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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-12 · Heft 2533 (12.3.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2533 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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» «k. 8538_Men, Freil-g Kunst, Bühne, Buch. Marie kbner v. Sscheadach swrb heute vor zehn Jahren als Oesterreichs größte Dichterin. Die erlauchte Frau, tve.che zum kostbarsten Besitz altösterreich''- jcher Kultur gehörte, hat der Weltliteratur eine stattl-.che Z?hl jeelenvoller Erzählungen und Novellen geschenkt. Zu ihren besten Werken zählen die Tiergeschichte „Krambambuli'", di? „Dorf- und Schloßgeschichten" und „Lotti, die Uhrmacherin". Späl hat sich die Feine, Zurückhaltende als Dichterin durchgesetzt. Erst in ihren, 60. Lebensjahre wurd? sie berühmt. Anläßlich ihres 70. Geburtstages war sie Gegenstand großer Ehrungen, und die Universität verlieh ihr den Doktortttel. Neuerliche Verschiebung der Burgtheaterpremiere. Im Burgtheater mußte Wogen eines Unfalles der Frau Jda Roland während der heutigen Kostümprobe die erste Aufführung von „Der junge Aar" (L'Aiglon) aus nächste Woche verschoben werden. — Im Burglheater wivd Sonntag, 7 Uhr abends. „Cyrano von Berg.rac" auMsührt; im Akademietheater Sonntag, halb 8 Uhr abends, statt „Das Glas Wasser" „Sie Welt, in der man sich langweilt" gegeben. Freie jüdische Volksbühne. Der Verein Freie jüdische Volksbühne Veranstalter Montag den 16. d. im Theatersaa-e des Cafe Astoria, 2. Bez., Praterstraße 60, eine Festvorstellung. Zur Aufführung gelangt ,^)e>r Landsmann, Komödie in 3 Men von Scholom Asch. Otto SchmAe, der mehrere Jahre dem Verbände des Burgtheaters angeyöile. wurde für bte kommende Spielzeit für das Deutsche Volkstheater und Raimund- Theater verpflichtet. Schauspieler Jsavik Deutsch in Buenos Aires. Der als verdienstvoller Direktor der Freien jüdischen Bühne auch in Wien bekannte ausgezeichnete jüdische Schauspieler Isaak Deutsch wurde, wie wir seinerzeit berichteten, zu Gastspielen an das jüdische Pasteur- Theater nach Buenos Aires (Argentinien) berufen. •Stert Isaak Deutsch hat in der abgelausenen Dheatersoison so große Erfolge erzielt, daß die genannte Theaterdsiektion, wie, uns setzt aus Buenos Aires gemeldet wird, mit Herrn Deutsch einen für diesen besonders vorteilhaften Engagementsvertrag abgeschlossen hat. „Innendekoration." Das Eröffnungsheft des 37. Jahrganges dieser in der Verlagsanstalt Mexcmdvr Koch zu Darmstadt er-, scheinenden kunstgewerblichen Zeitschrift ist überaus reichhaltig und lesenswert. Wir heben insbesondere den zu Arbeiten von Prozessor Eduard Pseissor geschriebenen Aufsatz „Der ewige Süden" hervor, ferner die Studie „Das Haus eines Kunstfreundes" von Architekt Fritz August Breuhaus und die Aussätze „Persönliche Heim-, Gestaltung", „Von Maß und Mitte", „Der schlichte Wohnraum". Herrlich in ihrer Auswahl und technischen Vollendung sind die Illustrationen des vornehm ausgrstatteten, durch schöuMrstigen Lesestoff bereicherten Heftes. Aus den Theatern. Burgtheater. Samstag, l/,8 Uhr abends, „Lady WindermeresFächer". A t a dem i e t t) e ater. Samstag, l/i8 Uhr abends, „Marie oder Auf sanfteArt". Deut) ch e8 Volkstheater. SamStag. V-9 Uhr nachmittags, als Jugendvorflellung „Die Räuber". Sonntag, 784 Uhr nachmittags, „D e m i m o n d e" mit Leovoldine Konstantin, welche sich Montag in „Veronika" verabschiedet. Raimund-Theater. Max Pallenberg spielt heute in „Der Herr Minister", morgen im Lustspiel „D i e D a m p f m a s ch i n e" und verabschiedet sich Sonntag im „W a n w a u". Montag „D e r D i e b". Johann- Strauß-Theater. Heute „P a g an i n t" zum 1 5 0. 