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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-13 · Heft 2534 (13.3.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2534 (13.3.1926)
Date
1926-03-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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M§n. SalitSfdÄ Mlemr Mnrqenzesfuttq 18. Mär; 10s Nr. 2534 WleS *»-n ■ ■ HOTEL-^-RESTAURANT GUTH »., Hollandstrasse Nr. 14 VORMEHMES RESTAURANT MIT ERSTKLASSIGER KÜCHE MENU ZU S 1.80 UNO 8 2.20 Uebernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Jeden Samstag and Sonntag Souper dansant / Jeden Sonntag Fünf-Uhr-Tce mit Tanz Zum Besuch ladet höfl. ein J. GUTH, Besitzer Mslieserung derMinoritöteri. -y. Wien, 13. März. Der Völkerbund ist von dem Streit um die Ratssessel so sehr beherrscht, daß er keine Zeit zu einer sachlichen Prüsnug der Minoritätsfvagen findet. Dieses Forum, das zum Schutze der Schwachen geschaffen wurde und den Ueberheb- Tichkeiten des Mehrheitsgötzen entgegentreten soll, versagt Im dieser Beziehung vollständig. Der Rat des Völkerbundes 5t??F?.u den vorhandenen Schwierigkeiten, die sich aus der Eifersüchtelei der Negierungen ergeben, nicht noch neue -treten lasten und dadurch erzielt er den gegenteiligen Effekt; er steigert die Unzufriedenheit und erzeugt nur neue Beschwerden. Er hat einen Bericht des brasilianischen Delegierten Mello Franco entgegengenommen, der alle Reformvorschläge, die von seiten der Minoritäten Kamen, in Bausch und Bogen verwirft. Ist schon dies bedauerlich und ein greller Widerspruch zu jedweder Garantie des Minderheitenschutzes, so hat die Versammlung auch noch ohne Gegenbemerkung die Begründung des Brasilianers hingenommen, d daß die Bestimmungen der Minderheitsverträge nur provisorischen Charakter hätten; es sei ihr Zweck, die Aufsaugung der Minderheiten durch die nationalen Mehrheiten vorzubereiten. Auch Chamberlain schloß sich dieser außerordentlich gefährlichen Definition an, die das Recht der Minderheiten vollkommen negiert. Sie stellt die Schwachen außerhalb des Schutzes' des Völkerbundes und liefert sie dem Staatsfetischismus und den Kehlkopfpatrioten aus. Die Entnationalisierung wird direkt unter die Patronanz derjenigen Institution gestellt, die sie verhüten soll. Es liegt eine gewisse Sicherheit gegen die allzu brutale Anwendung der brasilianischen Lehre in dem Umstande, 00 & alle Mehrheitsvölker, die sich hier eine rechtliche Unterlage für ihre Gewaltpolitik holen können, sellist Minoritäten besitzen, die von der Mutternation abgetrennt sind. Aber diese Angst vor Repressalien schafft keine Beruhigung und sie würdigt die Minderheiten noch mehr als bisher zu Schacherobjekten der Kompensationspolitik herab. Die depravierende Wirkung eines solchen Systems ist leicht vorauszusehen, zumal ja die Frage der direkten Klageführung der Bedrohten in Genf noch immer nicht erledigt ist. Es besteht keine Kodifikation dieses Rechtes, und der eklige Zustand, daß Wünsche und Beschwerden von in Europa allein mehr als 30 Millionen Menschen rein auf Wohlwollen irgend eines Referenten gestellt sind, dauert an. Es ist nicht der Sinn des Völkerbundes gewesen, eine solche Situation eintreten zu lasten und allen Fälschungen und Niederträchtigkeiten der nationaliststchen Demagogie Vorschub zu leisten. Der Völkerbund diskreditiert sich selbst, wenn er nicht Abhilfe schafft. Es sind nur die Minoritäten, die ihm vertrauen^ und deren wirtschaftliche und kulturelle Existenz unter seine moralische Autorität stellen. Wenn sie immer wieder enttäuscht werden, dann wird der Völkerbund in Wirklichkeit zu einem willfährigen Instrument der Macht und der Mächtegruppierungen. Das Ansehen dieser Institution, die