Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2549 (28.3.1926)
- Date
- 1926-03-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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* Nr. 23V Mül, ZMM M OveMe Staatsprafideut auf der Flucht. Mme Schlacht vor Peking. Schanghai, 27. März. Meldungen aus Peking besagen, baß -er pvoviforische Staatspräsident Tuan-Tschi- £)«» sich nach Tientsin in die ja panische Konzessiv « geflüchtet habe. Die verbündeten Generale T s ch a n g - T s o - L i n und S« ° Pe«i -- Fn forcieren ten Vormarsch nach Peking, um dort eine Koalitionsregierung zu bilden. Die Verbindungen zwischen Tientsin und .Peking wurden unterbrochen, London, 27. März. Nach Meldungen aus Peking Pben die Führer der Kuo - Min - Tfchin - Arme e gesten, einen Kriegsrat abgohalten und beschlossen, Peking auf das erbittertste zu verteidige n. Alle Stellungen vor der Stadt sind v e r st ä r k t worden. Mährend noch vor einigen Tagen bei Rückzug der Armee Fengs die alliierten Armeen Peking säst ohne Schwertstreich hätten nehmen können, rechnet nun, heute mit einer erbitterten Schlacht, die bereits ihren Anfang genommen zu haben scheint. 50.000 Anhänger Fengs liegen in der Nähe von Nang-Kou, 20.000 südwestlich von Peking. Die Armee Tsang-Tso- L i n s, die 50.000 Mann auftveist, marschiert von Norden her gegen die Hauptstadt. Drei Armee«. London, 27. März. 20 Kilometer südlich von Peking ist eine Schlacht zwischen den vordringenden Armeen der alliierten Generale und der dritten nationalen Armee im Gange, die über den Besitz von Peking entscheiden soll. Er« geheimes Verfahren in der Fälscherarrgelegenheit. Budapest, 27. März. Die Nationalversammlung setzte heute die Debatte über die Jmmunitätsangelegenheit des Markgrafen Pa llavicini fort. Der Sozialdemokrat Propper erklärte, daß, wenn die Regierung nicht gemeinsam mit Pallavicini vor Gericht erscheinen wolle, sie damit nur ihre Schuld ^beweise. Abg. Stephan Rakovszki gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß sich das Haus bereits s e i t m e h r eren Tagen mit der Immunität des Markgrafen Pallavicini lbeschäftige, wahrend doch viel dringendere Jmmunjtätsdngelegenheijen der Erledigung harren. Die Regierung wolle den Markgrafen Pallavicini nur deshalb zur Zeugenaussage zwingen, damit sie erfahre, rvas Pallavicini eigentlich weiß und mit welchen Beschuldigungen er auftreten könnte, wenn er als Kläger vor Gericht erscheinen würde. Es existiere ein geheimes Verfahren in der Untersuchung der Franker,sälschmrgsaffäre, das daiwuf ck^iÄe, ungünstige ZengjenÄussaigen durch erfundene Aussage« ander«: Zeugen paralysieren zu können. Sodann wurde der Antrag auf Einführung der zwolfstiündig en 'Beratungsdauer angenommen. Von Pros. Julius Wolssohn. Schon wt Schnellzug Paris—Cherbourg ein Vorgeschmack «des Völkergemisches. Nicht weniger als sieben Sprachen hört man im Speisewagen. Der ganze Extrazug «besteht ausschließlich aus Amerikareisenden. Rasch werden alle miteinander bekannt, alle verbindet eine Sorge — das schlechte Wetter und die iloch schlechtere Prognose. Hier wie überall finden sich Miesmacher, die von nntergegangenen Schissen und anderen Schauergeschichten zu 'berichten wissen, was auf empfindliche Passagiere — hauptsächlich Damen — niederschmetternd