Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-03-10 · Heft 2531 (10.3.1926) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2531 (10.3.1926)
Date
1926-03-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981618--25809-3013502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Wen, MiNioch glHetici* 10. Mkz INS KM t Nr. 2631 utzl»»«. ,',,ln, LÖWEN FRANZBRANNTWEIN MH MENTHOL wird mH bestem Erfolge bei Rheumatismus, Glieder schwache, Gicht, Mattigkeit, Kreuzschmerzen, Migräne und in tausend anderen Fällen verwendet Achten Sie auf die Schutzmarkei ln Originalflaschen überall erhältlich. Gesetzt geseh. Schutzmarke 663 Erzeuger: Alexander Kalmar, Wien,II. Nordbahnhol Aus krez Fsrael. Die Wasserversorgung Jerusalems. ' Jerusalem, 9. März. (I. T. A.) Die Verhandlungen Krischen der Pälästinaregnrung uitfo Mr. Percy Westaco: t, Geschäftsführer d'er Londoner Firma Sir John Jackson, Ltd., über die Wasserversorgung Jerusalems haben zum Abschluß eines Vertrages geführt. Die Araver planen eine Stadt Neu-Jcricho. Jerusalem, 9. März. (I. T. A.) Das offizielle Organ der arabischen Exekutive, „Felestin", teilt mit, daß beschlossen wurde, im Süden von Jericho, 900 Fuß unter dem Meeresspiegel, eine Stadt zu erbauen, die den Namen Neu-Jericho führen wird. Jeder künftige Bewohner der Stadl »verde ein bis drei Dunau: Land erhalten. Die Regierung habe versprochen, die Stadt, mit Wasser aus den benachbarten Brunnen zst versorgen. Die Zahl der jüdischen Aerzte. Das Jahrbuch der palästinensischen Aerztcorganisation für. 1926 ist soeben erschienen. Laut seinen Angaben gab es in Palästina am 1. Jänner d. I. 387 jüdische Aerzte, darunter 123 weibliche, die sich auf folgende Städte verteilen: Jerusalem 94 (28), Jaffa 138 (51), Haifa 53 (19), Liberias 8 (2), Safed 6 (1), Judäische Kolonien 25 (6), Samarische Kolonien 7 (2), Emek 11 (3), Untergaliläa 2, Obergaliläa 4, andere Städte 7, mit nicht festem Sitz 19 (8), zeitweilig außer dem Lande 13 (8). Bon diesen 387 Aerzten sind 6 bei der Regierung beschäftigt, bei der Hadassah 70 (16), bei der Krrpath Cholin: 46 (11), in den Siedlungen und Institutionen 42 (3), in Privatpraxis 179 (74), ihren Beruf nicht ausübend 12 (8). (Die eingeklammertcn Zahlen bezeichnen die weiblichen Aerzte.) Berliner Bilderreihe. Von Tulo Nussenblatt. Die sonst «beliebte Gegenüberstellung Wien—Berlin ist Nicht mehr recht möglich. Die Zeit hat das Antlitz dieser Städte gründlich verändert. Berlin ist heute die Hauptstadt eines 60 Millionen starken Staares, Wien das übernatürlich große Herz eines zusammengeschrnmpften Körpers. Die Geschichte Italiens bietet ein ähnliches Beispiel, welches ein geistreicher Historiker treffend in den Worten znsammengefaßt hat: „Capua, einst die erste Stadt, wurde zuin ersten Dorf." Aus dem Wettbewerb Berlin—Wien wird die Donauhaupt-stadt ausgeischieden. * Bei aller Verschiedenheit gibt es doch «keinen Unterschied zwischen einein Wiener und einen: Berliner Friseur. Er erteilt in Berlin genau so wie in Wien seine Ratschläge, er toeiß Bescheid in vielen Dingen, besonders in kosmetischen, und nebenbei ist ex Informator, Kritiker und Politiker. So erzählte mir mein Berliner Friseur vorn Frankensturz, von: „Gott Nimm" (eine Kriegs- und Nachkriegserscheinung überall!) und vieles andere. Ich gestehe aber offen, daß ich zwar den: Friseur Kopf und Hals (zum