1 a I e. R o i a n d - B ü h n e. Dienstag den 16. d Erstausführung des dreiakt'gen Schwankes „Dte Ä ü r ft e l k ö n i g i n" von Arthur Rapp unn Rudolf Haim mit Gt'ela Werbezirk. Lustspieltheater. Heute den 13. d. 35. Aufführung der Komödie „Verspreche ndeAff e". Bürgert tieater. Klara K a r r y vom Metropoltheater Berlin tritt am 18. d. in der Revue-Ooerette „Journal d e r L i e b e" auf. Ronacher-Operettentheater. Lulle K a rtausch ist bereits genesen und spielt ab heute die Titelrolle in „T e r e s i n a" Ulm und Kino. 8in Meisterwerk. Chaplin und sein „Goldrausch". In Wien und bestimmt auch sonst auf der ganzen Erde drängen sich die Menschenmassen vor den Kinosälen, in derten man Chaplins Schöpfung „Goldrausch" und ihn selbst als Darsteller iu seiner Schöpfung sieht. ES? klingt paradox, gber der Ansturm des Publikums gilt in diesem Falle tatsächlich einem große)) Künstler, der in diesem Film seine Eigenart bis, zur höchste)) Vollkommenheir entwickelt hat. - Chapli)), der Märchenkönlg, der Andersens Gemüt mit der Phantasie des Erzählers von „Tausendundeine Nacht" vereinigt, dichtet sich bieSmaX in ein wildes, grausane.s Schneegebirge hineiu. Wie er nun einmal ist, einzig und unvergleichlich, mit seinen) kleinen Steifhut, dem biegsamen Stückchen nnd den verunglückten, in den gewaltigen Schuhe)) watschelnden Fußen, versetzt er sich in die Eiswüsten von Alaska uni) schließt sich den Goldsuchern an. Spielball der Elentente, bleib: er doch Herr der Elemente. Die Stürme, die ihn durch die Lüfte tragen, gegen Sdüublöcke schleudern, sind doch nur seinem kindlichen Amüsement orenlich, wie die Berg- und Talbahn im Prater den großen Kindern an Sommerabenden. In d?m fadenscheinigen Jackett, ein lachhaft dünnes Fähnchen umgchängt, auf das spanische Röhrt gestützt, wandert er »»verkehrt durch das ewige Eis, wie Siegfried durch hie wabernde Lohe, sogar sein Hütchen ist — Mil es Chaplin an des Scheitels Dpitze trägt — gegen einen Märchensturm versichert, der mit Blockhäusern Fußball spiest. Die Leute, di,? vor der Lein- Wand sitzen, gegen höchste Auswirkung rasender Lachstürine zu dStzcheW, pMWg Ber woder hex M igle KrMlier nutz As«, Mletter Movakttzettunq steller noch vermögen es feine Attribute (Hütchen, Stückchen, Schinakelschuhe), die ihm selbst Fetisch sind, wie dem Steinklopserhans sein philosophisches Bekenntnis: „Es kann dir nichts g'scheh'n". Aus einem kindliche)) Vergnügen am Humor des Unwirklichen quillt die Heiterkeit der Kinogäste, an dem Kontrast zwischen dem Wüten der entfesselten Natur und dem naiv-überlegenen Augenzwinkern, mit dem es Chaplin besiegt, entzündet sie sich, und die vielaktige Groteske ist so tief wie die Abgründe es sino, die das Männchen hilflos-sicher mit sein.m Wackelschritt passiert. Er macht mit uns, was er will, der Märchenkönig Chaplin. Wenn er zum Exempel eine Stiefelsohle brät, sie „anrichket", sorglich zerlegt und verzehrt wie eine zarte Koteleite, das Stiefel« sohlengericht — diie knusprigen Bratenteilchen von den Schrchnägeln lösend —, so vergnüglich soupiert, als wäre eS ein Göttermahl, läuft einem das Wasser, im Munde zusammen. Nützlich wird ihm gelegentlich sein berühmtes „Spanisches". Just beim Walzen mit d?r Angebeteten (wie er mit den