Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2528 (7.3.1926)
- Date
- 1926-03-07
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981615--25788-3013478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9fe. 9BS9 »tar. SbmM Wtemv Msk«rmefktt«A 7. mq IM "* m*« Finanztrise anzudeuten, die allerdings nicht mit dom Kapitalsmangel, sondern in dem zbapitalsüberfluß und, wenn man es nach den theoretischen Grundlagen bezeichnen sollte, in der Unterkonsumtion der Absatzgebiete ihre Ursache haben dürsten. Man hat den Eindruck, als ob das amerikanische Kapital, welches m Form von Investment Trusts seinen Weg nach Europa, besonders aber nach Deutschland, gerwnrmen hat, dies gerade rm Vorgefühl der beginnenden Finanzkrife getan hätte. Die erstklassigsten Werte des europäischen Kontinents, die dem amerikanischen Kopttal zur Verfügung gestellt wurden, bieten ihm viel größere Sicherheiten als die Betätigung in einer der Krise entgegenzchcnden Wirtschaft. Unter diesem Gesichtspunkt muß die Tätigkeit all der Investment Companys eher als eine Flucht nach.Eurcpa angesehen werben. Für die zuMnftigr Entwicklung der europäischen Verhältnisse kann dies nicht ohne günstige Folgen setti. Die Teroute New-Aorks dürfte aber noch in anderer Hinsicht von größerer Bedeutung für den europäischen Kapitalsmarkt sein. Durch die Liquidierung der Wrsenspekulation ist wieder viel Kapital frei geworden. Das tägliche Gelb ist innerhalb einer Woche um ein ganzes Prozent auf viereinhalb Prozent in Amerika gesunken. Der Krach wird einen Teil des Publikums von der weiteren Börsenspekulation abhalten. Dies wird sein Geld den Finanzinstituten zu EiUlagezjwecken zur Verfügung stellen. Die Folge davon wird eine lveiteve stärkere Verflüssigung des amerikanischen Geldes sein, was zweifellos nicht ohne günstige Rückvilottmg ans den europäischen Markt sein dürste. Re LnzuverlWgkeit der Scheikverlehrs. Anläßlich der Beratungen zur Hebung des bargeldlosen . Gekddevkehrs, welche in Regierungskreisen feit einiger Zeit staitfinden, wurde auch erwogen, ob es nicht angche, den Scheckverkehr stärker einzufühven. Es war eventuell an die Herabsetzung des Scheckstempels und an andere Erleichterungen gedacht. Trotzdem wurde von allen Maßnahmen Abstand genommen. Die Begründung, mit welcher dies geschah, verdient besondere Beachtung. Es wurde nämlich erklärt, baß der Zahlungsverkehr in Oesterreich lange noch nicht so konsolidiert sei, daß er eine Ansbreitung des Scheckverkehrs für ivatsam erscheinen ließe. Bei dieser Gelegenheit wurde darauf verwiesen, daß die Scheckmowl gar manches zu wünschen übrig laste. Es werden sehr oft Schecks oh-ne Deckung begeben, was zweifellos das Vertrauen zum Scheck nicht hebe. Solange nicht in dieser Hinsicht eine gründliche Wandlung vor sich gehe, könne au eine Förderung des Scheckverkehrs nicht gedacht werden. Andauernde PasfivM der österreichischen Bundesbahnen. Wahrscheinliche Erhöhung der Tarife. / Na'ch den bisherigen Ergebnissen schließt das letzte Be- ^vrebsjahr der Bundesbahnen mit einem starken Defizit. Trotzdem das erste Kommerziallsierungsjahr relativ günstig war und zu der Hoffnung berechtigte, daß es im Jahre 1926 gelingen werde, ohne'Staatszuschuß das Auslangen zu finden, hat sich gezeigt, daß diese Hoffnungen nicht erfüllt wurden. Das Defizit soll beträchtlich sein. Ursache des Defizits ist in erster Reihe die Wirtschaftskrise, die eine Verminderung des Vxrkehrs verursacht hat. Es hat sowohl die Intensität des Personenals auch des Lastenverkehrs abgenomnien. Namentlich