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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-24 · Heft 2545 (24.3.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2545 (24.3.1926)
Date
1926-03-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SfHc? W!-«, MstWoch Vlener MorrienzeltiMA St. Mär; 1926 ' Nr. W45 Verlangen Sie von Ihren Lieferanten öie HielMiiiti amerikan. Verlangen Sie von Ihren Lieferanten milch m aiiii tainraii iiomnlgiiMin riüS /V l!4T' nDs> VV1V2 Tie Besetzung der österreichischen Mulms in Palästina. Eine merkwürdige Ernennung. Wie wir erfahren, will die österreichische Regierung ihre d i p l o m a t i s ch e B e r t r e t u n g in P a l äst i n a erneuern, beziehungsweise ausbauen. Im Zuge dieses gewiß begrüßenswerten Planes ist eine Absicht ausgetaucht, die geeignet scheint, alles eher zu bewirket, als die Anbahnung freundlicher Beziehungen zwischen Oesterreich und Palästina. Zum beamteten Vizekonsul soll Herr Regierunasrat Jonas Kreppe! aus der Presseabteilung des Wiener Auswärtigen Amtes bestellt werden.' Herr Kreppel hat jahrelang im Dienste der polnischen Assimilationsjuden und ihres - ehemaligen Führers, des sattsam bekannten Dr. L ö w e n st e i n, den gehässigsten und verlogensten Kampf gegen den Zionismus geführt. Kein Mittel war ihm zu schmutzig und zu schlecht. Als im Jahre 1911 m Drohobycz dreizehn Juden erschaffen wurden, weil sie gegen den Knecht der polnischen Schlachta, Dr. Löwenstein, und für den zionistischen Parlamentskandidaten eintraten,'da hat Herr Kreppel, damals Redakteur des jüdischen Krakauer „Tug", diese Tat gepriesen. Zur Belohnung hat chm Dr. Löwenstein mit Hilfe seiner Beziehungen'zur polnischen Beamtenaristokratre im österreichisch-ungarischen Ministerium des Auswärtigen einen Posten verschaft und auch dafür gesorgt, daß die österreichische.Republik Herrn Kreppel übernahm. Diesen Herrn als Vertreter Oesterreichs nach Palästina zu senden, würde aufreizendste Provokation bedeuten. Im Interesse Oesterreichsmüssen wirHerrnBundeskanzler Dr. Ramek nachdrücklich st davor warnen, die beabsichtigte Ernennung zur Durchführung zu bringen. Sie kinberufung des zionistischen Attiouskomttees. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") London, 23. März. Wie Ihr Korrespondent erfahrt, ist ln der Frage der Einberufung des Zionistischen Aktionskomitees nach Jerusalem bisher keine endgültige Verfügung getroffen worden. Der Präsident des' Aktionskomitees, Herr Dr. M o tz k i n, hat sich mit allen Mitgliedern dieser Körperschaft in Verbindung gesetzt und erst nach Einlangen ihrer Antworten wird eine Entscheidung möglich sein. Sokolows Reise nach Südafrika. London, 23. Marz. (I. T. A.) Der Präsident der Zionistischen Weltexekutive, Nahum So ko.low, der am 9. d. von seiner Wnerikarerse wieder nach London zurückgokehrt ist, hat der Konferenz in Baltimore beigewohnt und in Hunderten' von Meetings in den Vereinigten Staaten und in .Kanada Ansprachen gehalten. Am 9. April tritt Sokölow seine Reise nach Südafrika an, um die dortige Keven-Hajesiod- Kampagne einzuleiten. __ Aus strez 3ftocl. Das Budget von Tel-Awiw. Jemsalem, 23. März. (I. T. A.) Das für das Jahr '1926-27 ausgestellte Budget der Stadtverwaltung von T e l - A w l w erreicht die Hohe von 120.000 äghpt. Pfund. Bor dem Kriege belief sich das Jahresbudget auf 600, im Jahre 1922 auf 20.000 äghpt. Pfund. Diese Zahlen illustrieren das rapide Wachstum der rein jüdischen Stadt. Empfang Franz