Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2549 (28.3.1926)
- Date
- 1926-03-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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®cif? 8 Mener Moraenzeltuna 5?r. Mn. ZonnW ' der IlUxrtxnklM^'l, N^lch.' man als die a-Uernatioe Form 'bezeichnst. Der Name des orssten Glänrbigers Ivird ardgogeben: mit Hm anch der SchrrV»gruwd. Ob dir über die SchulD m den Schukduilkunden enthalienen?!n^rb,-n der Wirklichkeit eirispwchen, können mir bei dem Manyol an AnhnllHplmMen - nicht lxurteilen. Anfangs mögen wohl die Anigäben raffen haben, dann aiber nvag bei fortschreitender Einbii-M' rnrvg des Jncholherzv-pier^'s oft genn^a eine Fiktion Vorgelegen höben. Man b^ieb mich der al'tWvolnden Forrn der Dcrrleliensnrölmde treu, was sich ans der äußerst konsenvatiocin GmstellNM rm babylonischen Nechts- und GosclMftsleben er-' k-ämt. So finyivrte man anch stets detc Kau.f als Barkauf, wdem zum Boi>jipiel bei Kreditkäufen der Bortkünfer dem Künder einen der Kanfsn-mmc crajipred'cr.foicn Geldbetrag Mh, mit dam der Käufer dann bar bezahlte. T«a>her sind aalch Wahl in spaterer Zvit die Angabe dos Schuldgrnndes und die abternative Inhaberklausel Fiktionen, iveshallb diese Inhaber--' Papiere von Peifer einfach als Wechsel bezeichnet werden. Das berührt aber alles ihre ZirkusotionSfähigkeit nicht. Haben wir nun einen regelmäßigem Handel mit solchen Paprcren, also eine Effektenbörse als bestehend MMnehmen? Im Anschluß an die Produktenbörse mag wohl ein« solche entstanden feilt, da sonst das Auftreten einer so großen Zahl von llrllmden <mvf den Inhaber Nicht recht begreiifl,ich wäre. Ter Wert der Jrchaberpapiere für die PMswivtfchaft beruht ja in erster Linie aus ihrrr leichten Bogebba-rkebt. Die große Zahl solcher Papiere aber ist ein Betvais für das Bedürfnis Uirtb danrit für die Hänsigkeit, sie zu bageben. Bon da bis z»l einer ständigen .Institution hiofür, einer Börse, ist aber nur ein kleiner Schnitt. Daß dieser Schritt gegen Ende der Hammu raibi-Dynastie, also in der ersten Hälfte des zio-ebten Jcchrtausends v. Chr. getan wurde, ist wohl mit größter Wahrscheinilichkeit anzunohmen. 8ns Reich der Kirschenblüte suhlen Sie sich beim Betreten des bekannten' Warenhmlses der Brüder Schissmann in der Taborstraße 48 versetzt. ^:e mit auserlesenem, künstlerischem Geschmack arrangiert« japmrisch« Innendekoration, die von bumrn Lämpchen dnrchwirkten, l-ängenden Blutendolden in weiß und rosa sind wirklich sehenswert. Sehenswert und preiswert ist auch die soeben einOlangte, reichhaltige Kollektion in allernelesien Stoff- und Seidenwareu fürs Frichjahr. Crepe pt> Chine, Marocain, Täftfleure, Faille de Claire,^ Schobenseide sowie alle Wollstoff« in herrlichen Dessins und Modefarben werden in der kommenden Woche bei garantiert erstklassiger Qualität zu staunend billigen Dorsaison-OTasionsprenen verkau't. Gleichzeitig wurden die bekannt billiAen Preise mr Herren- und Damenwäsche, Lenenwaren, Vorhangs, Teppiche ufw. mw. wesentlich reduziert, um dem täglich wachsenden Kundenkreis dieses führenden Leopoldstädker Warenhauses wieder einmal dir außerordentliche Leistungsicchigkeit der Brüder Schissmann zu beweisen und jedem Käufer trotz des herrschenden Geldmangels Kaüfmvglichkeit zir bieten. Eine' Besichtigung des Warenlagers ohne Kaufzwang wird jedermann im eigenen Interesse empfohlen. Kultureller Antisemitismus. Bon Prof. Dr. Erik Nölting (Frankfurt a. M.). Die Arbeitsgemeinschaft für kulturelle Propaganda Pro m o tbeus läßt dieser Tage im Selbstverlag eine Anthologie erscheinen, die die Anschauungen führender Persönlichkeiten über die Kulturwidrigkeit und Amoral des Judenhasses enthält. Wir entnehmen dem Büchlein den folgenden Aufsatz: Erst im Zeichen des kulturellen Antisemitismus stößt die judenfeindliche Bewegung von der Peripherie ins Zentrum vor. Religiöser, ökonomischer und Rassenantiscmitismus, die Vovaufgingen, sind dieser letzten Erscheinungsform gegenüber Teilaffären von sozusagen privatem Charakter. Jetzt aber sollen nicht mehr nur der Ungläubige, der kapitalistische Raffer und der Fremdblütige in ihren Lebensbereichen getroffen werden, nun ist das jüdische W e s e n s p r i n z i p der Feind an sich, der im Gesamtgebreite unserer Kultur ausgerottet werden muß. Denn sein Dasein bedeutet kulturelles Schmarotzertum auf der einen, üble zivilisatorische Betriebsamkeit auf der anderen Seite, Kräfte, die unsere Kultur der Auflösung in Entsccluug und Vermaterialisierung entgegenführen müssen. Wenn auch die allmähliche Stabilisierung der ökonomischen und sozialen Verhältnisse das Geschrei nach Ausnahmegesetz und Pogrom zum Verstummen brachte, so hat sich die