Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2546 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vk. WM Men, DsniMSW Lar Semmering-Schachturnier. Dr. Davtakower führt. Semmering. 24. März. (Internationales Panhans-Turnrer.) Dem einen der Führenden, Dr. Dr. Tartakower, gelang es schon in den Vormittagsstunden, seinen Gegner Dr. Bajda in einem abgelehnten Damengambit zu überrennen. Spielm a n n hingegen konnte gegen die ausgezeichnete Karokann-Berteidigung Retis keinen greifbaren Vorteil erlangen, und das nach vierstündigem Kampfe resultierende Turmendspiel wurde remis gegeben. Schlimmer erging es Aljechin, der gegen Dr. V i d m a r in Zeitnot geriet und die Partie verlor. Eine vorzügliche L.istung vollbrachte Altmeister Dr. Tarrasch, der gegen Gilg durch gediegenes Positionsspiel gewann. Auch Janowski hatte seinen guten Tag. Sein Gegner sah sich gezwungen, nach Verlust der Qualität zu kapitulieren. In zähem Kampf bezwang Grün selb als Nachzie-Hender in einer Wiener Partie den Italien.'! Noselli. Mit Remis schloß die spanische Partie Dr. Trehbal ysgen Pros. Dr. Michel sowie auch das von dem Wiener Jungmeister K m o ch sehr fein verteidigte Aljechin-Spvingerspiel gegen den dänischen Matador Niemzowitsch. Das Aljechin-Dpring.'rspiel A a t e 8 gegen R u b i n st c i n wurde nach achtstündigem Kampfe abgebrochen, doch muß man Rubinstein, der im Turm- "ndspiol einen Mehrbauern besitzt, gute Gewinnchancen zusprechen. Stand nach der 13. Runde. Dr. Tartakower 10, Sptelmann 9'/,, Aljechin. Niemzowitsch je 9, Vidmar 81/,, Reti. Tarrasch je 7'/,. R u b i n st e t n 7 (1) G r ü n f e l d, Doktor T r e y b a l j e 6»/,. JanowSkt 6, Gilg, Lr. V a j d a ie 5'/z, Dates 5 (1). Michel, Davidson je 4'/,. K m o ch 9-/,, Noselli'/,. Sie Buda»eler Modeindnstrle gegen Wiener Konsettionsfirmen. , Aus Budapest wird gemeldet: Wie das „8-Uhr- Blatt" meldet, hat die Nachvicht, daß Wiener Konsekt öl io 1t ä f i t ut e n während der bevorstehenden Budapeste r Frühjahrsmesse in einem Budapest er Theater eiine Modeschau unter Teilnahme MlÄschOcßllich österreichischer Firmen flu verausta!liten beabsichtigen, in den Kvoifen der Btidapester Modeindustr.ie große Erregung heiivorgovuifen. Der Präsident des Budapester DamenschweivderverbMdos, Mexander Holzer, erklärte einen: Mitarbeiter des Blattes, daß, tvenn die Wiener Firmen ihre Absicht verwirklichen, dies ein Attentat gegen die ungarische M o d e i n d u st r i e wäre. Seiner Ansicht nach hätten die Oesterreicher in Budapest nichts zu suchen, beim die ungarischen Konsektionssirmen feilen vollauf «in der Lage, den hämischen Bedarf zu befriedigen. Er Haffe, daß dte Regierung bi» Bestrebungen der ungarischen Mooelindustvie unterstützen werde, schon ^deshalb, weil es in der Modeibranche 6000 Arbeitslose gäbe. Die Leitung der Budapester Frühjahrsmesse eMürte einem Milaribeibter des Blattes, daß an der Frühjahrsmesse, die internationalen Charakter Hab«, natürlich auch ausländische Aussteller teilnehmen können. Es habe sich auch eine bedeutende Zahl von Ausstellern aus dem Ausland, darunter auch aus Oesterreich, gemeldet. Die angebliche Absicht Wiener Modefirmen in einem Budapester Theater eine Modeschau zu veranstalten, hänge mit der Messe in keiner Weise zusammen. Raubmord an einer Halbweltdame in Budapest. Ein zweiter Fall Leirer. Budapest, 24. März. (Tel.