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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-28 · Heft 2549 (28.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2549 (28.3.1926)
Date
1926-03-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Verlangen Sievonlnren Lieferanten lit welt&erlliaten amerikaD. HPa 2P -> V2 M"Eiu-sk,«a *. -Mrm *v. »« m31 Ö Erhältlich In allen besseren Lebensmittelgeschäften 1 nDB -V 1V2 Sie bleiben also bis zur Hauptverhandlung in Hast. Der Verteidiger de» Artur Fuchs. Dr. Leopold Kotz. hat vor einigen Tagen die Vertretung seine» Mandanten nie der. gelegt und Fuchs ist gegenwärtig noch ohne Verteidigung. 40 StrSflinge begnadigt. Darunter WÄdegg und M.'itner. Ter BundeSPräfident hat wie alljährlich auch heuer eine Reihe Gnadenakte vollzogen. Dieser 'Amnestie sind ^beim Straflandesgericht 1 vierzig Sträflinge teilhaftig geworden. Es wurde ihnen der Rest ihrer Freiheits- Akajen nachgesehen. Die Begnadigungen sind bedingt mit fünfjähriger Bewährungsfrist. Unter den aus der Haft bedingt Entlassenen befinden sich oer zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilte Generaldirektor der Nordssch-Oesterreichischen Bank, Otto Waldegg, und der Bankgeschäftsinhaber Oskar M e i t n e r, der an einem schweren Augenübel infolge Zuckerkrankheit litt, und dem gestattet war, die Keckrstrafe, obgleich sie ein Jahr überschritt, im Grauen Haufe, Alferstraße 1, zu verbüßen, weil ihm hier mancherlei Erleichterungen guvährt werden können. Otto Wald egg befand sich in der Strafanstalt Stein, aus welcher er gestern entlassen worden ist. Er war seit dem 6. Oktober 1924 in Haft, hat also mchr als die Hälfte der Ltker chn verhängten dreijährigen Kerkerstrch verbüßt. In seinem Falle war als Grund der bedingten Haftentlassung Krankheit angegeben. Oskar Meitner war der Präsident derRütgers A.-G., deren Prozeß im vergangnen Herbst vor dem Wiener Schöffengericht großes Aussehen erregt hat. Es wurden Meitner die Verbrechen des Betruges und der Veruntreuung zur Sojl gelegt, mit einem in viele Milliarden Kronen gehenden schaden. Die mehrtägige Verhandlung endete mit seiner Derutteilung zu zweieinhalb Jahren schwerem Kerker. Die beiden Mitangeklagten, und zwar der Rechtsanwalt Dr. Leopold Ehrlich, wurde ju zweieinhalb Monaten strengen Arrests bedingt und der Agent Benjamin Griffel zu zwei Monaten strengen Arrests unbedingt wegen fahrlässiger Krida verurteilt. Oskar Meitner befand sich seit dem 3. Februar 1925 in der Untersuchungshaft, also seit länger als einem Jahre und hat infolgedessen den größten Teil seiner Kerkerstraft bereits verbüßt. Seine Begnadigung erfolgte mit Rücksicht aus sein schweres Augenleiden. sprachen zwei Rabbiner im nämlichen Sinne. Bevor ich dort spielte, meinte man in jüdischen Kreisen New-Iorks, Paraphrasen über jüdische Volkslieder vor diesen Gemeinden zu spielen, wäre ein „Hmeinkriechen in den Rachen des Löwen". Daß das Unterfangen nicht nur nicht gefährlich, sondern sehr erfolgreich war, daß es mir gelang, Interesse zu erwecken, ja sogar Respekt für jüdische Musik zu erzwingen, erfüllt mich mit wahrer Freude. Allerdings mußte ich mich überall erst als Pianist, als Interpret klassischer Werke genügend legitimieren. Vielleicht hätten die Amerikaner nicht den notwendigen Ernst für die Sache aufgebracht, wenn sie nicht vorher in der Presse Referate gelesen hätten, in denen man für mich schmeichelhafte Vergleiche mit Rachmaninoff, Rosen tal und Godows ly zog Zum Schluß meines zweimonatigen Aufenchaltes im ,^ande unbegrenzter Möglichkeiten" bereitete mir