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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-30 · Heft 2551 (30.3.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2551 (30.3.1926)
Date
1926-03-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-.K«s> .E'?ÄS^< Rr. 2551 Wien, DienSiag Wiener Morgen-ettiing_30. Marz IM_ Seite S Vas SemmeringSchachturnier. DVe letzte Runde tvir-d erst heute gespielt. Semmering, 89. März. Am heutigen Bormittag wurde -UnLchst di« Hängepartie Tartarower gegen Aljechin, die gestern nicht beendet werden konnte, zu Ende gespielt. Noch wenigen Zügen gab Tartakower auf. Durch diese Hängepartie wurde der Beginn des heutigen Turniers ve«8gert, so daß als Spielzeit nur nwhr vier Stunden zur Verfügung standen. Andererseits wurden nicht all« Partien der letzten Runde auSgetragen» da man Aljechiu, der nunmehr neben Spielmann an der Spitze steht, Gelegenheit geben wollte, sich auSzuruhen. Aljechin steht vor dem entscheidenden Spiel. Gewinnt er morgen gegen S p i e! m a n n — die letzte Partie, di« er zu fpielim hat —, so geht er als Sieger aus dein Turnier howor. Heute gewann Janowski gegen Dp. Michel. Die Partie Niemzow lisch gegen Dr. Bajda sicht N'emzowitsch im Vorteil. Tartakower erlangt« in selmr Partie gegen G i l g, die ebenfalls noch nicht beendet ist, ein Plus. Die Partie T r e y L a U-St moch ist desgleichen hängend geworden. Davidson undVidmar gelangten in eine Endspielstellung, di« zugunsten Vidmars auSfallen dürfte. Auch in der enMch^spandschen Eröffnung Uates—Tarrasch kam es zum Abbruch. Hier steht das Spiel günstiger für Dr. Tarrasch. Ein Damengambit RuEinsteius wurde von Grünfeld akzeptiert, der jedoch in Nachteil kam und die Partie kaum halten dürfte. Wegen seiner Erkrankung konnte Reti lieute nicht spielen, sondern wird erst morgen die Partie gegen N o s e l l i nachtragen. 44 Lage gehungert! Der gelungene Weltrekord des Hungerkünstlers Jolly. Aus Berltn wird gemeldet: Der .HungMimstler Jolly hat einen neuen Weltrekord im Hungern ausgestellt. Er hat heute nach 44stündtgem H u u g e r u seinen Glaskasten verlassen und damit den Rekoch des Italieners Mnlatti geschlagen, der 43 Tage und 14 Stunden hungerte. Jolly hat in den 14 Tagen 29 Pfund an Körpergewicht verloren. Während er in den ersten Tagen täglich etwa IVO Zigaretten rauchte, verrauchte er in den letzten dre. Tagen nur noch zehn Zigaretten pro Tag und auch die Wssigkeitsaufnahnw war auf eine Flasche Selterswasser täglich herabgesetzt. Die Oeffnung des Glaskastens fand in Anwesenheit von Aerzten statt, die den HungeMMer eingehend untersuchten. Darauf erhielt er eine Tasse Fleischbrühe, etwas Schokolade und etwas später noch einige leicht verdauliche Speisen. Nach vollendeter Hungerkur wog Jolly 94 Pfund. An Eintrittsgeldern hat Jolly von Schaulustigen 178,000 Mar« eingenommen, wovon chm etwa 185.000 Mark verbleiben, da die Stadt Berlin 40.000 Mark Lustbarkeitssteuer in Abzug gebracht hatte. Jolly will im kommender; Sommer sämtliche HungeMnstler der Welt zu einem Wetthungern nach New-doä Einladen. 48 Sfer in 41 Minuten mtfoeaeffen. Die sonderbar« Wette eines amerikanisch«« Studenten. Aus New-Kork wird berichtet: An derHarward-Unl« derfität im Staate Massachusetts wettete ein Student namens Tvaeh An soll mit mehreren Kollegen mn ein« hohe Summe, daß er imstande sei, 4 8 gekochte Eier innerhalb 45 Minuten zu verzehren. Die sonderbare Wette wurde vor einer Zuschauermenge von Hunderten Untversstätshörern im Restaurant der Harward-UnlivevsM »uSgetrsgen. Ansell gewann di« Wette, indem er die ersten SS Eier in der Rekordzeit von 15 Minuten verschlang, während er für da» restliche Dutzend SS Minuten brauchte. Der Gosamtrekord des Studenten war demnach: 4L kernwöiche Eier in 41 Minuten. 