-Komp.) Im Gebäude der Zyklopgarage in der Gärtnevgasse wurde heute eine, schreckliche Blutt a t aufgedeckt, die in ihren Einzelheiten au den Mord an der Halbweltdame Amalie Leirer erinnert. In einem kleinen Zimmer des vierten Stockwerkes wohnte die 38jährige Kokotte Frau Otto Köhler, eine Oesterreicherin, die seit vier Tagen von den Hausbewohnern nicht n»ehr gesehen wovden war. Man schöpfte Verdacht und riaf die Polizei herbei, die die Wohnungstür aufsprengte. Den Eintretenden bot sich ein grausiger Anblick. Im Bette lag die nackte Leiche der Frau. Es wurde festgestellt, daß sie vor vier Tagen ermordet worden sein dürste, da die Leiche schon die Spuren der Verwesung zeigte. Der Tod war durch Erwürgen eingetreten. Wahrscheinlich hat-, der Mörder die Frau zuerst mit Chlorof o r m betäubt und dann mit einer Vorhangschnur, deren Reste neben dem Bett lagen, erdrosselt.' Es handelt sich zweifellos um einen Raubmord, da all« Wertgegenstände der Ermordeten fehlten. Frau Köhler galt als rech: wohlhabend. Ihr letzter Besucher, aus den sich der Verdacht der Täterschaft lenkt, war ein hochgewachsener Mann in einem Pelzmantel, der mit Frau Köhler sich m deutscher Sprache unterhielt. Nach Aussage des Hausmeisters kam dieser Mann in Begleitung der Halbweltdame vor vier oder fünf Tagen gegen Mitternacht in die Wohnung und blieb zweifellos bis zum Morgen bei ihr. Bemerkenswert ist, daß eine kleine schwarze Katze, das Lieblingstier der. ermordeten Kokotte, beim Aufsprengen der Wohnungstür in jämmerlich abgemagertem Zustand laut heulend aus der Wohnung lief. Au''' dem Tisch der Ermordeten wurde ein Ring mit einem falschen Stein und ein Betrag von 600 Kronen gefunden. Unter dem Bett lag, in ein schinutziges Hemd gewickelt, ein Arzneifläschchen mit der Aufschrift „Chlorathyl". Wahrscheinlich hat der Mörder dieses Mittel benützt, unl sein Opfer zu betäuben. Wiener Morgenzettung verbaftung von FunltlouSren derMuer-«..«. IM Zuge des gegen die Funktionäre der Winex-Ä.-G. eingeleiteten Strafverfahrens wurde Dienstag nachmittags über den Präsidenten der Aktiengesellschaft Dr. Joses Gröll, über den Generaldirektor der Aktiengesellschaf: Emil Leonhard Freund, Kaufmann, im Jahre 1877 zu Stanislau geboren, und die Direktorin der Aktiengesellschaft Hermine G i e g l, Bürgerschullchrerm i. P., die gerichtliche Untersuchungshaft wegen Verdachtes der Veruntreuung und der betrügerischen Krida verhängt. _ Wien, 25. März. * Das Weiter Der Kälteeinbruch hat auch gestern angehalten. Nur gegen Mittag war es etwas wärmer. Die Voraussage meldet besseres Wetter, dessen Dauer aber nicht gesichert erscheint. * Todesfälle. Nach langem