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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-11 · Heft 2532 (11.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2532 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Men, HonmrAag Mener Moraenzelk«ns «Me 4 Antizionismus als Gejchatt. (Von unsrem Budapestcr Korrespondenten.) In Ungarn gibt es in Wirklichkeit viele Hunderte Juden, die ihrem Gefühle nach Zionisten sind und Verstandesgemäß die Ueberzcugung haben, daß der Wiederaufbau von Erez Israel im Sinne des zionistischen Programms auch für die Inden in Ungarn von schichalsentscheidender Bedeutung ist. Auch die verschiedenen ungarischen Regierungen zeigten sich nicht abgeneigt, der Legalisierung der Zionistischen Organisation in Ungarn die Zustimmung zu erteilen. Ter Sammlung für den Jüdischen Natonalfonds legt die Regiemng keine Hindernisse in den Weg, mti> in der Tat hat eine Anzahl angesehener Juden unter Führung des greisen Orientalisten Professors Tr. Alo S Kraus die National fondsaiktion mit gutem Anfangserfolg in d.e Wege geleitet. Trotz alledem ist es bisher nicht gelungen, ungestört Arbeit für Erez Israel in Ungarn leisten zu können. Die Tätigkeit für die Palästmafonds hat mit den unglaublichsten Schwierigkeiten von gewisser Mischer Seirc zu kämpfen. Warum? Weil der geschäftstüchtigste aller Antizionisten, der Herausgeber des AffimilanteMattes Dr. Ludwig Szabolcsi» mit Recht befürchtet, daß eine Gesundung der öffentlichen jüdischen Meinurig in Ungarn und das Durchdringen des zionistischen Gedankens bei den Juden mit dem Zusammenbruch seines Geschäftsjudentums verbunden sein müsse. Deshalb hält er die Juden Ungarns ständig unter patriotischem Terror, deshalb verleumdet er von Nummer zu Nummer alles und jeden, was und wer sich nicht seinem Pseudopatriotismus fügen will. Er verbündet sich zu diesem Zweck selbst mit den Orthodoxen, von deren Weltanschauung ihn eine ganze unjüdische Welt scheidet. Deshalb verschreibt er sich die lügenhaftesten Berichte aus Erez Israel und denunziert den Zionismus als staatsgefährlich. Letzthin brachte Tr. Szabolcsi in seinem Blatt wieder von irgend einem aus Palästina entlaufenen arbeitsunwilligen jungen Menschen einen sogenannten Situationsbericht aus Palästina, der so haarsträubende Lügen enthielt, daß die Leitung der ungarländischen Zionisttschen Organisation sich veranlaßt sah, diesen Artikel als eine bewußte Lüge und Verleumdung öffentlich zu brandmarken.:Da, wie die „Wiener Morgenzeitung" bereits berichtete, in der letzten Zeit trotz der Hetze des „Eghenlöseg" auch die ungarischen Kulturinst:tute und Kunststellen sich in ernster - und freundlicher Weise mit den Kulturbestrebungen der Zionisten in Erez Israel ernstlich zu befassen beginnen, holt Dr. Szabolcsi zu einem großen Schlag aus. indem er gegen die zionistische Leitung in Ungarn die Berleumdungsklage anftrengt. Daß es ihm hierbei nicht um eine religiöse oder nationale Ueberzeugung zu tun ist, verrät er in der Ankündigung des Prozesses in seinem Blatte, tu dem er schreibt: „Wir erheben die Verleumdungsklage, well wir es für ein öffentliches Jnteresie unserer Konfesiion halten, vor den , Gerichten festzustellen, welch harten und entschlossenen Kampf di? ungarische Judenschaft gegen "div zionistische Propaganda führt. Wir verlangen die Einvernahme der folgenden Zeugen: des Präsidenten der Budapester Kultusgemeinde Dr. Alexander Lederer darüber, aus welchen Gründen er die Tempelspenden für den Keren Kajemeth verboten hat; der,Führer der Orthodoxie Adoll Frankl und Ludwig Hartstein darüber, weshalb die orthodoxe Judenschäf: die zionistische Bewegung tpb die Unterstützung des Keren Kajemeth ableynt; des Oberrabbiners Dr. Simon Heveli. der' aussagen