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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-09 · Heft 2530 (9.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2530 (9.3.1926)
Date
1926-03-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ffitot, Stcnitaff Mlener WTofneitietttttttf s. Mrz M6 Nr. MS TMeI ■freiem r Paris, das Ml fremder Verbrecher. Aus Paris wird uns geschrieben: Die Ueiberschwemimmg von Paris mit Ausländern macht sich namentlich durch ein« bemerkenswerte Zunahme der Kriminalität geltend. Fast bei jedem größeren Diebstahl oder Mordfall sind Ausländer beteiligt. Es scheint, daß die französische Hauptstadt besonders auf die Verbrecherwelt der übrigen Staaten eine große Anziehungskraft ausübt. Die Stinmren regen sich immer -lauter, die eine st r e n g e r e Ueberwachung der Einwanderer mid die unerbittliche Zurückweisung aller verdächtigen und unerwünschten Elemente fordern. Erst dieser Tage ist die Polizei einer weitverzweigten italienischen Diebsb a n d e auf die Sperr gekommen, di« große Mengen Waren aller Gattungen zusammentrug und mit Hilfe zahlreicher Hehler weiter verkaufte. Die Ansiedelung fremder Staatsangehöriger in Paris hat einen derartigen Umfang angenommen, daß sie dem Charakter gewisser Stadoiertel förmlich ihren nationalen Stemp«l aufprägen. Wenn man durch das Charonne- Quartier geht, glaubt man in ein schmutziges Volksviertel in Neapel ver'etzt zu se>in. Ueberall hört man italienische Laute, sieht italienische Inschriften an den Wirtschaften und Kaufläden. Ein Netz von engen, winkligen Gäßchen dehnt sich aus, umsäumt von alten elenden Häusern. In den Schaufenstern der engen Läden breiten sich di« Herrlichkeiten italienischer Feirrkst aus, Mailänder Würste, Teiglvaren, krümeliger Parme'ankäse. Bon Fenster zu Fenster sind Schnüre gespannt, an denen zerrissene Wäschestücke MN Trocknen hängen. Am Abend llingen italienische Lieder aus den Wirtschaften, ein abgespieltes Mordion hämmert ein Tanzweise herunter. Außer den Italienern finb es besonders die „S i d i", die nockaftikamschen Kabylen, die einem ganzen Viertel eine Eigenart verleihen. Die meisten Raufereien werden in diesem Quartiere ausgetragen. Es ist wenig ratsam, sich nachts in das Straßengewirr des Sidiviertels zu wagen. Selbst die Pol'zei sühn sich dort nicht ganz sicher. Fnternetionaler archffologischer Kongreß. Dom 2. bis 23. April in Jerusalem, Beirut und Damaskus. Die englische und französische Regierung haben eine Einladung zu einem internationalen archäologischen Kongreß in P a l ä st i n a und Syrien ergehen lassen, der vom 2. bis 23. April stattfinden soll. Von deutschen Gelehrten sind auch Prof. N 0 a cf, Sekretär vom Archäologischen Institut Berlin, und Prof. A m e l u n g, Sekretär vom Archäologischen Institut in Rom, eir'geladen worden. Der Kongreß soll seine Sitzungen in Jerusalem, Beirut und Damaskus halten, und umfaßt Prähistor-e und Ethnographie, klassische Archäologie und Archäologie des Mittelalters. Gemeinschaftlich sollen Byblos Sidon, Baalbek, Palmyra, Liberias, Beisan, Megidde, Jerusalem, Gerash und Petra besucht werden. Ob der Kongreß stattfinden wird, wenigstens zu dem vorausgesehenen Zeitpunkt, ist in Anbetracht der schweren Unruhen in Syrien freilich noch fraglich. Die letzte Stunde der Maffia. Den fizili'nischen Behörden ist es endlich gelungen, der Maffia ein Ende zu machen. Die Banditen, die sich in der teyten Zeit immer heftiger von der Behörde bedrängt sahen, hatten sich in die Berge zurückgezogen und in dem Dorf Gangli einer. Zufluchtsort gefunden. Der Präfekt von Palermo hatte, unr dieses Verbrechernest auszuheben, Militär und faszistische Mliz aufgeboten; um jedoch Blutvergießen zu vermeiden schickte er zunächst einen Unterhändler mit Trommler und