Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2547 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Fre'W Mlener Mseftenzesimk- 88. Mq IM Nr. m ' Seile r4 Jas Budget der Kulturgemeinde ange nommen. Ler Beltras rum Keren Hajeffod soll al« Rachtragrkredlt ansrst>ro-ru werden. In der gestrigen öffentlichen Plenarsitzung des Kusi tusvorstandes wurden die Budgewerhandlungen fortgesetzt. Ter Budgetreferent Regierungsrat Dr. Oppenheim polemisierte in seinem Schlußwort zur Generaldebatte gegen d:e Ausführungen des Gemeinderates Dr. Plaschkes. Er hält es, wie er ausführte, nicht für ratsam, die uns aus dem Friedensvertrag rechtlich zustehenden Beiträge für unsere Fürsorge- und Kultusangelegenheilen, wenn, sie uns verweigert werden, auch vom Völkerbund zu fordern, weil die Frage erst rechtlich geklärt werden müsse. Die Aufnahme einer Anleihe hält der Referent für nicht durchführbar. weil das inländische Kapital für eine solche Anleihe nicht zu haben sein wird, um nicht philosemitisch zu erscheinen und dem Ausland keine genügenden Sicherheiten geboten werden können. Auch wäre.eine solche Anleihe für den Bau einer Zeremonienhalle viel zu klein. Er sprach sich gegen einen generellen 20prozentigeii Steuerabstrich aus und erklärte schließlich, daß die Vertreter des Klubs für soziale Tätigkeit nichi die Berechtigung hätten, im Kultusvorstand zu sitzen, weil die Kultusgemeiude keinen Kampfplatz für Unternehmer und Angestellte bildet. Was die Unter st ützung d es Pakästinaaufbaues anlangt, so stehe seine Partei auf dem Standpunkt, daß dieser zu fördern sei, doch müsie man zunächst die sozialen Pflichten im Inland erfüllen. Rogierungsrat Oppenheim machte schließlich die bezeichnende Feststellung, daß sich die Kwltusgemein.de nur im Rahmen ihres Statuts betätigen dürfe und nicht als politische Vertretung der Juden W'ens m allen Angelegenheiten au-ftreten solle. Die Juden dürfen keine Sonderstellung im Staate anstreben. In einer tatsächlichen Berichtigung erklärte Gemeinderat Dr. Plaschkes, daß er nie für eine Sonder st elung der Juden eingetreten fei. Er verlange nur, daß. mau ein Recht der Juden, auch wenn es aus dem verlästerten Friedensvertrage stamme, nicht aufgeben dürfe. Wenn wir bei den inländischen kompetenten Stellen mit unseren berechtigten ForderunKn nicht durchdringen, dann werden wir uns eben an den Völkerbund wenden müssen. Die Kultusgemeinde ist dazu berufen, auch für die politischen Rechte der Juden einzutreten,' wie -fte das auch der letzten Zeit mchr.re Male getan hat. Wenn der Re, ferent der Ansicht ist, daß e:ne Anleihe für den Bau der Zeremonienhalle zu gering ist, so könne man ja eine größere Anleihe aufnehmen und sie für den Bau eines dringend notwendig gewordenen Kinderspitals an der Grenze des 2. und 20. Bezirkes verwenden. Den 20prozentigen Stouerabftrich müsse Redner verlangen, um dadurch der wirtschaftlichen Depression -bei ' den Juden Rechnung zu tragen. Eine solche generelle Maßnahme fei deshalb zweckmäßig, um,im Steueramt^ -rasche Arbeit zu leisen, weil dort noch 10.000 unerledigte Steuersälle liegen. Die Generaldebatte wurde hierauf geschloffen und in die Spezialdebatte eingegangen.- Gemeinderat Dr. Plaschkes forderte, daß die Kultusgen'«'inde bei den kompetenten Behörden vorstellig .werden solle, um jenen jüdischen Geschäftsleuten, die Samstag ihre Läden geschlossen halten, gemäß den jüngst erslösseüen Londoner Bestimmungen über die 48stÜndige Arbeitswoche, - die Möglichkeit zu erwirken, ihre Geschäfte au den anderen Wochenragen entsprechend länger, offen halten zu Israels, die die jüdische Gemeinschaft in Deutschland vor der befleckenden Berührung mit den Ostjuden bewahren wollen, stiften nicht nur Unfrieden innerhalb der Gesamtjndenheit, sondern schädigen zunächst Wfc deutschen Juden, indem sie ihnen in der Welt auf bitterlich ungerechte Weise einen