zeigen die Einkünfte aus dem Lastenverkehr große Ausfälle. Der Transitverkehr hat stark gelitten, da besonders die Tschechoslowakei einen Teil des Transitverkehrs abgeleukt hat und auch die übrigen Nachbarstaaten durch ihre Tarifpolit'k den Transitverkehr Oesterreichs geschmälert haben. Die Elektrifizierung hat nicht die erwarteten Ersparungen gebracht, da bekanntlich die Investitionskosten der Elektrifizierung eine hohe Verzinsung erfordern und mittlerweile die Kohle im Preise stark gefallen ist. Es wird der Finanzverwaltung des Bundes nichts anderes übrig bleiben, als das Defizit der Bundesbahnen zu decken. Auf alle Fälle wird sich die Notwendigkeit der Ausarbeitung eines neuen Sanierungsplanes ergeben, um doch für die Zukunft die Defizitwirtschaft bei den Bundes-- bahnen zu beheben. In Wirtschaftskreisen wird aus diesem Anlaß eine weitere Erhöhung der Tarife befürchtet. Ra Levisenkartell der polnischen Baake«. Zum Schutz« des Zloty. Aus Warschau wird gemeldet: Die Devisenbanken haben in den letzten Tagen auf Initiative des Finanzministeriums sich zu einem Kartell zusammengeschlossen und sich verpflichtet, int inneren Devifenverkehr gewisse einheitliche Maßnahmen zu befolgen. Diese erstrecken sich unter anderem auf folgende Punkte: Die Anforderung von ausländischen Valuten und Devisen bei der Bank Polski seitens der Devisenbanken muß dem wirklichen Wirtschaftsbedürfnis entsprechen. Zu KontrollKvecken wird von den Banken eine genaue Ausstellung des von der Bankklientel angemeldeten Devisenbedarfes gefi'chrt werden. Die Devisenbanken verpflichten sich, ihre eigenen Devisenbestände nicht anznhäuseii und keinerlei Devisendepots zu schaffen, ferner im De- ' Visenhandel sich jeder Arbitrage zu enthalten und insbesondere keine Zlothaufkäufe auf ausländischen Börsen gegen fremde Valuten zu bewerkstelligen. Die Banken iverden 5000 Zloty täglich übersteigende Einzahlungen inländischer Firmen für ausländische Rechnung nur aus Grund der jeweiligen Erlaubnis der FinanKammer vornehmen. Außerhalb der Börse werden die Devisenbanken im Devisenverkchr keine höheren Kurse zahlen,'als sie von der offiziellen Börse festgesetzt sind. Schließlich verpflichten sich die Banken, den Ueberschuß an fremden Valuten und Devisen m.lveder an der offiziellen Börse oder direkt an die Bank Polski abzugeben. Die Einhaltung dieser Verpflichtungen soll von einer Speziolkommission kontrolliert werden, die von dem Bankenverbande eingesetzt wird. Diese Abmachung soll im April in Kraft treten. Die Banken haben sich ferner berei: erklärt, ihre Tätigkeit unter die Kontrolle des Finanzministeriums zu stellen. Die oben erwähnte Abmachung soll automatisch von Monat zu Monat verlängert werden. Der gestrige Privatverlehr. Im gestrigen privaten Effektenhandel herrschte auf die besseren Berliner Berichte eine freundliche Tendenz. Im allgemeinen waren die Umsätze nicht sehr ^bedeutend, doch zeigte sich lebhafte Nachfrage nach österreichischen Goldwerten und Baulosen. Englische unv deutsche Aufträge tvaren auch für österreichische Kredit-, Staatsbayn- und Lemberg-Cz.'rnowitzer' Eisenbahnwerte eingelangt. Die betreffenden Notierungen waren durchwegs höher. Neuerlicher Kurssturz des stanzösischen Franken. Die Demission oes Kabinettes Briand drückte in stärkerem Maße den Kurs des französischen Franken. Er fiel um säst 3 Prozent an allen Devisenplätzen. In Zürich senkte nch die Devise Paris von 19.28? auf 18.82. Kursdrückend wirkte auch der ungünstige Ausweis der Banque de Franoe mit dem Stande