Hornisten und ließ die Banditen auffordern, sich zu ergeben. Tie Führer der Maffia versuchten, sich zu retten, indem sie sich erboten, den Sieg der faszistischen Kandidaten bei der nächsten Wahl mit allen Mitteln zu sichern. Ter Präfekt Netz ihnen jedoch antworten, daß es für sie nur bedingungslose Uebergabe gebe. Vor Sonnenuntergang noch ließ sich die Bande entwaffnen. Die verhafteten Mitglieder der Maffia werden deportiert werden. Ihre Zahl ist so groß, daß man wahrscheinlich eine der Sträflingskolonien bedeirtend vergrößern wird, um die Verurteilten unterzubringen. Sine Iiebrbande aas Bolksschülern. Aus Berlin wird uns gemeldet: In EberSivalde wurde heute eine wohlorganisierte Diebsbande, die aus sieben Bolksschülern bestand, ausgehoben. Die Kinder, von denen das älteste noch nicht 14 Jahre zählt, haben zahllose Ladendiebstähle verübt und auch eine ganze Anzahl Auslagen ausgeräumt. Grober Grand in Srrgedia. Eine Milliarde Schaden. Budapest» 8. Mrz. Wie die Blätter aus Szeged in melden, ist dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag tot Slavy.nia - Möbelfabrik in Brand gevaren, wobei der größte Teil der Fabriksräumlichkeiten mm Opfer fiel. Der Schaden beträgt ungefähr eine Milliarde Kronen. 8In Adrrßbnch von gaffa «ad Jel-Awiw. Aus Jaffa wird uns geschrieben: Im Verlag Toelech ist soeben unter der Redaktion von Israel Verachjahu Boaoslawsky das erste Jchrbuch „Ganz Tel-Awlw und .Jaffa für Jahr 1926" erschienen, das die Adressen aller Institutionen, Fabr!Än, Haridelsunternchmurrgen und der Einwohner DelMviws cmhäll, Ueberschlvemmung in Kowno. Der Njemen steigt innerhalb 20 Minuten um 7 Meter. Aus Berlin wird berichtet: Die Stadt Kowno ist, wie das „Berliner Tageblatt" meldet, plötzlich von einer katastrophalen U e b «r s ch w e m rn u n g heimgesucht worden. Innerhalb 20 Minuten stieg heute nachts das Wasser des N j e m « n um nicht wepiger als 7 M e t e r. Der untere Teil der Altstadt steht 1 Meter tief unter Wasser. Hunderte Familien konnten sich nur mit Mühe vor dem in die Wohnung ein dringenden Wasser retten. In den Straßen hat die plötzlich einbrechende Flut ganze Eisblöcke angefchwemmt. Mitten ivährend der gestrigen Zvbendvorstellung drang das Wasser in das Stadttheater ein, so daß eine wilde Panik ausbrach und die Vorstellung nicht zu Ende geführt werden konnte. Der in den Speichern und Kaufläden angcrichtete Schaden geht in die Millionen. Daboi besteht die Gefahr, daß die Ueberschlvemmung noch weiter zunimmt. Bis nachMemel sind zahlreiche Dörfer und Städtchen entlang des Njemen unter Wasser gesetzt. 436,695.000 Einwohner in Wtia. Wie die Agenee Jndopaeisie aus Tokio meldet, hat die Volkszählung ergeben, daß China 486,095.000 Eiwvohner zählt. Davon entfallen auf Peking 4 Millionen und ans Schanghai 5,5 Millionen. Ser Prozeß gegen Sklarz in Berlin. Berlin, 8. Mävz. Heute begann der gwße Betrugsprozeß gegen den Kaufmann Heinrich Sklarz, der voraussichtlich mehrere Monate dauern dürfte. Zur Aburteilung steht eine Reihe von Sanierungsgeschäften des Angeklagten. Die Anklage legt Sklarz Betrug in sechs selbstständigen Handlungen sowie Benachteiligung der Gläubiger zur Last. Einer der Betrugssälle betrifft, die preußische Staatsbank (Sechandlung). Sklarz soll Wechsel von 211.000 Mark die er von der Sechandlung lediglich zum Einzeichnen echalten hatte, für sich selbst verwendet haben, indem er statt des eigezogenen Betrages Sicherheiten aus angeblich eigene Vermögenswerte gegeben hatte. Sächsische Modestrümpfe und Handschuhe Adolf Tarier Ä Wien, I.KoHlmesserg.O Z u r M e s s es Hofburg, Saal O, Koje 5332 TuneeBumMmBnsuBuemueuBmeueenemenBmemuumemmeeMUBi Jas Semmrring'Schachtmnier. Der zweite Tag. Semmering, 8. März. Auch der Aveite Turn'iertag ging nicht ohne Usberraschimgen