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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-30 · Heft 2551 (30.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2551 (30.3.1926)
Date
1926-03-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wfc r M«n. $Wiü«9 Wiener Morgen,leliunn Dos erfle Grab. Bon Leon Kellner. ' ivmide fitr den ntf(rn<^1 tfixiintffcf>e11 Bauer). Di-asts VIcO imr, twe sich dort noch jeder erj„nenn tarnt, uvfprüuiglich eilt richtiggehender nichtjüdischer Gasseichaater, der später ein „Ge?' »vurde tack» Mn Audeirtsnn übertvat. Solche Metcmiovpho-sen vollqiehen sich im Osten schr hwl-fvg. Melodien von der ilichtftibvschen UnvtvM entreißen sich plötzlich ihrem Milieu, verlassen aavf ein« Weile Wald mvd Flur und Vre ganze unsilbische Atmosphäre, um einen kleinen Au-kfing nach der jüdischen Gosse zu machen. Bald aber finden sie au ihrer neue« Umgebung großen Gefallen. Sie lassen sich dann dauernd dort nieder, um dort das Leben eines zweiten, jüdischen „Ich" zu sichren. DaS Sederlied „Ki lv noch", das jetzt in fast jedem! jüdi-- schen Haus in Wolhynien gesungen wird, war vor noch gar nicht langer Zeit ein Gassenhauer, den tnan Tag und Nacht in den umliegenden Bauerndülfevn Höven konnte. Plötzlich, man wußte nicht wie und wo, kam er wie durch die öwft inS fildische Städtchen, packte dort den Ddischen Scingvr, den ^Menagein". Ten ernsten jüdischen Gouifzer, das Mische „Oh »md Weh", Keß uran in chm Mitschwingen, und umgawaudeili stand er da, weich, mild und zart. Der ^Fonje-Nigmi" bckkam «cf seinem derben „Muschi-ta-Gvsicht einen schönen wallenden Bavt und lockige „Pejes". „gudentraqe und Zionkom«».* Das Preisausschreiben der Zionistischen Exekutiv«. Die Exekutive der ZianWchen WeUvrgcmtfabivn setzt, wie «schon Em$ berichtet, gtvei Preise «vS für die besten Pvopa* yandaschrrften über das Dhsma: ^Jude »frage «wd Irowismns.^ Die Preise betragen: 1. Preis 50 englische Pstend, der 8. Preis 30 englische Pfund. Die Brvischüre soll die Idee d«S Zivn'iA.maS, akS Antwort auf die Judenfrag«, folwie die bisherige Leistung des Zionismus in knapper und entzfacher Form, ober doch m gchaltvoller und möglichst origmailer Weis« darstellen. Mir die Beurteilung des Wortes der Broschüre kommt, abgesehen von Form und Inhalt, auch ihr« Verwendbarkeit in mehreren Sprachen in Betracht. Das Mannslkript kann in hebräischor, jiddischer, engöicher, deutscher oder fryntzösischer Sprache abgofa ßt sein. Der Umsang der Bvoschüve darf vier Druckbogen oder 20L0V Worte nicht rchvrsteigen. Letzter Termin «für AWchewng des Dtannffriptes ist der 16. Juni 1926. Das Manuskript ist, mit einem Konnwort versehen an die Adresse: Zsimisi Organisation, Orgamifafion Department, 77, Great Rusiell Sttvvt, London W. C. 1, gbgusenden. Der Name des Autors ist in einem Vevschloss^ «ei Umschlag, der mit hem gleichen Kennwort, zu versehen fft wie dys Mannst xilpt, beiyusAgem Die Erebutive der Zion-isdijschen WMorMn erwirbt an den preisgekrönten Schriften das volle Verlagsrecht, einschließlich des Rechtes der UebewsetzMvg m andere Sprachen. Die EMltive bchälit sich das Recht 'vor, nicht preisgokrüme Schvis-ten gegen ein Houyvar von 10 Pfund Kt «* weriben. Zu Pveisvichtavn wurden bestellt die Herr«» Dr. Botztoch Fetwel, Lean Simon und Dr. Osias Tho«. Die ExÄntive der Zionistischen OrMvjstttiou. „Anscheinend aus einer Famisie," bemerkt Jgal, vielleicht