Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2542 (21.3.1926)
- Date
- 1926-03-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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**■ MS_ Dien, Tmmlaz SBtene« Morge«zeltu«s Wieder eröffnet! Hotel National Wien, IL Taborstrasse 18 Telephon 41-5-93 Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit Messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hause! Mistige Preise! Nene Leitung! Sie Juden und die österreichische Polizei. Bon Dr. N. M. Gelber. Der Polizeioberdirektor von Wien, Hofrat Ley, berichtet über die Wiener Inden und ihre Beziehungen zur Notabelnversammlung in Paris. — Seine Unterredung mit Herz Homberg und Eskeles. — Sumeraus Handbilett an Natan v. Arnstein. 5. Die Polizeihos,stelle' erhielt auf ihr Rundschreiben, in dem sie auf die Gefahr der Notabelnversanmrlung hiugewiefen und eine strengere I nv igilier u ng der Juden verlangt hafte, schon am 24. Oktober einen eingehenden Bericht des Wiener Polizeioberdirektors Hofrat Ley. Er gab eine:ausführliche Darstellung der damaligen Vevhöltnisse m der Wiener Judenschaft. Die Wiener Polizei hatte ohnehin schon seit dem Zeitpunkte, in dem die Notalbelnversammlung einberuseu wurde, im stillen alles beobachtet, was die. Wiener oder die zureifenden Juden über dieses Ereignis untereinander oder anderen gegenüber äußerten. Hofrat Ley gibt der Ansicht Ausdruck, daß „die jüdische Nation weder in N elig i o nsgr u n dsätzen, noch viel weniger in ihren Handlung e n zu >sa m m cn st i m m t, einige, halten sich an die mosaischen Gesetze, andere an TalmtMlehre und andere bekennen sich zu beiden, handeln jedoch in Religionsgegensiänden diel nach eigenen Meinung e n." Während die ersten streng religiös sind, zählen die anderen seiner Meinung nach zu den Aufgeklärteren, da sie weder ,^ekoschertes Mersch und berler Wein" genießen, noch sonst den religiösen Satzungen entsprechen, wenn sie auch ihr „Geibet am Sabbattage mit den übrigen Juden verrichten." Ans Grund dieser von Ley getroffenen Klassifikation der Juden versuchte er nun die Ansichten dieser verschiedenen Kategorien über Napoleons Judenpolitik kennen zu lernen. Ans verschiedenen Wegen, teils mittel-, teils unmittelbar, gelang cs ihm, zu erfahren, daß der sogenannte religiöse Teil der Juden zu der Notabelnversammlung in Paris kein besonderes Zutrauen habe, da er in ihr Deputierte bemerke, die keineswegs nach den Satzungen der Mischen Religion loben und „nur zeitliche Absichten für sich vor Augen halben und vorzüglich nur darauf Macht sein werden, dem französischen Kaiser sich gefällig zu zeigen", um auf diese Weise Ehrenämter zu echatten und „einen großen Namen in der Welt" zu erwerben- Anders wohl verhalten sich hiezu die aufgeklärten Juden. Sie sehen in diesem Ereignis einen Plan, der j>ie Einkünfte Frankreichs vermehren und Napoleon einen Anhang, nicht nur in Europa, sondern auch in „allen übrigen Weltteilen" verschaffen soll, vermittels deren dann Ausspälher gewonnen werden sollten. Zn den aufgeklärten Juden in Wien zählt Ley nicht nur Persönlichkeiten wie Nathan Freiherr v. A r nstein. Bernhard Edler v. Eskeles, Solomon und Leopo'ld Edler v. Herz, Benedikt David Arnstein er, Markus Ossenheim er, sondern auch alle jene Juden, die „ihr Vermögen hier auf dem Platze schr beträchtlich vermehret, sich hierdurch Ansehen unter der Judenschaft erworben und bei mehreren Gelegenheiten ihre Stimme zu erheben gewußt haben." Als solche bezeichnet er Markus Leidesdorf, Michael Lazar Biedermann, Maximilian Trebitsch, Samuel L e br