Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2528 (7.3.1926)
- Date
- 1926-03-07
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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■©raris $5T*tt, SvttiWF 6cm langen Theaterzettel. Es war eben ein meisterhafter Abend, bat Abend, an dem die Meister ihre Laune spielten und die Laune, Von einem Meister geschaffen, leichtbeschwingt, aber ihrer würdig War. Dos BuWirm wußte und wild cs zu ehren wissen. Leopold Thaler. „Me verbotene Fra" " (Carl-Theater.) -Das Carl-Theater hätte in ein Kino verwandelt werden sccklen — um einem dringenden Bedürsnis abzuhelfen. In letzter Stunde aber wurde es „gerettet" und eine neue Operette erblickte das Rampenlicht, die einen solchen Premierenerfolg hatte, daß die geplante Metamorphose gewiß unterbleiben tvird. Das Libretto: Es handelt sich um eine junge Dame, die ihren Bräutigam auf die Probe stellen will und daher durch ihn als Stellvertreter ihren Onkel heiratet, der Gouverneur in Indien ist. Während der Dauer dieser Scheinehe erprobt sie seine Liebe. Im letzten Akt stellt sich nach allerlei Operettenkonflikten heraus, daß der angebliche Onkel der Vater der jungen Dame ist und der junge Stellvertreter daher der richtige Ehemann. Dieses etwas verwirrende Libretto bietet aber eine Menge von erheiternden Situationen, zumal Fritz Werner als gewandter „Allerweltsonkel" mit bewährter Routine alles zum Guten und Heiteren wendet. Die Musik von Max W a l l n e r hält geschickt die Mitte zwischen alt und neu, 50 Prozent Shimmy, 50 Prozent Walzer, eine Musik, die es sich mit niemand verderben will und wird. Dem Viervierteltakt: „Du hast so schlanke Beine" und dem amüsanten Lied (Text von Benatzky) „Süß ist die Liebe" kann eine längere Nachtlokalexistenz vorausgesagt werden. Die Heldin, Dely Drexler, eine „vollschlanke Blondine", wie sie in der Annonce steht, das bewegliche und groteske Paar der Nebenhandlung. Mimi VeselY (eine Miniatur-Kartousch) und Willy Forst, der gelenkige Tänzer, der „schwergeprüfte" Viktor Norbert mit dem unbeschwerten Tenor, Robert Balberg, elegant wie immer, und endlich die „Unruhe" im Getriebe, Werner, konnten unter Blumenlawinen wieder mrd imnrer wieder mit Premierenbescheidenheit auf die Autoren weisen, die selig lächelnd, Tantiemenziffern murmelnd, vor der Rampe erschienen. P. E. Der Verband österreichischer Künstler und Kunstfreunde veranstaltet heute um halb 4 Uhr nachmittags im. Palais Berchtold, 9. Bez., Struolhosgaffe 10, den zweiten Te dansant mit einem Künstlerrout unter Mitwirkung von H o m u nkulus und anderen; ferner am 13. d. den dritten"Komikerrummel im Zirkus-Busch-Kino. ■ Klavierkonzerte. Der dveüzehnijähvige JtE'ms CH ajes wagte sich an die Bachsche D-moll-CHooonne in ©er Buscmischen BWrbeÄUlNig. Das LomMzierte Werk, welches an die Musikalität Erwachsener hohe Ansorderultgen stellt, wurde von dem kleinen Jungen fast restlos bewältigt. Wie aus einer Orgel vermochte er die KlongreMer zu differenzieren, seine DochnÄ ist dulrchgoachevtst, ßem Kunstverständnis über seine Jahre hinaus entwickelt. Und dabei gefällt er sich durchaus nicht in Großmannssucht, gerade die Züge kindlicher UnbehoHenhsiit in siner eigenen Klaviers cmnte bezeugen die Echt- HM seiines mnsialischen Ausdrucks. — Eine in seiner bcschsidsnen Sachl-ichke>i>t sympathische Erscheinung 'ist der Büürvnsr PiwN'iift. Bernhard Kafst wM-er die ffiulen Dtimimnwgsbilid-er von Josef Suk völlig niätzchensrei mit schwer Empfindung ' und beseelter Technik zum Bovtrage brachte. e. f. Die Mediceer und ihre Stadt Florenz. Die Führung .Mchiferstiche. der - Renaiissanae" findet heute Sonntag um 10 Uhr vormittags . in der Krmsthandlung^Wiirthle statt. f.Knpferstichcmsstellung), 1. Bezirk, Ws'hb'nragasse 11. Führung: Herr Sza s und Dr. Else Hof ma nn. Alls den Theatern. . Burs tbe ater. Morgen. 