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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-06 · Heft 2527 (6.3.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2527 (6.3.1926)
Date
1926-03-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-k. S8S7 ©fett, AamSiag Wiener Mor-enzeltnnft tz. Mar; 1SS8 &k% Schwere kxplofionslataftrophe in Prag. ein MmMümsirampott in die Luft geflose«. - 3 Zote, 69 verletzte. — Furchtbar« -reu«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Sammlung Dr. Max Strauss, zett. Wien CtemSlde aller tuH moderner Heister» Mhtlataten, Silhouetten, Handxelchntn gen alter M Wer, englische and fransftslsche tiopfersllehe Darunter Gemälde von - A. Breuwer, P, Brennst HI..G.D. Camphnysen, A Oanatetto, P. Oaeaa, A Onyp, J Ooastere, J. van Doyen, J de Heem, O Neteoher, A ran Ostads, I. Van Ostade, J n. S. Ruysdael. R J. Savery.J Sibereohta, J Steen. D.Tenniera d J.O.D. Ttepolo, J. Victor. J Weentt.Ph Wonwerman, B. V Alt, L. J 7 Bonn nt, A. O Deo*mpe, J Kriehuber, A. Men* sei, K Troyon, F. O. Waldmtliier. Miniatoren von K. Ley* bald. D Saint, L. M. Anttssler, J Goeaard« B H. Lantlols, F. L. v. Vieth, J. B Isabay new. HandselohnUngen alter Meister vom P. Brueghel, A Oarraool, M. Marleaobi, Z. de Monoheron. J ran Stry new Kupferstiche (sumetst ln Farben gedrnektl von und naoh: F Bartolossl. W. Beoohy, Th. Qainsbor. ugb, J. Ronpner. R. Porter, J. M. Queverdo, J. Rislngr, J Ward, F. Wheatiev n. a. WERSTE QiRUNO Im oberm Säule des itünstisrhauses, Wien, I., Kar'snlatzS. Montag den 22. und Dienstag dm 23. März i926 ab i Uhr SCHAUSTELLUNG daselbst von Donnerstag den K bis Sonntag den 21. März ■ 1926 von In bis 5 Uhr I Gtiioksetig Bes m v. H. C. J Wawra I IV . Mühlgasse 2d—30 III.» Lothnngerstrjr-ie 14 ■ Sie kmovSifierung der Türkei. Lateinische Schrift. Aus Kon st antinopol wiw uns gemeldet: Fm Zuge der Reformen wurde nun damit begonnen, die bisherigen Brie fmarken aus dem Verkehr zu zichen. In den nächsten Tagen sollen sie durch neue ersetzt werden, ain denen die Aufschrift nicht mchr in arabisch-türkischer Schrift, sondern in lateinischen Buchstaben angebracht ist. Auch dies ist ein Teil des EuropäisierungSprogrammS. Die Regierung hat ferner angeordnel, daß im Umornch: in Algebra und Geometrie lateinische Buchstaben verwendet werden. Die ganze Frage der Einführung der lateinischen Schrift ist wieder aufgerollt. Ein Ionderkonnree der Narionalversammlung hat die Frage untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, Laß die richtige Linie des Vorgehens Zwischen einer Reform der bisherigen türkischen und der Annahme der lateinischen Schrie liege. In Baku wird am 25. d. ein turkologischer Kong r e ß eröffnet. Die Russen haben bereits eine türkisch-tatarische Zeitung in Baku begründe:, die in lateinischen Buchstaben gedruckt wird. Der Kongreß von Baku wird sich besonders mit dein Alphabet beschäftigen. Die ganze Frage ist insofern politisch, als die Russen durch Begünstigung der Schristreform ihren Einfluß in der russisch-türkischen Grenzzone erhöhen könnten, falls die türkische Nationalversammlung die vielfachen Wünsche aus Reform der türkischen Schrift nicht erfüllen würde. Die ägyptischen Studenten schaffen den FeS ab. Wie aus Kairo gemeldet wird, haben die äghptischenStudenten Heischlossen, dem Beispiel der türkischen Studenten zu folgen und künftig keinenFes, sondern nur noch europäische Kopfbedeckung zu tragen. Mn tzoolivge-Salbdollar. Aus Washington wirb berichtet: Zum 160. Jubiläum der Unabhängigkeitsevklärung am 4. Juli wird die Münze in Philadelphia, wo am gleichen Tage eine Jubiläumsausstellung eröffnet wird, eine neue Halbdollarmünze mit dem Bildnis des Präsidenten Cool öd ge auSgegeben. DieS ist das erstemal in der Geschichte der Bereinigten Staaten, daß das Bildnis eines lebenden Präsidenten zu PrägungSzwecken verwandt wird. Außer diesem