Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-03-24 · Heft 2545 (24.3.1926) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2545 (24.3.1926)
Date
1926-03-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981632--25963-3013670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 26*5 Mn, MWoch —■■——.. ■■ y—'■—-■»■■ .- ■■■■"■' ■'—■""■*» reicher fließen, ausreichcn können, um alle Aufgaben zu bewältigen. Auf den Kongressen wird zwar stets ein wohldurchdachtes Budgetvorgelcgt, dessen Aufstellung monatelange Studien und Verhandlungen in Palästina vorangeben. Dieses Budget wird dann ans &cu Tagungen Gegenstand eingehendster Prüfungen und eines Kampfes der widerstreitenden Interessen. Aber immer wieder krankt null) die endgültig ausgestellte Tabelle an zwei Nebeln: Erstens kann'niemals die Gestaltung der Dinge in Palästina vorausgesehen werden, immer wieder tauchen im Laufe des Jahres neue Ausgaben dringender Natur auf, die befriedigt werden Müssen. Zweitens muß das Budget ausgestellt werden, bevor man noch wissen 'kann, wie die Eingänge fließen werden. Deshalb ist dieses Budcgt nicht zu vergleichen mit einem solchen, wie es in den einzelnen Staaten alljährlich veranschlagt wird. Es ist eine dornenvolle Aufgabe, Finanzminister der Zionistischen Organisation zu sein! Jedenfalls zeigt die Art und Weise der Anwendung der Kcren-Hajessod-Gelder in Palästina und des da- .mit Geschaffenen, daß, wie aus dem Gebiete der Aufbringung der Mittel, auch auf dent ihrer Anwendung die Juden, über deren Organisierbarkeit allgemein so skeptisch geurteilt wird, durch eine Kooperation ohne Zwang, auf völliger Freiwilligkeit beruhend, ein Werk vollbringen, das viel schwieriger ist als alles, >vas von politischen Gemeinschaften mit Zwangsgewalt und alter Tradition geschaffen wird. So ist der Keren Hajessod ein Symbol dafür geworden, daß die Indenheit ihre staatsbildendc Kraft wieder gesunden hat, jene Kraft, von der heute noch in der Welt die Wertschätzung der Nationen abhängig ist. TAUWO Pflanzenmargarine “IM Für Ihre Osterbäckerelen! IV. In den ersten Jahren der Keren-Hajessod-Tätigkeit wurde von einigen Finanzsachverständigen die Meinung geäußert, daß der Gedanke, durch den Keren Hajessod die Aufbauarbeit zu leisten, nicht vollständig richtig sei. Man meinte, daß alle „wirtschaftlichen" Aufgaben, genau so wie in airderen Ländern, von Banken und sonstigen Finanzinstituten, die rein kaufmännisch arbeiten, durchgeführt und nur die nichtwirtschaftlichen (Sanität, Erziehungswesen, Einwanderungshilfe usw.) von diesem Genleinschaftsfonds insolange bestritten werden sollten, als nicht die erstarkte jüdische Gemeinschaft in Palästina sie auf sich nehmen könnte. Diese sachlich so Wohl begründete Ansicht ist aber nach der Lage der Dinge eine irrige, wenigstens für die Verhältnisse, wie sie bisher bestanden und noch einige Zeit bestehen werden. Es zeigte sich, >aß selbst für so sichere Unternehmungen, wie zum Beispiel Madam Farfazia. Don Moscheh Nadir. Ich cha.be 1« den Zeitungen viel über Bürdam Farsagia «gelesen, die berühmte Spiritualistin, die die Geister aus dem Jenseits heroorzaubert und sich mit ihnen in Verbindung setzen kann. - Die besten Journale des Landes sprachen von den WundeÄeistungen der Madam Farfazia. Einige Schriftsteller traten mit Lobeshymnen, gewidmet der übernatürlichen, zur mündlichen Auseinandersetzung mit dem Jenseits befähigenden Kräfte