Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2528 (7.3.1926)
- Date
- 1926-03-07
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Scmnkay Wsemr MoraenzekLnttq m* n , Ar WW 7. Mar; 1936 I.60j)ol6l6lIiN6l< OuMis^cftuIiS 5©ff 4 Jahrsehnfen Vlburggasse 5 Seteine, BortrSge und Versammlungen. Akademischer Landesverband, Morgen, außerordentliche Generoloersammlung im zionistischen Bureau, 1. Bez., Kärntnerstraße 28. — Zionisttlche Jugendgruppe Leopold st ad t. 2. Bez., ZirkuSgasse 33. Heute, 9 Uhr vormittags, Zusammenkunft zwecks Nationalfondsarbeit. */,8 Uhr abends Heimabend. An allen Tagen der Woche ab 7 Uhr abends Kurse. Mittwoch, 8 Uhr abends, Plenarversammlung mit einleitendem Referate des Herrn Leo S e nd r o v i c z über: „Die Krise im Zionismus und die jüdische Jugend." — ZtonistischeBezirkSsektionLeop o l d st a d t. Morgen, 8 Uhr abends, im SektionShetm. 2. Bez.; Zirkusgasse 39, Vortrag deS Gemeinderates Dr. Leopold Plaschkes über: „Das Budget der KultuSgemeinde." — Wiener Bety-H amtdrasch, 2. Bez., Ferdtnandsiraße 23. Heute, 5 Uhr. Lektor Dr. S Gelbhaus r „Stfre." 6 »Ihr, Lektor Dr. S. Rubinr „Mtdrach, nach den Quellen erläutert und interpretiert" Morgen, 7 Ubr Lektor Dr. S. Rubin: „Talmud." — M a i m o n t d e 8 - I n st i t u t. 3 Bez., Hetzgasse 40. Morgen, 6 bis 7 Uhr. Rabbiner Dr. A. Kaminkar „Das Buch Hiob." 7 bis 8 Uhr, „More Nebuch'm" über: „Prophetie." — Zionistische Sektion Vl/VIU., 8. Bez., Bennovlatz 1 a. Dienstag, 8 Uhr abends, Vortrag Univ -Prof Dr Heinrich G l ü ck über: „Die Knnstdenkmäler Palästinas und Jerusalems" (mit Lichtbildern). — Zionistische Bezirk s > e k t i o n A l s e r g r u n d Morgen, 8 Uhr abends, im Casä Metropol. 9. Bez.. Berggasse 33, Bortrag des Herrn Bezirksrat Dr. Georg Weiner über das Themar „Eine Wiener jüdische Zeitung ans dem Jahre 1860." Heute, 3 Uhr nachmittags, im Cafs Edison, 9. Bez, Alserstraße 9. Jugend- Purimfeier für die jüdischen Kinder Wiens, ansgeführt vom Bunde jüdischer Jnngendwanderer. Gäste herzlich willkommen. — Zionistische Sektion Zwischenbrücken, 20. Bez., Lehstraße 81. Heute, 6 Uhr abends, ordentliche Generalversammlung. Leopold st ädterVolksheim, 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr im Festsaal: Erzählungen und Lieder von Anzengruber und Rosegger. Au-ffiibrende: Kart Anzengruber (Vorlesung), Anna Anzengruber (Gelang), Dr. Ernst Fischer (Klavier). Karten bis 1.— S E . Die zionistische Sektion Prater gratulier: der Saiteim ihres Kindergartens. Frl. Rachel Grau, zu . ihrer Vermählung mit Herrn Artur Groß. E Die zionistische Sektion Prater gratuliert .ihrem Sekretär, Gg Herrn MoseS Rubin zu seiner Vermählung mit Frl. Blima B i r o n. E Eine Nacht im Orient. Unter dieser Devise veranstaltet der Turnverein Makkabi XIX am 9. d. eine Nedoute im Hotel „Zum Auge Gottes", 9. Bez., Nußdorferstraße. Kapelle Geiger. Karten zu 3.— und 4.— S. im Vorverkauf Cafs Döblingerhof, 19. Bezirk, Billrothstraße 49, R. Schwarz & Sohn, 19. Bez., Hauptstraße 44. , Berichtigung. Es ist unwahr, baß die neuesten Modelle in Herren- und Damenschichen nur in der Stadt zu haben wären, wahr ist vielmehr, daß Sie auch im Schuihhaus Dorn, 2. Bez., Tadovstraße 8 a, zu Okkaswnsprvisen Schuhe bekommen. Jumperkleider — die große Mode. Fürs Frühjahr bosoryt die elegante Dame ihre Garderobe im renommierten Atelter Klara Flandrak, 1. Be;., Jasom ir go t ist ratze 5-15 (List). Aparte Modelle aus Kasha, Crepella, Popeline. Maroeaine in schicker, vorrtehmer .Ausführung zu sehr billigen Preisen. Ein erstklassiges Fabrikat. Es ist