Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2533 (12.3.1926)
- Date
- 1926-03-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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W .■jj. .JJW ÜIWL IUPPJW: mmm wmmmm Rr. 2633 Men, Frehsg Wlener M-rAensteliu«- Sesölschte Falsifikate. Na «euer Ztid der NaffrukchWer. (ölrtcnbictttt der „Wiener Morgenzeitung.") Budapest, 11. März. Die Entdeckung der 6647 Stück gefälschter FranKnnoten in der Garderobe am Ostbahnhos scheint der ganze» Frankenaffäre eine neue Wendung zu geben. Gary besondersensationell wirin diesen: Zusammenhang eitle VckLrmdg der französischen Pottzeistmktionare, die die im gelben Koffer Vorgefundenen Tausendfrankennoten heute eurer Prüfung unterzöget! haben. Die französischen Emissäre behaupten, daß es sich bei diesen Noten um gefälschte Falsifikate handle. Die Noten sind nämlich offensichtlich frischen Ursprungs, die Farbe klebt noch am Papier, so daß die Noten nach Ansicht der Franzosen keinesfalls von drei bis vier Jahren, sondern höchstens vor zwei bis drei Wochen aus der Druckpresse gekommen sein können. Die Franzosen meinen daher, daß diese Falsifikate nachträglich lediglich zu den: Zweck fabriziert worden seien, um gewisse untersuchend.' Organe irrezuführe». Oberstaatsanwalt Dr. Sztrache hat in dieser Nichvutg eine energische Untersuchung augeordnel. Weiter hat sich herausgestellt, daß die Anzeige gegen den Mediziner Szendc. bei Oer Polizei /von: Verteidiger des Prinzen Windischgrätz, Dr. T a n e r, erstattet worden ist. Szendei hat, obwohl Hörer der Medizin, in der Kanz'ei des Dr. Dauer Konzipien'.endienste geleistet und Akte kopiert. Szendei wurde heute einem neuerlichen Verhör unterzogen. Er gab alt,!daß er die »»«»',»„1 Hll—IHIIIIMillM I»I lllll I ll ll'f wendigen Behelfe gebracht. Die Regierung, die — ebenso wie wir es spüren,— weife, daß wir heute ein Faktor >m Lande sind, die weiß, daß ihr Budget von uns getragen wird, vernachlässigt unsere Forderungen vitalster Natur. Ter Jude ist vor Behörden, Aemtcru, vor der Polizei (unter der es auch in jüdischen Zentren, wie Jerusalem, Haifa, sc gar Pciach- Tiklvah, nur sehr wenig jüdische Polizisten gibt) benachteiligt, da überall nur arabisch amtiert wird. Es kommt so weit, daß das Arabische für die Juden wichtiger wird als das Hebräische, weil die Regierung nichts dazu tut, dem von Ihr ausgestellten Grundsatz der drei Staatssprachen (Englisch, Arabisch, Hebräisch) volle Geltung zu verschaffen. Mit jüdischem Gelde wurden in Palästina arabische Schulen und Spitäler geschaffen, wurde der Regierung die Möglichkeit gegeben, Ersparnisse zu machen. Daran hat sich ein großer Teil der jüdischen Energien verblutet und darin muß eine aktive jüdische P o l i t i k, die sich nicht in Memoranden erschöpft, Wandel schaffen, sollen die Krisen der Müdigkeit, die Devressionskriftn einen Gesundungszustand ergeben. Tutankhamon wird bestatte». Nach Meldungen aus Kairo hat d>is äghvtische Alterlurnsd »partement beschlossen, die M u m i e T u t a n k h a m o n S wieder in seinem Grabe m bestatten Die Mum'e wurde fit einem Sarg aus E i ch e n b o l z verschlosien. Der ur'vrünqliche G o l d > a r g wird im M u s e u m vonKairo ausgestellt werden. ■_ . , Set fünfte Messe»««. Der gute Besuch von in- und ausländischen Interessenten Charakteristisch für die allgenreine Weltwirtschaftslage ist die Tatsache, daß in allen Artikeln des unmittelbaren Bedarfes gute Abschlüsse getätigt werden konnten, wahrend infolge dw allgemeinen Geldknappheit Luxuswaven nicht in gleichem tfJM’e begehrt werden. A'-ch g-stern wuvS-en 'wertvolle Geschäftsverbindungen mit der ganzen Welt angebahnt. Dr. Koresf. . Von P. Swesditsch. Eine höchst interessante -Figur, die gleich einem blendenden Meteor am deutsch-französischen Himmel im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts glänzte, crlelbt ihre wahre Auferstehung in dom vor