Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-03-25 · Heft 2546 (25.3.1926) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2546 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981633--25973-3013681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

. decke S_ Vr>n, DonEZtag Der rote PoteÄMrü — y. Wien. 25. März. Wiener Morgenzeilnng_._März 1936_M. Mb Der bolschewikische Krim-Schwindel. Ein minutiös aus.ieorbeitetes ^ic^fcmcnt der jüdifchku Abteilung >X'S russischen Propag.tuda.Mies organisiert einen Resolutionssinrm der Hilden, die mit öeit Segnungen der Südluna in der Ukraine und in Ch.'.r low beglückt werden sollen. Das Projekt stoßt auf bedenkliche Schwierigkeiten. Der verfügbare Boden ist zu gering, die nichtjüdischen Anrainer leisten tätlichen Widerstand und die jüdische Bevölkerung zeigt offenes' Mißtrauen. Die finanziellen Mittel,' die die Sowjetregierung zur Verfügung stellen kann oder will, reichen für eine Kolonisatwn im größeren Stile nicht ans, haben^ aber die mißliche Siülation geschaffen, daß die nichtjüdischen Bauern, denen keine Staatshilfe zuteil wird, selbst. gegen diese geringe Subventionierung sich auslehnen. Die russische Regierung ist, wie ja schon seit geraumer Zeit bekannt, darauf verfallen, gewisse Kreise des amerikanischen Judentums für ihren Plan zu gewinnen. Diese Kreise, es sirrd die reichen Magnaten der Hochfinanz, standen in dein Rufe, sich dem Zionismus Zu nähern und dem palästinensischen Aufbauwerk reichere Zuwendungen machen zu wollen. Die Not in Mittel- Und Osteuropa schien damals soweit eingeschränkt, daß sich die jüdischen Massen ans eigenen Kräften sichern konnten. Es war also für die Amerikaner sozusagen ein Vakuum für ihren philanthropischen Sinn entstanden, den sie zu Hause dank der Drosselung der Einwanderung nicht mehr zu bemühen brauchten. Die Teilnahme an der. Jewish Agency erschien im Augenblick als eine seelische Entlastung. Gerne taten sie's ja nicht, denn der Aufbau eines jüdischen Nationalheimes mit seinen politischen und nationalen Bedingungen liegt ihnen sehr weit ab. Däm weiß nicht recht, ob ein stärkeres Engagement von der amerikanischen.Regierung, die alle Völkerbundinstitutionen unfreundlich behandelt, mit guten Augen angesehen wurde. Das russische Projekt kam zur rechten Zeit, um das Dilemma zu losen. Die südliche Ukraine, die ganze Krim war angeboten. Wozu erst in Palästina mühsam und unter schwierigen Voraussetzungen langsam Boden kaufen, ihn sichern und nationalisieren? Hier war aus dem Bollen zu schaffen. Die russische Regierung steht ja dahinter. Der Elan war sehr stark, aber er hielt nicht lange vor. Das amerikanische Judentum hat sich unter der zionistischen Führung für Palästina und damit gegen die Krim entschieden. Die öffentliche Meinung sprach laut und deutlich, aus Rußland sickerte langsam die Wahrheit durch. Es trat in dem Sammelwerk eine Stockung ein, während die zionistische Palästinaaktion sich rasch entfaltete. Die Sowjetreqierung wußte sich zu helfen. Sie arrangiert eine große Versammlungskampagne. In Rußland ist sonst das Versammlungsrecht eine ziemlich unbekannte Sache. In diesem Falle ist die Regierung jetzt liberal. Sie muß die Verbindungen mit den amerikanischen Finanzjuden aufrechterhalten, weil sie sich auch weltpolitisch sehr gut benützen lassen. Sie muß vor der / Welt das Gesicht wahren, sich jüdische Sympachien sichern und — Hauptsache! — die Kosten der Mion aus Mischen Taschen holen. Und sie muß, was womöglich noch wichtiger ist, ge^n den Zionismus losgehen und seine AnziehungÄraft reduzieren. Zu diesem Zweck treibt sie durch ihre Jewsekzia (wann hätte irgend ein Pogromist nicht Mische Helfer gefunden!) die Juden Rußlands zu Versammlungen zusammen, schreibt ihnen die Reden und Resolutionen