Flossen walzt, ist ein Kapitel für sich) löst sich der Hosenriemen und seine tausendmal geflickten, tausendfach gefalteten Dauerbeinkleider be-gtnnen schmachvoll zu sinken. Da gabelt er, in ausbrechendem Angstschw>?iß ans Abhilfe sinnend, rechtzeitig mit der Stockkrücke den Hosendragoner auf, hält die Linke mit dem Stockende und der Hand der Tanzpartnerm hoch und die Situation ist gerettet. Ein Weilchen wird es still, ganz still im Kinosaal. Em Adagio unterbricht die Serie der Münchhaustaden. Chaplin träumt uns einen Glückstraum vor: Er hat Mädchen in der Silvesternacht in fein Blockhaus geladen, den Tisch gedeckt, Kerzen angesteckt, sitzt sehnsüchtig wartend. Die Mädchen kommen nicht. Einnickend holt er nach, was ihm die Wirklichkeit versagt. In fernem Traumleben sind sie alle gekommen, die Mädchen, und er amüsier: sie auf Ghaplinsche Art. Mit zwei Gabeln spießt er zwei Weißbrote aus, die Arme sind die Beine, die Brote sind die Füßr und ein Tanz von wunderbarer Anmut gleitet über bas Tischleinen. Keine Tänzerin noch oder Mimikerin hat ihr Publikum so gerührt, wie Chaplin das seine mit den tanzenden Gabeln und Weißbroren, keine hat auch nur hundert Menschen so eng um sich geschart, wie Chaplin Millionen und Millionen mit dieser tvesenhaften Spielerei um sich versammelt. Gar nicht verwunderlich, wenn sich di? nämlichen Leute wiederholt an den Schaltern drängen. Man könnte diesem Filmwauder Nachreifen. Weit weg, so weit als möglich; mit dem Märchenkönig Chaplin aus der Gegenwar: fort . . , O t t o A b e l e s. Die Filmkontingentievung. Es verlautet bereits mit Bestimmtheit, daß die. Regierung im Prinzip die Filmkontingentierung genehmigt hat und die darauf Bezug nehmende Verordnung fertiggestellt )st. Die Kontingentierung ist auf Basis der henmschen Produktion äufgebaut und zwar auf dem Schlüssel 1 zu 20, was besagen will, daß für einen hier erzeugten Film zwanzig aus-, ländrsche eingeführt werden dürfen. Die Verordnung wird auf den; Zollgesetz basieren und begrenzt keineswegs zahlenmäßig die Einfuhr, sondern wirdin;das oben angeführte Verhältnis zur heimischen Industrie stellen. Wir haben bereits in einigen Artikeln Stimmen für und gegen die Kontingentierung gebracht und. glauben nun —, nachdem die demnächst ermessende Verordnung keine Knebelung des. Importes und schlechtestenfalls nur eme sehr mäßige Verteuerung oer Kinopreise bedeuten kann —,.daß auf dieser Grundlage endlich die Möglichkeit gefunden ist, .die heimische Industrie wieder ins Leben zu rufen, ohne der Gesamtheit der Filmbranche Schaden zuzufügen. Die Regierung hat nun Zur Herstellung gezwungen, doch ist. nicht anzunehmen, , daß sich dieser Zwang drückend fühlbar machen wird.. Außerdem wäre es der Regierung gewiß ein Leichtes, durch SteuernaHlässe an den Kinos die Produktion zu subventionieren, da schliehllch trotz der Unmöglichkeit, die Herstellungskosten eines hier erzeugten Fil)nes im Lande vollkommen zu decken, die österreichischen Lichtspielbühnen.und chr Geschäftsgang absolut auch maßgebende Faktoren fiir die Erzeugung selbst sein müssen und sein werden. Weiters darf man hoffen, daß die Elemente, die früher durch oft verbrecherische Leichtfertigkeit das Ansehen der Filmindustrie derart schädigten, daß sie auf das ae tiefstehende Niveau gesunken ift, endlich soweit kalti sind, daß sie keinen Schaden mehr anrichten können und die Industrie, nun berufenen Fachleuten zwangsweise in die Hände gelegt, imstande sein wird, Filme zu