bereits allgemein bekannt ttttb wird sowohl von der Kaufmannschaft als auch vom konsumierenden Publikum anerkannt daß die renommierten „Les"- Strümpfe zu den vorzüglichsten Erzeugnissen der Strnnrpswarenfabrikation zählen. Der großen Nachfrage wegen mutzte auch in Wien eine eigene Vertrivbsstelle errichtet werden. ,^)es"-2trümpfe sind aus einem erstklassigen, vierfach gedrehten amerikanischen Seidenflorgarn hergestellt, daher unveriumstlich, elegant und trotz der Pvimagualität staunend billig. Man verlangt bereits üiberall nur „Ses"-Strünlpfe. Zentralvertridb: Leo Sußmann, Wien, 1. Bez., Schwertgasse 2. E 159 Stück Bettvorleger billiger zu haben. Velour 50 mal 100 je statt 23 Schilling nur 13 Schilling 50 Groschen. Ocendi. 1. Be;., Fleischmavkt 1. Wir empfehlen den nach Wien kommenden Auslands!efern unseres Blattes, im Hotel National, 2/ Bez., Tabovstraße 18, Quartier zu nehmen. Erstklassiges EtMissement. MäßSge Preise. Cafe und Restaurant im Hause. „Hilf dir selbst!" Die Aktion „Hilf dir selbst!" bietet Frauen und Mädchen sowie abgebanten Angestellten vie Möglichheit guten Fortkommens durch Kurse über Herstellung und Modernisiemag von Kleidern, Hüten und Wäsche sowie Lehrrurse über Schönheitspflege. Anfertigung von Handarbeiten für Haus und Beruf. Tages- und Abendkurje. E Pnrimrummel. Der Turnverein Makkabi 9 veranstaltet heute Somuag den 7. d., halb 8 Uhr abends, in den Räumen der Kimstlelspiele Pan. 1. Bez., Riemergasse 11. einen Pnrimrummel mit anschließendem Tanz. Radioprogvamm. Heute Somitag den 7. März. 10 Uhr 80 Min.: Orgelvortmg. Louis Dito. Fuchs r Phantasie L-Dur; Bosst: AUegretto ^8>Dnr. — 11 Uhr r „Musik aus Oesterreich." Orchesterkonzert des Wiener Symphonieorchesters. Mitw rkend: StaatSoveriliängeUn Rosette Anday. Einleitender Vortrag: Dr. Elsa. B enenfeld. Haydn: Symphonie (l.e midi): Mozart r Adagio und Allegro aus dem Divertimento für Streicher und zwei Hörner; Schubert: Mtlttärmarsch; Mahler: Lied eines fahrenden Gesellen (Rosette Anday); Schreker: Intermezzo für Streichorchester; Gal r Ouvertnre zu einem Puvvemptel. — 16 Uhr: Konzert der Kapelle Jelinek. — 18 Nhr 1b Min. : Kammrnnnsikabend. Mitwirken!»: Fitzner- Quartett, Opernsängerin Grete Pohl. Musikdirektor Ast. BrandtS-Buys r Stzilianjsche Serenade: Massenet: Arie der Cimene aus der Oper ..Der Cid"; BrainnSr Immer leiser wird mein Schlummer (Grete Pobl); Mozart- Soloquartett QDur Nr. 31. — 19 Uhr 30 Min.: Einleitender Bortrag rur Oper „Margarete" (Faust) Dr. Max Graf. — 80 Uhrr .Ätargarete" lFanst). Kunst, Bühne, Buch. Hermann Struck. Dsr große Mische Radimm und Zoichnvr -ist Mtmn <6. Marz) fünfzig Jahre alt geworden. Der Meister, der ln BorÄin geboren -ist, boveiiste die ganze Welt. In den neunziger Jahren walte enc in Därtemaivk und in Holland und povdräitbsvte in Amerika bedeutende .Köpfe. Sehr reich ist auch die Galerie seiner deutschen BAd-nisse. Er poriwätierte Gechavt Hauptmcmn, Richaird. Dehmel, Louis. Covinth sowie bedoutenide Juden, wie Theodor Heatzl, Albert Einstein, Äesser Ury und Richard B. Hofsmann. Ein bilden-der Künstler von Mbernatlionabem Rufhat Stwuck insbesondere durch feine wesenhafte Darstellung jüdischer Gestallten ganz Hervorragendes geschaffen. Seine Illustrationen zu Eulenbergs Batch „BtiMdeir ans ÄitauiM nnd Weißwußland" und zu Arnoüd Zweigs ,Das ostfüdische Antlitz" haben Mlibenden Wert «nd fein Buch „Die Kmvst des Nadivrens" ist berühmt geworden. - Vor einigen Jahren hat Stvuck, bekanntlich ein Führer der gesetzeStveuen Zionisten, seinen Wohnsitz nach Palästina verlegt. Seime