8« Svlel rrhiingt. Tödlich« Unfall «in«S Knaben. Wie aus Preßburg gemeldet wird, ereignet« sich in PüSpöti heim Spiel zweier Knaben ein tödliches Unglück. Der löjähvige Bauernsohn Peter Tvth wollte seinem Spielgefährten, einem fünfjährigen Jungen, -eigen, wie sich große Leute zu erhängen pflegen. Er stieg <mf einen Stuhl, legte sich eine Schlinge, die er am Fenstevkreuz befestigt hatte, u.m den Hals und sprang von dem Stuhl herab, so daß er in der Luft baumelte. Der klein« Junge, der auch das verzweifelt« Zappeln der hängenden Knaben als Spiel auffaßte, rief erst dann um Hilfe, als der Körper der Toten sich nicht mehr bewegte. Als die Angehörigen der beiden Kinder herboieilten, fanden sie sie Peter Toth schon als Leiche vor._ Ser Stüftling bereitet seinen Einzug vor. Für das kommende bietet das Warenhaus Brüder Schiffmann, 3. mez., Taborstraße 46. eine außerordentliche Okkasion in Stoffen, Seide und Waschwaren jeder Art zu äußerst billigen Borsaisonpreisen. Nachstehend einige Beispiele ans der Preisliste: Taft fleure für Kleider in allen Modefarben per Meter 8.50 S. » * Popeline doppeltbreit alle Modefarben . Crrve de Chine doppeltbreit alle Modefarben , Kleidervoile ....... la Seidensilke gemustert für Futter Wollmaroeain v M. 2.50 S., Setoenmarocain Modr-Dopprl.Storeö -.. 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Apr l 1936, .am enten Male ßdnkroti ferner relchbalt der, amüsanter Soloteil Das Familienbuch für Pessach CHAD GADJA Das Pessachbuch herausgegeben von HUGO HERMANN Dat mit sehr schönen Holzschnitten geschmückte Buch enthält Beitrlge erster jüdischer Dichter und Schriftsteller, wie B i a 1 i Je, Heine, P e r e *, Buber, 8. Ben-Zion, Zlocistl Pessüch in Jerusalem und im Jemen / im Kaukasus und in Russland / Das Pessachfest der Samaritaner / Die Feier in Rechoboth / erstehen vor uns in lebendiger Darstellung Ein jüdisches Geschenkbuch Durch Buchhandlung R. Löwit, Wien, L Rotenturmstrafie 22 fleischmarkt l Nein Streik beim Wiener Konsumverein. Die Direktion des Ersten Wiener Konsumvereins hatte gestern wegen dsr Forderungen der Angestellten mit den Vertretern de- Personals und des Freien Gewerkschaftsverbandes Verhandlungen geführt, die bis 1 Uhr mittags dauerten und zu Vereinbarungen führten, die vom Personal angenommen wurden. Damit erscheint di« Gefahr eines Streiks beim Konsumverein beseitigt. ' Wien. 30. März. * Das Wetter. Gestern herrschte wieder warmes Friih.''inqSwetter. Die Voraussage lautet: Vormittags wahrscheinlich noch heiter, nachmittags mcht mehr sicher, da Kälterückfall in Aussicht. * Todessturz beim Fensterputzen. Gestern vormittags ist im Lause 16. Bez.. Degengasse 60, di« Hausbesorgerin Joseifine Berger, eine 80jährige Frau, beim Fensterputzen aus dem zweiten Stock in die Tiefe gestürzt und blieb mit schweren Knochenbrüchen leblos liegen. * Wieder ein Soldatenselbstmord. Samstag abends hat sich der 96jährige Alpenjäger Max Nöst in einem Mannschafts- »immer oer Dominikanerkaserne in Graz mit einem Revolver durch einen Schuß in daS Herz entleibt. Ursache dürfte Furch, vor Strafe sein, die ihm wegen einer SnihordinationL- Verletzung bevorstand. * Fäkalabfuhr von der Rax. Das von der Gemeinde Wien MN Schutze der Hochquellerrleitung eingesetzte Komitee hat den Vorschlag der Raxbahnnnternchmung, die Absallstoffe einem biologischen Reinigungsverfahren zu unterziehen, abgelchnt und besteht dargirf, doch