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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-14 · Heft 2535 (14.3.1926) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2535 (14.3.1926)
Date
1926-03-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Mn, göimtoj SBtentt Mvvsten^eltims - 4 -■' ri Btiff 10 v«*> --- brachten Wiens 119 Tolerierte an Steuern insgesamt 46.263 Gulden auf, wobei Kriegskontributionen und „Loskaufbeträge" nicht eingerechnet sind.) Sie hatten es nicht leicht und sie machten es sich nicht leicht. Ein großartiges Solidaritätsgefühl zeichnete sie noch aus und daß sie zum Exempel sehr ernstlich bemüht waren, die Juden zum Handwerk zu erziehen, zeigt ihre klare Erkenntnis desieu, was Not tat. Aber da kamen sie schön, an. Ein Erlaß der Wiener Polizeidirektion aus dem Jahre 1814 verbot den „hiesigen Tolerierten" dahin zu wirken, daß sich ihre „Freunde, Bekannte oder Verwandte" einem Handwerk widmen, „da künftig kein fremder israelitischer Geselle hier mehr geduldet wird." Bezeichnend eine Stelle aus dem Entwurf des im Jahre 1620 an die Hofkanzlei gerichteten Promemorias (das uns Hufferl mitteilt): „Ein Israelit kmn nicht aufgemuntert werden, sich um Erlernung oder Fortsetzung eines Handwerkes hierher zu begeben, da er besorgen muß, nach den ersten Tagen wieder von hier abgeschafft zu werden. Sie beriefen sich vergeblich auf das „Allerhöchste Normalpatent", mit welchem den Juden ausdrücklich bewilligt wurde, daß sie von nun an „alle Gattungen von Handwerken und Gewerben hier und anderweitig bei christlichen Meistern erlernen und in dieser Absicht bei christlichen Meistern als Lehrjungen aufdingen oder als Gesellen arbeiten und jene — die christlichen Gew?vbsleute — sie ohne Bedenken aufnehmen können." Und es ist gut an eine andere Stelle dieses „Premeroria" zu erinnern, dessen würdige Diktion und Herzhaftigkeit uns nahegeht. „Solange die hiesigen Tolerierten nicht die beruhigende Ueberzeugung haben, daß die Bestimmung ihrer Kinder zu Wissenschaften, Künsten und Handwerken nicht zwecklose Bemühung ist, und solange sie für deren künftiges Wohl und Schicksal wegen des hiesigen Aufenthaltes für sie und ihre Familien, dann der unbeschränkten Ausübung ihres gewählten Nahrungsfaches keine gesetzliche Zusicherung erhalten, ebensolange dürften deren Fortschritte, besonders in nützlichen Gewerben gehemmt bleiben, ohne daß man ihnen billigerweise eine Schuld beimessen kann, weil gewiß sehr viele Tolerierten den innigen Wunsch hegen, ihr« Kinder vom Handelssache abzuziehen, wenn sie nur versichert wären, ihnen durch Wissenschaft, Künste und Handwerke einen freien Erwerbszweig zu verschaffen." Wenn man zu danken hatte, war die Sprache — sehr begreiflich — nicht ebenso würdig. Anläßlich der dritten Bermählungsfeier des Kaisers Franz beteilte der Wiener Magistrat achtzig Mädchen mit Ausstattungsbeitrügen. Wieviel die Wiener Juden an Barmitteln zu diesem Schenkungsakt beigetragen haben mögen, geht daraus hervor, daß auch zwei Jüdinnen beteilt wurden. Hier der Wortlaut des Dankschreibens: „Mit höher schlagendem Herzen und mit feuchten Augen sahen wir bald darauf einige ehrbare Töchter unserer Nation (sie sprachen doch noch, die Großväter der deutsch-liberalen Juden, von „unserer Nation!") mit den Bürgerstöchtern dieser großen Kaiserstadt schwesterlich das Los des Glückes heben. Verschwunden war die Kluft des Vorurteiles . . ." Man' hatte sie mit Gold übevbrückt, die