wirkt. Der Anblick des Riesendanrpsors „Majestic" aber «beruhigt ein tvenig die Gemüter. „Was kann diesem Koloß geschehen?" denkt rnan und schisst sich mutig ein. Die Phalanx «befrackter Kellner steht Spalier. Alle Passagiere von Southampton her konunen uns in Festkleidung entgegen. Nieseusäle, feftlicf)' beleuchtet, Frack, Smoking, Balltoiletten — man glaubt sich eher auf einem der sashronabelsten Bälle Wiens als auf einem Schiffe zu befinden.., Die Reisegesellschaft beginnt sich zu gruppieren. Ich finde Hort unter anderen zwei bekannte Arbeiterdelegierte aus Palästina: Ben-Zwi und Baratr, wie auch zwei Rabbiner (gebürtig in Erez Israel). Da ich durch meinen Berrrf mit allen Kreisen in Berührung komme, wird die Konversation ünmer irtteressanter und ich muß oft als Dolmetsch zwischen einem deutschamerikanischen Arzt aus Milwaukee, einem berühmten rumänischen Geiger (George Wesen) und den Palästinensern fungieren. Die Fahrt tvar äußerst stürmisch. Das Deck glich einem Sanatorium, wir hatten dreißig Stunden Verspätung. Wiederholt wurde das ganze Tischgedeck fortgeschleudert und doch -war mail heiter, angeregt, unterhielt sich glänzend. Die Fugend tanzte und an, Vorabend der Ankunft arrangierte die Schiffslertung ein Konzert zugunsten der Matroserrwaifen. Jüdische Musik fchlte nicht. Ich spielte meine Paraphrasen und ein Sänger namens Leonard Braun sang einige neueste jüdische Lieder. Der Erfolg bei dem internationaler: KMkmy Mich nicht aus; hier hatte ich die erste Megvchette Wletter MovArnzeltuttg l m t. Stock!.. KÄrntnerstrasse 11-15. „Flora“ Jumperkleid aus Kunstseiden- Crepe, in Heliotrope, Mandelgrün, Aprikose, Rosenholz Keine NeuwaHle. Ter geschäftsführende Präsident der Einheitspartei, Ladislaus Almassy, erklärte heute Journalisten gegenüber, daß von Neuwahlen einstweilen keine Rede sei und daß auch .der Abg. Berky, der diesen Gedanken aufgeworfen habe, bereits anderer Meinung sei. Die NationÄversanrmlung werde unter allen Umständen bis 1927 beisammen bleiben, bis" ihr Mandat -erlischt. Der rassenschntzlerische „Szozirt" eingestellt. Die R a s s e n f ch ü tz l e r verfügten über Mi Zeitungsorgane, und zwar „Nep" und „Szozat". Der „Nep" mußteinfolge Nichtbezahlung der Druckereikosten vor sechs Monaten eingestellt werden. Dasselbe 'Schicksal hat jetzt auch „Szozat" erreicht, welcher bis jetzt kurze Zeit in der rassenschützlerischen Druckerei Stadium hergestellt wurde. Dann übersiedelte es in die Druckerei des ,Mldapesti Hirlap". Vorgestern erschien das Blatt im Umfang von bloß vier Seiten, angeblich wegen technischer Schwierigkeiten. Gestern wurde es überhaupt nicht mehr gedruckt, da die Druckerei nicht mehr kreditieren wollte. ' auf zahlreiche Anfragen mit informativen Erklärungen über Mische Musik zu dienen. In Amerika angelangt, hatte ich nicht viel.Zeit, urir New- Pork näher anzuschauen; nach fünf Tagen fieberhafter Vorbereitungen ging es los. Die Reise führte mich bis an die Grenze Mexikos. Da genießt man im Jänner den Sommer: man geht blank; auf den Straßen blühen riesenhafte >Palmen. Ost wurden meine Klavierabende in reformierten Tempeln arrangiert; ein prächtiger Steinway-Konzertflügel stand beim „Oren-Koidesch" und das Publikum saß andächtig zuhörend wie bei einem Gottesdienst. Es soll allerdings — wie man mir