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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-27 · Heft 2548 (27.3.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2548 (27.3.1926)
Date
1926-03-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. WS Men, ZamM Memv 27. Mar; 1SS6 a* 1 «mmr» »ad Hausgehilfinnen i« Parlament Gesundheitszeugnis für Amme und Stillkd«. — Fürsorge- . mützliahmen für HmsgchMnmn. Unter den Besuchern des Parlaments übevwog gestern das weibliche Element, standen doch ein Am mengesetz und eine Vorlage auf der Tagesordnung, durch 'die das Hausgehilfinnengesetz auf Orte unter 5000 Einwohner ausgedehnt werden soll. Die Hausgehilfinnen, die ans diesem Anlatz gestern eine Versammlung äbgehalten hatten, schickten eine Deputation zum Minister Dr. Resch und zu den Abgeordneten sämtlicher Parteien, uni ihnen folgende Forderungen zu überreichen: Einbeziehung der H a u s g eh i l f i n n e n in die Arbeitslosenunterstützung, beschleunigte Einführung der Altersversicherung, Unterstützung für die Errichtung von Altersheimen, Handhabung des Jnländerschutzes unter Anwendung auf die Haus- TAUWO Pflanzenxzargarine wird unter ständiger Aufsicht Sr.Ehrwürden des Herrn Bezirks* rabbiners S. B. Ehrenfeld, Mattersburg, aus Pflanzenfetten hergestellt undkann daher in allen strenggläubigen Familien verwendet werden Knnerolwerke A. G. / Wien gehilfi iinen und N otsta u dsaus h i lf e n für notleidende Hausgehilfinnen. Minister Resch mußte der Deputation mitteilen, daß die Ausdehnung 'Der Avbeitsloseuversicherung auf die Hausgehilfinnen und die Güwähmng von NotftaNdsunterftützungen nicht durchführbar sei. Die Abgeordneten der einzelnen Parteien versprachen der Dienstmädchenabordnung die größtmöglichste Unterstützung ihrer Forderungen. Während der Haussitzung nahmen die Vertreterinnen der Hausgehilfinnen auf bor Galerie Platz und 'begleiteten manche Rode, deren Inhalt ihnen zusagte, mit Beifalls In der Debatte über das .HaUsgehi'lst-nnengofetz verteidigt>e Hran P ro ft die Gemeinde Wien. An der protzen Arbeitslosigkeit sei nicht die Steuer der Gemeinve schuld,:sondern der Umstand, daß so viele albgebaute Beamtinnen nur: selbst ihren Haushalt verrichten. Vor diesem Gesetz wurde das Ammengesetz beschlossen. Dieses bestimmt, daß sich jede Amme bei Uebernahme des Kindes durch ein ärztliches Zeugnis Ausweisen muß, daß sie mit keiner übertragbaren Krankheit -bchastet ist und. daß sie, wenn ihr eigenes Kind noch nicht vier Monate alt ist, das Stillkind neben dem eigenen Kind stillen kann. Ein ebensolches Gesundheitszeugnis ist für das 'Stillkind beizubringen. Zur Ausstellung dieser Zeugnisie sind d'ie Amtsärzte und die Acrzte der Säuglingsfiivsorgranstalten berufen. Aus der Debatte erfuhr man, daß es in ganz Wien nur mehr siebzig Ammen gibt. Ae Afillrr Alexander Welrz. Das Oberlandesgericht hat gestern sämtliche BeMverL» des Chefredakteurs Weisz uiÄ> Fuchs abgewLosev, dießooM bis zur VerhaMung in Haft bleiben. Der R-echtsanwtlt des Chefredakteurs Alexander Weisz, -Dr. Robert Steiner, teilt über die Anzeige, die der Pva-« sident der Metallum-A.