Judengegnerschaft um so tiefer in die unmittelbar menschlichen Beziehungen eingefressen. Die derzeitige Sitution in Deuschland ist die, daß der Antisemitismus von der offenen Feldschlacht zum Stellungskrieg übergegangen ist. Was er an äußerem Ungestüm dabei verlor, gewann er in seinem unterirdischen Grabensystem an Hartnäckigkeit und Umfang. Er scheint wirklich prädestiniert, allgemach die normale Weltanschauung des deutschen Spießbürgers zu werden. Die letzten Ursachen dieser unheilvollen Entwicklung sind in Tatsachen zu suchen, die tief hinter die Oberfläche der Alltagsbegebnisse zurückgreifen. Im Lebensgewühl unserer Zeitepoche, die irre geworden ist am Glauben des Kulturfortschrittes, die die Grundlagen unserer Kultur der Zersetzung und Auslösung steuerlos entgegentreiben sicht, sind die geheimen Wurzeln dieser Bewegung zu suchen. Weil wir das unheimliche Knistern im wankenden Kulturbau fühlen, sind wir auf der Jagd nach dem Gewürm, das im Gebälk nagt. Hiezu kommt noch ein anderer Umstand: Das aus stolzer und bewunderter Höhe herabgestürzte deutsche Volk tragt schwer an seiner gegenwärtigen Lage, die es als elend und würdelos empfindet. Auf das Bewußtsein der Massen, denen der unter der offiziellen Außenfasiade sich stückweise vollziehende Zusammenbruch lange Zeit verborgen blieb, stieß die Katastrophe so jäh und unerwartet, daß man sich der vehementen Wucht des schmerzhaften Zusammenpralles zu entziehen suchte, in- _38. März 1m dem man in die Scheingründe der Illusionen hinein« flüchtete. Keine Masse wird je den Grund des Mißerfolges in sich selbst suchen; noch hat jedes geschlagene Heer seine Niederlage mit einer Dolchstoßlegende, noch hat jeder zerbrochene Thron seinen Verfall mit der Älge von einer ruchlosen Verschwörung umdichtet, die im geheimen den Dolch zückte. Nicht nur Einzelmenschen, auch Völker brauchen ihre Lebenslüge, damit sie nicht dem Stoß ihres Gewissens erliegen und die Selbstachtung verlieren. Ein alter Zwang läßt zu allen Zeiten jede enttäuschte Masse ihren Sündenbock in die Miste der Verleumdung schicken. In solchen Zeiten verliert sich die Geradheit der geschichtlichen Wirklichkeitslinie in einen Wust von Lüge, Dichtung, Wunsch und Wahn. Es herrscht eine allgemeine Galoppade > aus der Verantwortung heraus, bei der die Schwächeren' unfehlbar unter die Roßhufe der Mächtigen getreten werden. Die Verbuchung aller Aktiv- und Passivposten erfolgt in solcher Situation immer und zwangsläufig auf' falsche Konten. So verkriecht man sich betörungssüchtig in die beqeme Formel, die für das massive und undifferenzierte Empfinden der Masse überdies den wichtigen Vorzug einer unübertrefflichen Plastik hat. „Unsere t ä glicheJllusiongibuns heute!" — dieses Raabe- Wort war noch immer das Stoßgebet jeder leidenden Menschengruppe. So ist aus dem Umschlag des allgemeinen Weltgefühles und aitö der speziellen Situation, in der unser deutsches Volk gegenwärtig lebt, der bei uns grassierende Antisemitismus zwar nicht zu entschuldigen, aber weitgehend zu verstehen. Was man dagegen tun soll? Im wesentlichen der Zeit und dem guten Genius dieses Volkes vertrauen, das auch dieser Psychose Herr werden wird! Inzwischen aber, damit wir nicht ersticken in der grauen Lehmflut des Hasses und der Verleumdung, die über uns hinweggeht, auf die Schanzen treten und ein Wort der Beschwörung, der Warratng und der Belehrung in den entfesselten Aufruhr lversen; durch wissenschaftliche Forschung die Grundlagen der Pseudowissenschaft des Rassenwahnes und der völkischen Kulturlehre rücksichtslos zerstören. Bor allem aber durch lebendiges Beispiel den Beweis erbringen, daß auch in diesen verworrenen Tagen der Sinn für Humanität, Gerechtigkeit und menschliche Gleichachtung nicht bei aller» erstorben ist. »Wo mir der Schuh drückt. Ihn Verlage der Beka-Schnhfabrik ist soeben eine hochincheressaorte Broschüre unter diesem Mol erschienen, ivellche ftrr jeden Fußleidenden eine große AtMihl wertvoller Winke enthalt. Die Broschüre, welche sich auch mit dem bÄannten und in so rascher Zeit beliebt gewordenen Gesundheitsschuh ,^9eLa- ' Sauitas" anAfiilhvlich beschäftigt, wird durch die Beka-Schuhßatbrik,. Mödling m bei Men. auf Wu-nisch Mermann rostenlvos Angeschickt. Im übrigen fft die Broschüre auch in den meisten besseren Schuhgeschäften erhältlich, oder, wo dieseVbe nicht vorrätig ist. durch das Schuhgeschäft kostenlos zu beziehen. Ungewöhnlich billiger OSTER-OKKASIONS-VERKAUF im Warenhaus BrUder Schiff mann, II., Taborstr. 48 Telephone 47-1-79, 43-408 Ausserordentlich billigc Angebote In Frfihjahrsnetihelten Auswahl, Qualität und Preise sind unerreicht! 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