keine bewaffnete Exekutive besitzt, besteht heute noch. Gerade der Kampf, der gegenwärtig in Genf im Gange ist, beweist dies. Das erbitterte Ringen um Vertretung ist eine Anerkennung des Prinzips des Völkerbundes, der alle Streitfragen an sich ziehen und ihre gewaltsame Lösung verhindern will. Es konnte bisher noch keine Einigung gelingen, weil sich alle Probleme der Weltpolitik und Weltwirtschaft in dieser Konstrenz zusammendrängen. Die Hartnäckigkeit der zu einem Sprengungsversuch , vorgeschobenen katholischen Staaten konnte noch nicht überwunden werden und sicherlich macht der Völkerbund jetzt die schwerste Probe auf seine Bruchfestigkeit durch. Die Fragen, die im Vordergrund stehen, sind ohne Vorbereitung der Öffentlichkeit aufgebrochen und durch keine durchdachte Diskussion der Masten hindurchgegangen. Aber die Beschwerden der Minderheiten sind der Oeffentlichkeit und auch dem Völkerbund in ihren Details, in ihren materiellen und juristischen Grundlagen zu sehr bekannt, als daß sie Wischen Tür und Angel von einem Berichterstatter abgetan werden dürften, der sich kaum die Zeit nimmt, die Memoranden zu lesen, und der sich kaum eine Vorstellung davon machen kann, welche Folgen sein Dilettantismus hervorruft. Es muß ein ständiges Minoritätengericht geschaffen werden, vor welchem die Minoritäten durch ihre gewählten Vertreter BesckstveHe zu führen das volle Recht erhalten müssen. (Atu spanische Demarche in Schweden. Und eilte scharfe schwedische Antwort. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Stockholm, 12. Marz. Anläßlich einer spanischen Demarche in Stockholm, bei 'der die Haltung der schrvedi scheu Regierung in der Rats frage als unfreundlich bezeichnet wurde, ist schwedischerseits in Madrid entschiedener Prorest eingelegt worden. Untätigkeit und Siocknng London, 12. März. Das Reutersche Bureau erfährt: In gut unterrichteten Londoner Kreisen wird die Lage in Genf, tvas die Aufnahme Deutschlands betrifft, nn,zweifelhaft als ernst angesehen. Chamberlain setzt jedoch seine Bermittlungsbemülhungen fort und in englischen Kreisen herrscht noch immer die Ansicht, daß nmn zu einer Ueberwindung der g e g e n wä r t i g e n S t o ck n n g kommen könne. Der brasilianische Vertreter Nello Franco hat dem Vernehmen nach seine Regierung um neue Weisungen ersucht, und diese werden, wie man hofft, ihn vielleicht in den Stand 'etzm, von seinein Non possumus abzngchen. Die Lage bleibt indes weiterhin durch die Unnachgiebigkeit der 53 Nationen, deren Vertreter nach Genf gekommen sind, um einer S o nderragung zur Aufnahme Deutschlands beiz-urrohnen, verwickelt. Bisher befinden sie sich in einer erzwungenen Untätigkeit und es herrscht natürlich unter den verschiedenen Delegierten große Berstimrnung darüber, daß der Fortschritt der Verhandlungen aufgehalten und sogar aufs Spiel gesetzt werde. Einigungsvoxschlüge. Genf, 12. März. Der heutige Nachmittag war wiederum, gänzlich von Be'prechungen ausgefüllt, doch scheint es nicht gelungen zu sein, sich einer Lösung der Schwierigkeiten auch mir anzunähern. Die Frage der Ratserlveiterung soll nunmehr vor die Böttechundverfammlung selbst gebracht werden, die nach ihrer Geschäftsordnung mit I w e i d r i t t e l m e h r h e i t beschließen könnte, die An- (litte jüdische Abordnung in Angora. Die Loyalität der türkischen Juden. Konstantinopel, 12. März. (I. T. A.) Wie belkannt, hat die türkische Presse vor einiger Zeit eine Hetze gegen die Juden in der Türkei begonnen. Als Grundlage dieser Hetze diente eine Mitteilung, -daß 300 spaniolische Juden in der Türkei eine Lohalitätskundgebung für Spanien an die Regierung in Madrid gesandt hatten. Es stellte sich heraus, daß an dieser Nachricht kein