bösen Namen machen. Dabei übersehen sie, daß jetzt auü Deutschland hunderttausende gezwungen sind, nach Ländern auSzuwandern, wo sie auf Schritt und Tritt Ostjuden finden. (Die Juden in ganz Amerika stammen ja zu 90 Prozent aus dem Osten.) Wir wissen wohl, daß diese Ostjnden ' die hilfsbedürftigen Auswanderer den Frevel der Hetzer in Deutschland nicht werden entgelten lassen. Aber diese letzteren sollten das doch bedenken . . . Als die galizischen Juden vom Beginn der Pogromepoche bis dicht vor dem Weltkrieg sich der Flüchtlinge aus Rußland mit unermüdlicher Hilfsbereitschaft und geduldiger brüderlicher Liebe annahmen, konnten sie nicht ahnen, daß sie selber binnen kurzem auf die Hilfe der nächsten Angehörigen ihrer Schützlinge angewiesen sein würden. Die tausende und aber tausende galizischen Juden, die von den Kosaken als Gefangene und Geiseln nach dem Innern Rußi.nds verschleppt wurden, wären ohne die Hilf« ihrer dortigen Stammesbrüder jämmerlich zugrunde gegangen. Und während der neun Monat« der Russenherrschaft kamen die Abgesandten, der großen Gemeinden und Organisationen aus Rußland nach Galizien hinüber, brachten reichliche Hilfe und schützten die jüdische Bevölkerung vor der Brutalität, der Gewalttätigkeit und Raubgier ihrer Landsleute.' In diesen paar schrecklichen Monaten haben die russischen Juden ihren galizischen Brüdern alles das vergolten, waS sie an den Pogrvmflüchtlingen getan hatten. Verächtlich jeder, der solche Dinge vergißt. dürfen. Kultusvorsteher Dr. Klaber übte an der Art und Weise, wie der jüdische Religionsunterricht jetzt erteilt wird, heftige Kritik. Auf dem Gebiete des Schulwesens müsse grüMiche Remedur geschaffen werden. Zu diesem Zewcke sei es notwendig, die Subventionen für die Bibelschulen zu erhöhen. Darauf enlspann sich eine lebhafte Schulde batte, an der sich Dr. Glanz uud Koin nerzialrat B o n d y be'eiligten. T i ch o (Union) verteidigte sich gegen Angriffe, die gegen seine Person und gegen dm Religionsunterricht erhoben werden. Er warnte dwor, die Kinder, die von Latein und Griech'sch schon zermürbl sind, noch mit hebräischen Vokabeln zu belasten! Baurat Kempler erklärte, er werde nicht viel sprechen, damit er nicht in die „Wiener Morgenzeitung" konrme. (Gemeinderat Dr. Plaschkes: Vor der fürchten Sie sich so!) Dr. Plaschkes verlangt schließlich, daß die Gemeinde das Kriegerdenkmal, für das im Budget 20.000 Schilling einc^fetzt sind, ehebaldigst au'fstelle, um einer Ehrenpflicht zu genügen. Das Dentmal soll ein Trauerzeichesi und ein Bekenntnis gegen den Krieg sein. Kultusvorsteher Klaber verlangte die Ausgestaltung des Fürsorgew-sens und eine Erweiterung des jüdischen BersorgungS- Hauses. Nachdem noch einige Redner gesprochen hatten, stellte Dr. F r i e d m a n n die Anfrage, wie es sich mit dem Beitrag zum Keren Hajessid verhalle. Regierungsrat Oppenheim antwortete, daß diese Frage in einer der nächsten Sitzungen des Vertreterkollegiums zur Verhandlung kommen werde und daß dann ein Nachtragskredit vom Plenum angesprochen werden wich. Nachdem keine Redner mehr vorgemerkt waren, nahm der Vorsitzende die Abstimmung über das Budget vor. Es wurde mit allen gegen die fünf St immen des Klubs sür soziale Tätigkeit angenommen. Mit einigen Dankesworten an den Budgetreferenten und die an der Budgetsrstell mg mittätigen Beamten schloß der Vorsitzende sodann die Beratung. Sine Mchtkgftellumr. Angebliche Aeußerungen des Oberrabbiners Dr. Chajes Mer di« hebräische Rede des Kultusvorstehers Bauminger. In der gestrigen Ausgabe des „Neuen Wiener Journals" findet sich — unter Anführungszeichen — eine angebliche Aeußerung des Oberrabbners Dr. Chajes über die hebräische Rede des Kultusvorstchers Bauminger sowie die Rede deS Herrn Wolf Pappenheim in der Plenarsitzung des Kultus- Vorstandes vom 23. d. Es ist sofort zu evsehm, daß diese Mitteilungen nach