sogar Kinder der gleichen Mutter. Nur hohen sie sich verschieden assimiliert. Eitler ist' auf einem Zweige gesessen — wurde er tiefgiün, der andere zwischen Geröll, wurde er dunkelgrau; so erkennen sie setzt einander nicht mehr, springen und stürzen sich auseinander mit wilden Grimassen. Jgal und Else gehen zurück den Hügel §mn Feigenbaum. Der Baum noch gänzlich kahl, kaum die ersten Knospen bemerkbar. Monate werden vergehen, ehe die Blätter und Feigen auswachsen werden. Jgal erzählt, welche peinliche Mühe jüdische Menschen in allen Zeiten mit dieser Frucht hatten. Pflücken darf man sie nicht, denn wenn man eine Feige abreißt, schießt Milch entweder aus der Frucht oder aus dem Stamme: Milchtränen, vergossen um jede zur Unzeit gebrochene Frucht. Ist die Frucht reif, darf man sie wieder nicht pflücken, sondern nur mit den Fingern nehmen — sie löst sich von selbst vom Baume und bleibt in der Hand. Und keinen einzigen Tag zuviel darf die Feige auf dem Baume bleiben. Ueberreife Früchte — „Mustafoth", wie sie genannt werden — bekommen rasch Würmer. Jüdische Menschen folgten der Natur nn Verhalten zu ihren Pflanzungen wie im sonstigen Leben. Täglich kletterten sie aus die Bäunre und iammelten die reifen Früchte Else stimmt den Worten zu, meint jedoch, daß Kletertn gar keine schwere Arbeit sei. nur ein Vergnügen, eine Art Sport. Sie wird übermütig, steigt auf den Baum, spring: von einem Zweig zum zweiten, bis ganz hinauf. Jgal steht zitternd und bittet sie ängstlich herabzukommen. Nachgebend springt sie zu ihm herunter, er fängt sie und drückt sie ans Herz. Es dauert nur eine Sekunde, wie ein Zittern, wie ein elektrischer Funke. Bald werden sie beide ernst, gehen schweigend heimwärts, zum Frühstück. Jgal durchfährt der Gedanke: er ist Zelt, sich auf den Weg zu machen. Nach dem Frühstück verabschiedet sich Jgal von den Alten und von Elfe; er geht zum Gedud, ntorgen fährt er nach Ejn-Charod. „Leb' wohl," sagt Else rührend, ,^laß' mir deine Adresse zurück!" (Ans dem Jüdischen übertragen von T. SR.) Der KvokvdiMnß, der südlich vom Sichrmilbevg von 66 Quellen gsspeist U>h1b, und auch im heißesten Sommer kein merkliches Sinken seines Wasserspiegels zeigt, war bis vor wenigen Jahren der Fluch der ganzen Umgebung. Wahl bewässert er in seinem Olerlaiüf die schwarze Erde zur Linien a nd versorgt Mensch um«d Bich in den sieben regenloisen Som- Nwrmonaten mit seinem reichlichen Naß; aber die Sanddimen in der Nähe des Meeres vermocht« er nicht zu durchbrechen, breitete sich kilbinoteritveit als Sumpf au.s wich verpestete das Land. Jeder Bmsnch, das svuchtbare Land links vom Krokodilfinß zu besiedeln, scheitert« daran, daß di« Kolonisten an der Malaria zugrunde gingen. Bor zwei Jahren rückte man endlich Mbewußt dem uralten Sumpf nrit seinem indnrchdringlichen Dickicht an den Leib; heute ist das Ungetüm besiegt. Die Hsfürchtede Kaibara ist ein prächtiges Ackerland von 600 Hektar; in der allernächsten Zeit wird hier einte Kolonie von 60 Siedlern entstehen. Der Feind, die berüchtigte Mücke Anopheles, die in der Kaibara ihre Brutstätte besaß, ist geischlagen, aber noch mt Sterben heischte er seine Opfer. Bor kurzem ist einer der bravsten Kolonisten an Schüvarzwasserfteber erkraM und fand seine BeerdiWlnrg statt. Im aller Else such die Kolonisten von den Feldern zu einer Sitzung bernfen tvo-rden: es galt, aus der Stelle einen Ort für einen Friedhof zu bestimmten. An alle möglichen Dinge hatten die jungen Siedler gedacht, m.