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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-19 · Heft 2540 (19.3.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2540 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Dren, Irrffag Wiener Morsenzettnntz -er ArSHliu« Äcreftct feinen Einzug vor. Fuldas Lommende FrMHr bietet bas Warenhaus Brüder Schiffmann, 2. Bez., Tovorstratze 48, cme außerordentliche Okkasion in Sroffen, Seide und Waschwaven jeder Art. Um auch den jetzt im Frühjahr nach Wien Lomincnden Fremden ome besonders günstige Kcmssgelvgenhort zu bieten, werden Brüder Schtfnnann ihre allerneueston Modewaren .ju äußerst billigen Borfaisonpreisen abgcben. Nachstchend einige BeWiele aus der Preisliste: Taft fleure für Kleider in allen Modefarben per Meter 3.50 S. Popeline dovpeltbreit alle Modefarben ...» m 6.50 S. Creve de Chine öoppeltbreit alle Modefarbe» * , 6.50 S. Kleiderooile •.•*•*••••##•••» . 0.85 S. la Setdensilke gemustert für Futter . . . . m m 2 — S. Wollmarscain p M. 2.50 S., Seioemnarocai« » , 2.90 S. Mode-Doppel-Stores . 7.50 S. Dreiteilige Madtas-Vorbänge. .......... 9.50 S. Madrasstoff 130 Zentimeter breit ..... per Meter 1.95 S. 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Die Novität des Abends, ein Violinkonzert von Hugo K a u d e r, wurde von Franz Höne wirkungsvoll vorgetragen. Wie stets vermeidet Kauder auch hier jeden Durchbruch der Tonalität, der sympathische Tondichter hÄt auf einfache Form und auf natürlichen melodischen Fluß. Durch die allzu häufige Wiederkchr des Themas im ersten Satze und dann wieder im Finale, dessen Musetten-DLelodis den ständigen Refrain ergibt, ist eine gewisse Monotonie in dem stark empfundenen, aus.der slawischen Volksseele schöpfenden Werk unvermeidlich. Das letzte Arbeiterfymphoniekonzert stand unter der Leiinng des Kölner Dirigenten Dr. Heinrich Jalowetz. (Auch er ist Wiener, Anhänger Mahlers unb eminent musikalisch, also für Wien minder geeignet.) Das Konzert brachte zunächst unter Leitung des Komponisten eine Konzertbearbeitung der Franz Schmidt schen Fansaremnusik aus ,Hredsgundis", in welcher die Bindung zwischen den prachtvollen, innerlich entwickelten Ovgeloariationen und den einleitenden und abschließenden, rein äußerlichen Bläscrsansaren nicht recht überzeugend, organisch wirkt. Meisterhaft war die Wiedergabe dreier Bruchstücke aus Wan Bergs Oper „Wozzeck". die an der Berliner Staatsoper längst volle Häuser macht, durch Kapellmeister Jalowetz und die Opernsängerin Wanda Achsel-Clemens. Diese lebenswchre revolutionäre, aus einem gequälten Unterbewußtsein sich emporringende Musik, die von Wagners Tristan-Romantik weg über Schönberg zu sich sÄbst gelangt und in der Verwendung der Äonzertformen — Symzchonie, Suite, Variationen usw. — der Opernmusik neue Wege weist, übte wie beim Prager Musckfest und in Berlin auch in Wien tiefste Wirkung. Qperndirektor Ae Juden in Bulgarien. In Bulgarien gab es schon toi frühen Mittelalter jüdische Siedlungen. Man findet noch heute auf dem Burgfelsen der Trapeziza alte hebräische Grabinschriften, die den Beweis erbringen, daß die Juden wohl mit ihren Brüdern von Byzanz und der Krim in engster Beziehung gestanden sind. Sie beschäftigten sich zumeist mit dom Handel nach der Levante. Bulgarische Chroniken erzählen uns, daß Zar Iwan Alexander (IW bis 1350) sich m eine schöne Jüdin Sarah verliebte, die ihn dann nach ihrer Taufe, heiratete und als Zarin Theodora zahlreiche Kirchen bauen ließ. Unter diesem Zaren kamen auch große Unruhen vor, die die Läge der Juden bedrohten und viele von ihnen zur