Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2539 (18.3.1926)
- Date
- 1926-03-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgeri-ektimg 18. März 1926 Seite L 5 (^JüllLonen yCokos p ahnen liefern jährlich ihre Nüsse zur Herstellung de reinlichen, hygienisch einwandfreien Speisefettes too Prozent reines Fett aus Kokosnüssen. Sehet Pesaach nDD dV IM Schal Passach Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden ues Herrn Oberrabbiners S. B. EHRENFELD, Mattersdorf it Wissen Bethlens. Budapest, 17. März. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ergriff Her Abgeordnete Graf Johann Zichy in der Frankensälscherdebatie das Wort. Er erklärte, daß sowohl aus dem Majoritätsvotum äls auch aus dem Minderheitsbericht ersehen werden könne, daß die Regierung in der Frankensälscheraffäre mit einer gewissen Oberflächlichkeit, man kann sogar sagen, mit Leichtfertigkeit vorgegangen sei. Nichtsdestoweniger nimmt er den Mehrheit sbericht an. Gras Zichy verlas sodann im Namen der ch r i st l i ch e n W i r t s ch a s t s P a r t c i eine Erklärung, in der auf die Notwendigkeit hingewieftn wird, jenes Jnfektimsnest, aus welchem die Frankenfälschungsaffäre entstanden ist, auszürotten. Der nächste Redner, Graf Anton Sigray, dringt unter ungeheurer Aufregung des Hauses zur Kenntnis, daß Prinz Windischgrütz ihm am 31. DHamber mitgekeilt habe, die Franknfälschungen seien mit Wissen der Regierung erfolgt. Bei diesen Worten entsteht ein ungeheurer Lärm. Bon rechts Iv^rden Rufe laut: (Sr hat es gesagt, um sich zu verteidigen. Graf Sigray: Windischgrütz hat mir die Mitteilung gemacht, Äs er selbst noch nicht wußte, daß er auf eine Verteidigung angewiesen sein Wierde. Eine Regierung, von welcher die Angeklagten behaupten, daß sie an den Mischungen beteiligt gewesen sei, darf nicht auf ihrem Sine Anklage des Grafen Sigray. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Platze bleiben und ist nicht bevusen, die Wahrheit in dieser Sache auszuforschen. Wenn Windischgrütz es in diesem Augenblick nicht wagt, die Anklage gegen die Regierung zu wiederholen, so geschieht dies, wie er mir gesagt hat und wie ich beschwören taut, weil er ja in der Hemd dieser Regierung ist, weil er Zusagen ihr Gefangener ist. Es bleibt lein anderer Ausweg übrig, als daß ei n s andere Regierung fowmuf, damit Windischgrätz als gleichrangiger Faktor vor das Gericht treten könne. Die jetzige Situation gleicht dem alten Gottesurteil, in lvelchem ein nackter Mann mit einem Schwert in der Hand einem erzgepanzerten Manne gegennberstand. Die Opposition hat keinerlei Machtgelüste. Qnfuvt/i ftPAf Vivin hrtü mtS ihpn der Majoritäts- Die Lösung liegt darin, daß aus den Reihen der Majoritäts- Partei eine neue Regiemng gebildet werde, auf "welche auch nicht der Schatten eines Verdachtes heranreichen kann. Ie länger Graf Bethlen am Ruder bleibt, um so größer ist die Gefahr, daß! er auch die Partei mit. sich reißen werde, wahrend jetzt noch die Möglichkeit besteht, daß sich aus der Majoritätsparte'r die neue Regierung bildet. Er nimmt das Minoritätsvotum an. Auf die Angriffe der beiden Legiti misten erwiderten der Abgeovdrtete Eugen Kalman (Einheitspartei), der von der Opposition Beweise forderte und nicht bloße Worte, und der Eircheitsparteiler Paul Frater. Dieser bezeichnte die ganze Frankendebatte als langweilig «und zwecklos. Rr. 2389 Wien, Donnerstag Siegierungstoechfel in Ver Mechoilowalei. Mit BeMEttkaibinelt Cerny Mt die Regievurrg Tvehla ab. (Eigendienst der „Wiener Morgcnzeitmtg.") Prag, 17. März. Das zweite Kabinett Svehla ist gefallen. An seine Stelle tritt ein B e a m t e n k a b i n e t t, au dessen Spitze der Chef der politischen Landesverwaltung, in Mähren, Cerny, stehen.wird, der bereits im Jahre 1920 ®f)ef eines Beamtenkabinetts war. Der stÄlvertreiende Ministerpräsident Bechyne hatte mit den Vertretern der koalierten Parteien heute vielftündige Beratungen, die vesultattos verliefen. Er erstattete dem Präsidenten der Republik und dem Ministerpräsidenten Bericht und legte hierauf seine Mission zurück. Der Chef der politischen Landesverwaltung in Mähren, Cerny, wurde sodann von der Kanzlei des Präsidenten der Republik' telephonisch nach Prag berufen. Um halb 9 Uhr abends trat der entscheidende Ministerrat zusammen, um die letzten Beschlüsse zu fassen und