Coolidge-Halbdollar, von dem nur eSne Million Stücke geprägt werden, wird die Münze auch 250.000 Zweiemhalbvollargolldstücke zur Erinnerung an die Erklärung der Unabhängigkeit Herausgaben. Beide Münzen werden jedoch kaum in den Verkehr kommen, sondern dürften von Sammhern und Händlern aufgekauft werden. SchSnheitssalons im Zrrentzaur. In den Kreisen der Psychiater und Irrenärzte bringt man ,ftoßes Interesse einer neuen Methode entgegen-, die in verschiedenen Irrenhäusern des Staates Illinois in Amerika mit anscheinend großem Erfolg durchgeführt worden ist. Rew-Yorker Blätter berichten von den Versuchen, die der Direktor des Krankenhauses von Kmkakee, Dr. Stokes, mit geisteskranken Frauen vorgenommen hat. Der Arzt ging von der Beobachtung aus, daß gesunde Frauen von der Verschönerung ihrer Erscheinung angeregt und in ihrer Stimmung günstig beeinflußt werden, und er glaubte, daß auch bei seinen Patientinnen eine günstige Einwirkung aus ihr Seelenleben zu erzielen wäre. Er richtete daher in der Frmenabteilung der Anstalt SchönheitSsalonS ein, in denen di« Kranken allen möglichen Prozeduren der Verschönerung unterworfen werden. Sie «chatten Gesichtsmassage, den neuesten Bubikopsschnitt, Maniküre, Mürel zur Verbesserung des Teints ufw. Die Ergebnisse dieser eigenartigen „Behandlung" waren so ermutigend, dch Dr. Stokes die Berschönerungskur noch weiter ausdehnte und auch Schneiderinnen engagierte, die den Patientinnen schöne Toiletten verfertigten und anprcblerten. Der Arzt ist der Ansicht, daß durch diese sorgfältig« Pflege des Arußeren bei vielen gristeSkranken Frauen die Selbstachtung und daS Srlbstbewußtsein gehoben werden, und dch damit ein günstiger Einfluß auf ihren Geisteszustand ausgeübt wird. In vielen leichteren Fällen wurde chon nach wenig Wochen dieser Behandlung eine Heilung erzielt, so daß die Kranken aus der Anstalt entlassen und nach Hause zurückgeschickt tvewen konnten. Bei schweren Fällen konnte wenigstens eine bedeutende Besserung festgestellt werden. Die gleiche Behandlung ist bereits in zwei anderen Jrremnstalten von Illinois ausgenommen worden, in Elgin und Watertown, und man will sie jetzt auch in verschiedenen anderen amerikanischen Irrenhäusern durchführen. Prag, 5. Marz. In der in der unteren Neustadt gelegene» Tischlergasse ereignete sich heut« in den Mittagsstunden eine folgenschwere Explosion. Soldaten führten aus dem Munitionslager in H o st i o i t s 34 Stiften mit Handgranaten nach Prag, um die Vorräte der einzelnen militärischen Formationen zu ergänzen. Die Granaten wurden in Kistchen, di« sorgfältig plombiert und geprüft waren, auf einem von zwei Pferden gezogenen Wagen transportiert, neun Kistchen wurden im Magazin der HklsSrotte am Pohorslez abgaliefert. Auf der Weiterfährt mit, den restlichen 25 Kisten durch die Tischlergasse, und zwar zwischen den Häusern Nr. 12 und 17, ereignete sich aus bisher noch nicht einwandfrei! festgestellten Ursachen eine Explosion, die von einer sehr starken Detonation begleitet war. Es verlautet, daß während der Fahrt eine Kiste vom Wagen h e r a b s i e l und die darin befindliche Munition durch Erschütterung zur Selbstentzündung gebracht worden ist. , Die beiden den Transport begleitenden Soldaten wurden etwa zwanzig Meter hoch geschleudert und fielen in zerrissenem und unkenntlichem Zustand aus die Straße. Wehklagen und Schmerzrufe erfüllten die Luifl. Straßenpaffanten, aber auch Personen.der umliegenden Geschäfte und Wohnungen lagen verwundet umher. Der durch die Katastrophe entstan'dene Lustdruck war so ungeheuer, daß nicht nur in der Tischlergasse, sondern auch in den benachbarten Straßen sämtliche Fensterscheiben zertrümmert, die Rahmen herausgerissen und die eisernen Rolläden wie Papier verbogen, zerrissen und einzelne Dächer teilweise abgetragen wurden. In einigen Häusern wurden die- Wohnungseinrichtungeu durcheinandergeworfen und