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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-13 · Heft 2534 (13.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2534 (13.3.1926)
Date
1926-03-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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TM 3 Mn. TänMg ArbeitÄosigkett zu lösen. Da müsse das ganze Volt zusammenarbeiten. ^andelsniinister Dr. Schürff versicherte, -aß er das Korneuburger Projekt prüfen lassen werde, und schließlich gab der Äckerbauminister THaler M, m der Spitze der Interessenten für den Fremdenverkehr die Errichtung eines Schachtofens in Zillertal verhindert zu haben, weil er es für unwirtschaftlich halt«, 50 Arbeitern der chemischen Industrie Arbeit zu geben und 500 Arbeitern, die durch den Fremdenverkehr Arbeit bekommen, diieje Arbeit zu nchmen. Abg. Niedrist erklärte: Durch die bei der Verbrennung von Magnesit entstehenden Rauchschwaden werden die Wälder und Fluren vernichtet. Sie können dringliche Anfragen stellen, können machen was Sie wollen, in das Zillertal kommt ein Hochofen nicht hinein. So lange nicht der Bürgermeister S e i tz vor dem Rachause ober vor der Oper oder vor den großen Rüngstraßenhotels ein« Seifensiederei hinbaut, werden wir derartiges nicht zulassen. Im Einlauf befand sich unter anderem der gestern besprochene Antrag der Mehrhaitsparteien, betreffend ein Bundesgesetz zur Bekämpfung von Mißbräuchen im Pressewesen. Nächste Sitzung Mittwoch den 17. d. um 3 Uhr nachmittags. Frievcnsschluß aus den niederöfterreichischen Gntshösrn. Die am Dienstag unterbrochenen Bechandlungen Mischen dem Zentralarbeitgoberverband der landwirtschaftlichen Großbetriebe und beul Land- und Forstarbeitewerbanb über den KollekLivvertrag wurden gestern unter dem Borsitz des Landeshauptmannes Doktor Buresch in den späten Men-dstunden zu Ende geführt tmfc damit der neue Kollektivvertrag mit 'der Dauer bis 28. Februar 1927 ab.nschlossen. In finanzieller Hinncht wurden le.ne wesentlichen Aenderu' „■>'^ meist umstrittene Bchnmnung wegen Kündigung der Vertrauensmänner wurde dchin fovmuliert, daß die Kündigung und Entlassung der Vertrauensmänner nur im gegenirrigen Einvernehmen der Organisationen t :• sÄgen kann. Schm ist die Gefahr eines Landarbeiterstreiks rn Niederösterreich abgewendet. Das Abkommen hat aber auch msoferne Bedeutung, als von dem Friedensschluß auf den niederösterreichischen Gutshofen die Sozialdemokraten die Weiterberatung des Zuckerzolles und der übrigen landwirtschaftlichen Zölle abhängig machten. Tagesbericht. Die Hundertjahrfeier der Settenstellentemvels. FostyotteSdienft und Festveusnmurlung. Am 16. und 17. d. begeht die Wiener Israelitische Kulkusgemeinde die Feier des hundertjährigen B erst an des der Synagoge in der Seitenstettengasse, deren Errichtung den Ausgangspunkt für die Entstehung und Entwicklung dieser Gemeinde gebildet hat. Es wird aus diesem Anlaß Dienstag den 16. d. um 7 Uhr abends für die Gemeindemitglieder eine gottesdienstliche Feier mit dem gleichen Programm abgehalten, nach welchem vor hundert Jahren die Einweihung des Gotteshauses stattstrnd. Oberrabbiner Professor H. P. C h a j e s hält die Festpredigt, die Obevkantoren Mathyas und Kaufmann vevschen die kantoralen Funktionen. Mit Rückstcht auf den Fasiungsraum konnten die Einladungen nur i-n sehr begrenztem Umfang ausgegeben werden. Mittwoch >den 17. d. um 8 Uhr abends findet im großen Sophiensaal eine vom Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde einherufene Festverfammlung statt, zu welcher die Spitzen der Regierung und der Behörden geladen wurden. Roch der Begrüßungsansprache des Präsidenten, Universitätsprofeffors Dr. P i ck, hält Vizeprästdent Dr. Jakich O rnft e i n die Festrede. Eingeleitet wird die Feier mit der Sakuntala-Ouvertüre von Goldman durch das Hakoah- Orchester. Den Abschluß