Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2544 (23.3.1926)
- Date
- 1926-03-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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z Men. D'tttZkag Mlener Morgenzeltuns 23. 1SS6 Nr. 3544 Ae Budgetdebatte in der Kultusgemeinde. »r. Plalchke, und Sr. Friedmann »der die rionlftifche Stellungnahme. In der gestrigen Plenarsitzung des Wiener KnltuSvorstandes wurde die Sonntag eingeleitele Budgetdebatte fortgesetzt. Äemeinderat Dr. P l a s ch k e s brachte die prinzipklle Stellungnahme des zionistischen Klubs in einer längeren Rede znm Ausdruck. Dr. Plaschkes kam Mnächst auf die Hundertjahrfeier des Stadttempels zu sprechen, verwies auf die heroische Tat Theodor HerzlS, die dem 20. Jahrhunde« ihre Signatur gab und eine neue Epoche der. jüdischen Geschichte einleitet, die vorn Festredner hätte erörtert weroen müssen. Sicher ist, daß Wien, die Stadt Theodor Herzls, das Verständnis dafür haben muh, den Willen des großen JudenführerS zur Förderung deS AnfbaueS zu erfüllen. Redner verweist auf die Leistungen der Chaluzün und auf die Wichtigkeit des Staatsfonds, des Keren Hajessod, und verlangt die Widmung von ö0.0 00 Schilling und Eröffnung einer besonderen Budgetpost. Durch Sätze aus der Rede des französischen Sozialistenführers Leon Blum weist er auf die Stellungnahme der größten Partei des ganz entjudeten Fra,lkrcich hin und erklärt es als Ehre und Pflicht der jüdischen Gemeinde, die Widmung für den Keren Hajessod zu bestießen. Bezüglich Aufbringung der Mittel zur Deckung des BildgetS von 6,5 Millionen Schilling verweist Redner darauf, daß bei Ermäßigung von Steuern durch Aufnechme von Anleihen und Ausnützung der im Friedensverlrage enthaltenen Bestimmungen über die Minderheitsrechte große Beträge hevbeigeschafft werden können, um die kulturellen Arbeiten, die Erziehung der jüdischen Jugend, die Erhaltung des jüdischen Schulwerkes, Verbesserung des jüdischen Religionsunterrichtes, zu leisten und das Fürsorgewesen großzügig auszugestalren. Nach Besprechung der Beamtenfragen kommt Doktor Plaschkes auf die von den Anhängern der Union fortwährend gebraucht« Unterscheidung von bodenständigen und nicht bodenständigen Juden zurück, verweist auf die Kulten der Ostjuden, welche ein ständiges Reservoir für die Echaltung der Wiener jüdischen Gemeinde bilden, und denen das Westjudcntmn nichts Gleichwertiges an di« Seite setzen könne. Dr. Plaschkes schloß mit der Feststellung, daß die Zionisten bei Erfüllung ihrer Forderungen für den Keren Hajessod und für ihre kulturellen Institutionen für das Budget stimmen. Der nächste Redner, der Vertreter des Klubs für soziale Tätigkeit, Dr. Bader, gab scdann die Forderung seines Klubs | bekannt. Dr. Bader forderte eine Modernisierung des Statuts und ein« Aenderung des Wahlrechtssystems, wonach auch Nicht-Kultus st euerzahler wahlberechtigt sei« sollen. Ferner eine ausgebreitete Fürsorge. Er erklärte, für «inen Beitrag für den Keren Hajessod zu stimmen, verlangte aber, daß ein Betrag von 6000 Schilling für einen Palästinaarbeiterfonds bewilligt werde.Seine Partvi werbe gegen das Budget stimmen, weil deren Anträge sabotiert werden. Dr. Desider Friedman n kritisiert eindrucksvoll die jetzige Geschäftsführung, die immer mehr verdorre. Das Plenum sinke zu einer Abstimmungsmnschine herab. Wirkliche Probleme kommen in der heutigen Kultus« gemeinde nicht mehr zur Diskussion. Der jetzige Krlltusvorstand stehe an Hochwertigkeit weit hinter allen früheren. Der Redner fordert, das der schlappe Geschäftsgang aushören und daß man rasch urw energisch verwalten solle. Das gegenwärtige Regime bringt nur Zisf:rn, die einfach vom vorigen Jahr abgeschrieben wären. Der Referent har eS unterlassen, irgend ein Pro« gramm der Gemeindeführung zu entwickeln, das ein