stark beschädigt. Die Wafferabslußvohren wurden von den Mauern abgerissen und deformiert. Besonders gelitten haben die Häuser 12, 17 und 19. Die im Parterre befindlichen Geschäfte wurden vollst 5 ndig demoliert. Die- Fassaden der meisten Häuser sind stark beschädigt worden. Die ganze Gasse ist mSt Glasscherben übersat. An der Unglücksstatte hatte sich gleich Polizei- und Militärbereitschast eingesunden, welche di« Tischlergasse absperrte und räumte. Werter fand sich aus der Unglücksstätte das Freiwillige Rettüngskorps mA sechs Automobilen sowie Militär, und Polizeiärzte, welche sich sofort der Verwundeten annahmen, ein. Polizeibeamte stellten sofort an Ort und Stelle die entstandenen Schäden fest. Das herbeigerusene Militär begarm gleich mit den Ansräumungsarbeiten. Um Einstürze zu verhüten, werden an einigen Häuserfronten Stützungsarbeiten vovgenommen. In dem am stärksten betroffenen Hause, Tischlergaffe 12, wurden ganze Stücke der Mauer hevausgerissen, der Perputz von Wänden und Plafonds fiel.herab, so daß daS Rohrgefilecht offen liegt. In diesem Hause wurde auch eine Näherin durch herabfallende MctzuerstSSe am Halse so schwer verletzt, daß die H a l ss ch la ga der durchtrennt wurde und die Unglückliche ihrer Verletzung erlag. Auch Gasleitungen wurden durch die EAlrsion beschädigt, so daß Vorkehrungen getroffen werden mußten, um weitere Explosionen zu vechüten. Es wurden sofort jene Familien festgestellt, deren Wohnungen dnrch die Explosion so demoliert wurden, daß sie uickewohnbar sind. Diesen Familien wurden sofort Ersatzräum lichtesten in SchLuvung eine» Devtmals seialleuer Wischer Soldaten. Im Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild" (Berlin) finden wir die folgende Mitteilung: Völkische Bubenhände besudeln ein Ehrenmal der Gefallene«! In Karlsruhe i. B. ist im Schutze der Nacht das für die gefallenen Kameraden errichtete Ehrennral feige besudelt worden. Jeder, in dessen Herz noch ein Funke von Ehrgefühl glimmt, wird sich von dieser Schandtat empört abwenden. Wir können nicht glauben, daß sich selbst die Anhänger der gegnerischen Seite solidarisch erklären mit jenen Buben, deren Haß vor dem Denkmal der Gefallenen nicht Halt macht. Wenn aber dennoch ein Maß von Schuld auf sie zurückfällt, so geschieht es aus dem Grunde, weil hier die Saat aufgeht, die sie in lausend giftigen Keimen in die Herzen und Hirne junger Menschen säen. Ein Ehrenmal zu schänden, bedeutet Grabschändung! Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird alle Maßnahmen treffen, um dieser Feiglinge habhast zu werden und sie der verdienten Strafe zu überliefern. Darüber hinaus übernimmt er die Pflicht, Wache zu halten an dem Ehrenmal in Karlsruhe, auf daß einer erneuten Besudelung die Antwort zuteil wird, die ihr gebührt. Jeder anständige Deutsche wird solche Gesinnungslosigkeit — dessen sind wir sicher — verurteilen und betrauern. einer Schule bis zu der Zeit zur Verfügung gestellt, ta ihre Wohnungen wieder instand gesetzt sein werden. Die Regierung hat der Mizeidirektion genügende Geldmittel bereitgestellt, welche de» betrof'enen Familien als Aushilfe für die verursachten Schoden ausgezohlt werden sollen. — An der Unglücksstätte fanden sich im Lause des Nachmittags der NarionalverteidigungSminister S t ribrny, der GeneraPabSchef Sirovy, viele Nationalräte und Senawren ein. Nach der Explosionskatastrophe wurden die Pferde des Munttionsgestxmns, welche sich losgerissen hatten und davongerannt waren, auf dem benachbarten Petersplatz eingesangen. Die Pferde bluteten auS den Nüsttrn und hatten den Himerteil des Körpers verbrannt. Der durch die Explosion angerichtete Schrwen wird auf viele Millionen geschätzt, laßt sich aber noch nicht genau sestsetzen, da auch in vielen Wohnungen große Verheerungen angerichtet worden sind. Die Opfer. Amtlich werden di« drsinttiven Ziffern an Tvten und Verwundeten bei