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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-24 · Heft 2545 (24.3.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2545 (24.3.1926)
Date
1926-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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uueüjtj Wien: /.umAbholen indet Expedition, iiM Taborstr. 1-3, odei in eine» Verschleisstelle (Trafik) monati. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durdi die Kolporteure der Finna Goldschmied t„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 6 Schilling Tsohecho-Slowakci: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 <*actiMhl«iagen bei FreieerbOhöB«en Vorbehalte» Wiener > England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monati. 18 Lite: Rumänien: Mon. 170Lei. Bul gari en Mon.IOOLewz. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. ä Redaktion, Administration: Wien, 11. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterreichlsches Postsparkassen - Konto Nr. 150.69b Mr. 2545 Wien. Mittwoch. 24. MSrr lSLK 8. ifafitgana KHamberlain Wer Senf. Brr Mbtumearantrag Lloyd Georges. — Sine einftLndige Rede des Aodeumloifters. (Eigendienst der „Vien« Morgenzeitung.^ London, 23. März. Bor einem dicht gefüllten Saale Üegann heute das Unterhaus die Debatte über die letzte Tagung des Völkerbundes. Die Tribünen waren dicht besetzt. Von Diplomaten waren anwesend außer dem Grafen Bernstorff von der deutschen Botschaft, der portugiesische Botschafter und die Gesandten Oesterreichs und der Tschechoslowakei. Ehamberlain wurde beim Betreten des Hauses von den Regievungsanhängern laut begrüßt. Lloyd George leitete die Debatte über die Voranschläge des Foreign Office ein, indem er zum Zeichen d:r Mißbilligung für das Der halten C'hamberlains rn Genf an den Krediten für toä Foreign Office einen Abstrich von 100 Pfund Sterling vorznnchmen beantragte. In der Begründung seines Antrags führte der Führer der Liberalen aus: Was sich in Genf abgespielt habe, war eine Tragödie. Zahlreiche Freunde des Völkerbundes sind heute in einer geradezu verzweifelten Stimmung. Eine wesentliche Bedingung der in Locarno getroffenen Vereinbarungen war Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Hat Chamberlain gewußt, haß F r a n k r e i ch . u n d Polen ans dein Eintritt Polens in den Völkerbund zugleich mit Geuschland bestehen werden? Lloyd George -richtete an die Regierung die Bitte, alles aufzubieten, um den BMechund zu retten. Nach Lloyd George ergriff sofort ’ Außenminister Ehamberlain das Wort. Der Minister stellte zunächst fest, daß Me gegen ihn geführte Kampagne in seiner Abwesenheit eröffnet wurde. Ms er B r i a n d im vergangenen Jahre in Paris sprach, habe er ihm sofort erklärt, daß er sich für Genf unter keinen Umständen rrgenwie binden können In Locarno habe Deutschland keinen Wert darauf gelegt, ob sein Eintritt in den Völkerbund von dem Eintritt anderer Mächte begleitet sei oder nicht. Vor seiner Abreise nach Genf sei er nun von der englischen Regierung dahin instruiert worden, je nach der Entwicklung der Dinge das beste Arrangement zu treffen. Die Regierung habe sich nur Vorbehalten, 1. daß keine Aenderung im Volkerbundrat vorgenommen werde, die den Eintritt Deutschlands verzögern könnte: 2. daß Deutschland womöglich als Ratsmitglied an der Verantwortlichkeit für die Zulassung weiterer Länder teilnehmen solle; 3. daß die Regel, wonach nur Großmächte ständige Ratsmi tglieder sein sollet:, aufrecht bleibe; 4. daß S Pani en, das sich in einer besonderen Lage befinde, auch eine besondere Behandlung erfahre und 5. daß Brasilien und Polen ständige Ratssitze jetzt n-cht erhalten, daß