sagte — ein Novum gewesen sein; der dritte Teil des Programms — jüdische Kunstmusik — gab dazu die Veranlassung, int Tempel ein öffentliches Konzert zu veranstalten. Das Publikum bestand zu gleicher, Teilen aus Juden und Nichtjuden. Sowohl die letzteren als auch die Musikreferenten der arischen Presse zeigten viel Interesse und Verständnis 'für jüdische Volksmusik und meine Bearbeitungen; besonders die Rhapsodie fand immer rauschenden Beifall. Ueberall wurde ich nach dem Konzert mit unzähligen Fragen überschüttet und die Antworten wurden oft stenographisch ausgenommen und wörtlich in der Presse wiedergegeben. Großer, Eindruck machte auf mich Dahton (Ohio). Bor allem wegen des dortigen Rabbiners Reichel und seiner Gattin. Beide glühende Zionisten, haben sie es verstanden, in ihrer reformierten Gemeinde großes Interesse für Erez Israel und für die ^hebräische Sprache zu erwecken. Die Schüler der Schule des Dr. Reichel sprechen perfekt hebräisch — eine Seltenheit in Amerika — und seine Frau hält oft in dieser oder in anderen Städten Vorträge über Palästina, Keren Hajessod, jüdische Kultur und Geschichte. Es gereicht mir zu ganz 'besonderer Freude, korchatieren zu können, daß gerade in dieser Stadt eine Institution zur Forschung und Förderung jüdischer Musik geschaffen tverden 'soll, das meinen Namen (WolfsohnMusic-Clu'b) tragen wird. In Detroit stand das Konzert unter der Patronanz des „Scherei Zedek". Auch in dieser antisemitischen Ford-Stadt fanden sich viele Christen, die meinen Klavierabend 'besuchten, und auch hier stellte sich das Interesse für jüdische Musik ein. Lange, von Begeisterung erfüllte Artikel, der erchusiaDche 23. mn 1926 ÄW« Inland. Ramel ln Berlin. Berlin, 27. März. Bundeskanzler Dr. 3t d«frei ist hevtz um 9 Uhr vormittags auf dem Anhaltcr Bahnhof eingetroffen. Zum Empfang waren unter anderen Außenminister Doktor S t r e s e m a n n, Gesandter Dr. Frank und der tschechoslowakische Gesandte Dr. Krosta erschienen. Dr. Ramek stattete im Lause des Vormittags dem Reichskanzler Doktor Luther und dem Reichsminister des Aeußern Doktor Stresemann Besuche äb und empfing sodann die Gegenbesuche der beiden Staatsmänner. Mittags wurde der Bundeskanzler vom Reichspräsidenten Hindenburg empfangen. Der Reichspräsident ga!b hierauf zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers ein Frühstück, an dem außer der Begleitung des Bundeskanzlers und der Umgebung des Reichspräsidentten der päpstliche Nuntius, der österreichische Gesandte Dr. Frank, Reichstagspräsident! Loebe, Reichskanzler Dr. Luther, Außenminister Dr. Stresemann MÄ Reichswirtschaft'sminister Dr. Curtius sowie Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Schubert tcilnahmen. Dekorierung Hindenburgs. Gelegentlich des Empfanges beim Reichspräsidenten Hindenburg überreichte der Bundeskanzler Dr. Ramek dem Reichspräsidenten das Große goldene Ehren> zcichen der Republik Oesterreich mit dem großen Stern. Bundesrat. Mit der gestrigen Bundesratssitzung wurde der winterliche Sessionsabschnitt des Parlaments abgeschlossen. Die an, Freitag vom Nationalrat beschlossenen Gesetze fanden die widerspruchslose Genehmigung der Länderkammer. Zum Schiedsgerichtsvertrag mit der Tschechoslcwakei bemerkte der Berichterstatter Dr. Hügel mann, der Vertrag könne