bildet der Vortrag von Mendelsohns Lobgesang durch den Jüdischen Gesangvere j n unter Begleitung des Orchesters unter dem Dirigenten Profeffor Braslavsth. * Die Festansaye. Zu der Versammlung im Sophiensaal erläßt das Präsidium der Kultusgemeinde die folgende Festansage: „Am 17. März 1926 (2. Niffan 5686) werden hundert Jchre versloffen sein, seitdem in feierlicher Grunde das israelitische Bethaus der Inneren Stadt ,chem Dienste Gottes, dom Unterricht der Jugend und frommen Werken" gewecht wurde. Dieser Tag hat den Ausgangspunkt jener Entwicklung gebildet, durch welche die Wiener israelitische .lbultusgemeiM erstanden ist und sich zu ihrer heutigen Stellung emporgerungen hat. Aus der geringen Zahl der tolerierten jüdischen Familien des Jahves 1826 ist im Laufe eines Jahchunderts unsere mehr als 200.000 Seelen umfaffende Gemeinde geworden, die mit stolzer Beftiedigung aus ihre Einrichtungen für den Gottesdienst, den Unterricht, die Fürsorge für Krank, Alte, Sieche und Bedürftige sowie auf all das, was sie sonst im Rahmen ihres Wirkungskreises an Gutem und Edlem geschaffen hat und leistet, Hinweisen kann." Wiener MorftMzeiklM-_ K. Mr; M8 " m. «W Me Not der Sode« in Polen. 8to Bericht de» Slrettors Kahn. (Sigendienst der ^Wiener Morgenzeitung.") London, 12. Marz. In der Föderation der ukrainischen Juden erstattete der jetzt hier weilende europäische Direktor des Joint Dr. Bernhard Kahn einen ausführlichen Bericht über die wirtschaftliche Verelendung der Juden in Polen. Er schildert« vorerst die allgemeine wirtschaftliche Lage der polnischen Bevölkemng, die noch immer nicht so traurig ist, wie die der jüdi'chen Bevölkerung. Schon die Tatsache, daß eine drei Millionen starke Bevölkerung keine gesunde wirtschaftliche Position inne hat, muß dazu führen, daß sie als der dritte Teil der städtischen Bevölkemng wirtschaftlich geradezu entwurzelt ist. Jnsolange in Polen die Inflation vorherrschte, war es der jüdischen Bevö.kerung als einem Vertreter des Handelsstandes möglich,, eine halbwegs erträgliche Existenz ju führen. Infolge der Stabilisierung der Valuta und der mit ihr verbundenen Geldknappheit und Verteuerung des Zinsfußes war der jüdische Kaufmannstand nicht mehr in der Lage, die zur Forlführung seiner Geschäfte nötigen Kapitalien zu erlangen. Besonders traurig ist die Lage der jüdischen Arbeiterschaft, die 40 Prozent der Arbeitslosen aus macht. Es gibt Städte, in denen die Juden 80 Prozent der Arbeitslosen ausmachen. Im Lodzer Jndustriebezirke sterben jüdische Arbeiter und Handwerker Hungers, weil sie weder die ArbeitsloseMnterstützung erhalten, noch irgendeine Möglichkeit haben, Arbeit zu finden. Es gibt eine ganze Reihe von Städtchen, in denen unzählige Familien tagelang kein Brot zu sehen bekommen. Redner erklärte, er halbe 'chon viel Not gesehen, aber eine derartig triste Lage könne sich die menschliche Phantasie kaum ausmalen. Dreißigtausend jüdische Geschäftsläden sind geschlossen. Der ganze jüdische Kaufmannstand "i aus der Bahn des Wirtschaftslebens hinausgeschleudert, der jüdische Arbeiter st and dagegen zur Gäuze proletarisiert. Mit besonderer Bewunderung muffe er die Tatsache erwähnen, daß trotz dieser schweren wirtschaftlichen Krise die Judenschaft für die Erhaltung ihres Schulwesens Sinn habe. 1200 Schulen mit 6000 Lchrern und über 150.000 Schülern vollsühren das größte Wunder einer kulturellen Tätigkeit. Seit Monaten bekommen die Lehrer keine Gehälter. Sehr oft kommen die Kinder, ohne gegeffen zu haben, in die Schule, um ihre jüdische Erziehung zu genießen. Das allgemeine Bild stelle sich folgendermaßen dar: Von drei Millionen Juden'stcht .. mehr als eine MMion ohne irgend einen Lebensunterhalt da. Die andere Million verdient etwas, was jedoch zu ihrem Lebensunterhalt bei weitem nicht genügt, von der dritten Million kann man vielleicht behaupten, daß sie in der Lage