Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-03-14 · Heft 2535 (14.3.1926) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2535 (14.3.1926)
Date
1926-03-14
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981622--25861-3013558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Wiener Morgenzeltung 14. Min \m Leits 11 UH? Kiesen^^Ändrang i l 145 rnmnlAt KleldundMan- LUlIipibitel aus franzö- QE sischem Mel6-Rips . S 03 CompletzÄS gestickt und französische i^C Modepllssd .... S J4i3 CompletÄeCa§e Chine, kombiniert, Salonarbeit .S MfintelSefÄf flotte r asson ... . S MnmIaI aus Covercoat, minrci aparte Fasson S : Mtin+ftl aus Waterproof, 1 nOniBI reine Schafw. 8 i Mnii4a1 aus Rips-Melfi \m\\m undfeinemTuch, | gestickt, ganz Seide gef.! sowie Seidenmäntel. . S Mtintftl ausWipcord und ilUllIBI Diagonal, Seide gefüttert, die große Mode S Hodellmöntel L°' beiten, auf Seide gef. ab 8 VIaIHam fesche dessinierte ulBlUBl Sommerneuheiten. Noch nie dagewesener Preis! . . S VlfilrinM a. entzückenden UlSluBr Modekaros . 8 VI AlriAW aus gut. KammlUBIOBr garn, reich gestickt, Jumperkleider aus Rips.S z ,80 bei KRUPNSK Weil! d.mfticuriGENm DIE RICHTIGE MRE. Z-fOfldEDEöESE LL5CH A,fTJ- KLASSE, DER, GEEIGNETE GEN HE u. PREISLAGE. 3. UNERMESSLI0HE LAGER BESTÄNDE,WO DIE QUAL DER, WAHL,ERSPÄHT BLEIBT. 4. AUCH DIE BILLIGEREN ERZEUG' NISSE,WERDEN NACH PARISER’ ORIGINALEN GEARBEITET. 15.A1S0-KRUPNIKKLEIDUNG HAT KEINE K0NKUREN2 UND EMPFIEHLT SICH TÄGLICH BEI TAUSEND KUNDEN VON SELBST. Lt Rlßidersip», mit franz. Modepliss6 8 VIaIiIam kür den NachlUBIDBr mittag, Orig.- Modeile.ab S RostümßSÄ ganz gefüttert .8 RostümßrapS,feism. garn und Gabardin, ganz gefüttert.S 38 78 Kinder« Abteilung d."' SchafuiollklGldclien ab s 2.» Kind..- SeidenhSiches .»s 3.» Kinder- SdllülrÖCltß . . ab S 4.90 «»de,. Covercoalmäntehbs II- Kinder-Modwäotel . . ab S II- ^“ Scr.ui-u. SportanzODB I4d» Knaben-Üßplßfl engl. Qenre ab S 28»— Puli-Overs, Trikotagen sowie sämtliche Kinderbekleidur gsartikel in reichster Auswahl Nr. 2888 Med, SomiW treue Bürger ihres Staates sind wie die österreichischen Juden ihres Heimatsstaates und daß das Außenamt eigentlich von der Wiener KrultuAgeweinde nicht Geringeres verlange, als die Juden der Türkei zu einem Verrat an ihrem Heimatlande zu bewegen. Es hatte nichts genützt. Graf Aehrental erblickte in der versuchten Weigerung einen unpatriotischen Akt der Wtener Kultusgemeinde. Nun entstand für Doktor Stern die Verlegenheit gegenüber dem Kultusvorstand. Eingedenk seines Versprechens, iden Kultusvorstand in keine politische Aktion zu verwickeln und mit Rücksicht aus die Forderung des Außenministers Grasen Aehrental die ganze Angelegenheit naturgemäß äußerst diskret zu behandeln, wagte es Präsident Dr. Alfred Stew gar nicht, diese hochwichtige Staatsaktion vor das Fovum des Kultusvorstandes zu bringen. Ich fuhr am 26. Dezember 1908, akkreditiert vom Wiener Außenantt, nach Saloniki. Ich habe nicht die Absicht, an dieser Stelle ein Kapitel aus der Geschichte der außenpolitischen Unzulänglichkeiten der Staatsmänner der Monarchie zu schreiben. Ich habe nach meiner Rückkehr mich hierüber rückhaltlos sowohl dem Grafen Aehrental als auch dem Pressechef des Außenamtes, Sektionsches Jetel, in mündlichem und schriftlichem Referat geäußert. Ich wollte hier bloß einen klassischen Beleg dafür anführen, daß die österreichische Regierung es jedesmal verstanden hat, die Kultusgemeinde für polnische Zwecke auszunützen, ohne ihr die politische Macht zu leihen, deren sie für die Verteidigung der Interessen der Juden selbst so sehr bedurfte. Uober meine Mission darf ich das eine sagen, daß sie für den österreichischen Staat nicht gang erfolglos verlausen ist. Ich will auch im Interesse, der historischen Wahrheit feststellen, daß die Kosten dieser diplomatischen Mission nicht von der österreichischen Regierung getragen wurden. Daß ferner Graf dlehrental in einem Schreiben an Dr. Alfred Stern den Dank der Regierung für das patriotische Verhalten der jüdischen Kultusgemeinde zum Ausdruck brachte. Bon den Personen, die an der Durchführung dieser jüdischen diplomatischen Intervention aktiv beteiligt waren, weilt äußer dem Schreiber dieser Zeilen keiner mehr unter den Lobenden. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat von dieser Mission niemals offiziell Kenntnis erhalten. Selbst das Dankschreiben des Außenministers Grafen Aehrental traute sich Dr. Stern nienrals dem Vorstand offiziell zu unterbreiten. Es wurde vom verstorbenen ersten Sekretär Dr. Theodor Lieben bis an sein Lebensende 'unter den Roservatakten Vevwahrt. Ob dieses Schreiben, das immerhin ein nicht unwichtiges Dokument zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wien und der Geschichte der Juden in Oesterreich bildet, dann ins Archiv der Gemeinde gelangt ist, ist mir nicht bekannt. Ich glaubte es dom Geist der 'Mischen Geschichte schuldig zu sein, hierüber, wenn auch nur 'in großen Strichen, einmal zu berichten. Salomo« Sulzer. Der Schöpfer der jüdischen SynagoMlmusik. Von Dr. Leopold Thaler. Unsere gesamte Golusgeschichte ist zum größten Teil beider religiöse Geschichte. Die Männer, die in den Jahrhunderten unserer Diaspora irgendwie eine größere Bedeutung besaßen, hatten durchwegs eine nähere Beziehung zur Religion. Und mag cs heute vielleicht ein wenig wunderlich scheinen, wenn ein Mann, der vorwiegend religiös-liturgischen' Zwecken diente, eine eingehendere Würdigung erfährt, so wird dies doch bald verständlich, wenn man bedenkt, daß Religion und religiöses Zeremoniell zu jener Zeit das einzige Gebiet waren, auf dem schöpferisches Jildentum sich ausleben konnte. Und in diesem Sinn ist Salomon Sulzer, dessen Wiener Wirken sich unzerreißlich an die jetzt gefeierte Einweihung des Seitenstettener Tempels knüpft, eine historische Persönlichkeit von entscheidender Bedeutung. Salonton Sttlzer wttrde am 30. Mürz 1804 zu Hohenems in Vorarlberg geboren. Die Geschichte seines Namens zeigt, wie jüdische Namen im Golus entstehen konnten. Noch im Jahre 1809 hieß die Familie Lewy, doch schon der Vater Ätlzers tauschte diesen Namen auf Sulzer um, zur Erinnerung an die Stadt Sulz, aus der die Familie vor Jahren nach Hohenems übersiedelte, als die Juden von Sulz vertrieben wurden. An unsere Namen knüpfen sich also »reift sehr traurige Erinnerungen und Anlässe. Den Beruf des Knaben bestimmte schon in feinem siebenten Lebensjahr ein Eletnentarereignis. Während einer gefährlichen Anschwellung des Baches in Hohenems wagte sich der junge Salomon zu weit heraus und wurde von der treibenden Flut fortgerissen. Schon hielt man ihn für verloren, als er plötzlich von den Wellen an eine Stelle geworfen wurde, die abseits der Hauptströmung lag und es den Herbeieilenden gelang, den äknaben zu retten. Die glückliche, gemütstiefe Mutter beschloß nun, den Knaben einem gottesdienlichen Berufe znzuführen. Ms Kind liebte er es, mit seinen kleinen Genossen eine Gemeinde zu bilden und sich selbst zum Vorbeter und Vorsänger (Chosen) zu erwählen. Als daher der Hohenemser Kantor S. Eichberg als Ausländer von seinem Amte im Jahve 1817 scheiden mußte, veranlaßte die Mutter den eben 13 Jahre alt, also Barmizwah gewordenen Sohn, sich um die freie Borbcterstelle zu bewerben. Obwohl das Talent des Knaben hiefür allgemein anerkannt wurde, wurden doch von verschiedenen Seiten seiner Jugend wegen gegen seine Wahl Bedenken erhoben. Schließlich hat Kaiser Franz doch seine Wahl