mein Freund David Pinski, der mich am Landungsplatz erwartete und zum Abschied begleitete, eine angenehme Ueberraschung: er arrangierte in feinem Heim einen intimen Abend, an dem Nachman Bialik mit seiner Frau teilnahmen. Es war ungemein anregend. Eine lebendige Aussprache machte schließ, lich der reinen Kunst Platz. Pinski las Fragmente aus seinem neuen, noch nicht vollendeten Werke — es soll eine Art jüdischer „Tausendundeine Nacht" werden — und alle waren von der Schönheit der Sprache, der Form und der Ursprünglichkeit des Werkes gefesselt. Bialik ganz besorchers. Auch ich mußte hei dieser Gelegenheit mit einigen meiner Paraphrasen Herausrücken, worauf Bialik ein mein Spiel charakterisierendes Zitat aus „Schir Haschirim" aussprach. das mir so schmeichelte, daß ich ihn bat, es in meinem Album zu verewigen, was er sofort tat. Pmski, dieser prachtvolle Mensch und Künstler winkte mir als letzter bei der Abfahrt zu. Auf der Rückreife hatte ich wiederum eine interessante Gesellschaft, unter anderen fuhr auch der Begründer der chassidischen Kolonie B'nai B'rak in Palästina, Gerstenkorn, ein feiner, gesstvoller Mensch, ferner einige amerikanische Joumalisten mit, die nach Erez Israel ressten. Für das kontrastierende Element der allgemeinen Unterhaltung sorgten ein polnischer Großgutbosttzer, der auch Politiker war. ein Kommunist, der sein ganzes Hab und Gut in Amerika verkaufte und mit der ganM Familie nach Moskau fuhr usw. lieber Cherbourg und Paris ging es dann rasch nach Wien, wo mich außer meiner liebevollen Familie eine große Schar treuer Schüler und Freunde im Bahnhof erwarteten. Dar fiebevle Jahr der Sechtranwalkanwstrter. Vom Verein der RechkSanwaltsanwärier in Wien und vom Verein der Rechispraktikanten gcht uns folgende Mitteilung zu: Bekanntlich forderten im Dezember 1923 die Rechtspreck.ttkanten die Wiedecherstellung ihrer Entlehnung und drohten zur Durchsetzung dieser Forderungen mit der kollektiven Arbeitsniederlegung Gleichzeitig verlangten die Konzipienten wie seit Jahren die Abkürzung der siebenjährigen Vorbereitung s p r a x: s. Die Dechand' ungen mit beiden Gruppen führte Ministerialrat Di. Leonhard des Bundcskanzlerarntes (Justiz). Dieser gab hierbei ausdrückch im Namen der Regierung die Zusage, daß die im Verwa.tung^rsparungsgesetz vorgesehene Ab'chaffung brr obligatorischen Gerichtspraxis insofern auch den beiden Gruppen Vorteile bringen werde, als gleichzeitig hiermit eine Abkürzung der Borbereitungspraxis au' iechs Jahre ersogen sollte. Und zwar werde dies in der Weise geschehen, daß ein hervorragender Mandatar der Regierungspaveeien bei Verhandlung des Vertvaltungsersparungsgesetzes einen diesbezüglichen slbänderungsanttag stellen werde. Damit sei die Annahme des Antrages, also die Llbkürzun-g der Vorbereitungszeit gesichert. Das bekräftigte er mit Handschlag, verlangte jedoch die di skreie Behandlung dieser Angelegenheit. Nahezu allwöchentlich wurde bei Borsprachen im Bundeskanzleramt diese Zusage erneuert und von Ministerialrat Dr. Leonhard erklärt, der Zeitpunkt der Du-chführung der Regierungsvorlage sei lediglich eine Frage der Verabschiedung dieses Gesetzes. Ungeachtet dieser Versicherungen wurde am 25. d. im Finanz- und Budoetausschuß der bettessende Artikel unverändert angenommen, ohne daß der vereinbarte Abänderungsantrag überhaupt gestellt worden wäre. Ministerialrat Dr. Leonhard erkläne jedoch tags darauh daß rin bestimmter Abgeordneter diesen Anttag wohl gestellt habe, aber damit nicht durchgedrungen sei. Auf Befragen bestritt dieser Abgeordnete entschieden, daß er