7 Uhr abends, „Peer O y u t" (Theatergemeinde Serie E). Akademie t. ö tatet Dienstag „OnkelToni" (Abonnement I. Gruppe). Lustspieltheater. Heute, Vz4 Uhr nachmittags, zum ersten Mal „F r o s ch! ö n i g" von Robert Büikner. Modernes Theater. Mittwoch findet die 50. Aufführung des erfolgreichen Schausviels „S e n i a t i o n" statt. Beginn 8 Uhr. Dieses Stück wird auch Donnerstag gegeben. Freitag ist die E r ft a u f f ü h r u n g von „D a s G ei V e u st e r l ch i s s." Die Premiere mußte wegen Dekorationsschwiertoketten auf. Freitag verschoben werden. Die für Dienstag gelösten Karten behalten für die Freitag-Premiere ihre Gültigkeit. Johann-Strauß-Theater. Freitag 150. Aufführung von. L'ehürS „Paganini.* Heute nachmittags ,DerRa ste l b i n d e r." Gerichtssaal. Liebe als Sport. Der B^irksrichter Dr. I e l I i n c 1 (Sirofbezirksgericht 1) hatte sich gestern mit einer gegen Wagenmeister der Bundesbahnen Johann Hora! wegen Verführung unterZusage der Ehe gerichteten Anklage zu befassen. Im August vorigen Jahres hatten sich beim Zentralmeldeamt eine größere Anzahl älterer Frauen nach der Adresse eines gewissen Hans Nowak, Oberrevidenten bei den Bundesbahnen erkundigt. Die Nachfragenden hatten ihn als einen sehr feschen 40jährigen Mann von schlanker Statur geschildert und erzählt, daß er sich als Heiratskandidat vorgestellt habe, daß er nicht nach Geld gefragt, sondern sich bloß sehr eifrig um die Liebe der Mädchen beworben habe. Der Beamte des Zentralmeldeamtes mußte den Nachfragenden den Bescheid geben, daß ein Ooerrevident Hans Nowak nicht gemeldet sei, und verwies die Damen auf den polizeilichen Weg, da es sich hier offenbar um einen Heiratsschwindler handle, der hie Liebe als Sport betreibe. Mehrere Damen erstatteten auch gegen den angeblichen Oberrevidenten Nowak die polizeiliche Anzeige, darunter auch die Svjohrige ledige Private Marie H. Nach den Erhebungen der Polizei wurde seine Identität mit dem Wagensmtzer Johann Horak jestgchellt. _Wiener Msrnenzeifimq_ In der gestrigen Verhandlung stellte der Angeklagte, der 53 Jahre alt und seit vielen Jahren verheiratet ist, entschieden in Abrede, irgend ein Mädchen verführt zu haben und mit dem angeblichen Verführer, dem Oberrevidenten Nowak, identisch zu sein. Der Angeklagte gab an, daß er allerdings für seinen Schwager eine Heiratsannonce aufgegeben mrd für diesen auch an heiratslustige Damen mehrere Briefe > geschrieben habe, daß er selbst aber mit keinem Mädchen in Korrespondenz getreten sei und daß er insbesondere die als Kronzeugin erschienene Marie H. nicht kenne. Letztere gab als Zeugin au, daß sie anfangs Juli im „Erzähler" eine Heiratsannonce habe erscheinen lassen, daß sie aus die Annonce einen Brief von einem Herrn bekam, der sich als Qberrevident Hans Nowak bezeichnete und im Briefe mitteilte, daß er auf Geld nicht reflektiere, da er selbst ein sehr schönes Einkommen habe, viele Millionen Bargeld besitze und nur eine solide Frau suche. Auf diesen Brief habe die Zeugin dem angeblichen Oberrevidenten schriftlich die Berhältniffe genau geschildert und betont, daß sie Ende der Vierziger sei, keinerlei Vermögen besitze und für ein bloßes Spiel der Liebe nicht zu haben sei. Trotz