fei, sich zu ernähren. Angesichts dieser traurigen Situation ist es unbedingt notwendig, daß die Judettschast der gesamte n Welt alles unternehmen soll, um ihren Volksgenossen in Polen in dieser schwersten Not beizustehen. Unter dem Eindrücke dieses Berichtes beschloß sodann der Verband der ukrainischen Juden die Einleitung der sofortigen Hilfsaktion. Der Jvknk-DrWe. New-Dork, 12. Marz. Bei Felix Marburg fand BdA Konferenz der Joint-Exekutive statt, die sich mit -er gegen, wattigen traurigen wirtschaftlichen Lage der Judenschaft dl Ost- und Mitteleuropa beschäftigte. Auf Grund der vorgelegtest Berichte wurde beschlossen, die Mion nicht nur in de«? Bereinigten Staaten von Nordamerika, sondern auch in Ka na da durchführen und 20 Millionen Dollar statt 15 Millionen aufzubringen. Die Sammelaktion in New-Dork hat bereits am 1. DÜrz unter Leitung des bekannten Filnrkönigs William Bakser begonnen. Man glaubt, daß man in New-Iork allein 6 Millionen Dollar wird anfbringen können. Sine stürmische Sitzung der Warschauer Wischen Gemeindevorstehung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 12. März. In der letzten Plenarsitzung der jüdischen Gemeinde kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen den Orthodoxen und den Zionisten einerseits sowie den B u n d i st e n andererseits. Eingangs der Sitzung verlas der Führer >8er Agudah, Gemeinderat F r i e d m a n n, eine Deklaration, in der erklärt wird, daß die Agudah in der Gemeinde nur eine religiöse Institution sehe und darüber wachen wird, daß di e Gemeinde nichts beschließt, was den Satzungen desSchulchan Aruch widersprechen sollte.Die Fraktion wird den Aufbau Palästinas, jedoch nur in religiösem Sinne, unterstützen. Dr. G o t t l i e b gab j namens der zionistischen Fraktion eine Erklärung ab, in der er gegen die Beschränkung der Kompetenzen der jüdischen Gemeinde durch die Regierung schärfsten Protest einlegte. Ferner übermittelte er dem Waad Leumi als Repräsentanz 'der jüdischen Gemeinden in Palästina die herzlichsten Grüße der polnischen Judenheit. Weiters erklärte er: Die zionistische Fraktion kann den Standpunkt der Agudaih, daß die Gemeinden sich nur mit relogiösen Angelegenheiten zu beschäftigen habe, keineswegs akzeptieren. Die jüdische Gemeinde hak sich mit allen Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung -re beschäftigen. Es sei daher unzulässig gewesen, daß -der Gemeindevorstand die derzeit in Warschau weilende hebräische Bühne Habimah nicht begrüßt habe. Am Schluffe seiner Rede verlas Dr. Gottlieb eine hebräische Deklaration^ worauf es zu stürmischen Szenen seitens der Bundistett, Votkisten und Poale Zion kam. Dieselben Szenen wiederholten sich auch bei der Verlesung der hebräischen Deklaration der Misrachifraktwn. Als dann namens der Poale Zion Gemeinderat Lew eine Deklaration in jüdischer Sprache verlesen wollte, kam es zu einer regelrechten Obstruktion seitens der Zionisten und Misrachisten, derer der Vorsitzende, Vizepräsident Trockenheim, nicht Herr werden konnte. Schließlich brachten sämtliche Fraktionen, mit Ausnahme der Agu-dah, einen Antrag aus Erteilung eines M i ßtranensvotums für den Vizepräsidenten Twckenheim ein, der jedoch angesichts der späten Nachtstunde iden Antrag der Opposition nicht zur Abstimmung bringen wollte. Es verlautet, daß dieses Vorgehen zu einer Krise innerhälb der jüdischen Gemeinde Anlaß geben wird. Sie Wiener zionistische Fugend. Von Oskar Stratzberg. Das Judentum befindet sich gegenwärtig in einer ernsten Hrisis. Seit dem Verluste der politiichen Unabhängigkeit bildeten die' Religion, die jüdische Lehre und das moralische Familienleben die Hauptpfeiler des jüdischen Lebens. Daz-i kam noch die Bedrückung von seiten der autvchthonen Bevölkerung, die die Juden stets daran gemahnt-., daß sie eine sepa.a:« Gemeinschaft bilden. Bon all diesen Faktoren, die das Juden!am bis