den bewußten Antrag gestellt HM. Die Regierung hat dann unmittelbar vor der Haussitzung den bereits im Ausschuß beschlossenen Artikel des Berwa-ltungsersparungsgesetzes, durch den die Gerichtspvaxis 'als fakultativ erklärt werde« sollte, fallen gelassen. oKoier föelntiandlung und Weinstube oegn. dH i89ö* L. Groß, II., Praierstrafje 13 Offeriert für HDD beste Qualitäten Weine und Sliwowitz zu billigsten Preisen Mer und Söhne. Eine Pefsachbetrachtung Bon Dr. I. Nacht (Bukarest). „Tage der Kindheit, euch will ich zurückmfen, schuldlose Zeiten, euer will ich gerne gedenken! Die leichten Schritte meiner Mutter werden wieder durch die hellen Stuben gleiten, und Menschen, die jetzt unter der Last des Lebens grau geworden sind, werden lachen wie nur diejenigen lachen, welche ihr Schicksal nicht kennen. Meine Toten sollen erwachst, mit sanfter Stimme reden, und alte Lieder 'werden sich in den Chor der Erinnerung mischen." M dies bewirkt das Pessachstst. Alles wirft» Widder jung, alles lebt wieder auf. Auch die Kinderstube, die Mutter. „Und sie ging und rief die Mutter des Kindes." Mt dem jüdischen Kinde, das wieder gesunden wird, mit der jüdischen Mutter, die wiAer entdeckt wird, mit der Rückkehr beider zueinander 'beginnt die Geschichte der jüdischen Freiheit. Mit der jüdischen Mutter, mit dem jüdischen Vater. Jung war noch Mosche, als sich ihm Gott zum erstenmal zeigte. Und deshalb redete zu ihm Gott in der Sprache seines Paters Amram. Und süß war ihm diese Stimme und heilig. Er hörte aus sie. Und weil er ans die Stimme des Vaters hörte, hörte er bald auf die S'-imme Gottes. Und so wird er der Befreier des jüdischen Volkes. „Ehre Vater und Mutter, auf daß öu lange lebest im Lande, das Gott deinen Eltern zugeischworen!" Das jüdische Land, die jüdische Freiheit ist an die Ehrung gebunden, die wir unseren Eltern entgegenbringen. Wem nicht zunächst das jüdische Hans als Elternhaus heilig ist, der kann nimmermehr den Weg ins jüdische -Haus als Nationalheim finden. „Und er rettete unsere -Häuser." Darauf heut« der Name „Pessach". Eine Lehre für alle Zeiten: Wer sich zum Pessachgedanken emporschwingm will, dem muß die Rettung des jüdischen Hanfes erste Aufgabe sein. Und sie ßnachen: „Die Eltern machen unwillkürlich aus dem Kinde etwas ihnen Aehnliches — sie nennen das Erziehung —, keine Mutter zweifelt im Grunde ihres Herzens daran, am Äinbe sich ein Eigentum geboren zu haben, kein Vater bestreitet sich daS Recht, es seinen Begriffen und Wertschätzungen unterwerfen zu dürfen." Will es auch das Judentum so? Nein. Schon lange vor Nietzsche war dem Judentum das „Fortpflanzen" ein „Hmauf- Pflanzen". Das gilt sowohl oont wirklichen Vater wie vom geistige» Vater, dem Lchrer. Beiden liegt es fern, in „jodeM Die Rechtsvnwalisanwärterschast wird im Verein mit den Rechtsprakrikanten ihren Kampf um Abkürzungber sieben jährigen Borbereitungszeit «nb um angemessene Entlohnung der Gericht-praxis unentwegt fortsetzen. Die erwartet von der Reg«rung die Einlösung ihveS Versprechens Ser Mkerbuuvaurlchub füt geistige Zusammenarbeit. Aus Paris Wirb berichtet: Der VölkerbunidwuSschuß für gesstige Zusamrnenavbeit hat die Schaffung einer Studie nkommission als Vorbereitung für die Bildung einer internationalen Kommission der Autoren und K o m p o n i st e n beschlossen, die sich für die Wahrung der Interessen des künstlerischen und literarischen EigenttvntZ einsetzen soll. Am 24. März haben verschiedene Delogierte der drin Völkerbund ungehörigen Staaten sich mit der fett icut Kriege bestehenden Krise des geistigen Lebens und mit den