dieses ihres Briefes sei dann der angebliche Obcrrevident — es war dies bestimmt der Angeklagte — in ihrer Wohnung erschienen und habe ihr auf den ersten Blick gesagt, daß sie für ihn die richtige Frau sei. Auf ihre Eimvendung, daß sie schon ziemlich alt urrd ganz vermögenslos sei, habe der Herr Oberrevident erwidert: „Nur Sie werden meine Frau! Sie sind reich, weil Sie gesund sind. Ich brauche kein Geld, ich brauche nur eine Frau, die mir gefällt, und Sie sind diese Frau!" Am nächsten Abend sei dann der Herr Oberrevident in ihrer Wohnung erschienen, habe den Heiratsantrag wiederholt, und es sei zwischen ihnen die Verlobung in der Form gefeiert worden, daß sie sich den V e r l o b u n g s k u ß gaben und sie ein allerdings bescheidenes Berlobungsmahl rasch herrichtete. Nach der Verlobung sei der Herr Oberrevident die ganze Nacht in ihrer Wohnung geblieben und sie habe unter der wiederholten Zusicherung einer baldigen Heirat seineu Liebesanträgen Folge geleistet. Am nächsten Tage früh habe sich der Herr Oberrevident zärtlich von ihr verabschiedet, habe für den nächsten Tag seinen Besuch wieder angcmeldet, sei jedoch nie wieder erschienen. Auf die Frage des Richters, ob sie die ganze Sache ernst genommen habe, erwiderte die Zeugin: „Als der Herr Oberrevident bei mir in voller Uniform erschien mrd mir wiederholt einen Heiratsantrag machte, habe ich die Sache wohl ernst genommen. Ich habe gedacht, daß ich vielleicht doch e i nmalim Leben Glück habe und daß es mir vergönnt sein wird, ein eigenes Heim zu gründen. Leider, Herr Richter, war es wieder nur ein Traum. Wenn ich heute über die Sache nachdenke, dann mutz ich allerdings darüber lachen." Auf die Frage des Richters, ob sie Ersatzansprüche an den Angeklagten stelle, erwiderte die Zeugin: „Was soll ich denn verlangen? Geld hat er von mir nicht beansprucht. Ich will nur, daß ihm das Handwerk gelegt wird und daß er vom Gericht belehrt wird, daß es nicht angeht, mit der Liebe einen Sport zu betreiben und sich alternde Mädchen dazu auszusucheu." Der Angeklagte blieb dabei, daß er der Zeugin nie geschrieben und sie nie gesehen habe. Aus Grund von Schriftproben wurde jedoch die Identität einwandfrei festgestellt. Der Richter konstatierte aus den Akten, daß bei der Polizei > noch weiter ähnliche Anzeigen gegen den Angeklagten von Mädchen eingelaufen sind. Der Beschuldigte wurde wegen Verführung unter Zusage der Ehe zu 14 Tagen st r e n g e n A r r e st s verurteilt. Der Richter lvar zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Angeklagte zweifellos mit jenem Mann identisch ist, der sich der Marie H. und anderen Mädchen als Oberrevident Nowak vorgestellt habe. Es liege auch objektiv die Verführung unter Zusage der Ehe vor, denn cs sei glaubhaft, daß die Marie H., die bereits 50 Jahre alt ist, sich nur unter Zusage der Ehe vom Angeklagten habe betören lassen. Lokalangenschein in der Germamamolkerei. Gestern wurde über Gerichtsbeschluß in der Germania m oll^etev 14. BeMlk. HolochcDgasse 39. ein Lokalaugenschein vorgeniommon. Der Angeklagte Dimtmt Brunn-, m ü l 1 e r führte die GerichtskommMon. Morgen tvorden die Plaiboyers gehalten werden. Die Urteils verkündig » n g wird erst D i e n sta g ersoilgen. Skandal im Gerichtssaal. Bor dem Schwurgerichte hatte sich gestern der Kutscher R>l.idoiff Pose kan h avegen Totschil-aiizes zu verantworten. Er hat im Voviigen Jahre bei einem Streit in Moilblinig den Jakob Schmied durch -eiinen Schuß in die HorMigend schwer verhetzt und dadurch dessen Tod horbsMlsühr-t. Mrs