-G. Leon Sklarz gegen Alexander Weisz erstattet hat, mit, daß Sklarz emon Brief an die Staatsanwaltschaft gerichtet hat, in dem er eMrt, in 8er Lage zu sein, interessante Mitteilungen über, dm TAUWO Pflanzenmargarine •W3 Attigfebig/Bekömmlich/Nahrliaft Fall zu machen. Aus Grund dieses Briefes wurde die Ei nvernahme des Leon Sklarz in Berlin veranlaßt. Rechtsamvalt Dr. Steiner erklärt, daß Leon Sklarz der erbittertste Feind des Angeklagten Mxander Weisz» sei der dem Weisz den Wöllersdorjer Skandal zn verdanken habe, da es Weisz gewesen sei, wie dieser schon seinerzeit öffentlich erklärt hak, auf dessen Veranlassung das Gutachten des Hofrates Stern zustande kam. Dr. Steiner meint, daß schon aus Gmnd dieser Feindschaft Sklarz, wenn er belastendes Material gegen Weisz in Händen hätte, dieses schon längst der Oeffentlichkeit mitgeteilt hätte, und daß es sich höchstwahrscheinlich in diesem Falle nur um ganz unwesentliche, in keiner Weise belastende Details handelt. Krawall im Wiener Semeinderat. Das Rededuell Breitne r—Kuns chak, das in der letzten Gomeinderatssitzung begonnen hat, wurde gesterur fortgesetzt und hat zu stürmischen Szenen Anlaß gegeben, wie sie sich im Wwner Gemeinderat schon lange nicht ereignet hcchen. Die beiden Parteien gerieten hart aneinander und zeitweise war der Lärm so groß, daß man d:e Redner absolut nicht verstehen konnte. Christlichsoziale und Sozialdemokraten warfen einander die in der letzten Ze:t vovgekommenen Korruptionsfälle vor. Hüben „Winex" und „Arsenal", drüben ,Möllersdorf". »Postsparkasse" imv die untere schi eidlichen arisch-christlichen Banken. Gelegentlich des Referats des Bizebürgerrneisters Emmerling über die Rechnungsabschlüsse der städtischen Unternehmungen aus dem Jahre 1924 antwortete Stadtrat Kunschak auf die Rede Brertners, mit der er in der letzten Sitzung sein FinanKsystem verteidigt hatte. Er erklärte, daß die kommunalen Algaben, wie Hausperlsonalsteuer, Fremdenzimmer- und Automolbilcchgalbe nicht nur die Besitzeirden, sondern die Breiten Massen treffen, die durch die hohen Abgaben arboitslos werden. So wurden in den meisten Haushalten die Zahl der Hausgehilfinnen aus diesem Grunde echeblich vermindert. ' In feiner Antwort erklärte Stadtrat Br ei tu er: Ich habe nachgewiäsen, daß die Zahl der HausgchiHrnnen, die der Abgabe unterliegt, bis Ende 1925 im allgemeinen gestiegen ist. Allerdings haben manche große .Haushalte ihr Personal reduziert. Ich will nicht die Namen von Bankbrüchigen Inland. Kr. Aamek aus der Fahrt «ach Berlin. Bundeskanzler Dr. Ramek ist gestern nachmittags rmch Berlin abgereist. In seiner Begleitung befanden sich der Generalsekretär für die austvÄtigen Angelegenheiten, Peter, Sektionschef Dr. Schüller, Gesandter Dr. Innkar und Sektionschef Dr. H o r i c k y. Lsterlerien im Rationalrat. Keine Aushebung des Gerichtsjchres. Der Nationalrat hielt gestern seine letzte Sitzung vor Ostern und genehmigte einstimmig nach kurzer De, batte den Schi edsgerichtsvertrag mit der Tschechoslowakei. Dr. Drnghofer begrüßte namens der Großdoutschen den Vertrag um so rnchr, als dadurch die Verlängerung des Vertrages vor: La na, der im nächsten Jahve abläuft, überflüssig werde. Der Besuch des jugoslawischen Außenministers Nineie in Rom habe große Beunruhigung erregt infolge der stark aggressiven Haltung Italiens in der letzten Zeit. Doch glarbe Redner nicht, daß die österreichische Frage die Unterhaltung von Nincic und Mussolini gebildet habe. Nineie sei nicht gegen Deutschland. De Politik Belgrads sei eine andere als die Laibachs. Dann wurde das Gesetz über die Notstandsunterstützung für die Beamten und das Verwalk ungsersparungsge setz angenommen. Entgegen dem Beschluß des Finanzausschusses wurde die Aushebung der gerichtlichen Pflichtpraxis für TAUWO Pflanzenmargarine * "1V2 Für Ihre Osterbäckereien! Advolatur'skandidaten gestrichen. Es bleibt also beim