Kluft. Und anderswo merkt man schon die ersten Zeichen des Giftes, welches später das Judentum in Judentümer zersetzte. Die Wirkung jenes Geistes, der mit dem idealen Streben' begann, gleich zu sein den anderen, in deren Mittö man wohnte — und mit dem Verrat des Bruders am Bruder endete. In dem denkwürdigen Majestätsgesuch der Wiener Toleranzjuden vom 12. November 1816, in welchem sie noch von ihrem „asiatischen Vaterland" sprechen, findet sich schon der erste traurige Versuch, die anderen preiszugeben, wenn man sich nur selbst hinaufbringen kann, tönt schon die bewegte Klage, daß sie nicht „als Böhmen, als Polen, als Deutsche, sondern nur als Juden und Israeliten angesehen werden", ist schon das Ansinnen verbucht, mit der Gleichberechtigung bei ihnen, den niederösterreichischen Juden zu beginnen, die sich durch „Bürgersinn, Rechtlichkeit und Bildung" auszeichnen, die Juden der anderen Provinzen aber erst später Nachfolgen zu lassen, „in dem Maße, als sich unter ihnen ein höherer Grad von geistiger und moralischer Ausbildung offenbart ..." Di« Juden, die hier geschildert sind, haben ein Jahrzehnt nach diesem historischen Majestätsgesuch den Tempel in der Seitenstettengasse errichtet. Es ist ihr.Haus. Der zähe Wille, sich anzugleichen, das gereifte Verständnis für Zeitgeist und Kunst der Zeit, so reis, daß es diesen Geist fördern konnte, hat den stolzen, vornehmen, kühlen, kirchenkühlen Empirebau geschaffen. Für die meisten war es ja doch nur ein Uebergang. Die erdrückende Majorität der Toleranzjuden hat diesen Tempel nicht für seine Nachkommen erbaut. Sie haben fast durchaus, zumindest die Nachkommen, das Taufbecken passiert. Bei Regen, Wind, Kälte wird m*n leicht von Erkältung befallen. Man mua» daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, dass Im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte DIANA* FRANZBRANNTWEIN mit Mtntliol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge und als Ourgelwasser gleich unentbehrlich Ist Uftberall «rtittltllcti» Pflügerlied. Von Leopold Kompert. (Entstanden Im Jahre 1849.) Sink’, gold’nes Korn 1 Sink’ In die schwnr/.e Scholle Und steig’ hervor als volle, Gesegnete Achrcnlastl Und wenn du In dem warmen Erdteich m t zarten Atmen Die Würzlein geborgen hast — Blüh’, gold’nes Korn I Sink’, gold’nes Korn! Mein Vater w r kein Bauer. Um seines Hauses Mauer Sah er ganz and’ e Saat. Ich haby den Pflug gcfiihret, len hab’ das Ross regieret, Das ln die Furche trat — Blüh’, gold’nes Korn I Sink’, gold’nes Korn! 0 Feltv lass’ dich gemahnen: Es pflügten meine Ahnen Im Lande Kanaan I Um Kelter und um Tennen Wie war geschflft’ges Rennen Von Beerseba bis Dan I — Blüh ’, gold’nes Ko n I Sink’, gold’nes Korn I Einst senflumt’ im eignen Becher Dem palästm’schen Zecher Der Rebe feurig Nass! Der Boden war sein eigen. Wie scholl vom Erntereigen Die Höhe Gllboas I — Blüh’, gold’nes Korn! Sink’, gold’nes Korn f Nun ist dis Land gestorben, Nun Ist der Wein verdorben Im trock nen, zerrlss’nen Schlauch. Die Hand, die immer kramet, Die Hand ist uns erlahmet, Beführt von gift’gem Hauch. — Blüh', gold’nes Korn I Sink’, gold’nes Korn! Der Enkel muss euch vre'sen, Euch Ahnen, euch, die Weisen, Ihr Schlflier, dass ihr tot! Er, det als Knecht gewandelt, Er baut nicht — er erhandelt Gottes gesegnet Brot 1 — Blüh’, gold’nes Komi Sink’, gold’nes Körnt Doch geht ein frisches Wehen, Ein Has en und EMehen Durch d e weite, weite Welt 1 DieHand.dienichtmehr market, Die