Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2545 (24.3.1926)
- Date
- 1926-03-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Sfeifc 6 Wien, Mittwoch Tagesbericht. godensrage und Antisemitismus. Gn Preisausschreiben der Zionistischen Exekutive. Aus London meldet etc I. T. A.: Die Zionistische Exekutiv-' schreibt einen Preis von 50 Pfund und einen Preis von 30 Pfund für die besten Propaganda 'Bros ch üren üver das Motiv ,.D : I nvenfr a g e und der Antisemitismus" ans. Di/ Arbeit soll Sie Bedeutung des Zionismus ous Versuch zur Lösung Ser Iudenfmge, sowie Sie bisherig.'-' Errungenschaften d.'s Zionismus schildern. Die l-.rnn hebräisch, jiddisch, englisch, deutsch oder französisch geschrieben sein uud darf nicht meor als 2O.OOO Worte umfassen. Letzter Einsentdungstermirl ist der 15. Juni 192" Die zionistische Arb.Z in London. London, 21. März. (I. T. A.) Die englische Zionistische Föderation und der Order Aneient Maecabeans beschlossen, einen gemeinsamen Aus schuf; zu dildeu, der tue zionistische Propaganda in England sühren soll. Jode Organisation entsendet drei Vertreter, die Komitees des Natronolfonds und »des Keren Hasessotz je einen Vertreter in Sen Ausschuß. Die Propaganda während des „Monats der Zionistischen Organisation" wird oon dem vereinigten Ausschuß, dessen Präsident Morris M y e r, Chefredakteur der „Jervrsh Times", ist, geleitet werde;» Riesenbrand in Berlin. Aus Berlin, 23. d., wird uns gemeldet: Jur Rieseugebände der Rotop Hot-Gesellschaft in der Alexandrineustraße ist heute um 9 Uhr abends ein großer Brand ausgebrochen. Trotzdem nicht weniger als 17 Löschzüge, also fast die gesamte Berliner Feuerwehr auf dem Brandplatze arbeitet, breitet sich das Feuer infolge des scharfen Ostwindes immer werter ans. Leserieure der Ehe. Die Zahl der Ehemänner, die ihren Frauen and ihren Fetutiien davongelaufen, hm sich in letzter Zei: besonders in den Großstädten in erschreckender Weise gesteigert. Die englischen Statistiker lenkten kürzlich die Ibusmerksamkeir daraus, daß ru Großbritannien gegenwärtig gegen 30.000 Ehemänner verloren gegangen" sind, die von den verschiedenen Bchörden gesuchr werden, und da weitaus nicht in allen Fällen die Ehefrauen das Verschwinden ihrer Männer anmeiden, so kann nran die Ziffer dieser englischen Deserteure der Ehe" auf. mindestens 50.090 angeben. Die Gründe für diese beu'nvuhigendrn Zustände, die keineswegs nur aus Großbritannien beschränk: sind, werden nun in einer Londoner Zeitschrift erörtert. ' Es gibt unter diesen Fahnenflüchtigen zahlreiche „Sarsonau-srci.ß er", dis nach den langen Wirrteemonaten, die sie in der Enge ihres Heims verbrachten, den ,Iuf der Landstraße" hören untz dieser Lockung nicht widerstchen können. Diesen ehelichen Vagabunden wird chre Flucht erleichtert drrch die zahlreichen Asyle und llnterkunftshäuser, die in England vielfach besonder» von dem 'Menschermeund Lord W r o m t o n eingerichtet worden sind. Eines dieser Wwwtomchen Achte ha: in: Volke direkt den Namen ^Heim der Ehedeserteure", denn cs finden sich dort zahlreiche Familienväter zusammen, die ihrer Häuslichkeit überdrüssig geworden sind. Einen gwßen Teil! der Sch.ild tragen auch der Krieg tmtz seine Felgen. De: Wanderinstinkt der Männer, ihre Sehnsucht nach Abenteuern ist durch das lange Leben im Schützengraben gesteigert worden. Das alltägliche Einerlei des Ehe leben», behagt ihnen nicht mchr und so gehen sie eines Tages auf und davon,, um sich wieder „etwas Abwechslung" zu verschaffen. Selbst wenn die Polizei einen solchen Fahnenflüchtigen de: Che ausgespürt hat, besitzt sie keine Machtmittel, am ihn zur Rückkehr zu veranlassen, und die Unterhaltsansprüche, die die verlassene Frau erheben kann, können nicht