Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2541 (20.3.1926)
- Date
- 1926-03-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 2541 Wien, DamStag Wlenev W. Mar; IM» Das schönste Osiergeschenk das Der kleinste Taschen-Sprechapparat der Welt W In allen gutgeführten Geschäften er- W V hältlich -r'' —---—-- " —.5gemein.de, 1. Bez., 'Scitenstettcngassc 4, 3. Stock, bis zum 1. April aufgelegt. Die Gomeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist über den Rechnungsabschluß beim Vorstände der Ku'ltusgemeinde schriftlich Erinnerungen zu überreichen, ♦ welche bei der Prüfung des Rechnungsabschlusses in Erwägung gezogen werden. Der Maulkorb. Die Frankendebatte abgeschnitten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeikung.") Budapest, 19. März. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung brachte die Einheitspartei einen mit achtzig Unterschriften gezeichneten Antrag auf Einführung der Klo tu re ein. Der Antrag wird morgen zur Abstimmung gelangen und ahne Zweifel angenommen werden. Da also schon Morgan die Kloture in Wirksamkeit tritt, wird die Debatte über die Frankenaffäre in drei Sitzungen geschloffen werden können, in denen die Redezeit für jeden Abgeordneten mit einer Stunde beschränkt ist. Mittwoch soll dann die Budgetdebatte beginnen. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ivandte sich der Hoidvedrninister Csaky gegen den Vorwurf des Minderheitsberichtes, daß er dem Obersten Jankovich auf gesetzwidrige Weise eine Pension verschafft hätte. Der Minister stellte fest, daß Oberst Jankovich auf dem vorgeschriebenen Weg eingebürgert wurde. „Wer behauptet," rief der Minister, „daß Jankovich im Honvedministerium eine besondere Behandlung zuteil wurde, lügt!" Als nun Graf Csaky in diesem Zusammenhänge den Namen des sozialistischen Abgeordneten Ghörky nannte, erhob sich auf den Bänken der Sozialdemokraten ein ungeheurer Entrüstnngssturm. „Sie sind doch nicht in der Kaserne!" wurde dem Minister zugerufen. Abg. Kiß stellte fest, daß Optierungsgesuche noch aus Dem Jahre 1921 unerledigt im Honvedministerium liegen, während die Option des Obersten Jankovich in zwei Tagen erledigt wurde. Bei diesen Worten sprang Honvedminister Graf Csaky erregt auf und rief: „Wer meine Worte bezweifelt, den werde ich zur Verantwortung ziehen! So etwas zu behaupten, gehört eine gewisse Dummheit dazu!" Präsident Scitovszky erteilte dom Honvedminister den Ordnungsruf, worauf Graf Csaky den Sitzungssaal verließ. Abg. Wilhelm B a z s o n y stellte fest, daß es die erste Pflicht der Regierung gewesen wäre, sofort zu Beginn der Frankenfälscheraffäre zu demissionieren, damit die Unparteilichkeit der Untersuchung garantiert werde. Die Anklage in der Frankenaffäre könne die Regierung keinesfalls vertreten, da ein Teil der Angeklagten behauptet, daß die g a n z c A k t i o n m i t d i e s e r Regierung unternommen wurde. Die Regierung müsse ihren Platz einem aus den Mehrheitsparteien gebildeten neuen Kabinett räumen. Schutzes Tod. Berlm, 19. März. Wolfs.) Heute früt) äußerte die -,R o t e Fahne" den Verdacht, daß der im Zusammenhang mit der ungarischen Frankenfälschungsaffäre genannte Techniker Schulze in der Irrenanstalt Herzberg vergiftet worden sei. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, soll die Leiche des B c r st o r b e n e n bereits auf A n o r du u n g der Staatsanwaltschaft zur Obduktion H e s ch l a g n a h m t worden sein. Der Vortragszyklus des zionistische» Landeskomitee«. Jrn Rahmen des vom Zionistischen Landest'omitee veram Mieten Vortragszyklus spricht am Donnerstag den 26. d. um halb 8 111)1abends im Klubheim der Hakoah, 1. Bez., Wipplingerstraße 21-26, Herr Dr. N. M. Gelber über „Judenstaats Projekte in den Jahren 1710 bis 1810". Karten sind im Zionistischen Bureau, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, zu haben. Anland. Rückkehr Dr. Rameks aus Senf. Bundeskanzler Dr. R a m e k ist gestern morgens in Begleitung des Gesandten Dr. I u n k a r und des Sektionsrates Dr. W t m m e r aus Genf zurückgekehrt. Bericht über Senf. Die Pensioneuanleihe — gescheitert. Im gestrigen Mmisterral erstattete Bundeskanzler Doktor Ra in ek einen Bericht über die Verhandlungen in G c n f. Wie verlautet, ist der Plan, durch eine Anleihe den Aufwand für die Pensionen zu bedecken und auf diese Weise das Budget 511. entlasten, als gescheitert zu betrachten. Der Ministerrat beschäftigte sich auch mit der Frage der den Bundesangestellten zugcsagten Auszahlungen des Restbetrages der außerordentlichen N 0 t st a n d s u n t e r st ü tz u n g e n im Ausmaße von 22 Prozent eines Monatsgehaltes. Die Angelegenheit soll bis Dienstag geordnet werden, jo daß die Auszahlung noch vor Ostern erfolgen ivird. Am Mittwoch wiro der Bundeskanzler dem Hauplauss ch u s; seinen Bericht über die letzte Bölkerbnndtagung zur Kenntnis bringen. Aus der Tagesordnung stcht ferner der Schicksgerichtsvertrag mit der Tschechoslowakei, Der unnachgiebige Brektner. In der gestrigen Sitzung des Wiener. Gemeinderates wurde die Debatte über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1924 fortgesetzt, der, wie wir bereits berichteten, mit Ausnahme der Straßenbahnen große Ue b e r s ch ü s s e aufweist. Gemeinderat Kunschak forderte für die großen Investitionen die Ausnahme einer Anleihe und stellte den Antrag, der Gemeinderat wolle eine Revision sämtlicher st ä d t i s ch e r Steuern beschließen und eine Jnvestitionsanleihe für den Wohnhausbau und den Ausbau der städtischen Unternehmungen ausnehmen, .den Gas- und elektrischen Strompreis hevabsetzeu, die Wasserkrastabga.be aufheben, den Berzögerungszuschlag abschaffen und die Vorauszahlungen entweder zuvückerstatten oder entsprechend verzinsen. Stadtrat B r e i t n e r erklärte, von seiner Finanzpolitik nicht abg che n zu wollen. Die von Kunschak für den Kops der Wiener Bevölkerung errechnete Last an städtischen Steuern von 1,809.093 Kronen pro Jahr könne iusoserne nicht stimmen, als man die hohen Beträge, die "beispielsweise an Kraftwaigenabgab'e, Lustbavkeitssteuer, Pevsonalabgabe, Fremdenzimmerabgabe nicht auf die ganze Bevölkerung verteilen dürfe. Die Gemeinde will auch keine Anleihe anfnehmen, weil sie das böse- Beispiel der Völkerbundanleihe nicht nachahmen wolle. Von den Völkerbundkrcditen befinden sich noch 40 Millionen Dollar im Anslande, für die wir neun Prozent Zinsen zahlen müssen und nur zwei Prozent vergütet erhalten. Die Gemeinde Wien Liefert Strom und Gas immer noch viel billiger als alle anderen Städte und schält außerdem einen großen Fürforgeapparat. Die sozialdemokratische Finanzpolitik zicht zu Den Stmerleistungen die besitzenden Klassen in erhöhtem Maße heran und wird davon nicht abgchen. Die Kapitalisten hüben ihr angeblich nicht vorhandenes Geld statt es für eme inländische Anleihe zu verwenden, in der Frankenspekulation vergeudet. De Bechanblung Wer die Rechnungsabschlüsse wurde sodann abgebrochen und wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. % Rathan-Binibanm-Abend der zionistischen BezirkMtio» 8—8. Es war ein Abend wehmütiger Festesfreude, der den altten Kämpen während eines .vorübergehenden Wiener Aufenchaltes wieder in einen zionistischen Kreis führte. Groß war die Schar derer freilich nicht, die dem Klange des einst so zugkräftigen Namens gefolgt waren. Denn nicht nur Nachan Birnbaum, auch der Zionismus hat in der langen Zeit, die dieser größte Eiferer unter unseren früheren Vorkämpfern