Rasieren) anvertraue, aber seinen Mitteilungen traue ich rücht. Er will gewöhnlich zuerst wissen, w i e ich über die Dinge denke, damit er wissen soll, w a fc er über sie sagen darf ... Es bleibt doch verwunderlich, wie wenig Menschenkenntnis der Friseur trotz des Umganges mit so vielen „Köpfen" besitzt. Lieg: es an den: Friseur oder an den Köpfen, die er äußerlich in Ordnung zu bringen hat? Immerhin kann der Friseur den besten Agitator oder die beste Annonce äbgeben. Er plaudert viel, täuscht vieles vor und spricht so selbstsicher! * Viel mehr Kenntnis der Menifchett und der Dinge verrät der Hotolportier. Doch auch er, ist er in einem vornehmen Hotel des Westens oder gutbürgerlicheu Hotel des Ostens bedienstet, klagt. Trotz „Reitertnrnier" und „Grüner Woche" ist ein großer Teil.der Zimmer leer. Die „Grüne Woche", die draußen am Kaiserdamn: stattftndct, ist die unter neuer Bezeichnung segelnde Landwirtschaftliche Woche. Der Bund her Landwirte hält Parade ab unter der hoehgehißten Flagge KM Frankenfalslfilate auf dem Budapefter Weftbahnhof beschlagnahmt. Auf Grand einer anonymen Anzeige. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Budapest, 9. März. Heute vormittags erhielt der Präsident der Staat-amvaltchaft eine anonyme Anzeige in sein Aint geschickt, in der ein mit „X. Y." lmterzeichneter Verfasser bekanntgibt, daß er, um unschuldige Leute vor Hausdurchsuchungen und überflüssigen Vexationen zu befreien und den hier weilender: französische:: Organen die Rückst hr in ihre Heimat zu ermöglichen, der Staatsanwaltschaft mittcilte, daß jene Falsifikate, die von der Polizei beim Ungarischen Nalionalverband und anderswo vergeblich gesucht wurden, sich to einem Koffer in der Garderobe auf dem Weftbahnhof befanden. Ter Garderobeschein lag dem Briefe bei. Ter Präsident der Staatsanwalt'chaft sandte sofort zwei Staatsanwälte nach dem Weftbahnhof, um den Koffer abzuholen, und verständigte auch die französischen Beauftragten Collard-Hostinguet und Rohere. Inzwischen hatten die entsendeten Mitglieder der Staatsanwaltschaft den überaus schweren, mit Drähten und Riemen umwundenen gelben Koffer, auf dem sich kein Schloß, befand, in das Gebäude der Staatsanwaltschaft gebracht. Der Koffer wurde in Anwesenheit der französischen Beauftragten im Amtslokal des Vizepräsidenten der Staatsanwaltschaft geöffnet. Es wurde darin eine große Anzahl gefälschter Tausend- Franken-Noten gefunden. Die Banknoten wurden gezählt und es wurde festgestellt, daß sich in dem Koffer im ganzen 0674 Stück Falsifikate befanden. Die Falsifikate sind sehr verschieden; es befinden sich unter ihnen gelungene, aber auch mißlungene Exemplare. Die Staatsanwaltschaft hat über den Vorfall ein Protokoll ausgenommen und die Falsifikate beschlagnahmt. Die französischen Detektivs fordern Einblick in das Tagebuch Windischgrätz'. Die französischen Delegierten haben heute an die Staatsamvalt'chaft das Ansuchen gerichtet, ihnen Einblick vn das Tagebuch des Prinzen Windischgrätz zu verschaffen. Auf Grund der gestrigen Aussagen des Mg. Friedrich, daß er bereits im Jahre 1922 von den Frankenfäffchungen gewußt und selbst fertige, gut gelungene Falsifikate gesehen habe, hat die Unter,nchungsbehörde eine lveitere ergänzende Untersuchung beschlossen und heute die Hauptbeteiligten an der Fälsch eraffäre im Gefängnis neuerlich verhör:. Den Einverfchwarz-rot-gold, den