vor, befiehlt ihnen die Ausnützung der verwandtschaftlichen Beziehungen in Amerika und regelt sogar die Sprache gegen den dreimal verdammten Zionismus. Die Propagandakommission denkt an alles. Nicht zu scharfe Ausdrücke über den Zionismus (den sie im Grunde der Seele fürchten), sondern Kritik am Palästinaprinzip. Keine Adressen für Geldüberweisung nennen! Das besorgen schon die Landwirtschaftsbehörden selbst. Keine Hilfsgelder und persönliche Unterstützung fordern! Alles Geld für die Kolonisation in der Krim! Und möglichst viele Errungenschaften cmführe.n. Wenn Ihr keine wisset, die Jewsekzia gibt Euch das Material! Man sieht sehr scharf hinter die Kulissen des Betruges und erkennt, wie die Resolutionen, die seit neuem aus Rußland bekannt werden und das Kolonisationswerk nicht genug loben wissen, zu werten sind. Man erhält auch, soweit dies heute noch notwendig ist, die richtige Einstellung zu den Ziffern, die flinke Sowjetagenten als unparteiische Zeugen in den westeuropäischen Zeitungen und Versammlungen anzuführen Pflegen. Sie sind alle samt und sonders kommarwiert. Die Sowjetregierung wollte eben ein Konkurrenzunternehmen gegen das Werk des Zionismus schaffen. Aber wenn zwei' dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. Was der Zionismus erstrebt und erarbeitet, scheut keine Kontrolle. Unter den Augen der ganzen, sicherlich sehr mißtrauischen, voreingenommenen und auch mißgünstigen Welt entsteht die Heimstätte in Palästina, von Juden für das ganze jüdische Volk geplant. Alle europäischen Kulturstaaten, die das Mandat unterfertigt haben, sind Zeugen und Garanten. Die zionistische Oeffentlichkeit begleitet jede .Handreichung, jeden Akt und jede Tat mit ihrer Kritik. Aber was in Rußland geschieht, das hat seinen Vorgänger, seine Parallele in diesem Land. In der Krim wirkte Potenkim. Seine Nachkommen arbeiten nur m:t geduldigem Papier und Kerker. Er stellte gemalte Knüffen Zuf- Sir« Geheimzirkular der Jewsekzia. Wie Rußland dem Salut Veld -eeaurlockt. — Behördliche Lrganilation der miWonMcheU .Kampagne. — Bargeschriebrue Protestresolutionen.— Ile Rolle de» »Siet". Das NewHorker ,Jewish Morning Journal" ist in den Besitz eines Exemplares des geheimen Zirkulares.der Je»vfekzia (der jüdischen Abteilung der Soivjetregiemng) an die einzelnen Gruppen und Zweigstellen über ihr Verhalten in -er Frage der jüdischen Kolonisation in der Krim gelangt. Dieses Gehe! in zirkular hat folgenden Wortlallt: Laut offiziellen Berichten hat der jüdische Kongreß in Philadelphia, der vom Joint mit dem ausschließlichen 'Zwecke, die Regelung der Judenfrage in S. S. S. R. und die Finanzierung dieser Regelung zu beschließen, ^iifberufen wurde, in einer unter dem Druck der Zionisten und jüdischen Geistlichen angenomnrenen Resolution nicht beschlossen, daß das gesammelte Geld ausschließlich für die oben erwähnten Zwecke zu verwenden sei. Aus diesem Grunde enthält der Beschluß einen besonderen Punkt, in welchem - die Unterstützung der Kolonisation in Palästina betont wird ohne Rück sich t da ra uf, daß die Kampagne zur Sammlung der 15 Millionen Döllar, die unter dem Schlagwort der finanziellen Unterstützung der Kolonisierung' der Juden in Sowjetrußsand geführt wird, zum größten Teil anderen Zwecken zugeroendet werde. Um dem Versuche der Zionisten und Rabbiner, die Hilfsmittel für die Kolonisation der jüdischen armen Menschen in Sowjetrußland zu verringern, Mtgegenzuarbeiten und MN auf die Führer des Joint und die jüdische öffentliche Meinung in Amerika einen Druck auszuüben, «ist es notwendig, daß sofort eine Kampagne der Masten und der Einzelpersonen in der Ukraine in Angriff genommen wird, damit diese auch ihrerseits die betreffenden Landsmannschaften und Verwandten in Amerika in diesem Sinne beeinflussen. Zu diesem