Auswanderung gelungen haben. In der Türkenzeit entstanden in den grüße«« Städte» regelrechte Kolonien spanischer und ungarischer Jude», so in Srffia, Skopje, Philhopolis und Wrianopel. Die Juden, meist Spaniolen, haben in diesen Niederlassungen sich vorwiegend mit dem Klein- und Großhandel beschäftigt. Während der Türkenherrschast übersickdetten zahlreiche bulgarische Juden nach den türkischen Judenkolonien, wo sie weit besiere Lobensbedingungen vorfanden. Erst nach der Bildung des bulgarischen Fürstentums (1878) begannen sie Juden eine größere Rolle zu spielen. Zur Zeft der Bildung des Fürstentums zahlte Bulgarien 14.342 Juden, das nach dem Berliner Vertrag zugesprochene ostrumelische Gebiet 6885 Juden. Die größte jüdische Gemeinde war die in Sofia, die alleiin 5108 Einwohner zählte. Die Juden wohnten zumeist in den Städten, auf den Dörfern fand man uur spärlich vereinzelte Mische Hausierer und Krämer. Im Jahre 1879 wurde auch vom Staate über Anregung des damali>gen bulgarischen Unterrichtsminffters. Universitätsprofesior Dr. Konstantin Josof Jireeok, dem bekannten Wiener Slavisten und Gelehrten, die Regelung der Judengemeinden oorgenommen, um den Forderungen des Berliner Vertrages nach Gleichberechtigung der Juden zu entsprechen. In einer vor kurzem erschienenen Arbeit versucht Dr. Saul Mezan*) die Geschichte der spanivlischen Juden in Bulgarien and ihren jetzigen Stand ß schildern. Diese Arbeit ist um so mehr zu begrüßen, als wir bisher, mit Ausnahme der Geschichte der Juden m der Türkei von Rosa», «uh keine historische Monographie *) Dr. Saul Mezanr SB IM MtMvlS eu »nlgarie. StotkA. Sofia «■». 19. März 1926 Rr. 28« Schalk, der dem Konzerte beiwohnte, konnte sich von dem stürmischen Beifall überzeugen und wird hoffentlich rtrotz der kargen Kostprobe — endlich erkannt haben, daß der „Wozzcck" in den Spielplan der Wiener Staatsoper gehört. flb. Bin neues hebMches Wörterbuch. Der Gebrauchskreis der hebräischen Sprache hat sich in den letzten Jahven beträchllich erweitert uns diesem Umstand trägt auch die Lexikographie Rechnung. Wir besitzen lvchl schon heute eine stattliche Zahl guter Wörterbücher sowohl für das biblische Hebräisch und Aramäisch als auch für die ältere Literatur der Talmuse, Midraschim und Targumim. Auch für das nettere Hebräisch in der Literatur des Alltags und der Presse besitzen wir ausgezeichnete Wörterbücher, die praktischen Zwecken dienen. Aber so wertvoll auch die bekannten Arbeiten Ben Jehudas, Grasowski-Klausners und die letzten Taschenwörterbücher des Menorohverlages sind, so bedeuten sie noch nicht die höchste Vollendung der neuhebräischen Lexikographie. Das Gute schließt eben das Bessere nicht aus; diesen Wahrspvuch bestätigt das rms vorliegende neue Wörterbuch von Jakob R a m b e r g*), das in seiner ganzen Anlage einen gorßen Fortschritt bedeutet, solvcit die bereits, erschienenen zwei Lieferungen ein Urteil gestatten. Diese zwei Heste enthalten auf 882 Oktavseiten den ganzen zu dm ersten vier Buchstaben des Alphabets bis gehörigen Sprachschatz von der Bibel und der Mischuah bis zur neuesten/ im auflebenden Palästina in Schrift und Wort, wie aus einem lebendigen Quell stießenven Sprache. Das Wörterbuch dient einem lebendigen, praktischen Bedürfnisse. Ohne den iveitschweifenden Nachweisappavat für Forschungszwecke, wie er bei gwßen Spezralwörterbüchern als geboten erscheint, aber auch ohne sich aus die Knappheit einzuischränken, die den Taschenwörterbüchern naturgemäß eigen ist, gibt dieses Wörterbuch dem Nachschlagenden Aufschluß über alle gebräuchlichen grammatikalischen und syntaktisch möglichen