vom 4. März, demzufolge der Notenumlauf um 1.074 Millionen auf 52.065 Millionen gestiegen ist. — Weiter rückgängig war auch der rumänische Leu. Die Devise Bukarest senkte sich von 2262 auf 2.22. Fest behauptet blieben die Devisen Marschau und Mailand. Die Kursänderungen der übrigen Devisen waren unbedeutend. Minderung des österreichischen Handelsbilanzpassivums im Jahre.1925. Wie das Bundesministerium für Handel und Berkehr bekcriintgi'üt, betrug nach den soeben vom Handelsstatistischen Dienst abgeschlossenen vorläufigen Ergebnissen des Außenhandels im Jahre 1926 der Wert der Einfuhr 3883 Millionen Schi! ling, jener der Aussicht 1918 Millionen Schilling, der Einfuhr' Überschuß demnach 9 3 5 Millionen Schilling. Das Bilanz passiruiNt war somit wesentlich geringer als im Jahre 1924, in welchem es 1486 Millionen Schilling erreich: hatte. Diese Ermäßigung des Passivums unr mehr als ein Drittel ergibt sich aus der starken Verminderung der Einfuhr, die sowohl der Menge wie vor allem dem Werte nach eine erhebliche Mnahme erfahren hat, während die Ausfuhr trotz einer Mengen- Zunahme um 27 Prozent einen etwas niedrigeren Wert auswe.st als im Vorjahre. Der bedeutende Wertrückgang der Einfuhr (am 691 Millionen Schilling) verteilt sich hauptsächlich auf die Fertigwaren (— 320) und die Nahrungs- und Genußmittel (— 165), doch waren auch die mineralischen Brennstoffe (— 56) und die anderen Rohstoffe und halbfertigen Warm (—116) daran beteiligt. Die Einfuhrabnahme bei den Nchrungs- und G-nußnntteln betrifft vor allem Zrrcker, Mehl, Fleisch und Spöisöfette, aber auch Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Eier, Käse, Konserven und Wein. Der starken Mnahme der Mehleinfuhr (— 81) steht wch'l eine erhöhte Einfuhr von Getreide (4- 27) gegenüber^ Beim Zucker ist die echMiche Abnahme des Einfuhrwertes {— 30) vor allem dem Preisrückgang zuzuschreiben. „Der Lebensmiltelmarkt." Gestern ist die erste Nummer der neuen Zeitschrif: „Ter Lebensm'Otelmarkt", Zentralovgan lut das 'gesamte Levensmittelfach für Hand.l, Industrie alle'' Nahrnngsunb Genußmittel, erschienen. Die Zeitschrift, welche zweimal wöchentlich mit der Beilage ,^Die Getränke börse^ erscheint, verfolgt den Zweck, durch exakte Markt- und Prnsberichte über alle Gebiete der Lebens- und Genuhmittelbranche jederzeit die kaufmanmM Situation, widerzuspiegeln, nnd will em unentbehAicher Ratgeber des Fabrikanten wie des Kaufmannes sein. „Der Lebensmittelmarkt" soll das wirtschastspolirische Organ der gesamten LebenSmittvlwirtschaft fein. Er wird alles enthalten, was der Mittelfabrikant seinen Knuden zu sagen, der Leb'.nsMittelhaMer von seiner Warezu wissen und der Lcbensmittrlkäuser zu erfahren bat. Die erste Nummer ist sehr reichhaltig arib enthalt eine Anzahl von Artikeln übe: den Milchzoll die Sorgen des Kleinkaufmannes. das Lebensmittelgew'rbe usw. In einer beMderen Rubrik werden, die Wiener Markt- und Preisberlchte über sämtliche Lebensmittel gebracht. Wiener Produktenbörse. Der Markt verlief gestern obne jede Anregung. Die Zurückhaltung war allgemein. Die Mühlen äußerten keine Kauflust, da der Mehlabsatz sehr schlecht ist. Ungarisches Mehl wurde in gerinnen Quantitäten verkauft. Mais, Weizen und Roggen tendierten flau. Trotz Kursabbröckelung konnte die Kauflust nicht a n g e regt werden. Es notierten inklusive der Warenumsatzsteuer ex Zoll pro 100 Kilogramm: Wetzen: Inländischer 40.— bis 40.50^ Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 43.- b»S 46.—, Ungarischer 41.— bis 44.—, Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis Jugollavischer 77/78 Kilogramm bis----- f °« Inländischer Marchfelder 27.- bis 27.50, Pester 25.25 bis 25.75. Gerste: Brauware inländische bis 3b.—. böhmische mährische —bis —. Mai S: slawischer 2025 bis 21.25.. Einquantin neu 31.— bis 33.- Hafer: Inländischer 27.50 bis 28.50. Reis: Italienischer 78.— bis 80—. Burma 62.— bis 63.—. Mahlprodukte: Grieß inländischer 80.— bis 81.—. Weizenmehl 0 inländisches 76.— bis 78.—, Kochmehl 2 inländisches 66.— bis 68.—. ie« r Soden 31. r- Iugo- Me Devisenkurse. Zürich, 6. Marz. lDevtsenliwe von 12 Uhr:) Bvüin i 128.70 i 123.70 k Holland 208.25 ' 20810;, New-Aork 519.62 7519.50). London 25.24V* (25.24 »/<,. Paris 19 82 (19288/*>, Mailand 20.64*/. (20.82'/,), Brüste! 29.60 (23.60,, jtovenhagen 134.70 (134.65/, Stockholm 139.30 : 139.30/, Oslo; 110 50 110.60, Madrid 73.25 (73.30/, Buenos Aires 209.69 209 50). Prag 15.9850 (15.38'/.), Budaveb 0007270 (0.0072761/.), Bukarest 2.22 (2.26V*), Belgrad 9.14 (9.16-, Sofia 3.73'/. '3.75), Warschau —(—.—), Wierr 73.20 ( 73.20) mr' 100 Schilling. Copyright 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, Berlin. Mn Glaubensmartyrium. 68 Roman von Schalom Asch. ,/Die verfluchte Jüdin! Sie hat uns betrogen!" riefen die Bauern, echobeu sich und liefen mit geballten Fausten auf Dwoira zu. Allein Jerem stand schon schußbereit neben ihr. Er hielt ihren ivankenden Körper, von dem Blutstropfen ins Feuer herunterfielen, in seinen Armen. „Warum hast du das getan, schone Jüdin? Ich habe dich doch so geliebt, stammelte er. „Verzech' mir, Jerem, verzeih' mir. Ich danke dir, daß du mich zu ihm geschickt hast. Ich wußte, daß du mich zu ihm schicken würdest. Dü. bst gut, Jerem." „In meine AryleEs ist mein Kind!" schrie d>e Amme, die herbeigelauferi kam, und riß Dwoira in ihre Arm:. Twoira erblickte das bestirnte SchWin. Schloime reich,« ihr die Hand nnd half ihr 'einsteigen. , „Bleib gesund, Niania", stammelte sie. „Fahre Wahl, mein Kmd", antwortete ihr die Amme auf Jiddisch. ‘ , Ulch als wollte Dwoira allein sein, rückte sie von Jerem ab und wandte sich auch von Maruscha fort. Sie legte ihr Gesicht ins Gras nich die herumstehenden Bailern vemahmen von ihren Lippen denselben Spruch, den sie so oft in jenen Tagen von dm Juden gchört hatten: ,/Schmäh Jisrael, unser Gott ist der einzige ©ott!" Und sie verstummte. N. Hoffnung. Auf >dem Jahrmarkt von Lublin versanunelte sich der Waad der vier Länder. Er hatte diesmal eine große Ausgabe zu lösen. Aus der ganzen Ukraine hatte sich eine große Anzahl Juden in Lublin versammelt. Es kamen Eltern, uln ihre Kinder zn dialektischer Manier, stlldieren lassen. Alleiri Schloime sehirre sich zu sehr nach den Seinigen in ^olen, Da mtzui ihn ein suchen, die von den Kosaken geraubt worden waren; es kamen viele verlassene Frauen, die aber nicht bestimmt wußten, ob sie verlassen oder Witwen Ivaren... Es kamen Männer, deren Frauen von den Tataren weggeführt waren, elternlosle Waisen und Juden, deren Genieinden vernichtet waren und die sich nun ziellos im Lande umhertrieben. Die Stadt war voller Flüchtlinge. Viele fanden ihre Angehörigen, die sie schon lange iot glaubten, wieder. Eltern erkannten ihre Kinder, Männer ihre Frauen, Brüder ihre Schwestern. Der Waad bemühte sich, das jüdische Leben wiederherzustellen und die jüdischen Faniilien wieder zusammenzubringen, die Kosaken und Tataren auseinandergerissen hatten. Es wurde ein Befehl erlassen des Inhalts, daß alle Juden nach ihren zerstörten Städten znrückkchren und ihre