aber Polen sobald als möglich ein nrchtständiger Sitz im Rate zugestanden werden soll. In Genf habe nun der Minister diesen. Weisungen 9^ maß gehandelt und sich dabei drei Gefahren gegenüber gesehen, daß näml'ch der Eintritt Deutschlands unter Bedingungen erfolge, durch die die Lo carnoverträge verletzt und ihre Kontinuität in Frage gestellt werden, daß ferner Deutschlands Eintritt durch Meinungsversch edenheiten zwischen den in Locarno vertretenen Mächten v e r z ö g e r t werden könnte. Diese beiden wurden vermieden. Als dritte Gefahr ergab sich, daß eine andere Macht ihr Veto einlege. Die von Lloyd George veOreMe. Information, daß er, Ehamberlain, den f r a n z ö si sch e n Ministerpräsidenten zur Unterstützung der, pol n:s chen Kandidatur ermächtigt und ermutigt habe, fei völlig unbg rund et. . Wenn die Ab sti mmüng im Unter'hause, schloß der Minister, für chn ungünstig ausfalle, so werde er bei seinem Rücktritt die'Befriedigung haben, daß er nach fünfzehnmonatiger Tät-g'keit im Außenämt die Dinge in besierem ' Zustand verlaffe, als er sie borgefunden habe. Nach der einftündigen Rede des Außenministers ergr-ff Mae Donald das Wort. Er erklärte, Chamberlai ns Haltung habe zu dem jämmerlichsten Mißerfolg der britischen Diplomatie geführt. England habe sich m't einer, Diplonratte eingelaffen, die dem Völkerbund se l b st fein d f e l i g fei, und diesen in Verwirrung und Trauer 'zurückgelassen, während in Europa, ein Zynismus herrsche, w'e. man ihn seit dem Krieg nicht gekannt habe. Der Konservative Lord Hugh C e c 11 sagte, er sehe in dem, was in Genf geschehen sei, nchts, was vom Standpunkt der Aufrechterhaltung des Friedens schädlich sei. Die Beziehungen zwischen Deutschland und F r a n k r e i ch scheinen freundl'cher geworden zu. sein. Was in Genf geschehen sei, zeige kein Zurückweichen vor dem Gedanken der Einheit unter den Nationen, und der Wunsch der Nationen, Mitglieder des Völkerbundes zu werden, sei d:e höchste Amerkennung der Bedeutung des Völkerbundes, Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitleilungen sind durch ei» vorangesetztes E gekennzeichnet. Sie Ueberfühkung der Leiche Norvaus nach Srer Israel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung/9 Paris, 23. März. Nach den letzten Verfügungen wird die Leiche Dr. Max N o r d a u s am 18. April nach Erez Israel überführt werden. Damit wird der am letzten Zionistenkongreß in Wien gefaßte Beschluß zur Durchführung gelangen. In Paris fittdet aus diesem Anlaffe eine große Nordau-Gedenkfeier statt, deren Programm in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden wird. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat der Stadtrat von T e l - A w i w in einem einhelligen Beschluß, die würdige Bestattung der Leiche des verdienten Zionistenführers sowie die dauernde Pflege des Grabes und die Errichtung eines künstlerisch ausgefiihrten Grabmals, auf sich genommen. In Jaffa und Tel-Awiw werden bereits bie Vorbereitungen für die Trauerfeier getroffen. Iouveurls Besuch in PalMna. Jerusalem, 23. März. (I. T. A.) Ter französische Oberkommissär für Syrien, Henry de Iouvenel, hat für den Monat Apr-l seinen Besuch in Palästina angekündigt. Er wird mit der Palästinaregiernng bezüglich des palästinensischen Libanongebietes Verhandlungen pflegen. Wnig Fuad von Aegyvten Kandidat Kr dir Kalifevwiirde. 