heute erhalten haben, hat bloß die Unterdrückung von außen nicht nachgelassen. Dagegen ist die erhaltende Straft der Religion und des Familienlebens besorwers durch den Krieg geschwächt worden. Die jüdische Jeischibah schwinde: allmählich von der Obe.fläche, aber ans den Trümmern der alten Schule muß eine neue entstchen, die jene Triebkräfte entwickeln soll, welche sich mit der Heilung des gegenwärtigen UebelS nicht begnügt, sondern imstande ist, in die Statik unseres Golaslebrns eine solche dynamische Kraft hineinzutragen, daß si: uns ermögliche, unsere Unabhängigkeit wieder zu erringen. Aus dieser Notwendigkeit heraus ist die Bewegung der jüdischen Jugend, der Zukunft des Volkes, entstanden. Eine Schule will sie sein, die ein neues Geschlecht erziehen soll, ein Geschlecht neuer Juden, die sich ihrer Verantwortung dem jüdischen Volke gegenübe: bewußsind. Jedes Volk hat seine Jugend, aber in dem Maße, wie das jüdische sich von den anderen unteffcheidet, in demselben Maße unterscheidet sich seine Jugend von der anderer Böller. Die jüdische Jugend will aktiv werden. Die fühlt sich dazu berufen, den alten Traum zu erfüllen und ein neues, starkes Palästina;u bauen. Schon vor einigen Jcch.en hat sich fast die ganze bewußt jüdische Jugend zusammengetan und den großen Brith Hanoar, die Ze»liralorganisation der jüdischen Jugend, geschaffen. Wie schon seinerzeit in der „Wi-ner Morgenzeitung" berichtet wurde, faird zur Zeit des 14. Zionistenkvugresses eine Tagung der dem .Brich Hanoar aryjeschwsjenen Bünde starr. Bon großen 'Organisationen gehören ihm an: der Haschomer-Hazair mit seiner Zentralleitung in Warschau, der tschechische Tcheletlh Lawan und der Bund jüdischer Jungtwanderer aus Deutschland. Dagegen ist 'ihn« nicht beigetreten, und zwar aus Gründen, die ich noch streifen werde, der Blau-Weiß. Was die Tendenzen aller dieser Bünde anbetrifft, so sind sie naturgemäß in dieser knappen Form nicht zu behandeln und sollen in einem zweiten Aussatz besprochen werden. Anr meisten decken sich der Tchelech Sawan und der Haschomer-Hazair, während die Mischen Jungwanderer, die nebenbei mit dem gleichnamigen Wiener Bunde nicht identisch sind, sowohl in den Erzichungsmtthoden wie in ihrem Menschenmaterial am ehesten dem Blau-Weiß gleichkommen. Während die Jugendbewegung des Ostens, vor allem der Haschomer, als Neaktion gegen die Unterdrückung der Jrrden entstanden ist. hat die Jugend deS Westens ihr Vorbild in der deutschen Wandervogelbvivegung gesehen, wie übechaupt di: Bünde, zum Beispiel in Deutschland, zuerst alz reine Wanverbünde gvdacht waren. Erst, seitdem die Erfüllung des ZioniSnrus in die Nähe gerückt wurde, besannen auch sie sich ihrer Berufung und stellten sich die Chalugiulh zum Ziele. Der. Blau-Weiß in Deutschlands hat Lchvsarmen' gegründet und eine gründliche HachUcharah bei seinen Leuten betrieben, was zur Gründung einer größeren Blau-Weiß- Kwuzah in Palästina geMrt hat. Der Haschomer weist auf seine mustergültigen Kibuzim in Beth-Alpha und Asuleh hin und der Tchelech-Laiivan geht dieses Jahr daran, eine Ausbildung seiner Chalazim in Moisburg vorzunehmen. In Wien selbst wurde, wie in anderen Städten, eine lokale Organisation des Brith Hanoar geschaffen, die erst jetzt ihre Arbeit ausgenommen hat und die eine Zusammenarbeit der B'rith-Bünde bezweckt. Außer den erwähnten Jugenobünden halben sich der Wiener Gruppe lwch angvschlossen: die Kwuzoch Arit (Frankelgruppe) lind Cheruch (Prater), ivei'ters de: Psadfind.rbund Zeirejnu und der ChaluKrois Haschomer-Hazair, über deffen Arbeit ich später einmal berichten möchte. Eine besondere Stellung ninerhakb der Wiener Mischen Jugendbewegung nimmt der Bund Mischer Jungivanderer ein, der infolge seines kurzen Bestandes noch keine Chaluzim getzeü: hat, aber Me Kieullich stvaaune Gruppe daHeW,

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