inger, Karl Holl i g s b e r g, Tobias S t e i n s b e r g. Benjamin Landesmann, Dr. Oester reicher und Herz Homberg, der hier nur einen kurzen provisorischen Aufenthalt genommen hatte. Alle übrigen tolerierten Inden bezeichnet Ley als „Mitteldinge", denen nur daran liegt, ihren möglichsten Untcch.ilt zu Verdiellen, ihr Bernlögen derart zu vergrößern, daß „ihre Weiber und Kinder sich den Reichsten tolerierten gleich kleiden, dann sich bei allen Gelegenheiten offen mit Prunk zeigen können." Eine besondere Aufmerksamkeit schenkte die Polizei jenen Juden, die aus geschäftlichen Gründen und um in Wiell bleiben zu können, „Unterricht in der katholischen Religion nahmen und dann mit höherer Erlaubnis sich hier taufen ließen." Diese traten zwar sofort nach ihrer Taufe „in die Dienste eines Christen, bald aber machten sie eigene Geschäfte". Es genüge, aus die Börse zu gehen, wo man sich überzeugen kann, welche große Anzahl getaufter Juden „sich dort mit Geldmäklerei, Agiotiren und derlei Geschäften abgeben." Diese Neophyten sind nach Leys Allsicht, nicht ans Ueberzengung Katholiken geworden. Da sie aber „immer noch mit den Inden halten", wurden sie von der Polizei im geheimen beobachtet, wie sie die neuen Ereignisse in Frankreich aufnehmen. Jnl allgerneinen konstatierte er, daß die Wiener Jitdenschast an dem lleuen Versuch Napoleons gar keinen Gefallen gefunden habe und sich überhaupt um die dortigen Vorgänge kaum kümmere. Die Polizei konnte auch feststellen, *) Siche „Wiener Morgr^eitung" 00m 17. und 21. Februar. 5, und 7- März. daß nach Frankreich oder Brannschweig nicht mehr Briefe, als sonst a^eschickt wurden. Ferner habe auch niemand von den Juden eine Reise dorthin untcrnonlmell.- Im allgemeinen nehmen die in Wien tolerierten Inden an der Notabelnversammlung keinen unmittelbaren Anteil und finden an deren Beschlüssen kein besonderes Interesse. Allerdillgs habe sich der in Wien aushaltende ostgalizische Normalschuloberausscher Herz Homberg in einer eigenen Broschüre mit den der Notabclnvcrsammlung vorgelegteir Fragen beschäftigt, jedoch nur mit der Absicht, „seine Religivnskenntnisse zu zeigen oder einen Rus als Korresporrdcnt zur Pariser Versammlung zu erwirken." Er habe daher mehrmals mit Homberg, der zwar einen „Kops, aber kein Bernlögen" hat, hierüber vertraulich gesprochen. Wenn er auch nicht behaupten kann, daß Homberg staatswidrig denke, so habe er dennoch seine Jnvigillierung verfügt. Auch sei bei ihm Edler v. Eskeles erschienen und habe ihm die Einladung der Noiabelnversammlung übergeben, mit denl Ersuchen, ihm ungesäumt die Weisung zu erteilen, was er zu tun und näch Paris zu antworten habe. Er glaube, daß man sich an Eskeles deshalb wandte, weil er als vermögender und helldenkender Mann sicherlich aus die hiesige Jndenschast Einfluß habe. Er persönlich sei überzeugt, daß Eskeles seine Untertanenpslid)ten dein Kaiser und dem Staate gegenüber nicht vergessen werde. Es wäre daher ratsam, daß man mit ihm unmittelbar höheren Orts Rücksprache nehmen soll, denn in diesem Falle dürfte Eskeles, „der viel Ehrgefühl besitzt, versprechen, daß er der Allerhöchsten Absicht volles Genüge leisten werde." Da nun Eskeles aus seine Einladung nach Paris antworten lnüssc, halte er es für richtig, ihm einstweilen die Weisung zu erteilen, der Notabelnversammlung mitzuteilen, daß in Wien keine Gemeinde, keine Synagoge und auch kein Rabbiner bestehe, die Wiener Juden daher einzeln, jeder für sich vom Staate geduldet und als Tolerierte keine Vorsteher hätten, weshalb er persönlich nicht in der Lage sei, als