dagegen zu treffenden Maßnahmen beschäftig:. Es wurde eine Tagesordnung ausgearbeitet, die aus oer tm Iun - in Warschau stattfindenden Sitzung der dUternationalen Ausschüsse für geistige Znsammer.arbett oorgelogt werden soll _ Nie französische Regierung «ad das Wische Museum ia gerusalem. Paris, 27. März. Der Minister des Aeußern Brians 'bewilligte nach einer Meldung des „Univers Jsraelite" einen Spezialkredit zum Ankauf tarn Medaillen und Plaketten, um sie dem jüdiischen Nationalmuseum in Jerusalem zu.Menkes AWHrpöÜtik. Berlin, 27. März. Di« Ab-ndW«-r iE« DS stitut für gerichtliche Medizin der Universität Leipzig hat, Proben des vechängnisvollen Mittagessenuntersucht, nach dessen Genuß 354 Polizeiboamte während des Besuches des Reichspräsidenten in Leipzig erkrankt waren, Der Bericht des Universttätsrnlstituts stellt fest, baß die Krankheitsevschoinungen und der Ansgang klar erkenne« lassen, daß in die beiden Kessel, in denen die Speise gekocht worden war, ein Abführmittelgegeben wotdett war. Der chemische und der mikroskopische Befund lasse« erkennen, daß es e:n Pstanzenabsührmittol i« Gestalt eines Pulvers war; es handelt sich watzchhomlich Mv Jalapw- Pulver. neuen Menschen eine unbedenkliche Gelegenheit zu neuem Besitze" zu erblicken. Vielmehr sehen Vater wie Lchrer neidlos und freudig zu, wie ihre Kinder oder Schüler über sie hinauswachsen. Die jüdische Lchre verlang immer wieder .„Erneuerung". In der Sprache Goethes: ,ISadu geerbt kvon deinen Vätern hast — erwirb cg, um es zu besitzen!" Dder wie schon vor ihm Baalschem diesen Gedanken so schön ausdrück: „Wir sagen: Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs, damit dir gesagt sei: Isaak und Jakob stützen sich nicht auf Mrahams Ueberlieferung, sonder« Mae suchten sie das Göttliche." Allerdings verlangt dieses Judentum des «Gottes Abrahams, des Gottes Isaaks und des Gottes Jakobs", daß man trotz der „Erneuerung" des Abraham des ersten nicht dergißt. Unser Lehrer und Befreier Mosche vernimmt zuerst die »Stimme seines Vaters Amram, bevor ihm das göttliche Wort zuteil wird. Unseren Kindern soll die Dhora wie das Judentum überhaupt „Erneuerung" sein, wie das sinnige Wort unserer Wessen lautet: Fragen sollen sie, unsere Kinder, mtd immer wieder fragen: „Und wenn dein Kind dich fragt?" Keine Freiheit ohne Fragen. Kein freies Volk ohne .fragende Jugend. Doch soll der Vater zu diesen Fragen Sieljung nehmen und, wenn möglich, sogar die Antwort geben. Dieses Vorwärts und Rückwärts, das am Pessachabend im Ijüdsschen Hanfe so schön zum Ausdruck kommt, ist das große Pessachgeheiminis, das Wesen der jüdischen Freiheit. Vorwärts- und Rückvärtsgegensätze. Doch m« durch die Resultante aus diesen 'beiden Kräften wird die Welt im Gleichgewicht erhalten." Jedenfalls die jüdische Welt, die .mit dem jüdsschen Hau.se beginnt. Väter und Sohne, die ihr am Eingang unserer Geschichte steht, ihr seid nur ein einziges, unteilbares Wesen. Euch verdanken wir unseren Bestand, euch den Pessachgeidanken, der uns zn Fühlenden gemacht. Und wir fühlen sie, unfeve heilige Vergangenheit: „Auf daß du dich erinnerst an den Auszug aus Mizraim all die Tage deines Lebens." Euch verdanken wir den Pessachgedanken, der uns zu Wollende n gemacht. Und wir wollen sie, unsere Zukunft, in der Bereinigung von Vätern und Söhnen, wie sie der Pessachgedanke in der Heilsbotschaft des Gltahrt vecheißt: ,-Siehe, ich sende euch den Propheten Eliahu, auf daß er das Herz der Eltern den Kindern zuwende und das Herz der Kinder den Eltern."

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