künstl-evische Werkstatt befindet sich am Karmel, oberhalb dar Bucht von Mko. Eine Serie herrlicher Schöpfungen, die in Paltästma enistan-den sind und welche Arnold Zweig zn einer bemerkenswerten Betrachtung über den.Jr>den als Mittelmeermenschen anrogben, haben wir jüngst an dieser Stelle angezeigt. Strucks UeberstMlUng :mch Erez Israel hafte auf seine künstlerische Entwicklung entscheidenden Einfluß. ,^Jn diesem Lande der - Farben und des werten Himmel muß man zur Palette gre'bfen", sagte er selbst. Neben dem Radierer und Zeichner kommt jetzt auch der Maker Struck zur vollem (Mimiß. Von dom ausgezeichneten Manne haben -das jüdische Volk und die Kmist noch viel zu erwarten. „Maria"' oder ..Aaf sanfte Art". (Akademietheater.) Oder: Die mütterliche Lebensgefährtin. Die Frau sieht ihren Gatten, einen bildenden Künstler gesetzten Alters, in Liebesnöten. Er ist in ein frisches, junges Mädchen verschossen; das Mädchen ist. für ihn entbrannt, läßt ihn nicht los und — läßt ihn nicht zu. Weil der Geliebte-verheiratet ist. Die Gattin aber leistet allen erdenklichen Vorschub. Sie kuppelt geraden. Aus Sorge um die Ruhe, das Wohlbefinden, die Arbeitslnst ihres Mannes. „Verliebte" sagt sie ungefähr; „sind zwei. Wir aber, du und ich, find eins. Ich wohne in dir, deine Not ist die meine." Es ist die Mütterlichkeit des Weibes, die sie veranlaßt, die beiden tatsächlich zusammenzuführen. Die kluge Mütterlichkeit, die sehr wohl berechnet hat, daß die Sache rasch ein Ende nehmen wird, wenn sie nur einmal tatsächlich „begonnen" hat. . - ■ —. Claude-Roger Max — der Autor dieser Komödie — ist ein Dichter. Unter der angenehm humorvollen, glatten Oberfläche des Spieles wird ein gar feines, weit verästeltes Geäder sichtbar. Als der Backfisch Klotilde ins Atelier kam und sich Knall und Fall in den berühmten Bildhauer verliebte, ahnte sie nicht, daß Philippe verheiratet und Vater eines Schuljungen ist. Da sie es erfährt, geht ein wahrer Hexensabbat widerstreitender Gefühle los, wie sie eben frische unverderbte, rassige Jugend weiblichen Geschlechtes bunt und heiß im Busen trägt: Verlangen und Keuschheit, Hochachtung vor der Ehe und Eifersucht gegen die ihr unbekannte Gattin des Geliebten,, hoher Sittlichkeitsbegriff und arge Grausamkett, Selbstsucht und Sorge um das Schicksal der „Nebenbuhlerin" stehen gegeneinander auf. Der Mldhauer ist eigentlich bloß der Betroffene. (Es fft eine der köstlichsten Facetten der Komödie, wie der Graukopf doch nur das Spielzeug wird zwischen Hellem, militantem Mädchentum und klarer, einsichttger Weiblichkeit.) Der Verliebte hat alle Möglichkeiten erwogen: Scheidung zwecks Ehe mit Klotilde, einverständliches Dreieck, endgültiger Bruch mit der Geliebten. Auf keine dieser Eventualitäten geht das Mädchen ein. Klotilde bleibt und hält Philippe in respettvoller Entfernung. ,^Jch bin bei Ihnen unter dem Schutze unserer Liebe",, stellt sie fest und bringt chn zur Verzweiflung. Die mütterliche Gattin aber sagt sich: „Das darf nicht so weitergehen!" Als hätte sie durch die Atelierwände mit angehört, wie Philippe dem Backfisch gestand: „Wenn du nicht da bist, mache ich mit dir doch, was ich will ..." In einer Anssprache mit dem Mädchen, sagt sie ihr auf den Kopf zu, was sie will, nämlich, daß die beiden endlich über die ungesunden Präludien der Liebe hinauskommen. Da ist nun das junge Geschöpf tief verletzt. Am Ende tvaren die beiden Ehegatten in schmutzigem Einverständnis! besorgt sie und räumt das Feld. Die gute Marie wußte natürlich, daß sie nur tat, wozu ihrem Manne die Kraft fehlte. Er