sich hierauf mit dem politischen Zwölferausschuß der koalierten Parteien über das »veitere Borgehen zu einigen. In dem neuen Kabinett bleiben Dr. Benesch weiter Minister des Aeußern und Dr. Englisch Finanzminister. Als Anwärter für das nationale Berteidigungsministermm werden Generalstabschef Syrovy und, falls dieser ablehnen sollte, der Landeskommandant von Mähren, General Podhaisky, genannt. Svehla hat die Regierungsgeschäfte als Chef des sogenannten Kabinetts der nationalen Koalition seit dom Jahre 1922 geleitet. Nach der Wahl im Oktober vorigen Jahres mußte er sein Kabinett durch die Hinzuziehung der tschechischen Gewerbepartei rekonstruieren. Seit dieser Zeit dauert die Krise an. Zahlreiche ungelöste Fragen, insbesondere die Neuregelung der Staatsangestelltenbrzüge, die Forderung der Agrarier nach festen Getreidezöllen, die Forderung der Klerikalen nach Erhöhung der Kongrua, die militärischen Forderungen der Generalität haben der zweiten Regierung Svehla nach dreimonatigem Bestand ein Ende bereitet. Die Kammern vertagt. Prag, 17. März. (Dschechost. P.-B.) Das Abgeordnetenhaus und der Senat haben heute ihre letzte Sitzung der FrühjahrSsession abgöhalten, in der der Vertrag zwischen der Tschechoslowakei und Polen über Rechts- und finanzielle Fragen sowie der Vertrag über Erleichterungen im Grenzvetkchr ratifiziert wurde. Lord Plumer — 68 Fahre all. Jerusalem, 16. März. Am 13. d. beging der Obevkommifsär Lord Plumer seinen 69. Geburtstag. fistSnig Ali Wßt «ch In Palästina nieder. Jerusalem, 16. März. Das in Beirut erscheinende arabische Blatt „Al' Balay" meldet, daß der Exkönig des Hedschas, A l i, von der Palästinaregierung die Erlaubnis erhalten habe, sich in Jerusalent dauernd niederzulassen. Exkönig Ali begründete sein Ansuchen mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand. Die Luft in Mesopotamien sei seiner Gesundheit schädlich. SMdifche Kulturträger i» Deutichland. Bon Benjamin Segel. Wie zur Posse sind die Hanptkämpftr für die Emanzipation der Juden in Deutschland Abkömmlinge Polnischer Juden gewesen. Moses Mendelssohn rühmte sich, ein Urenkel der hochbevühmten Krakauer Rabbiners Moses Jfserls gewesen zu sein, dessen Name als der eines Gesetzgebers urtd entscheidenden Lehrers noch heute in der ganzen Judenheit zu den ehvwürdigsten gehört. Wenn die Herren von MendelsschnWartholdh in einer Anwandlung von historischer Pietät zu der Ge'burts- und Ruhestätte ihres erlauchten Urahns pilgern wollten, so könnten sie in Krakau die merkwürdige Synagoge des a in a" sehen, wo ein Sitz von einem feinziselierten Eisengitter einggschlossen ist und von der Gemeinde mit scheuer ^rfurcht umhegt ist. — Gabriel R i e ß e r war der Enkel des vielbewunderten und hochverehrten Hamburger Rabbiners Rafael H a k o h e n, der nach Hamburg aus Posen, dorthin aber aus Pinsk bevusen worden war. Gabriels Vater versicherte einmal, seines Sohnes großer, umfassender Verstand. seine Liebe zur Gerechtigkeit, seine Unerschrockenheit in der Verteidigung der Bedrängten, sein lauterer, makelloser Charakter seien ein Erbteil, oben ein Erbteil seines Großvaters. Ludwig P h i l i p p f o n, nach innen wie nach außen einer der hervorragendsten Vorkämpfer der deutschen Juden, war der Sohn eines bescheidenen Lehrers, dessen ganzer Löbensstolz darill bestand, daß er der nächste Anvertvandte des hochberühmten „Pene Jehoschua" (R. Jofua Falk-Kohn) war, der zuerst als Rabbiner in dem weltverlorenen ostgalizischen Nest Podhajce fungierte, von dort nach Lemberg und nach Krakau, von dort nach.Frankfurt am Akrin und Berlin berufen wurde. Die stolze Familie Emde n, die in Novdwöstdentschland auch wegen ihrer Kunstliebe zu den angösohensten gehört, leitet ihre Herkunft vom Ehacham L ew i ab, welcher zuletzt Rabbiner von Lemberg war und auf dom dortigen alten Frisdhof zur ewigen Ruhe bestattet fft. Sein Sohn, der t'ampfesfrohe R. Jakob Emden, nachmaliger Oberrabbiner von Kambuirg, bewach sich um den verwaisten Thron seines Vaters, predigte sogar in der großen Synagoge, wurde jedoch nicht akzeptiert. In späterer Zeit hat der Osten der deutschen Jndeuheit eine Reihe von Männern gegeben, auf die sie schwerlich lmürde verzichten wollen. Salomon M u n >k stammt aus Glogau, das bekanntlich auch, nicht am Rhein liegt, -damals aber eine rein polnische Stadt war. (Als