soll, weshalb er wiederholt und öffentlich im Namen der ungarischen Judenschast gegen den Zionismus Stellung genommen hat; auch Wilhelm Vaszonhi uitt Dr. Paul S a n d o r sollen vor Gericht aussagen warum sie wiederhol m öffentlichen Parla« mentssitzungen den Zionismus abgelehnt haben." Dr. Szabolcsi will auf diese Weise auif die Juden Ungarns und ihre Führer eine Pression ausüben, indem er damit rechnet, daß diese vor einem nichtjüdischen Forum sich scheuen werden, weniger patriotisch zu erscheinen als Szabolosi selbst, wodurch der Zionismus öffentlich als unpatriotisch stigmatisiert würde. Besonders perfid ist die Vorladung Dr. Wilhelm Vaszonyis. der gerade in der letzten Zeit sich wiederholt über die terroristische Art Szabolcsis in der Verfolgung des Keren Kajemeth abfällig geäußert hat. Hoffentlich wird Dr. Szabolcsi sich überzeugen müssen, daß das Gsschaftsjudentum auch in Ungarn nicht swig/blühen kann. Die Leitung der Zionistischen Organisation; begrüßt diese Gelegenheit, den antizionistrschen Geschäftpolitttern vor der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkoit die Maske vom Gesicht reißen zu können. , Sberft Honse in PaMlna. Haifa, 10. März. (I. T. A.) Oberst HoSse, der intime Freund des verstoßenen Präsidenten Wilson, ist aus seiner Orientreise in Haifa eingetroffen, von wo er sich nach den Vereinigten Staaten zurückbegeben wird. Oberst House besuchte das jüdische Technikum sowie die jüdischen Vororte in der Umgebung von Haifa. Er zeigte ein warmes Interesse für den jüdischen Aufbau in Palästina. Drei Millionen Lollar für de« PalMinadrive. New-Aork, 9. März. (I. T. A.) Wie heute bekannt gegeben wird, sind bis jetzt zu dem Fünfmillionendollardrive zugunsten der zionistischen Arbeit in Palästina bereits 3 Millionen Dollar beigetragen worden, davon eine Million allein in New-Iork. Leib Söffe vom Prdfideoten llftlandi emplangen. Reval, 10. März. (I. T. A.) Der Delegierte des Keren Hajessod, der palästinensische Dichter Leib Jaffe, wurde vom Präsidenten der Republik E st l a n d, dem Minister für auswärtige Angelegenheiten und dem Unterrichtsminifter empfangen. Alle drei sprachen ihre tiefe Sympathie für den Keren Hajessod und den Ausbau Palästinas als ein jüdisches Nationalheim auL, CächtlKh« Modestrttmpfa » und Handschuhe Adolf Tarier m Wien, I. Kohlmetterg.O ZurNmai Mofbur«, Saal O, Koje 3332 Jas neunte Kabinett SttonD. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung/0 Paris, 10. März. Das neu nie Kabinett B r i a n d ist in der Nacht um 1 Uhr 45 Minuten zustande gekommen. Es hat folgende Zusamniensetzung: Aristide Br and; Justizministerium: Pierre Laval; Kriegsministerium: Painleve; Innenministerium: Malvy; Marineministerium: Raoul Pier et; Kolonienministerium: Leo Perrier; Unterrichtsministerium: L a m o u r e^u x; Ministerium für öffentliche Arbeiten: de Monzie; Handelsministerium: Daniel B i n e e n t; Arbeitsministerium: D u r a f o u r; Landwirtschaftsministerium: Jean Durand; Ministerium für Pensionen: I o u r da i n. Briand begab sich um 2 Uhr zum Präsidenten der Republik, um ihm die Zusammensetzung des Kabinetts mitzuteilen. Nach dem Verlassen des Elysees erklärte Briand um 3 Uhe früh, er Hab: mit dem Präsidenten Doumergue die verschiedenen Fragen rasch geprüft, die bei den nächsten parlamentarischen Debatten zur Verhandlung kommen werden. Das neue Ministerium hat mittags seinen ersten Kabinettsrat abgehalten und nach Ernennung der Unterstaatssekretäre die allgemeine politische und finanzielle Lage sowie die Hauptpunkte der Regierungserklärung besprochen. Diese wird, wie der „Temps" erklärt, sehr kurz sein und sich nur mit der finanziellen Sanierung, der Wahlreform und der Frage der Sozialversicherung befaffen Grundsätzlich wurde bereits beschloffen, den nächsten Ministerrat am Montag abzuhalten, da man bis dahin Briand aus Genf zurückerwartet. Diews-. tag nachmittags soll dann die neue Regierung vor die Kammer und den Senat treten. Die Z«sommensetzmrg des neuen Kabinetts. Das neue Kabinett setzt sich aus 17 Abgeordneten und 4 Senatoren Klsammen. Nach ihrer Parteiangehörigkeit verteilen sich die Minister wie folgt: 3 republikanische Sozialisten (Gruppe Painleve), 1 unabhängiger Sozialist. 