erzeugen, die nicht nur den Bedarf an Kontingentscheinen decken, sondern auf dem internationalen Markt p Ansehen gelangen werden. Haben wir einmal im Auslande wirkliche Erfolge nach jeder Richtung zu verzeichnen so wird sicherlich auch das Großkapital wieder gerne auch oyü seine tun, um die österreichtsche Jnd)lstrie zu einer wirklichen Blüte bringen, die nicht mehr des Zwanges einer Kontingentierung bedarf. _ROTINTURM-KINO_ 1. Fleischmarkt 1 Prolongiert! Heute und täglich Prolongiert! CHARLIE CHAPLIN »GOLDRAUSCH und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: ,4, */A V»8. 9 Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Künstlerkapelle _ CENTRAL-KINO —— 11., Ta b o r 81 r a s 8 e 8 Telephon 43-3-41 Von heute bis 15. Mär* Försterchristi nach der gleichnamigen Operette mit LYA MAAA und HARRY LI1DTK1 und das übrige Schlagerprogramm Beginn; #/A l/48. * Die Filme der Woche. „Drei Unterröcke jagen einen Mann." — „Die Leuchtturmwächterin." — „Die Flucht aus der Ehe." — „Die Bestie von Tan Silos." - „Die Tpottprinzessln." — „Der Todesgesang." — „Frau Bxeier ans Gaya." — „Die Försterchristt." — »Martpoka» die Here." — „Stzrarro de Berger«." J2. Mar; IM Seite 7 Die Revue im Kino. Unter dem Titel „Deuts ch - m e i st e r" beginnt heute auf der Bühne des Löwe n-Kinos eine kleine Revue zn spielen, die sich fern jeder politische)) Tendenz nur mit dem Wien der Vorkriegszeit befaßt. Das Stück wurde von Hans Otto und Waller Reisch verfaßt nnd bringt in den Hauptrollen Poldi Müller, Gustav Müller, Hans Otto, Karl Leiter, Hans K ö r b e r und Hans W a l d e n. Das Reincrträgnis dieser Vorstellungen, die ab heute täglich zweimal stattfinden, fließt den Witwen und Warfen nach gefallenen Deutschmeistern zu. vereine. Bortrüge und Versammlungen. Jugendverein Erez Israel, Zwecks Komvletlienmg der Hebraisten Kurse werden noch einige Teilnehmer ausgenommen. Anmeldungen täglich im Veretnslokale. L e o p o I d st ä d t e r B o l k S h e t m» 2. Bei-, Zirkusgasse 48. Neue Kurse. 7 Uhrr Strafrecht. Allgemeine Musiklehre. BrtatttenauerVolkShetm. 20. Bez., Stromstraße 78. Neue Kurie. 7 Uhr: M tterei und Plastik; Algebra: Biologie 8 Uhr : Geometrisches Zetchnen. E 120 Meter Kokoslaiufteppiche billig zu haben. 90 Zeuftmelek breit, ä statt 1r?.-0 s nur 9 50 S r>.:enol. ,vl>t>chmar)t 1. Dr. Wolfgang Weisl, Mitglied des Waad Leumi, spricht morgen um 4 Uhr nachmittags tm Lokale der I A. V Unitas. VUI., AnerSvergstraße 21 Studenten a's Gäste willkommen Lose- und Redehalle jillnschor HochschAer. Morgen, präzise 8 Uhr abends, Generalkonvent tm Lokal 9. Bez., Türkenstraße 9. Tagesordnung r 1. Berichte; 2. Debatte; 3. Neuwavlen; 4 Enen uelles Der jüdische Elternvevsm für dm 9. Bezirk veranstaltet eine großeKinoer-Purtmferer am SamStag den 13. d. um 4 Uhr nachmittags im großen Olympiasaale. Casö Arlon, 1. Bez. Rotgasse 4, mit lehr reichhaltigem Programm und anschließendem Spiel für alle Kinder. Es sind viele Belustigungen vorgesehen, so eine allgemeine Kreurworträttelkonkurrenz u. o. a. Dte Kinder können auch in Kostümen erscheinen. Gerichtssaal. Kann durch Blulprobe die Vaterschaft nach' gewiesen werden? ■ Vor kurzem hat der Gerichtsbrsch.uß eines Senats des Wiener Zivillandesgerichres großes Aussehen erregt, der in einem schwierigen Vaterjchastsprozeß auf Grund der CrWrungen des Vorstandes des Wiener Gerichtlich-medizinischen Instituts, Hofvat Prof. Dr. Hab erda, die Abnahmen von Blutproben bei dem angeblichen Vater, der