nicht den Sinn haben, daß er als ein Verzicht auf das unverjährbare Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes gedacht werden könne. . Erwerb-, Reuten- und Einkommensteuerbekenntniffe 1888. Amtlich wird verlautbart: Die Steuerbehörden wurden mit einen, Runderlaß angewiesen, bei Behandlung der Bekenntnisse zur Erwerb-, Renten- und Einkommensteuer für das Jdhr 1925 an Fristüberschreitungen bis einschließlich 15. April 1926 keinerlei Säumnisfolgen zu knüpfen. _ Sie Berhan-lun» gegen Alexander Weisz. Die Termine endgültig festgesetzt. Die Verhandlung gegen Alexander Weisz und Artur Fuchs ist nunmehr endgültig auf den 8., 9. und 10. April anb eraumt wo tbe n. Sie wird im großen Schwurgerichssaal stattfinden. Der Zutritt wird den Zuhörern nur mit Einlaßkarten, die vom Präsidium des Landesgerichtes ausgegeben werden, gestattet sein. Vorgestern ist auch vom Oberlandesgericht der Strafakt dem Straflandesgericht zurückgestellt worden mit der Entscheidung, daß der E i n s p r u ch gegen dieKlageund dioHaftbesch werde beibeiden Angeklagten zurückgewiesen worden i^ Beifall und wiederum Fragen, Fragen ohne Ende bestätigten wir dies. Aehnlich ging es in Chikago, Dovenport, Huston, Birmingham und anderen Städten. In Milwaukee erzählte mir der TemPÄPräsDent, daß dort im vorigen Jahre eine Frau.als Vorbeterin fungierte! Ueberall in diesen Tempeln tvird ohne KoPflbedeckung und ohne Tales gebetet, Herren und Damen sitzen zusammen, es gibt keine Pulte und der Gottesdienst wird meistens in englischer Sprache verrichtet. Die Resormra'bbiner sowie die evangelischen Pastoren leben und wirken freundschaftlich nebeneinander und suchen auf dem Wege der wechselseitigen Predigten eine Annäherung hevberzuführen. In der Tatsche, daß oftmals ein evangelischer Pastor im Tempel und ein Reformrabbiner in einer Kirche predigt, sehen die amerikanisch-jüdifchen Reformgemevnden den einzigen Weg, der ihrer Meinung zur BMerversöhnung führen kann. Diese Reformibestvebungen Indern ine Mitglieder nicht, am BerfihnungÄag zu fasten, den ganzen Jom-Kippur unnnterbrochen im Tempel zuzübriugen und am Peflach unbedingt und ausschließlich Mazzoch zu essen. Der Rabbiner in Birmingham, Dr. N ewfield, ein prächtiger Mensch, suchte mir diese Reformbestrebungen zu motivieren. Er behauptete, daß es ihnen nur dadurch gelungen sei, die Jugend dem Judentum zu erhalten; die ameri- ^kanrsche Jugend meinte er — hängt nicht an veralteten 'Sitten und am Rituale, sie sucht überall das Zeitgemäße, Einfache und Plausible. Für das Instinktive, Gefühlsmäßigefür das Traditionell-Wchstische haben sie kein Verständnis, und wen« sie für -etwas kein Verständnis haben — lehnen sie es Aattweg ab, lassen es einfach linA liegen. Deswegen reformierte inan den ganzen Gottesdierrst und habe dadurch die Jugend gewonnen. Auch in New-Iork interessierten nrich die größten Reformgemeiuden. In ihren Tempeln Beth-, El und EMMUN-El gelang es mir, das Interesse für jüdische Volksmusik durch meine Werke zu erwecken; iu Beth-El hielt der Präsident Altheimer eine lange Rede — mir zuliebe deutzch — über die Notwendigkeit, sich mit der Frage der jüdischen Musik zu beifassen, und überschüttete 'bei dieser Gelegenheit mich mit Anpreisuugeu. Im Emanun-El-Tempel, der M in der Mvcche her MMMre." WMb A Memre),