Grund des Wcchrspvuches der Geschworwen verurtoitte ihn der Gerichtshof bei Anwendung dos äußerordentlichen MWdevr.ngsrechtes zu drei Jahren schweren Kerkers. Die Verkündigung «des Urteils lost« im Gerichtssaal einen großen Skandal ans. Der Vernvw'ilste wurde von «inor ivahven Bersorkerwut ersaßt, begann nm sich ffu schlagen und zu toben und schrie: „Ich bin unschuldig Vevurlollt worden, zchne haben mich überfallen, ich hüb' mich um mein Leben wehren müssen." Die Schwester des Berurte>i>ilten, einte Weine, verwachsene Person» schrie mr Diskant dazu: „Pfui Teufel, Ihr wollt ein Gericht sein! Geiwitz, <mm\ einer Geld hat, kriegt er drei Wochen bedlmgt. Ihr werbt's ka Glück halben, Ihr Gauner!" Die Geliebte Pose kan Hs, die ihr drei Wochen altes Kind zur Verhandlung nvibgebracht halte. s>mg an zu loben. Sie warf den Sänglüug auf eine Bank, begann das arme Wesen beim WickeWand zn Hendeln und rief: „Jetzt bring ich dich um. Die KtndeSmörderinnen werden alle frei gesprochen. Die Pülcher wissen nicht, was hungern heißt." Der Unvfaug des Skandals nahnr derartige Formen an, daß die Auffichtslbeamden nur tmter den größten Anftrenigungen Tä'Kichkoilten verhindern konnten. Da man für die Sichechrit der Geschwornen BeisongniiS hdgtq, dvÄchen dich durch «ue dB Geruch tSgchäude. _^ 1SS6 _ Nr. 2888 . Lollswirt. rer Krach ka Rew-Sork. Von einem amerikanischen Fimmzfachmann. Während Europa die schwerste Krise durchmachte, hat die Hausse in Amerika fast das ganze Jahr lang ununterbrochen angebouert. Zu Märzbeginn ist endlich eine Wendung eingetreten, dir zumlich a.otze Verheerungen angerichtet hat. Das Kursniveau ist '.r einzclnei' Prpreren auf 30 bis 50 Prozent gesunken. Das Warenanbot war mehr als drängend. Die Verlmrse vollzogen sich unter allen Anzeichen der Hysterie, die bei solchen Zusammenbrü.heil nicht ausbleiben. Bis heute ist es noch nicht klar, welches themlidj btt Ursachen dieses rapiden Kurssturzes sind. Es ist wchl richtig, daß did Kontermine stärker vorgestoßen und die Gelegenheit für ihre Aktionen als günstig angesehen hat. Diese Baiffespelulaiwu hatte aber schon im Vorjahre mshmrals Vorstöße versucht, nm das KurSgebäwde der New-Aorker Börse zn erschüttern. Es sei mit an die Vorstöße im Sontmer und Herbst des Vorjahres gedacht. Diese halten ober kei>nen Erfolg, weil damals die Lage der amerikMischen Börsen für solche Mionen noch nicht reif war. Das Publikum, das sich irr gwßen Massen am Borsenspiel beteiligte, hatte damals wie ein Puffer diese Vorstöße ansgenommeu und sie pavalüsicrt. Beim dies aber jetzt nicht der Fall gewcftir isjs, und sich die Kontermine restlos ansleiben konnte, so liegt dies w der -eyigcn Reife der amerikanischen Verhältnisse für eine solche Aktion. Die ungcheure Geldznsnhr, die als Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege sich über Amerika ergoß ünb eine übermäßige Aibundanz erzeugte, hat ähnliche ungünstige Jnslatlonserschemungeu an der Börse hervorgerusen, wie es seinerzeit in Wien der Fall tvar. Tatsächlich hat die Metallinfla-> tion Amerikas ebenso zu Ausartungen an der Börse geführt wie die P ap i er ins 1 ati on in Oesterreich. Die Kurse stiegen rapid. D?e weitesten Schichten des Publikums be-- leil.gten sich an dem Geschäfte. Warenmangel trat ein, dem die einzelnen Banken und Institute dadurch albzuhelfen suchten, daß sie neue Emissionen aus den Markt warfen. Die Hoffnung aus weiteres Steigen veranlaßte die Spekulation zu imsner waghalsigerett Unternchmun-gen. Mit freintdem Gelbe wurde gespielt, indem