Gerichtsjahr. Eine eventuelle Aufhebung der Pflichtpraxis wird einer Novellierung der Wookrtenordnung Vorbehalten. Bei Beratung des Jnvestitionenbcgünstigungsgesetzes, das ebenso wie die Verfaffungsgerichtsnovelle und . die Verzugsgebührennovelle in beiden Lesungen * zum Beschluß erhoben wurde, regte der Berichterstatter Heinl die Einbringung einer Regierungsvorlage über ein Jndustriesördermigsgeseh cm. Schließlich wurde noch eine Novelle zur Ge, Werbeordnung angenommen, welche die Gewerbetreibenden verpflichtet, die Lehrlinge nach beendigter Lehrzeit noch drei Monate als Gehilfen in ihren Betrieben gegen entsprechende Entlohnung zu 'beschäftigen. Nächste Sitzung Donnerstag den 15. April, 3 Uhr nachmittags. Der Bund es rat genehmigte nachmittags eine ganze Reihe Nationalratsbeschlüsse, darunter die -Zoliltarifnoveile, das S t e u e r a m n e st i e g e s e tz und das zol lpoli t i sch e Er mä ch ti gu ngs ge se tz. Ae Medizin in der Mbel. Von Dr. Michael Thalheim. War der Chaldäer der Astrolog, der Phöü^zier der Handelsmann, der Hellene der Vertreter der Kunst und Philosophie und der Römer wr Politiker und Rechtskundige des Altertums, so ist der Jude der Priester des zeitlosen, reinen, einheiMchen und geistigen Gottesbcgrifses. Dadurch von den dämonischen Vorstellungen schon zeitlich befreit, gestützt auf die hochwertigen sanitären und hygienischen Maßnahmen der biblischen Tradition, begünstigt durch die vom Gesetze so souverän proklamierte Nächenliebe, faßte die ärztliche Kunst auf dem Boden des jüdischen Geistes feste Wurzeln. In einer Reihe voll Aufsätzen wollen wir die bedeutendsten jüdischen Pioniere der Heilkunde aller Zeiten würdigen. Denn in ihnen manifestiert sich das intensive Bedürfnis des jüdischen Volkes, Trost und Linderung der leidenden Menschheit zu bringen. //$m jüdischen Alten Testament, den: Buche von der göttlichen Gerechtigkeit, gibt es Menschen, Dinge und Reden m einem so großen Stil, daß das griechische und -ndische Schr'fttunl ihm nichts zur Seite zu stellen hat," anerkennt tmt Ehrfurcht Nietzsche. Diesen Ausspruch würde schon allein die bewundernswerte Sozialhygiene des Pentateuchs rechtfertigen, die durch die Einsetzung des Sabbats, die Regelung der Arbeit, durch die Prophylaxe und Bekämpfung der Seuchen sowie, der venerischen Krankheiten, durch die Speisegesetze rcho. ein einzig dastehende Erscheinung bildet und auch im Lichte modernster Wissenschaft nichts von ihrem hohen Wert einbüßt. Als Gchmdheijshearnte fungierten Mt Priester, deren Kompetenz sich auf die sanjtätspolizeilichen ^ollogenhellen erstreckte; eine berufsmäßige Ausübung der Heilkunst seitens der Leviten läßt sich jedych nicht Nachweisen. Auch die Propheten, obgleich sie in der ärztlichen Kunst bewandert waren, wie es aus den Heilerfolgen eines Elisa, Elia, Jesaja heworgeht, werden niemals als Aetztc bezeichnet und spätestens für ihre Epoche ist die Existenz eines eigenen Aerztestandes auzunehmen. So hält es Jeromia für unglaublich, daß in Gilead kein Arzt wohnen sollte, dem König Asa wird vorgeworfen, daß er nicht bei Gott, sondern bei dell Achten Hilfe suchte und Hiob nennt seine Freunde „nichtige Aerzte". Die hebräische Bezeichnung für 'be’n Arzt, rophe, wird 'von einem Wortstamm hcrgeleitet, der soviel wie lindern, besänftigen bedeutet; eine andere Erklärung stützt sich auf das arabische rapha, nähen, wonach rophe mit dem Wort „der Naher" (voll der Wuudnaht) identisch lväre. Zum elften Adale kolnult rophe in der Bibel bei Erivähnung der