kurzem erschienenen Buch der französischen Schriftstellerin Marlette Martin Wer Dr. Koreff. In einem Sonett .an I. F. Koreff apostrophierte ihn Heine mit den Worten: „Du, Meister, kanntest der Kontraste Macht." Koreff hat aber drese Kraft nicht nur gekannt, sondern auch schauderhaft erlebt. Das Sonett bezieht sich aus Koresfs Märchen „Aucassin und Nicolette", das der Komponist G. Schneider als Sujet für eine Oper verarbeitet hat. Und in einem seiner „Briefe aus Berlin" (datiert mit März 1322) stellt Heine fest, daß „wenigstens acht Tage lang man von nichts anderen: sprechen hörte, als von Koreff und Schneider und Schneider und Koresf". Heine ist däbei nicht m:r Wer die Oper voller Lob („mich erhe'terte dos bunte Märchen, das der kunstbegabte Dichter so lieblich und kindlich-schlicht entfaltete"), sondern auch über den-Menschen Koreff. „Gcheimrat Ritter Koreff... verlieren wir bald, da er sich schon längst zu einer großen Reise ins Ausland vorbereitet. Das ist ein Verlust für unsere Stadt, da dioser Mann sich auszeichnet durch gesellige Tugenden, angenehme Persönlichkeit und Großartigkeit der Gesinnung." In welchem Maße Koreff über diese ,/geselligen Tugenden" und noch andere Talente verfügte, beweisen nicht nur seine Erfolge, in seiner Heimat, sondern auch in der ihm fremden Pariser Gesellschaft. Sohn eines reichen jüdischen Arztes in Breslau, wo er im Jahre 1783 gut Welt kam, spielt Koreff als erst Zwan- MHriger eine fetaufettfc Rolle tu Berlin I Frankenklischees vom Prof. Dr. McSzaws im Fahre 1822 zur Aufbewahrung übernommen habe. Szendei -iveigen sich anzugeben, wo sich die Klischees befinden. Aus der Oberstadthauptmannschaft wurden heute in der Fr-ankrnaffäre mehrere wichtige Verhöre vorgenommen. Zunächst Müde der Sektionschef jm Finanzministerium Eleiner F e h e r cinvernonunen, dem die Finanzgebarung des kartographischen Instituts unterstellt lvar. Sektionsches Fehcr gab zu, den Bestellbries an die Wiener Maschinenbaufirma C a r m i n e wegen Lieferung einer Tiegeldruckpresse gelesen und vidiert zu haben. Er fügte jedoch hinzu, daß seine Paraphe aus den Bestellungen des Instituts nur fornlale Bedeutung habe. Der Chauffeur des Prinzen Windischgrätz, Czeglevi, wurde darüber befragt, ob er Kenntnis davon hatte, daß Ladislaus Szendei zum Prinzen Windischgrätz in Beziehungen stand. Die Antwort fiel negativ aus. Schließlich wurde der Abgeordnete Graf Anton S z i g r a y über das Nachtmahl bei Stephan Friedrich befragt. Ueber seine Aussage ist nichts bekannt geworden. Abg. Dr. Ulain ha: die Verteidigung Szendüs überuommen unb erklärt, daß er bis morgen entweder die verborgenen Klischees herbeischaffen oder wenigstens alle notwendigen Daten bezüglich der Klischees den Uniersuchungs- 'behörden $ut Verfügung stellen weriX'. Von Louis Lipsky. Dem „New Palestine" entnehmen wir den nachfol-aenben Artikel Louis Lipskys, den wir, nur wenig gekiirz:, hier wicdergeLcn. Er gibt eine authentische Schilderung der derzeitigen zionistischen Situation in den Vereinigten Staaten. Als wir vom W euer Kongreß nach Amerika zurückkaimn, hatten wir nicht nur den Anblick der auW.hen'den Sonne der russischen Kolonisation, die in unserer Abwesenheit nichtzionistische Freunde in den Vordergrund des amerikanischjüdischen Lebens gesche'ben hatten. Wir wurden soglluch in einen Meinungsstreit gerissen, in eine Rivalität der Interessen, und mußten zu der wichtigen Frage Stellung nehmen: Was soll mit der Krimkolonisation geschehen? Bei uns mußte die praktische und unmittelbar wirksame Seite des Krimvorschlages an erster Stelle stehen. Man erlaubt uns nicht, unsere Stsllnng Mt depselben Muße auszuarbeiten. d:e in Europa zur Verfügung st.ht. Wenn wir uns die Freiheit nehmen, abznwägen und zu meffen, werden wir immer sogleich durch einen Druck g> stört, den:'zu wchren wir kein moralisches Recht haben und der aus Palästina kommt. Wenn man auf einem Kongreß