Oppenheimers durch den Haifaer Ävbeiterral. Jerusalem, 23. März. (I. T. A.) Der Arbeiterrat von Haifa veranstaltete zu Ehren des hier weilmden Proseffors Franz Oppenheimer einen Empfang. Auch der arabis ch e Arbeiterführer Philipp H e s s o u n begrüßte Prof. Oppenheimer. In seiner Antwortrede forderte Oppenheimer die jüdischen Arbeiter auf, ihre arabischen Arbeitergekoffen in jeder Hinsicht zu unterstützen und ihnen sogar zur Ansiedlung aus dem Lande zu verhelfen. . . Dr. Boden he imer in Palästina. Jerusalem, 23. März. (I. T. A.) Dieser Sage ist hier Tr. Bodenh-imer, der frühere langjährige Direktor, des Jüdischen Nationalfonds, Mitbegründer der Gesellschaft für Kooperativsiedlung, eingetroffen. Eine Kolonie bulgarischer Juden. Jerusalem, 23. März. (I. T. A.) Dr. Albert Romano, der Führer der bulgarischen Zionisten, ist hur singetroffen, um mit den Vorarbeiten für die Grstrchung eiyrp Kolonie bulgarischer Juden in -er Nähe von Nes-Ziona zu begiluu». Fünf Jahre Keren Hajessod. Von Adolf Böhm, l. In einer seierüchcn Abendsitzung wurde aus der zion«i'stischen JahwÄonferenz, die im Juli 1920 in London stattfand, die Griinksmg des Keren' Hajessod beschlossen. Diese erste zionistische W^ckonftrenz seit dem Weltkriege stand "unter' dem starken Eindruck des gwßen politischen Erfolges der Bewegung, über tvelche den Deilnehmvm zunt erstenmal von Weizmann detaillierte Mitteilungen gemacht wurden. Die Konferenz war sich voll bewußt, welch schwere Ausgabe die Zionistische Organisation übernomnren hatte, und die Beratungen standen auf besonderer Höhe. In dieser St.immung wurde die Gründung des Keren Hajessod geradezu mit Begeisterung beschlossen. Die Führor der Landsmannschaften und der Parteien Lgten eine Art Gelöbnis ab, für die Aufbringung der Mittel für den Keren Hajessod und die Durchführung des Maaffer ihr 2leußerstes zu tun. Gleichzeitig wurden von den Delegierten große Zeichnungsverpslichtungen unterfertigt. Und doch hörte man nach dieser erhebender! Sitzung skeptische Stimmen. Hatte es auch vorher genügend Opferwill-igkoit in der Bervegung gegeben, so starrd man jetzt vor einer Aufgabe.von so großen Dimensionen, daß alles Bisherige weit in den Schatten gestellt wurde. Die Sachverständigen hatten berechnet, daß anderthalb Millionen Pfund im Jahre aufgebracht werden müßten, um das Ausbauweck in großem StA durchzusühren. Dies« Berechnung war, wie die späteren Erfahrungen zeigen, vollkommen richtig. Hätte der Keren Hajessod in den fünf Jahren des Be? standes diesen Jahvesbetrag aujbringen können, dann wären all die noch fehlenden notwendigen Institutionen schon m voller TabWit, die Einwanderung wäre eine bedeutend größere und namentlich wäre die Stellung der Zionistischen Organisation in Palästina eine viel stärkere als heut«, Wo der Ausbau zum —■• wie z. B. rn Tel-Awiw — mehr Privaten zu danken ist als. ihr selbst.. Diesem SollmaxiMum stand damals aber gar keine Erfahrung inbezug,auf die MöglichWten und die Organisation der Aufbringung der Mittel gegenüber. Durch freiwillige Leistungen einen Fonds von Null auf anderthalb Millionen Pfund pro Jahr zu , bringen, das klang so utopisch, daß die Aufgabe sehr vielen als undurchführbar erschien. ■ Was die einen besonders fleptisch, die anderen aber umso hoffnungsvoller stimmte, war, daß auf der Konferenz das Prinzip des „Maasiers" — dieser altjüdischen Einrichtung, freiwillig den Zehnten vom Vermögen und Einkommen zu allgemeinen Zwecken zu geben — durchgedrungen