wahres Wort sei. Die Mischen Gemeinden in Angora, Konstan-r tinopel, Smyrna uns> Bvusta protestierten in öffentlichen Kundgebungen gegen die vergiftende Juidenhetze und stellten fest, daß die Nachricht von der Loyalitätskundgebung aus der Luft gegriffen war. Der Präsident des Klubs der spanioli-. scheu Juden in KonstÄnÜnvpel, Herr S a l t i e l, ebenso die spanische Gesandtschaft für die Türkei teilten in öffentlichen Schreiben mit, daß von einer solchen Loyalitutskundgebnng der spaniolischen Juden n irgends etwas bekannt sei. Ta nun die Presse trotz aller dieser Richtigstellungen in ihrer Hetze fortführ, begab sich eine Mordnung, bestehend aus dem früheren Deputierten für Smyrna M a z l i a ch, Prof. Avram Galante von der Konstantinopeler Universität, Gad Franco, Simon Levh und Henri S or i a n o, nach Angora, um mit dem Präsidenten der türkischen Republik, Mustafa K e m a >l Pascha, und den Mitgliedern der Regierung die Angelegenheit zü besprechen. ■ Diese Abordnung ist nun nach Konstantinopel zurück- , gekehrt. Die Mitglieder erklärten, sie seien mit dem Ergebnis ihrer Mission sehr zufrieden. Sowohl der Staatspräst- - dent als auch die Mitglieder der Regierung erklärten der Abordnung, die Regierung sehe in den Juden ein loyales ünd dem Lande nützliches Element. Der Innenminister insbesondere betonte, er b e d a u e r c die Attacke der Presse gegen die Juden von Herzen. Auch wenn es sich als wahr herausgestellt hätte, daß eine kleine Anzahl Juden eine Lohalitätskundgebung für einen anderen Staat beischlossen hätte, so könne man dies nicht alten Juden in ' der Türkei zur Last legen. Während des Aufenthaltes in Angora überreichte die Abordnung der Negierung ein Projekt betreffend das B erw a t t u n g s s h st e m der jüdischen Gemeinden auf Grund des u eucn G e s e tzes ü b e r die Trennung von Kirche und Staat. Dieses Projekt wurde von einer Kommission ausgearbeitet, die von der Konferenz aller jüdi-' ihen Gemeinden der Türkei eingesetzt worden ist. Die Re-' gierung prüfte das Projekt und billigte es. Die türkische Presse hat nunmehr auch ihr Verhalten zu den Juden geändert. Die Zeitung „Djoumhouriet", die eigentlich mit der Hetze begonnen hat, stellt jetzt fest, daß in der Türkei keine Judenfrage besteht. Die der Regierung nahestehende „Milliet" stellt fest, daß die Juden das loyalste Element im Lande sind. Sin Welipreffetag. Aus Genf wird uns geschrieben: Die dritte Weltprestetagmtg, an der 400 a m e r i k a n i s ch e Tagesschriststeller ieilnehmen loerden, wird im September zur Zeit der Sitzungen des Völkerbundes in Genf stattfinden. Infolge der räumlichen Beschränkungen Genfs wird das Hauptquartier nach Lausanne verlegt, von wo die Teilnehmer alltäglich mit der nunmehr elektrifizierien Bahn nach Genf fahren werden. Die erste dieser Tagungen fand 1918 in San Francisco, die Mite im Jahre 1921 in Honolulu statt. Das Ziel der Weltpressetagung besteht im Ausbau des Nachrichtendienstes, Freiheit der Presse, Austausch von Journalisten, journalistische Besprechungen. in Senf. gelegenheit selbst zu erledigen. Bei der anscheinenden Unmög« lichkeit, die Frage im Rate selbst zu lösen, glaubt man, daß die erforderliche qualifizierte Majorität i n de r V e r sa m >nlu n g zu erreichen sein wird. Ein zweiter Vorschlag geht dahin, cs solle der im Völkerbnndspakt für die Vereinigten Staaten von Nordamerika vorgesehene ständige Ratsitz, der bisher unbesetzt ge^ blieben ist, an Brasilien gegeiben werden, was gleichfalls mit Zustimmung der Völkerbundversammlung möglich wäre. Lehnt aber die Versammlung eine Vermehrung der nichtständig gen Natsitze ab, dann soll eine Kommission zum Studium der Frage eittgeietzt werden, die, i m I u n i denk Rate