Farben der Republik. — Die Städter, die sich in den Riefenhallen stauen, lernen das Laich kennen und wissen nun, warum sie so teuer das Brot bezahlen müssen. Die „brave Landbevölkerung" kann es nicht billiger geben, auch sie stöhnt unter den Verhältnissen (sagt sie). Ein wohlhabender Bürger nannte sein Pferd „Agrarier". Auf die Frage, ob er diesen Rainen mit Rücksicht ans die vornehme Herkunft des Pferdes gewählt habe, antwortete er, diesen Namen habe er deshalb gewählt, weil sein Pferd ewig stöhne, obzwar es viel zu essen habe. * Aber Anlaß zu Klagen ha: der Berliner. An allen Enden und Ecken herrscht die Pleite. Gesellschaften und Privatfirmen krachen. Die Steuerlast und die Arbeitslosigkeit erdrücken das Geschäfts leben. Engroshäuser verkaufen gern im Detail, um sich flüssiges Geld zu beschaffen. Jeder zwanzigste Berliner ist arbeitslos und diese Arbeitslosen rekrutieren sich hauptsächlich aus dem kaufmännischen Beruf! Und wenn auch die Tanzverattstalmngen und Bars, die viel Geld kosten, stark frequentiert sind, darf es doch nicht täuschen. So mancher sucht noch vor dem Konkurs einen fröhlichen Abschluß.. Ueberall Krise. Auch im Bnchhandelgewerte. Bücher such für die Masse unerschwinglich in: Preise. Den besten Absatz haben noch die Bücherstände mit antiquarischer Ware auf den Straßen. Große Buchhandlungen verkaufen Hauptsächlich Fremdenführer durch Berlin. Denn immerhin suchen Fremde und Nichtberliner ans dem Reiche die Hauptstadt auf. Berlin ist nämlich heute ein großes Epos, welches das ganze Reich widerspiegelt (vielleicht mit der einzigen Ausnahme, daß in Berlin die Republik wirklich beheimatet ist). Berlin ist die ständige Mustermesse Deutschlands, jedes große Unternähmen des Reiches hat hier seine BertretmH. -i- Auf den Litfassäulen sovdern Plakate zur Teilnahme an den: Volksbegehren auf. Es ist dies erst die Vorbereitung für den Volksentscheid über die entschädigungslos« Enteignung der Fürsten. Tragen sich vier Millionen Snmmberechrigte in ganz Deutschland in die Listen ein, so hat es zur Folge, daß der sozialdemokratische Gesetzentwurf über die Enteignung ohne Abfittdu:^ an den Reichstag gelangt. Verschiedene Behörden sabotieren das Volksbegehren. nahuren wohnten auch die f r a n z Li \ i f cf) e it D e legre r» ten bei. Der vechaftcle kechniche Rat Gero harre bekanntlich behauptet, daß im Jahre 1022 mit der Herstellnug fal'cher Noten noch nicht begonnen wurde, )oeil die Klischees, die den Fälschern damals zur Verfügung standen, unbrauchbar waren. Der an den: Bankett bei. Friedrich anwesend gewesene Abg. Ludwig Szilagyi gab an, daß damals von G c l d f ü I s ch u n g c u nicht gesprochen wurde. Es handelt sich bei Friedrich nur un: eine l c g i t i m i st i s ch e Z u s a m m c it! it i: f t, der bald eine zweite in der Garcvnwohnung des Prinzen Windischgrätz in der Szepgasse folgte. Bei einer weiteren Zusammenkunft bei dem Abgeordneten Johann Baroß habe ihm nun Windischgrätz ganz phantastis ch c P l ä n c zum finanziellen Wiederau fb a u Ungarns entwickelt und ih,: um deren Propagierung bei seinen Parteifreunden gebctem So schlug Windischgrätz vor, eine ungarische Ernte zu beschlagnahmen, dm: Erlös zu einer riesigen finanziellen Transaktion zu verwenden, durch deren Erfolg Ungarn in einem Jahre saniert werden könnte. Auch der Abg. Albin Lingauer konnte der Polizei nichts Wesentliches