Hand ist mir erstarket, Mein Acker ist bestellt. — Blüh’, gold’nes Korn! Sink’, gold’nes Korn! Sink’ in die schwarze Scholle Und steig’ hervor als volle, Gesegnete Aehrenlast! Und we n du in dem warmen Erdreich mit zaiten Atmen Die Wützlein geborgen hast — Blüh’, gold’nes Korn! Ne unpolitische Kultusgemelnde. Von Jakob Krausz. I. Die Organisation der jüdischen Kultusgememde wurde in Oesterreich eigentlich durch das sogenannte Judengesetz vom Jahre 1890 geschaffen. Das Gesetz konnte erst nach schweren parlamentarischen Kämpftn in beiden Häusern des altösterveichischen Parlaments zum Beschluß erhoben werden und ist bis auf den heutigen Tag ein unvollendetes Flickwerk geblieben. Das hat übrigens seinerzeit der MotiveNbericht der Regierung zur betreffenden Gesttzesvorlage selbst zugegeben, indem er den weiteren Ausbau der inneren und äußeren Rechtsverhältnisse der Juden in Oesterreich als die Pflicht des Staates anerkannt und für einen späteren — günstigeren — Zeitpunkt in Aussicht gestellt hat. Dieses Versprechen hat weder die damalige, noch eine der späteren österreichischen Regierungen eingelöst. In dem von Baron Jonas Königswarter im Herrenhaus mit außerordentlicher Zähigkeit vertretenen Entwurf war die Kultusgemeinde gewissermaßen als die Zelle der Organisation der Juden Oesterreichs gedacht, die aber erst durch den Zusammenschluß der Gemeinden den entsprechenden Oberbau erhallen sollte. Tie an sich autonome Kultusgeuteinde hätte nach diesem Konzept wohl bloß eine rein religiöse Körperschaft zur Befriedigung der kulturellen und rituellen Bedürfnisse, also eine reine Synagogengemeinschaft i.verden sollen; die in gewissem und durchaus nicht engbegrenztem Sinne politische Repräsentanz der Ge-samtjudenschafi Oesterreichs hingegen sollte eben in jenem staatsgmndgesetzlich anerkannten und in seinen Befugnissen geregelten Verband der Kultusgemeinden geschaffen rverden, wie dies in bem ursprünglichen Gesetzentwurf vorgesehen war, jedoch niemals zustande gekommen ist. Alle späteren Versuche von jüdischer Seite, die jeweilige Regierung zur Eiulösung der seiner- ^zeitigen Zusagen zu veranlassen, scheiterten und selbst der später ins Leben gerufene sogenannte Gemeindebnnd konnte sich nur auf Grund des Vereinsgesetzes und nicht als Verband der Kultusgemeillden konstituieren. Er hat daher auch niemals den Einfluß gewinnen und die Autorität erlangen köuuen, die einer solchen Organisation im ersten Entwurf zum Inden- Metz zugedacht waren. Die der Iudenschast Oesterreichs durch die Nichteinlösung der Regierungszusage im Lause der Jahrzehnte zugefügten moralischen, politischen und sozialen Schäden sind unermeßlich und vielgestaltig. Um nur ein Moinent Herauszugreisen, sei auf den unmöglichen Zustand hingewiesen, daß nach den auch heute noch gelieuden altösterreichischen Gesetzen jeder Haderlump, wenn er es nur geschickt zu machen versteht, das Judentum und seine Einrichtllngen ungestraft beschimpfen und verleumden kann, wenn er den „jüdischen Goit" attßer Spiel läßt und der Staatsanwalt in seiner Handlung keine Schmähung einer „anerkannten Religion" erblicken will. Es gibt heute keine vom Gesetz anerkannte legale Vertretung der Gesamtjudenschaft Oesterreichs, welche die Legitimation hätte, namens des Judentums die angegriffene Ehre des jüdischen Volkes oder der jüdischen Religion vor Gericht zu vertreten. Allmählich wurde die völlig unpolitische Kultusgemeinde das politische Dogma der österreichischen