befriedigt werden, rvenn der Vagabund selbst.nichts besitzt. So fällt dann die gatten- und vaterlose Familie der Armenpflege zu: Last, und der Steuerzahler l>at für die Gewissenlosigerest solcher „Zugvögel" zu büßen. Wilkinson behauptet, -daß mau infolge der Mängel des Anmeldewesens m England einen Ehemann, der ins Auslarrd äbwandert, oie! leichter finden kann als einen, der im Lande bleibt. Selbst wenn solch ein Eheflüchtlmg in die britischen Kolonien geht, kann er leichter zu: Verantwortung gezogen werden, als wenn er in der 'tzroßstadt London mir ein paar Straßen weiter wandert. Das Semmermg-Echackturmer. Aljechrn, Lartakower und Spielmnnn an der Spitze. Semmering, 23. März. Heute kamen nur die .Hängepartien und das seinerzeit wegen Erkrankung des Wieners Kmoch vertagte Spiel Kmoch—Reti aus der 10. Runde zur Austragung. Die Hängestellung G r ü n f e l d—N i e m z o w i t s ch würbe nach einigen weiteren Zügen von G r ü n f e l d g r w o nn en. Auch die von gestern resultierende Hängestellung Professor V i d m a r—N i e m z o w i t j ch ging, wie wir schon gestern vornlssagren, sehr bald für N i e m z o w i 1 s ch verloren. Die Partie K m o ch—R e t i, eine Budapest.'r Verteidigung des Damengamüns, wurde von denr Kölner Großmeister mit einer brillanten Opserwendung schon nach 31 Zügen zu [ciueit Gunsten altschlchen. Der Sla'.td rst nunmehr jotgetwer: Dr. Aljechin, Dr. Tartalomer, Spielmann je 9, Nicmzowilsch Hlh., Professor Dr. Vidmar 1% Reti, Rubinstein je 7, Dr. Tarrasch *>V», Dr. Treydal 0, -'iilg, Grünfrid, Dr. Vajda je 5'/-., Janowski, Aares je 5, David, ion IProfessor Michel t, Kmoch 3, R.ojelli Wiener Morftenheltung Täglich frische Schlachtung von hochprima RU- M sowie MASTGEFLUGEfi. imm»»»»»»»«».««!! Verseh ens von prima Selchwaren unter Aufsicht des ehrw Rabo. der Adass |i^roet Garantiert reines,gutes Qansfett nOD FLEISCHHAUEREI SAMUEL FKIEDMANN Zentrale-. V«., Stiegengasse 15 (Tel 56-47) Filiale X°, Humboldt gaste 13 . RICHTER- UND PREDIGER- 7ALARE UND BARETTE von S (w aulwiir s vorrätig und nach Mass beim Spezialisten I35 RUDOLF SOLDSTEIN. Zivil- und Unlformsclmelder Gegründet IL66 Wien, fit. 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G o i n s lebte seit, längerer Zelt in Unfrieden mit seiner Frau, die schließlich die Scheidungsklage gegen den Mann einleitete. Goins nahm sich die Scheidungsabsicht seiner Frau sehr zu Herzen und beschloß, sich nicht nur an der Gattin, sondern auch an allen jenen Personen zu' rachen, die seiner Ansicht nach, seine Gattin in, ihretj Scheidungsabsichten bestärkten. Goins, der zweifellos den Verstand vtrloren hatte, .betrat zeitlich früh das Schlafzimmer seiner Frau, die noch im Lette lag und streckte sie mit einem Revolverschuß nieder. Seine Schwägerin, Minna P. C l a r k, die sich ihm in den Weg stellen wollte, erschoß er gleichfalls. Der Rasende bestieg mtn sein Automobil, fuhr zu dem Rechtsün>walt George Mac Noble und feuerte zwei Schüsse auf Mac Noble und dessen Gattin ab, die/ das. Ehepaar töteten. Im Hausflur begegnete er.'drei P stauten. Goins glaubte sich von diesen Leuten.verfolgt und feuerte gegen die Ahnungslosen drei wohlgezielte Schüsse ab,, denen sie kurze Zeit darauf erlagen. . Goins versuchte mit seinem Auto ins Gebirge zu fliehen, doch nahmen Polizei und Private in zahlreichen Automobilen sofort die Jagd nach seinem Wagen auf. Als der Amokläufer, sah, daß Entkommen unmögl-ch sei, schoß cr sich am Bolen seines ttLagens eine Kugel in den Kopf. Das Auto überschlug sich und stürzte in einen Abgrund. Die Metzeln hatte insgesamt acht Todesopfer gefordert. Wie Lord karnavo» ftarb. Tie Rache des Pharao. D-em „Pester Lloyd" wird aus Luxor geschrieben: „Man weiß, daß Lottz Car na