war. Dieser Beschluß bedeutete, daß die Keren-Hajesiod-Leistung der Zionisten aus einer freiwilligen Spende zu einer sittlichen Verpflichtung gewandelt wurde. Hierin bewies der Zionismus aufs neue, daß er seine Macht auf ethische GruMagen zu stützen sucht, im-Bewußtsein, daß nur durch Erweckung starker seelischer Kräfte im jüdischen Volke sein Ideal erfüllt werden kann. Die Erweckung allein genügt aber nicht, es muß die ständige Erziehung hinzutreten. Dazu war der Maassergedanke als geeignetes Mittel erkannt worden. Wie es sich gezeigt hat, ist er auch nur langsam und bisher bloß zum Teile durchgesetzt worden. Doch ist die Leitung des Keren Hajessod niemals davon abgegangen, daß er mit der Zeit auf der ganzen Linie durchgeführt werden muß. In der Praxis wurde der Keren Hajessod durch diesen Grundgedanken ein Steuerfonds — im Gegensatz zum Keren Kajemeth, der sich ans freiwilligen Spenden aufbaut —, das heißt die Leistung. für ihn ist eine Verpflichtung der Zionisten, die sich selbst einschätzen und deren „Bekenntnis" von einer eigenen Stenerkommission geprüft wird. . ll. Es bedurfte natürlich geraumer Zeit, bis der Keren Hajesiod formal, rechtlich und organisatorisch ansgebaut werden konnte. In der überraschend kurzen Zeit von wenigen Monaten wurde die Organisation des Keren Hajessod mit Zweigstellen in allen.Ländern festgefügt aufgebaut und am 23. März 1921, also vor genau fünf Jahren, war dies geschehen. Von allem Anfang an war der Keren Hajesiod als neutraler Fonds gedacht, das heißt als politisch neutraler, nur zum Aufbau Palästinas bestimmt, an welcher Arbeit auch Nichtzionisten Interesse haben. Wiederholt, auch iit allerjüngster Zeit, ist von hyperassimilatorischen Kreisen die Beharrptung aufgestellt worden, daß die Mittel des Keren Hajessod auch für zionistisch-politische Parteizwecke verwendet werden. Die.Leitung konnte demgegenüber auf ihre detaillierten Berichte verweisen, aus denen klar hervorgeht, daß jeder Penny ausschließlich dem Aufbauwerk Palästinas zugefuhrt wird. Bon allem Anfang wurde versucht, in allen Ländern neutrale Keren-Hajessod-Konritees zp bilden,. , was bereits in einigen Ländern, wie namentlich in Deutschland/ Vorbildlich durchgeführt worden ist. Die Aufgabe, sehr bedeutende Mittel für den Keren Hajessod auf dem Wege freiwilliger Steuerleistungen aufzubringen, war aber natürlich auf alle Fälle eine sehr schwierige. Cs ist deshalb eine ganz außerordentliche Leistung der Keren-Hajcssod-Organisakion gewesen, schon im ersten Jahr seines Bestandes 400.000 Pfund aufzubringen. Die Zentrale wie die Landeskomitees, haben eine ungemein rege Propagandatätigkeit entwickelt. Vorträge, Zirkclversammlungen, Presseempfänge, Films, Bilder, Broschüren, Reisen von Emisiären, Veranstaltung von Drives usw., sind unablässig in den Dienst der Propaganda gestellt worden. Die obersten Leiter der Bewegung, ein Weizmann, ein S o k o l o w und viele andere, haben neben ihrer aufreibenden zionistischen Arbeit immer wieder die größten Anstrengungen ans sich genommen, um für den .Keren Hajessod, namentlich in Amerika zu wirken. Der im fünfundsechzigsten Jahre stehende S o k o l o w scheut eben jetzt nicht die lange, anstrengende Reise, um in Süd- , afrika eine Tournee für den Keren Hajessod git absolvieren. Die •’ unermüdliche ■ und vielfältige Propagandatätigkeit des Keren Hajessod hat..die, Aufbangrbeit in Palästina so bekannt gemacht, daß es heute Wohl keinen Inden mehr.gibt, der nicht von ihr wüßte, und