der Kredit bei dieseit Spekulationen, ähnlich wie es ans den europäischen Plätzen der Fall war, allzu stark m Anspruch geiwmmen wurde. Es ist klar, daß sich cm solch künstlich aufgMühlcs Kursgebäude nicht autf die Dauer halten konnte. Der Vorstoß ging von den amerikanischen Banken aus, welche die der Börse zur Verfügung gestellten Kredite statistisch genau registrierten. Schon Mitte Februar hatten diese ein ungesundes Anwachsen dieser Gelder konstatiert. Damals wurde den Stockbwokern nahgelegt, ihre Positimreu glattzustellen. Dies bewirkte ein stärkeres Warenangebot, das aber nicht lange anhieli. Die Warnung der Banken Haff aber nicht. Zu Febmarende hatten die Börsenkredite wieder dieselbe Hohe wie vor ihrer Mion erlangt. Der Taggekdsatz-war auf fünfeinhalb Prozent gestiegen, das sind anderthalb Prozent über der Bcmkrate. Dazu kamen die großen Kursrückgänge auf den amerikanischen Wareumärkteu. Die BauMvollsarmer überschütteten den Markt nfft ihrer Ware, da sie Geld für die FrWahrsaribeU beMigten. Die Chicagoer Getreidespvkulation engagierte sich stärker in der Baisserichtung und druckte das Niveau. . Die Hoffnungen der Gfsektenbörse ans cm Ansteigen der mnerrkanischen Konjunktur zeigten sich als übertrieben. Die amerikanischen Wirtschaftskreise scheu ein, daß auch sic sich in eine Defeusivstelluug begeben müssen, wenn sie nicht ebenfalls Krisenerscheinungen in ihrer Wirtschaft durchmachen wollen. Infolge der KredMündignngen sah sich das PuMum ge« nötigt, feine Positionen zu lösen. Der ins Rollen ^gekommene Stein schwoll allmählich zur Lawlne an. Die Abgaben, verstärkten sich. Berkänse von vier Atillionen Aktien an einem Tage sind Ereignisse, die als sehr beängstigendes Shutptont angesehen werden. Die Kontermine verstärkte die Abgaibslüst. Die Folge davon war: dar Zusammenbruch des spcku la t lve-n Knrsniv eaus. Die Kontevnt-i-ne scheint nunmchr ihre vorläufig für beendet zu scheu um bläst forciert gum Rückzug. Ihre Deckungskäufe haben den Kursen einen gewissen Halt verlichen. Die New- Yorker Börse hat sich nunmchr beruhigt. Die/nächste ZeA wird ' zeigen, ob cs sich um eine dauernde Ruhe oder nur um eine -Atempause der Kontermine handÄt. Die Ereignisse an der Rew-Dorker Börse verdienen kn mchr als einer Hinsicht Beachtung. Daß ans die Jnflationshausse eine Jnflotronspanlk eingetreten war, die ebenfalls in vieler Hinsicht Aehnlichkeit mit der Wiener Jnflationspanik vor Mi Jahren hat, ist von keiner so weittragenden Bedeutung. Biel mchr Ausmerffamkeit verdient der Umstand, daß London nnd Berlin ans diese Pan'ckerscheinnngen New-Dorks fast gar nicht reagieren. Dies nicht etwa deshalb, weil sie die New-Aorker Börsenerscheinungen allzu gering achten, sondern viÄmchr aus dem einfachen Grunde, weil die Beziehungen zwischen New-Iov! und Lotckon lange nicht mehr so i'ntim sind als vor dem Kriege. In den Jahren 1912 und 1913 achteten London und Berlin sehr genau auf jede Regung New-Aovks. Die Meldungen des Nöw- Jorker Börsenbeginnes beeinflußten sehr wesentlich diese beiden Börsen. Heute ist dies nicht der Fall. Infolge der Geldabundantz Amerikas hat sich dort eine individuelle Börsenbewegung enttvickelt, die ohne jede Bezichung zur Gestaltung der anderen maßgebenden Plätze stand. In dem Gefühle seiner überragenden Kapitalsmacht hat sich New-Aork um die Entwicklung der übrigen Börsen nicht gekümmert. Darin lag ein ungesunder Kern, der allem Anscheine nach jetzt stärker anszureüfen beginnt. Es beginuW sich ackncchlich auch in?lmerÄ!a die Zeichen einer « m #