von das Grab Thut-enchamons" erschloß. Er konnte aber 'ein Werk nicht oll enden, denn ein giftiger F l: e g e u ft i d; — man kann sich der Milliarden von Fliegen hier kaum erwehren —'machte 'seinem Leben ein jähes Ende. Der Lord wohnte im „Winterfaalasthottt" und eine noch heule (nicht nur im Volke) verbreitete Tage behauptet, wer die Grabesruhe des großen Königs zu stören wagt. sei dem Tode geweiht. In der auf die Erschl'eßung folgend-'« Nacht hörten die Zimmernachbarn des Lords plötzlich einen grauenerregenden Schrei. Der Lord erwachte und erzählte auf die be orgte Anfrage, daß ihm ml Traum ein Soldat Thal-ench-amons erschien, der 'heranschlich und ihm dann seinen Dolch m den Nacken stieß. Sicherlich fühlte er den schmerzhaften Stich der todbringenden Gisisliege und sprach, voll Ueberzeugung, von seinem Traum. Die er rurde dann zur Bekröfl'gung der Sage 'herangezogen und so he'ßt es nun weiter: Wer sich an die Grabesruhe Thut-ench-amons heranwagt, stirbt. , Das Grab ult[1 ist jedoch nur zum Teil erschlossen. Man fand den Sattophan, ans wunderbar gearbeiteten, künstlerisch höchststcheno ausgeführten Sandstein gefertigt, den ein Gold- _21. Mar; 1926_Nr. «4ö schrank um'chloß. Im Sarkophag lagen das Porträt des großen Königs und drei aus purem Goltz getriebene Sarkophage. Jin letzen fand man dee Totelunaske urch die wunde»' 'bar erhaltene Mumie des Königs." Wiederverweriurig bedruütrn zeitnnqspavier». Eine angebl'che Erfindung eines amerikanischm Professors. Aus New?)orl wir) gemeldet: Noch einer Meldung deS „New-?)ork Herold" hot der Professor der Chemie an der Cornel- Uii:verst.iät in Jthoco, A Hobe 6, ein Verfahren zur Wiederv c r w e r k u u g bedruckten Z e i t u n g S p a p i e r s 'gefunden. Ter außerordenttich einfache Prozeß soll in der Behandlung des ein g c st .impften Papi e -/ - nit gewissen Chemikalien bestehen, und nur einen Mossenveriust von 10 Prozent verursachen. Revoly?xaftentKt auf d^e GslsMe des Vttters Der 60jährige Beihnwächter Franz K a u t n y ln Kaisereberstors, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, dem 20iährigen Hilfsarbeiter Franz und einer 23jährigen Tochter, ein friedliches Familienleben führte, lernte vor vier Jehren Sie 17jährige Wirtschafterin Anna Preindl auS Albern kennen und knüpfte mit der Frau ein Liebesverhältnis an. Zwischen dem Ehepaar gab es seit dieser Zeit wiederholt Zwistigkeiten, die vor zwei Jahren zur gerichtlichen Scheidung der Ehe führten. Fratl und Kinder verließen die Wohnung des Vaters, der nun seine Geliebte zu sich nahm. In den Herzen der Kinder wuchs gegen diese Frau, in der sie die Urheberin des gestörterr Eheglücks erblickten, ein heftiger Groll. Montag abentzs erschien der junge Kautny in dem Wächterhause, wo sein Vater wohnte, und als er dort die Preindl sah, zog cr einen Revolver und gab drei scharfe Schüsse gegen sie ab. die indessen sehlgingen. Tann eilte er davon. Wie die Preindl angab, hotte .der junge Mann auf sie gezielt. In den Nachtsttrndsn wurde der junge Mann, der ans dem Wege in die Wohnung seiner Mutter begrisseu war, beim Bahnhof Donaukai der Donauuferbabn aufgegrtffen und verhaftet. Er bestritt, die Absicht gehabt zu haben, die Preindl zu töten, und erklärte, daß er sie durch die Schüsse bloß erschrecken wollte, damit sie von dem Vater Masse. Wien, 24. März. * Marianne Hain'sch, die greise Mutter des österreichischen Bundesptosivenlen, feiert am 25. d. ihren 87. Geburtstag. Geistig tneg.'brochen, voll Teiimhnte für alle Neuerungen auf sozialem Gebiet, steht sie nunmehr 55 Fahre als Leiterin und Führerin an der Spitze der österreichischen Frauenbewegung. Telblt einem vermögenden Wiener Patrizierhaus entstammend, lernte Marianne Hainisch den schweren Kampf