der EMlosionskataslrcphe wie folgt gemeldet: Drei Tote, 69 Verletzte, davon 63 leicht und in Hausbehandlung entlassen, sechs in KrankenhausbehaMung. Von diesen sechs sind drei schwer verletzt. Bei keinem besteht Änmittel^ bare Lebensgefahr. Die Militärverwaltung hat eine strenge Untersuchung darüber eingeleitet, cü beim Transport dieser Granaten die Vorschriften, die für den Transport gelten und deren Zulänglichkeit durch eine lange Erfahrung bestätigt ist, strenge eingchalten wurden. Die für heute angesagten Feierlichkeiten aus Anlaß des bevorstchenden Geburtstages .des Präsidenten Masarhk wurden abgesagt. * - Spät nachts wird uns noch gemeldet: Bon fachmännischer Seite wird erklärt, daß es sich um einen Transport Handgranaten, System Ing. Janecek, handelte, die erst vor kurzem in der tschechoslowakischen Armee eingesührt wurden. Der Transport bestand auS f ogenannten Offensivgranaten, deren Explosivkraft eine besonders große ist. Daraus erklärt sich auch, daß die durch den Luftdruck hervorMrufenen Schäden bedeutenumfangreicher sind als die Lmrch mnherfliegende Eisensplitter. Die wahrscheinliche Ursache der Katastrophe dürfte darin gelegen sein, daß zum Transport ein ungefederter, mit Pferden bespannter Wagen benützt wurde. Durch die st ä n d i g e n E r s ch ü t t e r u ng e n des Gefährtes dürsten die Z ü n d n a d e l n allmählich aus ihrer gesicherten Lage gebracht worden sein und dann beim Auffahren des Wagens auf einen unebenen Pflasterstein aus die Zündkapseln geschlagen und diese zur Explosion gebracht haben. In der Prager Oeffentlichkeit wird die Frage aufgeworfen, ob es statthaft sei, daß in Friedenszeiten ein derartiger Transport in einem offenen, mit Pferden bespannten Wagen durch die belebtesten Straßen Prags geführt werde,' wodurch die ganze Stadt in die größte Gefahr gerate. Ohne Zweifel wird die Katastrophe auch noch das Parlament beschäftigen. BetteidskunÄgebung den BurrdesreArevung. Bundeskanzler Dr. Ramek hat ans Anlaß der Explofionskatastrophe in Prag durch sine» Funktionär des Auswärtigen Amtes dem hier weilenden tschechoslowakischen Minister des Aeußern Doktor Be ne sch das aufrichtige und herzliche Beileid der Bundesregierung zuut Ausdruck bringen lassen. Der PrSstdeat der HnaderttilomSuaer. Die lustige Gesellschaft der Hundertkilomanner, einer der bekanntesten Pariser Vereine, ist, wie der „Matin" berichtet, ganz stolz auf ihren neuen, jüngst gewählten, schwergewichtigeir Präsidenten. Und wahrhaftig: wenn es aus der Welt einen Mann gibt, von dem in unanfechtbarer Weise das berühmte Wort „Der rechte Mann am rechten Platz" gilt, so ist es dieser Herr Paul Sutty, der mit imponierender Nonchalance das respektable Gewcht von 198 Kilo mit sich herumträgt. Herr Sutty, der 39 Jahre alt ist, war früher ein nicht nur körperlich, sondern auch der moralischen Qualität nach hochgeschätztes Mitglied der Pariser Feuerwehr. Als der Krieg ausbrach, ging er freiwillig zu den Jägern zu Fuß, und die 156 Kilo, die er damals darstellte, hinderten ihn nicht, den ganzen Feldzug leicht füßig beim Alpenkorps mitzumachen und auf die höchsten Berge zu klettern. Heute noch hat er, twtz seiner Massigkeit, die Be hendigkeit nicht eingebüßt: er gestattet sich den Luxus, auf einen Autobus, der in schneller Fahrt begriffen ist. aufzuspringen, wobei es allerdings nicht selten Vorkommen soll, daß das ganze Fuhrwerk bedenklich ins Schwanken gerät und die anderen Passagiere in Gefahr schweben, auf die Straße geschleudert zu werden. Und ferner ist Herr Sutty bis zum heutigen Tage er« passionierter Radfahrer, wozu man sich ein Rad von ganz besonderer Wuchtigkeit zu denken hat. Aus alle» diesen Gründe« haben die Hundertkilomänner Herrn Sutty zu ihrem Präsidenten geivählt und man wird den „Ueberpräsidenten" selbstverständlich durch ein Monsterbankett feiern-

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