Leiden rst Herr Dr. Fritz Singer, ein treuer Anhänger der zionistischen Bewegung, am 23. d gestorben. Das Leichenbegängnis findet heute. Donnerstag um 11 Uhr vormittags am Zentralfriedhof (drittes Tor) statt. — Wie aus Warschau gemeldet wird, ist dort der Publizist und Chefredakteur des „Nowi Kurier Polski" und ehemalige österreichische Reichsratsabgeordnete Ignaz R o s n e r infolge -Herzschlages gestorben. * Eine tödliche Verwechslung. Am Dienstag wurde der 27jahrige Ingenieur Franz C o l e r i g in seiner Dienstwohnung, 16. Bezirk, Effingergasse 26, mit narkotischer Vergiftung bewußtlos aufgefunden. Er wurde ins WNhelminenlpital gebracht, wo er noch am selben Tage starb. Wie festgestellt wurde, hat Colerig auf ärztliche Anordnung eine B r o m k u r gemacht. Da in seiner Wohnung ein Kistchen mit _ verschiedenen Chemikalien gefunden wurde, ist es nicht ausgeschlossen, daß er sich vergriffen und statt Brom ein Gift genommen hat. Selbstmordabsichten hat Colerig niß geäußert. _ Bortrstge, Vereine, Versammlungen. Zionistisch eArbeitSgemein schüft. Heute, 8 Uhr abends, km Vortraasraal der Zionistischen BezirSsikt on Leopoldltadt, 2. Bez., Zttku-gofse 93, dringende AuSichußfitzung. Sämtliche Mitglieder der Zionistischen Arbei Sgemeinichaft werden aut dieiem Wege eingeladen — Jungztonisttsche Gruppe der S e k t i o n 6 bis 8, 8 Bez.. Bcnnovlatz 1 a. Heute, vrazlle 8 Uhr abends sprich Dr. Max Schnabl über ,3 « b ö n unter den Hasmoneasürsten". Eintritt f.ei Gäste willkommen. * E Die zionistische Bezirkssektton Leopoldstadl gratns-iert ihrem Vorstandsnvilicslied. Herrn Leon Schräge, an'läß,l>ich seinen: Verlobung mit Fräulein Salonrea Ander mann. Das Bezirksrabbinat Mattersbnvg gibt der Oeffentilichfe.bt bekannt, daß .Kurier o l wtiter seiner Oberaufsicht in den Knnevolwerken, Wien—Atzgersdors, hewgestellt wird. Während des ganzen Fäbrilkationsgamiges ist am vom RaiMnate bestelltier Aufseher im Betriebe. Knnerol mit dem Osberjivgel kann daher mit ruhigem Gewissen von jedem strenggläubigen Juden zu den Ostevfeievtagen verwendet werden. S. B. Ehvenseld. Bez-irksralMiner der Sialdt Mattersbuvg. , Zionistische Arbeitsgemeinschaft. Heute um 8 Uhr abends sehr dringende Sitzung im Vortrag ssaabe der ziionMischett BeziLkssektivn Leopoldstadt, 2. Betz., ZivKusigasse 33. Die nicht verständigten Mitglieder werden aus diesem Wege eingeladen. Heute in den Straußelfälen, 8. Bez., Josesstädterstratze 26,. Fünstlhrtee. die gvafndiose Modenschau des Modenpallais ' Jülius Ärupnik, PosistanM: ' Erster Preis ein Abendkleid. Leopold Hilsner, der seKt ainiiger Zeit üvawk zu Bebte liegt, wendet sich wieder an die jüd>'.ische Oeffentlichibeit. Er kann durch eine Nezidive seines im Keriker evworbenen Leidens sich nicht bckvegen und. keiinem Verdienst nachgehen. Er hungert und liegt verlassen in eiiner ärmlichen Kammer. Wir hoffen, daß sich unsere Leser seiner anniehmen werden, Radiovroaramm. Heule Donnerstag den 28. März. 11 Uhr: VormiLogsmustk. — - 18 Uvr io Min.: NachmNlvgSko zerr. — 17 Uhr 1ö Min.r Märchen der Dichtung. IV. Gottfried Keller r Sviegel. das Kätzchen Gesprochen von Othmär Biegler. - 18 Uhr 10 Min. r Mitteilungen aus den Bundestheatern — 18 Uhr 25 Min.'r VoitragSierie r ^Goethe". IV. Der Klajstzist. Drittes Dramas UntveffitätSpro'effor Dr. Robert F. Arnold. — 19 Uhr 10 Min. t. Espeianto. -^.19 Uhr 40 Min.; Englisch für Anfänger. — 20 Ubr 15 Min. r Konze'takademie. Mitwirkend Nektar von Flondor, Joief Groenen, Luise Dreher (Har e , Friedrich Schön-. feld (Flöte) Am Flügel: Prof. Erich Melier. A. Zamarar Capriccio für Flöte nng Harfe G. Donizettir Wahnsinnsarie aus »Lucia di Lammermoor*. I. Monguett, pan et les vsrxers Lieder mit Har»e C. Laflter Liedchen; Tanzbed rer Stella. H. Kserulf: Frühlingslied -Hasselmann r Gttana. U. Gtordano r Arie aus »Andre Cbenier". G. Berdi r Arie aus »MaSk.nball* (Eruebe dich), Jo ef Groenen. — 21 Uhr 20 Min r Vorlesung Otto Treßler. Kunst, Sühne, Buch. Strawiuslh-Konzert. StratvinSkys heuer bereits dreimal in Wien anfgeführte „Feuervogelsuite", das genial.' Tanzspiel „Petruschka", das schon vor dein Kriege in Wien zu sehen war, und das von Strawmsky übermäßig instrumentierte nationale Bollslied „Gesang der Wolgaschisser" in allen Ehren! Aber die Hauptsache an dem unvergeßlichen Konzerteindruck war doch Strawinski) selbst, der zierlich, elegant, chne das ihnt sonst unentbehrliche Monokel aus dem Podium erschien und nach einigerl tadellosen Verbeugungen sein Klavierkonzert vortrug. In seiner höchst authentischen Interpretation weiß der Pianist manches Rätsel zu lösen, das der Komponist dem Hörer aufgibt. Er spielt ruhig, präzis» ja mechanisch wie ein Automat, itnb angesichts dieser Maschinerie er- ,Innert man sich, daß er von der Aufführung seines „Concertino" durch das Brüsseler „Pro-arre-Quartett" mit Begeistern ig 'agte: „ES war. eine richtige Nähmaschine". Auch den Flügel handhab: er wie eine Maschine, welch', unbekümmert um melod.sche Dynamik, den Rhythmus hämmert Be. rhoven schrieb seine letzten Sonaten für das damals neue H2wmer!l"v'er, uiner den Fingern des Maschinemneuschen S-'rawinsky wird mganzes Hammerwerk in Bewegung gesetzt. Ob auch das Klarier ächzi und stöhnt und die bangen Zuhörer blaß und blässer w rden, SträwinÄY hämmert wie seelenlos »ositer, Die vorbachischeu, vor- _S5. Mär; 1926 DoM 7 klassischen, heterophon weit verzweigten Moliolmien klingen ab, Klänge aus der Bar oder aus fernen tropischen Ländem flattern in Fetzen vorüber und die rhythmische Maschine arbeitet in dröhnenden, gewaltsamen Morden wciter. Immer schneller und noch schneller, im Klavier, in den Bässen, in den Bläsern. Dirk Fock, der ausgezeichnete Dirigent,' der seinen Strawinsky gründlich kennte und das gehetzte Symphonieorchester kommen kaum mehr mit. Doch Strawinsky rast 'weiter, er kennt, ganz wie unsere Zeit, keine Sentimentalität und läßt höchstens im Largo sparsam Verhaltens Empfindung Raum. Volles Lob gebührt dem Publikum, welches diesmal nWft, wie so oft bei