Zwecke schlägt das Hauptburean der Jewsekzia folgende Maßnahmen vor: 1. Eine breite Masterwevsammlungstätigkeit der jüdischen arbeitenden und rnittellpsen Klasse zu beginnen. In diesen Mästendersamiliinngen ist auf die feindlichen Aktionen der Zionisten gegen die Hilfe der jüdischen Kolonisation in Scwjet- -rußland, die e i n e T o d e s g e s a h % für die zionistische AbenteurerPölitik darstelle, Hinzuwersen. - 2. In den Versammlungen müsten Resolutionen angenommen werden, wonach die in Amerika lebenden Kinder und Verwandten aufgefordert werden, ans den Joint und die übrigen Organisationen einen Druck in der Richtung aus- -zuülben, daß die gesammelten Hilfsmittel nm für die Bodrnkolonisation der Juden -in Scwjetrußland verwertet werden dürstn. 3. In diese Resolutionen müsten mit möglichster Genauig- -lest alle bisherigen Errungenschaften auf dem Gebiete•" der, -Ueberführung der Juden zur Landwirtschaft, 'sowie auf dem -kulturellen und sowjetistischen Gebiete anfgezählt werden. Konkret muß in den Resolutionen auch die Eignung der bereits landwirtschaftlich kolonisierten oder hierzu in Aussicht -genommenen Familien betont werden. 4. Die nach Amerika zn übermittelnden Resolutionen müsten die größtmögliche Zähl von Unterschriften der jüdischen Bevölkerung mit Angabe des Berufes der Unterzeichneten auffveisen. Es muß auch dafür'gesorgt werden, daß diese Ausrufe und Resolutionen auch von angesehenen gesell-' schaftlichen Persönlichkeiten und Rabbinern unterfertigt werden, die in Amerika bekannt sind. 6. Es ist nicht erwünscht, daß die Resolutionen und Appelle besonders scharfe A u sdr ü ck e gege n di e Z i on i st e n, die jüdischen Geistlichen und dem Ägro-Joint enthalten. Es soll auch nicht erwähnt werden, durch welche Organisation, Joint oder -Jca, die gesammelten Beträge überwiesen werden sollen. Diese Fragen lösen die landwirtschaftlichen Stellen in Sowjetrußland sellbst. 6. Außer den kollektiven Zuschriften und Appellen müsten auch die verwandtschaftlichen Bezichungen ausgenützt werden, um auf die DeNvaMru in- Amerika zu wirken, damit diese wieder auf die dortigen Landsmannschaften in oben bezeichnetem Sinne einwirken. Die Organisiemng der Versammlungen, Besprechungen und Konferenzen muß von den lokalen Abteilungen der Ozet und, wo solche nicht vorhanden sind, durch andere entsprechende Faktoren besorgt werden. In keinem (Falle aber darf diese Arbeit durch die lokalen Parteiorganisationen durdy geführt werden. I« den Zuschriften «wer darf die Ozet in keinem Fälle figurieren. In den Versammlungen selbst muß mit scharfer Kritik des Zionismus eingesetzt und der Schaden unterstrichen tverden, den der Zionismus den arbeitenden Massen znfägt, und ebenso muß die Kolonisation in Sowjetrußland der Kolonisation in Palästina en tgegenge st e llt werden. In allen öffentlichen Beschließungen sowie in den Akten- Materialien, die nach Amerika gesendet werden, muß der Charakter der Initiative von seiten der breiten Masten der jüdischen Bevölkerung gewahrt bleiben. Auch in den Aufrufen an die Landsmannschaften und Privatpersonen in Amerika soll n i ch.t so se hr di e Not u nd Aussichtslosigkeit des jüdischen Lebens in den Städten als vieknchr die Möglichkeiten einer wirklichen wirtschaftlichen Gesundung der jüdischen Masten, die sich jetzt in Sowjetrußland' bietet, unterstrichen 'werden. Dabei soll auf den staatlichen Charakter der Uebevsiedlung der Juden, auf die bereits vorhandenen Erfolge und auch darauf hingewiesen werden, daß die weiteren Erfolge ausfchketzlich von weiterem Zufluß an Geldmitteln an die Räteregie nmg abhängig fft. Diese Beschlüsse und Appelle sind'' sofort an die Land-- manpschaften in Amerika abzusenden. Abschriften sind der ukrainischen Regierung und der Ozet zu übermitteln. Als Materialien für die Kampagne können benützt .werden: 1. Artikel des „Emes" vom 18. Oktober unter beut Titel „Joint und die Konferenz in Philadelphia". 