23. März. (I. T. A.) Der 'm Ma! :» Kairo abzu-haltende internatio n ä l e A r a b e r k o ngreß wird unter anderem auch einen Kalifen zu wählen haben. Es verlautet, daß König Fuad von Aegypten als Kandidat fiir die Würde eines Kal'sen ausgestellt werden wird. Die arabische Presse in Syrien tritt dafür ein, daß der Kongreß b-s zur Beruhigung Syriens aufgeschoben und nicht in Kairo, das unter britischem Einfluß steht, stattfinden soll. Auch werden gegen die Kandidatur König Funds Einwendungen erhoben mit der Motivterung, daß der zMnstige Kalif vollkommen unabhängig sein müsse, während König Fuad unter britischem Einfluß steht. Sr. Beuesch legt fein Aigeordnetenmandat nieder. Prag, 23. März. Wie „Narodny Lisch" erfahren, habe Außenminister Dr. Bene sch sein Abgeordnetenmandat niedergelegt. Nach dem Blatte sei Doktor Benesch vor die Wahl gestellt worden, entweder auf den Posten des Ministers des Aeußern zu verzichten ober sein Abgeordnetenmandat niederznlegen. Dr. Benesch habe sich für das letztere entschieden. „Bccer" erfährt hiezu aus sicherer Quelle, die Frage, ob Minister Dr. Benesch sein Mandat niederlegeu oder weiter bei behalten werde, werde erst in den nächsten Tagen entschieden iverden. Nach dein „Ceske Slovo" werde honte nachmittags der Vollzugsausschuß der tschechoslowakischen Sozialisten darüber beraten. Die Entscheidung liege ausschließlich bei Dr. Benesch und dem Mlnisterpräsidenten. Im Falle eines Rücktrittes Dr. Benesch' vom Ministerposten würde einzig und allein Dr. G i r s a als Außenminister in Betracht kommen. Abd ei Krim heiratet. Die Tochter RaisuNs. Paris, 23. März. (Tel.-Komp.) Wie die Blätter aus Vtadrid melden, hat der Führer der rebellischen Rifstäimne, Abd el Krim, gestern in dem Dorfe Targischt Hochzeit gefeiert. Abd el Krim vermählte sich mit einer Tochter Raisulis, des Häuptlings des Jscheballastammes, der bisher auf spanischer Seite kämpfte. Abd el 'Krim hofft, durch diese Politische E h e s ch l i e ß u u ß einen der stärksten marokkanischen Stämme für die Sache des Rifs zu gewinnen. Sie Billigungsformel im Reichstag angenommen. Berlin, 25. März. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde nach den Reden verschiedener Parteiführer die Abstimmuttg über die von den Mehrheitsparteien eingebrachte Billigungsformel zu der Politik der Negierung vorgenommen. In einfacher Abstimmung wird zunächst das kommunistische Mißtrauensvotum gegen die Regierung ab gelehnt. Hierauf folgt die namentliche Abstimmung über das Mißtrauensvotum der Deutschnational e n, das mit 259 gegen 141 Stimmen abgelehnt wurde. Die B i l l i g u n g s f o r m e l der Regierungsparteien wird in einfacher Abstimnmng gegen die Deutschnationalen, Völkischen, Kommunisten und einen Teil der wirtschaftlichen Vereinigung angenommen. Die Anträge der Völkischen, Deutschnationalen und Kommunisten auf Zu r ü ck z i e h n n g des Ein- I trittsgesuches in den Völkerbund werden ab gelehnt, ebenso ein völkischer Antrag auf Einstellung der Da wes-Za Ölungen. Umsturz in khina. Feng geflüchtet. London, 23. März. Aus Peking wird berichtet, daß die Truppen Li-Tschin-Lins die Stadt Tientsin besetzt haben. 2000 C h i n e s e n haben im Eingeborenenviertel der Stadt geplündert nnd zahlreiche Nachzügler erschossen. Die T r u p p e n F e n g s befinden sich in v v l l e m Rückzuge und räumen Peking. Man erwartet, daß Feng erst wieder bei Kalgan im Nordwesten von Peking neuen Widerstand leisten wird. Der Z u s a m m e n b r u ch d e r n a t i o n a l e n A r m e e sei durch das Eingreifen der Truppen der Provinz Schansie bewirkt worden, die die Tntppen Fengs im Rücken angriffen. Eine Million Dollno für den Kopf Fengs. Schanghai, 23. März. Nach einer Blättermeldung hat der Mitttärgouvernenr von Schanwng eine Belohmtttg von einer-Million Dollar auf den Kopf des Führers der Nationalarmee, Feng, ausgesetzt. VT Besonders biillfl« ln Stoffen, Seide, Mc MM etc. Im Warenhaus II., Taborstrasse 48 Telephon 47-1-71 En gm En detail

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