Kindesmutter und dem Kinde beschloß, um nach einem neuen wissenschaftlichen Verfahren die Verwandtschaft feststellen zu lassen. * Wie nun der Gerichtliche Pressedienst erfahrt, ist schon vor längerer Zeit beim^ Bezirksgericht Schwechat von dem Richter Dr. Hel.er ein Beschluß zur Vornahme einer Blubuntersuchung der Prozeßparteien in einem Vaterschaftsprozeß gefaßt worden, mft '■ dessen Durchführung der auf der Klinik Eiselsberg tätige bekannte ' Tozem Dr.Burihard Breitner betraut worden ist. Der Fall, um den es sich hier handelte nnd in dem das Gutachten des Doztenen Breitner vorliegt, war außerordentlich charakteristisch dafür, wie; sehr die neue Untersuchungsmethode geeignet ist, die wahre Ba:er- ' schuft bei höchst verwickelter Sachlage festzustellen. Im November 1924 hat die Berufsvormundschaft Schwechat des Jugendamtes im Namen des minderjährigen Julius G. auf Feststellung der Vaterschaft gegen den 19jührigen Schlossergehilftn Johann N. geklagt. In der K^lge wurde erklärt, daß Johann N. anläßlich eines Tanzkurses, an dem auch die Kindesmutter ’ Anna G. reilgenommen hatte, mit ihr in flüchtige Liebesbeziehungen getreten sei. Der Schlossevgchilse bestritt in der Verhandlung die Vaterschaft, indem er darauf himvies, daß das junge Mädchen in der kritischen Zeit mit vielen anderen Männern in Beziehungen getreten sei. Sie stellte das als Zeugin in Abrede, geriet aber mit anderen Feststellungen in solchen Widerspruch, daß sich der Verdacht der falschen Zeugenaussage ergab, zuma. sie mit großer Entschiedenheit erklärt^ nur Johann N. sei ihr Geliebter gewesen. Das wurde dem Mädchen verhängnisvoll, denn sie wurde tatsächlich.vom Wiener Dtraflandesgrricht 2 wegen falscher Zeugenaussage zu sechs Wochen strengen Arrrsts, bdingt mit dreijähriger Bewährrmgsfrist, verurteilt. Das Bezirksgericht Schwechat unterbrach bis zur Durchführung dieses Strafprozesses die Verhandlung, nahm sie dann wieder auf und ließ die Bl u t u n te rs u ch u n g durch den Dozertten Breitner vornehmen. Das Ergebnis war, daß im Gutachten sestgvstell: wurde, daß ein Nachweis der Vaterschaft nicht erbracht werde)! könne. Wenn ein Karabiner zufällig losgeht. Zwei Juden getötet. Aus Warschau wid der „Gerichtshalle" berichtet: Bok; dem hiesigen Kriegsgerichte gelang:« nach einwöchiger Bechandlung ein interessanter Strafprozeß zum Abschluß, in we.chem der akt ive Hauptmann der polnischen Armee Thaddens Pe- : r o l o w i c z wegen Soldatennlißhandlung in 18 Fällen,' ferner wegen Hinausgabe von Befch.en zur Mißhandlung von Juden, endlich wegen Ermordung zweier Juden in der Ortschaft We n g r u s ka'angeklagt war. Der Offizier soll in dml genannten One aus puremZeirvertreib zwei Juderr , durch vier Schüsse aus einem Karabiner getötet haben. Der Angeklagte, der von dem Psychiater als zurechnungsfähig erklärt wurde, hatte den Mord an den beiden Juden in Abrede gestellt und erklän, daß die Kugel aus seinem'Karabiner nur ganz zufällig die beiden Juden getroffen hätte. Nach Durchführung eines umfangreichen, mchwre Tage dauernden Beweisverfahrens fand das Kriegsgericht den Haupttnann Petrolowicz für schuldig und verurteilte ihn zur Anhaltung in einer Besserungsanstalt in der Tauer von ztvei Jahren und zur Entlassung aus dem Heeresdienst. Ter Angeklagte, der sich aus freiem Fuße befunden hatte, wurde trotz des Arrnaiges des Sraatsanwcktes auf sosyrdige KeMftuilg jveittzr gtzf freiem Fuße belages.

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