die Fäkalieir aus der Kopfstation in entsprechend ausgestatreten Wagen der Rqxbahn ins Ta.' befördert werden müssen. * Gültigkeit der Lisenbahmmsweise auf der Zillertalbchn. Rach einer Mitteilung der Generatdirektioi« der Oesterreichischen ButMSbahnen berechtigen die mit der GültigkeitSlnarke für daß Jchr 1926 versehenen Ausweise für Bundesangestellte des Dienst» und d«S Ruhestandes auch auf der Strecke ^enbach—'Mavr» Hofen der Z i l l e r t a l b a h n zur Iuaniprnchnahme des halben Fahrpreises: besondere AuStveise oder Beiblätter für die Zillertalochn lverden daher nicht ausgegeben. Feierlicher Teder»Abend im Koscherreslaurant National, 3. Vez., Taborstraße 18. Wi« alljährlich, niwen auch Heuer zu den Pessach-Feiertagen in Spritzers Restaurant feierliche Seder- Abende statt. DaS Rituale besorgt der beliebte Vbevkantor Jakob Wahrmann. L'..'rzügliche Speisen und Geiränke. Das Seder- Aben-d-Meu!' l ungem^u r^'.chhalkig mo koste: inklusive Wein, Vorspeisen, ^wei Fl-eischspeffeu (Geflügel) und Mchlspeise nur 6 KMing, NnMdunM täglich, (Titz, SL^SLÜ Für rn «mät“. Durch die so lange andauernde wtrtlschaMche Kekse befinden sich die Spetschallen und die MttMandMchen der Einheit in größter Bedrängnis, so daß sie dem Zusammenbruche nahe sind. Es handelt sich jetzt um daS Bestehen oder Aushören der Einheit, diestr Schöpfung, die seit 19 Jahren eine Stütze der Armen und Minderbemittelten war, die in diesem Zeitraum Millionen Menschen, darunter hunderttausend« unentgeltlich, ausgespeist hat Die alljährlichen großen Pcssachaktionen der Einheit jvgren eine allseits anerkannt« Leistung. Es würde eine Anstalt aushören, die sich jederzeit und ülberall #wt Perfügumt gestellt hat und stellt, wo rituelle Kost benötigt wich, so wenn Bemiwen oder pudere öffentliche Stellen für Juden Koscherkoft verlangen. Angesichts der katastrophalen Bedrängnis der Einheit wenden wir uns aN alle, die jüdisch empfinden und durch den Zusammenbruch einer den Armen gewidmeten jüdischen Institution tief berührt wären, mit der Bitte, daß sie unß mithekfen, die Einheit zu erhalten. Der Vorstand der Einheit: Bernhard Hofibaner, Obmann: Max Hofhauer, Kassapmvrlter; Dir- Dr. G. Krenberger, SckriWhker; Moritz Felsen bürg, IMtann-Stellvertreter: Adolf Fischer, Oeko- Der verein Seudat tzlabat. dessen Aufgabe es feit Jahren ist, jüdischen Notbedürftigen AMatmvhlzeiten unentgeltlich zu verabreichen, konnte dank der aufopfernden Arbeit seines Vorstandes und unter humaner Mitwirkung jWischer Wohltäter, seine Tätigkeit seit anfangs 1025 weiter ausdehnen, so daß btt Verein jetzt alltäglich 160 Wische Arme auSspeist. Der Verein hat feine, diesjährige Pessachaktion mit großer Aktivität begonnen und wird in Yen acht Pessachtaaen zirka 160 hungernde durchreisende Emigranten und viele Wiener Ritim unentgeltlich zweimal täglich ausspeisen. Der Vorstand des Vereines erlaubt sich hiemit, die geehrten Gönner und Spender zu den reichlich servierten Sederabenden, welche im eigenen, prachtvollen Vereinslokal, 8. Vez., MalMsse 8, um halb 8 Uhr abends stattfinden, höfiichst «inzuladen. _ RadioprogrmnM. Heute Dienstag den 30. März. 11 Uhr: DorMittngSmM. ~ 16 Ui)t Iki Mn: Na "m'iraa8ko»zert. Mttwir'eno. Kouzert- Mngertn Natal e Freundlich. Strauß r Wein, Weib und Gelang, Walzer. Schubert'. Rosamunde. Ouvertüre; Gosseei Gavot für Violius. Didlar Kubestt-Serenader Pouchlelli' La Gioeonda, Phantasie. Steinschneider r Palle Touring. Vincke t GS war ein Traum. Linhemann r Pretiolen, Potpourri, — 17 Ubr 50 Min. t Stunde der Frau. F'eckenputzkur». Fachlehrer Eduard Kopf. 18 Utzr 85 Min. r Goetbe» Lebenswei-Leit. Universitäts- Professor Dr. Arnold. 