österreichischer Untertan der Aufforderung der Notabelnversammlung ohne Allerhöchste Erlaubnis Folge zu leisten. Sollte die Polizeihvfstelle seinem Vorschläge zustimmen, so werde er Eskeles in diesem Sinne anweisen. Er sei fest überzeugt, daß die Notabelnversammlung ähnliche Einladungen und Sendschreiben auch uad) Böhmen, Mähren, Galizien, Ungarn und Triest geschickt hat. Die Polizeihosstelle nahm diesen Bericht mit besonderer Befriedigung zur Kenntnis und teilte sofort dem Grasen Stadion sowie dem Kaiser die Beobachtungen über das Verhältnis der Wiener Judenschast zur Notabelnversammlung mit und versicherte, daß die Staatspolizei nichts unbenutzt lassen wird, um mit Nachdruck allen Folgen vorzubeugen, welche „aus jenem weit anssehenden Plane Napoleons für den österreichischen Staat hervorgehen könnten." Hosrat -Ley dagegen wurde angewiesen, Eskeles vertraulich zu eröffnen, daß die Polizeihosstelle die Offenheit und „Rechtlichkeit", mit der er der Polizei gegenüber bezüglich seiner Einladung aus Paris gehandelt habe, voll und ganz würdige und den Wunsch habe, daß er seine Antwort an die Notabelnversammlung vorerst dem Freiherrn v. Sumerau zur Ein-? sicht vorlegen möge. Uebrigens wird von der Polizeihosstelle aus aus ihn, Baron Natan Arnstein sowie sonstige vortreffliche, dem Staate treu ergebene Männer gewirkt werden, mit Ratschlägen zu dienen, wie man den Folgen der „französischen Influenz" aus die anderen Juden entgegenarbeiten soll. Die Polizcihosstelle werde sich bemühen, sie zu veranlassen, ihren Einfluß auch aus die Juden der Provinz zum Vorteile des Staates einzusetzen. Ferner wird Ley angewiesen, Homberg für die Sache des Staates zu gewinnen und ihn dahin zu stimmen, im Interesse des Staates aus die Juden einzuwirken; er wird auch autorisiert, die gesamte Auslage der Hombergschen Broschüre aufzukaufen. Zu gleicher Zeit schickte Freiherr v. S u m e r a u an Nathan Freiherrn v. A r n st e i n nachstehendes Billett: „Ich wünschte das Vergnügen zu haben, in einer Angelegenheit, welche Seine Majestät den Kaiser besonders interessiert, mit E. W. sowohl, als mit Ihrem würdigen Associeen, Herrn v. Eskeles, im Vertrauen mich zu besprechen. E. W. würden mich daher sehr verbinden, wenn Sie mit Herrn v. Eskeles mich Donnerstag mittags um 12 Uhr in meinem Bureau in der Polizcihosstelle mit Ihrem Besuche beehren würden. Mit Vergnügen wiederhole ich bei dieser Veranlassung die Versicherung der aufrichtigsten und ausgezeichnetsten Hochachtung, mit welcher ich die Ehre habe." Es ist anzunehmen, daß dieses Handbillett Arnstein und Eskeles besonders geschmeichelt haben dürste, und daß es Freiherrn v. S u m e r a u ein Leichtes gewesen ist, beide, die ja ohnehin schon vom Polizeioberdirektor Ley präpariert wurden, zu veranlassen, sich den Bestrebungen Napoleons gegenüber ablehnend zu Verhalten. Baron Rotfchild al« Schmuggler bestraft. Aus Rom wird uns berichtet: D.is Gericht von Neapel hat den a m e rikani fl ch e n Milliardär Baron R 0 tfchild wegen der 1922 erfolgten Ausfuhr der Statue Benere Genitrice zu einer Buße von 3 6 0.0 0 0 Lire verurteilt. Ebenso wurden drei seiner Holser mit einer Buße van je 120.000 Lire bestraft; zudem haben sie solidarisch eine Entschädigung von 150.000 Lire zu bezahlen. Sine Gipfelleistung bilden nufere diesjährigen Osttrauzebou aus Seile 13. A. G e r n g. v ß, AtliengvjelMch. 21. Marz 1926 _Seite 7 MALOWAN vorm. MALOWAN 8r FRANZ,OPERNRING 23 bringt für das Frühjahr U*t Ubergangsröcke « in herrlichsten Dessins sowie neuesten Farben auf Seide gearbeitet zum PREISE VON S ISO Gilt Stadtviertel von Tokio eingesichert. 