in schmollender Zurückgezogenheit verbracht hat, einen LNmdel durchgemacht, aber einen Wandel zur lebendigen Wirklichkeit, von der Dialektik und Problematik der Vorkriegszeit hinweg zur Gegenwartsarbeit, die der Schwere des geschichtlichen Moments gerecht zu weiden trachtet. Und wer dem Geist seiner Zeit nicht folgen will, an dem geht die Zeit vorüber. So ist die zionistische Bewegung fortgeschritten, Nathan Birnbaum aber ist bei all seiner Wandlung, die ihn bis in das Reich mystizisierender Frömmigkeit geführt hat, im Grunde genommen der Alte geblieben. Ohne es sich selber cingcftchen zu wollen, lebt und webt er noch hu Gedankenkreis der Neunzigerjahre, da der Zionismus in erster Linie Reaktion gegen die Assimilation bedeutete. Mit lächelnder Ueberlogenheit betrachtet der zionistische Zeitgenosse dieses erbitterte Ringen mit Problemen, die für ihn längst schon gelöst sind, die hitzige Auseinandersetzung mit einem Gegner, den die Geschichte schon längst gerichtet hat. Aber trotzdem fesselt Birnbaum seine Zuhörer noch immer durch den jugendlichen Elan, mit welchem er, eine ahasverische Erscheinung, die alten Wahrheiten verteidigt, durch die Begeisterung, mit welcher er noch he-ute seine rhetorische Streitaxt gegen unsere Feiudeswelt aus der Zeit des Judenliberalismus schwingt, durch die durch keine Last der Jahre geschwächte prophetische Glut seiner Worte, mit denen er die Söhne des Volkes aus wem zugleich erniedrigenden und überheblichen Assimilationsdienst in die eigenen. Reihen zurückruft. Freilich, in dem Ergebnis, zu dem er gelangt, ist nichts mehr von dem Jugendstolz und dem Selbstbe- 8 - ■ > Sammlung Dr. Max Strauss, $est. Wien Gemälde aller und moderner MeUter, Miniaturen, Silhouetten, Handzetchnungen alter Meister, englische und französische Kupferstiche Darunter Gemälde von: A. Brouwer, P. Breugel III., Ö.D. Gamphuysen, A. Canaletto, P. Claesz, A. Onyp, J. Dossiers. J. van Doyen, J. de Heem, C. Netscher, A. van Ostado, I. van Ostado, J. u. S. Ruysdael. R J. Savery, J. Slberechts, .7. Steen, D. Ten« niers d. J., G. D. Tiepolo, J. Victor, J. \Veenix,Ph Wouwerman, R. v. Alt, L. J F. Bonnat, A. G Deoamps, J Kriehuber, A. Menzel, K. Troyon, F. G, Waldmüller. Miniaturen von K. Ley bold, D. Saint, L. M. Autlssler, J. Cossard, E. H. Langlois, F. Ii. v. Vieth, J. B. Isabay usw. Handzeichnungen alter Meister von: P. Brueghel, A. Garracci, M. Marieschi, I. de Mouoheron, J van Stry usw Kupferstiche (zumeist ln Farben gedrnokt) von und nach: F Bartolozzi, W. Beeohy, Th. Gainsborough, J. Hoppner, R. Porter, J. M. Quoverdo J. Rising, J. Ward, F. Wheatiov u. a. VERSTEIGERUNG im oberen Saale des Künstlerhauses, Wien, I., Karlsplatz 5, Montag den 22. und Dienstag den 23. März 1926 ab 3 Uhr SCHAUSTELLUNG nur noch morgen Sonntag den 31. März von 10 bis 5 Uh/ Glückselig Ges. m. b. H. tuiBM c* j* Wawra W IVM Mühlgasse 28—30 Ul., Lothringerstrassc 14 wußtscin unserer nationalen Wiedergeburtsidee zu verspüren, er. kennt nicht mehr unser Recht vor der Welt, nur unsere Pflicht vor Gott. Damit hat er aber schon den großen Schritt hinter den Zionismus zurückgetan, wo man noch kein jüdisches Volkstum ohne Religion begreifen konnte. Was er predigt, ist letzten Endes jene Demut, welche in ihrer tatenlosen Gottergehenheit unser Volk zur jahrtausendelangen Knechtschaft verurtellt hat, aus der es erst durch die Flammenworte Herzls aufgcrüttelt wurde. Darum kann Birnbaum in Palästina nicht mchr unser, Vaterland sehen, mit dem uns die unzerreißbaren Bande der/ nationalen Tradition verknüpfen, sondern nur zu ihm empor», blicken wie zu einem Heiligtum, zu einem unserer Heiligtümer,, das ihm allein keine Erfüllung zu bedeuten vermag. Das .sind die alten Worte einer