schwierigen Novitäten, durchfiel, sondern Strawinsky durch enidlose Hervorrufe chrte. Der berühmte Tondichter und treffliche Pianist ist zugleich ein schlagfertiger Diplomat, der ihm lästig- Fragen üoer moderne Musik und ihre Probleme von sich ferne hält. Und dem ist gut so! Seine Musik braucht keine engherzigen Kommentare, sie ist stark genug, durch sich selbst .zu sprechen. flb. Aus den Zürnten». Burgtheater. Die heutige Vorstellung von„M a r i a > Stuart" beginnt um 7 Uhr. — Morgen. V,8 Uhr abends, et ewige Jüngling" (Theatergemeinde Serie B, blau). V o l k s o v e r. Morgen Erstaufführung von Marco Franks gweia'tiqer Over „Das Bildnis der M ad o n n a". Im Anschluß BukentS ..Arlecchino". Johann- Strauß-Theater. Die heutige Erstausführung der. Overette „Dte spanische Nachtigall" beginnt präzise 7 Uhr. Modernes Tvealer. Ab Morgen gelangt allabendlich wieder „Sensation" zur Aufiührung. Ronacker-Operettentyear er. Sonntag nachm ttagS findet das Ensewbelgastspiel deS Deutschen VolkSiheaterS mit „DerPfarrer von Ki'rchfeld" statt. R o > a n d - B ü h n e. Morgen, 8 Uhr abends, findet die Erstaufführung des Lustspieles „Epsteins Witwe" von Emtl und Arnold G o l z mtt .Gisela W e r b e z i r t in der Hauptrolle statt. Kleine Kunstnachrichten. Di« SolldaientvatMiiic ,Z a pfenstreich" von Fr. A. Beyer lein, die seine izz>ei>l -großen PuWikumsevfollg hait-tie, wllrde als Ärbvebt-o für eime Oper verwendot. Die Vertonung stammt von dem itailieuischen Komponisten Domenico MonLeone. Das Werk faiib int Sdadtüheater M Kottbus freundliche Anifnahme. — Eine bisher unbekannte vramaiische Dichtung Balzacs, die Komödiie „KainPf der Frauen" wurde von WaWer Meckauer für die deutsche Bühne bearbeitet und gelangt anu Frankfurter Schiauspiechaus zur Uranifführiung. — In 'der Zelvt vom 29. Mai bis 2. Juni' findet in Heidelberg das sechste deutsche Brahms-Fest statt. Es wirken unter anderem die Berliner PhiHarmonGer, Panil Gvümmter, Advff Wsch und das Busch-Quavtott^ utiit. Gerichtssaal. Er küßt, sie 'kratzt. Bor einiger Zeit erschien bei der Polizek der Privatbeamte Alexius F. und beschwerte sich, daß er kur; vorher von seiner Braut, der Näherin Margarete B., schr hastig im Gesicht und am Hals zerkratzt worden sei. Der Anzeiger betonte, daß die Täterin seine Braut sei und daß sie ihn mit ihren scharfen Fingernägeln die Kratztvunden beigebracht habe, als er, wie es ja . als Bräutigam sein gutes Recht >ei, der Braut einen Kuß rauben wollte. Der Polizeiarzt stellte eine «leichte Körperverletzung fest. Aus Grund dieser Anzeige hatte sich gestern Mawarete B., . ein 19 j ä h r i g e s , auffallend hü«bsches Mädchen, vor dem Landesgerichtsrat Dr. Arie zu verantwörien. Die Angeklagte erklärte, daß der Anzeiger j»e seit Monaten anibete und sie belästige, daß er äber k e i n e s w e g s r h r B r ä u t i o a m sei oder war, daß sie vielmehr seit Monaten mit einem anderen veriloibt sei. Auf die Frage oes Richters, ob sie zugebe, den Anzeiger im Gesicht und am Hals zerkratzt