Munk dem Kardinal Mezzofantl vorgestellt wurde, sprach ihn dieser sofort polnisch an.) Aus Glogau aber stammte auch Eduard Lasker und die berühmten Physiologen Brüder M u n k, später die Mitglieder der Berliner Akademie der Wissenschaften. Prof. Moritz Lazarus, dessen 100. Gebnvtslag erst vor eineinhalb Jahren von sänttlichen deutschen Inden mit größter Andacht gefeiert wurde, stammte aus dem weltvergessenen polnischen Nest F i l ch n s, welches schon an der Grenze von Rußland liegt, dort, wo die westeuropäische Kultur längst aufgehört hat. Und er hing mit der wärmsten Pietät Zeit seines Lebens an diesem Nest und beschrieb es in seinen Erinnerungen zärtlich und liebevoll. Heinrich Graetz stammte aus Ksiondz und Abraham Berliner aus O b e r s i z k o in Posen. Man findet diese Nester nicht einmal auf allen Landkarten verzeichnet. Rudolf M o s s e stammte aus Brom'berg, das jetzt wieder polnisch 'st -und den für eine deutsche Zunge unaussprechlichen Namen Bydgoszcz führt. Wenn ich mich nicht irre, stammten die beiden Brüder Joel in Breslau, die ihre Namen in die Geschichte der Wissenschaft des Judentums so tief eingegraben — der Sohn des einen, als Nachfolger Jakob Bu r ck- 'hardts, Professor in Bafel, gehört zu den bedeutendsten Denkern Deutschlands —, ebenfalls aus Glogan. Der Urahn der Familie Casfirer, deren Sprößlinge im wirtschaftlichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Leben Deutschlands eine so große Rolle spielten, war als Holzhältdler ans Schw ie n to chl o w i tz eingcwaudert, das nicht etwa an der Pauke liegt, sondern damals eine rein polnische Stadt in Schlesien war. Wer die wahrhaft vornehme, im edelsten Sinne des Wortes aristokratische Erscheinung des jüngst verstorbenen großen Chirurgen James Israel beobachtet (der auch sein inneres Wesen vollkommen entsprach), konnte nie auf den Gedanken kommen, daß sein Pater ans dem Posenschen als Scham es eingervandert war. Dasselbe gilt von i>em Direktor des PharmakologÜschen Instituts, Gcheimrat Prof. Louis Lew in, der, als Forscher und als Schriftsteller.gleich berühmt, als einer der Ersten se:nes Faches in ganz Europa gilt. Der große Breslauer Mathematiker Rose wes, Rektor der dortigen Universität, war ein Abkömmling des berühmten Lemberger Rabbiners Hirsch Rosewes, er selber war in B r o d y geboren, seine greise Mutter trug noch den „Scheitel" nach Art der frommen polnischen Jüdinnert. (Seilt Sohn hat sich allerdings um der richterlichen Karriere willen taufett lassen.) Ter berühmte - Berliner Gynäkologe Prof. Leopold Landau, dessen Sohn Edmund, Professor iw Marburg, zu den bedeutendsten Mathematikern der Gegenwart zählt, stammte aus Lodz, sprach geläufig polnisch und bezeichnet sich mit Vorliebe als polnischen Juden. Der Vater tat sich auch im kommunalen und jüdischen Leben hervor. In der deutschen Mathematik wintmelt es übrigens förmlich von Osbjnden. Eduard Bernsteins Großvater lebte in Danzig, das damals eine durchaus polnische Stadt tvar (uitb dürfte ein jüngerer Zeitgenosse des R. Abraham Danzig in W i l n a, Verfassers des „Chajje Adam" gewesen sein). Er war der Typus des jüdischen KleinkanfnranneS, mehr Gelchrter als .Händler, wie mau ihn auch heute nur noch in Polen antrifft, der es als Störung empfindet, wenn ent Kunde seinen Laden 'betritt, tvährend er gerade in einent Talmndfolianten vertieft ist. Eduards Onkel Aaron B e r n st e i n war der meistgelesene natnrioissenschaftliche Sd)riftsteller, zugleich einer der geachtotlsten Publizisten' Deutschlands. Die Familie leitet ihre Herkunft von Saul Wahl ab, dom sagenhaften Eintagskönig von Polen, dev aber in Wirklichkeit einer der angesehensten Führer der Jubcu im Polen des 16. Jahrhunderts war. dlaron Bernsteilt war einer der Begründer der Reformgomeinde in Berlin^ Die .Hauptsänle der Reform tvar der in K e m p e n geborene Dr. Samuel H o l d h e i n. Der allmächtige Präsident des Direktoriums der A. E. G., Gcheimrat Felix Deutsch, einer der ersten Judustriegenerale Deutschlands, ist der Sohn chies berühntten Breslauer Kantors, der als kleiner Chorist ans Polen eingewaitdert lvar. Diese verflixtett Ostinden machen es nänrlich immer so'. Als ganz unschuldige Synagogendiener nrtd Kantoren wandern sie ein, keiner merkt ihuerl an, was sie int Schilde führen, ani Ende werden die Söhne UuivvMMstzvojeHMMj