet eine Sage, daß er gegen Aethiopien gekämpft Hab e. ^. Mry 1926_mit» Windischgrätz habe ihn an diesem Abend vollständig i» die Frankenassäre eingeweiht und ihm auch eine Reihe von Persönlichkeiten, die in die Affäre verwickelt seien, genannt. Dem Grafen Sigray zufolge hätte Windischgrätz erklärt, daß auch der Minister des Innern Rakovszky von de« Fälschungen gewußt habe. Die französischen Emisiäre werden nun die Einver» nähme Sigrays in ihrer Gegenwart verlangen. Bethlen »I» Mitglied einer Schelmorganisalion. „Esti Kurir" veröffentlicht heute neue Enthüllungen über die geheimen Organisationen; diesmal über den „Etelköz-Verband". Der Verband wurde im Jahre 1920 gegründet und besteht aus nur sieben Mitgliedern, die durchwegs führende Politiker sein müssen. Das eingestandene Ziel des Verbandes ist dem Lande geeignete Ministerpräsidenten zu liefem, die den nationalen Zielen des Verbandes genehm sind. Die „Eksz" begann dementsprechend ihre Tätigkeit damit, daß durch ihren Eifluß der Ministerpräsident Simonyi-Semadam im Jahre 1920 gestürzt wurde, weil er dem Verband nicht angehörte. An seine Stelle wurde Graf Paul Teleki gesetzt, der spater durch den Grafen Bethlen abgelöst wurde, die beide Mitglieder des „Etelköz-Verbandes" sind. Nach den Statuten des Verbandes muß jedes Mitglied, sobald es in die Regierung eintritt, vorübergehend aus dem Verbände ausscheiden. Wenn Graf Bethlen, meinte der Gewährsmann des „Esti Knrir" auch diesen ober st en Geheimverband äuslösen will, so müßte Bethlen die „Eksz" zunächst ersuchen, daß er seines Eides auf die Statuten des Verbandes enthoben wird. Me lithographischen Sterne in Mtdapest an-- gefertigt? Budapest, 30. Mürz. Die „Münchner Post" berichtete, die zur Frankensälschung verwendeten lithographischen Steine seien nicht in Ungarn, sondern in Deutschland angefertigt worden, wo mit HHe dieser Steine falsche Tausendsrankennoten hergestellt wurden, die jedoch in Deutschland nicht in Verkehr gebracht werden konnten, tveil die Polizei rechtzeitig da zw i sche nge tre t eu sei. Daraufhin seien diese Steine nach Ungarn gebracht worden. Sie seien mit den Steinen, die vor einigen Tagen der Budapest«: Polizei emgeliesert wurden, identisch. Die Budapester Polizei 'hat diesbezüglich AuMmngen von der ' Münchener Polizei verlangt. ,' __ ' Die gahreskonfereuz der Mischer Mittelfchullchrer in Polen. ' (Ergendienst der Wiener Morgenzcitung".) Warschau, 30. März. Die hier tagende Jähreswivferenz der Delegierten des Verbandes der Lehrer an den Mischen Mittelschulen faßte nach eingehender Debatte mehrere Beschlüsse zum Schutze der Schulen der nationalen Minderheit e n. In der ersten Resolution protestiert'dev Verband Men die Bemühungen der reaktionären Parteien^ Die hebräische Auszugsgeschichte soll das Gewissen' der Menschheit für das Problem Abel und Kain, Israel mtd Mizraim wachrütteln. Schon in der Urzeit mußte Kain flüchten, auch Set kann nicht im Garten Eden an der Ostsette leben und durchwandert den Westen, Syrier^ Kanaan, Aegypten bis Aethiopien. Die nachwanderndeu Geschlechter finden das Fruchtland meist schon besetzt, die Wüstensöhne haben scheinbar ein stiefmütterlich bedachtes Schicksal. Es ist aber Schuld der eigenen Brüder, wenn Josef nach Aegypten verkauft wird. Das Sinaivolk und die Semiten des Nildeltas konnten in der Hyksoszeit noch eine eigene Herrschaft rm südlichen Kanaan und in Nordägypten ausrichten, aber der Zusammenhang lockerte'sich, das Hhksosreich verschwindet, und damit geraten Nildelta und ein Tess der Sinaihalbiusel endgültig unter ägyptische Fronherrschaft. Im Nildelta wird Frousklaverei zu Bauten nsw. eingeführt, im Südwesten der Sinaihälbinsel wird das Sinaivolk gezwungen, in Bergwerken für Aegypten Türkis, Kupfer, Malachit zu graben. Der hebräische Bäu- und * Minenarbeiter ist entstanden. An der Spitze der Minenarbetter aus der Sinaihälbinsel steht der Rabban Abbanim, der Oberste der Steinarbeitet, was ans den Sinaiinschriften zu entnehmen ist. Die Bibel berichtet, daß die hebräischen Fronarbeit«: unter eigenen Aussehern und fremden Aufsehern standen, und daß im eigenen Lager die Demoralisierung der > Knechtschaft herrschte. Der in einer Sinaiinschrist vorkommende hebräische Rabban Abbanim errichtet einer äM»- trschen Pharaonin eine Inschrift. Er dankt ihr dort für eine Rangerhöhung, sozusagen für eine Versetzung ans dem Nildelta in die Sinaihalbinsel, daß sie ihn ,/ms dem Strome des Tributes herausgezogen habe." (Verbesserte Lesung Daniel Böllers. Amsterdam, gegen Grimme.) Der - überschwängliche Ausdruck ist der Pharaonin gegenüber begreiflich. Mit der Moses-Geschichte hat der Jnschristinhalt nur sehr entfernt zu tun» nämlich im sprachlich«!, Ausdruck, falls derselbe durch das Original bestätigt! werden sollte, da die Errettung aus dem NAande damals! jedem Hebräer der Sinaihälbinsel und des Nildeltas aW Hoffnung vorschwebte. Der Rabban Abbanim P noch , lange kein Moses. Moses ist der aktive Held dev Befreiung. Der Name. Menafcheh, falls dort geschrieben, wäre, ganz gut möglich,, ist aber noch nW gal» ~rr faaiirfirrrr