neues Leben in der Knltusgemeinde erkennen lassen würde. „Ich verlange," schloß Dr. Frieomanir, „neues Leben in der Kultusstube, nicht als Parteintann, sondern weil ich mit ihr verwachsen bin und weil ich sie zu führen mitgcholsen habe in der schwersten Zeit, als si« vor dein Untergang gestanden ist. Deshalb schmerzt es mich, daß diese Gemeinde immer mehr verdorrt. Wir müssen uns von der papierenen Geschäftssüh« r u n g emanzipieren. Wir brauchen neue Impulse und frisches Leben. Wir müssen das Leben, das sich jetzt im jüdischen Volk in der ganzen Welt zu regen beginnt, auch in diese Kultnsstube verpflanzen. Erst dann werden wir uns glücklich preisen können, in dieser Zeit zu leben. Dann sprach das Mitglied des Klubs für soziale Tätigkeit Dr. Glanz. Er kritisierte das Verhalten der Majorität, die sich nur an Traditionen halte. Sie werde sich auf die Dauer jedoch nicht dem großen Aufbauwerke in Palästina verschließen können. Als der Redner den Zionisten den Vorwurf machte, daß sie die Sozialdemokraten bekämpfe, antworteten Stricker und Dr. P l a s ch k e 8 mit Zwischenrufen, daß die Sozialdemokratie in Oesterreich wie in keinem anderen Lande antisemitisch ist. Um 12 Uhr nachts wurde die Sitzung abgebrochen und wird heute um 8 Uhr abends fortgesetzt. > gj WCINBRAND i aus naturechten, besten Weinen in amtlich plombierten Maicjicn (Erlafi des Ackerbauministeriums ZI. lb!99/474 ex 1904) Gegen Grippe bestbewährt ÜBERALL ZU HABEN! Tagesbericht. MWifche Weisheit. Für die ,INener M o rg e rize: 1 u n g" nach den Quellen bearbeitet Die Lehr RÄ-bi Meir pflegte zu sagen: Wer ein« Lehr« empfängt und nicht weitergib:, von dem gelten die Wort«: „Das Wort des Herrn har er verschmäht." * Rabbi Donooh sag e: Wer sich der Lehre um chrer selbst willen hingibt, dem w:rd sie z im Elixier des Lübens. Wer sich ihr aber zu einem Nebenzwecke hingibt, dsm wird sie -im Elixier des Todes. ♦ Devvarrnung schwer ist das Los der Verbannung — es wiegt all« Flüche ans. Stil Lrwalda in Bien. Seit gestern vormittags, zu welchem Zeitpunkt Ae bekannte Künstlerin h:er eingetrofsen ist, um, wie sie meinte, ganz inkognito einen kurzen Urlaub in Wien zu verbringen, häufen sich von Stunde zu Stunde die Anmeldungen der verschiedcntlichsten Leute beim Portier des Hotels Bristol. Theater- »gepten, Filmleute, Journalisten, Photographen, kurz alles, was mit Kunst oder Nachrichten für die Oeffenlichkeit in Wort und Bild irgerÄ etwas zu tun hat, erscheint hier, fragt und fragt. Und die junge entzückende Frau mit dem blonden Lockenkops antwortet und antwortet. Unermüdlich. immer freundlich, und häufig auch mil viel Humor. Wien gefällt ihr ausgezeichnet. Nein, nicht so, wie jedem durchreisende Filmstar, der sich zu Höflichkeiten verpflichtet suhlt, sondern wiÄlich. Berlin ist wunderschön, znm Arbeiten. Aber ausruhen kann man sich doch nur richtig in Wien, wenn man in einer Stadt Ruhe genießen will. Aber auch sehr gerne möchte fie hier einmal arbeiten. Einen richtigen Wiener Film, der im hiesigen Boden wurzelt, keinen solchen, wo Wien nur mit ein paar Straßenausnahmen angedeutet ist, wie es jetzt in der Berliner Produktion Mode geworden ist. Ob das nicht möglich zu machen wäre? Ja — also daS tU Kg.mluch der Grund chres jetzigen Aufenchaties. Berhand- >. w-f-* jm Zuge, aber alles hängt schließlich davon ab, ob die Regierung die Filmkontingentierung erlaßt oder nicht. Kommt diese heraus, dann arbeitet sie im Sommer ganz bestimmt bei uns. Wahrscheinlich irgend eine Art Volksstück oder einen Film, besten Buch einer älteren, sehr bekannten Operette entnommen ist. Womöglich auch mit einem Wiener Regisseur will sie hier arbeiten, vielleicht mit Hans Schwarz, einem jongen Wiener, mit dem sie nach Oster« in Berlin ,^Das Mädel vom Variete" zu drehe« beginnt. Dann hat fie auch