bestätigt und ihm eine dreijährige Frist zur Vorbereitung und zum Studium geivährt. Sulzer nützte diese Zeit für musikalische Sttrdien und Reisen mit seinem Schweizer Lehrer L i p p nt a n u und dann in Karlsruhe glänzend aus. Er trat seine Stelle in Hohenems an und versah sic durch fünf Jahre zur allgemeinen Zufriedenheit. Schon in dieser Zeit bemühte sich Sulzer um Ordnung des Gottesdienstes und war auch musikalisch tätig. Da erreichte ihn folgendes Schreiben Mannheimers im Aufträge der „Vertreter der Israeliten in Wien"*): Wien, d. 9tcn Decembrr 1825. Herrn Salomon Sulzer, wohlgeb. in Hohen Ems. Die- Vertreter der istMitisch.'n Tolerirlen in Wi^en wünschen bei dem althier neu errichteten Behause, dessen Ban nächstens beendigt sein wird, einen Mann als Borbeter Ofll) anzustellen, der nebst einem in religiöser und moralischer Rücksicht unbescholtenen Charakter und Lebenswandel auch noch folgende Eiigenschasten besitzt: 1. Eine kräftige, sonore, ausgebildete Stimme. 3. Musikalische Einsicht und Fertigkeit, um teils bei der Anfertigung der Melodie, teils bei der Organisation eines Chors »öihi gen falls selbst eine hilfreiche Hand bieten zu können. 8. Grammatische Kenntniß der hebräischen Sprache. In der Voraussetzung, daß Euer Wohlgeboren diese Fähigkeiten vereinigen und zur Annahme einer Borbeterstelle allhier geneigt sei» möchten, ersuchen die Hon. Vertreter Sie, eine genaue Anzeige an dieselben baldigst ergehen zu lassen, und die näheren Bedingungen ihnen anzugeben. Im Aufträge der Herren Vertreter der Israeliten in Wien: M. Mannheimer. Sulzer beeilte sich mit folgenden! bescheidenen Brief das Anbot der Vertreter anzunehmen: Hochwohlgeborene Herren! In Beantwortung Ihres für mich sehr ehrenvollen Antrages der Borbeterstelle an dem dort non errichteten Bethause, der mir um so angenehmer war, als ich mich durch die Ehre Ihres Zutrauens geschmeichelt fühle, finde ich mich verpflichtet, Ew. Hochwohledlen meine Ansicht hierüber mitzuteilen: Zn meinem jetzigen Alter von 23 Jahnen bekleide ich ('Unverehelicht) die Borbsier Stelle dahier schon 5 Jahre zu allgemeiner Zufriedenheit n. gab aucl) in dieser Zeit Musik-Unterricht in mehreuen Instrumenten. Es wird mir daher ein Leichtes seyn, bey meiner von der Natur nicht ungünstig gebildeten Stimme it. meinen erworbenen Kenmntssen, sowohl in der Musik, als in den andern dieses Fach einschlagenden Gegenständen, vorzüglich auch in grammatischen Kenntnissen der hebräischen Sprache (ttHlpn pnpT diese Stelle zu Jhwr Aller Zufriedenheit zu bekleiden und Ihren Wünschen bestens zu enlsprechon. Betreffend meines allenthalben anerkannten religiösmoralischen Betragens und unbescholtenen Charackeers Knuten Ew. Hochwehlgeboren die Bestätigung davon bey meinem Herrn Oberrabister. Is r> a e l L i s s a u. bey meiner Borstehnna allenfals erheben. In Hinsicht der von mir verlangten näheren Bedingungen, will ich, der ich zwar auch hier ein beträchtliches Einkommen besitze, das hinreichend ist, meine Familie anständig ju ernähwn, es Euer Hochedchgeborenen anheim stellen, ein für inich genügendes (loeal-gemästes) Salaire zu oeistmmien, mit dem Versprechen, das; ich alsdann meinerseits alle meine geringet! Kräfte au Mieten werde, um Ihres ebrenooflen^ Zutrauens mich bestmöglichst würdig zu niachen. Ihrer gnädigen Einschließung entgegensehend. empfiehlt sich chmrbietigst En« Wohlgeboven Ergebenster Diener L a l o m o n 8 u l z e r. Borsänger. Hohenems, den 18ten Decemb. 1886. Auf diese Antwort hin Utbcn die Vertreter Sulzer zu einem Probesingen am 12. Februar 1836 ein. Dies«- Schreiben soll hier auch wörtlich angeführt werden, denn *) Aus tze,n jüdischen Gemeindearchiv in Wien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.