der Madam Farfazia, ^hervor. Ingenieure, Uhrmacher, Hausierer, Hssenträgersabrikanten — alle, alle waren von Madam Farfazia begeistert. Ihre Photographien samt Faksimile wurden in einem schön gedruckten Buch gesammelt, das den Titel führte: „Kennen Sie Madam Farfazia?" In demifelben Buche mit den geliauen Beweisen, Unterschriften, Bildern, Telegrammen, Spezialberichten wurde erzählt, daß, wenn Sie Inst haben, sich mit Ihrem toten Urgroßvater zu reduzierten Preisen ein wenig zu besprechen, oder mit Ihrer loten Schwiegermutter, mit toten Schwägern und Schwägerinnen, Sie die GelegeHoit sofort wahrnehmen müßten. Wahr ist, daß ich schon seit langem den Wunsch hatte, ein bißchen mit meinem Urgroßvater zu .plaudern, zu erfahren, wie es ihm im Jenseits geht, ob er immer noch mit meiner Urgroßmutter aus Kriegsfuß steht und warum er von sich so wenig hören läßt. Ich hielt dies aber für unmöglich und phantastisch. Aber jetzt! Ich ging zu Madam Favsazia und erklärte ihr, mit meinem Urgroßvater sprechen zu wollen. Was dos kosten würbe? Madam Farfazia -- eine jener Frauen, bei deren Anblick man ausvust: Oh, wie süß, lieb, sarrft, still! — kam mir entgegen, in einen chinesischen Kimono gchiillt, führte mich ins Zinrmer hinter eine spanische Wand und sagte mit chrer molligen Stimme: Mk nannte man Ihren Großvater seligen Angedenkens?" .Ich antwortete: Sie sagt: ,Mas, Äie?" Ich: ,Me von der Rapellie!" Sie: „Em Deutscher?" M' M«. W Tote«." Wseiie? MorgenzelkuM_ städtischer Hypothekarkredit, sich keine privaten Mittel fanden. Der Keren Hajessod mußte auch in diesem und vielen anderen Zweigen zunächst einmal in die Bresche treten und die ersten Mittel für sie bcreitstellen. Besonders aber ist die Hilfe des. Keren Hajessod für die Kolonisation, die in den ersten Jahren unmöglich rentabel sein kann, unerläßlich. Ja, selbst dort, wo schon starke finanzielle Positionen vorhanden sind, mich der Keren Hajessod cingrcifen. wenn kritische Zeiten eintreten. So hat er eben jetzt der finattziell sehr kräftigen Stadtgemeinde Tel-Awiw zwecks Ueberwindnng der Arbeitslosigkeit Znschußi öttc für die dazu nötigen öffentlichen Arbeiten geben müssen, ebenso den kapitalstarken privaten Gesellschaften Zion Commonwealth und Meschek zu demselben Zweck beim Bau der Stadt Jesveel (Afule). So ist der Keren Hajessod der ideale Sachwalter der GemetnschaftSzwecke beim jüdischen Aufbau. An ihn wenidet sich alles, was nach Ent- TAUWO Pflanzenmargarine wird unter ständiger Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirks- ' rabbiners S. B. Ehrenfeld, Mattersburg, aus Pflanzenfetten hergestellt und kann daher in allen strenggläubigen Familien verwendet werden Knnerolwerke A. G. /Wien saltung, Förderung, Entwicklung verlangt, er ist es, der überall einspringt, wo es gilt, die idealen Zwecke des Aufbau- Werkes praktisch zu verwirklichen. Befruchtend und beliebend wirkt der Strom der Keren-Hajessod-GeDer, der aus freiwilligen Steuern gespeist wird und, in zahlreiche Kanäle verzweigt, die Räder des Aufbauwerkes treibt. Die heroische jüdische Jugend, die Chaluzim, wäre ohne diesen Opsersands nicht imstande, in Palästina Fuß zu fassen. Schon in ihren Heimatländern erfcchven sie die Stützung durch den Keren Hajessod, der die Palästinaämtvr und die Hachscharah, die Ausbildung, alimentiert und drüben werden sie schon in dem Momente, wo sie den Fuß aufs Land setzen, von der Einwanderun-gsfürsorge