1, Faust. -- 10 Uhr 10 Mtn.r En "lisch» kur». — 80 Uhr 15 Min > Orchesterkonzert de» Wiener Sumphonieorchefter».' W. A. Mozart: Ouvertüre zn ^Figaro» Hochzeit". W. A Mozart r Sympboi«. ks-vur- Max Reger: Variationen über ein Thema von Mozart Richard Wognsr: Siegftied-Zdyll. Richard Wagner: ' Ouvertüre p „Sam* häu i«". M, Bühne. Buch. .Sie lebende Maske." Deutsches vollscheat«. Ms Pi ran Helle während seiner anstrentzeniden dm-tschen Tournee iiltewiewt wurde, ^woran arbeiten Sie jetzig gab er zur Antwort: „An fünf Stücken." Er zählte sie auf. Der Jntervim>er, der zaMt beigeKgt hatte, er nchme nicht an. daß dom Divcktor, Spielleiter, Stnidienrefsenlden Zeit zum Dichten bleibe, war höchlichst erfreut, ftmem Platte gleich die Namen von fünf im Entstehen begriffenen Pirandello-Sdücken mitteiilen zu können. ES ist zu befürchten, daß die fünf Mchzettitz schichteten Dramen wWfähr so ausschen werden wie diese „Lchende Mske". Es war einmal ein stalianischer Edelmann, der sich onif fco* Arrangement barocker Feste verstand. Einst ver-anstEete er einen prunkvollen Masken-u«, und seine Freunde und Mistr, darunter die Dam« seines Herzens, stellten sich in stilechten Kostümen historischer Persönlichkeiten dem jubelnden Volke vor. Er Mst, der Edelmann, gab Heinrich den Vierten, der nach, Canossa ging. Plötzlich stürzte er vom Roß, zog sich eine GchivnveÄetzung zu und lebte fortab in dem Wchne, tatsächlich Heinrich der Vierte zu sein. Ein Nebenbuhler hatte den Sturz verursacht. Der Vdelmann kann daück seines Reichstnms in seinem Wahn belassen werden, dazu noch unter durchaus «mnchncharen Umständen. Man läßt ihn Haushalten, wie wÄcmd Heinrich der Vierte es tat, ein Troß von HöflinHen umgibt ihn und er bars in WnWcher Pracht und Herrlichkeit närrisch sein. Ist es aber zu jener Zeit nicht mchr, da ihn die Gelichte von einst mit dem Freunde von jetzt und mit , einem Irrenarzt besucht. Allen, die kamen, mn ihn einer Freudschen Kur zu untrrzichen, spielt er den Verrückten weiter vor. Ein Weilchen, dann läßt er die RarrenmaAe fallen, sein« Gäste werden kreidebleich wie das Königspaar bei Hamlets verflucht zutreffenden Anspielungen und dem Nebenbuhler von damals fährt Plötzlich — nachdem er ihm tüchtig die Leviten gelesen ein Dolch zwischen dir Rippen. Jetzt muß er für Lebensdauer wahnsinnig bleiben. Kolportage mit braver Kenntnis der Historie garniert und mit etwas Philosophie von Sei« und Schein bezuckert. Alexander Moisfi hat seine Rolle, Komödie zu spielen und über der Komödie zu stehen, als Opfer dsr Gesellschaft sein Schicksal zu tragen und mit den Figuren der Gesellschaft nach Lust zu schieben, die Märtyrerttone auf dem Haupt, heldenhaft getragenes Leid in' der Kcmtilene — das trifft er. Man könnte die Rolle des Narren, der sie waiterfpielt, wen« der Geist schon genasen ist, auch von anderen Ende packen. Es liehe sich in den Szenen der gemimten Narrheit zeigen, daß in seinem Wchnfirm Mechode liegt. Moisfi verzichtet darauf und gibt diestm Pirandello bloß, was ihm gebührt: dem Sketch die Bravour! Die anderen rund um ihn hoben bloß das Stichwort zu bringen. Sie tim es mit Anstand, die Herren Homma und Sch mied er überdies mit Humor. Der junge, frische Herr Parhla nimmt eine taugliche Gelegerchest wahr, Moiffi prachtvoll zu imitieren. ES gab einen Jeparotapplaus. Aber es meldete sich auch die Erwägung, ob die Moissi-Weis' nicht Schablone gotvovden ist, da sie sich so tresflüh jtbemthmW W. Vst« Sfttlftt, , A02A

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