600 Häuser zerstört. — 4000 Obdachlose. Ans London itrib telegraphiert: Tokio war ipst.'rn wiederum der Schauplatz eines ungeheuren Brandes, der fast das ganze Stadtviertel Sngeno einäschcrtc. Jnnerhailb drei Snrnden wurden über 000 Häuser zerstör:. Viertausend Personen wurden obdachlos. Es handelt sich fast um die gleiche Gegend, in der vor einem Jahre siebenhundert Häuser durch einen Riefenbrand verniichtet wurden. Nunmehr wurden viele Häuser, die alt Stelle der abgebrannten neu gebaut worden waren, gestern voll den Flammen ergriffen. Menschenopfer scheinen nur geringe zu beklagen sein. Fast alle Bewchner der gefährdeten Häuser konnten ihr Leben retten, doch sollen bei der Panik etwa Zwölf Personen verletzt lvordcu sein. Riesige Feuersbrunst in Rangoon. Tausende Obdachlose. Aus London wirb"gemeldet: Das Etngeiboicuen* viertel von Rangoon ist durch eine riesige Feuer s b r u ui st zerstört worden. Zahlreiche b it d-d h ist i s ch e Tempel und eine große Anzahl Geschäftshäuser sielen den Flammen zum Opfer.' M ehrere tausend Einwohner sind ohne Obdach. Explosion eines Schmelrofens. 16 Personen getötet. -Ans Birmingham (Allabama) wird gemeldet: Heute vormittags explodierte hier ein Schmelzofen. 16 Personeu wurden getötet, 17 verletzt. Infolge der Explosion ergossen sich Hunderte von Tonnen geschmolzener Metalle in die Umgebung. 16 Personen, die von den Metalldäimpsen erreicht wurden, konnten sich wicht retten Ei« Meister von seine« vier Lehrlingen ermordet. Aus Halb erst« dt wird gemeldet: In Der caZbürg wurde vor 14 Tagen ein Schlächter m c i st e r iit. seiner Werfftavlt tot ansgesunden. Wie sich jetzt herausstellt, soll der Meister das Opfer eines Anschlages seiner vier Lehrlinge geworden sein, von denen einer den Meister erschossen hat. Schlechte Behandlung soll die Ursache der. Tai sein. Ein volitischer Mord. Aus Berlin wird berichtet: Wie der „Vovlvärts" meldet, ist der sozialdemokratische ParteÄassier Ulrich m ObevschönewalÄ auf dem Treppenflur seines Hauses von dem Portier bei dem Tvanssormatorenwerk der A.E.G., Bode, der ltzem politisch rechtsstehenden Werksverein angehört, erschlagen worden. Da zwischen den beiden des öfteren heftige politische Auseinandersetzungen stattfanden, wird angenommen, daß die Tat ein politischer Racheakt ist. Sründnng einer Wische» Urania in Wien. Der Plan zur Gründung einer jüdischen Urania ist nicht neu. Auf die Ziele und Bestrebungen wurde bei verschiedenen Gelegenheiten in diesem Blatte hingewiesen und die Notwendigkeit dieser Einrichtung für die Länder der Galuth und Ereg Israel ausgeführt. Es wird uns mm mitgeteilt, daß die Vorarbeiten eines Proponentenkomitees soweit vorgeschritten sind, daß bereits Dienstag den 23. d., 8 Uhr abends, m Bereinsheim, 8. Bez., Bennoplatz 1a, der Eröfflmngsvortrag stattfinden kann. Als Thema wurde „Dis Inschriften der Slnaihakbinsel urrd ihre Entzifferung" gewählt, mit Rücksicht auf die gegenwärtig im Mittel-, puirkt der wissenschaMchen Untersuchung stehenden Forschungsarbeiten; der Bortrag ist von zahlreichen neuen .Lichtbildern unterstützt und allgemein zugänglich. Für die weiteren Borträge, die auch für die schulpflichtige Jugend [tatLfiiVbeu werden, steht bereits ein reichhaltiges Lichtbildevmaterial zur Verfügung, das die jüdische Geschichte, Kunst, Palästim, jüdische Erfinder und Entdecker usw. «sw. umfaßt. Anmeldungen wegen Borträge m anderen Bezirken «ond alle Zuschriften an die Adresse: Paul Stein, J4. Bez., Maria« hllserjtvaße 188. 5389485323535300485323482353232348 489998844