auch die Aufmerksamkeit der nichtjüdischen Welt auf die jüdische Palästinaarbeit ist durch diese Tätigkeit erweckt und ständig wach gehalten worden. Im Anfang gab es gewisse Abgrenzungsschwicrigkeiten gegenüber dem Keren Kajemeth mit sein-r über die ganze Erde gespannten, aktcingeführlen Sammelorganisation. Ursprünglich dachte man, daß die Arbeit für den Keren Kaje- ' meth unter jener für den Keren Hajessod leiden könnte und nian bestimmte, daß der Keren Kajemeth 20 Prozent der Eingänge für den Keren Hajessod erhalten sollte. Es zeigte ' sich bald, daß von einer gegenseitigen Beeinträchtigung nicht ■ die Rede sein konnte, denn in allen Ländern, in denen die Eingängedes Keren Hajesiod wuchsen, stiegen auch die des Keren Kajemeth Es war nur nötig, über die Benützung der Sammelmittel eine Vereinbarung zu treffen, was nach langandauernden Schwierigkeiten endlich durch das bekannte Abkommen geschah. Außerdem erwies es sich, daß die Aufgaben des Keren Hajesiod in Palästina so gewaltige sind, daß er eine Abgabe an den Keren Kajemeth. nicht leisten könnte. So wurde mit dem > ersten Jahr die Bestimmung über die 20 Prozent außer Kraft gesetzt, indes der Keren Kajemeth seinen Anteil, aus den Eingängen des ersten Jahres in Raten erhalten sollte. Hl. In diesen sünfJahren hat der Keren Hajessod zwei" einviertel Millionen Pfund eingenommen. Von seinen Geldern hat er dis zum 31. Dezember 1925 in Palästina zirka 2,1 Millionen Pfund investiert. Hievon wurden verwendet n. runden Zahlen) für Landwirtchaft 647.400 31,3 0/ 10 Schulwesen 394 000 . 18,2 „ Immigration < 247.200 12,0 „> GesundhettSwesin 171600 8,3 ff Oeffentliche Arbeiten 160.000 7,7 Kapitalsanlagen, und zwar- Hypothekardarlehen 54.800 Für Häuserban Ruthenberg L Co. 50.000 P. 8. D. C. 20 700 Solel Boneh 16.400 Schulgebäude 9.000 Handwerkerbank 2.000 Bergwerkssyndlkat 2.500 155 400 7;5 , Keren Kajemeth 26.800 1,3 Handel und Gewerbe 25.000 1,2 0 ■ Technikum Haifa 20.600 1,0 ff Misrqchiorgansicition 55.000 2.7 ff Berichiedene Ausgaben 79000 4,0 ff Admtnistratwn 100.700 3,8 ff Diese Tabelle spricht für sich selbst. Es gibt keinen Zweig der Aufbauarbeit von Gemeininteresse, der nicht vom Keren Hajeffod aufs wirksamste unterstützt wurde und darüber hinaus wurden einige der wichtigsten, wie Kolonisation, Immigration usw. gänzlich aus Keren-Hajessod-Mitteln erhalten. Aus der Tabelle geht auch hervor, daß fast die Hälfte der ausgegebenen Summe (der größte Teil des Titels Landwirtschaft, die Kapitalsanlagen, der Beitrag für den Keren Kajemeth und Vieles ans den anderen Posten) zur Schaffung bleibender Werte ausgewendet wurde. Allerdings ist diese Ausdruckstveise nicht präzis; denn Unterricht, Gesundheitspflege usw. schaffen auch Werte unvergänglicher Natur, die vielleicht noch wichtiger sind, als die substanziellen. Aber da der Keren Hajessod ein Geldfonds ist, so ist es vielleicht nicht ohne Bedeutung, zu zeigen, daß mit einem großen Teil seiner Ausgaben bleibende Anlagen geschaffen werden. Diese Tabelle läßt aber auch erraten, durch welche wahrhaft staatsmännischen Erwägungen die Verteilung auf die eigenen Zweige erfolgt. Es ist bei der Fülle der Aufgaben, bei der Konkurrenz der Zwecke, bei der Vielfältigkeit der widerstreitenden Interessen, ungeheuer schwierig, die Mittel stets richtig zu verteilen, die niemals, und würden M «ch &feg, 535323485323485348482353535348232348 3945 484848012048532348235353534800020248

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