kraftvollen Frömmigkeit, welche — die Geschichte seit Mendelssohn hat es zur Genüge be^' wiesen — nicht aus dem Golus heraus, sondern schließlich nur noch tiefer in die Assimilation hmernWrte. Aber bei all dieser offen ausgesprochenen Gegensätzlichkeit der Meinungen lag doch' ein Geist der Harmonie und Versöhnlichkeit über diesem Abend, der besonders in dem an den Vortrag anschließenden intimen Bankett zum Ausdruck kam. Eine Reihe namhafter Persönlichkeiten ■ aus älteren und jüngeren zionistischen Kreisen Wiens begrüßten' den Gast, teils mit, teils ohne einen leisen Unterton des Vorwurfes und erweckten in chm so manche sentimentale Reminiszenzen, die er in seiner DanLesrede mit großen! Freimut zugcck», Und so konnte der Vorsitzende, Herr Dr. Bernhardt, in seinen? Schlußwort die Feier mit Recht als Beispiel dafür hrnstcllen, wie ■ trotz aller Verschiedenheit der Gesinnung 'die Liebe zum Volke M; verständnisinnigem Gemeinsamreitsgejuhl vereinigen könne. '__ -H Der RauMberfall im kisenbahnrug — fingiert.: Aus Prag wird berichtet: Der gestern gemeldete Bau- . ditenüberfüll im Zuge Pilsen—Strakonitz stellt sich alsfi tt«»; giert heraus. Nach längerem Verhör gestand der Bankdiener Hufe k. er habe das Gelddefraudieren wollen.! Er sei vom fahrendenZuge gesprun-« g e n, in den nahen Wald gelaufen und habe dort 1 3 0.0 0 0 j Kronen vergraben, worauf er umkehrto und sich. auf die Ei enbahnstrecke legte. TasiSchlich wurden im Walde die! 130.900 Kronen an der von chm angegebenen Stelle vorg«-. f u n d e n. , Neues vom Zuwelendieb Moransky. Bon der Budapester Oberstadchauptmannschaft sind MU«N lei langen über den Jmvelendieib Julius Morausky hierhers! gelangt, die zum Teil auch Neues über den verwegenen Ein- und i Ausbrecher berichten. Den Mitteilungen zufolge ist MoranStz'i im Jahre 1916 in Szeged wegen EiübruchsdiÄbftahles mit ein-! einhalb Jahren Kerker vonbestraft. Er wird noch von: Dtrasigevicht f Sopwn und vom Strafgericht Szombachely wegen Diebstahles' üerfofigt. Wahrend der Bela-Knn-Hernschcrft war Moransky Kom-! pagniekommandant bei der ungarischen ,Flöten Garde" und Äs? Bela Kun flüchrete, hat auch MoranAy die Flucht ergriffen. Er hat! sich seither, wie man fchgchellt, in Ungarn nicht mchr gezeigt. Seine Mutter, die noch in Budapest lebt, ist im Jahre 1922 nach^; Wien gekommen, mit den Schn aufzusuchen. Er scheint. an ihr' jchr zu hängen, denn schon damals wollte er ein Haus m SSMett! aus ihrem Namen schreiben lassen. Das Haus soll ihr Schn Ml 18 Millionen Kronen gekauft haben. Seicher hat Frau Moransky auch mchrmals von ihronl' Sohne Beträge zur Führung ihres Haushailtes bekomnien. IM. Jahre 1924 hat sie Julius aufgefordert, für rnrmer nach Wien za - übersiodoln. Sie kam auch hiecher und der Sohn nahm für sie, eine Wohnung in der Trubelgasse auf. Als dann Moransky inl, November 1904 für längere Zeit aus Wien verschwand, kchrte Frau Moransky, da chr Schn gar nichts Horen ließ, nach Budai peft zurück. Erst im Jänner vorigen Jahres suchte sie Julius. wieder in Wien auf. Damals teilte er ihr urit, daß er mit dem i Gelbe seines künftigen Schwiegewaters Hohl dampf sich em. Geschäfi in der Pvatevstraße eröffnen werbe. Sie Aieb bis 1225 in Wien. Auch der Bruder seiner Fvau, der Schuhmacher Gabviel , B o d o, e'in mehrfach äbgestraftes Individuum, war wiederholt bdi; DkoranÄy in Wien. Atoranskys Frau, die indrfsen auch hier der- ‘ haftet wurde, hat im November vorigen Jahres bei Budapest ei«, Haus um 56 Millionen gekauft. Ein anderer Schwager Mo» Die . ISHISCHEWITZ- MflZZOTH UND -GHIESS iillllllllllllllllliilllllllllllllllfllllllUllllllillllllllllilllltlllllliillllliilitlll Ueberall erhältlich 06618438 5323484853532323535348532353232353535348235323484823230000