Form und Inhalt unmöglich vom Oberrabbiner Chajes stammen können. lieber unser Befragen teilt uns darüber Herr Oberrabbiner Chajes das Nachstehende mit: „Vorgestern um die Mittagsstunde wuche ich von einem Redakteur deS „Neuen Wiener Journals" ans Telephon gebeten. Der betroffene Herr sprach ursprünglich nur von den Aeußerungen des Herrn Pappenheim, Reue PaMinalarlen. Im Zusammenhang mit der realistischen Behandlung aller zionistischen Fragen, die sich allmählich durchsetzt, steht das wmn*r lebhaftere Bedürfnis nach geographischen Kasten, die alle Daten übe- Las hMge Land enthalten, wie sie vom all« gemeinen Standpunkt aus wünschenswert sind, insbesondere aber von» Standpunkt des aktiven Zionisten. Schon oo: dem Kriege hatte die Zionistische OvgaiNisabion ctine große Wand» kavbe von Palästina hevausgogeben, deren Bedeutung allerdings nicht im Inhaltlichen, sondern im Formalen lag: eS war die erste umfangreiche Karte m hebräischer Sprache. Die damals sehr wenig zahlreichen jüdischen Kolonnen waren in der Kane bezeichnet, und mich der jüdische Bodenbesitz war angedou-tet. Svdthor sind zahlveiiche Karten voröffendlicht worden, um dem raschen Anwachsen der jüdischen Arbeit in Palästina gerecht zu worden. Allerdings ist es eine erfreuliche Erschcknung, daß alle diese Karten, kaum erschienen, auch schon veraltet sind, da jedes halbe Jahr neue Bodenerwerbnngen und die Anla»ze wex Siedlunzspunkbe bringt. Daher ist es nottvendvg, diese Karte« immer wieder;u be-v'chtlyeu «nfo zu ergänzen. Das fft aber tvieder nur möglich bei einer Karbe, die durch ihre sonstigen Eigenschaften raschen Absatz in großen Auslagen ftitdot. Deshalb ist die neue Palästuiakavte, die das Direktorium des Keren Hajessod in kleinerem und -größovom Format hevauSgogeben hat, besonders zu begrüßen. Sowohl Handkarte als auch di« große Kart« zeichnen sich vor allem »»ich nie außerordentliche Uelbersichtlichhsrt aus. In großen Umrissen si.-.tz di« HöhelWichten m vier Farben angcdeutet, daß auch der flüchtige Bescha-uor einen deutlichen Eindruck von der HSHenschichtuwg dieser Gebiete hat, in welchen der jüdische Bcdenhesitz Vorzug Äveise konzentriort ist. Di« Karbe vovzvichtlw sodann die wichtlijgeren Gowässsr und Lvsüvt Swoboda~Sdiuhe i fertig und nach Ma$ I L, Sfngcrifrdfje S _____ I., Bauernmarkt 1 und sagte, der Herausgeber des „Neuen Wiener Journal" wünsche, daß seine Zeitung zu dieser Frage Stellung nehme. Er bitte mich also um eine Aeußerung. Ich suchte Hm begreiflich zu machen, daß diesen Aeußerungen des Herrn Pappenheim keine Bedeutung zukäme. Er antwortete, daß seine Zeitung es doch fik nötig halte, zu dieser Rede PappenhoimS Stellung zu nehmen und deshalb meine Meinung darüber hören wolle. Ich sagte, Herr Pappenheim tvare vor ungefähr vier Jahren in Palästina gewesen und habe natürlich manches gesunden, was den Juden von der Agudah nicht recht ist. ES sei begreiflich, daß es unter unseren seelisch und moralisch hochstehenden Arbeitern in Palästina auch solche gibt, die nicht nur politisch, sondern auch religiös links orientiert sind. Doch glaube ich nicht, daß die Führer der Agudah auch jetzt noch von einem moralischen Tiefstand der Chaluzim zu sprechen wagen. Nun kam der betreffende Herr am Telephon auch aus die hebräische Rede BaumingerS zu sprechen. Ich antwortete daraus — und dieser Passus ist richtig wicdergegeben, daß die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in der Kultusgeschichte .einzig dasich:. Dagegen habe ich natürlich nicht gesagt, daß es uns nicht einsallen wird, die hebräische Sprache in Wien in den Sitzungen der Kultusvorstehung sowie in den Schulen Zu verwenden. Wer mich kennt, tveitz, daß ich das Moinige dazu beitrage, damit auch bei uns die Kenntnis des Hebräischen als der lebenden Sprache unseres Volkes verbreitet wird. Ich wäre sehr glücklich, wenn alle Vorsteher eine