2 Mitglieder der radikalen Linken (Loucheur-Gruppe), 5 Radikale (Gruppe Herriot), 2 Linksrepublikaner. Die Unterstaatssekretäre gehören folgenden Parteien an: 2 sind Radikale, 4 Mitglieder der radikalen Linken, 2 republikanische Sozialisten. Das Kabinett stellt also eine nach links gerichtete Konzentratioudar. Dar Schicksal SalonMr. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Genf, 10. März. Wie hier in Bölkeckunidikreisen verlautet, haben sich die Besprechungen zwischen Mussolini und N i n e i e in Rom zu einem schr großen Teil mit dem Schicksal Salonikis beschäftigt. Italien habe die Aspirationen Jugoslawiens auf diesen wichtigen Hasen anerkannt und einer Politik der freien Hand gegenüber Griechenland zugestimmt. Das , Entgegenkommen Italiens erklärt sich daraus, daß es Jugoslawien für die durch den Fiume-Vertrag geschaffenen Nachteile eine Kompensation im Aegäischen Meere bieten will. Die Konferenzen zwischen Mussolini und dom griechischen Außenminister R u f f o bewegten sich in der Richtung, di« Politik Griechenlands in Kleinasien zu unterstützen. Es dürfte also die Frage van Smyrna wieder ausloben. In der Türkei hoiben diese Besprechungen naturgemäß große Beachtung gestruden, zumal bekannt wird, bajj Italien die Reorganisation der griechischen Armee übernehmen und die für die NeubewaGmmg nötigen Mittel aus England beschaffen 'will. Parlamentarische Lebatte über die Prager Srpioslonskataftrovhe. Prag, 10. März. (Tel.-Komp.) Die Explosiv nskatastrophe war heute Gegenstand einer Parlamentarischen Debatte. Eine Interpellation der Mehvheitsparteien gab dem Nat:onalverteidigungsmmister Stribrny Gelegenheit zu einer Erklärung über das Ereignis, die großen Lärm bei der Opposition hervorries. Einen Tumult rief eine rednerische Entgleisung des Ministers hervor, der sagte, daß für die Kommunisten keine Bomben nottvendig seien, da für sie die Gummiknüppel der Polizei genügten. tl. Mkrz Hk. Mj Stilflttb. Eine Amerikareise Selbe!». Nach einer der Korrespondenz Herzog zugehenden JufomiatwA dürfte sich Kardinal Fürsterzbischos von Wien Dr. Piffl anfangs Juni nach N<nv-2)ork behufs Teilnahme an dem dort Ende Juni strttsiiidenden eucharistischen Kongreß begeben. In der Begleitung wird sich Dr. Seipel befinden, der in Amerika eim! Reihe von Borträgen absolvieren wird. AusfolgnngderbnrgenlönvWenWaifengelver. Tie auf die Bevölkerung des an Oesterreich «bgetrerenen Bezirkes Oedenburg bezüglichen Schriften und Gelder der Pupillarbehörden werden am 18. d. einem Beauftragten der österreichischen Regierung übergeben lverden. Zur Vorbereitung dieses Aktes ist Sektionsrat im ungarischen Ministerium des Innern Kornelius Horvath gestern m Oedenburg emgetroffen. Die sozlaldemokkattscheParte! ««d der „Abends Wie das sozialdemokratische Parteisekreta r: a t mitteilt, 'hat sich der Parteivorstand mit den: Vorschläge beschäftigt, den „Abend" unter die Kontrolle der Parteii «stanzen zu stellen. Da das sozialdemokratische Oraanisationsstatut nur Parteiblatter kennt, die Eigentum der Partei sind, deren Mitarbeiter von Parteikörperschasten ernannt werden und deren redaktionelle und administrative Führung den Parteiinstanzen untersteht, die Satzungen der Arbeus-. Gemeinschaft des „Abend" aber die Verwandlung dieses