2. „Stern" vom 6. Oktober, der Artikel „Der jüdische Kongreß in Philadelphia". 3. Ziffernmaterial allgemeinen Charakters findet sich im Sammelbuch „Der jüdische Bauer" und in den Numnterv des „Emes" und „^tern" vom 25. bis 29. August. Gezeichnet: Verwalter der Agitrop Z. K. P.opofs. Für die Jewsetzia: K iper. zwischenfiille im Reichstag. Ruhestörer von der Tribüne aus. — Die Sitzung Mutz unterbrochen werden. Berlin, 26. März. In der heutigen Sitzung des Reichstages kam es zu einem Zwischenfall, der die Räumung der Tribünen zur Folge hatte. Während die Debatte im vollen Gange war, ließ plötzlich eine Frau an zwei Schnüren langsam ein großes Plakat von der Tribüne herab, dessen Inschrift nicht zu entziffern, war. Zugleich warf ein Mann Flugzettel in den Saal, auf welchen gegen eine Wohnungsbeischlagnahme Beschwerde geführt wurde. Als der Vizepräsident Dr. Bell d.e Zuschauertribünen räumen lasten wollte, weil dort auch laute Ruf e ertönten, protestierten die Kommunisten energisch uitb forderten die Zuschauer auf, zu bleiben. Die Abgeordneten der Mitte und der Rechten wandten sich erregt gegen ihre kommunistischen Kollegen unb es entstand ein solcher Lärm, daß der Vorsitzende die Sitzung auf fünf Minuten unterbrach. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verlangten die Kommunisten stürmisch, daß d:e Besucher wieder in den Saal gelassen wurden, was aber der Präsident verweigerte. Nun drohte es wieder zu eiuem Tumult zu komnten, und der Vorsitzende. mußte den Ruhestörern die schärfsten Maßnahmen androhen, um die Sitzung sorlführen zu können. Irr Bortragrrtzllus des zionistischen Lande»- komltee». Im Rahmen des Vortragszyklus spricht heute um halb 8 Uhx adenos im Klubiaal der Hakocch, 1. Be;., Wipplittgerstratze 21-26, Herr Dr. N. M. Gelber über „Judenftaats- Projekte in den Jahren 1740 bis 1&10" Karten sind im Zionistischen Bttreau, 1. Be;., Kärntucrstraße 28, unb pör Besinn heS BortraM m KlMsim der tzakoatz erhältlich Ein völkischer Enleisnungsvorschlag. Berlin, 24. März. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute die, zweite Lesung des Entwurfes über die Auseinandersetzung zwischen den deutschen Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern fort. Abg. Fr ick (völkisch) beantragt, dem Artikel des Gesetzes folgenden Wort- 'laui zu geben: DaS gesamte Vermögen der Bank- und B ö r f e n f ü r st e n, der seit dem 1. August 1914 zugezogenen Ostjuden und sonstiger Fremdstämmigen, ferner der seit diesem Tage durch Kriegs-, Revolutions-, Jnflations- und Deflationsgewinne erworbene Vermögens- Zuwachs wird zum Wchle der Allgemeinheit ohne Entschädigung enteignet. Abg. Frech, v. R i ch t h o f e n (Demokrat) ersucht, den Antrag des Abg. F r i ck zuvückzustellen. 12,500.000 Stimmen für das Volksbegehren. Berlin, 24. März. (Tel.-Komp.) Nach den vorläufigen amtlichen Ermittlungen beträgt die Zahl der in allen 35 Wahlkreisen des Reiches vorgenommenen Eintragungen für das Volksbegehren in der Frage der Fürstenabfindung 12,600.000. Rrae völkische Vandalismen in Srsnrt. »er»«, SS. März. (I. T. 3t) Aus Ersurt Imci) telegraphiert: In der Nacht vom Samstag auf Sonntag ist in Erfurt ein neuer Bubenstreich verübt worden. In der Synagoge wurden mehrere Fensterscheiben zertrümmert. Die Täter, drei cm der Zahl, wurden bemerkt und von Anwohnern verscherccht. . Die Verhandlung gegen die drei Mitglieder des Wiking-Bundes, Laudien, Bartholomä und Seidenstücker, die den alten israelitischen Friedhof in Erfurt fast völlig zerstörten, findet am Dienstag den 30. d. vor dem erweiterten Schöffengericht m Erfurt statt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.