Diskussion hebräisch führen könnten. Selbstverständlich habe ich auch nicht gesagt: „Der Zwischenfall wurde durch den Uebersrfer eines jungen Kultusvorstchers hervorgerusen," vielmchr betonte ich, daß ich von den Vorgängen in der betreffenden Borstandssitzung nur aus den Berichten der ,Mener Movgengeitung" Kenntnis hatte, und erklärte dem Herrn am Telephon, daß Herr KultuSvorsteher Bauminger nur das Recht deS Gebrauches der Sprache unseres Volkes auch für die Kultusstube festlegen wollte, und fügte noch hinzu: Ich bin überzeugt, daß der Redner, wenn ihm nicht das Wort entzogen worden wäre, sich mit einer hebräischen Einleitung begnügt und seine weiteren Ausführungen in deutscher Sprache gehalten hätte, um von allen verstanden zu werden. Zu Mißdeutungen gibt auch der Passus Anlaß, daß es uns nicht emfalle werde, das Hebräische als Unterrichtssprache in den Schulen einzuf-ühren. In bezug ans die jüdischen Gegenständ« streben wir in den von der jüdischen Gemeinde erhaltenen oder subventionierten Schulen das Hebräische als Unterrichtssprache an. Ich muß noch hinßuDgen, daß mir jener Herr, welcher mich telephonisch befragte, nichts davon mitteilte, daß meine ihm gegebenen Auskünfte als meine Aeußerungen veröffentlicht würden und es wurde mir auch baS Interview" vor der Drucklegung nicht vorgewiesen.* Sln Verband der orlentaNscheu Fude« lu Frankreich. Me das seit kurzem in Paris in französischer Sprache erscheinende Mische Wochenblatt ,Les Flanrbaux" berichtet, hat sich in Paris ein Verband der in Frankreich lobenden Juden ans dem Orient gebi-ldet. In der von den Herren Dr. Vikar Mod iano, Dr. L. Filderman und I. H. Castel einbernf.'nen GründungSversommlnng wurde von sämtlichen Rednern ms die wichtige Rolle hingewiesen, welch« die in Paris lebenden orientalische« Juden in der zi o n i st i s ch e n B e w e g u.n g zu spielen berufen sind, da Paris jetzt immer mehr in den Mittelpunkt der Orien:politik trete. Alle Redner betonten die Notwendigkeit der Bildung eines eigenen Verbandes orientalischer also zwar eine summarische, aber onschan-viche und wiMmgSvotte Daiostellung dop physikallilschen Geographie Palästinas. Aber auch die Topagrahie ist nicht vevnachlÄfsigt. SämMche Städte und «ine ganze Anzahl Koinvror Orte sind vemzoichnet, sämMche BahMnien und CHerchahnknotemmbde, samMche Chausseen und ein« Anzahl smvstigor Straßen sind «ingezeichnot. Bon besonderem Worte ist eS, daß sämtliche jüdischen Kolonien (Hm der ersten Auslage mach dem Sioinde vom AprÄ 1666, in dor Neuauflage nach dom Stunde vom Dvzomhor 1926) vorzoichnet sind, und zwar zum Gegensatz zu tarn meisten bisherigen Karten nlicht nur die Bodonflachen, iunvrhoLb doren die Kolonlim sich befinden, sondern die Punkt« der Siettumg Mst. TÜe Wanidsamte emthW «rußendem noch omv Nebenkarte, darstellend die Lage PaläsiimS nmochakb soiner weitoven Umgebung, umfassend Aegypten, dem Hodschas, TnmSjordkmivn, Syrien, Klvincvsien und Cypvon. Während bisher in den meliston PMstmaPcvvben dentschde und enWschor Sprache eine gwße Unficheahett in der UmschreMmg hebMfcher und arabisch« Namen festzustellen war, ist hi« sowohl in der deutschen als auch in dor engiliischen Karte «ine vollkommen oiachoittiche Limre festgehalten» die in dor englischen Msgabe dor Karte durch die Mchtiliwien dor Royal Geographica! Society in London gegeben ist. Die Roycil Geagvaphieal Soodaty, diese vomnehmste geographisch« wissenschasttiche Gesellschaft dor Wobt, hat für die ihr übermittMen Esemplare tm Karte in «in«m sehr schnloicholhaften Schrvilben chven Dank ausgesprochen. Die GrzichlMtzSa^'Lung der Palästinensischen EzMllive hat dor Hnrstellunv der Wandkarten ihre Wünsch: in bezug aus dir Darstelluttgswoffie geäutzevt, denen auch dMännmen Rechnung getragen wurde, und so hat diese Kstt« in den hebräischen Schulen Ewigang gefimdm. In dielen auch in Osstvrwich, *