zu haben, saKe die Angeklagte: ,^Zch war bei der Mutter des Anzeigers zu Besuch und spielte gerade am Klavier, als der Anzeiger von rückwärts mich umarmte und mir einen Kuß raubte, vo etwas nmß ich mir doch nicht gefallen lassen und da häbe -ch, als der Herr Anstalten traf mich, noch einmal! zu küssen, mich ordentlich gewehrt und bin ihm mit den Fingern ins Gesicht und an den Hals gefahren. Die Kratzer, die oer Arzt konstatirt hat, werden schon von meiner Hand sein." Der Äs Zeuge vorgeladene Anzeiger war nicht erschienen. Er befindet sich derzeit im Ausland. Der Richter verzichtete auf eine neuevliche Vorladung des Anzeigers und sprach die Angeklagte mit der bmrerkenswerteti Begrüttdung frei, daß sich kein Mädchen unberechtigte Lie«besbe zeügungen gefallen lassen müsse. Im konkreten Falle sei der Anzeiger zu der Lieibeslbezetrgung keiueswegs berechtigt gewe>en und sei die Angeklagte nur im Recht gelwesett, wenn ftc sich gegen eine derartige Liobesweribung entsprechend gewehrt halbe. Die Frm mit den fünfzig Dienstboten. In entern Prozeß , oaiff Unlgültigkei'tserklä'vunig eiiwer Ehe. der von dem Kaufmann Alfons Jössel gvgeu seine Gaittm angestronigt worden ist, kam zutage, von tvÄchen movkltvürdiMn Wahnideeu «ine Fvau befallen wUEpde, ehe sich herausstellbe, daß sie g e i st i g unzurechnungsfähig ist. Die UngültigkeitSevklärung wurde vom Klageveriwatier Dr. Otto Donath beantragte, da die Frau schon zur Zeit der im Jahre 1909 erfoligten Ehe geifstes-kraük getveseu uuid die Ehe daher rnangels der Bevtragsfähigikvit des einen Ghebeiles nngübtig sei. Als Beweis für die Geistesgestörtheit der Frau Warden ungefähr zwei Dutzend Zeugen geführt, die gauiz Merkwürdiges augaben. Der Frisieur der Frau er.zählte, die Frau halbe immer bchauptet. daß sie blaue Haare ha«be.. Die Hausbesorgeriin gab an, daß die Frau kurze Zeit nach der Bfer^helichtmg einmal ganz zerrauft »:«nd mit zerrissener Bluse zu ihr gekommen sei und sich beklagt habe, daß das Dienstmädchen sie so übel zngerichtet habe. Ihren Mädchen gegenlüber l>at sich die Frau überhaupt ganz merkwurdtig benommen, so zahlte sie ihnen zum BeWvl zur Zuiberertun-g der Suppe fünf Erbsen zu. Daß sie unter dlesein Umständen sehr häusiig ihre Dienstboten wechseln umßte mtd i m ersten Ehejahre nicht weniger als 50 beschäftigte, ist derstäudlich. Andere Zeugen bestätigen, daß die Frau furchtbar eifersüchtig war und ihwtl Manu übewll verfolgte. Die Kranke hatte schon im Jahve 1912 ihr Einverständnis zur Bescheidung gegeben. Sie befatid sich soixtnn eine Zeittang in der Svetlinschen Hei austalt. von wo sie an den S t e i n h o f abgege«ben tvurde. Ihr Leiden tvu«rde schließlich ailS Denvowtva pvaecox (jugeM«icher Irrsinn) erkannt. Da der Gerichts- Psychiater, Primarius Dr. Stelzer, angab, daß er <mf Gvnnd des voribi«egenden Bewoismaterntls noch nicht in her Lage fsi, ein Urteil abzugeiben. mußte die Berhcmdlwng zwecks Herbaischaiffnug der Kva>nkengeischichten und m Ladung neuer 1 Zorvsen vertagt werden »