Blattes in ein Parteiblatt in dem erwähnten Sinne nicht ermöglichen. ist der Parieivorstand nicht i n d e r L a g e, aus das Angebot einzugchen. Was die Frage nach Einsetzung eines Ehrengerichtes betrifft, sieht der Parteivorstand kein en Anlaß zu einer solchen Untersuchung, da weder gegen den Herausgeber des Blattes, noch gegen irgend ein anderes Parteimitglied, das dessen Arbeitsgemeinschaft angehört, irgend eine greifbare ehrenrührige Beschuldigung erhoben wurde. Der Parteivorstand wird bereit sein, ein Ehrengericht einzusetzen, falls einesub st anzierteBe schuldig« ng gegen ein Parteimitglied erhoben werden sollte. Tagesbericht. Ile Arbeit für de« Keren Kajemeth ia der Schmelz. 12.006 Schweizer Franken bei einer Purimfever in Genf. .. Die Anwesenheit Ussischkins in der zweiten Hälfte des Monats November 1926 hatte bei den Schweizer Juden große Begeisterung ausgelöst. Die Schweizer Ju'oen Wern ahmen trotz schwerer wirtschaftlicher Krise die große Pflicht, 1000 Duuam Boden im laufenden Jahre.auszulösen. Dank der tatkräftigen Arbeit der Nationalfondskommission ist es auch tatsächlich gelungen, bisher bereits die Gesamteinnahmen des letzten Jahres zu überschreiten. Di« Purimaktion ergab ein sehr schönes Resultat. An erster Stelle rangiert Genf. Hier veranstalteten alle jüdischen Vereine zugunsten d:8 Keren Kajemeth einen Purimball, der ein Reingewinn von 12.000 Schweizer Franken ergab. Auch sie übrige» Städte arbeiteten überaus erfolgreich. Abschlachtvag einer jüdischen Familie. Moskau, 10. März, (I. T. A.) In dem Dovfe Pustosowez, im Distrikt Mogilew, wurden Leib Osinowsky, seine Frau Chaje und ihre Tochter Lisa in ihrem Heim vou Räubern Überfällen Md in der grauenvollsten Weise ermordet. Die Räuber haben Osinowsky die Augen ausgestochen und die Nase abgeschnitten. Alle Zeichen sprechen dafür, daß er langsam zu Tode gemartert wurde. Seiner Frau und Tochter schnitten die Räuber Kopf und Gliedmaßen Ä. Nach der Tradition der Pogromleute zerschnitten die Räuber Kopfkissen und Federbetten und bedeckten ihre Opfer mit den Federn. Sie durchwühlten die ganze Wohnung, konnten aber mit 88 Rubel und eine silberne Uhr mitnchmen. Sämtliche vier Raubmörder wurden von der Polizei festgenommen; es handelt sich um Gewohnheitsräuber, denen ähnliche Verbrechen nachgewiesen werden konnten. TroM Professor der Iounmliftenhochschnle. Aus Moskau wird uns gemeldet: Lew Trotzky hat die ihm angetragene Professur an dem Staatsirvstitut für Journalistik angenommen. Auflösung des rumönifchen Parlaments. Bukarest, 10. Marz. Die Regierung hat bestimmt, daß das Mandat des gegenwärtigen Parlaments mit 27. d. äbläuft. Der Borlragrzykln» des zloniftifche« Lander» lomlteer. Im Rahmen des Vortragszyklus spricht heute abends um Alb 8 Uhr im Klubhe'M der Hakoah, 1. Bez., Wipplingevstvaße 24/26, Herr Prof. Dr. Wilhelm Stein über „Die Weltanschauungsgrundlagen des Zionismus". Karten sind im Zioltistischen Bureau, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, und vor Beginn des Vortrages echältt:ch. Sin «ordllcht ln Sberöfterreich. Aus Linz wird gemedlet: In S1. Aegydi bei En» gÄhartszell wurde gestern in der Zeit von ha'lb 9 bis viertel 10 Uhr abends in der Richtung Passau—Wegscheid in Bayern eine großartige NoMichterscheimmg wahrgenommen, die anfangs den Eindruck einer Brandrote hervorrief, bis licht- und dunkelgrüne, blaue und dunSelrote Farben hinzutraten. Das seltene Naturschauspiel verschwand Meßlich in verschiedenen Streifen nach mehreren Richtungen. Es wurde auch in anderen Gegenden Oberöfterreichs beobachtet, so in Siernlng bei St. Aegydi. Ebelsberg, GeEng und Neufeldett in der Richtung der böhmisch-bayrischen Gren-e und Ä Haslach.

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