«r nicht an den Tod. Ohne di« übliche Debatte ward Be>schlnß gefaßt und nmr tragen sie in der MittagSgilnt das erste Opfer hügeftm durch den tiesen roten Sand. Oberhalb der CutkcrlYPtus- Pflanzung, rechts von den albten Sykomoren, wivd von schwieligen Händen das erste Gvaib geschauifelt. Ein Fveumd des Verstorbenen spricht einen kuyzen schlichten Nachruf, der Schwiegervater, eftl hagerer Mann mit zeuM.stem grauem Bart, mit tiefen Furchen im ttün-eMberstvömten Antlitz, spricht das Totengeibeit — die Kameraden kehren zu ihrer Feldarbeit zurück, aber sie halben trotz aller Eile nicht vergessen, das erste Grab vor der Eirtweihumg durch Schakale zu schützen. Jeder Siedler hat einen scharfen Pfahl mitgebracht und ihn tief in die Erde gerammt. Diese vortlansige Giüfriedung nmß genügen. „Was wird aus der Witwe?" frage ich aus dem Heimwege. „Das wird morgen Samstag in der Vollsitzung beraien", au-twovtst mein Nachbar. Nicht ein Mann fehlte in der Sitzung. Den einstimmig gefaßten Beschluß überbracht« der Bürgermeisteir der amnen Frau, die chr vier Monate altes Kind an der Brust hatte: die Pacht ihres Mannes wird aus sie übertragen und man wird dafür sorgen, daß ihr Vater mit Hilfe eignes Knechtes das Anwesen versorgt, Da man aber mitten in der Saatzeit ist, {b worden sechs Siedler, die ausgelost wurden, ihre Felder bestellen. Drei Tage später traf ich einen dieser sechs. Er fuhr gerade aus fein JÄld. ' „Wie steht e| ipm die Aecker der Witwe?" ifvagte ich. „Die sind b-ts ans tzas fetzte Stückchen bestellt; jetzt kommen nufere Felder damn," _ Beifis Memoiren. In New-Pock sind jetzt die Memoiren Mendel Beilis rmter dem Titel ^D-ie Geschichte meiner Leiden" erschienen. Dl-se Ausgabe bezweckt eine materielle Sicherung siir Mendel Beisis, dessen wirtschaftliche Lage m den letzten Jchren sich arg verschlimmert hat. In seinen Memoiren schildert Beilis m>it besonderer Genauigkeit die Geschichte der Untersuchung sowie des Pwzesses und liefexi eine ausgezeichnete Charakteristik der Harrptsiguren seines Prozesses. Die gesamte jüdische Press« Amerikas widmet Beilis Memoiren große Besprechungen «nd fordert die jüdische OeffenÄlchkeit aus, Peitts ein nchlges und sorgenloses Dasein zu sichern. Sie Leiche vor der Tür. Eine Ritnalmordgeschichte ans Radom. Aus Radom in Polen wi«d uns geschrieben: Zwei Christen haben hier versucht, eine Ritualmordgeschichte zu inszenieren. Sie kamen zum Hans eines jüdischen Bäckers und legten vor seine Tür in einem Sack ein totes Kind. Mücklichmveise wurde dies sofort bemerkt und die beiden der Polizei übergeben. Durch diesen Zufall wurde die Inszenierung einer Ritualmordgeschichce vechindert. Rülvehr eines Pogrombandenföhrers «ach »«bland. Ans Riga wird uns gemeldet: Die Sowjeiveglerung hat dem bekannten Pogro-mbaudensührer M o r d a I e w i c z die Sllückkehr nach Rußland gestattet. Mordaleivicz hat in der traurigen Pogromäva eine größere Anzahl Judeunietzeleien in mchreren podolischen Städtchen veranstaltet. Sin neuer vberrabbiner in Siienftadt. Aus Eisenstadt (Burgenland) wird uns gemeldet: Letzten Sonntag hielt der neubestellte Oberrabbinrr der Gemeinde Unterberg-Eisenstadt, Karl Klein, als Nachfolger seines im Jahre 1919 nach Berlin berufenen BniderS Dr. Klein seinen seierlichtn Einzug in die genannte Gemeinde. Zur Begrüßung hatten sich der Bezirkshauptmmm