des Keren Hajessod gastlich betreut. Was immer sie dann erfahren, in Land und Stadt, in BÄdungswssen, in der sozialen Fürsorge usw., überall sind es vom Kenn Hajessod gestützte Vorkehrungen, die ihnen helfen. Allüberall, beim Ruthenberg-Werk wie bei der Arbeiterbank, bei den Schulen wie bei den Krankenhäusern, Sie: ,-Spaß beiseite — Ihr Urgroßvater war em Jude?" Ich: ,M»s denn sonst — ein Chinese etwa?" Me: ,-2ie erinnern sich an Ihren Urgroßvaters Ich: ,,©o ein bißchen, ein gang kleines bißchen." Sie: ,Mas für eine Stimme hatte er?" Ich: „WeshaW fragen Sie?" Sie: ,Jsch muß es wissen, um chn herauszuftnden. Sie iwiffen gar nicht", sagt sie, „wieviel Scherereien ich mit den Geistern habe. Oft", fügt sie Hinz«, ,Mildern sie Hre Stimmen, damit man sie nicht evkenne. Ihr Urgroßvater muß emeit Baß gösprochen haben." Ich: Sie: „Nun Mt, wir »vertan ihn sogleich anrufen, Wie, .sagten Sie, heißt er?" Ich: „Ich habe es Ihnen doch schon gesagt, daß er Wie von der RaPellie heißt." Sie: ,-Ein seltsamer Name! Wie tauge", fährt sie fort, ,-wollen Sie mit Ihrem Urgroßvater sprechen?" Ich: ,-Jch weiß nicht ... so an die zchn, fünfzehn Minuten. Was ist denn los? Er hat keine Zeit, er macht Uebersümden?" Sie: „Das nicht, aber die Geister lieben es nicht, sehr in Anspruch genommen zu iverden. Zehn Dollar, bitte!" Ich warf ihr ein raschelndes Zehnerchen hin. Sie fing es wie ein Doktor mit zwei Fingern ans und verschwand für eine ganze Minute. Im ,^Kabinett" wurde es bläulich-finster. Schatten überstürzten sich und tanzten und das Zirnpern einer Geige ließ sich vernehmen. ,Oo", sagte sie, „Sie können ^beginnen!" Sie zeigte mit Hxm Finger auf sich; ^das bedeute!, daß sie weggehe. Als ich allein »var, legte ich — früheren JusirMionen sckgend — das Telephonröhrchen an§ Ohr und sagte: ,Hallo, ist mein Urgroßvater dort?" „Des, Sir", gab eine tiefe Bruststimme zur Antwort, „das bin ich, dein Urgroßvater." „Nun, was hört man, Urgroßvater", fragte ich, „>vas werden Sie Skeues erzählen?" „Was «soll nran hören?" gibt mein Urgraßvater aus dom .Jenseits zur Antwort. „Ich le'be Mer schr nett." ,/Sparst dir tvas ab, Großvater?" entschlüpft mir eine Frage. ,Mell", kommt es von dort, das heißt von meine»! Urgroßvater, in Mlifcher lStzrache, „i will. M hou ,, _34. Mrz 1926;_>ÄKe I _ beim städtische n Hausbau lvie bei den Kolonie» er» fahren auch die anderen Teile des Jischuw die segensreiche Wirknng des Ksren Hajessod. Dieser Name: GrnnVlegungsfonds, konnte nickt besser aewWt werden! Ter Keren Hajessod legt wirklich Grundlagen, ans dem sich ooS neue jüdische Palästina anfbout. V. Ern Werk, beispiellos nach seiner Eigenart, wird vom Stxxäk .Hajrsstb vollbracht. Und dennoch steht er erst am Anfang. Roch ift er ineit davon entfernt, sein Sollbudget, 1,5 Millionen Pfund im TAUWO Pflanzenmargarine -IBO Ausgiebig/Bekömmlich/Nahrhaft Jahre, anszübringen. Die Krise, die zurzeit in Europa herrscht,! verhindert es, daß er in diesem Erdteil rasch weitere Fortischritte! macht. Wer auch diese wären trotz .der Ungunst der Verhältnisse möglich, wenn die Zahl der ihm Steuernden vermehrt werden konnte, denn noch ist das Reservoir, aus dem er schöpft, ein relativ - kleines. Bon der Erfassung mich nur des größeren Teiles der: Indenheit ist er noch lveit entfernt. Auch in Amerika, wo eben jetzj>, der Fünfmillionendollardrive mit großen: Erfolge vor sich ge§^ ist er noch im Anjar^. Wenn ver Joint in fünf Jahren über 60 Millionen Dollar, di. f.