ägyptischen Sklaven vor. die Josefs Vater einbalsanlierten; hier ist ropheim ein Ersatzwort für den dem Hebräischen fehlenden Ausdruck „Ginbalsanlierer". Die Bezeichnung rophe umfaßte übrigens im biblischen Zeitalter Heilpersonen mit sehr verschiedenem Wissen und Können. Der Arzt ivar wahrscheinlich zugleich Wundarzt und sein eigener Arzneibereiter; den geburtshilflichen Beistand leisteten ausschließlich die Hebammen, deren Erwähnung wir schon im Pentateuch begegnen. War man sich auch der Grellzen ärztlicher Must bewußt, wie der Spruch Sirachs: „lange Krankheit spottet des Arztes", beweist, so erfreute sich doch der ärztliche Beruf im zweiten vorchristlichen Jahrhundert eines gewissen An- Ansehens. Jes-ua, der Sohn Sirachs, betonte die Notwendigkeit der Heikkünstler mid Heilmittel, da auch sie von Gott zu ihrem Zwecke geschaffen seien. Diese Anschau-llng, daß der Arzt ein Werkzeug in der Hand des Schöpfers, ein VoMringer.des göttlichell Willens ist, löst 'den zwischen der Borausbestimmung und dem ärztlichen Eingriff anscheinend bestehenden Widerspruch. Im Sinne einiger Bibelstellcyl, lvie z. B. der im 2. Buch Mos. 15, 26, . . Ich, der Herr, birr dein Arzt", erblickte eine Minderheit iu der Beiziohung von ärztlicher Hilfe ein Zeichen des mangelnden Gottvertrauens. Auch jene jüdischen Weisen, die es dem König Hiskija zum Verdienst anrechneten, daß er das. der ZeilunttL^ vielleicht m Wiulerbuch mit magischen Formeln, der Benützung entzog, standen wohl im Banne eines gleichen religiösen Fatalismus. Zur Erhärtung der dominierenden Ansicht, daß die Konsultation eines Arztes m't der Gottesergebung vereinbar sei, diente 'besonders jene biblische Vorschrift, die bestimmt, daß der Schläger dem von ihm Verletzten das ältliche Honorar zu erstatten habe. (2. Buch Mos. 21, 19.) Der Aerztostand wäre fajmit von der göttlichen Weltordnuug vorausgesetzt. Wurden die Krankheiten als Schickungen Gottes ausgefaßt, so galt dies insbesondere für die Seuchen, die man durch Gobete, Opfer, Buße und Fasten abzuwehren versuchte. Es finden sich aber in der BibÄ auch Spuren einer mehr nüchternen, nicht supranaturalistischen KvanHeitsauffaffung. Der allen Völkern des Erdkreises ans einer gewissen Kulturstufe eigene Glaube an Dämonen als Krankheitsbringer ist in der Bibel als Folge des strengen Monotheismus verpönt. Ueber den Heilschatz geben die Bücher der Bibel rmr wenig Auffchluß. Eine systematische Behandlung medizinischer Probleme Mt eben nicht den Rahmen eines reiligiösen Gssetzb-uches, und nur die kultischen Vorschriften« Megorien und Gleichnisie gewähren einen Einblick in die Methoden des Heilverfahrens.' Zu den therapeutischen Maßnahmen zählen z. B. Bäder (im Jordan, in Heilquellen, Oel- Lader), Wein, Feigen (als Pflasterbe>stand1eiy, Qel, Honig, Filschgalle (Äs Augenheilmittel im Buche To'b'ä), Räucherungen, Pflaster, Älben. Boi der WundbohaMung komuren daS Ausdrücken, der Verband und Bähungen mit Oel m Betracht; besondere Heilwirkwng wird dem WundboLsam von Mead zugeschrieben. Die günstige Beemiflusiung seelischer Depression durch MuW war bekannt, wie Davids Zitherjpiel vor Saul beweist. Zu den gefürchtetsten Krankheiten 8er bMffchen 'Zeit' gehört der Aussatz. Ist er -m Sinne der modernen Pathologie. also als Lepra oder als Sammelname für parasitäre Hautaffektionen überhaupt, zu deuten, entzieht sich unserer Entscheidung. Es fei m« erwähnt, daß eine Gruppe der, ÄStSM Me Ätzra ganz WWW M Wwc ZWtzt

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