Dr. Karecker in Vertretung des Landeshauptmannes, Vertreter der Genteiuden Eiseustadt, Oberberg-Eisenstadt und Untevberg-Eiseustadt sowie der Behörden, Aemter und Schulen eingesundeu. Auch nahnien viele Glaubensgenossen aus anderen umliegenden Kultnsgemeinden, wie Wie n, Deutschkreutz. Orden bürg, Wiener-Neustadl Ov. an der Begrüßung teil. An der Türe ves Ternpels begrüßte Emil Spitzer als Borstcher der Kultusgemeinde den neuen Seelenhirten. Anläßlich des Empfanges und der Einsetzung in das Ät 191y unbesetzte?lmt hatte die Gemeinde Unterberg-Eisenstadt beflaggt. St7. IWN's tT^T Tff. 8?IW Ser «vmauieriiche Frühli««. Die Flnlen schlaMN, d«r Venz ist da! Am 8«Dag S-amstag mußte man seinen Wmterrock noch tüchtig zpßnöpfen, aber Sonn tag, wohl über Nacht, ist der Lenz, wenn auch m»t einiger Verspätung, Plötzlich, tvenn rnan >das Paradoxon gebrauchen darf, ,che-rein'geschneit" gekonlmen. Alles strömte, wie befreit aufatniend, in die frei« diatnr. Die weniger poetisch und romantisch Angchanchten zogen in Hellen Scharen ans die Hohe Warte. Im Kaffcchaus oder in der Wohnung mochte es an dem wirklich erster, Frühlingstage niemanden leiden. Wenn ma«t die Straßenbahn und Stadtbahn, die denn Massenanstuvm nicht gewachsen waren (auch die Wirte uub Cafeticrs in den AnKflttgSorten wurden von der plötzlichen Kon>jnnktur »wllig überrascht), imnnr wieder neue Menschenmassen nach Hütteldovf, Grinzing, Sievering, Nnßdors und wie di« herrlichen Ausflugsorte alle heißen ruögen, besörtdern sah, sy nrußle man daran zu zweifeln beginnen, daß Wien nur ztvei Millionen Einwohner hat. Da die Tage «och sehr krrrz und die Abeivde kühl sind, fanden sich die meisten Leute nach Einbruch der Dunkelheit in irgend eineni stickigen Kaffeehaus, das durch seine Kontrasttvirkung erst so recht klar werden ließ» was es heißt „Frühlmg in Men". Neben mir in eimar Loge (Verliebte fitze« nie aus gpay gewöhnlichen Kasseehausstssoln) ein jurrges Paar. Einige Sätze ihres Gespräches dringen an mein Ohr. Sie ungefähr Zwanzig, ein hübsches Ding, niodernor Mädchen tMlS, daS kurzgeschm-ttene Haar hinter die Ohren gckämmt (dies sicht verrucht aus, ist eaber nicht, weil es schon zu viele vom Schlage der „Garconne" gibt), auf den Wangen und Lippen Rmige Mandarin«, in den Ohren Füicfkilogranmchanteln, ein« schlanke, sehnige Gestalt, wie man sie in Modejournalen sicht. Er ungesähr sünsim^vaftzigjährig, hornbebrillt, mit etwas eingefallenen, blaßen Wangen^, Satdokontist (vielleicht schon abgebaut) oder Student der Philosophie. Sie, ich glaube ihren Nanten Mia gehört zu habeit (1913 hätte sie Mtzzi gcheitzeu und wäre ein süßes Mädel gewesen), verlangte von ihrem „Frodl" Papier und Bleistift, m\ ihr Toilettebudget für das Frühjahr aufzn,stellen. Ein Mantel 170 Schilling, ein 5kleid 1i0 Schilling, ein Hui 30 Schilling, ein Paar Spangen-- schrche 33 Schiing, drei Paar fleischfarbene Strjintpfe (natürlich nur Nor) 10 Schilling, Handschuhe 7 Schilling und noch einige Kleinigkeiten tvuvden zu einer langeu Zahleukoloune gereiht. Er saß währenddem schweigend n-ben ihr und sah ans seine« Wmterrock, der jetzt bald ins Versatzamt wird wandem müssen^ um für den Erlös einen Ueberzieher auf Raten, sprich „O'steß'n", zu erstehen. Dann hört man noch April-, Maigehalt, fällige Raten. Sie reichte ihnr den Zettel und er prüfte jche Post, addiert und sagt dann: „Stimmt. Es fchlen noch 300 Schilling." ,M» werde