Gemeinden wieder aufbauen sollten, da 'der polnische König mit seinem Heer die. Kosaken nach Rußland vertrieben habe. Chmelnitzki -var aber von den Tataren gefangen genommen worden. Der Waad belegre die Reichen mit einer besonderen Steuer zugunsten der Gefangenen und sandte die gesammelten Beträge nach der Türkei, um die Gefangenen auszulösen. Ferner gab er den Männern die Erlaubnis, ihre Frauen, die von den Kosaken gefangen genommen tvaren, zurückzuholen — um der Kinder willen. Und schließlich nahm er in den Schoß des Judentums jene wieder auf, die von den Kosaken gewaltsam gezjlvWgen worden waren, den fremden Glauben anzune^nen.... Unter den Flüchtlingen befand sich auch Schloiniele. Er (war mit anderen Gefangenen, die die Tataren auf den Sklavenmarkt von Konstantinopel geschleppt, von den türkischen Juden ausgelöst worden. Die iürkischen Juden erfuhren aber, daß Schloimele ein Schüler der berühmten Jeschi bah von Lublin war und wollten ihn in der Türkei behalten. Sie wollten eine Jeschibah gründen und den Talmud nach polnischer Art, in jüdischer Kaufmann aus Saloniki mit auf sein Schiff, das mit Ware beladen nach Neapel ging. In Italien aber wollte man Schloimele wieder zurückhalten, damit er mit jungen Leuten den Talmud nach der polnischen Methode studiere, allein Schloimele wollte durchaus nach Polen. Da gaben ihm die italienischen Rabbiner, von denen manche mit ihn» zusammen in der Lnbliuer Jeschibah studierl hatten, Kleider und Geld urch schicktm ihn nach Deutschland. Lange Ewanderte Schloimele in Deutschland umher. Hiererfuhr er die traurige Nachricht von der Metzelei, d:e die- Kosaken an den Juden von Tultschin, von Bar und von anderen Städtchen verübt hatten. Dann kam er nach Polen und eilte nach dem Jahrmarkt von Lublin, in der Hoffnung, dort irgend eine Nachricht von seinen Angehörigen zu erhalten. In Lublin traf er Flüchtlinge aus Tultschm, Bar und anderen Städten. Er erfuhr dort den Tod seiner Eltern,^ die zusammen mit anderen Juden von Tultschin um des heiligen Glaubens willen den Märtyrertod erlitten halten. Aber nienmnd konnte ihm sagen, was aus Twoira geworden war. Und ebensowenig konnte er Nachricht über den Verbleib der alten christlichen Magd erhalten. Allein Schloime wußte es stl'bst. Er wußte, daß Twoira in Heiligkeit und Reinheit in den Himmel aufgestiegen war. Sie war dort oben im Himmel und Zvartete auf ihn... Er ergab sich nicht der Trauer. Aber große Sehnsucht nach ihr und nach der Vereinigung mit ihr erfaßte ihn... Er ging auf dem Jahrmarkt von Lublin zwischen den Flüchtlingen und den verlassenen Frauen, den Witwen und den Waisen einher. Er hörte das Stöhnen der Juden, das über dem Jahrmarkt schwebte. Und er vertiefte sich in Gedanken über das Vorgofallene. Er wollte den Sinn des Unglücks begreifen. Mein, soviel er auch nachdachte, den Sinn fand er nicht, er begriff nichts und verfiel in tiefe Trauer. Sein Herz zerbrach, denn bekanntlich ist es nur ein Schritt vom Ztveifcl zur Trauer... So ging er eines Tages durch eine enge Gasse von Lublin, in der sich die Läden befanden, und sah einen Greis vor einem leeren Kämmerlein stehen und Käufer heranlocken. Schloimele verwunderte sich sehr, denn das Kämmerlein war leer und keine Ware -var zum Verkauf da. Er trat ei» und fragte den Greis: „Was vepkaust Ihr da? Euer Men sst doch leer und Ihr habt gar keine Ware da!" Da antwortete ihm der Greis: ,^Jch verkaufe Hoffnung." . Schloimele blickte den Alten an. Und er kam ihm bokaant vor, als hätte er ihn schon irgendwo gesehen... Schluß.)