Verbindungen eines jeden Wortstammes und die präzise Bedeutung, die jeder Wortform und Wortverbindung zukommt. Die zutreffenden Erklärungen sind hebräisch, ihnen folgt die Bedeutung des Wortes in Deutsch und Englisch. Der ganze lexikalische Stoff ist vokalisiert und, wo es für den Laien erforderlich erscheint, mit einem Mctheg-Strich als Akzentzeichen versehen. Eine willkommene Bereicherung des Wörterbuches bilden die aufgeführten Menschen- und Städtenamen aus der ganzen biblischen und talmudischeu LiteratE? ebenso wird man dem Verfasser Dank wissen für die Aufnahme aller gebräuchlichen Abbreviaturen. Die Ausstattung ist durchaus mustergültig. Es wäre zu wünschen, daß es dem gelchrten, emsigen Berfasier gelinge, Sie restlichen vier Hefte, die bereits handschriftlich fertig sind, im Druck erscheinen zu lasten. Das hängt jedoch davon ab, daß sie bereits erschienenen Lieferungen raschen Absatz finden. Die Herausgabe beruht nämlich nicht auf verlegerisch-geschäftiichem Interesse und die Hereinbringung der bereits aufgewendeten Dmckkosten würde den greifen Gelehrten lediglich in den Stand setzen, sein vortreffliches Lebenswerk vollendet der Oeffentlichkeit zu übergeben. Dr. M. Berkowicz. Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen. l/t8 Ubr abends, »Lady WindermeresFächer" (Abonnement UI Gruppe.) Atademietyeater. Morgen, l/a8 Uhr abends. „£> n 1e1 % o « ifl. *) „Millon'ibri", 1. Ausgabe, hebräisch-deuych-englisch. Heft 1 und 2. Monschau, Selbstverlag des Verfassers. 1924-1925. Wr. oes Verfassers: Warschau, Ogrodowa 29. über die Juden in Bulgarien besitzen. Eingangs seines Buches | gibt uns der Verfasser eine kurze historische Uebersicht über die Geschichte der Juden in Bulgarien im 12. mw 13. Jahrhundert bis zur ersten Vertreibung der Juden aus Bulgarien m den Jahren 1340 bis zum Jahre 1350. Besonders interessant ist die Tatsache, daß um bas Jahr 1360 deutsche Juden aus'Nürnberg m Serdüka eine Synagoge gründeten, die noch bis 'zum heutigen Tage besteht. Im Laufe des 14. Jahchunberts entstehen jüdische Gemeinden in Pleve, Nikopol, Bdin, die von ungarischen Juden, welche sich vor den Verfolgungen Lrrdwig des Ersten von Ungarn flüchteten, begründet werden. Als im Jahre 1382 Sultan Murad der Erste Sofia eroberte, fand er dort mehrere jüdische Synagogen vor, die von byzantinischen, italienischen, ungarisch-deuvschen Juden erhalten wurden. Sodann schildert Mezan in kurzen Strichen bi$ Geschichte der Juden unter der türkischen Herrschaft bis zur Zeit der Begründung des bulgarischen Fürstentums. Spaniolische Juden kamen nach Bulgarien auf ihrem Wege nach der Türkei, wohin sie »ach ihrer Bertreibuug aus Spanien flüchteten. Einzelne Flüchtlinge ließen sich schon in den. Jahren 1500 bis 1558 in den kleinen Ortschaften to der Nähe von Sofia nieder, wo sie ihre spanischen Sitten beibehalten höben. Bis in die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts blieben die spanischen Juden dem europäischen Äultuseinfluß ganz fern. Erst in den von der Alliance Jsraelite in den Siebzigerjahren begründeten ersten französischen Schulen hatte die spaniolische Judenheit Gelegenheit, sich europäische Bildung anM'^nen. Trotzdem bliob der 'spanidlische D'mlekt ihre Muttersprache. Die Alliance erhielt allein über vierzchn jüdische Schulen, die eine ganze Schar von namhaften Juden Bulgariens im 14. Jahrhundert zu ihren Zöglingen zahlte. Trotz der m diesen Schulen erteilten französischen Erziehung folgten die spaniolischen Juden in Bulgarien dem ersten Ruse der russischen Ehownwe-Zion und begründeten in den Achtgige^ahren in einer Reihe