ich die hernehmen?" fragt sie ihn. Er bleibt, wie vieles andere, auch die Antwort schuldig und denkt wvhrscheinLich an scineq- Sommermantel. . . Der Frühling Hai sie beide überrascht. Erst ließ er km0®' nichts von sich hören, so daß man vergessen hattemit ihm M rechrre«, dann fiel er plötzlich, ohne anzuklopseu, mit der Tür iarS Haus. Der Frühling ist ein mmmnierlicher Geselle. Gr hätte dochweuigstens anklopfen sollen, danrit um« während des .Hersm» sagens seine Kleider ein wenig hätte zurechtznpfen können. ,», Robert Gchr^i«e. „Andenken" vo» der Eisenbahn. Der cklie Witz von dem Jungen, der erzählte, sein Baser hMi ihm von der Badereise eine schöne Taste mit der Inschrift ^öohw> Hof Eger" uutgebvacht, hat — wie alle guten Witze — eine siefeve Wahrheit. Denn es gibt bekanntlich eine Menge Leute, die sich auf billige Art „Reiseandenken" verschaffen. Besonders in den ersten Jahren nach dem Kriege ließ man alles, was nicht lttet- und nagelfest war, mitgchen, und auf den Eisenbahnen wurden nicht nur die Fensterrieruen abgeschnitten. sondern sogar die Borhäng» heruntergerissen und das Leder aus den Polstern herausgenomm«^ Das ist jetzt besser geworden, denn eS sichen schr strenge' Strafen ans solche Nichtachtung des Bahneigentums. Aber noch immer kommt vieles weg, und in anderen Ländern ist das noch schlimmer. Ganz erstaunliche Dinge über die Diebstähle auf der Eisenbahn erzählt ein englischer Eiseubahnbcamier von de» dortigen Bahnen. „Me hoch di« Kosten find, die die Gesellschaft «rfbringe« muß, um jedes Jahr zu ersetzen, was die Reisenden mitnchmen, läßt sich nicht angebm," schreibt er. „Aber die Summ« gcht i» viele tausend Pfund, und das einzige, waS nicht gestohlen wird, sind die Lokomotiven und die Waggon-. Wenn ich ein« neue Wasserkarasse mit Tablett und Gläser« in die Toilette stelle, dann bin ich überaus erstaunt, wenn st« nach zwei Tagm noch da ist. Ebenso ist es mit Matten. Neulich schnitt jemand die Verordnungen der Gesellschaft, di« an der Wand jedes Wagens hängen, aus dem Rahmen und nahm diesen mit sich. Wer immer die Löschapparate und Feuereimer mit sich nimmt, läßt sich nicht feststellvn, aber die Amte müssen wohl Verwendung dafür haben. Di« Polster, die in der t, Klasse das Sitzen angenehmer machen, verschwinden auch immer. Sie werden wohl ganz sicher unter einem großm Mantel herausgetragen. Seit di« Fensterriemen so gemacht sind, daß sie sich nicht mchr zum Schärfen der Rasiermesser eignen, ist vs etwas besser getvorden, aber ich glaube, die Leute, di« sie ttotzdem mitnehmm, flicken damit ihre Schuhe. Und tarnt Handtücher und Seife! Die Handtücher mögen noch so winzig klein sein und noch so deutlich die BuGtaben der Gesellschaft tragen, sie verschwindm zu hundert««. Selbst die kleinen Stückchen Seife, die doch kaum ein paar Heller wert sind, werben eingesteckt. Ich glaube, das nur deshalb geschieht, weil man das Stehlen auf der Eisenbahn ÄS Sport betreibt. Ich habe auch kürzsich wieder gehört, daß verschiedentlich das Glas aus den Fenstern geschnitte« Wochen ist? man muß es doch wohl vemerten können. Keine Woche vergcht, ohne daß die Polster ausgeschnitten werden und man die Füllung herausnimnlt. Dabei ist solcher Diebstahl durchaus nicht an* gefährlich. Viele werden erwischt und bestraft, aber ttotzdem bann brr Eiseubahn reis ende daS Stehlen nicht laste»!"

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