- 10 Millionen Pfund, für bloße Hilsszwecke ausbringen konnte, fo j müßte man annehmen, daß der Keren Hajessod, der ein unver-. gleichlich wichtigeres Werk vollbringt, noch gewaltige Expansionsmöglichkeiten hat. Deshalb kann seine Propagandatätigkeit nicht, erlahmen. Sie muß im Gegenteil immer noch zunehmen. Es ist undenDar, daß die Judenschast, wenn ihr durch diese stete Ans-' klärungsarbeit ins Bewußtsein gchämmert wird, daß es sich u< nichts Geringeres handelt, als, um die Herauffiihmng einer gesicherten Znbmst des jüdische» volles, der freien Entfaltung seiner Schöpserkrast, ein Werk, vor dessen; Anfängen die besten Maschen unter den Nichtjuden in staunender Bewunderung stehen, das ein welthistorisches ohnegleichen ist, dann ist nicht daran zu zweifeln, daß der Keren Hajeffod noch bedeutend wachsen wird. Die Parole zur heutigen. Feier seines ersten Jahrfünfts muß es sein, daß er im nächsten sein Sollbudget von 1,5 Millionen Pfund erreicht. Die Zeit drängt und die nächsten Jahre werden die'Entscheidung darüber, bringen, ob das Aufbauwerk in Ausdehnung und innerer Festigkeit alle Gewähr für die Zukunft erlangen wird. Der Grundlegungsfonds hat die GruMoge dafür geschaffen, er hat seinen Befähigungsnachweis erbracht. An der Judenheit der Welt ist es, ihn ' zu befähigen, sein Werk im vollen Umfang des Nötigen zu tun. ,-Großvater!" rief ich DsrmM, ,-lvo halben Me das Englisch her?" ~ „Well", antwortet et, „yon!see>. . . ich Habe '<£ hier erikernt. Ur^er Paradieswächter, -oü iknchv, ist aus Mila« dchchm . ." ,-Sondetbm",!fage ich und bemKhe >mjch, weiter zu sprechen. „Aes",-spricht me^n Großvacher irMer, ,Mr Yt es. all right, es ist nicht euere Welt." Und wie der Geist meines Großvaters fo werter spricht, will es mir scheinen, haß sich die Stimme gomÄert hat, es ist >schon ein Tenor. „Großvater!" rufe ich, „etwas Mß mit Ihrer Strmwe geschchen stin." „Des", kommt es wieder mit devt tiefen Brustton, ^ich leide fett kurzem an einer starken Verkühlung." ich habe geglaM, /paß es!im tßavMes nie zu kalt > ist," antwortete ich. Mein Großvater will wieder zu sprechen ansiuvgen. Gr beginnt sogar mit einem saftigen Schimpfwort in ischr MgenÄlichem Ton, da kommt aber Madam Farfazia und ruft dazwischen: ,-Genug! Ihre fünszchn Minuten sind a>bgela-ufen, wenn Sie mit Ihrem Argrotzvater weiter sprechen wollen, so kostet das ein Fünferchen." Ich denke eine Welle nach und «jage: ,Irem, ich will ncht nrehr mit dem Großvater sprechen, ich halbe ihn nicht lieb, er spricht zu grob, er schimpft .sogar; ch lwetz nicht, wo sich das mein Großvater beigelegt hat," ~ ,Sja", eüvidevt Madam Farfazia, ,-mau 'kann nie wissen, wie ein Toter kebt. Der Tod wickt auf die Menschen schr verschieden. Em Toll wird schr gebildet und ein Teil nimmt den entgegengesetzten Weg. Wchlen Sie sich", sah« sie fort, ,^inen anderen Geist. Mir ist es einerlei, weichen!" „M vicht," sage ich,,-verbinden Sie mch mit Hiob!" Gs wird lvicher stnster, wieder klingt die Geige. D«, Schatten umchen wieder allerlei KunsMcke an der Wach. ‘ EMich kommt die Madam zurück und sagt: „So! Ge körmen mit Hiob sprechen!" Ich nehme das Telephon: „Hiob?" ,Pes, Si-r!" antwortet der Geist Hiobs. Ich: ,Ha, was haben Sie gesagt?!" ,Lmn Teu ... $8* bstunt sich cchor MW Mk Uj tzwtz ans der AM." 'iTHUMUlrtTriri il1 -üiiifitT~' ili r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.