und i m S e P t e m b e r der Versammlung berichten wird, ob die Besetzung des für die Vereinigten Staaten vorbchaltcnen Narsitzes durch eine andere Macht ohne einstimmige Zustimmung des Rates juristisch möglich ist. Erhebt sich abe« dagegen ein Widerspruch, dann wäre die Befragung des internationalen Gerichtshofes notwendig, also eine weitere Bersch i e Hu na dek L ö s u n g d e s K o n f l i k t e s unvermeidlich. Abends um halb 7 Uhr sprach der deutsche Reichskanzler Dr. Luther bei Chamberlain vor, um ihm die Antwort der deutschen Delegation auf die ihr gemachten neuen Vorschläge zu überbringen. Um halb 9 Uhr abends kam u «erwartet der britische Außenminister beim Hotel Metropole vorgefahren, wo er eine sehr kurze Unterredung mit dem deutschen Außenminister Dr. S1 r c s e in a n n hatte. lieber den Inhalt dieser Unterredung ist nichts bekanm geworden. DAMEME BAD am Zoo, Berlin, Hardenbergstr uUnLnC1"DHlV Nr.27. Direktion, N. v. Benedito Treffpunkt der Fremdenwet Berlins 5-Uhr-Tee # Souper prix fix * Exquisite Küthe Kapelle: Scala-Song-Band, Milano, ferner der Wiener «umo- Hst Charlie Woeber 1117 Ausbildung, journalistische Ethik. An der Spitze der Tagung steht Waller Williams, Dekan der Journalistenschule der Universität Missouri in Kolumbia. Windifchgrötz über zadravecz. Zwei Klischees zustnnde gebracht. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") . , Budapest, 12. März. Prinz Windischgrätz machte heute aus eigener Initiative vor dem Staatsanwalt Dollos Sz t r a ch e Aussagen über die . .. . . Rolle des Feldbischofs Zadravecz in der Fälschungsaffäre, was um so größeres Erstaunen her» vorrief, als Windischgrätz sich bisher immer geweigert hatte, über Zadravecz etwas mitMei'len. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß die Aussagen des Prinzen Windischgrätz . . . „ . für den Bischof helastmd waren. Beim Gericht herrscht die Ansicht vor, daß Prinz Windischgrätz, der bisher in der ganzen Affäre sich die größte Zurückhaltung auferlegt hat, nun das Schweigen gebrochen habe und weitere Aussagen machen wolle. Der Prinz ist körperlich vollkommen gebrochen. Er schleppt den linken Fuß nach, sein Gesicht ist eingo^ fallen. Der Einspruch gegen die Anklage. Heute begann vor dem Anklagesenat die Verhandlung über den Einspruch gegen die Anklageschrift in der Frankenfälschungsaffäre. Prinz Windischgrätz war zur Verhandlung erschienen. Er stützte sich auf einen Stock und machte den Eindruck eines Schwerkranken. Man glaubt, daß er an einer rechtsseitigen Nervenlähmung leidet. Nach einer anderen Version soll er schwer rheumatisch sein. Zadravecz, Nadossy, Gero und Haits waren zur Verhandlung nicht erschienen. Die Verhandlung wird drei Tage in Anspruch nehmen. Utoin übergibt zwei Klischees. Der' französische Polizeiinspektor Rohere wurde honte zur Staatsanwaltschaft berufen, wo ihm Dr. S z t r a ch e zwei Klischees zeigte, welche Dr. U l a i n eingesendet har. Die Klischees sind 25 Zentimeter breit, 30 Zentimeter lang und 3 Zentimeter hoch, sind aus Marmor und haben eine grün brau ne Farbe. Die Zeichnungen, welche die Reversseite eines französischen Tcmsendfrankenscheines ausweisen, sind außerordentlich gut gelungen. Rohere stellt«' fest, daß die bisher aufgefundenen Falsifikate nicht mit diesen Klischees hergesiellt wurden. Im übrigen wich jetzt nach jenen Klischees gefahndet, tvelche die Kopfseite der Tausendfrankennoten darstellen. Mer Wahrscheinlichkeit nach sind die von Ulam eingesendeten Klischees mü denjenigen identisch, welche Meszaros und Windischgrätz Stephan Friedrich ini Jahr/ 1922 einige Wochen nach dem von ihm veranstalteten Abendessen gezeigt haben. mm mmmmm

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