Regierungen sowie der dem Judentum angehörenden Politiker und führenden Finanzmänner, die eine Beeinträchtigung ihres politischen Einflusses durch eine auch politisch starke Kultusgemeinde befürchteten. In besonders ausgeprägtem Maße trat dies im Borstand der Wiener Kultusgememde zutaP, als Dr. Alfred Stern als fast Siebzigjähriger nach einer längeren kommunalpolltischen Laufbahn in den Vorstand der KulmSgemeinde einzog. Alfred Stern mit seinem überaus regen Sinn für politische Notwendigkeiten, versäumte keine Gelegenheit, der Regievung und ganz besonders dem antisemitischen Bürgermeister die Judengemeinde sozusagen als Politischen Faktor gegenüberzustellen. Formell tat er dies wohl in seiner Eigenschaft als Präsident des Gemeindebunde-, aber die politischen Zentralstellen erblickten in jeder seiner Mionen eine Kund* _U. Mr; im __Nr. £>&> gebuiig der Ku! usgemeinde, deren Vertreter ja den GemeinSebnnd völlig beherrscht hatten. Für die ölen bezKchneten jüdischen Kreise nwr der politisierende Kultusvorsteher Dr, Alfred Stern, dessen Einfluß im Vorstand immer mehr angen'achsen war, das gefürchtete Enfant terrible. So sehr, daß. als Dokio. Alfred Stern nach dem Rücktritt des Präsidenten Heinrich Klinger für die Präfidentenftelle kmdidiert wurde, die Gegner der politischen Betätigung der Kultusgemeinde, im' dem mächtig:« Gouverneur der Bodenkreditanstalt Theodo v. T a u s s i g an der Spitze, die Wahl Sterns zum Prüft berllen der Wiener Kultusgemeinde erst zuließen, nachdem dieser das Versprechen abgegeben hatte, sich jeder politische: Aktion zu enthalten. Aber er gab Zeiten und Fälle, in denen die Herreichisch. Regierung selbst sich über das Verbot der politischen TätiMder Repräsentanz der .Kultusgemeinde einfach hinwegsetzte und den Kultusvorstand für ihre politischen Zwecke in Aktion setzte. Allerdings handelte es sich der Regierung niemals um die Interessen bei österreichischen Juden selbst, als vielmehr darum, die Juden in außenpolitisch schwierigen Angelegenheiten als Instrument für Oesterreich zu benützen. Ohne jede Gegenleistung unter Berufung aus die patriotische Pflicht der Juden und ihrer KultuSrepräsemauz — der doch jede politische Betätigung untersagt war. Solche Politische Interventionen der österreichischen Regierung bei der Kultusgemeinde waren durchaus nicht selten, die Archive der jüdischen Gemeinden von Wien, Prag, Lemberg u. a. bergen sicherlich äußerst lehrreiche Dokumente hierüber. Heute sei hier bloß ein Fall herausgehoben, der psychologisch und vom historischen Gesichts- , Punkt aus von außerordentlichem Interesse ist und bisher der Oessentlichkeit völlig unbekannt blich. II. Die im Jahre 1908 ausgesprochene Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich-Ungarn wird von manchen Geschichts- und Memoirenschreiber der Nachkriegszeit als der Psychologische Beginn des Weltkrieges bezeichnet. Sicher ist, daß dieser Schrill der Donaumonarchie die ohnedies überreizte Stimmung auf dem Balkan noch unruhiger und gegen Oesterreich-Ungarn feindseliger gestaltet hat. Besonders erbittert gegen Oesterreich war die Türkei, die die Annexion der ehemals türkischen Gebiete mit einem formellen Handelskrieg beantwortete, der sich vor allem in einem mit unheimlicher Strenge durchgeführttn antiösterreichischen Boykott äußerte. Das Zentrum der Bohkottorganisation war die für Oesterreich so überaus wichtige Hafenstadt Saloniki. Saloniki war damals noch die jüdische Handelsstadt