atmet auf. Die Affäre ist erledigt. * Zwei bemerkenswerte Frauengestallen sind in dieser Aufführung des Burgtheaters außerordentlich dargestellt. Hilde Wagener in der Rolle der Klotilde ist entzückend und rührend. Die Gestalt des jungen Mädchens, die sie schafft, ist von Poesie umflossen. Man lacht oft und herzlich. Und schämt sich hinterher. Denn dieses pudelnärrisch verliebte, rassige, verlangende, bekünimerte Geschöpf leidet, hat sein großes, schmerzliech Erlebnis. Wundervoll auch Maria Mayer als Ehegattin Marie. Poll Charme und mit überlegenem Begreifen spinnt sie die Fäden des Spieles. Eine Frau von Gott-' fried Kellerschem Fornrat. Den Bildhauer spielt Otto Treßler. Ein wenig zu jungenhaft, zu sehr auf Komödienwirkung bedacht. Man müßte doch sehen, daß hier ein Mann von Bedeutung zum inaktiven Liebesobjekt wird. Das Liebesobjekt sieht mau, den Mann von Bedeutung erkennt man nicht. Ausgezeichnet auch Albert Heine in einer Episyde. Nur bmfc w.tf: Episode — Bericht eines Detektivs, den di« Ehegattm iu ihre Dienste gestellt hat — die Schwäche des samojeg , Stückes ist. (Wozu sie ihn spionieren laßt und was sie darntt fc* I zweckt, ist nicht recht zu erkennen.) Gleichwohl eine bedeutende Novität. In diesem Spiel der Liebe wird der Autor dft bis zur Derbheit sachlich. Er darf es sich gestatten, denn in der fröhlichen Komödienhülle ist ein sehr , ernster, ja tragischer Kern verborgen und des Dichters Sachlichkeit ist in diesem Falle nicht frivole Entblößung, sondern nackte Wahrheit. Es war ein starker, verdienter Erfolg des Stückes und der Darstellung, ein stürmischer der Hilde Wagener. OttoAbeles. „Aller and nichts" oder „Ter Traum von Schale and Kern". (Theater in der Josifftadt.) Nestroy, den Clown-Philosophen, aufsusrischen, war an sich schon ein glücklicher Einsall. In der Groteske, als der Karikatar des Ewigen, als der Reduzierung des inrmer wiedrrkchrenden Ernstes aus das zufällige, einmalige Lächerliche rücken alle Zeiten näher, der Kenr der Dinge ist hier befreit von jeder Schale der Zeit (erste freie Deutung des Titels) und darum wird alles Zeitbedingte mrr Symbol und das Symbolisierte auch nicht ernst genommen. Daher die Bermifchnn-g der verschiedenen Kunstölemente in der Groteske, des Tragischen mit dem Komischen, des Idyllischen mit dem. Symbolischen und Draniatischen und über allem das einzig-ernste, rührende, göttliche Lächeln des Veistchens und Ver- -eihens. Die Melanchoilie des Philosophen in den Augen, der - schäumende, lallende Mund eines raisouiereuden Trinkers, dar ganze Ungetüm — Leib ■ gestützt auf verschiedene Beine: Das eine gwb bchaar: und fest austretend, das andere dünn und zitternd, das dritte verwachscil und schleppend und das viarte zierlich, in Brokatpantoffelchen tänzelnd — das ist das groteske Syntbäl der Groteske. Und so passen das Nestroysche 1815 und das Friedell-Saßm a n n s ch e Heutige wundervoll zusammen. (En passant: De>r Shakcspoaresche „Hamlet" int Frack, der mit so großem Erfolg in London aussgesühr: wurde und mm bald auch in Wien zu sehen sein wird, schöpft auch seine Berechtigung und seinen Sinn aus derselben Quelle der grotesken Zeitverneimmg. Und Shaw? Die beiden Erneuerer haben ausgezeichnet Milieu, Stimmung, Sprache, Couplet und den philosophischen (Friedell) Witz (Satzntann) von Nestroy getroffen. # . Da der Herr des Flammen reiches, Delius, sich langweilt und das böse Prinzip und seine Heerscharen böschäftigungÄos und abgebartt worden könnten,'richtet die böse Fee Jnfantia (Rosar spricht sie donnernd und tut gut daran, mehr fett