zu Ende. Dr. A l j e ch i n, der als Schwarzer in einer spanischen Partie gegen Dr. Vajda bereits nrerklich rm Vorteil gewesen war, ja schließlich einen Bauern gewonnen hatte, ließ sich in der Nachmittagssitzung durch Unachtsamkit eüner Chance berauben und konnte eigentlich von Glück sagen, mit einem Remis davonzukommen. Einen schönen Sieg errang Niemzowitsch als Nachzichender in einer Damenbauernpartie gegen Gilg. Er hatte die von chm des öfteren favorisierte holländische Verteidigung gewählt und gewann in scharf pointierter Weise schon nach 24 Zügen. Das Troffen Roselli gegen Spielmann, ein italienisches Spiel, wurde von dem Wiener in Überlegener Weise entschieden, wobei ihm sin Fehler in der Eröffnung des Weißen zu Hilfe kam. Dr. Ta r t a k 0 w e r, der sich mit Caro- Kaan verteidigte, leistete ein ausgezeichnetes Positionsspiel gegen Dr. Treybal und siegte durch Verdichtung seiner Vorteile im Turmendslpiel. Die Partid Jate8 gegen Kmoch, ein Aljechin- Jagdspiel, zeigte anfänglich den Wiener im Vorteil, er setzte aber nicht bestens fort, verlor vorübergehend einen Bauern, konnte aber immerhin daS Remis festhalten. Ueberraschend gut hielten sich Davildson und Dr. Michel gegen den international bewährten Reit, bezw. Grünseld und ertrotzten sich im zähen Kampfe als Anziehende in der Damenbauerueröffnung durch sorgfältigen Abtausch je -in Remis. Eine echte Turnierpartte lieferte der unverwüstliche Janowski gegen seinen alten Gegner Dr. Tarrasch, der bald nach der Eröffnung in Nachteil kam und im 39. Zug aufgsben mußte. Die Zuckertort-Reti-Eröffnung Rubinsteins gegen Professor Bibmar wurde von beiden Matadoren wuchtig behandelt, und wenn auch Dr. Bidmar beim neuerlichen Abbruch im Turmendspiel einen Doppelbauern mehr besaß, so endete di>e Partie schließlich remis. «I» fttlififl kt flaitMaleth. Aus Paris wich uns gemeldet: In den Pariser Kunstkreisen wird jetzt viel von einem schweren Verluste gesprochen, den die Wiener StaatSg a l e r i e durch den Tausch eines Manet gegen eine kleine Landschaft von Corel mck einen Akt von Renoir erlitten hat. Die Geschichte liegt zwar um zwciJahrezürück, aber erst jetzt läßt sich ernennen, daß die Wiener Galerie einen schweren Fehlgriff begangen hat. Sie beschloß im Jahre 1924, ein aus der Dänischen Zeit Manets stammendes Werk, „Spanische Zigeuner", an den Pariser Kunsthändler BarbazangeS zu verkaufen. Die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß der Kunsthändler für den Manet die erwähnten Werke, «inen Gesamtwert von einer halben MrlNon Franken nach dem heutigen Kursstand darstellend, an die Wiener Staatsgalerie abgab. Er bchielt sich vor, innerhalb einem Jahre das Geschäft rückgäng g machen zu können. Diese Klausel scheint aber nichts weiter zu sein als eine Art geschäftlicher Maskerade, denn als der Manet in Paris eintraf und von den ersten Fachleuten geprüft wurde, rief der Direktor des Louvre-Musemns begeistert aus: Oesterreich hat einen zweiten Krieg verloren, als es dieses Meisterlverk für etu Trintzeld hergab." Das Gemälde erhielt in Paris einen besonderen Raum. Es wird den ausländischen Käufern als eine der bedeutend sten Erwerbungen der letzten Jahre gezeigt. Dieser Tage offerierte das Louvre-Museum fünf Millionen Franken, eine amerikanische Firma wird vielleicht den Preis verdoppeln. Das Bombengeschäft der Pariser Kunstfirma wird als Beweis dafür angesehen, daß es noch immer Experten gibt, die gründlich danebenhatten. Die Staatsgalerie macht auch in einer anderen Bildergeschichte von sich reden, Bor einem Jahre wurde chr ein Utrille für zweitausend Franken angeboten; sie lehnte ab, iveil das Bild zu teuer war. Vorige Woche kam wieder eine Auftage aus Wien; der Utrille kostet aber jetzt 30UXX) Franken Sie größte Firma der Welt. Wie