der Frau um Erwerbsmöglich Setten an dem Schicksal einer verarmten Freundin kennen. Rasch entschlossen trat sie auf den Kampfplatz des öffentlichen Lebens und hielt 1871 ihre erste öffentliche Ni.de im Wiener Frauenerwerbsverein. Der Erweiterung der Frauenbidung craft ihre erste Arbeit im Frauenerwerbsverein und. im Verein nir. erweiterte Frauenbilvnng, der das erste Mäöchengymnasinm gründete und erhielt. Als Mutier eines Sohnes und einer.Tochter, die selbst bereits an ver Schwelle des Alters stehen, widmete sich Marianne H a i n i s ch während der schweren. Kriegsjahre ganz der Kriegsfürsorge und trat später mit jugendlichein Eifer ins politische LHen ein. Sie erlebte oie zweimalige Wahl ihres Sohnes. Michael Hainisch zunt Bundespräsiventen und steht heute tioch mit Herz und Hand fördernd und mitschaffend im Lebettder Zeit. * Wegen e'ncs Holzbündcls ertrunken. Nächst K o r n e m bürg sind Sonntag die beiden Arbeiter Drischt n und M a ngold, denen ein Bunde! Holz aus ihrer Zille ins.Wasser gesalleit war, bet dem Versuche, das Holz aus der .Donau zu. ziehen, in dm Strom gestürzt und ertrunken. S r t s ch' i n hinterläßt sieben unversorgte Kinder. ' * Die verkürzten Hundertschillingnoten. Im Verkaufe des vorgestrigen Tags sind bei der Nalionälbaitk wieder drei verkürzte Vanknbten zu 10o Schilling eingegangen. Der Täter ist noch unbekannt. Er gewinnt aus zwanzig ganzen' Noten durch H e r a u s s ch n e i v e n von Q u e r st r e t f e n eine cinundzwanzigste Banknote, die dm Reingewinn darstellt. Die Schnittflächen überklebt er jo aut, daß man das Fehlen des Streifens kauut merkt. Bei genauerer Besichtigung ist die verkürzte Zeichnung, besonders auf der Raviersseste» wahrzunehmen. * Kasscncinbrrch in der Leopoltstadt. Montag nachts haben unbekannte Täter in die Räume der Großhandlung mit Weißnnö Futterwaren Sinai u. Salzer, Obere Donaustraße 89, einen 5!osseneinbruch verübt, bei dem ihnen 3500 Schilling itt die Hände fielen. , * Der morgige Straßenbahnfahrpreis. Da der morgige Tag als Werktag gilt, gelten an diesem Tag die Hin- und Rückfahrscheine und Wochenkarten für die Rückfahrt erst von 13 Uhr angesangen. Fm übrigen gilt der Werktagstarif/ * Keine Durchfahrt durch die Zirkusgasse. Infolge eines 5lanalumbaues muß die Durchfahrt durch die Zirkusgasse von der Praterstraße bis zur Schmelzgasse gesperrt ivervett. Die Absperrung dürfte voraussichtlich vier Wochen dauern. * Gcmeindesubvcnlion für notleidende Aerzte und Bühnenangrstellte. Auf Antrag des amtssührenbcu. Stavtrates Professor Tandler hat gestern der Stadtsenat beschlosseit, der lvirlschaftlichen Organisation der Aerzte Wiens eilte. Subvention von 20 0 0 0 Schilling zu gewähren. Tie Organisation wirs diesen Betrag zur Unterstützung notleidender Aerzte. verwenden wobei insbesondere ältere Aerzte, die ihren. Beruf, entweder gar nicht oder nur. zeitweise ausüben können, ' berücksichtigt werdett sollen. Ebenso tvurde dem Teutschösterrelchlscheit Bühnenvere in sür seine in Not geratenen Mag >'edn eine Gemeindeunderstühung von 20 000 Schilling bewilligt. Durch diese Zuwendung wird es dem Bühnenverem auch möglich werdet», sein Heim für alte, erwerbsunfähige Künstler in erweitertem Umfang;u sühren. * Hmidertjrhrfeier der Münchener Alter. Synagoge. Aus München wird g meldet: Ant Vorabend des Pessgch'estes 5585 (20. April 1826), also vor ttunmchr hundert Jahren, wurde die ehemalige Synagoge an der Westenriederstraße, das Gotteshaus der »amals erst wenige Jahre bestttiend.nl Münchener Kultusgemeinde, eingeweiht. Am ersten Pessachtage wird in der Synagoge des Jubilätmts gedacht werden. Ende April wird unter Mittvirknttg des Jüdischen Gesangvereittes in der Synagoge eine Feier verattstaltet werden.