von bulgarischen Städten zionistische Bereinigungen, die sich dann dem Herzlichen Zionismus anschlosten. Es genügt zu erwählten, daß einer der markantesten Typen der bulgarische» Zionisten Joses Marko Baruch, ein Mitglied der spaniolischen Ko. lonie in Bulgarien, war. In etoem besonderen Kapitel beschäftigt sich der Berfaster emgehend mit der Organisation der jüdischen Gemeinden i» Bülgarien. Die Grundlage drese« Gemeindeorganisation biwet das beaetts ««UMfaiu hmm Bimm SUftmüec lui Aui4kuiix Operntheater. Morgen, 7 Uhr fl&ettM, i d a". Redouteniaal. Morgen. lU8 Uhr abends, „DieEntführung aus dem Serail". Tbeater tu der Jotetstadt. Der einmaligen Aufführung des „Baal" von Brecht am Sonntag de» 31. d., 11 Ubr vormittags, gebt eine szentscheAnkilndtguns unter dem Titel „DasTheaterdesNenen" voronS. ModernesTbeater. Sonntag den 21. d., 8 Uhr abends, „D a s G e s p o n st e r s ch i t f". Jüdisches K ü n st l e r ka ba r et t (2. Bez.. Pra. tersttaße 60). Heute Freitaa gelangt die Komödie .M o i k ch o T e l e b e n d t g" mit Max S t r e n g in der Titelrolle znr Aufführung Reinhardt baut in Wien ab. Die Leitung des Josesstädte« Theaters meldet: Zwischen Professor Max Reinhardt itttb Dr. Stephan Hock, der in Abwesenheit Max RemhardtS dis stellvertretende Leitung des Theaters in der Josefstadt besorgte, rst eine Vereinbarung zustande gekommen, wonach Dr. Hock an den I n s z e n i e r u n g c lt Max Reinhardts mitznarbeiten verpflichtet ist. Ta diese Vereinbarung die sietc Gemeinsam''! l b ' Arbeitsortes bedingt, ist die StellvertretlN's Reinhardts durch Dr. Hock in Wien nicht mehr möglich. „Die Würstelbraut." Gisela Werbezirk ^ing diesmal tief unter ihr Niveau hinab. Auf der Roland-Bnhnehabe« zwei Dilettanten, sie heißen Rapp und Haim, eine recht »»- appetitliche Würstelbude eröffnet, deren abgestandene, übelriechende Luft jede Freude an der Werbezirk nimmt. Die Künstlerin hat wenig Gelegenheit, ihre drastische Kunst zu entfalten. Auch die braven Partner mühen sich vergeblich. Die Jahrhundertschau deutscher Malere» in der Sezession ist am vergangenen Sonntag von über 1500 Personen besucht worden. Am 22. März lvird diese Ausstellung der Meisterwerke deutscher Kunst eine neue, tvertvolle Bereicherung erfahren. Das Meisterwerk von Wilhelm L e i b l, „Drei Frauen in der Kirche", welches sich bisher in England befand^ wo es auf Ausstellungen in London und jetzt in Bradford gezeigt worden ist, besinoet sich bereits auf dem Wege nach Wien. Mchereiuluuf. Etoe Jüdische Buchgemeinschast. Wir erhallten nachstchendk Zuschrift: „Um der Not der jüdischen Schriftsteller zu steuern und die durch den Mangel an gediegener Literatur hervorgerufene geistige Äerannung der deutschen Judenheil zu verhindern, ist die Jüdische Buchg-eweinschast gegründet worden. (Adreffe: Jüdische Buchgemeinschaft, Berlin W 16, Konstauzerstraße 66-1.) Durch kleine nkonaüichc Zahlungen wird es der breiten Masse der Juden ermöglicht, sich eine Bibliothek schöngeistiger Werke zu beschaffen. Neben wertvollen, wenig bekannten Werken früherer Autoren werden ungefähr in derselben Zahl' moderne Schriftsteller zu Worte komnren. Es ist für das Voll des Buches ei» unhaltbarer Zustand, daß Schriftsteller für wertvolle Arbeiten Lina Verleger finden, und daß für die erschienenen Schviste» ke:ne Leser gründen werden können. Und so kann nuir die Organisierung der jüdischen Leserwelr cs vrmög/chen, gute jüdische Bücher, die einen mehrfachen W'.rt reprä ent eren, wirklich billrz abzugeben. Jnteressenren für diese neue O-ganifation oi ten .wir um Angabe ihrer Adresse, vor allem aber ersuchen