über das Palast i n a b u dg e t spricht. Übersicht man gewöhnlich diie Tatsache, daß in der zionistischen Organisation nur Mi Faktoren tatsächlich Budgetsorgen haben, nämlich die Zionistische Exekutive und, in sehr großem Ausmaß, die Zionisten vor: A n e r f a. Keine andere Gruppe von Zionisten, keine andere Partei oder Fraktion nimmt klar eine gemeinsame Verantwortung für das Pelästinabudget aus sich. Wir haben dies für die li.tzten drei Jahre tun muffen. Ob es uns recht ist oder nicht, ob es euch recht ist oder nicht, der Schon während seiner Studie:: in: Gymnasium und auf der Universität in Halle brillierte er durch sein phänomenales Gedächtnis, seine ungewöhnlichen Kenntnisse und wurde in seinem näheren Bekanntenkreis als ein Gottbegnadeter gefeiert. In Berlin studierte er eifrig weiter, verbrachte einen großen Teil seiner Zeit in den Bibliotheken, schreb viel und führtx ein aufregendes Salonleben. Hier wurde er sehr bald der fHrer.de Geist einer Elitegruppe, zu der solche Persönlichkeiten gehörten wie Chamisso, der schr viel auf Koresfs Urteil gab, wie Hitzig und v. Varnhagen. Seine Schwärmerei für Goethe, Schlegel, Novalis durchdringt auch seine Freunde, die er in einem literarischen Bund, dem „Polarstern", vereinte. Ihn selbst zieht es aber nach Paris, wo er die Jahre von 1804 bis 1811 verbrachte. Auch hier ist er bald «das Zentrun: einer geistigen Elite, zu der seine Freunde Stendal und Merimee gehörten. Auch in den besten Pariser Salons, in die ihn Madame de Stael, die ihn hochschätzte, einfühtte, wird sehr viel von dem Charmeur Koreff' gesprochen. Besonders über seinen Erfolg bei Madame de Knstine, die iwch ihrem Bruch mit Chateaubriand sich von der Welt zurückgezogen hatte und jetzt Koresf zuliebe in den Pariser Salons Widder erschien. Aber der eigentliche verblüffende Ausstieg begann evst, als er sich nach Wien begab und hier die höchste Gunst der Brüder Humboldt erwarb. Hier wird er zum intimsten Berater des Fürsten Hardenberg, den er auch während des Wiener Kongresses inspirierte und leitete. Koroff begleitete den Fürsten auch a:ff den Feldzug nach Paris. Zuvuckgekehrt im Jahre 1814 nach Berlin ist jetzt Koreff auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Der scharfsinnige, geistreiche, turbulente, für das Modernste immer begeisterte Freund Chateaubriands und Rahel v. Barühagens, Doktor Koreff, ist jetzt per Held aller Tagesgespräche in Berlin, um so mchr als er noch zu der: eifrigsten Aposteln der Meßmerischen 12. Marz 1886_ Seite S Swoboda-Sdiislie - fertig und nach Ma# I., Slngerstrafee 5 - -.Bauernmarkt 1 größte Teil des Bndg' .s für ben Aufbau Palästinas durch den Keren Hajessod oder auch andere Zusiitiüiouen muß von den amerikanischen Zionisten kommen. Darms sollt, daß alles, was wir tun (uusi.re Propagandapläne, unsere innere Organisation, unsere Haltung zi: diesem oeer jenem Problem) im voraus durch die dringend: Forderung des Paiästinabudgets bestimmt sind, das wir von alle:: Zionisten llar und ohne Vorbehalte als unsere primäre Verpf.'ichwng aus :ms nchmen. Daher -mutzte i^r Krimoorsch'.ag von seiner praktischen Seite her beurteilt werden, und dazu gehörte natürlich auch seine Beziehung zu unseren Zusagen, betri-ffend die Jewifh Agency. Denn wer hatte die Krimfrage ins Rollen gebracht? M a r s h a l l undseine Freunde, auf deren Mitarbeit in Palästina wir feit zwei Jahren gewartet hatten. Mit merkwürdigem Eifer und Eigensinn bemächtigte sich diese Grupp.' der russischen Kolonisation als wäre sie ein . Heiligtum. Wrr hatten es zuwege gebracht, Palästina aufcheimnd eine.unbestrittene Hegemonie auf dem emerrkanischen Boden zu sichern. Alte Gegensätze schienen sich rasch zu verflüchtigen. Es war eine Situation voller MöFlichkeiien. Wie bei allen gesellschaftlichen Bewegungen in Amerika ist das eindrucksvolle Wort von äußerster Wichtigkeit, das Wort, das die Phantasie fesselt und