Thsaterpläne. Sie mochte schr gerne wieder zur Bühne zurück, von der fie zum, Film gekommen ist. Nicht für immer, sondern nur für kürzere Zeit. Und sie arbeitet bereits schon eifrig für diesen Ausflug aus dem Atelier ins Rampenlicht, und nimmt feit drei Monaten in Berlin fleißig Gesangsstunden. Dann will fie sehr gerne auch in Wien gastieren, hofft, daß fie den Beifall des Wiener Publikums finden wird, dem sie in mancher Hinsicht näher zu stehen glaubt, als dem Berlins. Und zwar will sie in einer Operette oder in einer Revue herauskommen. — Weil man bester« Gagen bei dieser Kunstrichtung bezieht. Die Filmgag?» sind heute gar nicht mehr so exorbitant. Und Amerika? Ben Blumenthal wollte auch sie hinüberbringen, dort wo di« Gagen angeblich so immens hoch sein sollen. Aber nur sein sollen. Denn die N e g r i hat in Paris noch sehr bedeutende Schulden sichen, die Ban ly kämpft auch noch schwer in Holliwood, und schließlich meint sie, daß sie sich in die amerikanischen Regie- und Filmbücherverhältnisse nicht eingewöhnen könnte. — Sie bleibt Europa bestimmt erhalten. Und das stt nur erfreulich. 3tu Reich der Klrschenblstte fühlen Me sich beim Be'reen des bekamen Warenhauses der Brüder Schifsmann in der Taborstratze 48 versetzt. Die nut auserlesenem künstlerischem Geschmack arrangierte japanische Jnnettdekoraliou, di von bunten- Lämpchen durchwirtten, hängenden Blütettd^den :.l weiß und «ja, sind wirklich sehen-- wer:. SehenSwer: uno preiswert ist auch die soeben eingelangte, reichhaltige Kollektion in all?rneuesten Stoff- und Seidenware« fürs Frühjahr. Crepe de Chine, Marocain, Laftsteure, Faille de Ela ire. Schottenseide, ioroit jfü- Wollstoffe in herrlichen Deffins und Dtodefarbei'. werden m der kommenden Woche bei garantiert erstklassiger Qualirär zu ftauii«nb billigen 'Boriaffon-Okkassionspreisen verkamt. Gleichzeitig wurden die besannt billigen Pre'se für Herren- und Damenwäsche, Leinemvaren. Anhänge, Teppiche usw usw. weienilich reduziert, um dem täglich wachsenden Kundenkreis d.eirs kührenden Leopoldstädler Warenhaches wieder einmal die außerordentliche Leistungsfähigkeit der Brüder Schiffmann beweien und jedem Käufer trotz des herrschenden Geldmangels Kausinög'ichkeit zu bieten. Eine Besichtigung des Warenir-geis ohne Ka.1f7.raug wird icbenwum im eigensten Wejje empjchte«. der Manu, der den ersten Bubikopf schnitt. Der große Monsieur Antoine auS Paris, dar „Erfinder des Bubikopfs", Sft, wie uns auS Berlin gemeldet wird, in der deutschen Hauptstad: skngetroffen. Er ist 42 Jahre alt, wie er sagt, ober er sicht reichlich zchn Jahve jünger aus. Er stammt aus W a r s ch a »E'lÄbt aber schon seit zwei Jahrzehnten in Paris, wo er sich in der Rue de ColombeS seinen berühmten Salon eingerichtet hat, m dem er 30 Angestellte beschäftigt. Seirv DamerÄundschast zahlt nach Tausenden, und er hat in den letzten Jahren wett über einen Kilometer Frauenhaar abgeschnitten und in Bubiköpfe veavandelt. Auf die Frage, wann er den ersten Bubikopf .in fehtm Leben geschnitten hat, sagte er: „Schon vor 16 Jahren. Es war die Pariser Soubrette Eve La Balliere. Ich hatte ihr eine Art Pagenftffur gemacht, und das Auftreten der Künstlerin in der Oeffentbichkeit erregt« dmnals ungeheures Aufsehen. Aber bald kamen die Frauen in Scharen zu mir, um sich Äbensalls die Haare kürzen zu lassen." sind fie auf die Idee gekommen, den Frauen die Haare abzuschneideu?" Antoine erklärt, er sei stets «n Gegner der langen Haare gewesen, die ihm persönlich unästhetisch feien. Als Künstler sche er in dem Bubikopf das Ideal der Damenfrisur, und es spreche für den Geschmack der modernen Frauen, daß sie sich heute zu dieser Frisur entschloffen hätten. Außerdem sei auch vom praktischen Gesichtspunkte aus im Zeitalter dos Sports das ahgeschnitten« Haar die einzig denkbare Frisur. Auf