amerikanische Blätter berichten, wurde m der letzten Jahresversammlung der New-Aorker Bankeuvereinigung festgestellt, daß die United Steel Corpora t i 0 n", die Heuer ihr fünfundzwanzigstes Geschäftsjahr beendete, als die größte Firma der Welt arrHesprochen werden müsse. Ihr Gesamtumsatz hat in diesem Bierteljahrh-undert die enorme Summe von einer Billion Dollar überschritten, eine Wert- „ ziffer, die größer ist als die gesamte Staatsschuld der Vereinigten Staaten. An Löhnen und Gehältern wurden in den 25 Jahren mehr als sechs Milliarden Dollar auSbezahlt und an die Aktionäre bisher mehr als eine Milliarde Dollar ausgeschüttet. Als die Steel Corporation im Jahre 1901 ihre Tätigkeit begann, kontrollierte sie fünfzig Stahlwerke, heute gehören zu ihrem Jnteressenkreise 130 große Konzerne, die selbst wieder eine Anzahl von Filialunter> nehrnungen betreiben. Gegenwärtig beschäftigt die Steel Corporation als selbständige Firma 246.763 Arbeiter und Angestellte, die im letzten Jahre insgesamt gegen 800 Millionen Dollar an Löhnen und Gehältern cmsbezahlt erhielten. Trotzdem die Löhne seit der Gründung des Unternehmens durchschnittlich um 15 bis 26 Prozerrt er-, höht wurden, konnte der Preis der einzelnen Erzeugniss, infolge' angestrengter und unausgesetzter technischer Vev besserungen am Betriebsapparate im Laufe der Jahr durchschnittlich um 20, ja bei einzelnen Artikeln soga: bis zu 30 Prozent ermäßigt werden. Ile geftrige „Teresina">Dorftevnng abgesagt. Iran Kartousch erkrankt« Zur Ueibenaschung aller Besucher, welche sich in großer Zai. im Ronacher-Gebäude und an der Abendkasse oingofunden hatten, fand gestevil die Vorstellung der neuen Operette .Ieresina" nicht statt. Frau Kartousch, welche vorgestern trotz hohen Fiebers die Vorstellung unter Anspannung aller Nerven durchschallen hatte, mußte gestern das Bett hüten, so daß in Ermanglung eines entsprechenden Ersatzes die Vorstellung abgesagt wecken mußte. Direktor Preger hat telegraphisch eine Künstlerin ersten Ranges aus Berlin berufen, welche bei der heutigen Vorstellung die Rolle der Teresina übernehmen soll. Anderen Meldungen zufolge unterhandelt die Direktion des Ronacher-Dheaters mit Frau MW Günther, welche die ,Ievesina" in Zürich kreiert und dreitzigmal hiüteveinander gespielt hat, doch ist dieses Engagement unwahrscheinlich, weil Frau Günther nach dem tragischen Tod ihres Mannes sich vockäuftg jeder MhnentädigM enthalten will. Die für gestern gelösten Karten wurden zum größten Teil« an der Kasse zurückgenommen und können, wie uns die Direktion mitteilt, für die houtige Bochellung umgetauscht wecken. Ile rehn«e Wiener Mrffe. Wien stcht im Zeichen der Messe. Die Zahl der in Wien anwesenden Fremden übersteigt jene der Frühjahrsmesse 1028 lvssentltch. Aufträge und Käufe Hecken sich im Lause des gestrigen Tages fast über die Länder der ganzen Welt erstreckt. Das Hauptinteresse der Einkäufer konzentrierte sich bisher auf die Artikel der Wiener Luxusindustrie. In allen Messehäusern herrschte lebhafte Boivegung des noch in Zunahme begriffenen Frenldenstroillesi Es kamen zahlreiche Abschlüsse mit bemerkenStyert-m Umsatz Mache. Sie zionlftksche Parteiftener. IV. A « S w e i s Über die gezeichnete oder bezahlt- Parteisteuer 8686. Ina. F. Ackermann, Dr. Arnold Buchstab. Dr. Josef Berger. Dr. Leonhard Eckstein. Ing. Joief Fischmann. Alexander Geller. Siegfried Heller, Jakob Kovvel, Dr. M Kostmann. Dr. H. Lvdl. Julius LÜwtz. Nrbemia Langsam. Ina. F. LaSzko» witz. Dr. Hermann Löw. Anton Lourtd, Ing ÄloiS Pollak. Hans Perutz. Dr. Bruno Pollak-Parnau. Friedrich Pollak Dr. Ludwig Rösenbeck Dr. Philipp Reiek, N. M. Racker. Blonka Schwtzer, O. Schächter, Isaak Stub, Fred Städter, Aat TemeSoart». 04

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