und marktschreierisch als teuflisch-schllangenhast zu sein) eine Unordnung in der Oberwelt der Menschen an, indem sie den Unzuftiedenen zu v tel an Ordnung, Glück, Zuftiede^nhett beschert. Denn wer alles hat, hat nichts, oder war die Schäle des Glückes besitzt, vermißt den Kern des Kummers (zweite Deutung), oder, wer sich mit dem Kern nicht begnügt, dem Hilst um so weniger die Schäle (dritte Deutung), oder, der Kem des Menschen bleibt immer derselbe, mag auch seine Schale sich mit Standes-, Liebes-, Reichtums- und schließlich auch Orts- Verschiebung verändern (vierte bis xte Deutung; eine lebensvolle Parabel ist imnl'N Vieldeutig). Also: Fahre immer nur bis nach Fischamend, nein, sogar nur bis nach Klein-Schwechat, denn lveiter könnte dir „ängsklich-enKisch" werden (hei dem heutigen EM«ßverkehr ist dieses Motiv ebenso komisch wie dazumal, - zur Postwagenzsit; das innere Erlebnis, das hier mit weinerlichen Augen lächerlich gemacht wird, ist heute ebenso aktuell), oder Müller, bleib' iu deiner Mühle, Tambour bei der Köchin uijw., oder verlangt nicht nach allM glücklicher Liebe, oder Räuber^ mach' dir die Sache n>icht zu leicht, mit einem Wott: Bleibt dabei und Reinhardt geh' nicht in die Mandschurei!... In der Josefstadt st auch schön regieren... Aber doch... So weit reicht die Macht der Frau Jnfamia nicht: Belehrt das eine Mal, würden alle nächstens dasselbe wieder machen. Denn der Kern, dir Sehnsucht... Und sich selbst verspotten kann die Schale leicht,.-, * Wenn alle Operetten so gespüm würden, könnte man noch vMeichr Oporettmftennd widen. Daran liegt es aber, daß diese Zauberposse keine Operette ist, obwohl gesungen, getanzt, Ulk getrieben und eine Musik nach Motiven von Adolf Müller von Karl Hieß komponiert wurde. In der Operette wird nämlich dir Handlung furchtbar ernst genommen, in dieser Poffe furchtbar unernst. Aus die Philosophie, die Stimmung, das Spielerische kämmt es ihr die! mchr an, als ans die Geschichte und die Helden.' Die Wahchetten des Zirkusclown. Das hat die Spielleitung Paul Kalbecks in Dekoration, Zustnmnenspiel und MaSke schr ausdrucksvoll herausgoarbeitet. Ein Beispiel: Um geknickte Herzen darzustellen, chüen die zarten Körper zweier verschmähter Mädchen (Semaka, Whmetal) über die Arme chrer Mütter (Traeger-Ma:scheko, Lewinsky) rythmisch zusammen. Ueberhaupt die diÄveten Einzelheiten! Wie fem die Derbheit!... Und hie Schauspieler erst: Alle spielen Hauptrollen und alle sind ausgezeichnet. Allen , voran drei, weil sie öfters auf der Bühne fiüd: Die prächtige Dagny Servaes, sin vornehmes Dienstmädchen und rme Parvenüdame; ihr TanM und Singen einfach, aber frisch und rührend; Hermann Thimig tobt sich nach allm Richtungen aus: Naiv, unMcklich, überglücklich, liebend, geliebt, ausgelassen — und am besten im Schweden, in der Sprache der Bisage, der Augen, der Glieder; Gustav Waldau gibt dem arme» Seffe>l:röger, der über Nacht Schloßherr und MMiardär wird, vor diesem Reichtum bald aber flieht, eine geradezu monumentale, tragikomische FÄie. man noch die anderen ThimigS evwähnen, den alten, ty-utspeienden Gntechten Hugo« mtb dessen verwöhntes Böhnchen, dem Hans eine reifende Pab«tSt«ma«e auffetzt? Den schmucken, zarten auSgedvrrten Tambom, de« Helene Thimig mit ersterbender, gchauchter Stimme singt, weil in seinem Lebe« die Frauen kommandieren. Und dm« Moser, der philiströse Räuber, Friedell, der Autor «* ©dl* reisende, weil er jährlich zwechundertmal nach Fischamend fährt, die Oberdämonen Daghofer und Nowotny, die schurttsthe Suteia-Bpsiffc m mm ffiak M * all V) \