mitteilen. _ Südtirol oder Sberetfch. Ein Protest des Tiroler Landtags. Der Tiroler Landtag verhandelte gestern einen Dringlichkeitsantrag aller bürgerlichen Parteien, in welchem erklärt wird, daß der Tiroler Landtag den Bundesratsmitgliedern aus Tirol für die mannhafte Vertretung des tirolischen Standpunktes in der Angelegenheit S ü d t i r o l s dankt. Der Landtag spricht sein Bedauern aus, daß vom Bundeskanzler in seiner Rede vor dent Hauptausschuß des Nationalrates nicht nur der Name S ü d t: r o l vermieden, sondern statt dessen der Ausdruck Oberetsch gebraucht worden ist. Der Landtag stcht auch Mmchin ans dem Standpunkt, daß die Angelegenst Südtirols vor den Völkerbund gehört. Dieser A::trag wurde einstimmigangenommeu. Die Sozialdemokraten ließen durch den Abg. Rapoldi eine Erklärung abgeben» in welcher dieser Antrag als leerer Protest bezeichnet wird. Um ihn zu einem wirksamen Protest zu machn, beantragte Abg. Rapoldi einen Zusatz, in dem die in Tirol gewählten Nationalräte ausgesordert werden, zur gegenwärtigen Bundesregierung in schärfste Opposition zu treten. Dieser Zusatz wurde jedoch mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab ge lehnt. Plakate und brennende Glühlampen machen allerhand Reklame. Ufa-Palast und Kapitol wetteifern im Konkurrenzkampf. Beide sind stark besucht. Die Berliner wollen sowohl ,Mmor im Wolkenkratzer" im Ufa-Palast als auch Chaplins „Goldrausch" im Kapitol sehen. Chaplin scheint der Liebling aller Backfische zu sein, die das Kapitol bevölkern. Zum zweitenmal ^werden die Gänse das Kapitol retten. •I» Die Fußgänger laufen auf der Straße Sturm, bis sie an einer Kreuzung der grüne Schupo, ausgerüstet mit Lampen, mit seinem in die Erde eingemauerten Lichtkegel und allerhand anderen Signalen zum Stehen bringt. (Der Schutzpolizist spricht dabei ausgiebig mit den Händen.) Die Fußgänger bilden in Berlin eine starke Störung für den Verkehr der Straßenbahn, der Omnibuffe und die 21.068 Personenautos. Die Menschen rasen vorwärts, ein jeder seines Weges ('nnmer rechts gehend). Selten sieht man in der Geschäftszeit einen schlendernden Menschen oder ein lachendes Gesicht. Das Lachen bedarf einer Gemeinsamkeit, derweil das Hasten,, der Verkehr der Großstadt die Gesellschaft auszulösen scheint. Beziehungslos lausen alle in verschiedene Richtungen. Läuft jedoch die Arbeitszeit ab und schließen sich die Geschäfte, ergießt sich noch einmal sprudelndes Lebe:: aus die Straße, um sich dann ins langsame Spaziertempo einzuordnen. Die Tanzdielen und Bars füllen sich. Frau Raffke, parvenue de Berlin, besonders faßlich um ihre Aequatorgegend, ist gleich aus der Schar der Tanzenden zu erkennen. Der Eintänzer schleift sie tangierend und bluesierend durch den Saal. Er, der Eintänzer, fft auch in Berlin, der gutsitzende Smoking mit glänzend weißer Brust (Firma Tietz oder Wertheim, keine bezahlte Annonce!) und mit dem blassen, wohffrisierten Gesicht als Zubehör. Und verläßt man die Diele, cmpfäzygt einen vevsHvenderisches Acht. Die „gute Maffarh" fiir drei Mennige wird überall leuchtend als die seinschmeckende Zigarette anempfohlen. Ans besonderen ReKamesäuilen Nicket eine G. nt. b. H. „Kein Verspäten, kein unnützer Weg" an. „Ueberall dieselbe Zeit, Anfragen telephonisch zu richten an nlsw." Ja, überall -iejelHe Zeit , ,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.