zur Leistung zwingt. Wir waren aus dem Wege, das richtigeWortzu fi-ndru. ' Instinktiv empfand man die Kr: m als eine Bedrohung . der Vorherrschaft des Palästinaidealls. Die Abweisung dieser Gefahr mußte mit Takt geschehen. Zunächst, um nicht die Freundschaft mit d>e r Ma r sh a l l - Gr u p Pe zu stören, zweitens um einen Zusemmeustoß mit jenen zu vermeiden, die chrlicherweise in der Krim eine wirkliche Hilfsaktion zum Wohle jüdischen Li-'lbens sehen ^konnten. Wenn nran sich aber nicht dagegen stellte, so bedeutete das, daß die Krim in unseren: Programm einen Platz erhielt, und die Krim war das Gesäß, das das Gist einschloß. E i n Wort für das Krimprojekt hätte die Kräslie 'des Zionisurus zerstört und das Poläftinaibudget in Frage gestellt. Es war 'besonders schwer, das Pro'blem richtig Zu fassen. Die Situation war nicht eindeutig. Die Propaganda des Joint ging geradeaus und Vlies zum Angriff; die Führer des Joint gabtin beruhigende Zusicherungen. Dazu wurden wir von der zionistischer: Oefstnllichkeit Europas gequält, die geneigt zu sein schien, die Frage rein vom philosophischn: Gesichtspunkt zu behandeln. Das Aktionskomitee fällte eine pompöse juristffche Entscheidung. Jeder zionistische Journalist mußte doch seine Haltung zu d:r Frage erklären, und all diese Aeilßerungen kamen herüber nach den Vereinigten Staaten, nährten die Propaganda zugunsten der Krim und warfen uns Knüppel vor die Füße. * Bei der amerikanisch-jüdischen Hiffskonferenz in P h i l a» delphia am '13. September 1925 Svaren wir durch eine sehr starke Delegation vertreten. Wir hätten die Krün für immer van der Landkarte wischen können, aber wir wollten die Upbereinkunft mit Marshall und seinen Freunden nicht brechen und hielten uns also zurück. Eine K o m P r o m i ßresolution ging durch. Die Krim wurde formell in die zweite Reihe gerückt und Äer Vorrang Palästina zugl.'sichert. Aber die Resolution von Philadelphia brachte keine wesent- I:che Asnd-ru'tg der Lage mit sich. Es gab wiederum Heraus- Lvhre Wer den animalischen MagnetiÄnus gehörte, die damals im gangen Deutschland grassierte. In dieser Eigenschaft zieht er die Aufmerksauckeit Hoffmanns auf sich, der ihn bald in sein Herz geschlossen >hat, um ihn später in seinen ,/SeraPionsbrWern" als den phantastischen Vinzent zu schildern. Auf diesem HohePuM seines Rulhmes echielt Dr. reff die erste Warnung des Schicksals. Gerade zu der Zeit übersetzte Benjamin Constant das Buch eines anonymen Autors Wer die liberale Bewegmrg in Preußen ins FraWisische. Benjamin glaubte, in dem anonymen Bevfaffer des Buches Dr. Koreff ertaet: zu dürfen, und Koreff erhielt trotz seiner hohen Verbindungen 'den Befehl, sofort Deutschland zu verilaffen. Er ging wiederum rmch Paris, wo ihm sich sofort alle Pforten der literarischen uwb mondänen Salons öffneten. Er gewann schr bald seinen früheren Einfluß wieder und nützte ihn stark für die 'Sache Deutschlands aus. So sprach er zmn Beispiel mit so viel Eifer und Begeistemng über die deutschen Romantiker überhaupt und speziell Wer Hoffman«, daß seine literarischen Freunde sich verpflichtet fühlten, diese gepriesenen Autoren wenigstens in Uebersetzungen kennen zu lernen, Md einer seiner Freunde, Löwe Wermet, übernahm die erste Uebevsetzung Hoffmanns ins Französische. Auch für Heine öffneten sich durch Koreff die Parffer Salons und seinen einflußreichen Bezichungen n: der Pariser ,Melt, die gilt" verdankte auch Meyerbeer seinen Direktorposten in der Pariser Grand Opem. Wer konnte etwas Wschlagen dem FrouW von Cuvier, von der ^berühmten Fürstin Belgiojose, deren Schönheit damals ganz Paris bezaubert und die mich Heine in seinen ,Meiseibildern" so schwärmerisch feierte? War es 'denn nicht Koroff, der es erreicht hat, daß sogar in der geistreichsten aller Gesellschaften die Bomnots und Aphorismen des fremden deutsch-jüdischen Arztes Vs« Mnsd zu MWd gingen und ganz Paris belustigtes