wir jödnHr Schriftsteller, zwecks Herausgabe hrer Merke sich mit uns-m Verbindung zu setzen. Angsuchts des Umstandes, daß eine allgemeine deuffche Buchgem^n'-ck^'t cs ans 500.000 Mitglieder gebracht hat, muß es der deutschen J'.w.'ihei nicht 'chwer rallm. ihrerseits ein bis zwei Prozent dieser Mitglieder zu erlangen und dadurch den Zerfall des jüdi'chen Schrifttums aufzuhalten." „Der Aufbau," Österreichische Monatshefte für Siedlung und Stäldtebau, Wien, 9. Bez., Währingerstraße 25 a. I» Wien erscheint mit diesem Titel eine neue Zeitschrrft, die von den Architekten Franz S ch u st e r und Fmnz S ch a ch > r l unter Mitarbeit von Dr. Hans Kampffmeyer, Architekt Bruno Taut, Professor Dr. Heinrich Tessenow und anderen herausgegeben wird. Diese Zeitschrift will alle Probleme erörtern, die im Bauen auf Umwandlungen und neue Wege Hinweisen. Es sind nicht nur künstlerische und technische, sondern auch wirtschaftliche und soziale Probleme, die einer Erörterung bedürfen. Dlej- Fragen in ihrer Gesamtheit als auch in ihrer Bedeutung für Oesterreich und I Jirecek im Jahre 1879 ausgearbeitete „Gesetz für die geistige: Berwaltuug der Juden". Dieses Gesetz wurde im Sinne des Art. 53 des Berlin?? Vertrages ausgeacheitet, nachdem sich das bulgarisch: Fürstentum auf dem Berliner Kd»greß (1878) ver-! pflichtete, den Juden öite vollste Gleichberechtigung. zu erteilen. Gemäß dieser Bestimmung wurde dann in der in Trnowo am I6./28. April 1879 beschlossenen Konstitution des Fürstentum Bülzariens die Regelung der jüdischen Rkligiousgemeiuschaft vvrgenommen. Diese Verfasiung hatte, obwohl sie die christlich-! orchodoxe Kirche als Staatsrettgivn einMrte, den Juden alle politischen und bürgerlichen Rechte, gleich den übrigen bulgarische» Uuterrauen, zugesprochen. Selbst jüdische Ausländer, welche beständig oder nur zeitweilig m Bulgarien lebten, Erfreuten sich derselben Neligionssreiheit und Gleichheit wie alle übrigen Einwohner des Landes. An der Spitze einer Judellgemeinde. die schon ü'*x einen Tempel verfügte. wnrde ei» drei- bis vierglirdrrger Vorstand gestellt, der das Einkommen und die Ausgaben der Gemeinde verwaltete. Diese Personen wurden: »ach einem Bevfahve», das vom Rabbiner des betreffenden Bezirkes empföhle» wurde, gewählt. Alle Häuser, deren Einwohner in den Tempel gingen, galten als Bezirk des betreffenden Tempels. Zur Deckung der Ausgabe» ivurden Abgaben von den Friedhöfen, von dev Fleisch- und Weiusteuer sowie für Heiratszeugnisse und ho» der Beschneidung eingesührt Während die Ortsrabbiner von dxn» Tempel» bezahlt wurden, erh'-elt der Rabbiner der Hauptstadt von der Regiemng ein Jabresgchalt in der Höhe von 3000 Frauken^ Zum ersten Großrabbiner für Bulgarien wurde im Jahre 1880 her Spaniole Gabriel Almoznino bestellt. Dieses Organisativnsstatut bildet« bis zum Jahre 1900 die Grundlage des jüdisch«» Gememdelebens. In diestm Jahre fand der erste jüdische Gemeinde-ongreß m Bulgarien statt. Zur Zeit sind die jüdischen Gemeinden auf der breitesten demokratischen Grundlage organisiert. An ihrer Spitze steh: ein Konsistorium, das die gesamte Gstchäftsführung des Gemeinde bun oes mne hat. \ Mit besonderer Ausführlichkeit behandelt Dr. Megan di» Statistik und dre wirtschaftliche Lage der bqlgürischen Juden. ,I« einem speziellen Annex liefert uns der Verfasser eme intereffante Charakter.,tck der Spaniolen und ihre- Bolkslvbens. Eine Details re'chhaltige Schilderung ihrer Pchränche »nid Sitten && schließt die interessante und lesenswerte Monographie des Dostotz MM. __ Dr. % M. Velhsis

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