W« Frage, wie nach seiner Meinung heul« der mcbische Bubikopf auSsche, und welcher Haarschnitt in der nächsten Zukunft modern werden würde, antwortete er: „Einen modischen Bllbikopf gibt «S nicht. Jeder Bubikopf muß Adividuckl behandelt werden, und die Frisur muß dem Gesicht emfprechend gemacht werden. Unter Minen Kundinnen würden sie nicht zwei Bubiköpfe finden, die sich Zeichen. Di«. Dame selbst, und natürlich auch chve Frisur, müssen Mau wissen, welcher Haarschnitt und welche Frisur nötig sei." Monsieur Antoine ist auf Einladung omes Berliner Fachlvllegen gekommen, und er wird den Berlinerinnen seine Kunst zeigen, und «ich best einer Modeschan Mitwirken. stt» Berliner ^endrblld. «uS Berllu wird gemeldet: Heute vormittags wurden in Wilmersdorf die 41 Jahre alte Witwe Martha S e rgatz und ihr IVjähriger Sohn Ernst völlig erschöpft aufgefuuden. In der Wohnung lag der Schmutz, der bereitin Fäulnis Übergange» war, einen halben Meter hoch. Der herbeigerufene Arzt ordnete die sofortige Ueberführung der beiden Erschöpften ins Krankenhaus an. Die Wohnung wurde von der Polizei versiegelt, um weitere Nach forsch» »ge» anstelle» zu könne». Das Semmering-SchachtukKier. Semmering, 22. März. Das Kennzeichen der heute absol« vierten 12. Runde war das einheitliche Bild der gsschlvsscuen Eröffnungen Die Parole der modernen M.ister lautet: Aufbau einer starken Stellung in der inneren Linie, um erst im gegebenen Moment mit den Bauern zum Sturmangriff vorzugehen. Den ersten Sieg hatte Spiel mann zu verzeichnen, der gegen das von Km och gewählte DameribauernsPiÄ mit einer neuartigen Variante des sogenannten Blumemold-Gambits erwiderte nnd sehr bald zmn entscheidenden Maitangriff gelangte. Ter nächste Gewinnpunkt mußte für Professor Michel gebucht werden, der das von Ros eil i aögelchnte Damengambit schon nach 36 Zügen siegreich baIvang. Mit einem eleganten Springeropfer widerlegte Grünfeld die etwas matt geführte indische Verteidigung des Ostraners Gilg. Aeußerst spannend verlies das Troffen Janowski—Dr. Treybal. ein in normaler Art atzgetehntes Damengambit, das remis endete. Mt Remis schloß auch daS Damenbanevnspiel Rub inst ein—Davidson, das bis zum blanken König durchgekämpft wurde. Ein wildbewvgter Kampf entwickelte sich in der von Dates geführten indischen Damenbanernverteidigung gegen den Ungarn Doktor Bajda, den letzterer verlor. Dr. Aljechin überwand diesmal als Nachziehender in einem Reti-Spiel Dr. Tarrasch und hat nun. va Tartakower im Endspiel, einem Königssprrngevspiel gegen Reti, verlor, mit diesem und Spiel mann die Führung erlangt. Pros. Bidmar behandelte eine von Niemzowitsch nn-- regolmäßig verteidigte Damenbauerneröffnung sehr stark; sein Sieg sicht bereits fest, wenngleich das Spiel heute hängend geworden ist. Stand nach der IS. Runde. Mjechin, Dr. Dartakvwer, Spielmann je 9, Niemzowitsch 8*/, (2), Rubinstein 7, Dr. Bidmar 6»/. (1), Dr. Tarrasch ÖVJ( Reti 6 (1), Dr. Tr.rybal 6, Gilg, Dr. Bajda je 6% Janowski, FateS je 6, Grünfeld 4»/, (1), Davidson 41/* Professor Mich?* 4, Kmoch 8 (1), Roselli V*_ Blutdlasrwse Des Krebse». Der Chefarzt des KrelbSforschungsinstitutS in Liverpool, Dr. Mitchell, teilt mit, daß ein am Institut arbeitender führender Forscher, deutscher Abstammung, dessen Name noch nicht ^kanntgegöben werden könne, eine Erfindung g«vL-chr habe, die in einem Apparat besteht und «S ermöglicht, in einem Tropfe« Glut das Anfangsstadium des Krebses nachzuweisen. Ebenso kann sechs Monate nach einer Krebs- Operation nachgewwsen werden, ob die Operation Erfolg hatte oder ob der KrebSerreger sich noch im betreffenden Organismus befindet. Die neue Methode beruhe auf der fpektrosikopischen Prüfung des Blutes. Das Spektrum des gesunden Mutes sei ganz anders als das Blut eines KrebSauch schon W AnfangSftadWtz der KrarHM»