per excellence im nahen Orient. Handel, Banken, Gewerbe und Handwerk lagen fast ausschließlich in jüdischen Händen, aber auch die Hafenarbeiter, die berühmten Chamals, lvaren durchwegs Juden. Und diese Juden waren bedingungslos loyale Bürger ihres Staates und hielten sich treu an die von der Regievung ausgegebene Boykottverfügung, obgleich diese gerade für die Juden der Levante und vor allem für die jüdische Kaufmannschaft von Saloniki mit sehr großen wirtschaftlichen Opfern verbunden war. Für die österreichische Volkswirtschaft war der türkische Boykottkricg von katastrophaler Wirkung. Die Industrie- und Finanzkreise Oesterreichs bedrängten die Regierung mit der Forderung nach schleunigster Beilegung des Konfliktes. Die politischen Parteien und ihre Organe nützten den von der k. u. k. Regierung herausbeschwovenen Konflikt für, ihre parteipolitischen Ztvecke aus und die antisemitische Presse nahm den Umstand, daß Saloniki, der Sitz des siegreichen. jungtürkischen Revolntionskomitees, gleichzeitig eine uralte jüdische Handelsstadt war, zum Vorwand, um in aufreizenden Artikeln gegen die Juden in Oesterreich zu hetzen. Die gesamte antisemitische Prelle Oesterreichs unter Führung des „Deutschen Volksblattes", sekundiert von der judeufei üblichen Presse des Deutschen Reiches, schrieben tagtäglich aufwieglerische Artikel über die Verschwörung des internationalen Judentums gegen das christliche Oesterreich und drohte mit Pogromen, wenn die Juden von Saloniki, von deren gutem Willen allein es angeblich abhängig sei, den Boykott gegen Oesterreich nicht binnen kürzester Frist einstellen. Daß die antisemitische Presse diesen Standpunkt vertrat, konnte niemanden verwundern. Daß aber, wie sich herausstellte, auch die österreichische Regierung, und in erster Reihe das Außenamt der Monarchie, an dessen Spitze damals Gras A e h r e n t a l stand, sich diese Auffassung auch zu eigen gemacht hatte, bewies einerseits die völlige Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit der österreichisch-ungarischen Außenpolitik und andererseits wie sehr die österreichischen Staatsmänner das Judentum verkannt hatten. Tatsache ist, daß Gras Aehrental sich anfangs Dezember 1908 durch einen Mittelsmann an Dr. Alfred Stern als den Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, deren Patriotismus und Loyalität ftir den österreichischen Staat hervorgehoben wurde, mit bem Ersuchen wandte, bei den Glaubensbrüdern in Saloniki dahip zu wirken, daß der Boykott gegen Oesterreich aufgehoben oder zumindest gemildert werde. Die Mittelsperson hatte den Auftrag, bei seiner Intervention mit dem Hinweis aus die infolge des Boykotts entstandene gereizte judenfeindliche Stimmnng einen besonderen Druck auf den Präsidenten der Kultusgemoinde zu Wen. Im besonderen wurde gewünscht, daß die KuAusgemeinde eine geeignete Vertraueusperson nach Saloniki entsende, die die Ausgabe hätte, aus die dortigen Juden im Interesse der begrenzten österreichischen Religionsgenossen unmittelbar einzuwivken. Für die Durchführung dieser sonderbaren Mission wurde der Schreiber dieser Zeilen a-userschen. Vergebens bemühte sich Dr. Stern nach einer eingehenden Beratung mit mir, das Außenamt davon zu überzeugen, daß die angebliche .internationale Zusammenarbeit des Judentums gegen Oesterreich eine nichtige Verleumdung und völlige Verkennung der Tatsachen sei, daß die Inden der DüM eibenßp loyale

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